{"id":3039,"date":"2008-03-05T09:34:34","date_gmt":"2008-03-05T08:34:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3039"},"modified":"2015-11-26T16:59:39","modified_gmt":"2015-11-26T15:59:39","slug":"die-umgehung-des-grundgesetzes-ueber-die-europaeische-ueberwachungs-union","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3039","title":{"rendered":"Die Umgehung des Grundgesetzes \u00fcber die europ\u00e4ische \u00dcberwachungs-Union"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Eingrenzung der Online-Durchsuchung und dem Urteil gegen den &ldquo;Gro&szlig;en Lauschangriff&rdquo; hat das Bundesverfassungsgericht Sch&auml;ubles &Uuml;berwachungsmanie Grenzen gesetzt. Doch das grundgesetzliche Gebot unbedingter Achtung einer Sph&auml;re der ausschlie&szlig;lich privaten &ndash; &ldquo;h&ouml;chstpers&ouml;nlichen&rdquo; &ndash; Entfaltung droht durch eine &ldquo;europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur&rdquo; umgangen und ausgeh&ouml;hlt zu werden.<br>\nChristine Wicht gibt einen &Uuml;berblick &uuml;ber die Vielzahl schon eingef&uuml;hrter und geplanter europaweiter &Uuml;berwachungsma&szlig;nahmen durch Datennetze und Ermittlungs- und Informationstechnologien.<br>\n<!--more--><br>\nVom 28. bis 30. Januar fand in Berlin der 11. Europ&auml;ische Polizeikongress statt. 1703 Teilnehmer aus rund 61 Nationen diskutierten &uuml;ber die europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur. Der diesj&auml;hrige Kongress stand unter dem Motto &ldquo;Europ&auml;ische Sicherheitsarchitekturen &ndash; Informationstechnologie, Ermittlung, Einsatz&rdquo;. Das Komitee f&uuml;r Grundrechte und Demokratie rief gemeinsam mit anderen Gruppen zu einer Demonstration auf, weil der Europ&auml;ische Polizeikongress eine Propagandaveranstaltung f&uuml;r die &Uuml;berwachung der B&uuml;rger sei. Die Demonstration richtete sich unter anderem gegen Vorratsspeicherung von Telefon- und Internetdaten, Video&uuml;berwachung und gegen das Aufweichen der Grenzen zwischen Polizeien und Geheimdiensten. Wenn die Vielzahl unterschiedlichster &Uuml;berwachungsma&szlig;nahmen europaweit erst einmal eingef&uuml;hrt ist, droht aus dem bisherigen &Uuml;berwachungsmosaik eine umfassende Observationskonstruktion zu werden. <\/p><p>Sieht man einmal von der allgemeinen Bedrohung des j&uuml;ngst vom Bundesverfassungsgericht definierten &ldquo;Grundrechts auf Gew&auml;hrleistung der Vertraulichkeit und Integrit&auml;t informationstechnischer Systeme&rdquo; ab, so k&ouml;nnte es f&uuml;r die B&uuml;rger richtig gef&auml;hrlich werden, wenn sich aufgrund unzureichend ausgereifter technischer Mittel oder Computerpannen Fehlerquoten h&auml;ufen und Menschen in Verdacht geraten k&ouml;nnen, die unschuldig sind, aber ihre Unschuld nicht beweisen k&ouml;nnen, weil elektronische Daten, auch wenn sie falsch sind, gegen ihre Unschuld sprechen. <\/p><p>Nur etwa 400 B&uuml;rger haben vor dem Kongressgeb&auml;ude gegen die zunehmende &Uuml;berwachung und die damit einhergehende Bedrohung ihrer Grundrechte demonstriert. Das d&uuml;rfte vor allem daran liegen, dass die europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur ein &auml;u&szlig;erst kompliziertes Netz verschiedenster &Uuml;berwachungsma&szlig;nahmen auf unterschiedlichsten Gebieten darstellt. F&uuml;r den EU-B&uuml;rger, der k&uuml;nftig mit weiteren Bedrohungen seiner informationllen und Bewegungsfreiheit rechnen muss, wird das &Uuml;berwachungsnetz zunehmend engmaschiger und vor allem immer ungreifbarer. <\/p><p>Veranlasst durch