{"id":3036,"date":"2008-03-04T15:01:20","date_gmt":"2008-03-04T14:01:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3036"},"modified":"2015-11-26T17:03:11","modified_gmt":"2015-11-26T16:03:11","slug":"oekonomisierung-von-bildung-und-privatisierung-von-bildungspolitik-paedagogische-an-und-einsprueche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3036","title":{"rendered":"\u00d6konomisierung von Bildung und Privatisierung von Bildungspolitik \u2013 P\u00e4dagogische An- und Einspr\u00fcche"},"content":{"rendered":"<p>Die &bdquo;Wissensgesellschaft&ldquo; ist heutzutage in aller Munde. Im Vergleich zu fr&uuml;heren Begriffen wie Industrie- oder Dienstleistungsgesellschaft soll der Begriff der Wissensgesellschaft eine strukturelle Verschiebung in Bezug auf die Wertigkeit von Ressourcen beschreiben: Nicht mehr Rohstoffe, Arbeit und Kapital stehen danach an erster Stelle, sondern Wissen. Die Aneignung, der Zugang, das Haben von und der Umgang mit Wissen soll eine immer gr&ouml;&szlig;ere Bedeutung erlangen. Diese Zeitdiagnose k&ouml;nnte bei Lehrern und P&auml;dagogen  Anlass zur Freude sein, k&ouml;nnte mit dem Bedeutungszuwachs von Wissen doch auch das Verstehen, das Begreifen und das Erkennen zum Thema werden. Doch Wissen reduziert sich in der Wissensgesellschaft  auf die Vermittlung von &bdquo;Besch&auml;ftigungsf&auml;higkeit&ldquo; und Selbstverantwortung im Kontext &ouml;konomischer Sachzw&auml;nge. Der philosophische Hintergrund von Bildung durch Effektivit&auml;ts- und Effizienzinstrumente aus der &Ouml;konomie abgel&ouml;st.<br>\nDie &Uuml;bertragung privatwirtschaftlicher Regulative auf die Bildungseinrichtungen ebnet den Weg zur &Ouml;konomisierung von Bildung.<br>\nVon Monika Witsch, Hochschullehrerin f&uuml;r P&auml;dagogik an der Universit&auml;t DuisburgEssen.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>1. &Ouml;konomisierung von Bildung<\/strong><br>\nWir leben heute in einer Wissensgesellschaft. Der Terminus &bdquo;Wissensgesellschaft&ldquo; avancierte in den letzten Jahrzehnten sowohl im wissenschaftlichen (Bell, 1973; Stehr, 1994; Kreibich, 1986) als auch im gesellschaftspolitischen Diskurs zum zentralen Terminus, um die heutige Gesellschaftsform zu beschreiben. Im Vergleich zu Vorl&auml;uferBegriffen wie Industrie- oder Dienstleistungsgesellschaft intendiert der Begriff der Wissensgesellschaft eine strukturelle Verschiebung in Bezug auf die Wertigkeit von Ressourcen: Nicht mehr Rohstoffe, Arbeit und Kapital stehen an erster Stelle, sondern Wissen. Von herausragender Bedeutung sind also nunmehr die Aneignung, der Zugang, das Haben von und der Umgang mit Wissen. Diese Zeitdiagnose k&ouml;nnte Anlass zur Freude sein, insbesondere bei uns P&auml;dagogen, weil doch Wissen mit seiner Referenz auf Verstehen, Begreifen und Erkennen auf verschiedenen origin&auml;r p&auml;dagogischen Theorie- und Praxisebenen zur Disposition steht: <\/p><ul>\n<li>als erziehungswissenschaftliches Theoriekonzept bspw. in der Frage nach den Systematisierungsm&ouml;glichkeiten p&auml;dagogischen Wissens, <\/li>\n<li>als bildungspolitisches Handlungskonzept bspw. als Frage nach den Gestaltungskriterien von Lehrpl&auml;nen, von Wissensanordnungen, <\/li>\n<li>als institutionelles Didaktikkonzept in der Frage nach schulischer Wissensvermittlung also Lehren oder <\/li>\n<li>als subjektives Aneignungskonzept in der Frage nach Wissensaneignungsformen, d.h. Lernen. <\/li>\n<\/ul><p>Auch bei LIESSMANN findet sich eine zun&auml;chst positive Konnotation von Wissensgesellschaft, wenn er formuliert: &bdquo;Eine Gesellschaft, die sich selbst durch das &gt;&gt;Wissen&lt;&lt; definiert, k&ouml;nnte als eine Soziet&auml;t gedacht werden, in der Vernunft und Einsicht, Abw&auml;gen und Vorsicht, langfristiges Denken und kluge &Uuml;berlegung, wissenschaftliche Neugier und kritische Selbstreflexion, das Sammeln von Argumenten und &Uuml;berpr&uuml;fen von Hypothesen endlich die Oberhand &uuml;ber Irrationalit&auml;t und Ideologie, Aberglaube und Einbildung, Gier und Geistlosigkeit gewonnen haben&ldquo; (Liessmann, 2006: 26).\n\nBildung als das zentrale Feld der Wissensgesellschaft setzt das Bildungssubjekt und mit ihm die Bildungsinstitutionen ins Blickfeld, weil hier dar&uuml;ber verhandelt wird, wie &ndash; so wie es LIESSMANN sieht &ndash; &bdquo;langfristiges Denken und kluge &Uuml;berlegung, wissenschaftliche Neugier und kritische Selbstreflexion&ldquo; &ndash; zu vermitteln und institutionell zu etablieren sind. P&auml;dagogisches Denken und Handeln, das Nachdenken und Beraten bildungstheoretischer und &ndash;praktischer Fragen scheinen im Zuge der Wissensgesellschaft eine erh&ouml;hte Aufmerksamkeit zu erfahren. \n\nDiesem Bedeutungszugewinn m&ouml;chte ich im Nachfolgendem dergestalt nachgehen, dass ich exemplarisch darlege, welche konkreten p&auml;dagogischen Implikationen und Konsequenzen sowohl im wissenschaftlichen als auch im bildungspolitischen Diskurs diskutiert und auch umgesetzt werden. \n\nIm EUWei&szlig;buch zur allgemeinen und beruflichen Bildung &bdquo;Lehren und Lernen &ndash; Auf dem Weg zur kognitiven Gesellschaft&ldquo; (EU, 1995) hei&szlig;t es: &bdquo;Die Internationalisierung des Wirtschaftsaustausches, die Globalisierung der Technologien und insbesondere die Herausbildung der Informationsgesellschaft haben die M&ouml;glichkeiten des Zugriffs zur Information und zum Wissen f&uuml;r den einzelnen verbessert. Gleichzeitig verlangen all diese Faktoren auch eine Ver&auml;nderung der erworbenen F&auml;higkeiten und Fertigkeiten und der Arbeitssysteme (...) Es liegt auf der Hand, da&szlig; die allen gebotenen neuen M&ouml;glichkeiten jedem einzelnen ein Bem&uuml;hen um Anpassung abverlangen&ldquo; (6). \n\nHier wird bereits einleitend herausgestellt, dass