{"id":30389,"date":"2016-01-20T12:20:12","date_gmt":"2016-01-20T11:20:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30389"},"modified":"2016-01-22T08:38:08","modified_gmt":"2016-01-22T07:38:08","slug":"der-fluch-des-billigen-oels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30389","title":{"rendered":"Der Fluch des billigen \u00d6ls"},"content":{"rendered":"<p>Der Preis f&uuml;r Roh&ouml;l ist seit Mitte 2014 um mehr als 75 Prozent eingebrochen. Die Internationale Energieagentur IEA spricht bereits davon, dass die Welt in billigem &Ouml;l ertrinke und sieht auch f&uuml;r das kommende Jahr keine Trendwende. In der Tat klaffen momentan Angebot und Nachfrage auseinander. Geopolitisch bedeutet diese &Ouml;lschwemme jedoch gro&szlig;e Risiken. Einstweilen k&ouml;nnen sich vor allem die USA und China freuen, w&auml;hrend die gro&szlig;en &Ouml;lexporteure vor unl&ouml;sbaren Problemen stehen, die im schlimmsten Falle zu Chaos und Kriegen f&uuml;hren k&ouml;nnten. Die Lage ist ernst aber nicht aussichtslos, da der Preis gem&auml;&szlig; den Regeln der &Ouml;konomie ja auch irgendwann mal wieder steigen wird.  Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_274\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-30389-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160120_Der_Fluch_des_billigen_Oels_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160120_Der_Fluch_des_billigen_Oels_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160120_Der_Fluch_des_billigen_Oels_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160120_Der_Fluch_des_billigen_Oels_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=30389-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160120_Der_Fluch_des_billigen_Oels_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160120_Der_Fluch_des_billigen_Oels_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160120_01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160120_01_small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Wenn es einer Erkl&auml;rung f&uuml;r den rapiden Verfall des &Ouml;lpreises bedarf, dann liefert ihn die IEA in ihrem aktuellen <a href=\"http:\/\/www.iea.org\/newsroomandevents\/news\/2016\/january\/iea-releases-oil-market-report-for-january.html\">Marktbericht<\/a>: Demnach ist die Nachfrage f&uuml;r &Ouml;l im dritten Quartal 2015 um durchschnittlich 2,1 Millionen Barrel und im vierten Quartal um 1,0 Millionen Barrel pro Tag gegen&uuml;ber dem Vorjahr gestiegen. Das Angebot ist jedoch im letzten Jahr um 2,6 Millionen Barrel pro Tag angewachsen. Angebot und Nachfrage klaffen also immer weiter auseinander. Der &ouml;konomischen Logik zufolge m&uuml;ssen dann auch die Preise sinken und genau dies ist momentan zu beobachten. W&auml;hrend auf der Nachfrageseite f&uuml;r die mittlere Zukunft keine plausiblen &Auml;nderungen am Markt zu erwarten sind, wird der Wegfall der Iran-Sanktionen die Angebotsseite noch weiter ansteigen lassen. Im jetzigen Quartal will Iran seinen &Ouml;lexport um 0,5 Millionen Barrel pro Tag steigern; mittelfristig sollen es sogar 1,0 Millionen Barrel pro Tag werden. Wen wundert es da, dass selbst seri&ouml;se Analysten bereits einen &Ouml;lpreis von unter 20 US$ pro Barrel prognostizieren.<\/p><p><strong>Wer ist verantwortlich f&uuml;r den Preisverfall?