immer differenziertere hoheitliche &Uuml;berwachungsma&szlig;nahmen entwickelt sich f&uuml;r einschl&auml;gige Unternehmen das Thema &bdquo;Sicherheit&ldquo; zu einem &auml;u&szlig;erst lukrativen Gesch&auml;ftsfeld. Kein Wunder dass auf dem Polizeikongress geradezu eine Messe der Sicherheitsindustrie stattfand. Zahlreiche Firmen pr&auml;sentierten ihr neue Technologien zur Daten&uuml;bermittlung, biometrische Systeme zur Personenerkennung und Neuerungen &uuml;ber die Kontrolle von Internetdaten. <\/p><p><strong>Teilnehmer des Polizeikongresses<\/strong><br>\nDie Teilnehmer des Kongresses, die sich da bezeichnenderweise unter der &Uuml;berschrift &ldquo;axis of evil&rdquo; (Achse des B&ouml;sen) versammelten, setzten sich zusammen aus Vertretern <a href=\"http:\/\/www.europaeischer-polizeikongress.de\/\">europ&auml;ischer L&auml;nder und Gaststaaten<\/a>. Eingeladen waren Vertreter von Kriminal- und Schutzpolizeien, Grenzpolizeien, Sicherheits- und Nachrichtendiensten sowie der Regierungen und Parlamente (Innenminister, Justizminister, Europaabgeordnete, Staatssekret&auml;re, Beh&ouml;rdenleiter, Polizei- und Grenzschutzbeh&ouml;rden) und Konzernvorst&auml;nde aus 61 L&auml;ndern. (<a href=\"http:\/\/euro-police.noblogs.org\/post\/2008\/01\/29\/rednerinnen-des-europ-ischen-polizeikongre\">Teilnehmerliste<\/a>). <\/p><p>Stark pr&auml;sentiert waren dar&uuml;ber hinaus Unternehmen von Sicherheitstechnologien. Zahlreiche Interessenvertreter der Sicherheitsindustrie referierten zu sicherheitspolitischen Themen. Der Kongress wurde bezeichnenderweise unter anderem von der European Aeronautic Defense and Space Company (EADS) und dem Software-Konzern SAP finanziert. Au&szlig;erdem nahmen Unternehmen, die im Sicherheits- oder Komminikationssektor oder in der IT-Branche t&auml;tig sind, am Kongress teil, wie beispielsweise: Motorola, Siemens, Giesecke &amp; Devrient, IBM, IABG, 3M, das Logistikunternehmen empolis (geh&ouml;rt zu Bertelsmann) und die seit einigen Jahren privatisierte Bundesdruckerei. <\/p><p>Nun aber zu den auf dem Kongress thematisierten schon verwirklichten oder noch geplanten &Uuml;berwachunssystemen: <\/p><p><strong>Das Visainformationssystem (VIS)<\/strong><\/p><p>Der Vizepr&auml;sident der Europ&auml;ischen Kommission, Franco Frattini, zust&auml;ndig f&uuml;r Justiz, Freiheit und Sicherheit, forderte auf dem Kongress, dass die Freiheit, die durch die Schengen-Erweiterung entstanden sei, mit einer St&auml;rkung der Sicherheit im Innern wie nach au&szlig;en einhergehen m&uuml;sse. Frattini k&uuml;ndigte an, dass die EU-Kommission im Februar ein Mitteilungspaket mit drei Vorschl&auml;gen ver&ouml;ffentlichen werde, wie die EU- Au&szlig;engrenzen besser gesichert werden sollen. (<a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/deutschland\/pdf\/eu_nachrichten\/eu-6-web.pdf\">Dieses ist abzurufen unter [PDF &ndash; 524 KB]<\/a>). <\/p><p>Es soll ein so genanntes &bdquo;Entry-Exit-System&ldquo; entwickelt werden, das Einreise-Informationen elektronisch speichert und vernetzt. Auf diese Weise sollen z.B. abgelaufene Visa sofort erkannt und ein automatischer Alarm bei &Uuml;berschreitung der Visafrist ausgel&ouml;st werden. Der herk&ouml;mmliche Reisepass mit Stempel und Foto ist somit nur noch ein Anachronismus. <\/p><p>Die Zukunft geh&ouml;re nach &Uuml;berzeugung Frattinis der elektronischen Erfassung der Reisenden. So enth&auml;lt beispielsweise das europ&auml;ische Visainformationssystem (VIS) 70 Millionen Fingerabdr&uuml;cke von Personen, die im Schengenraum einen Visaantrag gestellt haben. &Auml;hnlich wie die USA will nun auch die EU-Kommission die Einf&uuml;hrung elektronischer Reisegenehmigungen pr&uuml;fen (Electronic Travel Authorisation = ETA). Das Visainformationssystem VIS steht in engem Zusammenhang mit dem Schengeninformationssystem SIS II.