{"id":30135,"date":"2016-01-11T09:55:38","date_gmt":"2016-01-11T08:55:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30135"},"modified":"2024-08-22T16:19:55","modified_gmt":"2024-08-22T14:19:55","slug":"wenn-regierungen-luegen-und-medien-mitmachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30135","title":{"rendered":"Wenn Regierungen l\u00fcgen und Medien mitmachen"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160111_goe%C3%9Fmann.jpg\" alt=\"David Goe&szlig;mann\" title=\"David Goe&szlig;mann\"><\/div><p>Das Vertrauen in die Medien ist so gering wie selten zuvor. Man f&uuml;hlt sich nicht repr&auml;sentiert, einseitig informiert, &bdquo;belogen&ldquo; sogar. Doch was ist dran an solchen Vorw&uuml;rfen, die von Leitmedien und Arrivierten in aller Regel mit dem Hinweis, niemals zu l&uuml;gen, abgetan wird? <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach hierzu mit dem Autor, Journalisten und Medienkritiker <strong>David Goe&szlig;mann<\/strong>, Mitbegr&uuml;nder des unabh&auml;ngigen TV-Nachrichtenmagazins <a href=\"http:\/\/www.kontext-tv.de\">Kontext TV<\/a>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Goe&szlig;mann, auch Sie sind mit einem Beitrag im gerade erschienenen Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/selbrundverlag.de\/ard-co\/\">ARD &amp; Co.: Wie Medien manipulieren<\/a>&ldquo; vertreten. Und ich dachte immer, der Vorwurf, Medien w&uuml;rden manipulieren, k&auml;me &bdquo;von rechts&ldquo; &ndash; Sie aber erheben ihn auch als Journalist. Wie kommt es dazu? Wogegen richtet sich Ihre Kritik?<\/strong><\/p><p>Lassen Sie es mich mit einem der gr&ouml;&szlig;ten investigativen Journalisten des letzten Jahrhunderts sagen. Der US-Journalist I. F. Stone hatte bei seiner Arbeit ein ehernes Prinzip: Reporter sollten mit der Voraussetzung an ihre Arbeit gehen, dass m&auml;chtige Institutionen l&uuml;gen und nicht damit, dass sie die Wahrheit sagen. &bdquo;Governments lie&ldquo;, war seine Devise. In den 1950er Jahren wollte jedoch keine Zeitung den angesehenen Journalisten anstellen. Er stand auf schwarzen Listen der US-Regierung. <\/p><p>1953 gr&uuml;ndete er das ber&uuml;hmte I.F. Stone Weekly, einen Newsletter, aus der Not geboren. Der &bdquo;muckraking journalist&ldquo; Stone war damit eine Art Pionier-Blogger, Vorbild f&uuml;r unabh&auml;ngige Journalisten wie Michael Moore, Glenn Greenwald oder Jeremy Scahill. W&auml;hrend New York Times, CBS und Co. in den Vereinigten Staaten einfach Regierungspropaganda weiterreichten, opponierte Stone bereits fr&uuml;h gegen den Vietnamkrieg, gegen Diskriminierung und politische Repression. Sein journalistischer Stil war schmucklos:<\/p><blockquote><p>\n&rdquo;Ich habe mich nie f&uuml;r Insider-Kram interessiert. (&hellip;) Ich versuchte vielmehr Informationen bereitzustellen, die belegt werden k&ouml;nnen, so dass die Leser sie selbst &uuml;berpr&uuml;fen k&ouml;nnen. Ich bem&uuml;hte mich, die Wahrheit aus Anh&ouml;rungen, offiziellen Mitschriften und Regierungsdokumenten so akkurat wie m&ouml;glich freizulegen. (&hellip;) In jeder Ausgabe habe ich versucht, Fakten und Meinungen, die sonst nirgends in der Presse aufzufinden sind, zu bieten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Stone war es auch, der dem US-Pr&auml;sidenten Lyndon B. Johnson nachwies, dass er zum Vorfall im &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27860\">Golf von Tonkin<\/a>&ldquo; gelogen hatte, ver&ouml;ffentlicht in seinem &bdquo;one-man&ldquo; Weekly. Die millionenschweren US-Mainstreammedien von New York Times und Washington Post mit besten Kontakten in die gesellschaftlichen Schaltzentralen schwiegen dazu.<\/p><p>Mit der gleichen Skepsis, die I.F. Stone der Regierung entgegenbrachte, sollte man auch an die Berichterstattung der Mainstreammedien herangehen. Denn auch sie stellen m&auml;chtige Institutionen dar. Wer sich anschaut, wer die Medien besitzt, finanziert, managt, den notwendigen Strom an Informationen und Nachrichten t&auml;glich bereitstellt oder sie mit &bdquo;Gegenfeuer&ldquo; beeinflussen und disziplinieren kann, der sollte die Zeitung morgens mit einer tiefen Grundskepsis aufschlagen oder die Nachrichten anschalten. Die Frage sollte im Kopf immer lauten: Sieht die Welt <em>wirklich<\/em> so aus? Erhalten wir das <em>volle<\/em> Bild &uuml;ber relevante Ereignisse? <em>Wer<\/em> erh&auml;lt ein gro&szlig;es Forum und wer nicht? Wo wird <em>verzerrt<\/em>, <em>gelogen<\/em>, <em>weggelassen<\/em>, <em>ausgeblendet<\/em> und mit <em>doppelten Standards<\/em> berichtet? <\/p><p>Man kann nat&uuml;rlich auch dem Idealismus der &bdquo;freien Presse&ldquo; folgen. Das ist die Grundhaltung, die uns anerzogen worden ist. Sie macht jedoch keinen Sinn. Ich meine, die gesellschaftlichen Machtverh&auml;ltnisse enden ja nicht auf wunderbare Weise an den Toren der Medienunternehmen und Rundfunkanstalten.