{"id":2988,"date":"2008-02-18T09:24:17","date_gmt":"2008-02-18T08:24:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2988"},"modified":"2015-11-28T10:36:06","modified_gmt":"2015-11-28T09:36:06","slug":"mehr-zu-den-hintergruenden-der-aussenpolitik-in-den-nachdenkseiten-erwuenscht-heute-mit-andreas-von-buelow-und-klaus-boelling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2988","title":{"rendered":"Mehr zu den Hintergr\u00fcnden der Au\u00dfenpolitik in den NachDenkSeiten erw\u00fcnscht. Heute mit Andreas von B\u00fclow und Klaus B\u00f6lling."},"content":{"rendered":"<p>Einer unserer Leser schickt uns den Hinweis auf einen <a href=\"http:\/\/arbeiterfotografie.de\/verband\/erfurt-2007\/vortrag-andreas-von-buelow.html\">Vortrag von Andreas von B&uuml;low<\/a> und verbindet das mit dem Wunsch, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\">www.nachdenkseiten.de<\/a>  w&uuml;rden sich auch ein wenig mehr mit den Hintergr&uuml;nden der Au&szlig;enpolitik besch&auml;ftigen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nWenn man die Au&szlig;enpolitik hinterleuchte und merke, was da alles falsch laufe, dann falle es einem auch leichter, die Innenpolitik zu verstehen. W&ouml;rtlich: &bdquo;Ich bin mir sicher, dass  zahlreiche Leser Ihrer Seite langsam merken, dass hier in Deutschland etwas nicht mit rechten Dingen zu geht, was von Ihnen t&auml;glich sehr gut aufgezeigt wird. Wenn Sie jetzt diesen Menschen noch solche Artikel wie jenen von Herrn B&uuml;low aufzeigen w&uuml;rden, dann k&ouml;nnte sich deren Horizont auf einen Schlag erweitern. &hellip;<br>\nMir ist klar, dass der Aufwand f&uuml;r noch mehr Recherche nicht zu tragen ist.&ldquo;<\/p><p>In der Tat reicht unsere Kapazit&auml;t f&uuml;r zus&auml;tzliche Recherchen nicht aus. Aber wir folgen dem Rat, mehr Hinweise auf gute Beitr&auml;ge zur Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik zu geben, gerne. <\/p><p>Es lohnt ja auch, wie Sie schon bei der Lekt&uuml;re des Vortrags von Andreas von B&uuml;low erfahren k&ouml;nnen. Wenn Sie ihm nur glauben, was er im siebten Absatz &uuml;ber Ergebnisse der so genannten Church-Kommission des US-Senats berichtet, dann wissen Sie, dass zu Zeiten des Vietnam-Krieges mindestens 400 Journalisten rund um den Globus im Dienste des CIA standen. Dann k&ouml;nnen Sie manche Meldung und die Unterdr&uuml;ckung vieler schlimmen Ereignisse besser verstehen und einordnen.<\/p><p>Heute geben wir zus&auml;tzlich zu dem Vortrag von Andreas von B&uuml;low, fr&uuml;her SPD-MdB, parlamentarischer Staatssekret&auml;r und Bundesminister, noch ein Hinweis auf einen Artikel von Klaus B&ouml;lling, fr&uuml;her Regierungssprecher in Bonn und dann St&auml;ndiger Vertreter der Bundesrepublik in der DDR. In seiner Bonner Zeit sa&szlig;en wir t&auml;glich zusammen in der morgendlichen &bdquo;Lage&ldquo; des Bundeskanzleramtes und waren auch sonst trotz mancher sachlichen Differenzen freundschaftlich verbunden. Unser Urteil &uuml;ber die Reformpolitik und die Agenda 2010 d&uuml;rfte sehr verschieden ausfallen, nicht so offensichtlich die Meinung zu Milit&auml;reins&auml;tzen und Krieg als Mittel der Politik. Man macht eben gelegentlich immer wieder auch positive Erfahrungen.<\/p><p><em>Hier der Text der &bdquo;Au&szlig;enansicht&ldquo; Klaus B&ouml;llings in der S&uuml;ddeutschen Zeitung vom 31.1.2008:<\/em><\/p><p><strong>&bdquo;Au&szlig;enansicht &ndash; Erfahrung unerw&uuml;nscht<br>\nWarum beschlie&szlig;t der Bund den Kampfeinsatz in Afghanistan? Weil niemand mehr Politiker fragt, die noch wissen, was Krieg ist<\/strong><\/p><p>Schei&szlig;krieg.