{"id":29894,"date":"2016-01-05T09:12:11","date_gmt":"2016-01-05T08:12:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29894"},"modified":"2016-01-05T17:05:56","modified_gmt":"2016-01-05T16:05:56","slug":"saudi-arabien-der-grosse-brandstifter-am-golf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29894","title":{"rendered":"Saudi-Arabien \u2013 der gro\u00dfe Brandstifter am Golf"},"content":{"rendered":"<p>Saudi-Arabien bricht vermeintlich grundlos einen Konflikt mit Iran vom Zaun. Wie so oft geht es dabei vor allem um Ablenkung. Sowohl nach au&szlig;en (Syrien, Jemen) als auch nach innen (Massenhinrichtungen) schl&auml;gt Saudi-Arabien seit ein paar Monaten wild um sich. Die W&uuml;stenmonarchie ist sicherlich der r&uuml;ckst&auml;ndigste und von so etwas wie Freiheit und Menschenrechten am weitesten entfernteste Staat der Welt &ndash; eine lupenreine Despotie, die geistig im Mittelalter steckengeblieben ist und um die sich kein Mensch scheren w&uuml;rde, w&auml;re Saudi-Arabien nicht zugleich gr&ouml;&szlig;ter Erd&ouml;lf&ouml;rderer und damit steinreich. Doch eben diese vermeintliche St&auml;rke droht das Land und seinen br&uuml;chigen inneren Frieden durcheinander zu bringen. Die Zeiten der hohen &Ouml;lpreise sind n&auml;mlich erst einmal vorbei und das steinreiche Saudi-Arabien kann es sich pl&ouml;tzlich nicht mehr leisten, Stabilit&auml;t zu kaufen. Der ehemalige Stabilit&auml;tsanker der Region ist in &auml;u&szlig;erste Instabilit&auml;t geraten und droht schon bald zu kollabieren. Es k&ouml;nnte zum Jahresbeginn wohl kaum eine schlechtere Nachricht geben. <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4231\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-29894-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160105_Saudi_Arabien_der_grosse_Brandstifter_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160105_Saudi_Arabien_der_grosse_Brandstifter_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160105_Saudi_Arabien_der_grosse_Brandstifter_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160105_Saudi_Arabien_der_grosse_Brandstifter_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=29894-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160105_Saudi_Arabien_der_grosse_Brandstifter_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160105_Saudi_Arabien_der_grosse_Brandstifter_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Fr&uuml;her war zwar auch am Persischen Golf nicht alles besser, aber doch vieles deutlich einfacher. Zu Zeiten der saudischen K&ouml;nige Faisal, Ch&#257;lid und Fahd war Saudi-Arabien dem Klischee nach die Tankstelle der Welt, die sich &ndash; wenn &uuml;berhaupt &ndash; vor allem mittels Scheckbuch-Diplomatie international engagierte. Oberfl&auml;chlich gesehen mag das zwar sogar zutreffen, wer jedoch an liebgewonnenen Klischees festh&auml;lt, wird die aktuellen Ereignisse auf der arabischen Halbinsel und dar&uuml;ber hinaus nicht verstehen. <\/p><p><strong>Schutzgeld f&uuml;r den Islam<\/strong><\/p><p>Streng genommen erblickte das &bdquo;moderne&ldquo; Saudi-Arabien im Jahre 1973 das Licht der Welt. Als Reaktion auf die US-Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Israel im Yom-Kippur-Krieg verstaatlichte die Dynastie der al-Sauds zwischen 1973 und 1980 den ehemals amerikanischen &Ouml;l-Monopolisten Aramco &ndash; und da Saudi-Arabien eine der letzten absolutistischen Monarchien ist, hei&szlig;t dies nichts anderes, als dass die al-Sauds sich das &Ouml;lreichtum des Landes selbst unter die N&auml;gel rissen. Von diesem Zeitpunkt an betreibt das saudische K&ouml;nigshaus eine &auml;u&szlig;erst interessante Scheckbuch-Politik, mit der die offensichtlichen Widerspr&uuml;che