{"id":30286,"date":"2016-01-18T09:49:18","date_gmt":"2016-01-18T08:49:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30286"},"modified":"2024-08-22T16:18:26","modified_gmt":"2024-08-22T14:18:26","slug":"die-neoliberale-indoktrination","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30286","title":{"rendered":"Die neoliberale Indoktrination"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160118_mausfeld.jpg\" alt=\"Rainer Mausfeld\" title=\"Rainer Mausfeld\"><\/div><p>Der Neoliberalismus ist als Gesellschaftsideologie ein Ph&auml;nomen. Nicht nur macht er den Armen und Schwachen weis, sie w&auml;ren an ihrem Elend <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25168\">selbst schuld<\/a>. Er schafft es auch, daf&uuml;r zu sorgen, dass <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26257\">das wahre Ausma&szlig;<\/a> der gesellschaftlichen Armut kaum je an die &Ouml;ffentlichkeit dringt; dass das Gesundheitssystem trotz immer h&ouml;herer Ausgaben immer <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28081\">inhumaner<\/a> wird; dass die Soziale Arbeit <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27957\">erodiert<\/a> und kaum jemand etwas hiergegen unternimmt; dass mittels Stiftungen ein regelrechter &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28184\">Refeudalisierungsboom<\/a>&ldquo; im Lande tobt und Investoren inzwischen auf die Privatisierung des &ouml;ffentlichen Bildungssystems <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26958\">abzielen<\/a>. Zur Frage, wie den Menschen mittels geeigneter Psychotechniken der Geist vernebelt wird, um Widerstand gegen diese unmenschliche Ideologie weitestgehend unm&ouml;glich zu machen, sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit dem Wahrnehmungs- und Kognitionsforscher <strong>Rainer Mausfeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2118\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-30286-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160122_Die_neoliberale_Indoktrination_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160122_Die_neoliberale_Indoktrination_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160122_Die_neoliberale_Indoktrination_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160122_Die_neoliberale_Indoktrination_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=30286-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160122_Die_neoliberale_Indoktrination_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160122_Die_neoliberale_Indoktrination_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Mausfeld, Sie haben als Wahrnehmungs- und Kognitionsforscher vor Kurzem unerwartet so etwas wie ein wenig Ber&uuml;hmtheit erlangt, als ein Vortrag von Ihnen zur Frage &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Rx5SZrOsb6M\">Warum schweigen die L&auml;mmer?<\/a>&ldquo; auf YouTube pl&ouml;tzlich auf immense Nachfrage stie&szlig;. Fast 200.000 Menschen haben ihn inzwischen gesehen und es werden nach wie vor mehr. Wie erkl&auml;ren Sie sich die immense Nachfrage nach ihm?<\/strong><\/p><p>Die Resonanz hat mich &uuml;berrascht. Denn in der Form ist der Vortrag recht trocken und bisweilen auch akademisch. Inhaltlich versuche ich lediglich, einige Fakten aus einer bestimmten Perspektive in eine innere geistige Ordnung zu bringen. Vielleicht wird dies ja als hilfreich empfunden, da in der Flut fragmentierter Informationen, mit der wir gerade im gesellschaftlich-politischen Bereich konfrontiert sind, die Sinnzusammenh&auml;nge mehr und mehr verlorengehen und uns dadurch die M&ouml;glichkeit zu einer eigenst&auml;ndigen Meinungsbildung erschwert oder gar genommen wird. <\/p><p><strong>Wie kam es denn zu diesem Vortrag?<\/strong><\/p><p>Der Vortrag, der einige Themen aufgreift, die ich auch in Veranstaltungen des Psychologiestudiums anspreche, war nur f&uuml;r einen kleinen Kreis von Studenten und Freunden gedacht. Thematisch geh&ouml;rt der Vortrag ja nicht zu meinem Arbeitsbereich, der Wahrnehmungs- und Kognitionsforschung. Die Gemeinsamkeiten meines Arbeitsbereichs und des gesellschaftspolitischen Themas des Vortrags liegen denn auch weniger auf einer inhaltlichen als auf einer denkmethodologischen Ebene. Denn in der Grundlagenforschung wie im Bereich des Gesellschaftlich-Politischen k&ouml;nnen wir uns nur dann ein St&uuml;ck Autonomie gegen&uuml;ber dem jeweiligen Zeitgeist bewahren, wenn wir bei jedem Thema zun&auml;chst fragen, aus welchem ideengeschichtlichen und historisch-gesellschaftlichen Hintergrund es sich entwickelt hat und welche stillschweigenden Pr&auml;missen und welche verborgenen Vorurteile bereits in der Formulierung eines Themas oder einer Frage enthalten sind. <\/p><p>Zu einem solchen &ldquo;Hinterfragen&ldquo; sind wir alle von Natur aus bef&auml;higt, man muss sich nur entschlie&szlig;en, von dieser Bef&auml;higung auch Gebrauch zu machen &ndash; das war ja gerade die Leitidee der Aufkl&auml;rung. Das ist oft m&uuml;hsam und bedarf der &Uuml;bung, doch empfinden wir h&auml;ufig ein Gef&uuml;hl der Befriedigung, wenn wir den Sinnzusammenhang der Dinge besser verstehen. <\/p><p><strong>Und &Uuml;bung braucht &uuml;brigens auch wieder Zeit, wodurch verst&auml;ndlich wird, warum es bez&uuml;glich der F&auml;higkeiten, L&uuml;gen und Manipulationen zu durchschauen, gro&szlig;e gesellschaftliche Disparit&auml;ten gibt&hellip;<\/strong><\/p><p>Genau. Gerade in dieser Hinsicht haben Wissenschaftler eine besondere gesellschaftliche Verpflichtung. Sie sind ge&uuml;bt in der Beschaffung von Informationen und im Umgang mit Informationen. Sie verstehen zumeist, ihr Wissen in Rede und Schrift zu vermitteln. Und  sie sind, oder sollten eigentlich, schon aus beruflichem Ethos der Wahrheit verpflichtet sein. Daraus ergibt sich eine gesellschaftliche Verantwortung, sich nicht zu scheuen, sich n&ouml;tigenfalls auch mit der Macht und den ihr dienenden Ideologien anzulegen. <\/p><p>Die Realit&auml;t sieht leider anders aus. Das liegt nat&uuml;rlich auch, nicht nur an den Universit&auml;ten, an den Karrieremechanismen. Verst&auml;ndlicherweise sto&szlig;en gerade im gesellschaftspolitischen Bereich ein Aussprechen der Wahrheit und die Konsequenzen unserer nat&uuml;rlichen Neugierde und Freude an Autonomie nicht bei allen auf Begeisterung. Wenn wir n&auml;mlich die Dinge besser verstehen, k&ouml;nnte es ja passieren, dass wir beginnen, Fragen zu stellen, die den Status des jeweiligen Establishments gef&auml;hrden k&ouml;nnten. <\/p><p>Daher hat in jeder Gesellschaft und in jedem Bereich einer Gesellschaft das Establishment ein Interesse daran, dass Ausbildungsinstitutionen und Medien die M&ouml;glichkeiten eines Erkennens von Sinnzusammenh&auml;ngen in geeigneten Grenzen halten. Fragmentierung &ndash; ob durch bildungsb&uuml;rgerliches Wissen, durch eine <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19428\">PISA-orientierte Schulausbildung<\/a>, durch ein <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18451\">&ldquo;kompetenzorientiertes&ldquo; Studium<\/a> oder durch Medien &ndash; ist also in diesem Sinne keineswegs Zufall, sondern ein beabsichtigter Prozess, eine Art Herrschaftsinstrument.