mit den wirtschaftlichen und globalen Ver&auml;nderungen vor allem eines unerl&auml;sslich ist, n&auml;mlich Anpassung. So wird dann auch im Text weiter konsequent von &bdquo;Anpassung an die Entwicklung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes&ldquo; (16), von einer &bdquo;optimalen Anpassung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung&ldquo; (38) oder von Schule, die &bdquo;sich anpassen muss&ldquo; (41) gesprochen, denn &ndash; so die Argumentation &ndash; &bdquo;der gr&ouml;&szlig;te Trumpf der Union [sind] die Humanressourcen&ldquo; (40). Daher gelte es &ndash; so die zweite von insgesamt sechs Schl&uuml;sselbotschaften der EU im &bdquo;Memorandum &uuml;ber Lebenslanges Lernen&ldquo; (2000) &ndash; &bdquo;Die Investitionen in die Humanressourcen deutlich [zu] erh&ouml;hen und damit Europas wichtiges Kapital &ndash; das Humankapital &ndash; optimal nutzen&ldquo; (EU, 2000: 14). \n\nDas entscheidende Instrument zur optimalen Nutzung der Humanressource ist das Lebenslange Lernen (LLL): <em>&bdquo;Lebenslanges Lernen ist nicht mehr blo&szlig; ein Aspekt von Bildung und Berufsbildung, vielmehr muss es zum Grundprinzip werden, an dem sich Angebot und Nachfrage in s&auml;mtlichen Lernkontexten ausrichten. Im kommenden Jahrzehnt m&uuml;ssen wir diese Vision verwirklichen<\/em>. Alle in Europa lebenden Menschen &ndash; ohne Ausnahme &ndash; sollten gleiche Chancen haben, um sich an die Anforderungen des sozialen und wirtschaftlichen Wandels anzupassen und aktiv an der Gestaltung von Europas Zukunft mitzuwirken&ldquo; (Hervorhebungen im Original, EU, 2000: 3). <\/p><p>Das sprachliche Repertoire offenbart unverkennbar das in diesen Papieren dominante Prinzip einer betriebswirtschaftlich ausgerichteten Optimierung der Humanressource Mensch. Der Begriff der Humanressource ebenso wie auch der des Humankapitals, volkswirtschaftlich definiert als die &bdquo;Summe aller in der Vergangenheit vorgenommenen Erziehungs- und Ausbildungsinvestitionen&ldquo; (Mankiw, 2004: 438), verweisen in Kombination mit &bdquo;Anpassung&ldquo; auf die Dominanz einer verwertungsbezogenen Rationalit&auml;t. Der Mensch &ndash; ein in diesen Texten kaum mehr auftauchender Begriff &ndash; erf&auml;hrt durch seine Transformation zum Humankapital eine der &ouml;konomischen Verwertungslogik gehorchende Verdinglichung. Mit diesem Begriff verschwindet jede Idee von Subjektsein, weil nicht mehr der Einzelne, sondern eine vom Subjekt abgetrennte Ma&szlig;gabe der Anpassung zum Ideal erhoben ist. Das Bildungssubjekt wird zum Bildungsobjekt. LOHMANN nennt dies eine &bdquo;marktgerechte Verwarenf&ouml;rmigung&ldquo; (Lohmann, 2007: 4).<\/p><p>Lebenslanges Lernen ist in diesem Zusammenhang &ndash; und so wird es ja auch explizit gefordert &ndash; das ad&auml;quate Aneignungskonzept, um die geforderten Anpassungsleistungen zu erbringen und zwar lebenslang. Der strategische Ansatz dieses Konzeptes beruht dabei zentral auf dem Leitprinzip der Selbststeuerung. <\/p><p>In einer von der BundL&auml;nderKommission f&uuml;r Bildungsplanung und Forschungsf&ouml;rderung (BLK) herausgegebenen Studie mit dem Titel: &bdquo;Strategie f&uuml;r Lebenslanges Lernen in  der Bundesrepublik Deutschland&ldquo; hei&szlig;t es: &bdquo;Lebenslanges Lernen ist weitgehend vom Einzelnen selbst verantwortetes Lernen, d.h. Lernen, bei dem der Lernende durch ein vielf&auml;ltiges Netzwerk von Lernangeboten und Lernm&ouml;glichkeiten steuert (BLK, 2004: 12). Selbst verantwortetes Lernen suggeriert einen hohen Grad an Autonomie, die an dieser Stelle dem Subjekt zugesprochen wird. <\/p><p>Was sich in einem ersten Zugang als ein emanzipatorischer Begriff ausnimmt, zeigt sich  jedoch in seiner Verbindung bzw. Zwecksetzung, n&auml;mlich verstanden als &bdquo;einen Beitrag zur Besch&auml;ftigungsf&auml;higkeit und zur Pr&auml;vention von Arbeitslosigkeit&ldquo;, eher als ihr Gegenteil. In dieser Distinktion rekurriert Selbstverantwortlichkeit auf die selbst zu verantwortende Schuld, wenn das Ziel der Besch&auml;ftigungsf&auml;higkeit nicht hergestellt werden kann. Man wird sich dann mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, entweder das Falsche gelernt, die notwendigen Zertifikate nicht zu haben oder aber den Zwang zur Selbst&ouml;konomisierung nicht kompetent umzusetzen. Teilhabechancen am Arbeitsmarkt werden so in erster Linie zu einem Effekt individueller Leistung und nicht mehr struktureller Prozesse. Die hier geforderte Norm der Selbstverantwortung im Kontext &ouml;konomischer Sachzw&auml;nge verkehrt die propagierte Autonomie in ihr Gegenteil: Sie wird zur Verpflichtung, sich den geltend gemachten Zusammenh&auml;ngen, der normativen Ordnung von Marktbeziehungen unterzuordnen. <\/p><p>Das Risiko bei Versagen tr&auml;gt auf jeden Fall der Einzelne. &bdquo;Welche Kurse besucht, wie viel Privatkapital auch immer in Weiterbildung investiert werden, man wird im Ernstfall stets sagen k&ouml;nnen: Es war zu wenig. Es gibt den durchaus tragikomischen Fall des Lernwilligen, der Qualifikationen &uuml;ber Qualifikationen sammelt und doch nie in die Lage kommt, diese an einem Arbeitsplatz auch wirklich ad&auml;quat einzusetzen&ldquo; (Liessmann, 2006: 34f). Manageriales Denken und Handeln erweist sich &ndash; so wie es BR&Ouml;CKLING wertet &ndash; als ein &bdquo;&uuml;bergreifendes Dispositiv zeitgen&ouml;ssischer Menschenf&uuml;hrung&ldquo; und spricht daher auch von einer &bdquo;TOTALEN Mobilmachung&ldquo; (Br&ouml;ckling, 2000: 3). <\/p><p>Neu am Konzept des lebenslangen Lernens (LLL) ist also nicht die aus der Semantik sich ergebende Geltung, in allen Phasen des Lebens zu lernen &ndash; ist dies &uuml;berhaupt anders denkbar, wenn, wie im Papier der BLK, LLL allgemein gehalten definiert ist als &bdquo;alles formale, nichtformale und informelle Lernen an verschiedenen Lernorten&ldquo; (BLK, 2004: 12). Neu ist auch nicht, die im Konzept implizit enthaltene Notwendigkeitsformel, wonach mit dem Beginn der  Erwerbst&auml;tigkeit in einer innovativen Wissensgesellschaft die Phase des Lernens zu kontinuieren ist &ndash; auch hier ist darzulegen, dass Lernen schon immer auch ein Kontinuum des Erwerbslebens war. <\/p><p>Das wirklich Neue an diesem Konzept scheint mir vielmehr darin zu gr&uuml;nden, dass nun eine Neujustierung zwischen Einzelnem und seiner gesellschaftlichen\/ wirtschaftlichen Teilhabe m&ouml;glich ist und zwar dergestalt, dass die Nicht-Teilhabe zunehmend und einseitig einer rein individuellen Praxis zugeschrieben werden kann. Mit dieser Zuschreibungspraxis gelingt ein best&auml;ndiger R&uuml;ckzug staatlicher Wohlfahrt ebenso wie die Obsoleterkl&auml;rung weiterer Faktoren. Strukturelle Gegebenheiten, Herkunft oder auch Geschlecht treten als Kriterien zur Verteilung von Lebens- und Arbeitschancen zur&uuml;ck, denn jeder &ndash; so lie&szlig;e sich lapidar formulieren &ndash; ist nunmehr selbst und ausschlie&szlig;lich seines &bdquo;Gl&uuml;ckes Schmied&ldquo;. Es ist die Privatisierung von Lebenschancen verbunden mit einer &bdquo;Naturalisierung von gesellschaftlichen Hierarchien&ldquo; (Bultmann, 2003: 334). <\/p><p>Das Leitbild der &bdquo;Autonomisierung&ldquo; von Selbststeuerung und Anpassung ist, so wie es das Konzept des LLL darlegt, nicht nur ein das Erwerbsleben begleitendes Diktum, sondern &bdquo;von fr&uuml;her Kindheit&ldquo; an zu etablieren. Im Bereich der Bildungsinstitution von Schule wird daher auch konsequent gefordert: &bdquo;Schule und Unternehmen sollen einander angen&auml;hert werden&ldquo;, denn so das EU-Wei&szlig;buch weiter, &bdquo;Schule und Unternehmen sind sich gegenseitig erg&auml;nzende St&auml;tten des Wissenserwerbs, die es einander anzun&auml;hern gilt&ldquo; (EU, 1995: 52). <\/p><p>Dabei sei die erste Bedingung, dass sich das Bildungswesen hin zur Arbeitswelt &ouml;ffne, um so &bdquo;das Verst&auml;ndnis der Arbeitswelt, die Kenntnis der Unternehmen und die Wahrnehmung der Ver&auml;nderungen im Produktionsbereich&ldquo; im schulischen Lernen zu ber&uuml;cksichtigen. Denn &ndash; so wird erkl&auml;rt &ndash; &bdquo;f&uuml;r die Schule im weiten Sinn &ndash; von der Primarstufe bis zur Hochschule &ndash; geht es darum, das vermittelte Wissen an die Besch&auml;ftigungsm&ouml;glichkeiten anzupassen&ldquo; (52). <\/p><p>Hier wird nun endg&uuml;ltig mit der einst von Humboldt geforderten  strikten Trennung, wonach dem Staat die Aufgabe der Allgemeinbildung zukomme und die Berufsbildung den St&auml;nden zu &uuml;berlassen sei, gebrochen. Zwar ist auch bei Humboldt Schule gedacht als eine St&auml;tte, die auf eine andere hin angeordnet ist, aber bei ihm sind dies die &bdquo;h&ouml;heren wissenschaftlichen Anstalten&ldquo;. Diese Anordnung wird von Humboldt in der Form dargelegt, &bdquo;dass nicht sie als Schulen berufen sind, schon den Unterricht der Universit&auml;ten zu anticipieren, noch die Universit&auml;t ein blosses, &uuml;brigens gleichartiges Complement zu ihnen, nur eine h&ouml;here Schulklasse sind, sondern dass der &Uuml;bertritt von der Schule zur Universit&auml;t ein Abschnitt im jugendlichen Leben ist, auf den die Schule im Falle des Gelingens den Z&ouml;gling so rein hinstellt, dass er physisch, sittlich und intellectuell der Freiheit und der Selbstth&auml;tigkeit &uuml;berlassen werden kann und, vom Zwange entbunden, nicht zu M&uuml;ssiggang oder zum praktischen Leben &uuml;bergehen&ldquo; muss (Humboldt, 1960b: 260). Humboldts Idee von Schule ist getragen von dem p&auml;dagogischen Motiv der Sorge um die Freiheit und Selbstt&auml;tigkeit des Menschen: <\/p><p>&bdquo;Der wahre Zweck des Menschen &ndash; nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unver&auml;nderliche Vernunft ihm vorschreibt &ndash; ist die h&ouml;chste und proportionierlichste Bildung seiner Kr&auml;fte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist Freiheit die erste und unerl&auml;&szlig;liche Bedingung.&ldquo; So lauten die ersten beiden S&auml;tze des zweiten Kapitels aus Wilhelm von Humboldts ber&uuml;hmter Schrift &bdquo;Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen&ldquo;, die er 1792 erstmals ver&ouml;ffentlicht hat. <\/p><p>Das von der Vernunft geleitete freie Individuum bei Humboldt scheint mit dem des heute erw&uuml;nschten Menschenbildes: des allseits anpassungsf&auml;higen, flexiblen und sich selbst managenden Individuums keine Gemeinsamkeit mehr zu haben. Die Bestimmung des Menschen und den Zweck aller Bildung erblickt Humboldt jenseits einer blo&szlig;en Anpassung des Menschen an die vorgegebene Ordnung der Welt: &bdquo;Die letzte Aufgabe unsres Daseyns: dem Begriff der Menschheit in unsrer Person, sowohl w&auml;hrend der Zeit unsres Lebens, als auch noch &uuml;ber dasselbe hinaus, durch die Spuren des lebendigen Wirkens, die wir zur&uuml;cklassen, einen so grossen Inhalt, als m&ouml;glich, zu verschaffen, diese Aufgabe l&ouml;st sich allein durch die Verkn&uuml;pfung unsres Ichs mit der Welt zu der allgemeinsten, regesten und freiesten Wechselwirkung. Diess allein ist nun auch der eigentliche Massstab zur Beurtheilung der Bearbeitung jedes Zweiges menschlicher Erkenntniss. Denn nur diejenige Bahn kann in jedem die richtige seyn, auf welcher das Auge ein unverr&uuml;cktes Fortschreiten bis zu diesem letzten Ziele zu verfolgen im Stande ist, und hier allein darf das Geheimniss gesucht werden, das, was sonst ewig todt und unn&uuml;tz bleibt, zu beleben und zu befruchten&ldquo; (Humboldt, 1960a: 235f). <\/p><p>In dieser Passage dokumentiert sich, dass die von Humboldt hergestellte