{"id":2980,"date":"2008-02-15T09:28:45","date_gmt":"2008-02-15T08:28:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2980"},"modified":"2015-11-28T10:45:50","modified_gmt":"2015-11-28T09:45:50","slug":"aufruf-fuer-ein-zentrum-gegen-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2980","title":{"rendered":"Aufruf f\u00fcr ein  \u201eZentrum gegen Krieg\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der Willy-Brandt-Kreis, eine Vereinigung von Freundinnen\/en Willy Brandts, hat den folgenden Aufruf formuliert und an die Bundestagsmitglieder geschickt. Der Aufruf kritisiert die Konzentration auf eine Zentrum gegen Vertreibung und fordert stattdessen ein Zentrum gegen den Krieg. Gerne helfen wir bei der Verbreitung des Aufrufs und des Schreibens an die MdBs. Siehe unten. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nDas geplante und anhaltend umstrittene Zentrum gegen Vertreibung unterliegt, entgegen den Intentionen des Parlaments, der Gefahr, als Instrument der Anklage missverstanden zu werden. Dieser Missdeutung, die auch in Polen und Tschechien sehr bald laut geworden ist, sollte begegnet werden. Geht es hier wirklich nur um das Recht auf eine Klagemauer, um Verst&auml;ndnis und Vers&ouml;hnung, oder geht es um die Zuweisung  von Schuld und Unrecht Richtung Osteuropa, mit dem Ziel einer Bewusstseinsverschiebung, die schlie&szlig;lich auch eine Eigentumsverschiebung erm&ouml;glichen wird?<\/p><p>Vertreibung ist eine von vielen entsetzlichen Kriegsfolgen. Genauso gut k&ouml;nnte man ein Zentrum gegen Gebietsannexionen bef&uuml;rworten, eins gegen die Geringsch&auml;tzung des Lebens von Soldaten, gegen Massaker an Zivilisten, gegen Bombenopfer und Ruinen, eins gegen Zwangsarbeit und Gefangenenlager, gegen Hunger und Typhus, ein Zentrum gegen Vergewaltigung, gegen Verrohung der Sitten, gegen &bdquo;ethnische S&auml;uberungen&ldquo;, gegen Ver-geltung und Strafe der Sieger.<\/p><p>All dies sind im letzten Jahrhundert immer die fatalen Folgen von Kriegen gewesen, je schrecklicher der Krieg, je fataler. Verurteilt man aber die Folge und nicht die Ursache, so greift man zu kurz, ja weckt Illusionen. Man suggeriert, nach Angriffskriegen k&ouml;nnten deren unvermeidliche Folgen vermieden werden.<\/p><p>F&uuml;r die Zukunft folgt daraus nicht das Unrealistische: Vertreibungen nach Kriegen sind zu verbieten. Sondern: Wer Vertreibungen verhindern will, muss Kriege verhindern.<br>\nWir brauchen kein Zentrum gegen Vertreibung. Wir brauchen ein Zentrum gegen Krieg. Das den J&uuml;ngeren veranschaulicht, weshalb Krieg ge&auml;chtet und k&uuml;nftig zu meiden ist. Jede Art von oben erw&auml;hnten Kriegsleiden k&ouml;nnte hier einen Raum bekommen, nicht nur die, die heute noch entsch&auml;digungsrelevant sind. In diesem Kontext k&ouml;nnte auch das im Koalitions-vertrag vereinbarte sichtbare Zeichen gegen Vertreibung seinen Platz finden.<\/p><p>Am Eingang w&auml;re eine Warnung von Bertolt Brecht von 1952 denkbar: &bdquo;Das Ged&auml;chtnis der Menschheit f&uuml;r erduldete Leiden ist erstaunlich kurz. Ihre Vorstellungskraft f&uuml;r kommende Leiden, ist fast noch geringer.&ldquo;<\/p><p><em>Die Mitglieder des Willy-Brandt-Kreises:<\/em><\/p><p>Egon Bahr, Elmar Br&auml;hler, Daniela Dahn, Hans-Joachim Gie&szlig;mann,<br>\nG&uuml;nter Grass, Dieter Klein, Irina Mohr, Klaus No&eacute;, Rolf Reissig, Edelbert Richter, Axel Schmidt-G&ouml;delitz, Friedrich Schorlemmer, Klaus Staeck, Christoph Z&ouml;pel.