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/Rx5SZrOsb6M\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>Rainer Mausfeld: &bdquo;Warum schweigen die L&auml;mmer? &ndash; Techniken des Meinungs- und Emp&ouml;rungsmanagements&ldquo;<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Hat die Bologna-Reform an den Hochschulen dieses Problem wom&ouml;glich noch weiter versch&auml;rft? Ich hatte vor einigen Jahren einmal auf den NachDenkSeiten argumentiert, die aktuellen Reformen seien wohl selbst als <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3230\">Herrschaftsinstrument<\/a> beziehungsweise Etablierung neuer Herrschaftsmechanismen im Bildungsbereich zu verstehen&hellip;<\/strong><\/p><p>Ja, das hat sie, und zwar in einem Umfang und mit einer Systematik, wie wohl kein anderes Ereignis in der Geschichte der Bildung und Ausbildung. Im Gefolge der neoliberalen &ldquo;Revolution von oben&ldquo; wurde auch das gesamte Bildungssystem &ouml;konomischen Kategorien <a href=\"https:\/\/hessenkongress.files.wordpress.com\/2010\/01\/hochschule-im-historischen-prozess.pdf\">unterworfen<\/a>. Die Aufgabe der Universit&auml;t besteht nun in der marktkonformen Produktion von &ldquo;Humankapital&ldquo;.<\/p><p>Dazu korrespondierend besteht die Aufgabe der Studierenden darin, ihre &ldquo;Fremdverwertbarkeitskompetenz&ldquo; zu optimieren, um so flexibel auf dem Arbeitsmarkt verwertbar zu sein. Die Verinnerlichung einer solchen Haltung und die <a href=\"https:\/\/le-bohemien.net\/2015\/11\/20\/neoliberalismus-unterwerfung-als-freiheit\/\">Unterwerfung<\/a> unter sie werden dann als &ldquo;Selbstverwirklichung&ldquo; bezeichnet. Eine solche Pervertierung der Idee einer Entfaltung eigener Neigungen und F&auml;higkeiten f&uuml;hrt zwangsl&auml;ufig zu geistiger und psychischer Fragmentierung der Studierenden und auch zu gro&szlig;en Zukunfts&auml;ngsten. Beides beeintr&auml;chtigt aus naheliegenden Gr&uuml;nden die M&ouml;glichkeit und die Bereitschaft, Dinge zu hinterfragen und f&uuml;hrt zu <a href=\"http:\/\/www.rnz.de\/nachrichten\/heidelberg\/campus_artikel,-Unpolitische-Studenten-Entpolitisierung-ist-beabsichtigter-Effekt-der-Hochschulpolitik-_arid,1257.html\">Entpolitisierung<\/a>, ja, politischer Lethargie&hellip;<\/p><p><strong>Das Gef&uuml;hl von politischer Ohnmacht, oft verbunden mit latenter Verzweiflung oder gar Wut, scheint allerdings nicht nur unter Studierenden weit verbreitet zu sein, sondern aktuell geradezu zu grassieren; in fast jedem Milieu&hellip;<\/strong><\/p><p>Ja, und das ist auch kein Wunder. Denn das Ausbildungssystem ist nur ein Aspekt der sehr viel weitreichenderen und tiefergehenden aktuellen Indoktrinationssysteme. Da diese im Wortsinne inhuman sind, also Zielen dienen, die der Natur unseres Geistes und somit der Natur des Menschen zuwiderlaufen, gehen sie fast zwangsl&auml;ufig mit gewaltigen psychischen Folgekosten einher. <\/p><p>Diese Indoktrinationssysteme k&ouml;nnte man als neoliberale Indoktrinationssysteme bezeichnen. Der Neoliberalismus zielt ja gerade darauf, Konsumenten zu produzieren, die in einer sozial atomisierten Gesellschaft nur noch als Konsumenten eine soziale Identit&auml;t finden. Im pervertierten Freiheitsbegriff des Neoliberalismus bezieht sich die &ldquo;Freiheit&ldquo; einer Person darauf, dass sie sich den Kr&auml;ften des &ldquo;freien Marktes&ldquo; zu unterwerfen hat, also von allen gesellschaftlichen und sozialen Banden &ldquo;befreit&ldquo; und somit sozial und gesellschaftlich entwurzelt ist. Scheitert sie auf dem &ldquo;Markt&ldquo;, so darf sie daf&uuml;r nicht gesellschaftliche Verh&auml;ltnisse verantwortlich machen, sondern muss dies ihrem individuellen Versagen zuschreiben. Eine solche Haltung kann sie jedoch nur um den Preis psychischer Deformationen, insbesondere sozialer &Auml;ngste und Depressionen, einnehmen. <\/p><p>Durch entsprechende Indoktrinationssysteme kann man Menschen auch ohne Knebel zum Schweigen und zum Verstummen bringen, sie ihrer &ldquo;<a href=\"https:\/\/jensewernicke.wordpress.com\/2015\/10\/26\/bdwi-studienheft\/\">gesunden<\/a>&ldquo; Gegenwehr gegen krankmachende Verh&auml;ltnisse weitestgehend berauben.<\/p><p><strong>Wie es der gute Bert Brecht einmal sagte: &bdquo;Es gibt viele Arten zu t&ouml;ten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg f&uuml;hren usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten&ldquo;&hellip;<\/strong><\/p><p>Nicht nur das. Man kann einen Menschen auch auf verschiedene Arten beeinflussen, &auml;ngstigen, manipulieren, verschrecken und dazu bringen, sich Einfl&uuml;ssen zu unterwerfen, die seinen vitalen Interessen diametral entgegenstehen. Nur, dass das eben nicht folgenlos bleibt. <\/p><p>Es wurde ja schon fr&uuml;her aufgezeigt, dass der Kapitalismus ein besonders hohes Ma&szlig; psychischer St&ouml;rungen mit sich bringt. F&uuml;r die Gegenwart haben Richard Wilkinson und Kate Pickett dies in ihrem Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/haffmans-tolkemitt.de\/programm\/gleichheit-ist-gluck\/\">Gleichheit ist Gl&uuml;ck<\/a>&ldquo; noch einmal akribisch anhand einer F&uuml;lle quantitativer Daten aufgezeigt. <\/p><p>Gesellschaftlich verursachte St&ouml;rungen wendet der Neoliberalismus nun aber perverserweise gegen das Individuum selbst, das nun dem Zwang unterworfen wird, sich durch geeignete Ma&szlig;nahmen selbst besser fremdverwertbar zu &ldquo;gestalten&ldquo;. Das gilt f&uuml;r jede Art von Verhalten, das unvertr&auml;glich mit der gew&uuml;nschten Rolle eines Konsumenten ist. <\/p><p>Daher finden wir mit wachsendem Einfluss neoliberalen Denkens auch eine zunehmende Tendenz zu Disziplinierungsinstrumenten, etwa eine Tendenz zum &ldquo;therapeutischen Staat&ldquo; und auch ein Anwachsen einer privaten Gef&auml;ngnisindustrie. Unter allen Nationen weltweit sitzt in den USA der h&ouml;chste prozentuale Anteil der Bev&ouml;lkerung im Gef&auml;ngnis. Die US-Bev&ouml;lkerung macht 4,4 Prozent der Weltbev&ouml;lkerung aus, stellt jedoch 22 Prozent aller Gefangenen weltweit.<\/p><p>Da der Neoliberalismus nur in dem Ma&szlig;e wirkm&auml;chtig sein kann, wie es ihm gelingt, Menschen ihren eigenen Interessen und ihren sozialen Zugeh&ouml;rigkeiten zu entfremden, ben&ouml;tigt er geeignete Disziplinierungsinstrumente, um die psychischen und sozialen Folgen dieser Entfremdung unter Kontrolle zu halten.<\/p><p><strong>Lassen Sie uns kurz zu den Kategorien Ihrer und unserer Kritik sprechen. Was genau verstehen Sie denn eigentlich unter &bdquo;Neoliberalismus&ldquo;? Was meint, was beschreibt das f&uuml;r Sie?<\/strong><\/p><p>Neoliberales Denken entstammt vielen und sehr heterogenen Quellen. Als eine einheitliche &ouml;konomisch-gesellschaftliche Konzeption gibt es &ldquo;den&ldquo; Neoliberalismus nicht. Es gibt jedoch den politisch organisierten und wirkm&auml;chtigen Neoliberalismus, also den <em>real existierenden<\/em> Neoliberalismus. <\/p><p>Dessen ideologische Konzeption l&auml;sst sich relativ leicht als das charakterisieren, was von den Eliten in den Medien &ndash; unterst&uuml;tzt durch propagandistische Think Tanks wie die Bertelsmann-Stiftung, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, das Institut der deutschen Wirtschaft und andere &ndash; und durch die wirtschaftswissenschaftlichen Fakult&auml;ten verbreitet wird. Die Codew&ouml;rter hierf&uuml;r sind hinreichend bekannt; typische Beispiele f&uuml;r den neoliberalen &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.medienverantwortung.de\/unsere-themen\/informationsportale\/neusprech-manipulation-durch-sprache\/\">Neusprech<\/a>&ldquo; sind: &bdquo;Liberalisierung&ldquo;, &bdquo;Reformen weiter treiben&ldquo;, &bdquo;B&uuml;rokratie abbauen&ldquo; oder &bdquo;Austerit&auml;t&ldquo;.