<\/strong><\/p><p>Sowohl in den Finanzzeitungen als auch im Internet kursieren zahlreiche Ger&uuml;chte, wer denn nun die Verantwortung f&uuml;r den Preisverfall tr&auml;gt. Ganz oben auf der Liste der Verd&auml;chtigen rangiert dabei Saudi-Arabien, das angeblich durch niedrige &Ouml;lpreise die Fracking-Konkurrenz in den USA vernichten will. Doch diese Erkl&auml;rung greift bei n&auml;herer Betrachtung nicht. Saudi-Arabien ist als der einzige Swing-Produzent der OPEC bekannt &ndash; also das einzige Land, dass seine F&ouml;rderung bei Bedarf nicht nur nach unten, sondern auch nach oben anpassen kann. Die Experten sind sich uneins dar&uuml;ber, ob das wirklich stimmt. Fest steht jedoch, das Saudi-Arabien seit Jahren die F&ouml;rderh&auml;hne ganz weit offen hat, also nicht f&uuml;r die Ausweitung des Angebots verantwortlich sein kann. Hauptverantwortlich ist vielmehr das vermeintliche &bdquo;Opfer&ldquo; der Saudis &ndash; die amerikanischen Fracker. In den letzten zehn Jahren hat sich die US-&Ouml;lf&ouml;rderungen vor allem aufgrund der Schiefer&ouml;lf&ouml;rderung von rund 5 Millionen Barrel pro Tag auf heute rund 9 Millionen Barrel pro Tag fast <a href=\"https:\/\/www.eia.gov\/dnav\/pet\/PET_SUM_SNDW_A_EPC0_FPF_MBBLPD_W.htm\">verdoppelt<\/a>.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160120_02.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160120_02_small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Diese Menge ist es dann auch, die ma&szlig;geblich f&uuml;r den sinkenden &Ouml;lpreis an den Weltm&auml;rkten verantwortlich ist. Die Steigerung der F&ouml;rderung von &bdquo;alternativen&ldquo; &Ouml;lquellen steht in den USA schon seit Jahrzehnten ziemlich weit oben auf der Liste der  wirtschaftspolitischen Priorit&auml;ten. Besonders George W. Bush erkl&auml;rte die Steigerung der heimischen F&ouml;rderung und damit die Verringerung der Abh&auml;ngigkeit von &Ouml;limporten zur Chefsache und gab milliardenschwere F&ouml;rdermittel frei. Es scheint, als habe Bush mit diesem Projekt Erfolg gehabt. In den letzten zehn Jahren gingen die Netto-&Ouml;l-Importe der USA von rund 13 Millionen Barrel pro Tag auf heute rund 5 Millionen Barrel pro Tag zur&uuml;ck. Und dieser massive R&uuml;ckgang auf der Nachfrageseite hat nat&uuml;rlich massive Auswirkungen auf den globalen Markt und damit den &Ouml;lpreis.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160120_03b.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160120_03b_small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p><strong>Wem schadet ein niedriger &Ouml;lpreis?<\/strong><\/p><p>Einige erd&ouml;lexportierende L&auml;nder haben ihre gesamte Volkswirtschaft auf die Erl&ouml;se aus der &Ouml;lf&ouml;rderung aufgebaut.  Dies betrifft vor allem den bis vor kurzem unter den Sanktionen leidenden Iran, aber auch Staaten wie Venezuela, Algerien, Nigeria, Ecuador, Libyen, Irak oder Angola, die nicht unbedingt f&uuml;r ihre Finanzdisziplin bekannt sind. Alle diese Staaten ben&ouml;tigen einen &Ouml;lpreis von mehr als 90 Dollar pro Barrel, um ihre Ausgaben aus den laufenden Einnahmen decken zu k&ouml;nnen. Dies ist auf absehbare Zeit jedoch nicht m&ouml;glich. Und da nur wenige dieser Staaten in guten Zeiten Reserven gebildet haben und sie auf den Weltfinanzm&auml;rkten nicht unbedingt den Ruf eines seri&ouml;sen Schuldners haben, m&uuml;ssen diese Staaten ihre Ausgaben wohl oder &uuml;bel mittelfristig massiv einschr&auml;nken. Instabilit&auml;t, Unruhe und Chaos sind denkbare Folgen.