{"id":3031,"date":"2008-02-29T16:16:40","date_gmt":"2008-02-29T15:16:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3031"},"modified":"2015-11-26T17:12:03","modified_gmt":"2015-11-26T16:12:03","slug":"die-wueste-waechst-ueber-die-selbstzerstoerung-der-deutschen-universitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3031","title":{"rendered":"Die W\u00fcste w\u00e4chst &#8211; \u00dcber die Selbstzerst\u00f6rung der deutschen Universit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Vortrag an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universit&auml;t Bonn auf Einladung des Kritischen Gespr&auml;chskreises an der Universit&auml;t Bonn (KGK), in Zusammenarbeit mit dem Studium Universale, am 23. Januar 2008 von Peter J. Brenner, Professor f&uuml;r Neuere deutsche Literaturgeschichte und Fakult&auml;tsbeauftragter f&uuml;r Qualit&auml;tsmanagement an der Philosophischen Universit&auml;t der Universit&auml;t zu K&ouml;ln sowie Leiter des privaten Instituts f&uuml;r Medienevaluation, Schulentwicklung und Wissenschaftsberatung.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>WAS IST  BOLOGNA?<\/strong><br>\nDer Bologna-Prozess bedeutet die radikalste Umgestaltung der deutschen Universit&auml;t seit zweihundert Jahren. Der eigentliche Beginn des Bologna-Prozesses ist auf das Jahr 1999 zu datieren, der Abschluss wurde auf das Jahr 2010 terminiert. 1999 legten die &bdquo;Europ&auml;ischen Bildungsminister&ldquo; ihre Bologna-Erkl&auml;rung vor. In ihr wurden die Universit&auml;ten verpflichtet, ihr Selbstverst&auml;ndnis neu zu definieren und ihre internen Strukturen, insbesondere im Bereich der Lehre, zu reorganisieren. Die politische Grundidee des Bologna-Prozesses wird in der Formel vom &bdquo;europ&auml;ischen Hochschulraum&ldquo; zusammengefasst, der wiederum Teil eines europ&auml;ischen Wirtschaftsraums sein soll. Dieser Hochschul- und Wirtschaftsraum soll, so hei&szlig;t es weiter, zur &bdquo;Errichtung eines vollst&auml;ndigeren und umfassenderen Europas&ldquo; dienen &ndash; so steht es tats&auml;chlich in der offiziellen deutschen &Uuml;bersetzung der Bologna-Erkl&auml;rung von 1999. <\/p><p>Der Bologna-Prozess entwickelt sich seitdem in einer unabl&auml;ssigen Reihung von Folgeveranstaltungen, die im  Zweijahresrhythmus immer weiterreichende Beschleunigungen der eigenen Dynamik hervorgebracht haben. Inzwischen sind, seit der Konferenz in Bergen  2005,  45 europ&auml;ische L&auml;nder am Bologna-Prozess beteiligt.<br>\nDass dieser Prozess zum anvisierten Ende des Jahres 2010 tats&auml;chlich gestoppt wird, ist schlechterdings nicht zu erwarten. Eine Bewegung, die eine derart aufwendige administrative und politische Infrastruktur hervorgebracht hat, wird weder durch Selbsteinsicht noch durch politische Ma&szlig;nahmen aufgehalten werden k&ouml;nnen.<br>\nIn der Bologna-Erkl&auml;rung von 1999 sind die wesentlichen Prinzipien festgehalten, die in den bislang vergangenen neun Jahren europaweit dann auch tats&auml;chlich durchgesetzt wurden: <\/p><ul>\n<li>die Arbeitsmarktorientierung der vormals akademischen Lehre; <\/li>\n<li>das Credit-Point-System;<\/li>\n<li>die daraus sich ergebende Modularisierung der Lehre;<\/li>\n<li>der konsekutive Aufbau von berufsqualifizierenden Bachelor- und wissenschaftsorientierten Master-Studieng&auml;ngen; <\/li>\n<li>und schlie&szlig;lich die F&ouml;rderung der Mobilit&auml;t der Studierenden.<\/li>\n<\/ul><p><strong>BOLOGNA UND DIE DEUTSCHEN UNIVERSIT&Auml;TEN<\/strong><br>\nEs l&auml;sst sich im R&uuml;ckblick kaum sagen, dass die Universit&auml;ten in Deutschland den Bologna-Vorgaben mit Begeisterung gefolgt seien. Eine Vorreiterrolle hat die Universit&auml;t Bochum gespielt, die bereits 2002 mit der Einf&uuml;hrung der Bachelor-Studieng&auml;nge begonnen hat. In den vergangenen Jahren wurde der Prozess dann mit zunehmender Rasanz umgesetzt. Es gab und gibt erhebliche institutionelle Widerst&auml;nde, die aber halbherzig blieben und sich bestenfalls als laue Verz&ouml;gerungsstrategie realisierten. Vor allem gibt es eine ziemlich breite und noch l&auml;ngst nicht verstummte Diskussion &uuml;ber die faktische Qualit&auml;t und die Akzeptanz der Bachelor-Studieng&auml;nge.  Bis heute sind in etlichen F&auml;chergruppen, insbesondere in denen, die in Deutschland traditionell mit dem Staatsexamen abgeschlossen werden sowie in den Ingenieurswissenschaften, die Bedenken nicht verstummt. Insgesamt ist es aber gelungen, durch eine Mischung aus politischem Druck und finanziellen Versprechungen die deutschen Universit&auml;ten auf Bologna-Linie zu bringen. <\/p><p><strong>WER TR&Auml;GT DIE VERANTWORTUNG?<\/strong><br>\nIm der Summe l&auml;sst sich wohl festhalten, dass die deutschen Hochschulrektoren und Hochschulprofessoren mit gro&szlig;em Engagement eine Politik exekutiert haben, der sie in ihrer Mehrheit wohl eher ablehnend gegen&uuml;ber standen. Die Hochschulen selbst haben zum gr&ouml;&szlig;eren Teil wohl eher z&ouml;gernd und nur &auml;u&szlig;erem Druck gehorchend die Umstellung der Studieng&auml;nge in Angriff genommen. Es hat sich allerdings gezeigt, dass die deutsche Professorenschaft sich in merkw&uuml;rdiger Willigkeit bereit gefunden hat, Entscheidungen umzusetzen, die aus fachlicher und sachlicher Perspektive kaum akzeptiert wurden.<\/p><p>Dass die Realisierung des Bologna-Prozesses nicht nur bei nostalgischen Anh&auml;ngern der alten Humboldtuniversit&auml;t Anlass zur Sorge geben muss, liegt auf der Hand. Begeisterte Bef&uuml;rworter hat dieser Prozess kaum gefunden; wirklich exekutiert wird er fast ausschlie&szlig;lich von den Ministerien und von der Hochschulrektorenkonferenz, die sich nach wie vor &bdquo;Die Stimme der Hochschulen&ldquo; nennt, bei der aber unklar ist, in welchem Umfang sie sich in ihrer Bologna-Politik auf ein Mandat der Hochschulen st&uuml;tzen kann. Die wenigen professoralen Verteidiger der Bologna.