{"id":2992,"date":"2008-02-19T09:02:06","date_gmt":"2008-02-19T08:02:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2992"},"modified":"2015-11-28T10:27:40","modified_gmt":"2015-11-28T09:27:40","slug":"alter-eu-kritisiert-das-transparenzregister-der-eu-kommission","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2992","title":{"rendered":"ALTER-EU kritisiert das Transparenzregister der EU-Kommission"},"content":{"rendered":"<p>Die EU-Kommission hat am 21. M&auml;rz 2007 beschlossen, ein &ouml;ffentliches Register f&uuml;r alle Interessenvertreter einzurichten, die Einfluss auf Entscheidungen der EU-Organe nehmen wollen. Die Registrierung soll allerdings auf freiwilliger Basis beruhen. Die Alliance for Lobbying Transparency &amp; Ethics Regulation (ALTER-EU) hat nun einen offenen Brief an EU-Kommissar Barroso geschrieben und darin moniert, dass das so genannte Lobbyisten-Register, das im Fr&uuml;hjahr 2008 eingef&uuml;hrt werden soll, nutzlos sei, da es zu wenig detaillierte Informationen enthalte. Bei einem aktuellen Treffen mit der EU-Kommission stellte die ALTER-EU fest, dass in dem von der EU-Kommission ausgearbeiteten Register zwei entscheidende Informationen fehlen: Das Register enth&auml;lt zum einen nicht die Namen der einzelnen Lobbyisten und zum anderen werden die Geldbetr&auml;ge, die f&uuml;r Lobbying ausgegeben werden, nicht erfasst. Die ALTER-EU ist eine breite Koalition von &uuml;ber 160 Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften, Zivilgesellschaften, wissenschaftlichen Gruppen, die sich unter anderem f&uuml;r effektive Ma&szlig;nahmen zur &ouml;ffentlichen Pr&uuml;fung der Entscheidungsfindung der Europ&auml;ischen Union einsetzt. Christine Wicht<br>\n<!--more--><br>\nALTER-EU begr&uuml;&szlig;te zwar den Vorsto&szlig; der Kommission, von den Lobbyisten bei der Eintragung eine Offenlegung finanzieller Informationen &uuml;ber ihre Budgets und Klienten und Finanzierungsquellen zu verlangen. ALTER-EU war aber auch der &Uuml;berzeugung, dass die Anforderungen st&auml;rker ins Detail gehen m&uuml;ssten. Die Lobbyagenturen hatten abgelehnt, das Einkommen nach einzelnen Kunden offen zu legen. Da in den USA eine &auml;hnliche Verfahrensweise f&uuml;r Lobbyfirmen ohne Probleme funktioniere, bliebe das vorgeschlagene Lobbyregister der EU weit hinter den Transparenzregeln der USA und anderer Staaten zur&uuml;ck. ALTER-EU kritisierte bereits im Vorfeld die Freiwilligkeit der Eintragung. Jetzt &auml;u&szlig;erte das Netzwerk in einem offenen Briefes schwere Bedenken &uuml;ber die Art und Weise, wie die EU-Kommission das Lobbyregister ausgestaltet.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.lobbycontrol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/alter-eu-pressemitteilung-zur-eti.pdf\">lobbycontrol [PDF &ndash; 36 KB]<\/a><\/p><p>Kernst&uuml;ck der Europ&auml;ischen Transparenzinitiative, &bdquo;European Transparency Inititative&ldquo; ist das Gr&uuml;nbuch 2007, das den Konsultationen als Grundlagendokument dient.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/commission_barroso\/kallas\/transparency_de.htm\">Europ&auml;ische Kommission<\/a><\/p><p>Folgende Aspekte werden in den drei Kapiteln des Gr&uuml;nbuchs untersucht:<\/p><ul>\n<li>Transparenz und Interessenvertretung: Dieser Teil soll f&uuml;r eine Diskussion &uuml;ber das Lobbying in der EU herangezogen werden.<\/li>\n<li>Die Mindeststandards der Kommission f&uuml;r die Konsultation: Dieser Teil liefert einen strukturierten Rahmen f&uuml;r R&uuml;ckmeldungen zur Anwendung der Standards. <\/li>\n<li>Ver&ouml;ffentlichung der Namen der Empf&auml;nger von EU-Geldern: Dieser Teil soll f&uuml;r eine Diskussion &uuml;ber die Offenlegung der Namen der Empf&auml;nger von Geldern aus verschiedenen, von der Kommission in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten verwalteten EU-Fonds, insbesondere den Strukturfonds und der Gemeinsamen Agrarpolitik, herangezogen werden.<\/li>\n<\/ul><p>Als der Vizepr&auml;sident Siim Kallas die &bdquo;European Transparency Initiative&ldquo; pr&auml;sentierte, k&uuml;ndigte er an, eine erh&ouml;hte Transparenz des Lobbyismus sicherzustellen. Ein Skandal im Abramoff-Stil werde seiner Aussage nach in der EU niemals geschehen. Die Abramoff-Aff&auml;re war ein Korruptionsskandal in den USA im Jahr 2006. Der Lobbyist Jack Abramoff hatte eine &Uuml;berweisung in H&ouml;he von 23 Millionen Dollar gef&auml;lscht, um einen Bankkredit zur Finanzierung von Casino-Schiffen zu erhalten, des Weiteren umfasste die Aff&auml;re unerlaubte Zuwendungen an Abgeordnete z.B. Reisen, Essen, Geldbetr&auml;ge.