zwischen Anspruch und Wirklichkeit der Herrscherfamilie gekittet werden sollen. Auf der einen Seite feiern saudische Prinzen mit Alkohol, Drogen und europ&auml;ischen Callgirls ausgelassene Orgien am Cap d&acute;Antibes oder in Marbella. Auf der anderen Seite sieht sich die Dynastie der al-Sauds jedoch auch als oberste klerikale Instanz der wohl extremsten ultrakonservativen Form des Islam &ndash; des Wahabismus. Auf der einen Seite unterst&uuml;tzt Saudi-Arabien die USA in ihrem Kampf gegen den Terror und k&auml;mpft auch selbst gegen den IS und die Muslimbr&uuml;derschaft an. Auf der anderen Seite gilt Saudi-Arabien jedoch auch als gr&ouml;&szlig;ter und bedeutendster Sponsor des religi&ouml;sen Extremismus, des Islamismus und des islamitischen Terrorismus. Wie passt das Alles zusammen?<\/p><p>Saudi-Arabien ist &ndash; wenn man einmal die Frage der Geschlechter herausl&auml;sst &ndash; eine Drei-Klassen-Gesellschaft. An erster Stelle stehen <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/specials\/wikileaks\/article13199210\/Saudi-Arabien-alimentiert-7000-geldgierige-Prinzen.html\">die rund 7.000 Prinzen<\/a> der al-Saud-Dynastie, die von Jahr zu Jahr mehr werden, da jeder Prinz im Laufe seines Lebens &ndash; die Vielweiberei macht&acute;s m&ouml;glich &ndash; eine ganze Fu&szlig;ballmannschaft an m&auml;nnlichen Nachkommen zeugt. All diese Prinzen werden vom Staat je nach Rang in der Geburtsfolge sehr gro&szlig;z&uuml;gig alimentiert, nehmen s&auml;mtliche wichtige Posten im engeren und erweiterten Staatsapparat wie auch der einheimischen Wirtschaft ein und stehen de facto &uuml;ber dem Gesetz. <\/p><p>Als zweite Klasse gelten die mittlerweile rund 23 Millionen &bdquo;normalen&ldquo; Saudis im Lande, die mehr als vorbildliche staatliche Leistungen, wie ein kostenloses Gesundheits- und Bildungssystem und massiv subventionierte Preise f&uuml;r Energie und Wasser genie&szlig;en und sich daf&uuml;r mit einer international seinen Vergleich suchenden Geburtenrate bedanken. 1950 hatte das Land gerade einmal ein Zehntel der heutigen Bev&ouml;lkerung. Ganz unten im saudischen Klassensystem stehen die sch&auml;tzungsweise 10 Millionen (die genaue Zahl ist nicht bekannt) Ausl&auml;nder, die f&uuml;r die Saudis die k&ouml;rperlichen Arbeiten entrichten und streng genommen Sklaven sind, obgleich die Sklaverei offiziell 1963 im Lande verboten wurde. <\/p><p><strong>Exportgut Nummer Zwei: Ideologie und Terror<\/strong><\/p><p>Wer denkt, dass das ultrakonservative K&ouml;nigshaus ein freiheitsliebendes, demokraties&uuml;chtiges und liberales Volk unterdr&uuml;ckt, t&auml;uscht sich jedoch massiv. Die saudische Gesellschaft ist &ndash; und das ist gar nicht mal einfach &ndash; in der Masse noch reaktion&auml;rer und religi&ouml;s verschrobener als das eigene K&ouml;nigshaus. Sp&auml;testens seit 1980 hat das K&ouml;nigshaus daher seine eigene Form des angewandten Ablasshandels eingef&uuml;hrt. Um sich die Zustimmung des radikalen Klerus zu erhalten und nicht weggeputscht zu werden, &bdquo;spendet&ldquo; man einen gro&szlig;en Teil der Erd&ouml;leinnahmen f&uuml;r mal mehr mal weniger klerikale Projekte der Wahabiten. Ein fr&uuml;hes Beispiel daf&uuml;r war das US-Unternehmen &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Operation_Cyclone\">Operation Cyclone<\/a>&ldquo; bei dem mit saudischem Geld und amerikanischer operativer Unterst&uuml;tzung radikale Islamisten in Afghanistan gegen die Sowjetunion instrumentalisiert wurden. Aus den Widerstandsk&auml;mpfer (Mudschaheddin) wurden Terroristen (Taliban). Beinahe jede heute bekannte sunnitische islamistische Terrorgruppe wurde anfangs &ndash; und teils noch heute &ndash; mehr oder weniger massiv von