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160120_04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160120_04_small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Auch vermeintlich finanziell solide Staaten wie Saudi-Arabien, Kuwait, die Emirate oder Katar sind durch einen dauerhaft niedrigen &Ouml;lpreis bedroht. Der Vorteil dieser L&auml;nder ist es jedoch, dass sie die letzten Jahre dazu genutzt haben, Reserven zu bilden und die eigene Wirtschaft zu diversifizieren. Dennoch h&auml;ngen sie immer noch am &Ouml;lverkauf wie ein Junkie an der Nadel. Der gr&ouml;&szlig;te &Ouml;lexporteur der Welt ist Saudi-Arabien und selbst die Saudis haben beim momentanen &Ouml;lpreis nur noch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29894\">f&uuml;nf Jahre Zeit<\/a>, bevor die Finanzreserven ersch&ouml;pft sind. Das Land f&auml;hrt momentan ein Defizit von fast 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr ein! F&uuml;r das aktuelle Jahr plant man bereits ein weiteres Defizit in dieser Gr&ouml;&szlig;enordnung, kalkuliert dabei jedoch mit einem &Ouml;lpreis von 45 Dollar pro Barrel &ndash; momentan ist &Ouml;l weniger als 30 Dollar pro Barrel wert. Die Welt, wie wir sie kennen, droht sich aufzul&ouml;sen. Noch regt sich die &Ouml;ffentlichkeit dar&uuml;ber auf, dass Katar 2022 die Fu&szlig;ball-WM ausrichten soll. Warten wir mal ab. Wenn der &Ouml;lpreis weiterhin verf&auml;llt, wird sich zumindest dieses Problem von alleine erledigen. <\/p><p>Ein weiteres Opfer des niedrigen &Ouml;lpreises ist Russland. Je nach Quelle ben&ouml;tigt Moskau einen &Ouml;lpreis von 50 bis 100 Dollar, um seine laufenden Ausgaben zu decken. Auch Russland hat jedoch vorgesorgt und die aktuellen Zahlen weisen eher darauf hin, dass Russland die Probleme zumindest momentan noch recht gut im Griff hat. Seit dem W&auml;hrungsschock im Herbst 2014 sind die offiziellen Devisenreserven des Landes zumindest stabil. Anders <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/international\/36250-olpreis-weiter-niedrig-russland-stellt\/\">sieht es jedoch beim nationalen Reservefonds aus<\/a>, der allem Anschein nach bereits in diesem Jahr aufgebraucht sein wird. Als n&auml;chstes steht dann der &bdquo;nationale Wohlfahrtsfonds&ldquo; zur Disposition. Schenkt man den Zahlen aus Moskau Glauben, kann das Land die Defizite noch rund f&uuml;nf Jahre aus seinen Ersparnissen decken. Danach hei&szlig;t es dann Neuverschuldung, Steuererh&ouml;hungen oder Ausgabenk&uuml;rzungen. Das ist nicht sch&ouml;n, von einem akut drohenden Staatsbankrott, der von einigen westlichen Kommentatoren geradezu herbeigesehnt wird, sind die Russen jedoch noch weit entfernt. Die goldenen Jahre sind jedenfalls erst einmal vorbei.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160120_05.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160120_05_small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Zu den Verlierern des niedrigen &Ouml;lpreises geh&ouml;ren jedoch nicht nur &bdquo;die &uuml;blichen Verd&auml;chtigen&ldquo;. Wenn man sich einmal anschaut, in welchen L&auml;ndern die &Ouml;lf&ouml;rderung am teuersten ist, stehen Gro&szlig;britannien (durchschnittlich 52 US$\/bl) , Brasilien (48,8), Kanada (41), die USA (36,2) und Norwegen (36,1) auf den ersten Pl&auml;tzen. Die Schotten k&ouml;nnen an dieser Stelle &uuml;brigens froh sein, sich im letzten Jahr nicht unabh&auml;ngig erkl&auml;rt zu haben &ndash; mit dem &Ouml;lpreis w&auml;re n&auml;mlich auch ihre Haushaltskalkulation momentan