<\/p><p>Journalisten sollten daher vor allem mit der Wahrheit verheiratet sein &ndash; und nicht mit ihren Medienunternehmen oder -anstalten. Und Medienkritik sollte eine ihrer vornehmsten Aufgaben sein. Denn was die B&uuml;rger &uuml;ber die Welt erfahren, bekommen sie aus den Massenmedien. Daher muss die Berichterstattung permanent &uuml;berpr&uuml;ft und hinterfragt werden, in Hinsicht darauf, ob die Medien dieser Verantwortung auch gerecht werden. <\/p><p>Und dabei ist es ja auch nicht so, dass wir bei null anfangen m&uuml;ssten: Es gibt bereits einen enormen Korpus an fundierter, gut belegter Medienkritik und -analyse. Und auch viele Journalistinnen und Journalisten tragen t&auml;glich dazu bei, uns eine andere, zum Schweigen gebrachte Welt zu pr&auml;sentieren, fast immer jedoch au&szlig;erhalb der klassischen medialen &Ouml;ffentlichkeit. Sehr beindruckend, sehr progressiv, sehr inspirierend. Das ist der Keim f&uuml;r die allerorts so dringend notwendige Ver&auml;nderung.<\/p><p><strong>Aber ist Medienkritik nicht per se &bdquo;rechts&ldquo;? Also, etwa die Rede von der &bdquo;L&uuml;genpresse&ldquo;; ein Wort, das ja zum Unwort des letzten Jahres erkl&auml;rt worden ist&hellip;<\/strong><\/p><p>Es hat immer auch eine Kritik an den Medien gegeben, dass sie zu &bdquo;links&ldquo;, zu &bdquo;liberal&ldquo; seien. Im politischen Mainstream wird dieser Mythos permanent evoziert, um Grenzen zu markieren und Meinungs-&bdquo;Exzesse&ldquo; schon im Keim zu ersticken. Aber es gibt die Vorw&uuml;rfe auch von au&szlig;erhalb &ndash; mit einer &auml;hnlich kruden Vorstellung von &bdquo;Liberalit&auml;t&ldquo;. Das Pegida-Wort &bdquo;L&uuml;genpresse&ldquo; ist nat&uuml;rlich ein Geschenk f&uuml;r jene, die fundierte Kritik auf Distanz halten wollen. Denn wer das Grundvertrauen in S&uuml;ddeutsche, Spiegel &amp; Co. infrage stellt, darf keine Liebkosungen erwarten. M&auml;chtige gesellschaftliche Institutionen haben kein Interesse daran, infrage gestellt zu werden. Das gilt auch f&uuml;r moderne Massenmedien. <\/p><p>Wer in den 60er Jahren den Vietnamkrieg und die Rolle westlicher Medien kritisierte, wurde als &bdquo;antiamerikanisch&ldquo; diskreditiert. Wer den offiziellen Diskurs &uuml;ber die &bdquo;Angriffe auf den Wohlfahrtsstaat&ldquo; attackiert, ob nun als Agenda 2010 oder &bdquo;Griechenlandrettung&ldquo; maskiert, dem werden ideologische Kreuzz&uuml;ge unterstellt. Bei der Ukraine-Krise landet man schnell neben Putin und Menschenrechtsverletzungen, fr&uuml;her waren es Stalin und der Gulag. Bei der Kritik an den Massakern der israelischen Regierung im Gazastreifen und deren medialer Pr&auml;sentation wird rituell eine neue &bdquo;Welle von Antisemitismus&ldquo; ausgemacht. Und wer nach 9\/11 in Vorbereitung auf den US-gef&uuml;hrten Luftkrieg gegen Afghanistan nur leicht vom offiziellen Meinungskurs abwich, fand sich als Terroristen-Versteher einsortiert. <\/p><p>Wir erinnern uns noch an die Demutsgeste, die der damalige Tagesthemen-Moderator <em>Ulrich Wickert<\/em> machen musste, weil er es gewagt hatte, in einem Interview auf die Bush-Kritik der indischen Schriftstellerin <em>Arundhati Roy<\/em> hinzuweisen. Die damalige CDU-Vorsitzende Angela Merkel stellte in der Bild-Zeitung daraufhin fest, dass Wickert damit &bdquo;absolut nicht mehr tragbar als Nachrichtenmoderator im &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehen&ldquo; sei. Wickert hatte schlicht missverstanden, dass eine im Feuilleton der Frankfurter Allgemeine Zeitung publizierte &ldquo;Au&szlig;enansicht&ldquo;, noch lange nicht bedeutet, dass solche Meinungen auch zitierf&auml;hig sind. <\/p><p>Und heute eben der Verweis auf L&uuml;genpresse, Pegida, Deutschnationale oder rechte Verschw&ouml;rungstheoretiker. Alles nicht &uuml;berraschend und schon gar nicht neu. Die wirksamste Waffe ist aber, unangenehme Medienkritik einfach zu ignorieren.. <\/p><p><strong>Und auf welche Art und Weise &bdquo;manipulieren&ldquo; die Medien denn nun genau? Wie organisiert sie hier die Manipulation &ndash; und was ist sozusagen ihr Handwerkszeug?