der Familie al-Saud finanziert. <\/p><p>Neben dem &Ouml;l ist ein reaktion&auml;rer und revolution&auml;rer Islam das zweite gro&szlig;e Exportgut der Saudis. Dieser Ideologieexport geht dabei nicht nur vom Staat selbst aus. 7.000 teils mehrere Millionen Dollar schwere Prinzen bilden ein nur schwer durchschaubares Netz mit kaum aufzuschl&uuml;sselnden Finanzstr&ouml;men. Da ist es durchaus plausibel, dass es &ndash; wie zum Beispiel in Syrien &ndash; auch schon mal vorkommen kann, dass unterschiedliche saudische Prinzen in bestimmten Konflikten gleich mehrere Konfliktparteien, die sich untereinander bek&auml;mpfen, unterst&uuml;tzen.<\/p><p>Was in den 1980ern in Afghanistan begann, setzte sich vor allem dort nahtlos fort, wo die amerikanischen au&szlig;enpolitischen Interessen sich mit dem wahabitischen Expansionsdrang trafen. So in den Jugoslawien-Kriegen oder etwas sp&auml;ter in den Kaukasusrepubliken Russlands, in denen Washington Putin mit tatkr&auml;ftiger wahabitischer Hilfe in die &bdquo;Djihad-Falle&ldquo; laufen lassen wollte. Des Einen Freiheitsk&auml;mpfer waren halt schon immer des Anderen Terroristen. Daran hat sich bis heute nichts ge&auml;ndert, nur dass sich das System mittlerweile verselbstst&auml;ndigt hat. Von Nigeria und Tansania &uuml;ber den Maghreb, Frankreich und Deutschland (hier meist als &bdquo;Salafismus&ldquo;), den Nahen und Mittleren Osten bis in die muslimische S&uuml;dflanke Russlands und das westliche China werden mit saudischem Geld wahabitische Moscheen samt radikalisiertem Personal exportiert. Als der dahinsiechende saudische K&ouml;nig Salman Deutschland vor wenigen Monat &bdquo;gro&szlig;z&uuml;gig&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/ausland\/europa\/Saudischer-Koenig-will-fuer-Fluechtlinge-in-Deutschland-200-Moscheen-bauen\/story\/27194993\">anbot<\/a>, Deutschland lieber 200 Moscheen zu schenken als selbst syrische Fl&uuml;chtlinge aufzunehmen, meinte der Mann dies sicher durchaus nicht ironisch. Vollkommen unverst&auml;ndlich ist indes, warum der Westen dieses zynische Spiel so lange mitmacht. Nur an den Waffenexporten kann es doch eigentlich nicht liegen. Oder? H&auml;tte die Bundesregierung Cojones, h&auml;tte sie Salmans Angebot mit einem freundlichen Gegengeschenk gekontert &ndash; 200 Kirchen in Saudi-Arabien; alleine die Vorstellung daran h&auml;tte dem saudischen K&ouml;nig wohl die Gesichtsz&uuml;ge entgleiten lassen.<\/p><p><strong>Es l&auml;uft nicht alles rund bei den al-Sauds<\/strong><\/p><p>Saudi-Arabien hat in den letzten Jahren ziemlich viel Pech gehabt und mit den Freunden und Verb&uuml;ndeten l&auml;uft es auch nicht mehr so rund. Der alte, mit den Saudis in Hassliebe verbundene, Partner USA hat doch glatt im letzten Jahr mit dem saudischen Erzfeind Iran einen diplomatischen Durchbruch geschafft und scheint sich auch auf anderen Feldern von der Idee einer sunnitischen Hegemonialmacht Saudi-Arabien in enger Partnerschaft mit den USA verabschiedet zu haben. Kaum verst&auml;ndigten sich die USA im April 2015 im sogenannten Atomabkommen mit Iran, marschierten die Saudis in einer Gro&szlig;offensive im Jemen ein und forcierten mit ihrer Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die damals neu firmierte &bdquo;Armee der Eroberung&ldquo; (Dschaisch al-Fatah) ihr Engagement in Syrien. Die Offensive im Jemen kam jedoch &ndash; auch dank Hilfe iranischer Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die saudischen Gegner &ndash; schnell ins Stocken. Und Dschaisch al-Fatah (nicht mit dem IS zu verwechseln) mag zwar f&uuml;r den Westen bar jeder Ironie zu den &bdquo;gem&auml;&szlig;igten Islamisten&ldquo; geh&ouml;ren &hellip; f&uuml;r Russland ist es schlicht eine