Verkn&uuml;pfung, d.h. die Wechselwirkung zwischen Ich und Welt nicht mit dem Zweck gedacht werden kann, sich diese Welt anzueignen, sondern mit dem Ziel gef&uuml;hrt ist, in der Auseinandersetzung mit den Gegenst&auml;nden der Welt &bdquo;frei und unabh&auml;ngig&ldquo; (17) zu werden. Die Gegenstandswelt dient dem Selbstbestimmungsprozess des Menschen. Unter dieser Perspektive einer korrelativen Struktur von Ich und Welt kann die Aneignung von Wissen &uuml;ber die Welt nicht losgel&ouml;st vom Ziel &bdquo;die eigene inwohnende Kraft zu st&auml;rken&ldquo; gesehen werden. Bildung ist damit ein in der Wechselwirkung liegendes Moment. <\/p><p>Besonders eindrucksvoll beschreibt diesen Gedanken auch Simmel in einer im Wintersemester 1914\/15 gehaltenen Vorlesung zur Schulp&auml;dagogik, wenn er formuliert: Bildung &bdquo;ist weder das blo&szlig;e Haben von Wissensinhalten, noch das blo&szlig;e Sein als eine inhaltslose Verfassung der Seele. Gebildet ist vielmehr derjenige, dessen objektives Wissen eingegangen ist in die Lebendigkeit seiner subjektiven Entwicklung und Existenz, und dessen geistige Energie andererseits mit einem m&ouml;glichst weiten und immer wachsenden Umfang von an sich wertvollen Inhalten erf&uuml;llt ist&ldquo; (Simmel, 1999: 85). So verstandene Bildung hat keine gemeinsamen Nenner mehr mit dem, was im Namen der &bdquo;Wissensgesellschaft&ldquo; an Sach- und Faktenwissen technokratisch antrainiert werden soll. Die Idee von Humanit&auml;t, von Menschsein im Begriff der Bildung, die Simmel als den Eingang des Wissens in die Lebendigkeit subjektiver Entwicklung beschreibt, findet sich in den bildungspolitischen Debatten, wie sie derzeit gef&uuml;hrt werden, kaum mehr wieder. <\/p><p>Bildung ist zwar noch als Begriff im Gebrauch, aber &ndash; erleichtert um den bildungsphilosophischen Hintergrund &ndash; markiert er kaum mehr als das, was den Begriff des Lernens anbelangt. Und Lernen so Schirlbauer &bdquo;kann man ja bekanntlich alles: Multiplizieren, eine neue Rechtschreibung, Klavierspielen, das Basteln von Bomben, Foltern oder auch Kampfrhetorik. Der Lernbegriff str&auml;ubt sich wenig bis gar nicht gegen das, was ihm inhaltlich angesonnen wird. Der (klassische) Bildungsbegriff schon. Er ist nicht mit jedweder Bewusstseinsverfassung kompatibel. Er konservierte bis heute trotz unterschiedlicher Auspr&auml;gungen eine spezifische Auffassung von Humanit&auml;t&ldquo; (Schirlbauer, 2007: 206f.). <\/p><p>Von Tenorth ist an dieser Stelle zu vernehmen, dass die hier vorgebrachte Kritik nicht mehr sei als die &bdquo;Renaissance der alten Ideen von Bildung&ldquo;, die &bdquo;die Vergangenheit verkl&auml;rt&ldquo; und sie sei daher nichts weiter als die Forderung zur &bdquo;Rolle r&uuml;ckw&auml;rts&ldquo; von jenen, die gefangen sind &bdquo;in den alten Formeln&ldquo; (Tenorth, 2005). Vielmehr gelte es &ndash; so Tenorth &ndash; vermittels &bdquo;Bildungsstandards und Ergebniskontrolle in Schulen, Evaluationsverfahren und Akkreditierung in den Hochschulen&ldquo; die Lehre an den Schulen und Hochschulen transparenter und strukturierter zu gestalten (Tenorth, 2005). <\/p><p>Ich m&ouml;chte an dieser Stelle zumindest noch auf einen von Tenorth angesprochenen Sachverhalt kurz zu sprechen kommen: <strong>Evaluation.<\/strong><\/p><p>Evaluation meint die Bewertung einer Sache bzw. die Bewertung von Eigenschaften einer Sache entlang von Kriterien. Es geht also um eine Einsch&auml;tzung der G&uuml;te, um ein Pr&uuml;fen und Messen. <\/p><p>Auch hier w&auml;re &ndash; wie bereits eingangs von mir ge&auml;u&szlig;ert &ndash; wieder Anlass zur Freude: Geht es doch darum, &uuml;ber die G&uuml;te von Bildung, Bildungsprozessen und Bildungsinstitutionen zu sprechen, dar&uuml;ber nachzudenken, wie Bildungshandeln bewusster und in Teilen sicherlich auch effektiver gestaltet werden kann und wie dies in einer kooperativen Struktur von Bildungsphilosophie und Bildungsforschung transparent und handhabbar gemacht werden kann. Aber mir scheint, dass die daf&uuml;r notwendigen Diskurse vorzeitig durch die Annexion betriebswirtschaftlicher Controllingverfahren aufgel&ouml;st bzw. gar nicht zustande gekommen sind.<\/p><p>Stattdessen &ndash; und auch hier lohnt der Blick in die entsprechenden Papiere &ndash; wird auf etablierte Effektivit&auml;ts- und Effizienzinstrumente aus der &Ouml;konomie zur&uuml;ckgegriffen. Im Bericht zur &bdquo;Qualit&auml;tsanalyse an den Schulen in Nordrheinwestfalen&ldquo; hei&szlig;t es: &bdquo;Ziel der Qualit&auml;tsanalyse ist es, die Qualit&auml;t von Schulen zu sichern und nachhaltige Impulse f&uuml;r deren Weiterentwicklung zu geben. Dies geschieht dadurch, dass erfahrene Qualit&auml;tspr&uuml;ferinnen und -pr&uuml;fer einen Blick von au&szlig;en auf interne Schulprozesse werfen und den Schulen eine R&uuml;ckmeldung &uuml;ber ihre Qualit&auml;ten und Verbesserungsbereiche geben. <a href=\"http:\/\/www.schulministerium.nrw.de\/BP\/Presse\/Meldungen\/PM_2006\/pm_03_05_2006.html\">Damit ist ihre Funktion vergleichbar mit der von Unternehmensberaterinnen und -beratern&ldquo;<\/a>. <\/p><p>Qualit&auml;tspr&uuml;fer erf&uuml;llen die Funktion von Unternehmensberatern und Schulen sind demnach Unternehmen &ndash; mit dieser explizit so formulierten Deutung einer Schulministerin gewinnt mein Ansinnen &ndash; die Erbringung des Nachweises einer zunehmenden &Ouml;konomisierung von Bildungseinrichtungen &ndash; nahezu nachgetragene Z&uuml;ge. Wieso etwas nachweisen, dass schon l&auml;ngst etabliert, gewollt und wirksam ist? Das Evaluationsgeschehen an Schulen und Hochschulen ist l&auml;ngst in einen Prozess &ouml;konomischer Bewertungsverfahren eingestellt. Hier werden entlang von so genannten Qualit&auml;tskriterien, von Normierungen ebenjener Wertkriterien, Qualit&auml;tsurteile verfasst. Dabei geht es &ndash; um nur einige zu nennen &ndash; um folgende Fragen:<\/p><ul>\n<li>Wie viele Studierende erreichen nach welcher Zeit, welchen Abschluss?