<\/p><p><em>Sowie die Erstunterzeichner:<\/em><\/p><p>Michael Brzoska und Reinhard Mutz, Institut f&uuml;r Friedensforschung  und Sicherheitspolitik an der Universit&auml;t Hamburg, L&uuml;hr Henken, Hamburger Forum f&uuml;r Frieden, V&ouml;lker-verst&auml;ndigung und weltweite Abr&uuml;stung, Willi Hofmeister, Ostermarschkreis Ruhr, J&ouml;rg Huffschmid, Wissenschaftlicher Beirat von Attac, Willi van Ooyen, Ostermarschb&uuml;ro, Johannes Pf&auml;fflin, Psychotherapeutischer Arbeitskreis f&uuml;r Betroffene des Holocaust e.V., Peter Pogany-Wnendt, Internationale &Auml;rzte f&uuml;r die Verh&uuml;tung des Atomkrieges, Werner Ruf und Peter Strutynski, Bundesausschuss Friedensratschlag, Horst Schmitthenner, &ldquo;Politikwechsel&rdquo;, Horst Trapp, Friedens- und Zukunftswerkstatt Frankfurt a.M., Markus Weingardt, Forschungsst&auml;tte der Evangelischen Studiengemeinschaft FEST, Henning Zierock, Arno Gruen und Konstantin Wecker, Kultur des Friedens. <\/p><p><em>Und 1130 Unterzeichner der online-Liste des Brandt-Kreises, darunter:<\/em><\/p><p>Johannes M. Becker, Zentrum f&uuml;r Konfliktforschung Universit&auml;t Marburg, Frank Brietzke, Vertriebenen-Sohn, Reiner Diederich, Vorsitzender der KunstGesellschaft Frankfurt a.M., Hans-Peter D&uuml;rr, Physiker, Friedensnobelpreistr&auml;ger, Carlos Foth, Staatsanwalt a.D., Rolf G&ouml;ssner, Pr&auml;sident der Internationalen Liga f&uuml;r Menschenrechte, Margret Hamm, Bund der &bdquo;Euthanasie&ldquo;-Gesch&auml;digten und Zwangssterilisierten, Josef Haslinger, Schriftsteller, Werner Heiden, Deutscher Friedensrat, Burkhard Homeyer, Kinder von Tschernobyl e.V., Hajo Jahn, Stiftung Verbrannte und Verbannte, Inge Jens, Editorin, Reinhard Kluge, Historiker, Helmut Kramer, Richter am OLG a.D., Klaus Mucha, Ag-gressionsforscher, Dieter Lachenmayer, Friedensnetz Baden-W&uuml;rtemberg, Petra Moer-bitz, Richterin am Verwaltungsgericht, Norbert M&uuml;ller, terre des hommes, Petra Pau, Vizepr&auml;sidentin des Bundestages Die LINKE, Ursula Peters, Gro&szlig;m&uuml;tter gegen den Krieg, Ellen Rohlfs, Gush Shalom, Dirk Sager, Journalist, Ulrich Schneider, Generalsek-ret&auml;r der Internationalen F&ouml;rderation der Widerstandsk&auml;mpfer, Siegfried Schr&ouml;der, Teil-nehmer am Zweiten Weltkrieg, Martin Schult, Gesch&auml;ftsstelle Friedenspreis des Deut-schen Buchhandels, Frido Seydewitz, GULAG-H&auml;ftling,  Joachim Sensebusch, Vorsit-zender des Deutschen Kinderschutzbundes, Udo Stampa, Richter am Landessozialge-richt, Wilhelm von Sternburg, Schriftsteller, Wolfgang Sternstein, Friedens- und Kon-fliktforscher, Johano Strasser, PEN-Pr&auml;sident, Stephan Tanneberger , Krebsforscher, Klaus Theweleit, Autor, Peter C. Walther, Initiative gegen Rechtsextremismus, Christian Wellmann, Friedensforscher, Hans-Eckardt Wenzel, Liedermacher, Johannes Wipper-mann, Polizeibeamter, Rainer Wochele, Autor, Vertriebener.<\/p><p>Willy-Brandt-Kreis<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Friedrich Schorlemmer\tc\/o Heinke Peters, Tarpenbekstr. 100, 20251 Hamburg<br>\nVorsitzender des Willy-Brandt-Kreises e.V.