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,393587,00.html\">Spiegel-Online<\/a><\/p><p>ALTER-EU kritisierte des Weiteren, dass mit den sehr begrenzten Informationsanforderungen, die momentan vorgeschlagen werden, Journalisten keine Lobbyskandale enth&uuml;llen k&ouml;nnen. Deshalb stellten sie die Frage, warum die Namen der Lobbyisten vom Register ausgeschlossen werden sollen. So kann das Register nicht als Werkzeug dienen, um Interessenkonflikte und Dreht&uuml;reffekte zu untersuchen. Wenn das EU-Register so einfache Fragen wie &bdquo;wer sind die Lobbyisten&ldquo;, oder &bdquo;wieviel Geld wurde von wem f&uuml;r Lobbying ausgegeben&ldquo; nicht beantworten kann, dann sei es nicht zu gebrauchen. Die Lobbyistennamen nicht zu registrieren, bedeute letztendlich, die Glaubw&uuml;rdigkeit der EU-Transparency-Initiative aufs Spiel zu setzen. Die Angaben der Geldbetr&auml;ge in Bandbreiten von 50.000 Euro oder noch schlimmer im flexiblen Bereich von 10% des gesamten Einkommens eines Lobbyunternehmens k&ouml;nne es gro&szlig;en Lobbygesellschaften erlauben, zweckgerichtete Interessengemeinschaften zu verbergen. ALTER-EU stellte hier ein Beispiel auf: Eine Gesellschaft gibt 50.000 Euro f&uuml;r eine Lobbykampagne aus und gibt zwei andere Gesellschaften an, die diese Kampagne mit je 1.000 Euro ebenfalls unterst&uuml;tzen. Dieses von der Kommission vorgeschlagene System unterscheide nicht zwischen gro&szlig;en und kleinen Gebern innerhalb der Interessengemeinschaft, somit wird das Register folglich keine Transparenz liefern. Beispielsweise w&uuml;rde das US-Register zeigen, dass es Lobbyfirmen m&ouml;glich sei, mit wenig Verwaltungsaufwand ihr Lobbyingaufkommen in Bezug auf jeden ihrer Klienten alle sechs Monate gerundet auf 10.000 US Dollar zu berichten bzw. anzugeben. <\/p><p>Die ALTER-EU fordert in ihrem offenen Brief EU-Kommissar Barroso auf, sicherzustellen, dass das geplante Register k&uuml;nftig elementare Informationen enthalte, dies beziehe auch die Namen der Lobbyisten und die exakten Finanzsummen ein. Da sich die EU-Mitgliedstaaten im Prozess befinden den Lissabon-Vertrag zu ratifizieren, h&auml;lt es die Organisation f&uuml;r wichtiger denn je, dass die EU-Kommission Zustimmung f&uuml;r eine gr&ouml;&szlig;ere Durchschaubarkeit der EU-Entscheidungsfindung zeige. ALTER-EU hoffe, dass die EU-Kommission ihre Mitarbeiter anweise, weiterzumachen und ein Register auf den Weg zu bringen, welche die Namen der Lobbyisten, deren Interessen und die beteiligten Finanzmittel auflisten wird. Das seien die drei wichtigsten Elemente f&uuml;r eine &ouml;ffentliche, genaue &Uuml;berpr&uuml;fung. <\/p><p>Seit der Ank&uuml;ndigung des Lobbying-Transparency-Registers durch die Kommission sind insgesamt drei Jahre vergangen, genug Zeit f&uuml;r eine detaillierte Ausarbeitung des Registers. Doch die jetzt vorgelegte Form des Registers zeigt auf, dass wohl wenig Interesse von EU-Seite besteht, offenzulegen, welche Politiker von welchen Firmen Geld beziehen und welche Personen zugleich EU-Politiker sind und eine Position in einem Lobby-Unternehmen bekleiden. Transparenz ist ein zentrales Element der Demokratie. Transparenz ist von entscheidender Bedeutung, um Korruption entgegen zu wirken. Die Arbeit der Presse und des investigativen Journalismus sind in hohem Ma&szlig;e abh&auml;ngig von transparenten Strukturen. Die Politische Meinungsbildung des Volkes ist untrennbar verbunden mit dem transparenten Aufbau einer Politik.<\/p><p>Der offene Brief (allerdings auf Englisch) an Pr&auml;sident Barroso vom 13.2.08 ist abzurufen unter: <a href=\"http:\/\/www.corporateeurope.org\/docs\/LetterToBarroso-20080213.pdf\">www.corporateeurope.de [PDF &ndash; 92 KB]<\/a><\/p><p>Die Pressemeldung von ALTER-EU ist abzurufen unter: <a href=\"http:\/\/www.corporateeurope.org\/docs\/PR20080213.pdf\">www.corporateeurope.de [PDF &ndash; 108 KB]<\/a><\/p><p>Wer das Thema vertiefen m&ouml;chte, kann den Kommentar von Corporate Europe Observatory (CEO) lesen  (allerdings auch auf Englisch): <a href=\"http:\/\/www.corporateeurope.org\/willparliamentendlobbyingsecrecy.html\">www.corporateeurope.de<\/a><\/p><p>CEO ist eine europ&auml;ische Forschungs-Gruppe mit Sitz in Amsterdam, die mit Kampagnen auf die Gefahren f&uuml;r die Demokratie, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit und die Umwelt, die durch die wirtschaftliche und politische Macht der Konzerne und ihrer Lobby-Gruppen verursacht werden, aufmerksam macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU-Kommission hat am 21. 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