<\/strong><\/p><p>Um nicht missverstanden zu werden: Es ist nicht so, dass Journalisten sich hinsetzen und sagen: So, jetzt manipulieren wir mal die Ereignisse, die Realit&auml;t. Ich denke nicht einmal, dass man das Journalisten der Prawda zu Zeiten der Sowjetunion vorwerfen k&ouml;nnte. Jedenfalls sind bewusste Manipulationen nicht das Kernproblem. <\/p><p>Journalisten der Medienunternehmen und Rundfunkanstalten berichten im Prinzip, was sie vor Augen haben, durchaus professionell und objektiv. Aber sie tun das <em>nicht<\/em> im luftleeren Raum, sondern in einem sehr engen ideologischen Rahmen. Wie gesagt, die Massenmedien haben eine institutionelle Schlagseite. Und diese Schlagseite funktioniert wie ein Set von Filtern, durch das die Informationen und Meinungen hindurchgehen. Und die Filter sind so beschaffen, dass nicht alle Informationen, Meinungen, Hintergr&uuml;nde und Stimmen die gleiche Chance haben zu passieren, die gleiche Aufmerksamkeit erhalten, auch wenn ihre Relevanz f&uuml;r das Verst&auml;ndnis von Ereignissen essentiell ist. <\/p><p><strong>Haben Sie dazu vielleicht ein konkretes Beispiel parat?<\/strong><\/p><p>Ja, nehmen wir exemplarisch die Weltklimakonferenz in Paris. Das Leitmedium FAZ brachte zum Auftakt ein mehrseitiges &bdquo;<em>Klimagipfel-Special<\/em>&ldquo;. Im Aufmacher erfuhren wir, dass unter F&uuml;hrung der Klimakanzlerin Angela Merkel die &bdquo;Klimamustersch&uuml;ler&ldquo;, die Europ&auml;er, beim letzten entscheidenden Gipfel in Kopenhagen 2009 &bdquo;machtlos&ldquo; &bdquo;vom Katzentisch aus&ldquo; zusahen, wie Obama in Nachtsitzungen versuchte, einen Deal herzustellen &ndash; und scheiterte. Nun solle gew&auml;hrleistet werden, dass die Energiewende, wie sie &bdquo;unter &Auml;chzen&ldquo; in Deutschland vorgemacht werde, auch weltweit gelinge. Klima habe l&auml;ngst eine Priorit&auml;t auf den &bdquo;Tagesordnungen der G-7-, der G-20-Staaten&ldquo; &ndash; dank Merkel. Aber es g&auml;be da Bremser und Klimaschurken. &bdquo;Saudi-Arabien und Venezuela&ldquo; etwa blockierten die Klimaverhandlungen. Und sie sind nicht allein: &bdquo;Unter Verweis auf die &sbquo;historische Verantwortung&lsquo; der Europ&auml;er und Amerikaner weigern sich Staaten wie China, Indien oder reiche &Ouml;lstaaten bisher, einen angemessenen Anteil der Kosten daf&uuml;r zu tragen, den Klimawandel zu verhindern oder sich an seine Folgen anzupassen.&ldquo; Wir erfahren, dass die Industrienationen nicht mehr wie noch 1990 zwei Drittel, sondern &bdquo;nur noch die H&auml;lfte&ldquo; der weltweiten Treibhausgase emittierten. Aber: &bdquo;Die Europ&auml;er allein k&ouml;nnen das Klima nicht retten&ldquo;. <\/p><p>Im Kern ist das der ideologische Rahmen, in dem die Mainstreammedien Klimaschutz und die Klimakrise thematisieren: EU und Deutschland bem&uuml;hen sich, die Welt zu retten, andere &ndash; wie die USA &ndash; m&uuml;ssen noch mitgezogen werden, und die Bremser &ndash; China &amp; Co. &ndash; m&uuml;ssen endlich auch liefern, nur so kann die Klimakrise verhindert werden. Es gibt noch weitere ideologische Elemente in der medialen Berichterstattung, zum Beispiel, dass die Bev&ouml;lkerungen f&uuml;r die Rettung des Planeten aufkommen m&uuml;ssen und sollen &ndash; und nicht etwa jene, die bis heute mit der Sch&auml;digung der Atmosph&auml;re enorme Profite gemacht haben.<\/p><p>Schauen wir uns demgegen&uuml;ber aber einmal die Realit&auml;t an: Bisher haben Deutschland und die EU kaum Emissionsreduktionen durch Klimaschutz erreicht, die &bdquo;Mustersch&uuml;ler&ldquo; haben unter anderem von g&uuml;nstigen externen Umst&auml;nden wie der Deindustrialisierung nach dem Fall der Mauer profitiert. Die deutsche Regierung hat auf EU-Ebene sogar viele Klimaschutz-Ma&szlig;nahmen blockiert und aufgeweicht, so beispielsweise die CO-2-Grenzwerte bei Neuwagen. Deutschland ist zudem &bdquo;kohlenstoffinsolvent&ldquo;, hat von 1990 an gemessen l&auml;ngst sein &bdquo;Emissionsbudget&ldquo; ausgesch&ouml;pft und ist tief im Treibhausgas-Soll. W&uuml;rden die Emissionen, die in China usw. bei der Produktion von G&uuml;tern entstehen, die schlie&szlig;lich in Deutschland <em>konsumiert<\/em> werden, nicht auf das Konto von China, sondern auf das der Deutschen angerechnet, h&auml;tten wir ein Viertel mehr Treibhausgase in der Bilanz, China hingegen weitaus weniger. Auch ist es weiter in einer F&uuml;hrungsposition bei den Pro-Kopf-Verbr&auml;uchen von Treibhausgasen. Ein Deutscher produziert beispielsweise doppelt so viele Treibhausgase im Jahr wie ein Chinese und achtmal so viele wie ein Inder. <\/p><p>Auch macht die EU-Zusage, bis 2030 40 Prozent der Treibhausgase zu senken, nur ein F&uuml;nftel des &bdquo;fairen Anteils&ldquo; aus, den die Staatengemeinschaft eigentlich leisten m&uuml;sste, wenn man das verbleibende Globalbudget an CO-2-Emissionen einigerma&szlig;en gleich verteilen w&uuml;rde &Auml;hnliches gilt f&uuml;r die USA, w&auml;hrend die Entwicklungsl&auml;nder wie China, Indien &amp; Co. mit ihren Reduktionszusagen ihren Anteil sogar &uuml;bererf&uuml;llen, wenn man konservative Fairness-Kriterien anlegt. Selbst wenn man den Fairness-Gedanken einmal abblendet und die Emissionsrealit&auml;t zur Kenntnis nimmt, m&uuml;ssen die Industrienationen massiv nachlegen. Der britische Klimawissenschaftler Kevin