<\/p><p>Dieser Ideologie sucht man einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben durch geeignete &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/oekonomie-ist-eigentlich-keine-wissenschaft-11418489.html\">&ouml;konomische Theorien<\/a>&ldquo;, wie sie in den Seminarr&auml;umen wirtschaftswissenschaftlicher Fakult&auml;ten dargeboten werden. Diese Theorien beruhen aber auf theoretischen Absurdit&auml;ten, auf Gebilden einer letztlich durch Umverteilungsbed&uuml;rfnisse getriebenen intellektuellen Phantasie. N&auml;mlich der Phantasie eines sich rational selbstregulierenden, &ldquo;freien Marktes&ldquo;, auf dem das Fiktionswesen <em>Homo oeconomicus<\/em> agiert &ndash; also der rationale und nutzenmaximierende Mensch, der &uuml;ber Kenntnisse aller denkbaren Entscheidungsoptionen verf&uuml;gt und zugleich alle Konsequenzen seines Handelns &uuml;berschauen kann. <\/p><p>Da die fundamentale Unangemessenheit einer solchen Konzeption des menschlichen Geistes f&uuml;r jeden, dessen Blick nicht ideologisch getr&uuml;bt ist, sofort erkennbar ist, deklariert man diese Konzeption als ein idealisiertes mathematisches Modell, das dann den Vorteil hat, alle offenkundigen Diskrepanzen zur Realit&auml;t mit der Geschmeidigkeit scholastischer Denkgeb&auml;ude durch geeignete Zusatzannahmen in sich aufnehmen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Als &ouml;konomische Theorie weist der Neoliberalismus so viele interne Widerspr&uuml;che und Inkonsistenzen auf, dass er l&auml;ngst daran h&auml;tte zugrunde gehen m&uuml;ssen &ndash; er ist eine Art intellektueller Pathologie. Das wurde von &ouml;konomischen Experten wieder und wieder aufgezeigt. J&uuml;ngst haben Philip Mirowski &ndash; in seinem Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.matthes-seitz-berlin.de\/buch\/untote-leben-laenger.html\">Untote leben l&auml;nger: Warum der Neoliberalismus nach der Krise noch st&auml;rker ist<\/a>&ldquo; &ndash; und Wendy Brown &ndash; in &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/die_schleichende_revolution-wendy_brown_58681.html\">Die schleichende Revolution: Wie der Neoliberalismus die Demokratie zerst&ouml;rt<\/a>&ldquo; dies noch einmal rekapituliert und aus unterschiedlichen Perspektiven aufbereitet. Aber auch hier wird wohl der Effekt wieder nahe bei Null liegen, denn der Neoliberalismus ist v&ouml;llig immun gegen Argumente, ihm gen&uuml;gt es, dass er politisch wirkm&auml;chtig ist.<\/p><p><strong>Da hat die Wissenschaft, zumindest in diesem Bereich, ja offenbar die Rolle &uuml;bernommen, die fr&uuml;her von der Kirche ausge&uuml;bt wurde: Wissenschaft als Religionsersatz. Im Dienste der jeweils materiell herrschenden Macht und deren ideologischer Legitimation&hellip; K&ouml;nnen Sie f&uuml;r die genannten Widerspr&uuml;che denn bitte ein konkretes Beispiel ausf&uuml;hren? Was meinen Sie genau?<\/strong><\/p><p>Nun, der fundamentale Widerspruch, zumindest im real existierenden Neoliberalismus, ist der zwischen dem in der neoliberalen Rhetorik so vielbesungenen &ldquo;freien Markt&ldquo; und der Tatsache, dass der Neoliberalismus vor nichts eine gr&ouml;&szlig;ere Angst hat als vor einem wirklich freien Markt. Der &ldquo;freie Markt&ldquo; ist nur f&uuml;r die &ouml;konomisch Schwachen, ob Personen oder Staaten, gedacht, w&auml;hrend die &ouml;konomisch Starken, insbesondere Gro&szlig;konzerne, durch staatliche Interventionen vor ebendiesen Kr&auml;ften zu sch&uuml;tzen sind. Der Neoliberalismus ben&ouml;tigt also f&uuml;r seine <em>eigentlichen<\/em> Ziele, n&auml;mlich die einer Umverteilung und best&auml;ndigen Akkumulation, ganz wesentlich den starken Staat, der die &ldquo;Marktfreiheit&ldquo; in seinem Sinne reguliert. <\/p><p>Ein Beispiel mit gravierenden Folgen sind die Agrarsubventionen. Die USA und die EU subventionieren ihre Landwirtschaft mit etwa 1 Milliarde Dollar pro Tag. W&uuml;rden die reichen L&auml;nder diese Eingriffe in den &bdquo;freien Markt&ldquo; abbauen, k&ouml;nnten die Entwicklungsl&auml;nder ihre Agrarexporte um mehr als 20 Prozent und das Einkommen der l&auml;ndlichen Bev&ouml;lkerung um etwa 60 Milliarden Dollar pro Jahr erh&ouml;hen &ndash; ein Betrag, der gr&ouml;&szlig;er ist als die gesamte Entwicklungshilfe der EU. Hinzu kommen Einfuhrbeschr&auml;nkungen und andere H&uuml;rden, durch die die EU und die USA ihre M&auml;rkte gegen Importe aus Entwicklungsl&auml;ndern abschotten. Zugleich wird armen Nationen das Recht genommen, ihre Wirtschaft selbst zu gestalten. Die armen L&auml;nder m&uuml;ssen sich der &bdquo;Marktdisziplin&ldquo; unterwerfen und ihre M&auml;rkte f&uuml;r transnationale Konzerne &ouml;ffnen, f&uuml;r die sie dann ein Reservoir billiger Arbeitskr&auml;fte und Rohmaterialien werden, die reichen L&auml;nder betreiben Protektionismus. So sieht die Realit&auml;t des &bdquo;freien Marktes&ldquo; aus.<\/p><p>In der Tradition neoliberalen Denkens gibt es jedoch auch Varianten, die die Idee des freien Marktes <em>wirklich<\/em> ernst nehmen und jede Art staatlicher Intervention ablehnen, etwa Murray Rothbard oder in dessen Gefolge Walter Block und Hans-Hermann Hoppe. Diesen neoliberalen Denkern zufolge stellen auch Kinder nur eine Form von Eigentum dar und d&uuml;rften somit auf dem freien Markt verkauft werden; zudem d&uuml;rfe der Staat Eltern beispielsweise keine rechtliche Verpflichtung auferlegen, ihr Kind mit Nahrung zu versorgen. <\/p><p>Diese Denksysteme m&ouml;gen &ndash; sieht man einmal von der Beliebigkeit und Absurdit&auml;t ihrer Pr&auml;missen ab &ndash; als intellektuelle &Uuml;bungsaufgabe eine gewisse innere Konsistenz aufweisen. Sie sind insofern lehrreich, als sie die Idee eines durch keine moralischen &ldquo;Hemmnisse&ldquo; begrenzten, radikal freien Marktes zu ihrer logischen, zutiefst inhumanen Konsequenz f&uuml;hren. Nicht einmal die Reichen w&uuml;rden in einer solchen Dystopie einer Gesellschaft leben wollen.<\/p><p>Kurz: Der real existierende Neoliberalismus ist eigentlich seit je intellektuell bankrott. Dennoch ist er &ndash; als eine Art &ldquo;Hausphilosophie&ldquo; der Reichen und Gro&szlig;konzerne &ndash; politisch &auml;u&szlig;erst wirkungsm&auml;chtig.<\/p><p>Es gibt Neoliberalismus-Kritiker, wie Jamie Peck, die der Auffassung sind, dass der Neoliberalismus sein Gehirn schon lange verloren hat und sich nur seine Glieder noch reflexartig und zunehmend erratisch &uuml;ber den Globus bewegen. Zwangsl&auml;ufig m&uuml;sse er dabei immer autokratischere Z&uuml;ge annehmen. <\/p><p>Es gibt ja mittlerweile in dem globalen neoliberalen Feldexperiment reiche Erfahrungsdaten, die zeigen, dass der Neoliberalismus nicht nur die von ihm deklarierten Ziele &ndash; wie etwa Wachstum zu erzeugen oder den allgemeinen Wohlstand zu erh&ouml;hen &ndash; verfehlt. Besonders in der sogenannten Dritten Welt, und zunehmend auch in Europa, sind seine Folgen offenkundig. Jean Ziegler, der ehemalige UN-Sonderberichterstatter f&uuml;r das Recht auf Nahrung, stellt dazu fest: &bdquo;Der deutsche Faschismus brauchte sechs Kriegsjahre, um 56 Millionen Menschen umzubringen &ndash; die neoliberale Wirtschaftsordnung schafft das locker in gut einem Jahr.&ldquo; <\/p><p>Der Neoliberalismus erzeugt weltweit ein Desaster nach dem anderen. Aus jedem Desaster kommt er jedoch &ndash; in scheinbar paradoxer Weise &ndash; gest&auml;rkt hervor und wird sogleich wieder als &ldquo;Therapie&ldquo; empfohlen. Offensichtlich n&auml;hrt der Neoliberalismus nicht nur Krisen, sondern er n&auml;hrt sich geradezu von Krisen und schl&auml;gt dabei noch aus seinen inneren Widerspr&uuml;chen und Inkonsistenzen Kapital. Das wirft interessante Fragen nach seinen eigentlichen Zielen auf.