-Politik, die sich &ouml;ffentlich zu Wort gemeldet haben, berufen sich regelm&auml;&szlig;ig auf US-amerikanische Erfahrungen. Warum, so fragen sie,  soll in Deutschland nicht funktionieren, was in den USA zu so sichtbaren wissenschaftlichen  Erfolgen der Universit&auml;ten gef&uuml;hrt habe? Darauf gibt es viele Antworten. Die einfachste ist die Feststellung, dass Bologna nicht in den USA liegt. Das &bdquo;Bologna&ldquo; des &bdquo;Bologna-Prozesses&ldquo; liegt nicht einmal in Italien. Es liegt in Belgien, es  hei&szlig;t in Wirklichkeit Br&uuml;ssel, und es ist das Zentrum eines monstr&ouml;sen, ebenso universit&auml;ts- wie wissenschaftsfernen B&uuml;rokratisierungsprozesses, dem nichts fremder ist als die Freisetzung von Autonomie- und Kreativit&auml;tspotentialen an Universit&auml;ten.<\/p><p>Der Bologna-Prozess ist ein Unternehmen der EU.  Die entscheidende Bologna-Erkl&auml;rung von 1999 wurde f&uuml;r Deutschland unterzeichnet von einer schleswig-holsteinischen Landespolitikerin und einem Staatssekret&auml;r im Bundeswissenschaftsministerium, die beide weder in der Lage noch berechtigt w&auml;ren, die politische Verantwortung f&uuml;r das zu &uuml;bernehmen, was sie unterzeichnet haben. In Deutschland ist kein Bildungspolitiker &ndash; &uuml;ber Sonntagsreden hinaus &ndash; dazu bereit, faktisch die politische Verantwortung daf&uuml;r zu &uuml;bernehmen, was an den Universit&auml;ten geschieht. Es ist vielmehr eines der charakteristischsten Merkmale des Bologna-Prozesses, dass in ihm die politische  Verantwortung diffus wird und im Nirgendwo versickert &ndash; was ja auch insgesamt nicht ganz untypisch ist f&uuml;r die Entwicklung der Europapolitik in den letzten Jahrzehnten. Wo aber Verantwortung nicht zu erkennen ist, lassen sich auch schwer Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen.<\/p><p><strong>DAS BOLOGNA-STUDIUM<\/strong><br>\nIn der &ouml;ffentlichen Diskussion sind die strukturellen Folgen des Bologna-Prozesses f&uuml;r die Umgestaltung des Studiums kaum wahrgenommen worden, und auch die Universit&auml;ten selbst haben sie wohl erst bemerkt, als sie nach der Umstellung mit den praktischen Konsequenzen konfrontiert wurden.<\/p><p>Tats&auml;chlich bedeutet der Bologna-Prozess eine radikale, historisch einmalige Neubestimmung dessen, was unter &bdquo;Studium&ldquo; und &bdquo;akademischer Lehre&ldquo; k&uuml;nftig verstanden werden muss. Nach traditionellem Verst&auml;ndnis bedeutet Lehre, dass gelehrt und Studium, dass studiert wird. Nach dieser Auffassung unterscheidet sich das Studieren von schulischen Lernprozessen nicht nur durch das h&ouml;here Abstraktions- und Theorieniveau, sondern auch durch den h&ouml;heren Grad der Selbst&auml;ndigkeit, der den Lernenden abverlangt wird.<\/p><p>Davon ist im Bologna-Prozess nichts mehr &uuml;brig geblieben. Bereits der Begriff des Studierens ist verschwunden. An seine Stelle ist das workload getreten. Workload ist die abstrakte Arbeitszeit, die ein an einer Universit&auml;t immatrikulierter Mensch tats&auml;chlich oder virtuell erbringt und f&uuml;r die er einen Nachweis in Form von Credit Points erh&auml;lt.<br>\nBr&uuml;sseler Vorgaben folgend, hat die deutsche Kultusministerkonferenz das Verh&auml;ltnis von workload und Credit Points quantitativ pr&auml;zisiert:<br>\nEin deutscher Immatrikulierter muss im Jahr 1800 Stunden f&uuml;r sein Studium arbeiten, &ndash; das entspricht ungef&auml;hr der Jahresarbeitszeit eines deutschen Angestellten &ndash; und erh&auml;lt daf&uuml;r 60 Credit Points. Nach einem Workload von 3 x 1800, also 5400 Arbeitsstunden oder 180 Credit Points ist das erste Studium abgeschlossen. Die 1800 Stunden werden aufgeteilt in &bdquo;Kontaktzeiten&ldquo; &ndash; sie hie&szlig;en fr&uuml;her Vorlesungen und Seminare &ndash; und in das, was im Bologna-Prozess &bdquo;selbst&auml;ndiges Lernen&ldquo; hei&szlig;t. Der immatrikulierte Student erh&auml;lt abschlie&szlig;end ein Zertifikat, in dem ihm bescheinigt wird, dass er eben diese 5400 Stunden in irgendeiner Form mit der Universit&auml;t in Kontakt stand  &ndash; sei es durch pers&ouml;nliche Pr&auml;senz oder mental  oder virtuell &ndash; und den akademischen Titel eines Bachelor f&uuml;hren darf.<\/p><p>Das ist der harte Kern des Bologna-Prozesses. Ein Bildungspolitiker, der mit solchen Vorschl&auml;gen vor zehn Jahren an die &Ouml;ffentlichkeit getreten w&auml;re, w&auml;re sicherlich mit einem homerischen Gel&auml;chter von der politischen B&uuml;hne gefegt worden. Diese Vorgaben gehen im Wesentlichen auf Beschl&uuml;sse der Kultusministerkonferenz zur&uuml;ck. Sie hat auch nicht vergessen, eine Art Arbeitsschutzverordnung f&uuml;r Studenten anzuf&uuml;gen. Immerhin besteht das Risiko, dass ein Student einmal ein Buch zu viel liest: &bdquo;Die gesamte Arbeitsbelastung darf im Semester einschlie&szlig;lich der vorlesungsfreien Zeit 900 oder im Studienjahr 1800 nicht &uuml;berschreiten.&ldquo; (Beschluss der KMK vom 15.9.2000 i.d.F. vom 22.10.2004:  Eckpunkte f&uuml;r die gegenseitige Anerkennung von Bachelor- und Masterabschl&uuml;ssen in Studieng&auml;ngen, S. 3)<\/p><p>Nach Absolvierung dieser Arbeitsbelastung erhalten die Studenten einen Bachelor-Titel. Dieser Titel, so glaubt man, habe &uuml;berall den gleichen Wert, weil ja &uuml;berall die gleiche Stundenzahl studiert worden sei. Vorsichtshalber hat die deutsche Kultusministerkonferenz untersagt, den Titel mit einem erg&auml;nzenden Hinweis auf die Institution &ndash; Universit&auml;t oder Fachhochschule &ndash; zu f&uuml;hren, an der man ihr erworben hat: Damit &bdquo;die Akzeptanz auf dem Arbeitmarkt und die internationale Zusammenarbeit gew&auml;hrleistet&ldquo; bleiben, werden &bdquo;Zus&auml;tze zu den Abschlussbezeichnungen&ldquo; ebenso verboten wie Unterscheidungen zwischen sechs- und achtsemestrigen Bachelor-Abschl&uuml;ssen. (Beschluss der Kultusminister-konferenz: L&auml;ndergemeinsame Strukturvereinbarungen gem. &sect; 9, Abs 2 HRG f&uuml;r die Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudieng&auml;ngen in der Fassung vom 22. 9. 2005, S. 9) Art und Qualit&auml;t der akademischen Lehre sind in diesem Prozess also nicht mehr definiert, und wo es faktische Unterschiede gibt, wird ihre Wahrnehmung per KMK-Beschluss verboten.<\/p><p>&Uuml;berhaupt noch nicht gekl&auml;rt ist &uuml;brigens die Frage, wie Studierende eines BA-Studiengangs in den Besitz eines vollwertigen wissenschaftlichen Universit&auml;tsabschlusses kommen k&ouml;nnen. Die &Uuml;bergangsmodalit&auml;ten und insbesondere die Quotierungen der MA-Studieng&auml;nge sind in den einzelnen Bundesl&auml;ndern noch nicht ausdiskutiert; es gibt die unterschiedlichsten Modelle, die vom freien Zugang, besonderen Eignungsfeststellungen bis hin zu Quotierungen von etwa 20 % reichen. Wer heute einen BA-Studiengang besucht, studiert ins Blaue hinein, und die Universit&auml;ten bewegen sich hier in einem politischen wie verfassungsrechtlichen Niemandsland, das f&uuml;r die Studierenden noch einige &Uuml;berraschungen bereithalten d&uuml;rfte.