<br>\n<strong><br>\nDas Schengener Informationssystem (SIS)<\/strong><\/p><p>F&uuml;r Innenminister Wolfgang Sch&auml;uble (CDU) bedeutet die Schengen-Erweiterung ein Mehr an Freiheit und zugleich ein Mehr an Sicherheit. Der EU-B&uuml;rger sieht das Schengen-Abkommen in erster Linie als Erleichterung der Grenz&uuml;berquerung ohne zeitaufw&auml;ndige Passkontrollen, doch das Schengeninformationssystem SIS II ist keine simple Datenbank mehr, sondern ein Informationssystem mit dem Schwerpunkt &bdquo;Pr&auml;vention und Erkennung von Bedrohungen der &ouml;ffentlichen Ordnung und Sicherheit&ldquo;. <\/p><p>Am 21. Dezember 2007 fielen die Grenzkontrollen f&uuml;r die B&uuml;rger der L&auml;nder Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien und Malta weg. Jedoch sind mit dem Schengenabkommen nicht blo&szlig; die Grenzkontrollen weggefallen, sondern es wird im Gegenzug auch die intensivere Zusammenarbeit und die Koordinierung zwischen den Polizeidiensten und Justizbeh&ouml;rden zur Bek&auml;mpfung des organisierten Verbrechens geregelt. Die umfangreiche Datenbank, das Schengener Informationssystem (SIS), wurde geschaffen, um Strafverfolgungs-, Justiz- und Konsularbeh&ouml;rden der EU-Mitgliedstaaten einen optimalen Datenzugang &uuml;ber bestimmte Personengruppen zu erm&ouml;glichen. Das SIS ist seit 1995 im Einsatz. Die Erweiterung der Datenbank, SIS II, mit deren Hilfe biometrische Daten, Fotos und Fingerabdr&uuml;cke gespeichert werden, sollte Ende 2007 eingef&uuml;hrt werden. Die Einf&uuml;hrung wurde offenbar aus technischen Gr&uuml;nden verschoben. <\/p><p>SIS und VIS wurden verkn&uuml;pft, um Personen an den Au&szlig;engrenzen der EU identifizieren und Abschiebungen vornehmen zu k&ouml;nnen. Deshalb sind SIS und VIS wiederum an FRONTEX und an die Fingerabdruckdatei EURODAC (in der die Daten aller Asylbewerber, die in den Schengenraum einreisen bzw. sich dort aufhalten, registriert werden) angeschlossen. <\/p><p>Zugriff auf SIS II haben dar&uuml;ber hinaus die Kraftfahrzeugzulassungsstellen, die europ&auml;ische Justizbeh&ouml;rde Eurojust und die Europ&auml;ische Polizeibeh&ouml;rde EUROPOL, die unter Einhaltung der jeweiligen Bestimmungen Daten auch an Dritte weitergeben kann. Des Weiteren k&ouml;nnen Justizbeh&ouml;rden der Mitgliedstaaten und Schengen-interne Sicherheitsdienste und Geheimdienste die Daten abrufen. Vor allem der Zugriff von Geheimdiensten wird in Deutschland als problematisch angesehen. Die Linksfraktion im Bundestag hat bereits mehrfach versucht, den Zugriff von Geheimdiensten zu verhindern, jedoch ohne Erfolg (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.rosalux.de\/cms\/fileadmin\/rls_uploads\/pdfs\/rls-papers-Heilig.pdf\">www.rosalux.de [PDF &ndash; 372 KB]<\/a>). Der Bundesbeauftragte f&uuml;r den Datenschutz, Peter Schaar sprach sich dagegen aus, das VIS f&uuml;r Geheimdienste zu &ouml;ffnen, auch weil diese keine Strafverfolgungsbeh&ouml;rden im klassischen Sinne darstellen. Die Vernetzung von Polizei und Geheimdiensten ist insofern &auml;u&szlig;erst problematisch, als es in anderen EU-L&auml;ndern das Trennungsgebot zwischen Polizei und Geheimdiensten nicht gibt, wie es in Deutschland aufgrund der Erfahrung mit der Gestapo rechtlich verankert wurde. <\/p><p>In