<\/p><p><strong>Da muss ich an David Harvey denken, dessen wunderbare &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.rotpunktverlag.ch\/cgi-bin\/germinal_shop.exe\/VOLL?session_id=B64B9F19-C883-4300-87E7-54B158D2E791&amp;titel_nummer=5000343&amp;titel_id=5000343&amp;caller=rotpunkt\">Kleine Geschichte des Neoliberalismus<\/a>&ldquo; folgender Klappentext ziert: &bdquo;L&auml;ngst kritisieren auch bekannte Wirtschaftswissenschaftler wie Joseph Stiglitz, ehemaliger Chef&ouml;konom der Weltbank, die &sbquo;Ausw&uuml;chse&lsquo; des Neoliberalismus und beklagen die wachsende soziale Ungleichheit als dessen unerw&uuml;nschtes Nebenprodukt. Falsch, sagt David Harvey: Weshalb kommt diesen Leuten denn &sbquo;nie der Gedanke, dass die soziale Ungleichheit wom&ouml;glich von Anfang an der Zweck der ganzen &Uuml;bung war&lsquo;? Die neoliberale Wende, so Harvey, wurde in den 70er-Jahren zu dem alleinigen Zweck eingeleitet, die Klassenmacht einer gesellschaftlichen Elite wiederherzustellen, die bef&uuml;rchtete, dass ihre Privilegien nachhaltig beschnitten werden k&ouml;nnten&ldquo;&hellip;<\/strong><\/p><p>Das ist genau der entscheidende Punkt. Nur wenn wir uns das klarmachen, k&ouml;nnen wir die politische Wirksamkeit dieser intellektuell bankrotten Ideologie verstehen. Tats&auml;chlich zielt der Neoliberalismus gar nicht auf &ldquo;freie M&auml;rkte&ldquo;. Er zielt vielmehr auf eine radikale Umverteilung, und zwar von unten nach oben, von der &ouml;ffentlichen in die private Hand und von S&uuml;d nach Nord. <\/p><p>Um das zu erreichen, muss er die &ouml;konomisch Schwachen, seien es Individuen oder Staaten, ohne jeden Schutz den Kr&auml;ften des &ldquo;Marktes&ldquo; &uuml;berlassen und zugleich daf&uuml;r sorgen, dass den &ouml;konomisch Starken durch einen starken Staat geeignete Rahmenbedingungen f&uuml;r eine Kapitalvermehrung bereitgestellt werden. Der Neoliberalismus, der immer bereit ist, staatliche Interventionen in die Wirtschaft, als sozialistisch gei&szlig;eln, ist in Wahrheit eine Art <em>Neoliberalsozialismus<\/em>, ein Sozialismus f&uuml;r die Reichen n&auml;mlich, die er durch staatliche Regelungen vor den Marktkr&auml;ften zu sch&uuml;tzen sucht. <\/p><p>Er ist eine Revolution der Reichen gegen die Armen. Da die Armen aber die Mehrheit bilden, ist nat&uuml;rlich besonders in Demokratien eine solche Revolution mit Risiken behaftet. Es hilft daher au&szlig;erordentlich, wenn man die Bev&ouml;lkerung atomisiert, alle sozialen Bewegungen fragmentiert und partikularisiert und zugleich als Nutznie&szlig;er der Umverteilung ein neues Klassenbewusstsein entwickelt. <\/p><p>Genau dies ist in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich geschehen. Warren Buffets diesbez&uuml;gliche Bemerkung von 2006 &ndash; &bdquo;Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg f&uuml;hrt, und wir gewinnen&rdquo; &ndash; ist dabei nur in der Offenheit, nicht jedoch in der Sache als Ausrutscher zu verstehen. Das Kampflied in diesem Klassenkampf ist die M&auml;r von den Segnungen eines &ldquo;freien Marktes&ldquo;, zu dessen Entfaltung alle staatlichen Interventionen abzubauen seien. Der Neoliberalismus w&uuml;rde nat&uuml;rlich bestreiten, dass er ein Krieg der Reichen gegen die Armen ist; und mit Recht k&ouml;nnte er dabei darauf verweisen, dass er ja schlie&szlig;lich ganz unparteiisch Reichtum und Armut gleicherma&szlig;en f&ouml;rdert. <\/p><p>Global kontrollieren die 500 gr&ouml;&szlig;ten Konzerne mittlerweile mehr als 50 Prozent des Weltbruttosozialprodukts. Die 85 reichsten Personen der Welt besitzen, wie Oxfam j&uuml;ngst mitteilte, mehr als die &auml;rmsten 50 Prozent der Weltpopulation zusammen, also als die &auml;rmsten 3,6 Milliarden Menschen auf dieser Welt. Und bald werden die reichsten ein Prozent mehr als die H&auml;lfte des Gesamtreichtums der Welt besitzen. Auch dies ist, so die neoliberale M&auml;r, ein von niemandem absichtlich herbeigef&uuml;hrter, also auch von niemandem zu verantwortender Effekt der rationalen Naturgesetzlichkeiten des &ldquo;freien Marktes&ldquo;. <\/p><p>Wer dies kritisiert, bezeugt damit nur sein v&ouml;lliges Unverst&auml;ndnis dessen, was Naturgesetzlichkeiten sind. Denn auch zu denen gibt es ja keine Alternative.<br>\nDer Neoliberalismus ist &ndash; nach dem europ&auml;ischen Kolonialismus &ndash; das gr&ouml;&szlig;te globale Umverteilungsprojekt der Geschichte. Da ist kaum &uuml;berraschend, dass es betr&auml;chtlicher Indoktrinations- und Disziplinierungsanstrengungen bedarf, um die Bev&ouml;lkerung gegen ihre tats&auml;chlichen Erfahrungen und gegen ihre eigenen Interessen dazu zu bringen, dieses Kampflied hinzunehmen und sogar darin einzustimmen. <\/p><p><strong>Bitte f&uuml;hren Sie das doch ein wenig aus. Von welchen &bdquo;Indoktrinationsmechanismen&ldquo; reden wir hier? Was meinen Sie damit?<\/strong><\/p><p>Nun, in einer Demokratie ist es wichtig, dass das eigentliche Ziel einer Umverteilung von unten nach oben f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung durch eine geeignete Indoktrination verdeckt und unsichtbar gemacht wird. Das ist hier nicht anders als etwa bei hegemonialen und <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/44\/44035\/1.html\">imperialen Interessen<\/a>, die f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung durch eine Rhetorik von &ldquo;humanit&auml;rer Intervention&ldquo; oder &ldquo;Demokratief&ouml;rderung&ldquo; verdeckt werden. <\/p><p>In Demokratien w&auml;re der Neoliberalismus politisch nicht &uuml;berlebensf&auml;hig, wenn es ihm nicht gel&auml;nge, die K&ouml;pfe zu erobern und die &ouml;ffentliche Meinung in seinem Sinne zu formen und zu kontrollieren. Dies kann nur auf der Basis von Indoktrinationssystemen geschehen, die psychologisch &auml;u&szlig;erst ausgefeilt sind und alle Bereiche unseres Lebens durchziehen. <\/p><p>Die Grundlagen f&uuml;r solche Indoktrinationssysteme werden seit je durch bereitwillige Intellektuelle bereitgestellt, die eher den Interessen der M&auml;chtigen verpflichtet sind als der Wahrheit und die daf&uuml;r in geeigneter Weise gef&ouml;rdert und belohnt werden. Stiftungen, &ldquo;Denkfarmen&ldquo; oder &ldquo;Think Tanks&ldquo; und NGO&rsquo;s kommt dabei eine kaum zu &uuml;bersch&auml;tzende Bedeutung zu. <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28184\">Stiftungen<\/a> und durch sie gef&ouml;rderte NGO&rsquo;s haben im Neoliberalismus eine ganz zentrale Bedeutung, weil wirtschaftliche Eliten steuerbeg&uuml;nstigt privaten Reichtum in politische Macht umwandeln k&ouml;nnen, die sie dann mit dem Anstrich der Gemeinn&uuml;tzigkeit und Philanthropie veredeln.<\/p><p><strong>Wie l&auml;uft das ab, welche konkreten &bdquo;Mechanismen&ldquo; gibt es da? Wie manipuliert man uns genau?<\/strong><\/p><p>Es ist tats&auml;chlich sehr schwer, sich von der Breite und von der Tiefe dieser Indoktrinationssysteme &uuml;berhaupt eine Vorstellung zu bilden. Die Indoktrinationssysteme, die der Neoliberalismus entwickelt hat, sind die ausgefeiltesten und wirkungsm&auml;chtigsten, mit denen je eine politische Ideologie verbreitet wurde. Sie sind inzwischen so tief in allen Bereichen des gesellschaftlichen und auch privaten Lebens verankert, dass sie uns kaum noch auffallen. Sie stellen ganze Lebensformen und Weltsichten dar, wie sie im Wesentlichen durch US-amerikanische Eliten gepr&auml;gt wurden und nicht zuletzt durch die Kultur- und Unterhaltungsindustrie als Selbstverst&auml;ndlichkeiten vermittelt werden. Die klassische Propaganda der ersten H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts, die bereits sehr wirkm&auml;chtig war, wirkt gegen diese neoliberalen Indoktrinationssysteme schlicht und geradezu naiv. <\/p><p>Dabei nutzt der Neoliberalismus das ganze Arsenal von Methoden und Strategien, die im Bereich gesellschaftlicher Manipulationstechniken bereits im klassischen Kapitalismus entwickelt worden sind. Also etwa die M&ouml;glichkeit, Fehlidentifikationen zu erzeugen, Konsumismus, Meinungsmanipulation durch Medien etc. Doch sind all diese Techniken enorm verfeinert worden und sind zumeist kaum noch als Indoktrinationstechniken erkennbar. Sie sind tief in allen Mechanismen der Herstellung von &ouml;ffentlicher Meinung verankert &ndash; nicht nur in Politik, Medien oder politischen Stiftungen, sondern bis in den Erziehungs- und Kulturbereich. Gute Indoktrination, das war schon den Pionieren der Propaganda klar, darf nicht als solche