<\/p><p><strong>BETREUTES STUDIEREN<\/strong><br>\nInhaltliche Vorgaben sind aus den neuen Studieng&auml;ngen weitgehend entfernt worden. Definiert ist nur noch der Umfang dessen, was Universit&auml;ten an Lehrangebot vorhalten m&uuml;ssen, damit die Immatrikulierten ihr workload erbringen k&ouml;nnen. Die einzige verbliebene Vorgabe f&uuml;r diese Art von Lehre, die im Bologna-Prozess noch formuliert wurde, ist die, dass die Dozenten der Universit&auml;t eine Dienst- und Betreuungsleistung gegen&uuml;ber den Immatrikulierten erbringen m&uuml;ssen.<br>\nDer Student erscheint in der neuen deutschen Universit&auml;t als ein betreuungsbed&uuml;rftiges Wesen. Die Universit&auml;t &uuml;bernimmt damit Aufgaben, der bisher eher S&auml;uglingsheimen oder Seniorenresidenzen vorbehalten war.<br>\nDas kommt nicht von ungef&auml;hr:<\/p><p>Die deutsche Bildungspolitik hat sich seit langem, seit Anfang der neunziger Jahre, schon damit abgefunden, dass deutsche Abiturienten nicht mehr grunds&auml;tzlich studierf&auml;hig sind. Bereits 1993 geh&ouml;rte es zur offiziellen Politik des Wissenschaftsministeriums in Nordrhein-Westfalen, die Hochschulen aufzufordern, ihre Studienanf&auml;nger zun&auml;chst einmal studierf&auml;hig zu machen.<\/p><p>Diese Lage hat sich heute noch versch&auml;rft. Inzwischen darf man davon ausgehen, dass Hochschulen auch von Studierenden besucht werden, die nicht nur nicht studierf&auml;hig, sondern auch nicht mehr studierwillig sind. Das Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel, das allen Reform- und Modernisierungsbestrebungen im deutschen Bildungswesen mit affirmativer Aufgeschlossenheit gegen&uuml;bersteht, hat den Sachverhalt in sicherlich ungewollter Klarheit ausgedr&uuml;ckt: &bdquo;Intensive Betreuung und ein verschultes Programm helfen, nicht ausreichend, motivierte Studenten bei der Stange zu halten.&ldquo; (Der Spiegel, 45\/2007, S. 57)<br>\nDas ist die raison d&acute;&ecirc;tre der  Bologna-Universit&auml;t. Ihre Grundlage ist die Einsicht, dass deutsche Universit&auml;ten in gro&szlig;em Umfang von Studierenden besucht werden, die f&uuml;r ein Studium nicht motiviert sind. Verschulung und Betreuung sind die beiden Korsettstangen, mit deren Hilfe schulisch nicht ausreichend qualifizierten und nicht ausreichend motivierten Studenten der Hochschulabschluss erm&ouml;glicht werden soll.<\/p><p>Indem die &bdquo;Betreuung&ldquo; von Studenten zur Leitidee eines Bologna-Studiums gemacht wird, werden die klassischen Prinzipien h&ouml;herer Bildung au&szlig;er Kraft gesetzt. Denn Betreuung setzt ein hierarchisches Verh&auml;ltnis zwischen Professor und Student voraus, das die einseitige Inanspruchnahme des Dozenten durch den Studenten als Grundfigur akademischer Lehre impliziert. Eine Universit&auml;t, die in dieser Weise den studentischen Anspruch auf Pflegeleistungen zu ihrem Fundament erkl&auml;rt, ist auf Sand gebaut.<\/p><p><strong>&Uuml;BERWACHEN UND STRAFEN<\/strong><br>\nDie Bologna-Kultur ist eine Kultur des Misstrauens. Das kann nicht anders sein: Wenn die Universit&auml;ten von Br&uuml;ssel aus gesteuert werden und ihnen Aufgaben auferlegt werden, die sie nur widerwillig erf&uuml;llen, weil sie ihrem genuinen Auftrag  &ndash; Forschung und Lehre &ndash; fremd sind, dann ist es nicht verfehlt, mit passivem Widerstand zu rechnen. Und es ist ebenfalls nicht verfehlt, Instrumente bereitzuhalten, mit denen dieser Widerstand gebrochen werden kann.<\/p><p>In der Bologna-Erkl&auml;rung von 1999 bereits wird es unmissverst&auml;ndlich angek&uuml;ndigt: Die Universit&auml;ten bed&uuml;rfen der &Uuml;berwachung. Die Unterzeichner der Erkl&auml;rung verleihen der &bdquo;&Uuml;berzeugung&ldquo; Ausdruck, dass der europ&auml;ische Hochschulraum st&auml;ndiger &bdquo;&Uuml;berwachung und Anpassung&ldquo; bedarf.<\/p><p>Das seit zwei Jahrhunderten in Deutschland bew&auml;hrte Zusammenspiel von akademischer Selbstkontrolle, ministerieller Aufsicht und parlamentarischer Gesetzgebung wird durch eine neue, komplizierte und vor allem undurchschaubare &Uuml;berwachungsmaschinerie ersetzt. Ihr einziges Ziel ist die Anonymisierung von Verantwortung und die parlamentarische Entkontrollierung von Macht. In der aktuellen Situation haben sich vor allem zwei Institutionen etabliert, die sich qua Amt oder qua Selbsterm&auml;chtigung zur &Uuml;berwachung der Universit&auml;ten und zur Forcierung des Bologna-Prozesses etabliert haben. <\/p><p><strong>1. Die Hochschulrektorenkonferenz<\/strong><br>\nDie Hochschulrektorenkonferenz (HRK) versteht sich in Deutschland als Transmissionsriemen der Br&uuml;sseler Bologna-Politik. W&auml;hrend sich die Wissenschaftsministerien vorsichtig bedeckt halten und unter dem Mantel der &bdquo;Autonomisierung der Hochschulen&ldquo; jede politische und demokratische Verantwortung f&uuml;r den Prozess, den sie politisch inszeniert haben, ablehnen, hat sich die HRK aus Gr&uuml;nden, die nur ihr bekannt sind, entschlossen, den Bologna-Prozess vorbehalt- und kritiklos zu unterst&uuml;tzen. Aber vielleicht sind die Gr&uuml;nde doch nicht gar so schwer zu erschlie&szlig;en. Sie finden sich auf der website des Bundesministeriums f&uuml;r Bildung und Forschung: &bdquo;Der Bund f&ouml;rdert die Arbeit der HRK im internationalen Bereich zu 100% und beteiligt sich mit 50% an der Finanzierung der Presse- und &Ouml;ffentlichkeitsarbeit, der Dokumentation, Bibliothek und der neuen Medien in der HRK.&ldquo; Wes&acute; Brot ich ess&acute;, des Lied ich sing, wei&szlig; schon der Volksmund.<br>\nArnd Morkel, langj&auml;hriger Pr&auml;sident der Universit&auml;t Trier, hat schon im Jahre 2000, als das Ausma&szlig; dieser Entwicklung noch gar nicht zu erkennen war,  einen bemerkenswerten Vorschlag gemacht:<\/p><blockquote><p>Vielleicht bleibt nichts anderes &uuml;brig, als dass diejenigen Universit&auml;ten, die mit der Linie der Hochschulrektorenkonferenz nicht einverstanden sind, die Konferenz verlassen und einen Gegenverband gr&uuml;nden.