diesem Zusammenhang ist interessant, dass Sch&auml;uble noch in diesem Jahr den automatisierten Zugriff aller EU-Polizeibeh&ouml;rden auf bestimmte nationale Datenbanken anstrebt; dies wird von Sch&auml;uble als ein Quantensprung im Bereich des internationalen Datenaustausches gesehen. <\/p><p>Frattini propagierte &uuml;berdies den grenz&uuml;berschreitenden Informationsaustausch der Vernetzung von Polizei-Datenbanken und war sich mit Sch&auml;uble &uuml;ber eine Kooperation der nationalen Sicherheitsbeh&ouml;rden und der Geheimdienste einig. Es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit bis diese Kontrollsysteme, die momentan zur Migrationskontrolle eingesetzt werden, kontinuierlich auf die gesamte EU-Bev&ouml;lkerung ausgeweitet werden. Die Freiheit stirbt bekanntlich scheibchenweise.<\/p><p><strong>Einreiseregister<\/strong><\/p><p>Um Terroristen und illegale Einwanderer aufzusp&uuml;ren, plant die EU-Kommission ein Ein- und Ausreiseregister, an das eine Datenbank mit biometrischen Merkmalen wie Fingerabdr&uuml;cken und elektronisch lesbaren Gesichtsformen gekoppelt ist. An den Grenzen der EU werden j&auml;hrlich rund 300 Millionen Ein- und Ausreisen registriert. Sch&auml;tzungen gehen davon aus, dass 160 Millionen Grenz&uuml;bertritte durch EU-B&uuml;rger erfolgen, 60 Millionen Reisende kommen aus Drittstaaten, die kein Visum ben&ouml;tigen (wie USA oder Kanada) und 80 Millionen Reisende aus Drittstaaten mit Visumspflicht. <\/p><p>Geplant ist nun, dass jeder, der in die EU einreisen will, seinen Fingerabdruck abgeben muss. Die EU-B&uuml;rger selbst erhalten in den n&auml;chsten Jahren Schritt f&uuml;r Schritt neue Ausweispapiere mit elektronisch gespeicherten, biometrischen Merkmalen. Die Erfassung der biometrischen Daten von Drittstaatsangeh&ouml;rigen, die f&uuml;r die Einreise in die EU ein Visum ben&ouml;tigen, ist in Vorbereitung. Aber auch wer als Drittstaatsangeh&ouml;riger ohne Visum einreisen kann, wird zur Abgabe des Fingerabdrucks verpflichtet sein. Betroffen w&auml;ren davon neben US-B&uuml;rgern und Kanadiern auch Japaner und Australier, die f&uuml;r einen Kurzaufenthalt bis zu drei Monate kein Visum ben&ouml;tigen. Das geplante Register, das die Daten von den insgesamt 1792 Grenzkontrollstellen an den Au&szlig;engrenzen und innerhalb der EU (darunter Flug- und Seeh&auml;fen) austauscht, soll die M&ouml;glichkeit des Visa-Missbrauchs reduzieren. <\/p><p>F&uuml;r Reisende, die als &bdquo;vertrauensw&uuml;rdig&ldquo; gelten, soll es eine bevorzugte Grenzabfertigung geben, unabh&auml;ngig davon, ob sie EU-B&uuml;rger sind oder aus Drittstaaten stammen. An Grenz&uuml;berg&auml;ngen und Flugh&auml;fen wird die Aufstellung von Leseger&auml;ten angestrebt, die die biometrischen Daten im Reisepass mit denen des Passinhabers abgleichen sollen und dann automatisch eine Schranke &ouml;ffnen, schlug Frattini vor. An einigen europ&auml;ischen Flugh&auml;fen sind solche automatischen Grenzkontrollsysteme bereits im Einsatz. In Frankfurt l&auml;uft ein Modellprojekt, bei dem Passagiere mittels Iris-Scan identifiziert werden. Die Kosten f&uuml;r solche Systeme liegen laut Kommission bei rund 35.000 Euro je Ger&auml;t. <\/p><p>Die Kosten f&uuml;r die Schaffung des Ein- und Ausreiseregisters und des Systems f&uuml;r registrierte Vielreisende beziffert die Kommission auf 20 Millionen Euro. Die Mitgliedstaaten m&uuml;ssten zusammen nochmals etwa 35 Millionen Euro f&uuml;r die automatisierten Kontrollpunkte ausgeben. (Quelle: <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/deutschland\/pdf\/eu_nachrichten\/eu-6-web.pdf\">ec.europa.eu [PDF &ndash; 524 KB]<\/a>). <\/p><p><strong>Wenn dieses System eingef&uuml;hrt wird, k&ouml;nnen alle in die EU Ein- und aus der EU Ausreisende kontrolliert werden, weil der elektronische Reisepass mit einem Funkchip ausgestattet ist, der eine Datenabfrage ohne pers&ouml;nlichen Kontakt erm&ouml;glicht. Auf die bei den Meldebeh&ouml;rden gesammelten biometrischen Daten haben im &Uuml;brigen auch Polizeivollzugsbeh&ouml;rden Zugriff. Wenn man bedenkt, welche Diskussion die Meldung der Fluggastdaten an die USA bei uns ausgel&ouml;st hat, dann ist es bemerkenswert, dass dieser weitere, elementare Baustein im &Uuml;berwachungsmosaik bisher weitgehend ohne &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit blieb. <\/strong><\/p><p>Seinerzeit wurde trotz des Widerstands des EU-Parlaments die Datenweitergabe an die USA durchgesetzt, erst der Europ&auml;ische Gerichtshof kippte das Abkommen. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisierte 2007 an der Vereinbarung mit den USA, dass sie, gemessen an den Vorgaben des europ&auml;ischen Datenschutzrechts, unzureichend sei. Sch&auml;uble verteidigte jedoch die Vereinbarung und k&uuml;ndigte im letzten Jahr an, in der Europ&auml;ischen Union ein vergleichbares System aufbauen zu wollen. Dieser Zeitpunkt scheint nun gekommen zu sein. Auf dem Polizeikongress l&ouml;ste die Forderung des EU-Kommissars Frattini, dass Fluggesellschaften k&uuml;nftig den nationalen Stellen, die f&uuml;r Risikobewertung, Strafverfolgung und Terrorabwehr zust&auml;ndig sind, PNR-Daten &uuml;ber Fl&uuml;ge in die EU und aus der EU zur Verf&uuml;gung stellen sollen, immerhin noch eine kontroverse Debatte aus.<\/p><p><strong>Fluggastdatenspeicherung<\/strong><\/p><p>Die Bundesministerin f&uuml;r Justiz, Brigitte Zypries (SPD), kritisierte den Rahmenbeschluss der EU zur Erhebung der Passagierdaten (PNR-Daten), der beinhaltet, dass bei jeder Flugreise in oder aus der EU insgesamt 19 verschiedene Daten jedes Reisenden erfasst werden. Die Justizministerin verwies darauf, dass die Weitergabekriterien &bdquo;relativ gro&szlig;z&uuml;gig&ldquo; seien und dass ohne richterlichen Beschluss auf die Daten zugegriffen werden k&ouml;nne. Sch&auml;uble verteidigte das Vorhaben als zus&auml;tzliches Sicherheitsinstrument, r&auml;umte jedoch ein, dass die Vorschl&auml;ge dem Abkommen mit den USA zur Weitergabe von Fluggastdaten &auml;hnlich seien, und diese habe schlie&szlig;lich der Bundestag ohne verfassungsrechtliche Bedenken gebilligt. <strong>Zypries warnte auf der Tagung hingegen, dass die Vorschl&auml;ge zu einer europ&auml;ischen Fluggastdatei mit dem deutschem Verfassungsrecht nicht vereinbar seien und wies darauf hin, dass die verdachtsunabh&auml;ngige Sammlung und langj&auml;hrige Speicherung von pers&ouml;nlichen Daten ein wesentlich sch&auml;rferer Grundrechtseingriff sei als die bereits beschlossene Vorratsspeicherung von Telefon- und Internetdaten<\/strong>. Zypries wies diese Pl&auml;ne zur&uuml;ck, da sie ein weiterer Schritt in Richtung Pr&auml;ventionsstaat seien.