erkennbar sein und <em>muss<\/em> geradezu als Selbstverst&auml;ndlichkeit oder Ausdruck des gesunden Menschenverstandes erscheinen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><blockquote><p>\n&bdquo;Was wei&szlig; ich schon von mir, wenn ich nicht wei&szlig;, dass das Bild, das ich von mir selbst habe, zum gr&ouml;&szlig;ten Teil ein k&uuml;nstliches Produkt ist und dass die meisten Menschen &ndash; ich schlie&szlig;e mich nicht aus &ndash; l&uuml;gen, ohne es zu wissen? Was wei&szlig; ich, solange ich nicht wei&szlig;, dass &sbquo;Verteidigung&lsquo; Krieg bedeutet, &sbquo;Pflicht&lsquo; Unterwerfung, &sbquo;Tugend&lsquo; Gehorsam und &sbquo;S&uuml;nde&lsquo; Ungehorsam? Was wei&szlig; ich, solange ich nicht wei&szlig;, dass die Vorstellung, dass Eltern ihre Kinder instinktiv lieben, ein Mythos ist? Dass Ruhm nur selten auf bewundernswerte menschliche Qualit&auml;ten und h&auml;ufig nicht auf echte Leistungen gr&uuml;ndet? Dass die Geschichtsschreibung verzerrt ist, weil sie von den Siegern geschrieben wird? Dass betonte Bescheidenheit nicht unbedingt ein Beweis f&uuml;r fehlende Eitelkeit ist? Dass Liebe das Gegenteil von heftiger Sehnsucht und Gier ist? Was wei&szlig; ich schon von mir, wenn ich nicht wei&szlig;, dass jeder versucht, schlechte Absichten und Handlungen zu rationalisieren, um sie edel und wohlt&auml;tig erscheinen zu lassen? Dass das Streben nach Macht bedeutet, Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe mit F&uuml;&szlig;en zu treten? Dass die heutige Industrie-Gesellschaft vom Prinzip der Selbstsucht, des Habens und des Konsumierens bestimmt ist und nicht von den Prinzipien der Liebe und Achtung vor dem Leben, die sie predigt? Wenn ich nicht f&auml;hig bin, die unbewussten Aspekte der Gesellschaft, in der ich lebe, zu analysieren, kann ich nicht wissen, wer ich bin, weil ich nicht wei&szlig;, in welcher Hinsicht ich nicht ich bin.&ldquo;<br>\n<em>Erich Fromm<\/em>\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Es ist hohe Zeit, nicht nur von den gro&szlig;en Kriegen zu sprechen, sondern auch von dem kleinen Krieg, der den Alltag verw&uuml;stet und der keinen Waffenstillstand kennt: von dem Krieg im Frieden, seinen Waffen, Folterinstrumenten und Verbrechen, der uns langsam dazu bringt, Gewalt und Grausamkeit als Normalzustand zu akzeptieren. Krankenh&auml;user, Gef&auml;ngnisse, Irrenh&auml;user, Fabriken und Schulen sind die bevorzugten Orte, an denen dieser Krieg gef&uuml;hrt wird, wo seine lautlosen Massaker stattfinden, seine Strategien sich fortpflanzen &ndash; im Namen der Ordnung. Das gro&szlig;e Schlachtfeld ist der gesellschaftliche Alltag. Was hei&szlig;t das? Krankenh&auml;user und Pharmazeutika-Betriebe sind Quellen der Zerst&ouml;rung.&ldquo;<br>\n<em>Franco Basaglia<\/em>\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Die wissenschaftliche Funktion des Soziologen besteht (&hellip;) darin, die Gesellschaft in Frage zu stellen und sie dadurch zu zwingen, sich selbst zu verraten. Diejenigen aber, die im Namen des Ideals der ethischen Neutralit&auml;t (&hellip;) darauf verzichten, der Gesellschaft jene Fragen zu stellen, die sie in Frage stellen k&ouml;nnten, verraten die Wissenschaft: (&hellip;) Die Behauptung, der Soziologe k&ouml;nne seine Einstellung zur Gesellschaft frei w&auml;hlen, verschweigt, dass die Sozialwissenschaften nur solange in der Illusion der Neutralit&auml;t leben k&ouml;nnen, wie sie nicht wahrhaben wollen, dass ihre Enth&uuml;llungen oder ihr Verschweigen immer jemandem dienen: entweder den Nutznie&szlig;ern oder den Opfern der Sozialordnung.&ldquo;<br>\n<em>Pierre Bourdieu<\/em>\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Die Intellektuellen dienen der herrschenden Klasse als &sbquo;Angestellte&lsquo;. Sie sind f&uuml;r die Vielzahl subalterner Aufgaben der gesellschaftlichen Hegemonie und der politischen Regierung zust&auml;ndig, das hei&szlig;t 1. f&uuml;r die &sbquo;spontane&lsquo; Zustimmung der gro&szlig;en Masse der Bev&ouml;lkerung zum gesellschaftlichen Leben der herrschenden Hauptgruppe, eine Zustimmung, die sich &sbquo;historisch&lsquo; aus dem Prestige (&hellip;) ableitet, das der herrschenden Gruppe aufgrund ihrer Position und Funktion im Produktionsbereich zuf&auml;llt; und 2. f&uuml;r den staatlichen Zwangsapparat, der &sbquo;gesetzlich&lsquo; die Disziplinierung der Gruppen sicherstellt, die aktiv oder passiv &sbquo;die Zustimmung verweigern&lsquo; &ndash; dieser Apparat ist aber f&uuml;r die gesamte Gesellschaft geschaffen, in Voraussicht von Herrschafts- und F&uuml;hrungskrisen, in denen die &sbquo;spontane&lsquo; Zustimmung nachl&auml;sst.&ldquo;<br>\n<em>Antonio Gramsci<\/em>\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Nur wenn wir uns entschlie&szlig;en, uns unseres Verstandes zu bedienen und unsere induzierte moralische Apathie &uuml;berwinden, und nicht mehr bereit sind, die Illusion der Informiertheit, die Illusion der Demokratie, die Illusion der Freiheit, uns mit diesen Illusionen zufrieden zu geben, haben wir eine Chance, diesen Manipulationstechniken zu entgehen.&ldquo;<br>\n<em>Rainer Mausfeld<\/em>\n<\/p><\/blockquote><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>K&ouml;nnen Sie konkrete Beispiele f&uuml;r Verfeinerungen nennen?<\/strong><\/p><p>Das w&uuml;rde in recht technische Bereiche der Psychologie f&uuml;hren. Unabh&auml;ngig von solchen konkreten Befunden ist es jedoch grunds&auml;tzlich wichtig, sich klarzumachen, dass sich in der Operationsweise unseres Geistes eine Vielzahl von kognitiven, affektiven und sozialen Dispositionen findet, die sich f&uuml;r eine Meinungs-, Gef&uuml;hls- und Verhaltenssteuerung nutzen lassen. <\/p><p>In einem Manipulationskontext kann man sie also als Schwachstellen ansehen, die gleichsam als &ldquo;Hintert&uuml;ren&ldquo; zu den Mechanismen unseres Geistes wirken, durch die man, ohne dass wir es bemerken, unsere Aufmerksamkeit lenken sowie unser Denken und F&uuml;hlen beeinflussen, unsere Emp&ouml;rung ausl&ouml;sen oder auch verstummen lassen kann. <\/p><p>Manipulationstechniken sitzen also gleichsam parasit&auml;r auf Schwachstellen unseres Geistes auf. Sie sind dabei stets so beschaffen, dass sie das Scheinwerferlicht unseres Bewusstseins unterlaufen, also von uns praktisch nicht bemerkt werden, so dass es uns auch schwer f&auml;llt, uns gegen sie zu sch&uuml;tzen.<\/p><p>All das ist in der Wissenschaft &ndash; und damit im Effekt auch den herrschenden Eliten &ndash; bekannt, kaum jedoch in der &Ouml;ffentlichkeit. Diese folgenschwere Asymmetrie des Wissens um Manipulationsschwachstellen unseres Geistes muss dringend beseitigt werden. Wir haben nur dann eine Chance, uns gegen derartige Manipulationen zur Wehr zu setzen, wenn wir uns bewusst werden, auf welche unserer Schwachstellen solche Manipulationen zielen. <\/p><p><strong>Auch wenn das in Summe sicher zu sehr in Details f&uuml;hren w&uuml;rde&hellip; Aber k&ouml;nnen Sie vielleicht ein konkretes Beispiel f&uuml;r eine solche Schwachstelle f&uuml;r Manipulationen, f&uuml;r den Ablauf und die Wirkung derselben, skizzieren?<\/strong><\/p><p>In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die politischen Eliten verst&auml;rkt darum bem&uuml;ht, entsprechende Einsichten und Befunde psychologischer Forschung f&uuml;r ihre Zwecke politisch nutzbar zu machen, indem man &bdquo;sanfte&ldquo; Herrschaftstechniken zu entwickeln sucht, mit denen man Menschen gleichsam einen &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/43\/43158\/1.html\">Schubs<\/a>&ldquo; in die gew&uuml;nschte Richtung geben kann.