&ldquo; (Arnd Morkel, Die Universit&auml;t muss sich wehren. Ein Pl&auml;doyer f&uuml;r ihre Erneuerung. Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2000, S. 146)<\/p><\/blockquote><p><strong>2. Die Akkreditierungsagenturen<\/strong><br>\nEinen zentralen Status im Bologna-Prozess haben die sechs Akkreditierungsagenturen. &Uuml;ber die Leistungsf&auml;higkeit dieser Agenturen muss man nicht streiten. Nach aktuellen Informationen der Hochschulrektorenkonferenz gab es im Wintersemester 2007\/2008  insgesamt 6886 Bachelor- und Masterstudieng&auml;nge, das sind 61% aller Studieng&auml;nge. Die Vorstellung, dass diese 6886 Studieng&auml;nge von insgesamt sechs  Akkreditierungsagenturen gepr&uuml;ft, f&uuml;r gut befunden und dann akkreditiert worden sind, hat etwas Surreales &ndash; wie werden die Pr&uuml;f- und Akkreditierungsvorg&auml;nge wohl ausgesehen haben? Es ist ohne weiteres zu erkennen, dass es sich hier um Placebo-Organisationen handelt &ndash; um Einrichtungen, die den sch&ouml;nen Schein der Qualit&auml;t wahren sollen, ohne selbst den Nachweis erbringen zu m&uuml;ssen, dass sie es auch k&ouml;nnen.<br>\nDie Akkreditierungsagenturen stehen inzwischen im Kreuzfeuer der Kritik. Martin Winter hat sie zusammengefasst:<\/p><blockquote><p>Zieht man eine Bilanz zur Akkreditierung, so f&auml;llt diese sehr kritisch aus: Die Akkreditierung von Studieng&auml;ngen ist teuer, aufwendig, zunehmend regulierend, rechtsstaats- und grundrechtsproblematisch &ndash; und sie konterkariert die Bem&uuml;hungen zu einer eigenst&auml;ndigen Qualit&auml;tssicherung.&ldquo; (Martin Winter, Programm-, Prozess- , Problemakkreditierung. Die Akkreditierung von Studieng&auml;ngen und ihre Alternativen. In: Forschung &amp; Lehre, 2\/08, S. 100)<\/p><\/blockquote><p>Die &Uuml;bergabe der Qualit&auml;tsverantwortung an die Akkreditierungsagenturen bedeutet keinesfalls eine Entb&uuml;rokratisierung. Denn aus gutem, verfassungsrechtlichem Grund bed&uuml;rfen die Hochschulen nach wie vor f&uuml;r ihre Studieng&auml;nge der ministeriellen Genehmigung, so dass die B&uuml;rokratie nicht verschlankt, sondern schlicht verdoppelt wird. Und selbst dort, wo die Akkrediteure und ihre Kunden unter sich sind, wird man kaum auf einen Abbau b&uuml;rokratischer Strukturen hoffen d&uuml;rfen.<br>\nEs ist kein uninteressantes sozialpsychologisches Symptom und verr&auml;t einiges &uuml;ber die Motivationslage derer, die sich an Akkreditierungsprozessen beteiligen, dass sie sich gerne der Kommandosprache der deutschen Wehmacht bedienen. Die Sprache, die  sich die staatlichen B&uuml;rokratien in den letzten Jahrzehnten m&uuml;hsam abtrainiert haben, kehrt in den Akkreditierungsdokumenten ungeniert wieder. Wenn den Fakult&auml;ten und F&auml;chern &bdquo;Auflagen&ldquo; f&uuml;r die Akkreditierung erteilt werden, liest sich das so: &bdquo;Anlagen m&uuml;ssen vorgelegt werden&ldquo;; &bdquo;ein entsprechendes Konzept ist vorzulegen&ldquo;; &bdquo;es muss eine Vereinheitlichung der Terminologie&ldquo; erfolgen.<\/p><p>Dass wohl keine dieser Auflagen und keine der Empfehlungen und keiner der Ratschl&auml;ge der Akkreditierungsagenturen das Geld wert ist, das die Universit&auml;ten daf&uuml;r zahlen m&uuml;ssen, darf man getrost unterstellen.<\/p><p><strong>BOLOGNA-RHETORIK UND BOLOGNA-WIRKLICHKEIT<\/strong><br>\nDer Bologna-Prozess lebt davon, dass seine Pr&auml;missen in der &ouml;ffentlichen Wahrnehmung nicht pr&auml;sent sind. Das ist nicht zuletzt ein Versagen des deutschen Bildungsjournalismus, der sich von der kritischen Begleitung der Bildungspolitik  verabschiedet  hat und sich zu gro&szlig;en Teilen als Erf&uuml;llungsgehilfe politischer Vorgaben versteht. Es ist auch kaum anzunehmen, dass sich besonders viele Journalisten ernsthaft mit den  Bologna-Pr&auml;missen &uuml;berhaupt befasst haben.<br>\nStattdessen kolportiert die deutsche Presse im Gleichmarsch mit Politiker-Verlautbarungen eine Bologna-Rhetorik, die sehr weit entfernt ist von der Bologna-Wirklichkeit. Zur Bologna-Rhetorik geh&ouml;ren die Versprechen,<\/p><ul>\n<li>dass die Universit&auml;ten insgesamt effizienter w&uuml;rden, <\/li>\n<li>dass Studieng&auml;nge verschlankt und &uuml;bersichtlicher strukturiert w&uuml;rden, <\/li>\n<li>dass sie dadurch leichter studierbar seien, <\/li>\n<li>dass das wiederum zu einer Verk&uuml;rzung von Studienzeiten und einer Minderung der Abbruchquoten diene, <\/li>\n<li>dass die Studieng&auml;nger arbeitsmarktn&auml;her w&uuml;rden und damit die Absolventen der Universit&auml;ten gr&ouml;&szlig;ere Berufschancen h&auml;tten <\/li>\n<li>und dass schlie&szlig;lich, als touristische Zugabe, auch die Mobilit&auml;t der europ&auml;ischen Studenten gesteigert w&uuml;rde. <\/li>\n<\/ul><p>Mit dieser bildungspolitischen Verhei&szlig;ungsrhetorik haben die Bologna-Propagandisten in der Tat einen empfindlichen Nerv der deutschen, sicher auch europ&auml;ischen Hochschullage getroffen. Dass die Universit&auml;ten seit langem in einer Krise und kaum noch in der Lage sind, ihre Aufgaben wahrzunehmen, ist leicht zu erkennen.<br>\nAuch die Diagnose ist klar: die Krise ist eine &Uuml;berf&uuml;llungskrise, die allerdings in der politischen Rhetorik eher als eine Finanzierungskrise beschrieben wird. Die &Uuml;berf&uuml;llung der deutschen, europ&auml;ischen und &uuml;berhaupt der westlichen Universit&auml;ten ist seit den sechziger und siebziger Jahren zu beobachten. Sie ist die plausible Konsequenz einer allgemeinen Entwicklung in den westlichen Gesellschaften, die sich als Massenakademisierung beschreiben l&auml;sst.  Die Hoffnung aber, dass diese Probleme sich mit dem Bologna-Prozess l&ouml;sen lie&szlig;en, ist nicht nur falsch; es  zeichnet sich im Gegenteil bereits jetzt ab, dass das Hochschulstudium nicht nur schlechter, sondern auch teurer wird. <\/p><p><strong>WAS KOSTET BOLOGNA?<\/strong><br>\nBologna macht die Universit&auml;ten teuer.