{"id":3037,"date":"2008-03-04T09:12:30","date_gmt":"2008-03-04T08:12:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3037"},"modified":"2015-11-26T17:05:37","modified_gmt":"2015-11-26T16:05:37","slug":"wes-geistes-kind-finanzminister-steinbrueck-ist-offenbaren-seine-beteiligungsberichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3037","title":{"rendered":"Wes Geistes Kind Finanzminister Steinbr\u00fcck ist, offenbaren seine \u201eBeteiligungsberichte\u201c: hinterw\u00e4ldlerisch neoliberal."},"content":{"rendered":"<p>Die Schlacht gegen die minimale &Ouml;ffnung der SPD nach links wird wesentlich vom stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Steinbr&uuml;ck angef&uuml;hrt. Zur Einordnung dieses Mannes passt ganz gut, worauf uns ein Leser der NachDenkSeiten hinweist: Die Beteiligungsberichte des Bundesfinanzministeriums jeweils mit Vorwort einschlie&szlig;lich Foto des Bundesfinanzministers h&ouml;chstpers&ouml;nlich. Die Texte zeugen von dogmatischer Bef&uuml;rwortung der Privatisierungen, und auch davon, dass unser Bundesfinanzminister keineswegs auf der H&ouml;he der Zeit ist. Von gescheiterten und teuren Privatisierungen im eigenen Land und anderen L&auml;ndern hat er offensichtlich noch nichts geh&ouml;rt. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nHier zun&auml;chst die <strong>informative Mail des NachDenkSeiten-Lesers<\/strong> und dann einige weitere Gedanken zum Thema:<\/p><p>&bdquo;Ein paar Einblicke zum Thema &bdquo;Verscherbelung von &ouml;ffentlichem Eigentum&ldquo;<br>\nbieten die Beteiligungsberichte des Bundesfinanzministeriums.<br>\n<a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/nn_53848\/DE\/BMF__Startseite\/Service\/Downloads\/Abt__VIII\/Beteiligungsbericht_202007_20kle,property=publicationFile.pdf\">Hier [PDF &ndash; 1,6 MB]<\/a> 2007.  (<a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/nn_53848\/DE\/BMF__Startseite\/Service\/Downloads\/Abt__VIII\/Beteiligungsbericht_202006,property=publicationFile.pdf\">2006 [PDF &ndash; 1,3 MB]<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.publicgovernance.de\/pdf\/BMF_Beteiligungsbericht_2005.pdf\">2005 [PDF &ndash; 1,2 MB]<\/a>) <\/p><p><strong>1.<\/strong> Von Seite 9 bis 16 des Berichtes von 2007 gibt es einen <strong>&Uuml;berblick &uuml;ber die Privatisierungen<\/strong> seit 1999 des Bundes. <\/p><p>Eine Auflistung, allerdings ohne Geldbetr&auml;ge, f&uuml;r den Bund seit Gr&uuml;ndung der BRD findet sich auch <a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/nn_53848\/DE\/BMF__Startseite\/Service\/Downloads\/Abt__VIII\/Privatisierung_2006_20kle07,property=publicationFile.pdf\">hier [PDF &ndash; 92 KB]<\/a>.<\/p><p>Es f&auml;llt auf, dass Privatisierungen von 1965 bis 1984 nicht stattfanden. Danach geht&rsquo;s dann richtig los. Paradigmenwechsel nennt man so etwas. Es mag ja richtig sein, dass Teilprivatisierungen richtig sein k&ouml;nnen, aber beispielsweise sind bei der Telekom und der Post diese bis heute ununterbrochen von Personal- und Kostenabbau begleitet, der &uuml;ber ein eventuell notwendiges Ma&szlig; hinausgeht (Chaos in beiden volkwirtschaftlichen Sektoren ist deutlich zu beobachten). Nun die n&uuml;chterne Frage:<\/p><p>Wieso sollte es bei der Bahn anders sein, die ja nach Telekom und Post die letzte gro&szlig;e Beteiligung des Bundes darstellt? Dar&uuml;ber lohnt es sich nachzudenken.<\/p><p><strong>2.