<\/p><p>Ich will versuchen, ein Beispiel zu nennen, das sich im Kern relativ einfach beschreiben l&auml;sst, n&auml;mlich unsere nat&uuml;rliche Disposition zu Verzerrungen unserer Urteile &uuml;ber die jeweils gegebene gesellschaftliche Situation. Diese Verzerrungen werden in der wissenschaftlichen Literatur als &bdquo;status quo bias&ldquo; bezeichnet. Sie sind in der Psychologie gut untersucht, sind von hoher gesellschaftlicher Relevanz und lassen sich &uuml;ber eine Reihe von Variablen modifizieren und steuern, also manipulieren. Sie beziehen sich auf unsere nat&uuml;rliche Neigung, den jeweiligen Zustand der Gesellschaft, in der wir leben, als gut, gerecht, moralisch legitim, erstrebenswert usw. anzusehen. <\/p><p>Wir neigen dazu, den gesellschaftlichen Status quo allen Alternativen vorzuziehen, und zwar auch dann, wenn diese objektiv besser sind. Wir sind unserer Natur nach Anh&auml;nger des Status quo. Das gilt nat&uuml;rlich nicht f&uuml;r jede einzelne Person, doch ist es in der Tendenz ein stabiles Ph&auml;nomen, das sich in allen Gesellschaften nachweisen l&auml;sst. Eine solche psychische Disposition ist in der Regel &ndash; und solange sie nicht von au&szlig;en manipuliert wird &ndash; eine durchaus w&uuml;nschenswerte Eigenschaft f&uuml;r die Organisation unseres Zusammenlebens. Sie geht, wie viele psychologische Studien gezeigt haben, mit weiteren psychologischen Tendenzen einher, die ebenfalls hohe gesellschaftliche Relevanz haben. Beispielsweise sind wir immer bereit, die Nachteile des Status quo kleinzureden und Geschichten zu erfinden, die seine Nachteile in einem g&uuml;nstigeren Licht erscheinen lassen. Damit einhergehend haben wir eine Neigung, den gesellschaftlichen Opfern des Status quo selbst die Schuld f&uuml;r ihre Situation zu geben. Zugleich neigen wir dazu, diejenigen eher negativ einzusch&auml;tzen, die den Status quo ver&auml;ndern wollen.<\/p><p>Wie stark diese Neigung zur Verteidigung des Status quo ausgepr&auml;gt ist, h&auml;ngt von einer Vielzahl von kognitiven, affektiven und sozialen Variablen ab. Beispielsweise wird sie erh&ouml;ht durch &Auml;ngste und das Gef&uuml;hl von Unsicherheit und Bedrohung. Ebenso wird sie erh&ouml;ht, wenn man von einem bewussten Nachdenken systematisch abgelenkt wird &ndash; sei es durch Zeitdruck oder Darbietung irrelevanter Themen &ndash; oder wenn stereotype und schlichte Begrifflichkeit f&uuml;r eine kognitive Einordnung der gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse vorgegeben wird. Ebenso erh&ouml;ht sich tendenziell diese Neigung, wenn eine Situation als unausweichlich empfunden wird. All diese Variablen lassen sich relativ einfach von au&szlig;en manipulieren, ohne dass uns diese Manipulationen &uuml;berhaupt bewusst werden. Dadurch bieten derartige Variablen ein sehr wirkungsvolles Einfallstor, um die Status quo-Neigung der Bev&ouml;lkerung im gew&uuml;nschten Sinne zu manipulieren.<\/p><p>In dieser Hinsicht bietet der Neoliberalismus eine f&uuml;r seine Ziele sehr vorteilhafte Kombination derartiger Einflussvariablen: Kognitiv basiert er auf einer sehr schlichten Begrifflichkeit &ndash; &bdquo;M&auml;rkte &ouml;ffnen&ldquo;, &bdquo;Strukturreformen durchf&uuml;hren, &bdquo;B&uuml;rokratie abbauen&ldquo; etc. &ndash; und nutzt zugleich eine geradezu &uuml;berw&auml;ltigende F&uuml;lle von M&ouml;glichkeiten, durch die sich Personen von einem tieferen Nachdenken &uuml;ber gesellschaftliche Verh&auml;ltnisse ablenken lassen. Die meisten Themen in den Massenmedien dienen genau hierzu. Und affektiv geht er einher mit einem durch die Lebensverh&auml;ltnisse bedingten hohen Ma&szlig; an Zeitdruck, Stress und sozialen &Auml;ngsten sowie mit einem Gef&uuml;hl der Unausweichlichkeit; denn in seiner Naturgewalten-Metaphorik kann es nat&uuml;rlich zu den &bdquo;Naturgesetzlichkeiten&ldquo; des Marktes keine Alternativen geben. Diese Determinanten lassen sich, wenn man in die Details einzelner Variablen geht, noch sehr viel feiner gestalten und ihre Effekte optimieren. &Uuml;ber all dies lassen sich die nachteiligen gesellschaftlichen Folgen des Status quo kognitiv &bdquo;unsichtbar machen&ldquo;, sodass der Status quo stabilisiert wird und das Bed&uuml;rfnis nach Alternativen verk&uuml;mmert. <\/p><p><strong>Und welche Rolle spielen denn die Medien im Kontext dieser Indoktrination?<\/strong><\/p><p>Naheliegenderweise eine ganz zentrale. Sie sind im Wortsinne das Medium der Indoktrination. Das ist wieder und wieder in aller Breite und Tiefe untersucht werden. Noam Chomsky hat ja bei der Beschreibung und Analyse von Indoktrinationssystemen und der Rolle der Medien Pionierarbeit geleistet. Die Leitmedien sind wiederum personell wie ideologisch eng mit Think Tanks, Stiftungen und &ldquo;relevanten&ldquo; politischen und &ouml;konomischen Kreisen verbunden, so dass sich das neoliberale Indoktrinationssystem gleichsam durch sich selbst stabilisiert.<\/p><p>Die neoliberale Indoktrination wird ja dadurch erleichtert, dass der real existierende Neoliberalismus eine besonders radikale M&ouml;glichkeit einer Komplexit&auml;tsreduktion anbietet. Man kann sich sein Mantra ideologisch rasch aneignen. Wenn man erst den neoliberalen Jargon beherrscht &ndash; &ldquo;B&uuml;rokratie abbauen&ldquo;, &bdquo;Reformen weitertreiben&ldquo; etc. -, ben&ouml;tigt man f&uuml;r eine hohe Meinungskonfidenz keinen besonderen &ouml;konomischen Sachverstand mehr. Das macht den real existierenden Neoliberalismus f&uuml;r Journalisten und andere aus dem meinungsbildenden Gewerbe so attraktiv. Mit ihm kann man sich in gleichsam vorauseilendem Opportunismus den Herrschenden andienen und so zumindest symbolisch ein St&uuml;ckchen an der Macht partizipieren. <\/p><p>Dieser Opportunismus ist vorauseilend, weil er nicht nur konkret ge&auml;u&szlig;erte Erwartungen der herrschenden Eliten erf&uuml;llt, sondern sich zudem vorstellt, welche Erwartungen die Eliten dar&uuml;ber hinaus noch haben k&ouml;nnten. Er sucht also zu erf&uuml;hlen und auszuformulieren, was die herrschenden Eliten eher instinktiv f&uuml;hlen als denken. <\/p><p><strong>Wenn diese Indoktrinationsmechanismen so wirkungsvoll sind und so gut in allen meinungsbildenden Institutionen verankert sind, m&uuml;ssten doch eigentlich offen autorit&auml;re Strukturen &uuml;berfl&uuml;ssig sein. Warum wird dann immer wieder davor gewarnt, dass der Neoliberalismus zu einer offen autorit&auml;ren Herrschaftsform zu werden droht?<\/strong><\/p><p>Die Warnung ist berechtigt, denn eine solche Gefahr ergibt sich zwangsl&auml;ufig aus dem Wesen und den Zielen des Neoliberalismus. Solange er jedoch seine Ziele innerhalb von Strukturen erreichen kann, die formal als demokratisch angesehen werden k&ouml;nnen, also innerhalb einer &bdquo;marktkonformen Demokratie&ldquo;, ist dies g&uuml;nstiger. Und innerhalb dieses Rahmens gibt es noch viel Spielraum bei der Entwicklung verdeckt autorit&auml;rer Strukturen. <\/p><p>Besonders wirksam ist dabei eine &uuml;ber undemokratische Mechanismen erfolgte Verrechtlichung von Umverteilungsmechanismen. Das Recht ist ja seit je ein sehr wirkungsvolles Instrument, um gesellschaftliches Unrecht gegen eine Kritik durch die Bev&ouml;lkerung zu immunisieren. Schon der europ&auml;ische Kolonialismus hat mit einem Kolonialrecht seine genozidalen Formen der Umverteilung verrechtlicht.<br>\nDer Neoliberalismus ist, will er auf den demokratischen Anschein nicht verzichten, also geradezu darauf angewiesen, dass die Umverteilungsmechanismen von unten nach oben und von der &ouml;ffentlichen in die private Hand auf allen Ebenen &ndash; von der EU bis zu den Kommunen &ndash; zunehmend verrechtlicht werden. Besonders die Schaffung eines geeigneten internationalen Rechts ist dabei erfolgversprechend. Daher bem&uuml;ht sich eine transatlantische Nomenklatura um die Entwicklung geeigneter internationaler Rechtsnormen wie eben TTIP, TISA, CETA etc. und um deren Umsetzung durch machtvolle neoliberale Institutionen wie den IWF.