<\/li>\n<li>Wie viele Promotionen\/Habilitationen k&ouml;nnen nachgewiesen werden und innerhalb welcher Bearbeitungszeit?<\/li>\n<li>Anzahl und Budget eingeworbener Drittmittel?<\/li>\n<li>Anzahl von Publikationen? Etc.<\/li>\n<\/ul><p>Warum aber sollte ein schnelles Studium Ausdruck f&uuml;r Qualit&auml;t sein? Die implizite Norm &ndash; je k&uuml;rzer die Verweildauer an der Uni umso besser &ndash; ist zumindest an diesen Stellen eine furchtlose &Uuml;bersetzung von Quantit&auml;t in Qualit&auml;t. Koch  bezeichnet daher im Verweis auf jene Praktiken Evaluation als &bdquo;ein Fall von normativer Empirie&ldquo;, die sich vornehmlich &bdquo;am Resultat und nicht an den Zielen&ldquo; orientiert (Koch, 2004: 39, 43). Wer also zahlreiche Publikationen und nebenbei auch noch eine gewisse Anzahl von Drittmitteleinwerbungen vorweisen kann, hat gute Chancen auf eine positive Begutachtung. Liessmann macht hier auf Kant aufmerksam, der, bevor er seine &bdquo;Kritik der reinen Vernunft&ldquo; herausbrachte, 10 Jahre nicht publizierte und auch im Sinne eines internationalen Renommees kaum h&auml;tte punkten k&ouml;nnen, da er K&ouml;nigsberg nie verlie&szlig; (vgl. Liessmann, 2006: 88). Vermutlich h&auml;tte Kant heute mit Weisungen und Empfehlungen zu rechnen, wie er seine Publikationsliste f&uuml;llen und internationale Kontakte initiieren k&ouml;nne. Zeiten des &ouml;ffentlichen Schweigens als Ausdruck des Nachdenkens, der Reflexion und als Bedenkzeit, um einer Sache nachzugehen und sie in Tiefe zu durchdringen verkehren in der derzeit betriebenen Evaluationspraxis in ihr Gegenteil: Sie sind ein Malus wissenschaftlicher Arbeit. Sie kosten Zeit und zwar die der &ouml;ffentlich wirksamen Pr&auml;senz.<\/p><p>Ich breche an dieser Stelle ab &ndash; sehr wohl im Wissen, dass vieles hier noch nicht zur Sprache gebracht ist &ndash; und komme auf einen zweiten zentralen Aspekt zu sprechen: Pri-vatisierung von Bildungspolitik.<\/p><p><strong>2. Privatisierung von Bildungspolitik<\/strong><br>\nHabe ich zuvor von &Ouml;konomisierung gesprochen, so mit der Intention, deutlich zu machen, dass der Markt als Ordnungsmoment zentraler Bezugspunkt von Handeln im Bildungssektor geworden ist. &Ouml;konomisierung also verstanden als eine Universalisierung der Marktmechanismen, in dem &ndash; wie es FOUCAULT beschreibt &ndash; der Fremdzwang zum Selbstzwang wird. Privatisierung geht insofern einen Schritt weiter, als in diesem Prozess nicht nur Marktorientierung statthat, sondern bislang &ouml;ffentliche Bereiche in private Formen umgewandelt werden. Zu unterscheiden ist dabei zwischen einer Verm&ouml;gensprivatisierung &ndash; einer Umwandlung in Privateigentum &ndash; und einer Aufgabenprivatisierung &ndash; einer &Uuml;bertragung &ouml;ffentlicher Dienstleistungen in private H&auml;nde. Sprechen m&ouml;chte ich im Nachfolgenden &uuml;ber die zweite Form der Privatisierung, &uuml;ber die Aufgabenprivatisierung von Bildungspolitik und zwar am Beispiel der Bertelsmann-Stiftung. <\/p><p>Die Bertelsmann Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn gegr&uuml;ndet. Nach Eigenaussage war das Motiv zur Gr&uuml;ndung die &Uuml;berzeugung, &bdquo;Eigentum verpflichtet&ldquo;, sich f&uuml;r das Ge-meinwohl zu engagieren. Die Bertelsmann Stiftung arbeitet gem&auml;&szlig; ihrer Satzung aus-schlie&szlig;lich operativ und nicht f&ouml;rdernd, d.h. sie vergibt keine Stipendien und unterst&uuml;tzt auch keine Projekte Dritter. <\/p><p>In einer Schrift zum Leitbild der Bertelsmann Stiftung ist nachzulesen, dass die Arbeit der Stiftung gepr&auml;gt wird &bdquo;von der Erkenntnis Reinhard Mohns, dass unternehmerisches Denken und Handeln entscheidend dazu beitr&auml;gt, Probleml&ouml;sungen f&uuml;r die verschiedenen Bereiche unserer Gesellschaft zu entwickeln und erstarrte Strukturen aufzul&ouml;sen. Auf diese Weise leisten wir &ndash; auch international &ndash; einen Beitrag zur kontinuierlichen Fortschreibung einer zukunftsf&auml;higen Gesellschaft.&ldquo; Dabei gehe es &ndash; so Mohn an anderer Stelle weiter &ndash; um die  &bdquo;&Uuml;bertragung des in der Wirtschaft entwickelten Modells der &ldquo;Unternehmenskultur&rdquo; in andere Lebensbereiche&rdquo;<\/p><p>Die Beweggr&uuml;nde zum Engagement in den verschiedenen Lebensbereichen von Politik, Bildung, Kultur, Bildung, Gesundheit etc. werden klar expliziert: Es geht darum, &ouml;konomische Prinzipien zu installieren. Einrichtungen des sozialen Lebens sollen zu Unternehmen rekonfiguriert werden. Dass dies mittlerweile in vollem Gange ist, best&auml;tigt auch Reinhard Mohn: &bdquo;Mit der Bertelsmann Stiftung ist mir in 25 Jahren der Nachweis gelungen, dass die Grunds&auml;tze unternehmerischer, leistungsorientierter und menschengerechter Gestaltung der Ordnungssysteme in allen Lebensbereichen zur Anwendung gebracht werden k&ouml;nnen [&hellip;] Die ist m&ouml;glich!&ldquo;<\/p><p>Der Nachweis kann an mehreren Beispielen dargelegt werden:<\/p><ul>\n<li>Am Beispiel von Schulevaluation: Das von der Bertelsmann-Stiftung entwickelte &bdquo;Instrument zur Qualit&auml;tsverbesserung von Schulen&ldquo; SEIS wird mittlerweile bundesweit an ann&auml;hernd 2000 Schulen eingesetzt. SEIS steht f&uuml;r &bdquo;Selbstevaluation in Schulen&ldquo; und dient dem Ziel, Schulentwicklung &bdquo;effizienter, effektiver, systemischer und nachhaltiger&ldquo; werden zu lassen. Mittels Fragebogenerhebung generiert das Instrument  &ndash; so die Bertelsmann-Stiftung &ndash; ein Wissen dar&uuml;ber &bdquo;was eine gute Schule ausmacht&ldquo; und erlaube gleichsam den Qualit&auml;tsvergleich mit anderen Schulen. Vor dem Hintergrund, dass die meisten Landesschulgesetze bereits die Vorschrift zur Qualit&auml;tssicherung enthalten, ist die von der Bertelsmann-Stiftung gepflegte direkte Kooperation mit den Landesministerien f&uuml;r Schule strategisch bedeutsam. So haben zahlreiche Schulministerien Kooperationsvertr&auml;ge mit der Bertelsmann-Stiftung unterzeichnet, um den Qualit&auml;tsprozess an den Schulen voran zu.