Anderson, Vize-Direktor des renommierten &bdquo;<em>Tyndall Center for Climate Change Research<\/em>&ldquo;, hatte schon 2013 den damaligen EU-Kommissionspr&auml;sidenten Manuel Barroso in einem <a href=\"http:\/\/kevinanderson.info\/blog\/open-letter-to-the-eu-commission-president-about-the-unscientific-framing-of-its-2030-decarbonisation-target\/\">offenen Brief<\/a> eindringlich gemahnt, dass aus wissenschaftlicher Sicht die EU bis 2030 mindestens 80 Prozent gegen&uuml;ber 1990 reduzieren m&uuml;sste, um gef&auml;hrlichen Klimawandel zu verhindern. <\/p><p>Doch solche Ansichten leiten weder die EU-Politik noch die deutschen Massenmedien an. Mit wenigen Ausnahmen jedenfalls. <\/p><p>Ebenfalls irrelevant f&uuml;r die deutsche Presse: Mit den aktuellen Klimaschutzma&szlig;nahmen, insbesondere im Bereich Kohleverstromung, wird Deutschland den Prognosen nach selbst sein offizielles, viel zu niedriges Klimaziel f&uuml;r das Jahr 2020 sehr wahrscheinlich verfehlen. Die Reaktion der Presse: Das deutsche &bdquo;Klimanotprogramm&ldquo; sei nach Jahren steigender Emissionen ein &bdquo;Etappensieg f&uuml;r Hendricks&ldquo; und der &bdquo;Kohlekompromiss&ldquo; ein &bdquo;Durchbruch gegen Klimakiller&ldquo; &ndash; so exemplarisch die taz. W&auml;hrend die vor kurzem aufgeflogenen Emissionstricksereien Chinas die deutschen Artikelschreiber echauffieren, wird &uuml;ber die Sch&ouml;nrechnereien der eigenen Regierung wohlwollend hinweggesehen.<\/p><p>Um aber auf Ihre Frage zur&uuml;ckzukommen: Wie also wird hier verzerrt, manipuliert oder gar gelogen? Bleiben wir beim Beispiel Klimakrise und Klimaschutz: Die Medien geben die offizielle Version wieder und filtern die &bdquo;unangenehmen Tatsachen&ldquo; m&ouml;glichst aus. So werden Blicke hinter die glitzernden Zahlenfassaden der M&auml;chtigen vermieden. So feiert die Presse das Klimaabkommen von Paris bei der COP 21 als &bdquo;historisch&ldquo;, obwohl es die Erde um 3 bis 4 Grad Celsius erw&auml;rmen wird, mit <a href=\"http:\/\/www.kontext-tv.de\/node\/502\">katastrophalen Folgen<\/a>. Wenn die Realit&auml;t an den R&auml;ndern mal durchscheinen darf, hat das keine Auswirkungen auf die Wirkung der ver&ouml;ffentlichten Meinung an sich, den allgemeinen Fokus, das allgemeine Stimmungsbild der Bev&ouml;lkerung. <\/p><p>Stimmen aus Entwicklungsl&auml;ndern, von indigenen Gruppen, kritischen Analysten und Wissenschaftlern, aus der Klimagerechtigkeitsbewegung, von Mahnern und Aktivisten tauchen in der Berichterstattung praktisch nicht auf oder werden umgehend neutralisiert: Als beispielsweise am 29. November fast 700.000 Menschen in Protesten f&uuml;r Klimagerechtigkeit weltweit in dutzenden L&auml;ndern auf die Stra&szlig;e gingen, fand sich dar&uuml;ber auf Seite 7 der S&uuml;ddeutschen Zeitung ein einzige kleine und zudem versteckte Notiz. Und als vor einem Jahr 400.000 Menschen in New York City die Industriel&auml;nder zu fairem Klimaschutz in einer der gr&ouml;&szlig;ten Demonstrationen des Landes aufforderten, war das Ergebnis &auml;hnlich. <\/p><p>Wie gesagt: Niemand hat hier bewusst manipuliert, das Resultat des Ganzen ist aber dennoch ein Zerrbild der realen Welt, das sich den Interessen und Bed&uuml;rfnissen der M&auml;chtigen und nicht denen der B&uuml;rger und Bewegungen <a href=\"http:\/\/www.kontext-tv.de\/node\/500\">anschmiegt<\/a>. <\/p><p><strong>Im eingangs erw&auml;hnten Aufsatz im Buch &bdquo;ARD &amp; Co.&ldquo; haben Sie das ja exemplarisch am Beispiel der Berichterstattung der <em>S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/em> zum Thema Griechenland untersucht. Welches Bild zeichnete sich denn hier?<\/strong><\/p><p>Die SZ hat &uuml;ber den ganzen Krisenverlauf hinweg aus der Perspektive der deutschen Regierung, der Troika-Politik, der &bdquo;Gl&auml;ubiger&ldquo; berichtet. Als die Syriza-Partei Anfang 2015 an die Macht kam, legte sie schlie&szlig;lich alle journalistischen Manieren ab und bezeichnete die griechischen Verhandlungspartner Varoufakis und Tsipras als &bdquo;Hassadeure&ldquo; und irre &bdquo;Achterbahnfahrer&ldquo;, die mit einer &bdquo;Harakiri-Politik&ldquo; eine &bdquo;Vertrauensimplosion&ldquo; mit einem &bdquo;Maximalschaden f&uuml;r die Menschen&ldquo; erzeugen wollten. Chef-Kommentator Stefan Kornelius betitelte den &bdquo;irren Kurs&ldquo; der Syriza-Regierung mit den Worten &bdquo;Ins Graos&ldquo;. Der vermeintlich &bdquo;irre Kurs&ldquo; von Syriza bestand dabei vor allem daraus, Wirtschaft und Besch&auml;ftigung ein wenig beleben zu wollen, um &uuml;berhaupt eine Basis f&uuml;r die R&uuml;ckzahlung der Schulden zu schaffen. Grund genug f&uuml;r die SZ, mehr irrationale Troika-Politik zu fordern und ein &bdquo;Graos&ldquo; an die Wand zu malen!