<br>\nDie Hochschulen werden gezwungen, in zunehmendem Ma&szlig;e Ressourcen zu investieren, um den externen Anforderungen des Bologna-Prozesses gerecht werden zu k&ouml;nnen. Die Folgen werden &ouml;ffentlich noch nicht wahrgenommen, sind aber hochschulintern l&auml;ngst zu besichtigen. Die neuen Kontrollmechanismen, die mit der Einf&uuml;hrung der Bologna-Studieng&auml;nge einhergehen, erfordern einen enormen Ressourcenaufwand. Bei einer ehrlichen Kosten-Nutzen-Analyse und einer echten, &ouml;ffentlichen Kostentransparenz, w&auml;re der Bologna-Spuk schnell vorbei. Es w&uuml;rde deutlich werden, dass die Universit&auml;ten gewaltige Investitionen t&auml;tigen m&uuml;ssen, nur um den Prozess am laufen zu halten, ohne dass dies der Qualit&auml;t des Studiums oder gar der Wissenschaft in irgendeiner Weise zugute kommt.<\/p><p>Die Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren liegt in der Logik der Bologna-Entwicklung &ndash; anders k&ouml;nnten die B&uuml;rokratiekosten f&uuml;r die Bologna-Studieng&auml;nge kaum finanziert werden, ohne der akademischen Lehre in empfindlichem Ma&szlig;e Finanzressourcen zu entziehen.<\/p><p><strong>1. Implementierungskosten<\/strong><br>\nAnfang 2006 wies der bayerische Wissenschaftsminister beil&auml;ufig darauf hin, dass allein die f&uuml;r die Akkreditierung anfallenden Geb&uuml;hren an den Universit&auml;ten rund 100 Millionen Euro betragen. Die Akkreditierung eines Studiengangs durch eine der Akkreditierungsagenturen darf mit ungef&auml;hr 13 000 Euro veranschlagt werden &ndash; und daf&uuml;r erhalten die Fakult&auml;ten Leistungen von h&ouml;chst ungewisser Qualit&auml;t. Mit diesen Zahlungen sind nicht etwa die realen Umsetzungskosten erfasst, die f&uuml;r die Implementierung der Studieng&auml;nge tats&auml;chlich aufgewendet werden m&uuml;ssen; es handelt sich eben nur um Zwangsgeb&uuml;hren, mit denen Leistungen h&ouml;chst zweifelhafter Qualit&auml;t bezahlt werden m&uuml;ssen.<\/p><p>F&uuml;r die vergangenen Jahre ebenso wie f&uuml;r die kommenden darf davon ausgegangen werden, dass zehntausende von Professoren- und Mitarbeiterstunden in die Erstellung von Studienordnungen, Modulhandb&uuml;chern, Akkreditierungs- und Reakkreditierungsantr&auml;gen, Stellungnahmen und Entscheidungsprozesse investiert wurden und dass das auch f&uuml;r geraume Zeit &ndash; wahrscheinlich f&uuml;r immer &ndash; so bleiben wird. <\/p><p><strong>2. Verwaltungskosten<\/strong><br>\nDas alles hat zun&auml;chst nur dazu gef&uuml;hrt, dass Papier beschrieben wurde. Es ist das Privileg von Professoren, beschriebenes Papier schon f&uuml;r Realit&auml;t halten zu d&uuml;rfen. Die Vorstellung, mit der Erstellung von Modulhandb&uuml;chern und mit der Unterschrift unter einen Akkreditierungsantrag habe man den Bologna-Prozess &bdquo;umgesetzt&ldquo;, wird gerade auf den harten Boden der Alltagswirklichkeit zur&uuml;ckgef&uuml;hrt.<\/p><p>Die Universit&auml;ten erkennen, dass ein Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit besteht und dass die M&uuml;hen der Ebenen sehr viel mehr Verdruss bringen werden als die M&uuml;hen der Kommissionssitzungen. Allenthalben zeigt sich, dass gerade akkreditierte Studieng&auml;nge  erheblichen Nachbesserungsbedarf generieren, sobald sie mit der Wirklichkeit konfrontiert werden. Denn die tats&auml;chliche Umsetzung der Studienordnungen in die Universit&auml;tswirklichkeit ist noch einmal ein aufwendiger und kostenintensiver Vorgang. Die Zusatzaufwendungen sind handgreiflich. Wer nur genau hinschaut, kann leicht sehen, dass der erste Effekt des Bologna-Prozesses eine enorme Aufbl&auml;hung der B&uuml;rokratie ist, die einher geht mit der ebenso enormen Aufbl&auml;hung der Verwaltungskosten. Dabei handelt es sich &uuml;berwiegend um Komplexit&auml;tskosten, die sich diffus und kaum sichtbar &uuml;ber die Organisation &bdquo;Universit&auml;t&ldquo; verteilen.<\/p><p>Die Umstellung auf Bachelor und Master hat den Verwaltungsaufwand f&uuml;r die Unis vervielfacht. Die gro&szlig;en Institute und Fakult&auml;ten d&uuml;rften allein f&uuml;r die Einrichtung und den Support der erforderlichen IT-Komponenten sowie f&uuml;r die Erstellung eines &uuml;berschneidungsfreien Studienangebotes, wie es durch die Bologna-kompatiblen Studieng&auml;nge erforderlich wird, mehrere Personalstellen einplanen m&uuml;ssen.<\/p><p>Schlie&szlig;lich erfordern die Bologna-Studieng&auml;nge einen enorm erh&ouml;hten Pr&uuml;fungsaufwand. Die Pr&uuml;fungs&auml;mter, die bislang mit Pr&uuml;fungsleistungen nur zu Zwischen- oder Vorpr&uuml;fungen und dann zur Abschlusspr&uuml;fung konfrontiert wurden, begleiten jetzt jeden Studenten praktisch vom ersten Semester an und verwalten seine Pr&uuml;fungsleistungen. Auch hier d&uuml;rfte eine Vervielfachung &ndash; sch&auml;tzungsweise eine Verf&uuml;nffachung &ndash; des quantitativen Pr&uuml;fungsaufwandes erfolgen, der entsprechend eine h&ouml;here Personalausstattung erfordert.<\/p><p>Dass das nicht umsonst zu haben ist, versteht sich; und dass das nicht von heute auf morgen zu haben ist, lernen die Universit&auml;ten gerade m&uuml;hsam. Denn die radikale Umstrukturierung der Studienangebote, die keinen Stein mehr auf dem anderen l&auml;sst, ist schlechterdings ins Blaue hinein geplant worden. Offensichtlich hat sich niemand vorab Klarheit dar&uuml;ber verschafft, welche Umstellungen und Belastungen auf die akademische Lehrpraxis und ihre Verwaltung zukommen. Schon die simple Einsicht, dass man f&uuml;r die Verwaltung der Bologna-Studieng&auml;nge leistungsf&auml;hige und praxiserprobte Datenverarbeitungsprogramme braucht, scheint viele Universit&auml;ten schon zu &uuml;berfordern.<\/p><p>Um der Datenflut Herr zu werden, behelfen sie sich mit Online-Managementsystemen zweifelhafter Qualit&auml;t &ndash; aber bessere gibt es offensichtlich nicht. Doch die vorhandenen produzieren nur eines: Chaos. &bdquo;Chaos auf dem Campus&ldquo; hei&szlig;t die &Uuml;berschrift eines Berichts in der S&uuml;ddeutschen Zeitung vom 28. Januar 2008, der &uuml;ber die Schwierigkeiten des &bdquo;Campus-Management-System namens Hisqis, das auch zahlreiche andere Hochschulen in Deutschland einsetzen&ldquo;, an der Universit&auml;t Passau informiert. Dass es sich hier nur um die Spitze eines gewaltigen Eisberges handelt, dass viele, wenn nicht die meisten oder alle Fakult&auml;ten mit &auml;hnlichen Problemen bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses zu k&auml;mpfen haben, darf man unterstellen. Diese Ma&szlig;nahmen dienen allein der Bew&auml;ltigung eines zus&auml;tzlich entstandenen Verwaltungsaufwandes. Sie tragen zur fachlichen Qualit&auml;t des