Terrororganisation. Dass nun Tonnen und Megatonnen von eigentlich <a href=\"http:\/\/www.independent.co.uk\/news\/world\/americas\/us-doesnt-want-to-support-russia-because-moscow-is-killing-too-many-citizens-with-dumb-bombs-a6748226.html\">schrottreifen russischen Bomben<\/a>  aus Zeiten des Kalten Krieges &uuml;ber den K&ouml;pfen der saudischen Verb&uuml;ndeten (und zahlreicher Zivilisten) in Syrien <a href=\"http:\/\/atimes.com\/2016\/01\/saudi-arabia-in-policy-hell\/\">entsorgt werden<\/a>, muss f&uuml;r die Saudis ein echter Schock sein. Putin macht halt gerne f&uuml;r den Rest der Welt die Drecksarbeit und geht dahin, wo man keinen Sch&ouml;nheitspreis gewinnen kann &ndash; wie einst in Tschetschenien, Nordossetien und Inguschetien, wo Russland auch schon ohne gro&szlig;es Federlesen Islamisten wahabitischer Schule aus dem Verkehr zog. Und auch das Verh&auml;ltnis zu China, das immerhin Saudi-Arabiens gr&ouml;&szlig;ter Handelspartner ist, hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr verschlechtert. F&uuml;r Peking ist die Golf-Diktatur mittlerweile vor allem ein <a href=\"http:\/\/atimes.com\/2016\/01\/saudi-arabia-in-policy-hell\/\">unberechenbarer Risikofaktor<\/a>, der seine kranke Ideologie in Chinas Westen exportieren will.<\/p><p>Ganz dick kommt es f&uuml;r die Saudis jedoch aus einer vollkommen unerwarteten Richtung. Nicht nur die gesamte saudische Volkswirtschaft, sondern auch das &uuml;beraus teure staatliche Sozial-, Bildungs- und Subventionssystem stehen auf den t&ouml;nernen F&uuml;&szlig;en eines hohen &Ouml;lpreises. Konkret <a href=\"http:\/\/atimes.com\/2015\/10\/cheap-oil-puts-the-house-of-saud-at-risk\/\">ben&ouml;tigt<\/a> Saudi-Arabien nach Angaben des IWF einen durchschnittlichen &Ouml;lpreis in H&ouml;he von 105 Dollar pro Barrel, um einen ausgeglichenen Staatshaushalt hinzubekommen &hellip; momentan liegt der WTI-Preis bei 36,80 Dollar und damit weit jenseits einer schwarzen Null f&uuml;r die al-Sauds. Nat&uuml;rlich, Saudi-Arabien ist das Musterbeispiel f&uuml;r ein Land, das in guten Zeiten R&uuml;cklagen gebildet hat und schlechte Zeiten schon mal aussitzen kann. Doch die Reserven der Saudis schmelzen schneller als ein Eisberg in der Nefud-W&uuml;ste. Im letzten Kalenderjahr <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/external\/np\/sta\/ir\/IRProcessWeb\/data\/sau\/eng\/cursau.htm\">verzeichnete<\/a> Saudi-Arabien bei seinen Reserven ein Defizit von exakt 100 Milliarden Dollar! Rein mathematisch w&auml;re das Land also in sechs Jahren pleite, wenn sich an den Einnahmen und Ausnahmen nichts &auml;ndert. Da ein gro&szlig;er Teil der Reserven aber sehr langfristig angelegt ist, sind es laut IWF nur f&uuml;nf Jahre, die Saudi-Arabien noch vom Staatbankrott trennen. Was sollen die Saudis nun tun? Um den &Ouml;lpreis wieder nach oben zu treiben, m&uuml;ssten sie ihre F&ouml;rderung weitestgehend stilllegen und damit im n&auml;chsten Jahr noch viel h&ouml;here Defizite hinnehmen. Und ob dies in Zeiten des &Uuml;berangebots an den M&auml;rkten &uuml;berhaupt den Preis noch nach oben treiben k&ouml;nnte, ist zudem ungewiss. Die &bdquo;guten alten&ldquo; OPEC-Zeiten sind vorbei. <\/p><p>Wie jede schw&auml;bische Hausfrau bei der die Einnahmen nicht mehr die Ausgaben decken, werden auch die al-Sauds wohl stattdessen ihre Ausgaben reduzieren m&uuml;ssen. Der IWF spricht von Einsparungen in der H&ouml;he von 20% des Bruttoinlandsprodukts. Die Austerit&auml;tskrise steht somit schon vor der T&uuml;r, nur dass einem Land wie Saudi-Arabien ganz andere Probleme bevorstehen, wenn die K&ouml;nigsfamilie ihre &bdquo;Schutzgelder&ldquo; im In- und Ausland nicht mehr bezahlen kann. Da passt es ganz gut, dass der herrschende K&ouml;nig