<\/p><p>Nat&uuml;rlich macht es &ouml;konomisch &uuml;berhaupt keinen Sinn, eine Volkswirtschaft in einer tiefen Rezession durch K&uuml;rzungen aus der Krise f&uuml;hren zu wollen. Weder in der Theorie noch in der Praxis. Deutschland selbst oder auch die USA haben das in der Finanz- und Wirtschaftskrise nach 2008 daher auch nicht getan, im Gegenteil: Sie befeuerten die Volkswirtschaft mit einem massiven Konjunkturprogramm, finanziert mit neuen Schulden. Im Guardian, der New York Times oder der Financial Times rieben sich ob der ideologischen Fixierung Deutschlands im Falle Griechenlands dann auch Nobelpreistr&auml;ger verwundert die Augen. In der SZ wurde diese Kritik jedoch schlicht als &bdquo;politischer Aktivismus&ldquo; abgestempelt. Nur einige wenige Journalisten in deutschen Zeitungen schrieben gegen diesen offensichtlichen deutschen Irrsinn an. So etwa Harald Schumann vom Tagesspiegel, Ulrike Herrmann von der taz und Wolfgang M&uuml;nchau von Spiegel Online. <\/p><p>Es ist wirklich erstaunlich, <em>wie<\/em> wenig Diskussionen hier zugelassen wurden und wie rigide gefiltert und auch direkt manipuliert worden ist&hellip;.<\/p><p><strong>Nun also doch &hellip; manipuliert?<\/strong><\/p><p>In diesem Fall, ja. Ein Beispiel: So behaupteten die Medien etwa, allen voran erneut die SZ, dass die privaten Gl&auml;ubiger und Banken sich &bdquo;in der Nacht, als das Wunder geschah&ldquo; mit &uuml;ber 100 Milliarden Euro an der &bdquo;Rettung&ldquo; beteiligt h&auml;tten, dem sogenannten &bdquo;Haircut&ldquo;. Zum ersten Mal seien die Banken auf einer Riesensumme sitzen gelassen worden, hie&szlig; es. Jeder konnte wissen, dass der gr&ouml;&szlig;te Teil davon den Banken von den Steuerzahlern kompensiert wurde. Die Medien verschwiegen das aber. <\/p><p>Und noch etwas ist wichtig. Dass n&auml;mlich diese ganze &ouml;konomische Public Relations im Dienste der Troika-Politik von einer Art &bdquo;Ideologie der Schulden&ldquo; zusammengehalten wird, die so tief in die Berichterstattung eingelassen ist, dass sie gar nicht mehr thematisiert werden muss. Diese besteht im Prinzip darin, dass die Griechen zahlen m&uuml;ssen &ndash; selbst dann, wenn die Schulden, um die es geht, vollkommen illegitim und keineswegs von &bdquo;den Griechen&ldquo; &uuml;berhaupt zu verantworten sind. <\/p><p>Ein Beispiel: Im Fr&uuml;hling 2015 kommt der unabh&auml;ngige Wahrheitsausschuss unter Leitung des f&uuml;hrenden Schuldenexperten Eric Toussaint, eingesetzt vom griechischen Parlament, in einem Schuldenaudit zu dem Ergebnis, dass alle griechischen Schulden illegitim, illegal und nach internationalem Recht &bdquo;verwerflich&ldquo; sind und daher gestrichen werden m&uuml;ssen. Das Audit und die Schlussfolgerungen basieren auf einem enormen Fundus an Material und Dokumentation. So geht ein Gro&szlig;teil der griechischen Schulden etwa zur&uuml;ck auf Kredite der Milit&auml;rdiktatur zwischen 1967 und 1974. Diese sind nach internationalem Recht &bdquo;odious&ldquo; und m&uuml;ssen nicht zur&uuml;ckgezahlt werden. Dazu kommen Kredite aus korrupten Deals, meist R&uuml;stungsgesch&auml;ften mit franz&ouml;sischen oder deutschen Konzernen sowie risikoreichen Kredite europ&auml;ischer Gro&szlig;banken nach der Euroeinf&uuml;hrung. Die Griechen stimmten diesen Deals <em>weder<\/em> zu <em>noch<\/em> profitierten sie davon. Die griechische Staatsquote lief in der ganzen Zeit unterhalb des EU-Durchschnitts. Nach Ausbruch der Krise wurden den ausl&auml;ndischen Banken ihre griechischen Ausfallrisiken dann von der Troika abgenommen, getarnt als &bdquo;Griechenlandrettung&ldquo;. Gepaart mit einem K&uuml;rzungsprogramm katapultierte man dann die griechische Schuldenquote in astronomische H&ouml;hen. Dabei verstie&szlig;en die Troika, die bilateralen Kreditgeber und die griechischen Regierungen gegen diverse rechtliche Bestimmungen, insbesondere menschenrechtliche Garantien, so das Audit. <\/p><p>Von der SZ erf&auml;hrt man &uuml;ber das Audit aber nur so viel, dass der &bdquo;Kreuzzug Varoufakis&lsquo;&ldquo;, der gar nichts mit dem Audit zu tun hatte, &bdquo;gef&auml;hrlicher Unfug&ldquo; sei &ndash;  ohne dass die Ergebnisse der Wahrheitskommission &uuml;berhaupt zur Kenntnis genommen werden. Die Reparations- und Schuldenforderung der Griechen gegen Deutschland deklariert das nationale Leitmedium hingegen umgehend als &bdquo;illusorisch&ldquo;, die rechtlichen Tricksereien der Bundesregierung hingegen als &bdquo;juristisch betrachtet&ldquo; &uuml;berzeugend. <\/p><p>Die Lektion, von der das deutsche Publikum jedoch durch entsprechende Fokussierung und Vernebelung abgeschirmt werden muss, ist: Griechische Schulden m&uuml;ssen zur&uuml;ckgezahlt werden, auch wenn sie jeglicher Legitimit&auml;t entbehren, das Land &ouml;konomisch weiter in die Krise treiben und