Studiums nichts bei. <\/p><p><strong>ERSTE MISSERFOLGE<\/strong><br>\nBei n&uuml;chterner Betrachtung zeigt sich, dass die Umstrukturierung der Universit&auml;ten im Zuge des Bologna-Prozesses einen enormen personellen und finanziellen Aufwand erfordert, dem keine konkreten Gewinne gegen&uuml;ber stehen. Keines der Versprechen, und keine der Hoffnungen, die sich an den Prozess gekn&uuml;pft haben, hat sich erf&uuml;llt; es besteht auch kein Grund zur Annahme, dass sie sich erf&uuml;llen werden. Da die neuen Studieng&auml;nge zum gro&szlig;en Teil erst wenige Semester alt sind, lassen sich noch keine gesicherten Aussagen &uuml;ber den Zielerreichungsgrad machen. Aber die Indizien daf&uuml;r h&auml;ufen sich, dass nicht einmal die gew&uuml;nschten Effekte tats&auml;chlich erreicht werden &ndash; wobei daran zu erinnern ist, dass von Anfang an eine Qualit&auml;tssteigerung der akademischen Ausbildung nicht zu den Zielen des Bologna-Prozesses geh&ouml;rte. <\/p><p><strong>1. Studienzeitverk&uuml;rzung<\/strong><br>\nDas erste &ndash; und wahrscheinlich auch einzige &ndash; Ziel des Bologna-Prozesses war die Beschleunigung des Studiums und die Senkung der Abbrecherquoten.<br>\nDer Verdacht war sicherlich nicht falsch, der die Einf&uuml;hrung der Bologna-Studieng&auml;nge begleitet hat: dass es sich hier n&auml;mlich um einen Notausgang f&uuml;r Studienabbrecher handele, der auch denjenigen mit einem Zertifikat versorgt, der den Anforderungen eines echten Studiums nicht gewachsen ist. Die ersten Befunde best&auml;tigen, was dem Skeptiker ohnehin klar sein musste: Eine strenge Verschulung und B&uuml;rokratisierung des Studiums bedeutet zwar inhaltlich eine deutliche Niveausenkung und Einschr&auml;nkung der akademischen Freiheit; sie f&uuml;hrt  aber andererseits nicht zu den gew&uuml;nschten Effekten der Studienzeitverk&uuml;rzung und Senkung der Abbrecherquoten..<\/p><p>Eine im Dezember 2007 bekannt gewordene, zun&auml;chst unter Verschluss gehaltene Studie der FU Berlin zu den neuen Studieng&auml;ngen zeichnete bereits ein wenig ermutigendes Bild: Die Zahl der Studienabbrecher &ndash; oder genauer: die Schwundquote &ndash; ist gegen&uuml;ber den vorhergehenden MA-Studieng&auml;ngen nicht gesunken, teilweise sogar gestiegen. Einer Meldung des Berliner Tagesspiegel vom 14.12.2007 zufolge, hat ein FU-Studentenvertreter den Befund lapidar zusammengefasst: &bdquo;Insgesamt &uuml;ber 50 % der BA-Studierenden sowohl in den Modulangeboten als auch im Kernfach, haben ihr Studium bisher abgebrochen&ldquo;.<br>\nEs ist zu erwarten, dass dieser Befund kein Ausnahmefall bleiben wird. Der Trend wurde bald darauf von einer gr&ouml;&szlig;er angelegten Studie des Hochschulinformationssystems HIS best&auml;tigt:<\/p><blockquote><p>&Uuml;berraschend hoch f&auml;llt der Studienabbruch in den neuen Bachelor-Studieng&auml;ngen aus. F&uuml;r die Studienanf&auml;nger der Jahre 2000 bis 2004 liegt die entsprechende Quote bei 30%.&ldquo; (Ulrich Heublein u.a.: Die Entwicklung der Studienabbruchquote an den deutschen Hochschulen. Ergebnisse einer Berechnung des Studienabbruchs auf der Basis des Absolventenjahrgangs 2006. HIS: Projektbericht Februar 2008, S. 16)<\/p><\/blockquote><p>Die Suche nach Erfolgsmeldungen f&auml;llt dann schon manchmal r&uuml;hrend aus. In der gleichen HIS-Studie wird treuherzig versichert: &bdquo;Die Studienabbruchquote der deutschen Studienanf&auml;nger hat sich gegen&uuml;ber der letzten Berechnung um einen Prozentpunkt verringert.&ldquo; &bdquo;&Uuml;berraschend hoch&ldquo; kann die Abbruchquote nur f&uuml;r diejenigen sein, die ihrer eigenen Bologna-Rhetorik blind vertraut haben. Dass Bologna nicht die erhoffte Verbesserung bringt, ist nicht schwer zu erkl&auml;ren.<\/p><p>Die Annahme, die Verschulung des Studiums bringe eine stringentere Studienhaltung bei den Studierenden hervor, ist offensichtlich im Ansatz verfehlt. Denn die Gr&uuml;nde f&uuml;r die Studienabbruchquoten sind, ganz anders als man einer vertrauensseligen &Ouml;ffentlichkeit in den letzten Jahrzehnten beizubringen vermocht hat, nicht im System Hochschule zu suchen; und dessen Radikalreform kann deshalb auch keine Abhilfe schaffen. Wer die Gr&uuml;nde  f&uuml;r hohe Schwundquoten und lange Studienzeiten sucht, wird sich im deutschen Schul- und im deutschen Gesellschaftssystem umschauen m&uuml;ssen &ndash; und an dem &auml;ndert der Bologna-Prozess nichts. Er wird sich die deutschen Gymnasien und Gesamtschulen mit ihren studienvorbereitenden Leistungen ebenso anschauen m&uuml;ssen wie die Berufsperspektiven f&uuml;r Hochschulabsolventen ganzer F&auml;chergruppen; und er wird sich nicht zuletzt auch die mentalen Pr&auml;gungen einer in einer Wohlstandsgesellschaft aufgewachsenen Generation vor Augen halten m&uuml;ssen.<br>\nDie Bologna-Apologeten tun sich ersichtlich schwer damit, die zwar noch verstreuten und nicht sehr dichten, aber in ihrer Tendenz doch  eindeutigen empirischen Befunde wegzuerkl&auml;ren, am liebsten durch den Hinweis auf Anfangsschwierigkeiten. Die Hoffnung aber, dass es sich hier nur um Kinderkrankheiten handele, die irgendwann einmal von selbst ausheilen werden, ist Selbstbetrug &ndash; auch an Kinderkrankheiten kann man sterben.<\/p><p><strong>2. Soziale Exklusion<\/strong><br>\nEin zweiter, &ouml;ffentlich kaum diskutierter Effekt der neuen Studieng&auml;nge wird wohl der sein, dass sie sozialen Exklusionscharakter besitzen.<br>\nAls Nebenargument f&uuml;r die Einf&uuml;hrung der BA-Studieng&auml;nge war im Vorfeld auch gerne die &Uuml;berlegung angef&uuml;hrt worden, dass sie als leichter zug&auml;ngliches Billigangebot f&uuml;r &bdquo;bildungsferne Schichten&ldquo; wirksam werden k&ouml;nnten. Auch hier spricht alles daf&uuml;r, dass diese &Uuml;berlegung sozialpsychologisch falsch fundiert ist. Tats&auml;chlich hat sich gezeigt, dass &ndash; schon vor Einf&uuml;hrung der Studiengeb&uuml;hren &ndash; die neuen BA-Studieng&auml;nge bei sozial schwachen Schichten weniger Anklang fanden als die alten. In einer entsprechenden Untersuchung des HIS hei&szlig;t es dazu: &bdquo;Kinder von Eltern mit niedrigen beruflichen Bildungsabschl&uuml;ssen:<\/p><blockquote><p>Mit der Einf&uuml;hrung von Bachelorstudiengangen hatte man mit einem erh&ouml;hten Zulauf zur Hochschule vor allem aus Bildungsschichten gerechnet, die sich ein &acute;Langstudium&acute; aus verschiedenen &ndash; auch finanziellen &ndash; Gr&uuml;nden m&ouml;glicherweise nicht zutrauen. Die Zusammensetzung der Bachelorabsolventen nach der Bildungsherkunft der Eltern unterscheidet sich tatsachlich erheblich von der in den tradierten Studieng&auml;ngen. Allerdings deutet sie in der Einf&uuml;hrungsphase &ndash; noch &ndash; in eine andere als die erwartete Richtung. Kinder von Eltern mit niedrigen beruflichen Bildungsabschl&uuml;ssen finden sich unter den Bachelorabsolventen der ersten Jahrg&auml;nge deutlich seltener als unter den Absolventen des Abg&auml;ngerjahrgangs 2001. Umgekehrt sind es vor allem Kinder von Eltern, die selbst ein Universit&auml;tsstudium absolviert haben, die den Bachelorstudieng&auml;ngen zugesprochen haben.