kurz nach seiner Kr&ouml;nung 80j&auml;hrig auf die Intensivstation verlegt wurde und die Amtsgesch&auml;fte von seinem &ndash; <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2015-01\/saudi-arabien-koenig-salman-thronwechsel\">zahlreichen Quellen zufolge<\/a>  &ndash; missratenen Lieblingssohn und seinem als Anti-Terror-Experten ausgebildeten Lieblingsneffen, die beide auf den Namen Mohammed h&ouml;ren, ausge&uuml;bt werden. Die an diesem Wochenende durchgef&uuml;hrte Massenhinrichtung von 47 Gefangenen war wohl nur ein Vorgeschmack, mit welchen politischen Mitteln die al-Sauds nun ihre Macht sichern wollen. Das Zuckerbrot k&ouml;nnen sie sich nicht mehr leisten, da wird die Peitsche ausgepackt.<\/p><p>Anfang Dezember l&auml;uteten auch beim Bundesnachrichtendienst die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/bnd-saudi-arabien-101.html\">Alarmglocken<\/a>. In einem gepfefferten und sicherlich nicht &uuml;bertriebenen Bericht warnte der deutsche Auslandsgeheimdienst vor den Risiken, die mit der neuen &bdquo;impulsiven Interventionspolitik&ldquo; der Saudis einhergehen. Die Bundesregierung reagierte auf diesen Bericht genau so, wie sie es nicht tun sollte &ndash; die emp&ouml;rte sich ganz nach dem Motto &bdquo;shoot the messenger&ldquo; nicht &uuml;ber die Saudis, sondern &uuml;ber den BND. <\/p><p><strong>Viele Probleme, keine L&ouml;sungen<\/strong><\/p><p>Welchen Weg Saudi-Arabien in den n&auml;chsten Monaten und Jahren gehen wird, ist nat&uuml;rlich spekulativ. Fest steht, dass der Staat (so der denn nicht in einen anderen &Ouml;lstaat einmarschiert) seine Ausgaben reduzieren muss und damit den ohnehin fragilen inneren Frieden vollends gef&auml;hrdet. Der IS hat ja bereits angek&uuml;ndigt, sich auf einen B&uuml;rgerkrieg auf der arabischen Halbinsel vorzubereiten. Und sicher haben auch andere Extremisten jeglicher Couleur, angefangen von den Nachfolgern der al Qaida, &uuml;ber die Muslimbr&uuml;derschaft bis hin zu den schiitischen Extremisten aus dem Osten des Landes ein Interesse daran, lieber heute als morgen in den Krieg um das erd&ouml;lreichste Land der Welt zu ziehen.<\/p><p>Die beste Methode von den Problemen im Inneren abzulenken und die Interessen der Radikalen in eine andere Richtung zu kanalisieren, ist es nat&uuml;rlich, mittels Interventionspolitik neue Kriegsschaupl&auml;tze zu er&ouml;ffnen, um die selbst radikalisierte Generation junger Wirrk&ouml;pfe sich dort gegenseitig abschlachten zu lassen. Eben diese Methode scheint Saudi-Arabien gew&auml;hlt zu haben und zynisch betrachtet ist dies sicher auch eine probate L&ouml;sung, um den Kollaps des eigenen Landes erst einmal abwenden zu k&ouml;nnen. Der Preis daf&uuml;r ist jedoch, dass der B&uuml;rgerkrieg in Syrien noch sehr lange toben wird und auch andere Regionen in die Kriegsspirale hineingezogen werden k&ouml;nnten. <\/p><p>Ob Saudi-Arabien seine fragile Stabilit&auml;t mit dieser Strategie wird sichern k&ouml;nnen, ist jedoch ungewiss. Aber was ist die Alternative? Wir sollten die Geschichte nicht durch Naivit&auml;t beleidigen. W&uuml;rde die blutr&uuml;nstige Monarchie der al-Sauds zusammenbrechen, k&auml;me kein zweiter &bdquo;arabischer Fr&uuml;hling&ldquo; sondern ein neuer &bdquo;arabischer Winter&ldquo;.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/2f02e511981447b58970cb0a0be2f44f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Saudi-Arabien bricht vermeintlich grundlos einen Konflikt mit Iran vom Zaun. Wie so oft geht es dabei vor allem um Ablenkung. Sowohl nach au&szlig;en (Syrien, Jemen) als auch nach innen (Massenhinrichtungen) schl&auml;gt Saudi-Arabien seit ein paar Monaten wild um sich. 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