{"id":3011,"date":"2008-02-26T08:41:22","date_gmt":"2008-02-26T07:41:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3011"},"modified":"2015-11-28T09:58:49","modified_gmt":"2015-11-28T08:58:49","slug":"nochmals-die-spd-in-einer-strategischen-falle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3011","title":{"rendered":"Nochmals: Die SPD in einer strategischen Falle"},"content":{"rendered":"<p>Auch wenn die SPD-Spitze &ndash; wohl nur um Druck auf die FDP zu einer Ampelkoalition auszu&uuml;ben &ndash;  es Hessens Kandidatin Andrea Ypsilanti jetzt freistellte, mit den Stimmen der Linken Regierungschefin zu werden, bleibt das strategische Dilemma f&uuml;r die Sozialdemokraten bestehen. Dazu Anmerkungen eines regelm&auml;&szlig;igen Lesers der NachDenkSeiten aus Sofia\/Bulgarien<br>\n<!--more--><br>\nZum Trauerspiel, das die SPD in ihrem Verh&auml;ltnis zur Linken gerade wieder auff&uuml;hrt, m&ouml;chte ich nur an die historischen Parallelen zum Umgang mit den Gr&uuml;nen vor &uuml;ber 25 Jahren erinnern:<\/p><ol>\n<li>Die SPD vernachl&auml;ssigt f&uuml;r ihre Mitglieder und vor allem f&uuml;r ihre W&auml;hler wichtige politische Dimensionen (damals vor allem &Ouml;kologie, seit der Agenda 2010 vor allem soziale Gerechtigkeit\/Verteilungsgerechtigkeit).<\/li>\n<li>Das dadurch freiwerdende bzw. von der SPD freigemachte politische Feld f&uuml;hrt zur Entstehung einer neuen Partei, vorwiegend aus dem potentiellen W&auml;hlerspektrum der SPD.<\/li>\n<li>Die neue Partei wird zun&auml;chst als &ldquo;Eintagsfliege&rdquo; untersch&auml;tzt und dann f&uuml;r Jahre &ndash; der b&uuml;rgerlich-konservativen Propaganda und den dahinterstehenden Machtinteressen folgend &ndash; als nicht koalitionsf&auml;hig behandelt. So k&ouml;nnen vorhandene parlamentarische Mehrheiten nicht ihre demokratische Wirkung entfalten und ihren politischen Ausdruck finden.<\/li>\n<li>&Uuml;brig bleibt der SPD entweder die Oppositionsrolle (damals 16 Jahre im Bund!!), oder &ndash; das ist neu &ndash; sie wird seit der Rechtswende der SPD durch Schr&ouml;ders Agenda-Politik zum B&uuml;ttel und Erf&uuml;llungsgehilfen rechtskonservativer Interessenpolitik, dies allerdings auf deutlich geschw&auml;chtem und ausgezehrtem Mitglieder- und W&auml;hlerniveau.<\/li>\n<li>Sucht man nach Erkl&auml;rungen f&uuml;r so viel strategische Kurzsichtigkeit bzw. Dummheit, kann ich nach meinen Erfahrungen vor allem in pers&ouml;nlich-egoistischen Motiven der Akteure  f&uuml;ndig werden: Wer seit Schr&ouml;ders Rechtswende (ob innerhalb der Partei, der Fraktion oder der Ministerialb&uuml;rokratie) Karriereerwartungen obenan stellte oder wer auf lukrative Anschluss-Lobbyjobs in der Wirtschaft setzte, der heulte mit den W&ouml;lfen. Hinreichendes Argument zur Blockierung von Alternativvorschl&auml;gen durch Vorgesetzte wurde in dieser Zeit: &ldquo;das will der\/die Minister\/in nicht h&ouml;ren&rdquo;. Vorauseilender Gehorsam bzw. Ideen-Gleichschaltung wurde zur g&auml;ngigen Praxis in den Apparaten. Auch so zehrt Demokratie aus, die eigentlich vom Wettstreit der besseren Ideen und Vorschl&auml;ge lebt und darin einen prinzipiellen Vorteil hat.<\/li>\n<\/ol><p>Also, alles schon in der einen oder anderen Form einmal da gewesen, aber wieder sitzt die SPD f&uuml;r Jahre in der strategischen Falle, wohl wissend, dass in einigen Jahren es nat&uuml;rlich auch im Westen Linkskoalitionen geben wird. (Weil die Linke sich etablieren und st&auml;rker werden wird. Jedenfalls solange das ursozialdemokratische Ziel der sozialen Gerechtigkeit im politischen Handeln der SPD weiter vernachl&auml;ssigt bleibt.)<\/p><p>&Uuml;brigens noch 2 Hinweise zur Semantik der Rechtskonservativen in Politik und Medien:<\/p><ol>\n<li>Als Schr&ouml;der &uuml;berfallartig mit der Agenda 2010 (nicht nur mit den Hartz-Reformen) die SPD insgesamt nach rechts dr&uuml;ckte, sprach niemand von einem &bdquo;Rechtsruck&ldquo; der Partei, daf&uuml;r erfand der Mainstream das Lob auf die &bdquo;Modernisierung&ldquo;. Jetzt, da ein bisschen davon beim Alg-II korrigiert wird, ist durchg&auml;ngig von einem &ldquo;Linksruck der SPD&rdquo; die Rede, der sogar bis in die Union hineinreichen soll. So verschiebt man auch sprachlich die Koordinaten nach rechts! Das gleiche konnte man auch bei der Senkung des Spitzensteuersatzes von 53 auf 42 Prozent beobachten. Die minimale Anhebung bei hohen Einkommen auf 45% wurde dann &ldquo;Reichensteuer&rdquo; genannt. So wurde dann die Senkung des Spitzensteuersatzes nachtr&auml;glich zu einer Steuersenkung f&uuml;r Normalverdiener.<\/li>\n<li>Das gleiche, asymmetrische Wortspiel mit erheblicher Wirkung findet in Deutschland seit Jahren mit den feststellbaren Umverteilungswirkungen von unten nach oben statt:<\/li>\n<\/ol><p>Solange die Wirtschaftsprozesse, massiv unterst&uuml;tzt durch die politischen Entscheidungen der zur&uuml;ckliegenden Jahre, Einkommen und Verm&ouml;gen von unten und von der Mitte nach oben verschieben (so seit ca. 20 Jahren nachweisbar; siehe u.a. die Lohnquotenentwicklung oder den  Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung), spricht der Mainstream nicht von Umverteilung; aber wehe, man fordert im einen oder anderen Fall eine kleine Korrektur in umgekehrter Richtung, dann denunzieren das dieselben Kreise sofort und reflexartig als R&uuml;ckfall in eine &ldquo;alte Umverteilungsideologie&rdquo; oder blocken die Debatte um mehr soziale Gerechtigkeit als &ldquo;Neiddiskussion&rdquo; ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn die SPD-Spitze &ndash; wohl nur um Druck auf die FDP zu einer Ampelkoalition auszu&uuml;ben &ndash; es Hessens Kandidatin Andrea Ypsilanti jetzt freistellte, mit den Stimmen der Linken Regierungschefin zu werden, bleibt das strategische Dilemma f&uuml;r die Sozialdemokraten bestehen. 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