&rdquo; So hat Helmut Schmidt den Zweiten Weltkrieg kommentiert, als er von der Front in seine Vaterstadt Hamburg zur&uuml;ckkehrte, Mitte zwanzig war, und voller Wut auf &ldquo;Adolf Nazi&rdquo;. So nennt er bis heute das NS-Regime. Und &ldquo;Schei&szlig;krieg&rdquo;, das sagt er bis heute. Manche fanden das immer schon eine gewisse Bagatellisierung. <\/p><p>Er nicht. &Uuml;ber seine Gespr&auml;che, die er vor dem Kosovo-Krieg mit Gerhard Schr&ouml;der f&uuml;hrte, weil dieser ihn um Rat gebeten hatte, bewahrte er immer Schweigen. Es ist mehr als Spekulation, dass er dem Kanzler riet, im Kosovo eher vorsichtig zu sein. Die Meinung von dessen Au&szlig;enminister Joschka Fischer, nach Auschwitz d&uuml;rfe die Bundesrepublik dem Morden von Milosevic aus humanit&auml;ren Gr&uuml;nden nicht l&auml;nger zusehen, hat Schmidt f&uuml;r abwegig gehalten. Er, der Weltkrieg-II-Offizier, hatte im Kopf, dass die deutsche Luftwaffe im April 1941 Belgrad bombardiert hatte. Dass die Nato mit Bundeswehrmaschinen diese Tat wiederholte, fand Schmidt h&ouml;chst ungl&uuml;cklich. Afghanistan ressortiert f&uuml;r ihn, den Sicherheitspolitiker und ehemaligen Verteidigungsminister, ebenfalls unter dem Titel &ldquo;Schei&szlig;krieg&rdquo;. Ist der alte Herr nicht mehr auf der H&ouml;he der Zeit? Das mag glauben, wer will. <\/p><p>Die Taliban sickern immer h&auml;ufiger in den Norden ein, in die vermeintlich sichere Region des Hindukusch-Landes (das meilenweit davon entfernt ist, ein richtiger Staat zu sein); unsere Milit&auml;rs wissen das. Wenn also demn&auml;chst eine norwegische Einheit von unseren Soldaten abgel&ouml;st wird (durch 250 Soldaten aus dem Kontingent von 3500 Bundeswehrsoldaten), ist der Norden nicht l&auml;nger ein Refugium f&uuml;r die angeblich feigen Deutschen. Es ist ein eher l&auml;cherlicher Streit, ob das ein &ldquo;Kampfeinsatz&rdquo; werden wird, oder ob die Soldaten nur dann zur Waffe greifen, wenn die Gotteskrieger auf sie zu schie&szlig;en beginnen. Und das werden sie wohl irgendwann tun. <\/p><p>Peter Struck, der G&ouml;tz-von-Berlichingen-Imitator, wird vermutlich immer noch nicht die martialische Wendung verschlucken wollen, dass Sicherheit und Freiheit der Bundesrepublik am Hindukusch verteidigt werden m&uuml;ssten. Das stimmte damals nicht, und es stimmt immer weniger. Die Regierung macht sich etwas vor. Zehn oder gar zwanzig Jahre wird die Intervention der westlichen Afghanistan-Schutztruppe Isaf nie und nimmer durchgehalten werden. Dass dieser Krieg nicht gewonnen werden kann, haben im letzten Jahr amerikanische und englische Generale (einige noch aktiv, andere im Ruhestand) vorhergesagt. Deren Urteilskraft wird wohl h&ouml;her eingesch&auml;tzt werden d&uuml;rfen als die der Politiker, die einen offenen Bruch mit den USA bef&uuml;rchten. Die Meinung der Fachleute wird ignoriert. Im Gegenteil, deutsche Milit&auml;rs erw&auml;gen dem Vernehmen nach neuerdings eine Aufstockung unseres Kontingents von 3200 auf 4000 Mann, wom&ouml;glich um etwas mehr. Ein Kampfeinsatz r&uuml;ckt n&auml;her. Was f&auml;llt denen ein, die den Einsatz am Hindukusch f&uuml;r unverzichtbar halten? Sie f&uuml;rchten jenen &ldquo;Domino-Effekt&rdquo;, den sie schon vor 40 Jahren f&uuml;r den Fall einer Niederlage in Vietnam prophezeiten. Nun sollen wir glauben, dass bin Laden ein ideales Aufmarschgebiet f&uuml;r weltweit angelegten Terrorismus gewinnt, wenn sich die Nato schrittweise &ndash; und nach dem Scheitern einer jeden politischen L&ouml;sung &ndash; zur&uuml;ckzuziehen beginnt. <\/p><p>Der Dschihadismus ist aber heute in vielen Weltreligionen aktiv. Wenn die militanten Islamisten wirklich den ganz gro&szlig;en Krieg gegen die christliche Gesellschaft f&uuml;hren wollen, sind sie nicht zwingend auf Afghanistan als Operationsgebiet angewiesen. Au&szlig;erdem wissen wir von soliden Kennern der Verh&auml;ltnisse, dass die afghanischen St&auml;mme &uuml;bel Lust haben, sich den Weisungen der al-Qaida zu unterwerfen. Die