im freien Fall. In keinem dieser L&auml;nder operieren die &Ouml;lkonzerne momentan mit Gewinn. Und sollte der &Ouml;lpreis, wie es die meisten Analysten vorhersagen, mittelfristig auf 20 US$ pro Barrel sinken, k&ouml;nnen &uuml;berhaupt nur noch die Golfstaaten profitabel &Ouml;l f&ouml;rdern. Dies w&uuml;rde gem&auml;&szlig; der aktuellen Zahlen dazu f&uuml;hren, dass auch zahlreiche westliche Staaten (Gro&szlig;britannien, Norwegen) ihre &Ouml;leinnahmen abschreiben k&ouml;nnten und die &ouml;lf&ouml;rdernden Unternehmen reihenweise ihren Betrieb einstellen beziehungsweise gleich in den Konkurs gehen m&uuml;ssten. Genau diese Entwicklung setzt momentan bereits in den USA ein, wo momentan ein &bdquo;Fracker&ldquo; nach dem anderen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/sinkender-oelpreis-der-niedrige-oelpreis-treibtfracker-in-insolvenz-14019508.html\">in die Insolvenz geht<\/a>. Die FED sch&auml;tzt, dass bereits 15 Prozent der Kredite an &Ouml;lfirmen in die Kategorie Subprime und Totalausfall verbucht werden m&uuml;ssen &ndash; Tendenz stark steigend. <\/p><p><strong>Wem nutzt ein niedriger &Ouml;lpreis?<\/strong><\/p><p>Obgleich es prim&auml;res Ziel der US-Politik war, sich von unsicheren Importen aus L&auml;ndern, die den USA nicht immer wohlgesonnen sind, unabh&auml;ngig zu machen, ist der Verfall des &Ouml;lpreises nat&uuml;rlich direkt und indirekt sehr im strategischen Interesse der USA. Auf der einen Seite schw&auml;cht ein niedriger &Ouml;lpreis Staaten wie Iran, Venezuela und Russland &ndash; also Staaten, die die USA als Feinde betrachten. Und auf der anderen Seite st&auml;rkt der Preisverfall die USA im direkten Vergleich mit der EU. Die US-Produktion ist samt ihrer Produkte nun einmal in puncto Energieeffizienz nicht eben Benchmark. Das sind die Europ&auml;er, die seit Jahrzehnten Milliarden und Abermilliarden in Energieeffizienz und alternative Energien investiert haben. Diese Investitionen bringen nat&uuml;rlich aus &ouml;konomischer Sicht nur dann etwas, wenn Energie dauerhaft richtig teuer wird. Der hierzulande von &bdquo;Postmaterialisten&ldquo; bel&auml;chelte bis verachtete American Way of Life k&ouml;nnte sich bei dauerhaft niedrigen Energiepreisen gegen&uuml;ber dem nachhaltigen europ&auml;ischen Weg durchaus als der &ouml;konomisch erfolgreichere erweisen. Dies wird man weder in Br&uuml;ssel noch in Berlin gerne h&ouml;ren. Langfristig nutzt ein niedriger &Ouml;lpreis den USA und schadet der EU. Der Preisverfall ist also vor allem ein Erfolg strategisch durchdachter langfristig angelegter US-Politik. <\/p><p>Doch die USA sind nicht die einzigen Profiteure des Preisverfalls. Weitere Profiteure sind die Schwellenl&auml;nder, f&uuml;r die hohe Energiepreise ein Wachstumshemmnis darstellen. Dies trifft neben den s&uuml;dostasiatischen Wachstumsstaaten vor allem auf China und Indien zu. Dies ist &uuml;brigens einer der Gr&uuml;nde daf&uuml;r, warum man sehr vorsichtig sein sollte, wenn man die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, S&uuml;dafrika) als homogenen Block gegen die USA oder aber die G7 ansieht. Nicht nur in den Punkten Energiesicherheit und Energiepreise haben Staaten wie Brasilien und Russland, die von einem hohen Energiepreis leben, und Staaten wie Indien, China und S&uuml;dafrika, denen ein hoher Energiepreis die Industrialisierung erschwert, grunds&auml;tzlich divergierende Interessen.