<\/li>\n<li>Am Beispiel des Modells &bdquo;Selbstst&auml;ndige Schule in NRW&ldquo;, bei dem die Bertelsmann-Stiftung im Schuljahr 2002\/2003 einen Kooperationsvertrag mit dem Schulministerium in NRW unterzeichnete und seitdem auch die Projektleitung innehat. Ziel dieses Projektes ist die &bdquo;qualit&auml;tsorientierte Selbststeuerung&ldquo; von Schulen. Unter anderem geht es dabei um &bdquo;schulinternes Management&ldquo;, d.h. um die St&auml;rkung der Leitungsrolle des Schulleiters und um &bdquo;Unterrichtsentwicklung&ldquo;, d.h. um einen Ma&szlig;nahmenkatalog zur Verbesserung von Unterricht. Die f&uuml;r diese Neuorientierung notwendigen Fortbildungsma&szlig;nahmen sind in Bausteine und Kompetenzprofile ausgearbeitete Konzepte der Projektleitung.<\/li>\n<li>Am Beispiel von Hochschulevaluationen. Das Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung, abgek&uuml;rzt CHE, ist eine im Jahre 1994 vollzogene gemeinsame Gr&uuml;ndung der Bertelsmann-Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in der Rechtsform einer gemeinn&uuml;tzigen GmbH unter der Leitung der Bertelsmann-Stiftung.  Ziel ist die Errichtung einer &bdquo;entfesselten Hochschule&ldquo;. Konkret benennt M&uuml;ller-B&ouml;ling &ndash; Leiter des CHE &ndash; seine Vision mit den nachfolgenden hochschulpolitischen Notwendigkeiten: <\/li>\n<\/ul><ol>\n<li>Wettbewerb, weil Universit&auml;ten &bdquo;national und international um Studienanf&auml;nger, Studierende, Wissenschaftler, Ressourcen und Reputation konkurrieren&ldquo;<\/li>\n<li>Wirtschaftlichkeit, weil &bdquo;wissenschaftliche Existenz nur &uuml;ber &ouml;konomisch rationales Handeln gesichert werden kann&ldquo;<\/li>\n<li>Internationalisierung als &bdquo;Vorbereitung der Absolventen auf einen globalen Arbeitsmarkt&ldquo;<\/li>\n<li>Virtualisierung als &bdquo;Optimierung von Lernangeboten&ldquo;<\/li>\n<li>Profilbildung als &bdquo;Akzentuierung eines besonderen Leistungsportfolios&ldquo; <\/li>\n<li>Autonomie als &ldquo;Abbau staatlicher Detailsteuerung&rdquo;<\/li>\n<li>Wissenschaftlichkeit als Aufbau von <a href=\"http:\/\/www.che-concept.de\/cms\/?getObject=244&amp;getName=CHE+-+Themen&amp;getLang=de\">&bdquo;Excellenz als Richtschnur&ldquo;<\/a><\/li>\n<\/ol><p>Sichtbar werden die Erfolge oder Misserfolge der Universit&auml;ten an den regelm&auml;&szlig;ig vom CHE gef&uuml;hrte Rankings. Hier ist dann f&uuml;r jede Universit&auml;t einsehbar, wie weit sie die &bdquo;Visionen&ldquo; des CHE verwirklicht hat.<\/p><p>Die hier genannten Bespiele zeigen, dass mit der Bertelsmann-Stiftung ein neuer Akteur in den edukativen Raum getreten ist, der &uuml;ber Autonomie- und Selbststeuerungsversprechen &ouml;konomische Prinzipien der Effizienz und des Wettbewerbs etabliert und dem damit eine fortschreitende Umdeutung der Bildung in Ware gelingt. Die in Kooperation mit Ministerien erm&ouml;glichte Implementierung und Institutionalisierung von Steuerungs- und Evaluierungsinstrumenten in Schulen und Hochschulen ebnet den Weg, dass der &ouml;ffentliche Bildungsbereich zunehmend unter der Lenkung durch die Prinzipien der Bertelsmann-Stiftung steht. Ruhloff spricht in diesem Zusammenhang von einer &bdquo;Nebenregierung&ldquo;: &bdquo;Die N&ouml;tigung zu einer st&auml;ndig mitlaufenden R&uuml;cksicht auf ma&szlig;konforme und vermutlich gewinnbringende Effekte etabliert im Alltag von Lehre, Studium und Forschung eine Art Nebenregierung. Autonomie und akademische Freiheit werden verformt zum Selbstvollzug verinnerlichter Kontrollimperative. Die Nebenregierung verlangt von Universit&auml;tslehrern und Studierenden vor einem sachorientierten Studienb&uuml;ndnis den strategischen Vorgriff auf m&ouml;gliche Qualifizierungsergebnisse und die Finalisierung ihrer T&auml;tigkeiten darauf hin&ldquo; (Ruhloff, 2006: 34). <\/p><p>&Uuml;ber die Verlagerung bzw. das so genannte &bdquo;Outsourcing&ldquo;  von Angelegenheiten, die den &ouml;ffentlichen Bildungsbereich betreffen, an eine private Institution, gelingt nicht nur die Neuausrichtung von Bildung auf Kriterien wie Wettbewerb oder Wirtschaftlichkeit. Der &ouml;ffentliche Bildungsbereich wird auch von demokratischen Einflussm&ouml;glichkeiten losgel&ouml;st, denn mit dem zentralen Stellenwert, den quantitativ messbare Indikatoren in Bezug auf Bildungsstruktur und -inhalt einnehmen, geraten Diskussionen &uuml;ber Bildung jenseits direkter Messbarkeit in den Hintergrund. Es gilt der gemessene Wert als Kriterium des Wertens und das &bdquo;Nichtmessbare&ldquo; wird damit, wie Heitger sagt, &bdquo;wertlos&ldquo;. &bdquo;Werte&ldquo; &ndash; so m&ouml;chte ich den Gedanken mit den Worten von Heitger hier abschlie&szlig;en &ndash; &bdquo;von Liebe und G&uuml;te, von Besonnenheit und Gelassenheit, vom Mut zur eigenen Meinung, von Redlichkeit und Bescheidenheit (&hellip;) sind Werte, die durch das Instrumentarium der Evaluation wertlos werden&ldquo; (Heitger, 2004: 74). <\/p><p><strong>3. P&auml;dagogische Anspr&uuml;che<\/strong><br>\nMeine Ausf&uuml;hrungen verfolgen nicht die Absicht, die Notwendigkeit zur Reform von Schulen und Hochschulen zu bestreiten. Im Gegenteil: Aspekte wie die Reproduktion sozialer Ungleichheit in Schulen, wie also die soziale Herkunft von Kindern &uuml;ber deren Bildungserfolg mit entscheidet, verlangen nach einem intensiven Diskurs &uuml;ber Strukturen in Schulen, &uuml;ber curriculare und didaktische Fragen ebenso wie &uuml;ber die Lehrerausbildung. Dass also alleine schon vor diesem Missstand Handlungsbedarf besteht, kann nicht in Abrede gestellt werden, wohl aber ist in Zweifel zu ziehen, ob mit dem gegenw&auml;rtig betriebenen Umbau von Schule und Hochschule dem p&auml;dagogischen Ansinnen von Bildung und dem, was diesem Begriff zugeh&ouml;rt, n&auml;her zu kommen ist. <\/p><p>Ich m&ouml;chte mit Verweis auf Georg Simmel darlegen, dass die stattfindenden Reformprozesse schon strukturell an dem vorbei gehen, was Bildung als Idee und als Empirie einschlie&szlig;t.