<\/p><p>Eine Verrechtlichung von gesellschaftlichem Unrecht muss, aus naheliegenden Gr&uuml;nden, unter Ausschluss der &Ouml;ffentlichkeit, auch der parlamentarischen, erfolgen und jeder Art von demokratischer Kontrolle entzogen sein. Zus&auml;tzlich zu einer Verrechtlichung schafft der Neoliberalismus Mechanismen, durch die sich die von ihm gesch&uuml;tzten Marktteilnehmer, also vor allem die Gro&szlig;konzerne, bestehenden Rechtsnormen entziehen k&ouml;nnen. Die Maxime &ldquo;too big to fail&ldquo; hat ja einen tieferen Kern. N&auml;mlich, dass es Verbrechen gibt, deren Wurzeln zu tief mit Grundlagen unserer herrschenden Ordnung verwoben sind und die zu monstr&ouml;s sind, als dass sie innerhalb der jeweiligen Rechtsordnung &uuml;berhaupt justitiabel sein k&ouml;nnten. Daher gilt die sogenannte Finanzkrise eben als &ldquo;Krise&ldquo; und nicht als das, was sie tats&auml;chlich ist, n&auml;mlich im Wortsinne ein &bdquo;Kapitalverbrechen&ldquo;.<\/p><p>Es ist also m&ouml;glich, den Anschein autokratischer Strukturen dadurch zu vermeiden, dass die Ergebnisse der schleichenden Erosion demokratischer Strukturen in geeigneter Weise so verrechtlicht werden, dass die formale H&uuml;lse einer Demokratie f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung intakt erscheint. Diese Art von &ldquo;sanfter&ldquo; und vordergr&uuml;ndig demokratisch legitimierter Autokratie des Kapitals schwebt neoliberalen Denkern vermutlich als ideale Form einer gesellschaftlichen &ldquo;Konfliktl&ouml;sung&ldquo; vor. Die Verrechtlichung neoliberaler Strukturen stellt also eine Art Samthandschuh unter den Herrschaftstechniken dar, durch den sich offen autokratische Formen erst einmal vermeiden lassen. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/y4CIiBL-EKg\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>Angela Merkel und die marktkonforme Demokratie<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Das beantwortet aber noch nicht die Frage, warum viele die Sorge haben, dass der Neoliberalismus eine offen autorit&auml;re Form annehmen, also zur eisernen Faust werden k&ouml;nnte.<\/strong><\/p><p>Das ist richtig. Zun&auml;chst zeigt uns ja die Geschichte, von Chile bis Griechenland, dass der Neoliberalismus, wenn alle &ldquo;sanften&ldquo; Indoktrinations- und Disziplinierungsmechanismen nicht greifen, auch vor autorit&auml;ren Ma&szlig;nahmen nicht zur&uuml;ckschreckt. Sein erstes Feldexperiment war schlie&szlig;lich Chile unter Pinochet.<br>\nAngesichts der brutalen gesellschaftlichen Folgen des Umverteilungsprozesses muss der Neoliberalismus Reaktionen der Bev&ouml;lkerung erwarten, die zur Sicherung seiner Stabilit&auml;t offen autorit&auml;re Ma&szlig;nahmen erforderlich machen k&ouml;nnten. Er ist also darauf angewiesen, die Verfolgung seiner Ziele durch die Entwicklung geeigneter Disziplinierungsinstrumente bis hin zum Aufbau eines <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29649\">autorit&auml;ren Sicherheitsstaates<\/a> zu flankieren. Dazu bedient er sich gerne jeder Art von <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25067\">Bedrohungsszenarien<\/a>, um in der Bev&ouml;lkerung die Bereitschaft zu erh&ouml;hen, demokratische Substanz abzuschaffen.<\/p><p>Die Fundamente f&uuml;r einen autorit&auml;ren Sicherheitsstaat werden ja bereits geschaffen, rechtlich wie auch technisch durch den &Uuml;berwachungsapparat, durch die Vorbereitung eines Bundeswehreinsatzes im Innern, durch das Schleifen der strikten Trennung der Aufgaben von Polizei, Milit&auml;r und Geheimdiensten, durch die hartn&auml;ckigen Vorbereitungsarbeiten namhafter Verfassungs- und Strafrechtler an einem &ldquo;Feindstrafrecht&ldquo; etc. pp.. <\/p><p>Renommierte Verfassungs- und Strafrechtler arbeiten bereits seit Langem an den Grundlagen eines Sicherheitsstaates und der Entwicklung eines Feindstrafrechtes. Mit einem solchen Feindstrafrecht k&ouml;nnen dann B&uuml;rger, die als &bdquo;unsichere Kantonisten&ldquo; und als &bdquo;aktuelle Unpersonen&ldquo; anzusehen sind, &bdquo;kaltgestellt&ldquo; werden. Zudem soll in besonderen Situationen zur Gefahrenabwehr auch eine &bdquo;Rettungsfolter&ldquo; erlaubt sein.<\/p><p>Prominenter Bef&uuml;rworter der Entwicklung eines Feindstrafrechtes ist der Verfassungsrechtler Otto Depenheuer, der auch Ideenlieferant f&uuml;r Wolfgang Sch&auml;uble ist. Es ist aufschlussreich und nicht zuf&auml;llig, dass wir sowohl in der Geschichte des Neoliberalismus wie auch in der des autorit&auml;ren Sicherheitsstaates immer wieder auf die Einfl&uuml;sse von Carl Schmitt, des &bdquo;Kronjuristen des Dritten Reiches&ldquo;, sto&szlig;en, so auch hier, bei Depenheuer. <\/p><p>In der Person von Wolfgang Sch&auml;uble laufen die beiden Str&auml;nge &ldquo;Neoliberalismus&ldquo; und &ldquo;Sicherheitsstaat&ldquo; dann in klar erkennbarer Weise zusammen.<br>\nDie rechtlichen H&uuml;lsen sind also vorbereitet; sie lassen sich leicht nutzen, wenn die herrschenden Eliten einmal der Auffassung sein sollten, dass bestehende demokratische Strukturen den &ldquo;Notwendigkeiten&ldquo; des Marktes und den zu seiner Sicherung n&ouml;tigen internationalen &ldquo;Vereinheitlichungen&ldquo; im Wege stehen. <\/p><p><strong>Und wie k&ouml;nnen wir dem etwas entgegensetzen? Was ist gegen eine solche Entwicklung zu tun?<\/strong><\/p><p>Abgesehen von einigen Selbstverst&auml;ndlichkeiten kann es, denke ich, darauf keine einfachen Antworten geben. Die Selbstverst&auml;ndlichkeiten beziehen sich vor allem darauf, dass wir alle Blockaden entfernen m&uuml;ssen, die uns darin hindern, einfache, grundlegende Fakten zu erkennen und anzuerkennen. Sodann m&uuml;ssen wir bereit sein, unseren Willen und unsere Entschlossenheit zu artikulieren, inhumane gesellschaftliche Zust&auml;nde und Strukturen zu &auml;ndern. <\/p><p>Das sind, wie gesagt, eigentlich Selbstverst&auml;ndlichkeiten, doch w&auml;re schon viel erreicht, wenn sie beachtet w&uuml;rden. Eine dar&uuml;ber hinausgehende, allgemeine Antwort zu Methoden und Zielen kann es nach meiner &Uuml;berzeugung nicht geben. Das ist ein Prozess, in dem im Kontext der jeweiligen gesellschaftlichen Situation Antworten gleichsam von unten gefunden werden m&uuml;ssen. Wie immer diese Antworten aussehen m&ouml;gen: Sie haben keine Chance, politisch wirkm&auml;chtig zu werden, wenn es nicht gelingt, die tiefgehende Fragmentierung sozialer Beziehungen zu &uuml;berwinden und eine gemeinsame Basis f&uuml;r einen politisch kraftvollen Zusammenschluss sozialer Bewegungen zu finden.<\/p><p>F&uuml;r diese Aufgabe bleibt uns wohl nicht mehr viel Zeit. Die alte Strategie, die gewaltigen sozialen und &ouml;kologischen Folgekosten des Kapitalismus, besonders seiner neoliberalen Extremform, sp&auml;teren Generationen aufzub&uuml;rden, kommt an ihre nat&uuml;rlichen Grenzen. Es bleiben uns wohl nur zwei M&ouml;glichkeiten: Wir befreien uns, so m&uuml;hsam es sein wird, aus den Fesseln neoliberaler Indoktrinationssysteme, stellen uns den Fakten und suchen gemeinsam nach M&ouml;glichkeiten von &Auml;nderungen &ndash; die freilich angesichts des &ouml;kologischen Zeitdrucks nur radikal sein k&ouml;nnen. Oder wir machen weiter wie bisher, schweigen und &uuml;berlassen es nachfolgenden Generationen &uuml;ber die Gr&uuml;nde unseres Nicht-Handels und unseres Schweigens nachzudenken. <\/p><p><strong>Noch ein letztes Wort?