die Last auf unbeteiligte Dritte und die Schw&auml;chsten abgew&auml;lzt wird. Bei &bdquo;unseren&ldquo; Schulden hingegen gelten andere Ma&szlig;st&auml;be, so etwa bei den deutschen Reparationsschulden, der deutschen Zahlungsverweigerung bei der Entwicklungshilfe oder den Klimaschulden, die einfach &uuml;bergangen werden k&ouml;nnen. Ohne diese journalistische Doppelmoral w&uuml;rden politische Medienkampagnen mit Slogans wie &bdquo;Geisterfahrer Tsipras&ldquo; oder &bdquo;Pleitegriechen&ldquo; sofort in sich zusammenbrechen und als Heuchelei &ouml;ffentlichem Gel&auml;chter anheimfallen. <\/p><p><strong>Und derlei w&uuml;rden Sie verallgemeinern: Derlei Eindeutigkeit pr&auml;gt alle unsere Medien zu jeder denkbaren Zeit?<\/strong><\/p><p>Nun, Eindeutigkeit gibt es in bei solchen Dingen nat&uuml;rlich nicht. Daf&uuml;r sind die Medien viel zu komplex. Aber ja, moderne Massenmedien tendieren dazu, Stimmen der Macht zu sein. Wenn die Eliten sich auf einen politischen Kurs geeinigt haben, dann ist es die Aufgabe von Massenmedien, um Zustimmung daf&uuml;r zu werben. <\/p><p>Und nat&uuml;rlich haben Medien auch unterschiedliche Funktionen. Sie bieten zum Beispiel auch Unterhaltung und Information. Das ist auch gemeinhin bekannt. &Uuml;ber das aber, was Edward Herman und Noam Chomsky in ihrem Klassiker &bdquo;<em><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Manufacturing_Consent\">Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media<\/a><\/em>&ldquo; als Propagandafunktion bezeichnen, wird standhaft geschwiegen. Und das, obwohl die These schl&uuml;ssig ist, mit vielen empirischen Fallstudien gut belegt werden kann und weitreichende Konsequenzen hat. Wenn man so will, ist dieses Schweigen eine Best&auml;tigung des sogenannten Propaganda-Modells der beiden genannten Wissenschaftler auf einer weiteren Ebene. <\/p><p><strong>Aber es gibt ja auch kritische Stimmen&hellip;<\/strong><\/p><p>Ja, die gibt es. Wie gesagt etwa Wolfgang M&uuml;nchau, Ulrike Herrmann und Harald Schumann, die w&auml;hrend der Griechenlandkrise wichtige Einsichten lieferten. Das hat wohl vor allem mit journalistischer Professionalit&auml;t und Ethos zu tun. <\/p><p><strong>Die &bdquo;guten Leute&ldquo; fungieren aus systemischer Sicht als &hellip; &bdquo;linke Pluralit&auml;tskasper&ldquo;, verstehe ich recht?<\/strong><\/p><p>Wir sollten uns keinen Illusionen hingeben. Sie leisten wichtige Arbeit, von der wir alle profitieren k&ouml;nnen und sollten. Es sollte mehr davon geben. Richtig ist aber auch: Ein paar Journalisten, die vom allgemeinen Kurs abweichen, machen noch keine &bdquo;Massenmedien&ldquo; und &bdquo;Massenberichterstattung&ldquo;. Beim sogenannten &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25535\">Krieg gegen den Terror<\/a>&ldquo; d&uuml;rfen ja zum Beispiel auch Kritiker wie J&uuml;rgen Todenh&ouml;fer zu Wort kommen. Aber die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27768\">mediale Rahmung des internationalen Terrors<\/a> wird dadurch nicht ge&auml;ndert. Terror ist qua definitionem &bdquo;ihr&ldquo; Terror gegen &bdquo;uns&ldquo;, niemals &bdquo;unser&ldquo; Terror und &bdquo;unsere&ldquo; Aggression gegen &bdquo;sie&ldquo;. <\/p><p>Der US-&bdquo;Drohnenkrieg&ldquo; mit deutscher Unterst&uuml;tzung, der in der realen Welt ein terroristisches Mordprogramm ist, wird von den deutschen Medien als &bdquo;v&ouml;lkerrechtlich strittig&ldquo; pr&auml;sentiert &ndash; wenn &uuml;berhaupt dar&uuml;ber berichtet wird. Machen Sie einfach einmal den Gegencheck: Sind die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28827\">Terrorakte von Paris<\/a> etwa &bdquo;rechtlich strittig&ldquo;? Zudem: Die Opfer &bdquo;ihres&ldquo; Terrors sind f&uuml;r die Medien &bdquo;wertvoll&ldquo; und erhalten angemessene, zum Teil sogar hysterische Beachtung; die Opfer unseres Terrors sind &bdquo;wertlos&ldquo; und k&ouml;nnen &uuml;bergangen werden. Vergleichen Sie einmal die Berichterstattung zu den Attentaten von Paris mit den Opfern der Kriege und Milit&auml;roperationen der USA und seiner Alliierten  &uuml;blicherweise am anderen Ende der Welt.. <\/p><p>Streift man das infantile Grundvertrauen in die Massenmedien also einmal ab und betrachtet n&uuml;chtern die Fakten, stellt sich die Frage: Was sagt uns dieses Schweigen, diese ideologische &bdquo;Schieflage&ldquo; in der Berichterstattung &uuml;ber die klassischen Medien und ihr Verst&auml;ndnis von demokratischer Verantwortung?<\/p><p><strong>Hat sich Ihrer Meinung nach die Entwicklung in den letzten Jahren zugespitzt? Warum und wodurch tut sie das denn?