Unterscheidung zwischen den guten, um Sicherheit und Wohlfahrt des afghanischen Volkes bem&uuml;hten Deutschen und den eher brutal agierenden US-Truppen wird kaum noch gemacht. Alle Isaf-Soldaten werden mittlerweile von den Menschen nicht mehr als Schutzmacht gegen die Taliban, sondern als Besatzer erlebt. F&uuml;r Bush z&auml;hlen allenfalls die toten GIs. Dass t&auml;glich Dutzende Taliban-K&auml;mpfer und Regierungssoldaten umkommen, ist f&uuml;r den Pr&auml;sidenten zu keiner Zeit von besonderem Interesse gewesen, so wenig wie das Sterben von irakischen M&auml;nnern, Frauen und Kindern. <\/p><p>Der Bundestag wird das Mandat f&uuml;r den Auslandseinsatz der Bundeswehr nat&uuml;rlich verl&auml;ngern, f&uuml;r zw&ouml;lf Monate. Die Regierung wird dem Druck der Amerikaner und ihres Pudels, des holl&auml;ndischen Nato-Generalsekret&auml;rs, nachgeben. Nach dem Motto: Wir machen doch nicht den Lafontaine, Gott beh&uuml;te. Eine &ldquo;milit&auml;rische Feuerwehr&rdquo; nannte soeben ein Staatssekret&auml;r im Verteidigungsministerium den erweiterten Einsatz, der unsere Soldaten unvermeidlich in die Zone der Stahlgewitter bringt. Feuerwehren l&ouml;schen aber in aller Regel nicht unter Feindbeschuss. Ein Berliner Leitartikler meinte dieser Tage, es sei &ldquo;infam&rdquo;, wenn wir uns einem Nato-Begehren verweigern. <\/p><p>Die Anw&auml;lte einer auf zwei Jahrzehnte angelegten Strategie haben augenscheinlich nur eine vage Vorstellung davon, was ein Krieg ist. Schmidts &ldquo;Schei&szlig;krieg&rdquo; n&auml;mlich. Zerfetzte Leichen sind ihnen noch nicht vor Augen gekommen. Die Politiker, die den Schrecken noch selber erfahren haben, sind recht alt und haben nichts mehr zu melden. Auch ist der Rat der Elderstatesmen nicht l&auml;nger gefragt. Franz Josef Strau&szlig; h&auml;tte vermutlich abgeraten. Der stets eigenwillige CSU-Abgeordnete Peter Gauweiler argumentiert vielleicht im Sinne von FJS. Eine Vermutung: das Unbehagen von Richard von Weizs&auml;cker. Der hat in seinen Lebenserinnerungen beschrieben, wie am zweiten Tag des Krieges gegen Polen, &ldquo;einige hundert Meter von mir entfernt&rdquo;, als erster Offizier seines Regiments sein Bruder Heinrich gefallen ist. <\/p><p>Oskar Lafontaine traktiert das Thema demagogisch. Das darf doch, bitte sehr, kein Grund sein, dass unsere Volksvertretung &uuml;ber Sinn und Un-Sinn der Afghanistan-Intervention nicht aufs Neue nachdenkt. Die Mehrheit der Deutschen m&ouml;chte diesen Krieg beendet sehen, weil sie ihn verloren gibt. Sind das denn alle nur vom Wohlstand benebelte Pazifisten? Eher unwahrscheinlich. Von Bertha von Suttner, der Nobelpreistr&auml;gerin von 1905, stammt der pathetische Ausruf: &ldquo;Die Waffen nieder!&rdquo; Diesen Ruf hat man hierzulande in dieser Radikalit&auml;t bisher nicht vernommen. Die Mehrheit muss nicht immer kl&uuml;ger sein als ihre Regierung. Gar nicht so selten ist sie es allerdings. Klaus B&ouml;lling war bis 1982 Regierungssprecher und Berater von Bundeskanzler Helmut Schmidt. 1944 musste der damals 16-J&auml;hrige als Flakhelfer in Berlin-Stahnsdorf an die Front. Foto: dpa <\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/\">S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/a><br>\nNr.26, Donnerstag, den 31. Januar 2008 , Seite 2<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer unserer Leser schickt uns den Hinweis auf einen <a href=\"http:\/\/arbeiterfotografie.de\/verband\/erfurt-2007\/vortrag-andreas-von-buelow.html\">Vortrag von Andreas von B&uuml;low<\/a> und verbindet das mit dem Wunsch, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\">www.nachdenkseiten.de<\/a> w&uuml;rden sich auch ein wenig mehr mit den Hintergr&uuml;nden der Au&szlig;enpolitik besch&auml;ftigen. 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