<\/strong> Zur <strong>Bahnprivatisierung<\/strong> findet sich auf Seite 5 folgendes: <\/p><p>&bdquo;F&uuml;r die Deutsche Bahn AG ist die politische Entscheidung gefallen, noch in dieser Legislaturperiode private Investoren an dem Unternehmen zu beteiligen. Aus der Sicht des Bundesfinanzministers steht dabei eindeutig im Vordergrund, die Wachstumsperspektive und den erfolgreichen Kurs des Unternehmens fortzusetzen. Parallel dazu sollen gleicherma&szlig;en mittel bis langfristig die laufenden Belastungen des Bundeshaushalts zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden und der Zuschussbedarf f&uuml;r Ausbau und Unterhalt der Infrastruktur sinken.&ldquo; <\/p><p>Im Klartext: Steinbr&uuml;ck will weniger f&uuml;r die Schiene ausgeben (wer braucht die schon?) und die Deutsche Bahn soll sich auch nicht darum k&uuml;mmern, sondern weltweit wachsen im Sinne von Mehdorns &uuml;berdrehter Global-Player-Utopie. Deswegen wird privatisiert und wegen nichts anderem.  <\/p><p><strong>3.<\/strong> Fragw&uuml;rdige Erkenntnisse verschaffen die jeweiligen <strong>Vorw&ouml;rter<\/strong> zu den Berichten von <strong>SPD-Vize Steinbr&uuml;ck<\/strong> h&ouml;chstpers&ouml;nlich. <\/p><p> &bdquo;Der weltweite Trend zur Finanzierung vormals staatlicher Infrastrukturen &ndash; etwa in den Bereichen Flugh&auml;fen, Autobahnen, Seeh&auml;fen bis hin zum Eisenbahnsektor &ndash; durch privates Kapital setzt neue Akzente zur Wiederherstellung der finanziellen Handlungsf&auml;higkeit des Staates als oberstes Ziel der Finanzpolitik.&ldquo; <\/p><p>&ldquo;Vor diesem Hintergrund bleibt der &bdquo;Reformansatz Privatisierung&ldquo; der Bundesregierung im Unternehmensbereich des Bundes die richtige Antwort auf die fortschreitende &Auml;nderung nationaler und internationaler &ouml;konomischer Rahmenbedingungen. Privatisierung ist ein wirksamer Beitrag zur Modernisierung und Entb&uuml;rokratisierung unseres Staatswesens und damit auch zur finanzwirtschaftlichen St&auml;rkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland durch Konzentration des Staates auf seine Kernaufgaben&ldquo;.<\/p><p>Der Fokus von Steinbr&uuml;ck liegt durchgehend darauf, Beteiligungen des Bundes zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, also zu privatisieren und nicht etwa darauf, mit den Beteiligungen vielleicht etwas sinnvolles anzufangen. Begr&uuml;ndet wird dies mit dem gebetsm&uuml;hlenartig vorgetragenen Ziel,  die &ouml;ffentlichen Finanzen zu konsolidieren, (wegen der Globalisierung, Demografie etc. usw. &hellip;.) H&ouml;here Steuern f&uuml;r die Superreichen oder auf spekulative Finanzgesch&auml;fte scheinen dabei kein infrage kommendes Mittel zu sein.  <\/p><p>Allerdings: Im Gegensatz zu 2005 und 2006 wird Steinbr&uuml;ck 2007 im Text noch ziemlich pampig und spricht von &bdquo;&uuml;berholten und nicht mehr zeitgem&auml;&szlig;en&ldquo; sowie &bdquo;veralteten Strukturen&ldquo;, denen er auch noch die Schuld an &bdquo;vordergr&uuml;ndig negative Auswirkungen dieser Reformprozesse&ldquo; gibt (Logik?) und von einer &bdquo;unzureichend wahrgenomme[n] Erfolgsstory&ldquo; der Privatisierungen. Offenbar hat sich der &ouml;ffentliche Wind doch etwas gedreht und weht den unter Schr&ouml;der so erfolgsverw&ouml;hnten Privatisierungsanf&uuml;hrern etwas entgegen.&ldquo;<\/p><p>Danke f&uuml;r diese Einf&uuml;hrung und Kommentierung.<br>\n<strong>Und hier einige erg&auml;nzende Anmerkungen:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Es lohnt sich, den Beteiligungsbericht zum Beispiel von 2007 durchzubl&auml;ttern. Man erkennt am &Uuml;berblick &uuml;ber die Privatisierungen seit 1999, was da alles verscherbelt worden ist.