&rdquo; (Karl-Heinz Minks\/Koljar Briedis: Der Bachelor als Sprungbrett? Ergebnisse der ersten bundesweiten Befragung von Bachelorabsolventinnen und Bachelorabsolventen. Teil I: das Bachelorstudium. Kurz-Information HIS. April 2005.\/A 3\/2005, S. 12)<\/p><\/blockquote><p>Diese Entwicklung ist plausibel, und die Erkl&auml;rung lautet sicher anders, als sie die obligatorische Kinderkrankheiten-Theorie des HIS anbietet: Wer gro&szlig;e pers&ouml;nliche Anstrengungen zum Bildungsaufstieg unternimmt, wird sich nicht mit halbherzigen und offenkundig minderwertigen Angeboten zufrieden geben. <\/p><p><strong>3. Mobilit&auml;t<\/strong><br>\nDass schlie&szlig;lich die Mobilit&auml;t der Studierenden, gar international, gef&ouml;rdert w&uuml;rde, ist reine Fiktion. Nachdem nun die Erstellung der Studieng&auml;nge in weiten Bereichen abgeschlossen ist, zeigt sich mit kristalliner Deutlichkeit, dass die BA-Studieng&auml;nge in jeder Hinsicht ein Mobilit&auml;tshindernis sind: Sie zwingen Studierende in ein enges Studienkorsett, und die inhaltliche Auff&uuml;llung der abstrakten Credit-Point-Vorgaben ist an den einzelnen Universit&auml;ten so unterschiedlich, dass oft nicht einmal ein Wechsel an die Nachbaruniversit&auml;t des gleichen Bundeslandes m&ouml;glich ist oder nur mit gro&szlig;en Nachhol-Anstrengungen erm&ouml;glicht wird. Auch dazu sind harte Daten kaum zug&auml;nglich, aber vereinzelte Beobachtungen verweisen auf die absehbare Entwicklung. Der scheidende Pr&auml;sident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, Prof. Theodor Berchem, erkl&auml;rte dazu in einem Gespr&auml;ch mit dem  Deutschlandradio am 11. Dezember 2007:<\/p><blockquote><p>Der Bologna-Prozess hatte als eins der Hauptmotive Kompatibilit&auml;t der Abschl&uuml;sse und damit einhergehend eine gr&ouml;&szlig;ere Mobilit&auml;t. Wir bef&uuml;rchten nun, dass so, wie die Dinge laufen, die Mobilit&auml;t auf der Strecke bleiben k&ouml;nnte. Das muss man ernsthaft in Angriff nehmen und sehen, wie man da wieder rauskommt. Es gibt einen Weg, der ist allerdings ein bisschen mit Arbeit verbunden, durch bi- oder trilaterale Vertr&auml;ge.<\/p><\/blockquote><p>Genau das aber sollte eigentlich durch den Bologna-Prozess &uuml;berfl&uuml;ssig werden<\/p><p><strong>WIE GEHT ES WEITER?<\/strong><br>\nDer Bologna-Prozess ist schon im Ansatz gescheitert. Aber ein eherner Grundsatz der deutschen Bildungspolitik lautet: Was weg ist, kommt nicht wieder. Jede bildungspolitische Erfahrung aus dem Deutschland der letzten Jahrzehnte spricht dagegen, dass ein einmal eingeschlagener Irrweg der deutschen Bildungspolitik noch einmal korrigiert werden k&ouml;nnte. Auch der Bologna-Prozess wird den gleichen Weg gehen wie das letzte Gro&szlig;projekt der deutschen Bildungspolitik, die Rechtschreibreform.<br>\nEs sollte sich also niemand der Hoffnung hingeben, dass das offenkundige Scheitern der Bologna-Bem&uuml;hungen zu einer Revision f&uuml;hren wird. Aber die Aufgabe wird bleiben, auch unter Bologna-Bedingungen eine funktionsf&auml;hige Universit&auml;t zu erhalten, in der Grundprinzipien akademischer Wissenschafts- und Studienkultur Geltung behalten. Denn die moderne Gesellschaft ist auf leistungsf&auml;hige Universit&auml;ten angewiesen, und auch die k&uuml;nftigen Studentengenerationen haben das Recht auf ein qualifiziertes wie qualifizierendes akademisches Studium.<\/p><p>In den Auseinandersetzungen um den &bdquo;Bologna-Prozess&ldquo; geht es schlie&szlig;lich um das Schicksal der modernen, demokratischen Gesellschaft. Deren &ouml;konomischer, sozialer und kultureller Bestand h&auml;ngt davon ab, dass in ihr unabh&auml;ngige wissenschaftliche Forschung und Lehre, frei von Partikularinteressen und Praxisbindungen, in leistungsf&auml;higen Institutionen erm&ouml;glicht wird.  Dieser Herausforderung entziehen sich die Universit&auml;ten im Zuge des &bdquo;Bologna-Prozesses&ldquo; immer weiter; und es wird Zeit, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen.<\/p><p>Hochschullehrer, die in der Zeit um &acute;68 akademisch sozialisiert wurden, m&ouml;gen noch der Vision der &bdquo;gro&szlig;en Weigerung&ldquo; anh&auml;ngen und glauben, dass eine Totalverweigerung gegen&uuml;ber den Anspr&uuml;chen des Bologna-Prozesses noch an irgendeiner Stelle zur politischen Einsicht f&uuml;hren k&ouml;nne. Diese Auffassung ist verfehlt und h&ouml;chst unrealistisch angesichts einer deutschen Professorenschaft, der es nicht einmal gelingt, den Funktion&auml;ren der Akkreditierungsagenturen die Stirn zu bieten.<br>\nEs kann und muss  aber der Versuch gemacht werden, strukturell die sch&auml;rfsten Kanten des Bologna-Prozesses abzuschleifen, um einen Mindeststandard akademischer Qualit&auml;t zu sichern. Die Verantwortung daf&uuml;r haben in erster Linie die Professoren, die in den letzten Jahren den Versprechungen des Bologna-Prozesses ziemlich blind vertraut haben und sich allzu leichtfertig f&uuml;r Bologna-Dienstleistungen haben in Anspruch nehmen lassen. Unter der &Uuml;berschrift Die W&uuml;ste w&auml;chst hat Helmut Schelsky vor langen Jahren die Entkulturierung zentraler Institutionen der modernen Gesellschaft, darunter auch der Universit&auml;t, durch &bdquo;Politisierung, Verschulung, Verwaltung&ldquo; beklagt und eine Politik des &bdquo;langen Atems&ldquo; ihr gegen&uuml;ber gefordert. An der Situation hat sich nichts ge&auml;ndert, die Lage hat sich vielmehr noch zugespitzt.