<\/p><p>Zur Erinnerung: Das Bundeskabinett hat am 19. September 2007 dem Entwurf des Gesetzes &uuml;ber ein Fluggastdaten-Abkommen zwischen der EU und den USA zugestimmt. In dem Gesetz ist die &Uuml;bermittlung der Fluggastdaten bei Passagierfl&uuml;gen in die oder aus den Vereinigten Staaten von Amerika und die dortige Datenverwendung geregelt. Die Daten werden insgesamt 15 Jahre gespeichert. Der Vertrag wird momentan im Rahmen des nationalen Rechts vorl&auml;ufig angewendet und wird erst in Kraft treten, wenn in allen EU-Mitgliedstaaten die innerstaatlichen Verfahren abgeschlossen sind. Der Vertrag ist auf sieben Jahre geschlossen (und kann abgerufen werden unter: <a href=\"http:\/\/www.bmi.bund.de\/cln_028\/nn_165104\/Internet\/Content\/Common\/Anlagen\/Themen\/Terrorismus\/Fluggastdaten__Abkommen__2007,templateId=raw,property=publicationFile.pdf\/Fluggastdaten_Abkommen_2007.pdf\">www.bmi.bund.de [PDF &ndash; 64 KB]<\/a>). <\/p><p>Die Fluggesellschaften &uuml;bermitteln jetzt die Daten direkt an das Heimatschutzministerium, (Department of Homeland Security, DHS). Die gemeldeten Daten umfassen u.a. Reiseverlauf, Reiseb&uuml;ro, Sachbearbeiter des Reiseb&uuml;ros, Informationen &uuml;ber Buchung, Reisestatus des Fluggastes, Bonus-Daten, Gratisfl&uuml;ge, s&auml;mtliche Informationen zum Gep&auml;ck, Sitzplatznummer. Es ist bis heute nicht gekl&auml;rt, ob ein Betroffener von der Eintragung erf&auml;hrt, wenn ihm die Einreise in die USA verwehrt wird, und ob ein Betroffener rechtlich darauf einwirken kann, dass seine Daten gel&ouml;scht werden.<\/p><p><strong>EUROSUR &ndash; EU-&Uuml;berwachung auf See, aus der Luft und via Satelliten<\/strong><\/p><p>&Uuml;ber die genannten Sicherheitssysteme hinaus stellte Frattini eine Roadmap zur Errichtung eines integrierten Grenz&uuml;berwachtungssystems der s&uuml;dlichen und &ouml;stlichen Grenzen der Europ&auml;ischen Union vor. Dieses soll den Namen EUROSUR (European Border Surveillance System) tragen. Durch ein l&uuml;ckenloses &Uuml;berwachungsnetz soll k&uuml;nftig erkannt werden, wo illegale Fl&uuml;chtlinge unterwegs sind. Laut Frattini gibt es in Europa rund 50 nationale Beh&ouml;rden, die sich um Grenz&uuml;berwachung und Grenzkontrolle k&uuml;mmern. Deren Systeme will die EU-Kommission nunmehr vernetzen, dar&uuml;ber hinaus soll EUROSUR mittels Satelliten und &Uuml;berwachungskameras in Flugzeugen und Drohnen Daten erfassen und weiterleiten. &bdquo;Satelliten bieten die M&ouml;glichkeit, gro&szlig;e Fl&auml;chen zu &uuml;berwachen, auch das offene Meer und die K&uuml;sten von Drittstaaten&ldquo;, schreibt dazu die Kommission. <\/p><p>Sch&auml;uble sprach sich au&szlig;erdem daf&uuml;r aus, die Europ&auml;ische Grenzschutzagentur FRONTEX und die Europ&auml;ische Polizeibeh&ouml;rde EUROPOL weiter zu st&auml;rken. Von Kritikern wird die Kompetenzerweiterung von EUROPOL als eindeutiges Indiz f&uuml;r die Schaffung eines europ&auml;ischen Polizeiamtes gesehen. <\/p><p><strong>FRONTEX &ndash; zur Verteidigung der Festung Europa <\/strong><\/p><p>Auf Initiative Deutschlands wurde mittels einer Verordnung des Rates der Europ&auml;ischen Union im Oktober 2004 die EU-Grenzschutzagentur FRONTEX (Europ&auml;ische Agentur f&uuml;r die operative Zusammenarbeit an den Au&szlig;engrenzen der Mitgliedstaaten der Europ&auml;ischen Union) mit Sitz in Warschau eingerichtet. Der Europ&auml;ische Rat vom Dezember 2005 beauftragte FRONTEX, ein System zur l&uuml;ckenlosen &Uuml;berwachung des Mittelmeerraumes sowie ein Netzwerk f&uuml;r die Effektivierung nationalstaatlicher Seekontrollen zu entwickeln. Die Agentur verf&uuml;gt &uuml;ber 116 Schiffe, 23 Flugzeuge, 27 Hubschrauber, 23 Fahrzeuge, &Uuml;berwachungsger&auml;te wie 56 Thermal- und Infrarotkameras, 33 mobile CO2-Detektoren, acht Herzschlag-Detektoren, einen passiven Bildgeber f&uuml;r Millimeterwellen und gut ausger&uuml;stete Polizeieinheiten und agiert mit einem Budget von 42 Millionen Euro. F&uuml;r 2008 sind 70 Millionen Euro geplant. <\/p><p>Das Europ&auml;ische Parlament stimmte im April 2007 gegen diesen Ausbau von FRONTEX und damit gegen die gesetzliche Grundlage f&uuml;r die so genannten schnellen Einsatzkr&auml;fte f&uuml;r den Grenzschutz, RAPIDS (Rapid Border Intervention Teams). Was aus diesem Beschluss folgt ist unklar.