<\/p><p>Ich beginne mit einigen zum Thema hinf&uuml;hrenden Gedanken:<\/p><p>F&uuml;r Simmel ist der Mensch &bdquo;in seinem ganzen Wesen und allen &Auml;u&szlig;erungen dadurch bestimmt, da&szlig; er in Wechselwirkung mit anderen Menschen lebt&rdquo; (1992: 15). SIMMELS zentraler Ausgangspunkt f&uuml;r seine &Uuml;berlegungen ist der Begriff der Wechselwirkung. Jede Wirklichkeit, so Simmel, ist eine Wechselwirkung zwischen den Relata dieser Wirklichkeit. Auch die Gesellschaft ist das Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen den Akteuren, weshalb er an dieser Stelle auch konsequent von Vergesellschaftung spricht. Der Begriff der Wechselwirkung enth&auml;lt das Prinzip der Synchronie, der Gleichzeitigkeit, d.h. das Verh&auml;ltnis von Subjekt und Objekt kann weder als Kausalbeziehung noch als eine Dingbeziehung dargestellt werden. Es ist relational und es ist die Darstellung von Subjekt und Objekt, d.h. ihre Bestimmung ist nur im Gedanken ihres Zusammenhangs, der Einheit von Gegenstand und Bedeutung darlegbar: <\/p><p>&bdquo;Die zeitgeschichtliche Aufl&ouml;sung alles Substantiellen, Absoluten, Ewigen in den Fluss der Dinge, in die historische Wandelbarkeit, in die nur psychologische Wirklichkeit scheint mir nur dann vor einem haltlosen Subjektivismus und Skeptizismus gesichert, wenn man an die Stelle jener substantiell festen Werte die lebendige Wechselwirkung von Elementen setzt, welche der gleichen Aufl&ouml;sung ins Unendliche hin unterliegen&ldquo; (Simmel, zitiert nach Rammstedt, 1994: 19).<\/p><p>Die korrelative Grundstruktur, wie sie Simmel hier grundlegt, hei&szlig;t also, dass Wirklichkeit  nicht evident gegeben, sondern funktional erzeugt ist. Der Erkenntnisgegenstand ist immer ein dem Denken &bdquo;aufgegebener&ldquo; als Funktion der den Gegenst&auml;nden immanenten Sinnstruktur. Man kann den Sachverhalt auch damit ausdr&uuml;cken, dass die Relation den Relata vorausgeht. Dergestalt geht es hier nicht um das Einzelph&auml;nomen in seiner empirischen Qualit&auml;t, sondern um den korrelativen Zusammenhang, dessen Ausdruck der Gegenstand ist.<\/p><p>Was hei&szlig;t dies nun f&uuml;r die Bestimmung von Bildung?<\/p><p>Es  kann nur hei&szlig;en, dass sich ein Bildungsideal weder allein am Subjekt als normativer Theorieentwurf (so sollst du sein) noch allein am Objekt als sachorientierter Theorieentwurf (das musst du wissen) bestimmt. In beiden Bildungsentw&uuml;rfen bleibt der korrelative Zusammenhang ausgeblendet, weil nur an den Relata &ndash; entweder am Subjekt oder aber am Objekt &ndash; nicht aber am Relationsgeflecht von Gegenstandserkenntnis und Selbsterleben, d.h. am Prinzip des Wechselverh&auml;ltnisses angesetzt wird. <\/p><p>Darin liegt nun genau die Brisanz von Bildung, dass sie n&auml;mlich bilden muss f&uuml;r das Wechselverh&auml;ltnis, f&uuml;r den Zusammenhang des Einzelnen zum Anderen, des Einzelnen zum Gegenstand und des Einzelnen zur (Welt-)Gesellschaft. Bildung ist in dieser Grundlegung ein Spannungsbegriff, der den Menschen begreift als ein sich selbst bildendes und gebildet werdendes Wesen. Der Mensch steht inmitten der Wechselwirkung von Freiheit und Bindung, von Selbst-Bestimmung und Bestimmt-Sein, von Ich und Anderen und Bildung muss diese Doppelstellung des Menschen in sich aufnehmen, weil es ihr um den ganzen Menschen geht. Denn Bildung ist &ndash; wie Simmel formuliert &ndash; &bdquo;weder das blo&szlig;e Haben von Wissensinhalten, noch das blo&szlig;e Sein als eine inhaltslose Verfassung der Seele&ldquo; (Simmel, 1999: 85). Wie es Schmied-Kowarzik und Benner formulieren ist aber nur in einer konsequenten philosophischen Grundlegung der P&auml;dagogik verb&uuml;rgt, dass P&auml;dagogik weder einer rein empirischen noch einer normativen Indienstnahme zum Opfer f&auml;llt.<\/p><p>&bdquo;Die P&auml;dagogik als Wissenschaft bedarf der erziehungsphilosophischen Grundlegung, da sie nur von den transzendentalen Voraussetzungen her Klarheit dar&uuml;ber gewinnt, was von ihr geleistet werden kann und mu&szlig;. Versuchte sie n&auml;mlich ohne jede philosophische Selbstbesinnung auszukommen, sie w&auml;re st&auml;ndig der Gefahr ausgesetzt, sich entweder als sogenannte &acute;empirische P&auml;dagogik` wider ihre Bestimmung auf ein Kennen der blo&szlig;en Faktizit&auml;t vergangener Erziehung zu beschr&auml;nken oder aber unkritisch gesellschaftlichen, kirchlichen, staatlichen etc. Wertvorstellungen einfach anzuschlie&szlig;en&ldquo; (Schmied-Kowarzik\/Benner, 1969: 251). <\/p><p>Die Aufk&uuml;ndigung der Zusammengeh&ouml;rigkeit von Philosophie und P&auml;dagogik zugunsten eines B&uuml;ndnisses mit der &Ouml;konomie hat nicht nur dazu gef&uuml;hrt, dass Begriffe ausgetauscht wurden &ndash; Bildung gegen Lernen, Bildungssubjekt gegen Humankapital, Universit&auml;t gegen &bdquo;unternehmerische Hochschule&ldquo; &ndash; es hat auch zu einer Verwarenf&ouml;rmigung von Bildung und damit auch vom Bildungssubjekt gef&uuml;hrt. <\/p><p>Die Verwarenf&ouml;rmigung von Bildung, die Orientierung auf Output als messbare Leistungsgr&ouml;&szlig;e und die Insistierung auf Anpassungsleistung haben keinerlei