<\/li>\n<li>Der Bundesfinanzminister betet dogmatisch das Element &bdquo;Privatisierung&ldquo; des Washington Consensus nach, ohne &uuml;berhaupt wahrzunehmen, dass weder f&uuml;r das eigene Land noch f&uuml;r viele andere L&auml;nder gilt, was er als erfolgreich darzustellen versucht: er hat nicht einmal gemerkt, dass der von ihm ger&uuml;gte Abschied von monopolistischen Strukturen zum Beispiel in der Energiewirtschaft zugleich der Beginn von privaten Monopolen war und ist. Er hat auch nicht wahrgenommen, dass zum Beispiel in einigen L&auml;ndern S&uuml;damerikas die dortigen V&ouml;lker und Regierungen gemerkt haben, was ihnen die von IMF, Weltbank und anderen Organisationen empfohlenen Privatisierungen eingebrockt haben. Von einem &bdquo;weltweiten Trend&ldquo; hin zur Privatisierung kann man nicht sprechen. Der Bundesfinanzminister hat auch noch nichts davon geh&ouml;rt, welches Desaster die Privatisierung der Eisenbahn in Gro&szlig;britannien angerichtet hat und dass in London die teilprivatisierte U-Bahn wieder in &ouml;ffentliche Verantwortung &uuml;bernommen werden muss, weil ein privater Betreiber Insolvenz anmeldete. &ndash; So viel Ahnungslosigkeit an oberster Stelle ist eigentlich nicht die Privatsache von Peer Steinbr&uuml;ck. Hier wird &ouml;ffentliches Eigentum verscherbelt von jemandem, der offensichtlich nicht auf der H&ouml;he der Zeit ist. Oder er hat andere Gr&uuml;nde. Siehe unten.<\/li>\n<li>Steinbr&uuml;ck besch&ouml;nigt mit seinem Vorwort (2007) auch die unmittelbaren eigenen Erfahrungen des Bundes: Von einem Erfolg kann man zum Beispiel weder bei der Privatisierung von Tank und Rast noch bei jener der Bundesdruckerei sprechen.<\/li>\n<p><em>Siehe dazu<\/em><\/p>\n<p><strong>auch einen gerade heute erschienenen Beitrag von Werner R&uuml;gemer in der &bdquo;jungen Welt&ldquo;:<\/strong> &bdquo;Privat in die Pleite. Weltweit zeigt sich, da&szlig; der Ausverkauf &ouml;ffentlichen Eigentums jene Probleme schafft, die er zu bek&auml;mpfen vorgibt. Inzwischen wird vielerorts zur&uuml;ckgerudert &ndash; selbst im neoliberalen Musterland Neuseeland&ldquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2008\/03-04\/023.php?print=1\">Jungewelt<\/a><\/p>\n<li>Interessant fand ich auch noch folgende Einlassung des Bundesfinanzministers in seinem Vorwort zum Bericht von 2007:<br>\n&bdquo;Wir werden diese von der breiten &Ouml;ffentlichkeit leider nur unzureichend wahrgenommene Erfolgsstory &ndash; immerhin stammen etwa 26% des kapitalgewichteten DAX 30 aus der Hand des Bundes &ndash; weiterhin mit Augenma&szlig; und Ausgewogenheit beschreiben.&ldquo;\n<p>Diesen Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Zun&auml;chst taucht das Trauma der Modernisierer auf: Sie werden missverstanden, eigentlich meinen sie es gut, eigentlich haben sie Erfolg. So meinen sie. Das Volk merkt es nur nicht. &ndash; Im konkreten Fall versucht der Bundesfinanzminister den Erfolg dadurch zu beschreiben, dass er auf den Anteil hinweist, die die verscherbelten Bundesunternehmen beim DAX 30 inzwischen haben. Kann man einen solchen Bl&ouml;dsinn wirklich glauben? Ist dieser Mann so ahnungslos beziehungsweise so bar jeder Werteorientierung, dass in seinen Augen eine solche Ma&szlig;zahl (Anteil am DAX 30) &uuml;berhaupt eine Bedeutung hat und noch dazu eine positive?