\tTel. 040\/460 3703 e-mail: <a href=\"mailto:heinkepeters@yahoo.de\">heinkepeters@yahoo.de<\/a><\/p><p>An die Abgeordneten<br>\ndes Deutschen Bundestags<br>\nPlatz der Republik 1<br>\n11011 Berlin<\/p><p align=\"right\">Berlin  13.2.2008<\/p><p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p><p>wir &uuml;bergeben Ihnen hiermit den Aufruf f&uuml;r ein Zentrum gegen Krieg in der Erwartung, dass unser Vorschlag bei Ihrer Beschlussfassung um das geplante &bdquo;sichtbare Zeichen gegen Ver-treibung&ldquo; Ber&uuml;cksichtigung findet. <\/p><p>Es handelt sich um eine von Mitgliedern des Willy-Brandt-Kreises ausgegangene Initiative, der sich Erstunterzeichner aus Wissenschaft, Kultur und NGO&acute;s  angeschlossen haben und zu dessen Unterst&uuml;tzung sich weit &uuml;ber tausend B&uuml;rger in die unter www.brandt-kreis.de einsehbare Liste eingetragen haben. Den Text des Aufrufs finden Sie in der Anlage, die Ad-ressen der Unterzeichner liegen dem Willy-Brandt-Kreis vor.<\/p><p>Unser Aufruf ist noch vor den j&uuml;ngsten Verhandlungen mit der polnischen Seite entworfen und abgestimmt worden. Selbst wenn damit Sorgen, wie sie im ersten Absatz des Aufrufs formuliert wurden, hoffentlich ausger&auml;umt oder  jedenfalls gemildert worden sind, bleibt das zentrale Anliegen des Aufrufs unver&auml;ndert. Auch nach den j&uuml;ngsten Verhandlungen von Kulturstaatsminister Bernd Neumann wird auf polnischer Seite der Begriff &bdquo;Zentrum gegen Vertreibung&ldquo; als ideologisch belastet abgelehnt. Der in dieser Frage von Anfang an engagierte Publizist Adam Krzeminski betont, es g&auml;be nun gegen&uuml;ber dem sichtbaren Zeichen zwar &bdquo;keine strikte Ablehnung mehr, aber auch keine direkte Zustimmung.&ldquo; Er spricht von wohlwollender Distanz.<\/p><p>Das ist f&uuml;r gute Nachbarschaft zu wenig. Um der belasteten Geschichte gerecht zu werden und ein einvernehmliches Miteinander zu erreichen, schlagen wir Ihnen und Ihren polnischen Partnern vor, den Schwerpunkt der geplanten Dauerausstellung zu modifizieren. Es kann nicht sein, dass die umfassendere Sicht auf Krieg und Frieden, auf Ursachen und Folgen f&uuml;r die Zukunft, dem geplanten Zentrum in Gdansk &uuml;berlassen wird, w&auml;hrend wir uns in Deutschland, von wo die Katastrophe ausging, auf unsere eigene Leidensgeschichte kon-zentrieren. <\/p><p>In der Hoffnung auf Ihre zustimmende Aufnahme unseres Vorschlages\t<\/p><table border=\"1\">\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/080215_pic01.png\" alt=\"Unterschrift 01\"><br>\n           Egon Bahr<br>\n           Bundesminister a.D.<\/td>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/080215_pic02.png\" alt=\"Unterschrift 02\"><br>\n           Friedrich Schorlemmer<br>\n           Vorsitzender WBK<\/td>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/080215_pic03.png\" alt=\"Unterschrift 02\"><br>\n           Daniela Dahn<br>\n           Stellv. Vorsitzende WBK<\/td>\n<\/tr>\n<\/table><p>Anlage: Aufruf f&uuml;r ein &bdquo;Zentrum gegen Krieg&ldquo;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Willy-Brandt-Kreis, eine Vereinigung von Freundinnen\/en Willy Brandts, hat den folgenden Aufruf formuliert und an die Bundestagsmitglieder geschickt. Der Aufruf kritisiert die Konzentration auf eine Zentrum gegen Vertreibung und fordert stattdessen ein Zentrum gegen den Krieg. Gerne helfen wir bei der Verbreitung des Aufrufs und des Schreibens an die MdBs. Siehe unten. 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