<\/strong><\/p><p>Ich w&uuml;rde sagen, dass das Bild gemischt ist. Ja, es gibt zunehmende Medienkonzentrationen, Kommerzialisierungen, schlechtere Arbeitsbedingungen f&uuml;r Journalisten, mehr PR-Einfluss usw. Das ist sch&auml;dlich, weil die institutionelle Schieflage dadurch verst&auml;rkt wird. Aber die Berichterstattung hat sich auf l&auml;ngere Sicht betrachtet meiner Einsch&auml;tzung nach verbessert. <\/p><p>Das hat vor allem mit gesellschaftlichen Ver&auml;nderungen zu tun. Wir sind heute eine offenere Gesellschaft als noch in den 1950er und 1960er Jahren. Das ist das Verdienst von Bewegungen und Vork&auml;mpfenden f&uuml;r verschiedene Rechte. Wir haben heute eine lebendigere Zivilgesellschaft!<\/p><p>Und das l&auml;sst sich auch im Medienbereich beobachten. Die gesellschaftlichen Entwicklungen sind nicht spurlos an der Presse und den Journalisten vorbeigegangen. Das politische Spektrum hat sich erweitert. Aber man sieht dort, wo die Politik progressive Entwicklungen zur&uuml;ckdreht wie im Fall der neoliberalen Wende oder auch au&szlig;enpolitisch aggressiver auftreten will, dass die Medien ihre Funktion als Megaphone der Eliten weiterhin gut erf&uuml;llen.<\/p><p><strong>Was k&ouml;nnen wir als progressive Kr&auml;fte denn tun?<\/strong><\/p><p>Was progressive Kr&auml;fte immer getan haben: Missst&auml;nde ausmachen und sich politisch organisieren, um sie zu lindern oder zu beseitigen. Dabei sind Bildung, Information und Aufkl&auml;rung zentral. Ohne sie geht es nicht. <\/p><p>Und, ja, es macht Arbeit, sich durch Dokumente zu w&uuml;hlen und die Hindernisse beiseite zu r&auml;umen, die einem rationalen Verst&auml;ndnis von politischen Ereignissen in den Weg gelegt werden. Aber im Prinzip kann jeder die medialen Verzerrungen entdecken, wenn er die richtigen Fragen stellt. <\/p><p>Wir sollten beispielsweise nicht akzeptieren, nur &uuml;ber &bdquo;ihren&ldquo; Terror zu sprechen und &bdquo;unseren&ldquo; zu &uuml;bergehen. Journalisten und Medienkritiker sollten dabei helfen, den t&auml;glichen politischen Diskurs- und Informationsschutt beiseite zu schieben und zu einer kritischen Haltung zu animieren. Keine kleine Aufgabe im &Uuml;brigen, aber sehr n&uuml;tzlich &ndash; siehe etwa die <em>NachDenkSeiten<\/em> in Deutschland oder <em>Democracy Now<\/em> in den USA. <\/p><p><strong>Sie setzen auf alternative Medien? Inwiefern k&ouml;nnten diese hilfreich sein?<\/strong><\/p><p>Ich habe mit dem Journalisten und Dramatiker Fabian Scheidler 2009 das unabh&auml;ngige TV- und Radio-Magazin <em><a href=\"http:\/\/www.kontext-tv.de\/\">Kontext TV<\/a><\/em> gegr&uuml;ndet. Seitdem produzieren wir Sendungen &uuml;ber Krieg und Frieden, Gerechtigkeit, soziale Bewegungen usw. Wir haben &uuml;ber die Bankenrettung berichtet, die Eurokrise, die Klimakrise, die Wasserkrise, den Afghanistankrieg, die Ukrainekrise, die Ausbeutung Afrikas und vieles mehr. Wir sind zu Weltsozialforen nach Dakar und Tunis gereist, um von dort die Stimmen des Globalen S&uuml;dens, aber auch der Zivilgesellschaft der Industrienationen einzufangen. Und wir reisten zum Weltklimagipfel nach Paris, um von der Klimagerechtigkeitsbewegung und den Entwicklungsl&auml;ndern aus die Verhandlungen zu beobachten. <\/p><p>All diese Stimmen, die sich in verschiedenen politischen K&auml;mpfen befinden, bedeuten einen Schatz von Wissen, Analysen, Einsichten und Kommentierungen, der von den Mainstreammedien nicht genutzt wird. Er ist jedoch der N&auml;hrboden, aus dem sich geschichtlicher Fortschritt speist. Die Kr&auml;fte, die die Welt von unten verbessern wollen, brauchen Foren, auf denen sie voneinander lernen und sich austauschen k&ouml;nnen. Die klassischen Medien sind daf&uuml;r nicht geeignet. Vielleicht k&ouml;nnen die progressiven Medien auch Einfluss auf die Mainstreammedien aus&uuml;ben, indem sie sie mit &bdquo;unangenehmen Tatsachen&ldquo; infizieren. Amy Goodman von <em>Democracy Now<\/em> nannte das einmal &bdquo;trickle up&ldquo;-Journalismus. Das w&auml;re sicherlich sehr hilfreich, um Meinungsbildung und Demokratie im Land voranzubringen bzw. &uuml;berhaupt einmal zu erm&ouml;glichen.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>David Goe&szlig;mann<\/strong>, geboren 1969, ist freier Journalist. Er arbeitet unter anderem f&uuml;r den Deutschlandfunk, den WDR und SWR. Von 2005 bis 2007 war er freier Auslandskorrespondent in Boston\/USA, davor Parlamentsreporter und CvD der Deutschen Fernsehnachrichten Agentur. 2009 gr&uuml;ndete er zusammen mit dem Dramatiker und Journalisten Fabian Scheidler das unabh&auml;ngige TV-Nachrichtenmagazin <a href=\"http:\/\/www.kontext-tv.de\">Kontext TV<\/a>. 2010 deckte er den Missbrauch von &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/100602_Die_Fake_TV_News_Industrie.pdf\">Fake TV News<\/a>&ldquo; in deutschen TV-Nachrichtensendungen auf.