<\/p><\/li>\n<li>Ins gleiche Bild passt: Offenbar verdr&auml;ngt der Bundesfinanzminister, dass eine Verm&ouml;gensbilanz zwei Seiten hat und dass deshalb dann, wenn man durch Privatisierung auf der einen Seite, auf der rechten Seite, Schulden abbaut, das dann auf der anderen Seite die Liste der Verm&ouml;gens-Positionen auch schrumpft. Wenn man umfassend zu denken vermag, dann kann man die Reduzierung von Schulden durch Privatisierung nicht r&uuml;hmen, ohne zu beachten, dass man zugleich Verm&ouml;gen abgesto&szlig;en hat.\n<p>Dem Bundesfinanzminister w&auml;re zu empfehlen, sich in die Rolle eines Familienvaters zu versetzen. Wenn dieser n&auml;mlich vor seine jugendlichen Kinder und seine Ehefrau treten w&uuml;rde und sich r&uuml;hmte, gerade das Reihenhaus, in dem die Familie wohnt, verkauft zu haben, um Schulden abzubauen, dann w&uuml;rden ihn diese verwundert anschauen. Sie w&uuml;rden ihn fragen, ob er denn nicht beachtet habe,<\/p>\n<ul>\n<li>dass sie dann Miete zahlen m&uuml;ssen und dass diese Miete h&ouml;her liegen kann als die Schuldzinsen auf die Schulden,<\/li>\n<li>und dass m&ouml;glicherweise der Vermieter ihnen k&uuml;nftig Vorschriften &uuml;ber die Nutzung des Hauses macht, und so ihr Lebensgef&uuml;hl beeintr&auml;chtigt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine &auml;hnliche Debatte wird &ndash; &uuml;bertragen auf Bundesverm&ouml;gen &ndash; bei uns zum Beispiel im Blick auf die Bundesdruckerei schon gef&uuml;hrt. Die eigene Verf&uuml;gungsgewalt war aus vielerlei Sicherheitsgr&uuml;nden gar nicht so schlecht, meinen inzwischen sogar Politiker-Kollegen des Herrn Bundesfinanzministers.<\/p><\/li>\n<li>Bei n&uuml;chterner Betrachtung ist der Verkauf von Bundesverm&ouml;gen mit dem Ziel, damit die Schulden zu reduzieren, auch kein Beitrag zur Generationsgerechtigkeit. Das wird immer nur behauptet. Und diese Behauptungen Gr&uuml;nden auf der Missachtung der oben skizzierten Tatsache, dass mit jeder Privatisierung nicht nur Schulden sondern auch Bundesverm&ouml;gen abgebaut wird.<\/li>\n<li>Wenn der stellvertretende Vorsitzende der SPD Steinbr&uuml;ck Texte schreiben l&auml;sst wie jene &uuml;ber die Privatisierung der Bahn, dann erschlie&szlig;t sich uns auch der Hintergrund des gerade laufenden Versuchs, die Teil-Privatisierung ohne R&uuml;cksicht auf den Willen der Mehrheit des Volkes und ohne R&uuml;cksicht auf die erkennbare Stimmung in seiner Partei durchzusetzen. Der Bundesfinanzminister ist von seinem Dogma beseelt, oder es gibt Interessenverflechtungen, die den Hintergrund der Privatisierungsaktivit&auml;ten darstellen. <\/li>\n<li>Damit bin ich bei einer auf den NachDenkSeiten schon des &Ouml;fteren wiederholten Feststellung: Viele Privatisierungen, vermutlich die meisten Privatisierungen &ouml;ffentlichen Eigentums, kann man nicht erkl&auml;ren, wenn man fragt, ob die Produktion eines Gutes oder einer Dienstleistung besser &ouml;ffentlich oder privat erstellt wird. Man muss fragen: Wer verdient daran? (Siehe dazu auch die Kapitel 2 und 10 im NachDenkSeiten-Buch &bdquo;Das Kritische Jahrbuch&ldquo;).\n<p>&bdquo;Dumm, arglos oder politisch korrupt?&ldquo; Das ist auch nach Lekt&uuml;re dieser Beteiligungsberichte die richtige Frage. Eine andere Alternative gibt es nicht.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schlacht gegen die minimale &Ouml;ffnung der SPD nach links wird wesentlich vom stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Steinbr&uuml;ck angef&uuml;hrt. Zur Einordnung dieses Mannes passt ganz gut, worauf uns ein Leser der NachDenkSeiten hinweist: Die Beteiligungsberichte des Bundesfinanzministeriums jeweils mit Vorwort einschlie&szlig;lich Foto des Bundesfinanzministers h&ouml;chstpers&ouml;nlich. 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