<br>\nDie Professoren sind die Sachwalter der Universit&auml;t; und ihnen obliegt es, ihren Sachverstand in einen Prozess einzubringen, dessen wesentliches Merkmal die Verachtung des Sachverstandes ist.<\/p><p><strong>1. Diskurspolitik<\/strong><br>\nEine der ersten Aufgaben wird es sein, eine aktive Informationspolitik zu betreiben. Denn der Bologna-Prozess lebt von einer weitgehenden Desinformation der &Ouml;ffentlichkeit. Die Zukunft der deutschen Hochschulen wird nicht in den Sitzungszimmern der universit&auml;ren Studienreformkommissionen gestaltet; &uuml;ber die Zukunft der deutschen Hochschulen wird im &ouml;ffentlichen Diskurs entschieden. Der Bologna-Rhetorik in der &ouml;ffentlichen Wahrnehmung muss der Kredit entzogen werden. Es muss deutlich gemacht werden, dass der Bologna-Prozess schon in der Anfangsphase gescheitert ist.<\/p><p>Im Anschluss an seinen Vorschlag, einen Gegenverband zur Hochschulrektorenkonferenz zu gr&uuml;nden, f&auml;hrt Arnd Morkel fort:<\/p><blockquote><p>Anders wird es zu keinem offenen Streit &uuml;ber die Aufgaben der Universit&auml;t und die Wege zu ihrer Erneuerung kommen. Und dieser Streit ist heute n&ouml;tiger denn je. Wir brauchen einen Eklat. Nur er vermag Aufmerksamkeit zu erregen und zu mobilisieren.&ldquo; (Morkel, a.a.O.)<\/p><\/blockquote><p>So ist es.<\/p><p><strong>2. Qualit&auml;tssicherung<\/strong><br>\nDie deutschen Professoren m&uuml;ssen lernen, das Instrumentarium des Bologna-Prozesses zu beherrschen, statt sich von ihm beherrschen zu lassen. Das un&uuml;bersehbare Chaos des Bologna-Prozesses ist einerseits desastr&ouml;s, aber es er&ouml;ffnet andererseits Gestaltungsspielr&auml;ume. Sie m&uuml;ssen genutzt werden, um letzte Reste von Qualit&auml;t in der akademischen Lehre zu sichern. Nach wie vor gibt es herausragende und leistungsf&auml;hige Studenten, denen zu ihrer Entfaltung durch den Bologna-Prozess das Umfeld genommen wird. Ihnen muss Schutz gew&auml;hrt werden, und daf&uuml;r k&auml;me es darauf an, ganz pragmatisch Qualit&auml;tsbiotope an den Universit&auml;ten zu errichten.<br>\nDas l&auml;sst sich auch in Studieng&auml;ngen des Bologna-Typs verankern, wenn man es nur will und wenn man nur bereit ist, den anonymen Funktion&auml;ren des Bologna-Prozesses und ihren Ausf&uuml;hrungsorganen in den Akkreditierungsagenturen die Stirn zu bieten. <\/p><p>Eine umfassende Dokumentation des Bologna-Prozesses findet sich in zwei Publikationen der Hochschulrektorenkonferenz:<\/p><p>Bologna-Reader. Texte und Hilfestellungen zur Umsetzung der Ziele des Bologna-Prozesses an deutschen Hochschulen. Service-Stelle Bologna. Beitr&auml;ge zur Hochschulpolitik 8\/2004. HRK &ndash; Hochschulrektorenkonferenz. Die Stimme der Hochschulen. Gef&ouml;rdert vom Bundesministerium f&uuml;r Bildung und Forschung. Bonn: HRK, 2., unver&auml;nd. Aufl. 2004.<\/p><p>Bologna-Reader II. Neue Texte und Hilfestellungen zur Umsetzung der Ziele des Bologna-Prozesses an deutschen Hochschulen. Service-Stelle Bologna. Beitr&auml;ge zur Hochschulpolitik 5\/2007. HRK &ndash; Hochschulrektorenkonferenz. Bonn: HRK 2007.<\/p><p><em>Peter J. Brenner ist Professor  f&uuml;r Neuere deutsche Literaturgeschichte und Fakult&auml;tsbeauftragter f&uuml;r Qualit&auml;tsmanagement an<\/em> der Philosophischen Universit&auml;t der Universit&auml;t zu K&ouml;ln sowie Leiter des privaten Instituts f&uuml;r Medienevaluation, Schulentwicklung und Wissenschaftsberatung <\/p><p>Anmerkung Wolfgang Lieb: Ich teile die Kritik von Brenner weitgehend, f&uuml;rchte allerdings, dass der Aufbau von &bdquo;Qualit&auml;tsbiotopen&ldquo; f&uuml;r herausragende Studierende keine aussichtsreiche Gegenstrategie sein kann, sondern allenfalls die Hierarchisierung der Studieng&auml;nge weiter f&ouml;rdert und dem Gedanken der Elitef&ouml;rderung f&uuml;r ganz wenige weiteren Schub gibt.<\/p><p>Solange man sich an den Hochschulen nicht auf den Grundgedanken zur&uuml;ckbesinnt, dass sich &bdquo;das Studieren von schulischen Lernprozessen nicht nur durch das h&ouml;here Abstraktions- und Theorieniveau, sondern auch durch den h&ouml;heren Grad der Selbst&auml;ndigkeit, der den Lernenden abverlangt wird&ldquo; unterscheidet, ist keine Wende m&ouml;glich. Wenn man in Zukunft von einem &bdquo;Studium&ldquo; sprechen will, m&uuml;sste das hei&szlig;en, dass die Hochschulen, die F&auml;higkeit vermitteln m&uuml;ssten, wissenschaftliche Methoden zu vermitteln, mittels deren die Studierenden zu selbst&auml;ndiger Probleml&ouml;sung bef&auml;higt werden. Es geht eben nicht um die blo&szlig;e Vermittlung von Wissen, um das Pauken, sondern um die Ein&uuml;bung der F&auml;higkeit zum Denken und Arbeiten durch wissenschaftliches Lehren und selbst&auml;ndiges Lernen.<br>\nReflektierende Aneignung von Wissenschaft und nicht passives Rezipieren w&auml;re Bildung durch Wissenschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortrag an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universit&auml;t Bonn auf Einladung des Kritischen Gespr&auml;chskreises an der Universit&auml;t Bonn (KGK), in Zusammenarbeit mit dem Studium Universale, am 23. Januar 2008 von Peter J. Brenner, Professor f&uuml;r Neuere deutsche Literaturgeschichte und Fakult&auml;tsbeauftragter f&uuml;r Qualit&auml;tsmanagement an der Philosophischen Universit&auml;t der Universit&auml;t zu K&ouml;ln sowie Leiter des privaten Instituts f&uuml;r Medienevaluation, Schulentwicklung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3031\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,22,17],"tags":[320,236,1680,408,234],"class_list":["post-3031","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-europaische-union","category-hochschulen-und-wissenschaft","tag-bolognaprozess","tag-hrk","tag-kultusministerkonferenz","tag-soziale-herkunft","tag-studiengebuehren"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3031","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3031"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3031\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29120,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3031\/revisions\/29120"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3031"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3031"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3031"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}