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterschauen:<\/strong><\/p><p><video width=\"500\" height=\"330\" controls><source src=\"http:\/\/www.kontext-tv.de\/sites\/default\/files\/COP21_kurz.mp4\" type=\"video\/mp4\">Your browser does not support the video tag.<\/source><\/video> <\/p><p style=\"text-align: center\"><strong><a href=\"http:\/\/www.kontext-tv.de\">Kontext TV<\/a>: Der unmenschliche Klima-Deal<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24698\">Ja, l&uuml;gen die Medien denn nun oder nicht?<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25587\">Keine Demokratie ohne Demokratisierung der Medien!<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28254\">Der Niedergang des Journalismus<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: David Goe&szlig;mann: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.kontext-tv.de\/node\/500\">Die gef&auml;hrlichen L&uuml;gen von Paris. Anleitung zur intellektuellen Selbstverteidigung gegen die Zahlenideologie des Klimagipfels<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: David Goe&szlig;mann: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.kontext-tv.de\/node\/502\">Die Klimagipfel-Truman-Show<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Buch: Walter van Rossum: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.perlentaucher.de\/buch\/gabriele-gillen-walter-van-rossum\/schwarzbuch-deutschland.html\">Schwarzbuch Deutschland. Das Handbuch der vermissten Informationen<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: &ldquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Propagandamodell\">Das Propagandamodell der Medien nach Noam Chomsky und Edward S. Herman<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Noam Chomsky: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.chomsky.info\/articles\/199710--.htm\">What Makes Mainstream Media Mainstream<\/a>&rdquo;<\/li>\n<li>Artikel: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/14\/14958\/1.html\">Herstellung von Konsens: Noam Chomskys Theorie der kapitalistisch gleichgeschalteten Massenmedien<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Ausarbeitung: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.theopenunderground.de\/@pdf\/udog\/chomskymedienanalyse.pdf\">Die Medienanalyse von Edward S. Herman und Noam Chomsky und ihre Anwendbarkeit auf die deutsche Medienlandschaft<\/a>&ldquo; <\/li>\n<li>Buch: Noam Chomsky: &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.amazon.com\/Necessary-Illusions-Thought-Democratic-Societies\/dp\/0887845746\">Necessary Illusions: Thought Control in Democratic Societies<\/a>&rdquo;<\/li>\n<li>Buch: Noam Chomsky: &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/buch\/noam-chomsky\/media-control.html\">Media Control: Wie Medien uns manipulieren<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Buch: Noam Chomsky: &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.amazon.com\/Manufacturing-Consent-Political-Economy-Media\/dp\/0375714499\">Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media<\/a>&rdquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <strong><a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a><\/strong> &uuml;ber neue Texte bestellen.<\/em><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/4043b30524fa428295d5f6a303346f58\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160111_goe%C3%9Fmann.jpg\" alt=\"David Goe&szlig;mann\" title=\"David Goe&szlig;mann\"\/><\/div>\n<p>Das Vertrauen in die Medien ist so gering wie selten zuvor. Man f&uuml;hlt sich nicht repr&auml;sentiert, einseitig informiert, &bdquo;belogen&ldquo; sogar. Doch was ist dran an solchen Vorw&uuml;rfen, die von Leitmedien und Arrivierten in aller Regel mit dem Hinweis, niemals zu l&uuml;gen, abgetan wird? <strong>Jens<\/strong><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30135\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[201,209,183,11],"tags":[1555,1711,1769,1564,325,460,244],"class_list":["post-30135","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ideologiekritik","category-interviews","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-griechenland","tag-klimaabkommen","tag-kontext-tv","tag-krieg-gegen-den-terror","tag-staatsschulden","tag-sz","tag-vierte-gewalt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30135","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=30135"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30135\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120053,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30135\/revisions\/120053"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=30135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=30135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=30135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}