<br>\nDiese Einsatzkr&auml;fte sollen k&uuml;nftig in Ausnahmesituationen f&uuml;r einen begrenzten Zeitraum eingesetzt werden k&ouml;nnen. Die ben&ouml;tigte technische Ausr&uuml;stung wird im Bedarfsfall &uuml;ber einen extra hierf&uuml;r geschaffenen Ausr&uuml;stungskatalog (Centralised Record of Available Technical Equipment &ndash; CRATE) bereitgestellt. In der Datenbank CRATE wird das von den Mitgliedsstaaten zur Verf&uuml;gung gestellte Material zur Grenzsicherung erfasst und verwaltet (Quelle: http:\/\/frontex.antira.info\/glossar). FRONTEX soll l&auml;ngerfristig eine eigene, uniformierte Grenzsicherungstruppe stellen, die m&ouml;glicherweise von Malta aus im Mittelmeer operieren kann. Hauptaufgabe bleibt der Kampf gegen illegale Einwanderung, aber das Aufgabengebiet soll auf Terrorbek&auml;mpfung ausgeweitet werden. Mit FRONTEX soll auch die kaum bekannte &ldquo;Europ&auml;ische Gendarmerietruppe&rdquo; (EGF) zusammenarbeiten. (<a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/download\/FRONTEX-Broschuere.pdf\">Mehr Informationen &uuml;ber FRONTEX [PDF &ndash; 716 KB]<\/a>) <\/p><p><strong>Die &ldquo;Europ&auml;ische Gendarmerietruppe&rdquo; (EGF)<\/strong><\/p><p>Die &ldquo;Europ&auml;ische Gendarmerietruppe&rdquo; (EGF) (http:\/\/www.eurogendfor.eu\/) geht auf eine Initiative der franz&ouml;sischen Verteidigungsministerin Michelle Alliot-Marie zur&uuml;ck. Die f&uuml;nf EU-Mitgliedstaaten Italien, Spanien, Frankreich, Portugal und die Niederlande haben im September 2004 einen Vertrag zur Gr&uuml;ndung einer &ldquo;Europ&auml;ischen Gendarmerietruppe&rdquo; (EGF) geschlossen. Beheimatet ist die Gendamerietruppe im italienischen Vicenza. Sie besteht im Kern aus ca. 900 Mitgliedern, die kurzfristig auf 3000 Mann aufgestockt werden kann. Aufgabe dieser europ&auml;ischen Polizeitruppe ist die Aufstandsbek&auml;mpfung in Krisenregionen inner- und au&szlig;erhalb der Europ&auml;ischen Union. Die EGF soll aber auch mit der Grenzschutzagentur FRONTEX zusammenarbeiten, beispielsweise mit den italienischen Carabinieri, mit K&uuml;stenschutzbooten, Hubschraubern und Flugzeugen zur &ldquo;Migrationsabwehr&rdquo;. Eine dazugeh&ouml;rige Akademie in Vicenza wird von den G8-Staaten finanziert. Die deutsche Polizei ist zwar der EGF noch nicht beigetreten, arbeitet aber mit polizeilichen und milit&auml;rischen Einheiten anderer L&auml;nder z.B. schon im Kosovo und Afghanistan zusammen. FRONTEX wiederum arbeitet mit dem Europ&auml;ischen Polizeiamt EUROPOL zusammen, wie in Artikel 13 der Verordnung des Rates 2007\/2004, mit der FRONTEX geschaffen wurde, festgehalten wird:<\/p><blockquote><p>Die Agentur kann mit Europol und den internationalen Organisationen, die f&uuml;r die von dieser Verordnung erfassten Bereiche zust&auml;ndig sind, im Rahmen von mit diesen Stellen geschlossenen Arbeitsvereinbarungen im Einklang mit den einschl&auml;gigen Bestimmungen des Vertrags und den Bestimmungen &uuml;ber die Zust&auml;ndigkeit dieser Stellen zusammenarbeiten.