<\/strong><\/p><p>Ja, eine Gefahr f&uuml;r diesen Prozess, Emp&ouml;rung und Unbehagen &uuml;ber gesellschaftliche Verh&auml;ltnisse in politisch wirksamer Weise Ausdruck zu verleihen, m&ouml;chte ich noch ansprechen. N&auml;mlich die Gefahr, sie dadurch politisch weitgehend wirkungslos zu machen, dass sie sich nicht auf strukturelle Aspekte, sondern allein auf &ldquo;die da oben&ldquo;, also auf personelle Aspekte richten. <\/p><p>Bei gesellschaftlichen und politischen Themen ist ja die Perspektive weit verbreitet, den Blick auf &ldquo;die da oben&ldquo; zu beschr&auml;nken und sich dar&uuml;ber zu emp&ouml;ren, wie man von diesen betrogen, hintergangen und ausgebeutet wird: &ldquo;Die da oben&ldquo; sind moralisch verkommen, verlogen und schamlos auf ihren Vorteil bedacht, sie sind die T&auml;ter; wir hingegen sind nur ihre Opfer. <\/p><p>Das ist eine psychologisch nachvollziehbare und politisch durchaus berechtigte Perspektive. Da sie von der &uuml;berwiegenden Mehrzahl der Bev&ouml;lkerung in der einen oder anderen Weise geteilt wird, ohne dass sich dies in entsprechender Weise in den Ergebnissen von Wahlen niederschl&auml;gt, sollten wir aber dar&uuml;ber nachdenken, ob nicht die politische Wirkungskraft einer solchen Perspektive sehr begrenzt ist.<br>\nIn jedem Fall geht eine Beschr&auml;nkung des Blicks auf &ldquo;die da oben&ldquo; vorbei an der Natur des tats&auml;chlichen Problems, um das es geht, n&auml;mlich an den strukturellen und institutionellen Ursachen einer zerst&ouml;rerischen und inhumanen Wirtschafts- und Gesellschaftsform. <\/p><p>Daher ist es aus Sicht der herrschenden Eliten sogar gewollt und erw&uuml;nscht, dass sich die Bev&ouml;lkerung &uuml;ber die Gier von Bankern, die Verlogenheit von Politikern, die intellektuelle Korruptheit von Journalisten oder die Grausamkeit oder den Sadismus von Folterexperten ereifert &ndash; also &uuml;ber Eigenschaften von <em>Personen<\/em>, die gerade das <em>Produkt<\/em> tieferliegender, struktureller <em>Bedingungen<\/em> sind und in deren Kontext geradezu Qualifikationsmerkmale darstellen &ndash; und dabei die strukturellen und institutionellen Ursachen und somit die eigentlichen Zentren der Macht aus dem Blick verliert!<br>\nUnsere vordringliche Aufgabe ist es daher, Einsichten in diese <em>strukturellen<\/em> Bedingungen zu gewinnen. <\/p><p>Dazu geh&ouml;rt auch, das <em>Wesen<\/em> und die <em>eigentlichen<\/em> Ziele des Neoliberalismus zu verstehen. Dann aber m&uuml;ssen wir den Blick auch auf uns richten und uns fragen, warum <em>wir<\/em> auf ein totalit&auml;res Denksystem mit so zerst&ouml;rerischen Folgen nicht mit einer angemessenen moralischen Emp&ouml;rung und entsprechenden Handlungskonsequenzen reagieren. Solange die herrschenden Eliten sehr viel mehr Wissen &uuml;ber uns, &uuml;ber unsere nat&uuml;rlichen Bed&uuml;rfnisse, Neigungen und unsere Schwachstellen f&uuml;r eine Manipulierbarkeit verf&uuml;gen als wir selbst, solange werden sie &uuml;ber uns eine Form der unsichtbaren Herrschaft aus&uuml;ben k&ouml;nnen, gegen die wir uns kaum wehren k&ouml;nnen. Den Blick auf uns zu richten, bedeutet zugleich zu erkennen &ndash; und das ist ganz im Sinne der Aufkl&auml;rung &ndash;, dass <em>wir<\/em> es sind, die f&uuml;r unser Handeln und Nicht-Handeln und f&uuml;r die Gesellschaft, in der wir leben, verantwortlich sind.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Rainer Mausfeld<\/strong>, geboren 1949, studierte Psychologie, Mathematik und Philosophie in Bonn. Er ist Professor f&uuml;r Allgemeine Psychologie an der Christian-Albrechts-Universit&auml;t zu Kiel und arbeitet im Bereich der Wahrnehmungs- und Kognitionsforschung.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Transkript: Rainer Mausfeld: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/150806_Mausfeld.pdf\">Warum schweigen die L&auml;mmer? Demokratie, Psychologie und Techniken des Meinungs- und Emp&ouml;rungsmanagements<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"https:\/\/le-bohemien.net\/2015\/02\/09\/die-ideologische-mobilmachung-der-republik\/\">Die ideologische Mobilmachung der Republik<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Buch: Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"https:\/\/jensewernicke.wordpress.com\/2015\/10\/26\/bdwi-studienheft\/\">Naturalisierung und Individualisierung. Beitr&auml;ge der Wissenschaft zur Legitimation von Armut und Ausgrenzung<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>le Boh&eacute;mien-Interview: &bdquo;<a href=\"https:\/\/le-bohemien.net\/2015\/11\/20\/neoliberalismus-unterwerfung-als-freiheit\/\">Neoliberalismus: Unterwerfung als Freiheit<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Video: Erich Fromm: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=U7cyeqgNgH8\">Die Normalen sind die Kranken<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25168\">Die Hartz IV-Ideologie<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29666\">Die Grundbed&uuml;rfnisse werden mehr und mehr zum Gesch&auml;ft<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28081\">Der neoliberale Angriff auf das Gesundheitssystem<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Video: Klaus Ottomeyer: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4rBtE0ytAUE\">Der Neoliberalismus in der Psychotherapie<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27957\">Die neoliberale Domestizierung der Sozialen Arbeit<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Forschungsarbeit: Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"https:\/\/hessenkongress.files.wordpress.com\/2010\/01\/hochschule-im-historischen-prozess.pdf\">Hochschule im historischen Prozess. Zum Verh&auml;ltnis von Universit&auml;tsentwicklung, Klassengesellschaft und Macht<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Vortrag: Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11356\">Offene und verdeckte Privatisierung im Bildungssystem<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28184\">Der Stiftungsboom verst&auml;rkt den Trend zur Refeudalisierung der Gesellschaft<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/wwww.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\"><strong>eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/strong><\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/19c282819d814a549541588bb2efaff9\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160118_mausfeld.jpg\" alt=\"Rainer Mausfeld\" title=\"Rainer Mausfeld\"\/><\/div>\n<p>Der Neoliberalismus ist als Gesellschaftsideologie ein Ph&auml;nomen. Nicht nur macht er den Armen und Schwachen weis, sie w&auml;ren an ihrem Elend <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25168\">selbst schuld<\/a>. Er schafft es auch, daf&uuml;r zu sorgen, dass <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26257\">das wahre Ausma&szlig;<\/a> der gesellschaftlichen Armut kaum je an die &Ouml;ffentlichkeit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30286\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,126,209,123,205,11,132],"tags":[373,320,442,374,1185,233,1782,1526,394,382,291],"class_list":["post-30286","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-interviews","category-kampagnentarnworteneusprech","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-strategien-der-meinungsmache","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-oekonomisierung","tag-bolognaprozess","tag-eigenverantwortung","tag-eliten","tag-marktkonforme-demokratie","tag-marktliberalismus","tag-mausfeld-rainer","tag-nachtwaechterstaat","tag-subventionen","tag-think-tanks","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30286","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=30286"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30286\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120051,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30286\/revisions\/120051"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=30286"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=30286"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=30286"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}