Kompatibilit&auml;t mit einem Bildungsbegriff, der, wie im Neukantianismus korrelativ  zu denken ist. Bildung als kontinuierte Abbildung von Geltungsanspr&uuml;chen in die Zeit (vgl. H&ouml;nigswald, 1927) hei&szlig;t, die Performanz von Bildungsprozessen zu bejahen. Dies ist nicht der Preis, den Bildung bezahlen muss, sondern Anlass Bildung zu betreiben. Anlass deshalb, weil p&auml;dagogisches Handeln, p&auml;dagogische Intention nun mal nicht im Ausgang garantiert werden kann. <\/p><p>In der Doppelstellung von &bdquo;Vergesellschaftet-Sein&ldquo; und &bdquo;Nicht-Vergesellschaftet-Sein&ldquo;, von &bdquo;Befa&szlig;t-Sein&ldquo; und &bdquo;F&uuml;rsich-Sein&ldquo;, wie dies bei Simmel angelegt ist, ist die Form &bdquo;Mensch&ldquo; die Kopr&auml;senz von Individualit&auml;t und Sozialit&auml;t. In dieser Subjektstruktur kann Bildung nur als ein offener, d.h. zwar planbarer aber eben nicht garantierbarer Prozess arrangiert werden. Wir haben uns in der Gestaltung und Planung von Bildungsprozessen immer einzustellen auf den nicht vergesellschafteten Teil, weil es in der Bildung nun mal um den ganzen Menschen geht. Anpassungsqualifizierung und die mit ihr ins Spiel gebrachten normierten Leistungsparameter erheben nur Anspruch auf das &bdquo;Vergesellschaftet-Sein&ldquo;, das &bdquo;Befa&szlig;tsein&ldquo; als Ausdruck der Individualit&auml;t ist darin eher eine St&ouml;rgr&ouml;&szlig;e, es ist strukturell nicht zu bearbeiten. <\/p><p>Solange die &Ouml;konomie zu formulieren vermag, was der Einzelne zu leisten hat, um gesellschaftlich teilhaben zu k&ouml;nnen, was er erbringen muss, um als &bdquo;gebildet&ldquo; zu gelten und was er lernen muss, um in dieser Welt zu bestehen, ist die Indienstnahme der P&auml;dagogik kaum mehr als das Instrument zur Erf&uuml;llung des &ouml;konomisch Geforderten und sie wird sich daraus wohl nur mit Berufung auf ihre bildungsphilosophischen Grundlagen befreien k&ouml;nnen. Dies w&auml;re keine R&uuml;ckbesinnung, sondern Besinnung, die auf Zukunft gerichtet ist. Also im heutigen bildungspolitischen Sprachgebrauch h&ouml;chst innovativ.<\/p><div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p class=\"reference\">\n<\/p><p>Literatur<br>\nBell, Daniel (1973): The Coming of Post-Industrial Society. A Venture in Social Forecasting, New York: Basic Books.<\/p><p>BLK, 2004: Strategie f&uuml;r Lebenslanges Lernen in  der Bundesrepublik Deutschland. <\/p><p>Br&ouml;ckling, Ulrich, 2000: Totale Mobilmachung. Menschenf&uuml;hrung im Qualit&auml;ts- und Selbstmanagement. In: Br&ouml;ckling, U.\/ S. Krasmann\/ T. Lemke (Hrsg.): Gouvernementalit&auml;t der Gegenwart, S. 131-167.<\/p><p>Bultmann, Torsten\/ Oliver Schoeller (2003): Die Zukunft des Bildungssystems: Lernen auf Abruf &ndash; eigenverantwortlich und lebensl&auml;nglich! Oder: die langfristige Entwicklung und politische Implementierung eines postindustriellen Bildungsparadigmas. 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[PDF &ndash; 68 KB]<\/a>.<\/p><p>Mankiw, Nicholas Gregory, 2004: Grundz&uuml;ge der Volkswirtschaftslehre. <\/p><p>Rammstedt, Otthein, 1994: Geld und Gesellschaft in der &bdquo;Philosophie des Geldes&ldquo;. In: Hans Christian Binswanger\/ Flotow, Paschen von (Hrsg.): Geld und Wachstum &ndash; Zur Philosophie und Praxis des Geldes. Weitbrecht, Stuttgart, Wien. <\/p><p>Ruhloff, J&ouml;rg, 2006: Die Universit&auml;t ist kein Wirtschaftsbetrieb. In: Frost, U. (Hrsg.): Unternehmen Bildung. Paderborn, S. 31-37.<\/p><p>Schirlbauer, Alfred, 2007: &bdquo;&hellip;An Bildung festhalten, nachdem die Gesellschaft ihr die Basis entzog&hellip;&ldquo; In: Hartwich, D.\/ C. Swertz\/ M. Witsch (Hrsg.): Mit Spieler. &Uuml;berlegungen zu nachmodernen Sprachspielen in der P&auml;dagogik, W&uuml;rzburg, S. 203-212.<\/p><p>Schmied-Kowarzik, Wolfdietrich\/ Dietrich Benner (Hrsg.), 1969: Prolegomena zur Grundlegung der P&auml;dagogik II. Die P&auml;dagogik der fr&uuml;hen Fichteaner und H&ouml;nigswald. Wuppertal.<\/p><p>Simmel, Georg, 1992: Soziologie: Untersuchungen &uuml;ber die Formen der Vergesellschaftung. Gesamtausgabe Band 11. Frankfurt a.M.<\/p><p>Simmel, Georg, 1999: Schulp&auml;dagogik. Vorlesungen, gehalten im Wintersemester 1915\/16 an der Universit&auml;t Stra&szlig;burg. Neu herausgegeben, eingeleitet und mit Anmerkungen versehen von Klaus Rodax. Konstanz.<\/p><p>Stehr, Nico (1994): Arbeit, Eigentum und Wissen. Zur Theorie von Wissensgesellschaften, Frankfurt\/M.: Suhrkamp<\/p><p>Tenorth, Heinz-Elmar: 2005: Milchm&auml;dchenrechnung. In &bdquo;Die Zeit&ldquo; vom 06.10.2005 (Nr. 41).<\/p><div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p class=\"reference\">\n<\/p><p><em><strong>Anmerkung Wolfgang Lieb:<\/strong> Man muss den neuhumanistischen Bildungsbegriff der Autorin nicht teilen. Unbestreitbar ist, dass Qualit&auml;t von Bildung ohne eine philosophische oder p&auml;dagogische Debatte auf die Messung von quantifizierbaren Werten und auf die N&uuml;tzlichkeit f&uuml;r &ouml;konomische Verwertungszusammenh&auml;nge reduziert wurde. Messung von Gelerntem und Evaluation im Sinne von Effizienzmessung sind zu den vorherrschenden Qualit&auml;tskriterien geworden.<br>\nWir verstehen diesen Beitrag als einen Ansto&szlig; den Diskurs &uuml;ber Ziele und Werte von Bildung wieder aufzunehmen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die &bdquo;Wissensgesellschaft&ldquo; ist heutzutage in aller Munde. Im Vergleich zu fr&uuml;heren Begriffen wie Industrie- oder Dienstleistungsgesellschaft soll der Begriff der Wissensgesellschaft eine strukturelle Verschiebung in Bezug auf die Wertigkeit von Ressourcen beschreiben: Nicht mehr Rohstoffe, Arbeit und Kapital stehen danach an erster Stelle, sondern Wissen. 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