<\/p><p>Der &bdquo;deutsche Autofahrer&ldquo; z&auml;hlt &uuml;brigens nur in einem sehr &uuml;berschaubaren Ma&szlig;e zu den Gewinnern des Preisverfalls. Der Diesel- und Benzinpreis an der Tanks&auml;ule besteht nun einmal zu einem gro&szlig;en Teil aus Steuern und indirekten Kosten, w&auml;hrend der Einfluss des Roh&ouml;lpreises &uuml;berschaubar ist. Selbst wenn Roh&ouml;l gar nichts kosten w&uuml;rde, l&auml;ge der Dieselpreis noch bei rund 70 Cent und der Benzinpreis bei rund einem Euro pro Liter. Wie sehr deutsche Autofahrer von den niedrigen Preisen profitieren, h&auml;ngt ohnehin vor allem vom pers&ouml;nlichen Fahrverhalten ab. Mehr als Hundert Euro Ersparnis pro Jahr d&uuml;rften jedoch nur die allerwenigsten Autofahrer realisieren k&ouml;nnen. H&ouml;here Ersparnisse k&ouml;nnen da schon Haushalte erzielen, die mit &Ouml;l heizen und die niedrigen Preise nutzen, um den Tank zu f&uuml;llen.<\/p><p><strong>Wie geht es weiter?<\/strong><\/p><p>Der niedrige &Ouml;lpreis produziert mehr Verlierer als Gewinner und birgt unkalkulierbare Risiken. Er ist ungesund niedrig, zumal der Verfall so schnell kam, dass die &ouml;lexportierenden L&auml;nder kaum eine Chance hatten, strukturell auf die niedrigen Preise zu reagieren. Chaos, Zerfall und Kriege k&ouml;nnten eine Folge eines langanhaltenden Preisverfalls sein. Politische L&ouml;sungen sind derweil nicht in Sicht. Wahrscheinlich wird die Krise eher &ouml;konomisch &bdquo;gel&ouml;st&ldquo;. Schlie&szlig;lich ist die &Ouml;lf&ouml;rderung bei derart niedrigen Preisen nur noch am Persischen Golf profitabel. Und dauerhafte Verluste wird kein F&ouml;rderer hinnehmen k&ouml;nnen. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160120_06.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160120_06_small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Mittel- bis langfristig werden also vor allem die Produzenten vom Markt verschwinden, die kapitalistischen Spielregeln gehorchen m&uuml;ssen und die hohe F&ouml;rderkosten aufweisen &ndash; all die Fracker, die &Ouml;lsand- oder Tiefseef&ouml;rderer geh&ouml;ren somit zu den ersten Kandidaten auf der Pleiteliste. Wenn diese F&ouml;rdermengen aus dem Markt verschwunden sind, wird sich auch das Verh&auml;ltnis von Angebot und Nachfrage wieder einpendeln. Im Extremfall schl&auml;gt das Pendel dann sogar auf die andere Seite um, da die Konzerne bei den momentan niedrigen Preisen nat&uuml;rlich Investitionen in neue Explorationsprojekte erst einmal auf Eis gelegt haben. Aber das ist nat&uuml;rlich sehr spekulativ. Genau so spekulativ ist es, an dieser Stelle einen realistischen Zeitrahmen f&uuml;r diese Entwicklungen zu setzen. Nur eins steht fest: Wenn die jetzige Tiefpreisphase l&auml;nger als f&uuml;nf Jahre dauert, bekommen mit Saudi-Arabien und Russland zwei ungemein wichtige L&auml;nder ernsthafte Probleme. Und das kann doch eigentlich niemand wollen &ndash; auch die USA nicht.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/d2b62d95baea404d9aa46ce4bffbf30c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Preis f&uuml;r Roh&ouml;l ist seit Mitte 2014 um mehr als 75 Prozent eingebrochen. Die Internationale Energieagentur IEA spricht bereits davon, dass die Welt in billigem &Ouml;l ertrinke und sieht auch f&uuml;r das kommende Jahr keine Trendwende. In der Tat klaffen momentan Angebot und Nachfrage auseinander. Geopolitisch bedeutet diese &Ouml;lschwemme jedoch gro&szlig;e Risiken. 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