<\/p><\/blockquote><p><strong>EUROPOL &ndash; Ein europ&auml;isches Polizeiamt<\/strong><\/p><p>Die europ&auml;ische Polizeibeh&ouml;rde Europol mit Sitz in Den Haag koordiniert bisher allein die Arbeit nationaler Polizeibeh&ouml;rden im Bereich der grenz&uuml;berschreitenden Kriminalit&auml;t und soll den Informationsaustausch zwischen den nationalen Polizeibeh&ouml;rden f&ouml;rdern. Die Beh&ouml;rde verf&uuml;gt &uuml;ber knapp 600 Mitarbeiter und ein Budget von etwa 65 Mio. Euro. Die Arbeitsbereiche von Europol erstrecken sich von Terrorismusbek&auml;mpfung &uuml;ber Bek&auml;mpfung des Waffenhandels bis hin zu Drogenhandel, Geldw&auml;sche und Kinderpornographie. Rechtliche Grundlage des Europol-&Uuml;bereinkommens ist ein v&ouml;lkerrechtlich bindender Vertrag. Europol besitzt keine Vollstreckungsbefugnisse wie die Polizeibeh&ouml;rden der Mitgliedstaaten und darf mithin weder Personen festnehmen noch Hausdurchsuchungen vornehmen (<a href=\"http:\/\/europa.eu\/scadplus\/leg\/de\/lvb\/l14005b.htm\">Quelle<\/a>). <\/p><p><strong>In die Kritik geraten ist Europol wegen der F&uuml;hrung einer Verd&auml;chtigen-Datei und der F&uuml;hrung einer Arbeitsdatei zu Analysezwecken, weil die Gefahr besteht, dass durch solche Dateien das Prinzip der Unschuldsvermutung umgekehrt wird. Eine demokratische Kontrolle &uuml;ber Europol ist kaum m&ouml;glich, so kann etwa das Europ&auml;ische Parlament noch nicht einmal einen j&auml;hrlichen T&auml;tigkeitsbericht verlangen. <\/strong><\/p><p>&Uuml;ber die Europol-Daten hinaus soll jedoch die Vernetzung verschiedener Polizeien k&uuml;nftig mit Hilfe eines Ad-hoc-Netzes vereinfacht werden.<\/p><p><strong>Mobile Daten&uuml;bertragung mit hoher Bandbreitre (HiMoNN)<\/strong><\/p><p>Eine sichere, mobile &Uuml;bertragung von Daten mit hoher Bandbreite, HiMoNN (Highly Mobile Network Node), wurde von dem Unternehmen IABG auf dem Berliner Polizeikongress vorgestellt. HiMoNN ist ein von der IABG realisiertes, mobiles Ad-hoc-Netz. Innerhalb dieses Netzes k&ouml;nnen mobile Ger&auml;te sofort eine Verbindung zueinander aufbauen, ohne dass eine &uuml;bergeordnete Infrastruktur n&ouml;tig ist. Dar&uuml;ber hinaus integrieren sich Sensoren wie &Uuml;berwachungskameras und Bewegungsmelder selbst&auml;ndig in das Netz. Eigenen Angaben zufolge will die IABG das selbst entwickelte mobile Ad-hoc Kommunikationssystem HiMoNN mit den Galileo-PRS-Signalen koppeln und damit den Sicherheitskr&auml;ften neben einem breitbandigen, sicheren Sprach- und Daten&uuml;bertragungssystem eine verl&auml;ssliche Georeferenz bieten. Das System wurde urspr&uuml;nglich als rein milit&auml;rische Entwicklung konzipiert, heute ist HiMoNN auch f&uuml;r Eins&auml;tze von Polizei, Grenzschutz, Feuerwehr, Rettungsdienste und Katastrophenschutz von Interesse und bereits in Hessen und Brandenburg zum Einsatz gekommen. Nach Angaben des Herstellers biete HiMoNN aufgrund seiner Leistungsf&auml;higkeit immer dann Vorteile, wenn eine hohe Konzentration verschiedener Einsatzkr&auml;fte erforderlich sei, wie etwa bei lokalen Gro&szlig;ereignissen (z. B. Fu&szlig;balll&auml;nderspiele und Demonstrationen, Quelle: <a href=\"http:\/\/www.iabg.de\/infokom\/fachthemen\/himonn_de.php\">www.iabg.de<\/a> <\/p><p>Ein Vertreter des Fraunhofer Instituts stellte auf dem Kongress ein Forschungsprojekt vor, nach welchem unter Einsatz von einer Vielzahl von Sensoren z.B. 3D-Rekonstruktionen von Szenarien m&ouml;glich sei. Aber auch die Verfolgung und Wiedererkennung von Personen, auch &uuml;ber mehrere Kameras hinweg, sei Ziel des Projektes. Daf&uuml;r befindet sich gerade das Center for Advanced Security Research Darmstadt (CASED) in Gr&uuml;ndung.<\/p><p><strong>POLIZEI-ONLINE f&uuml;r europ&auml;ische Polizeien<\/strong><\/p><p>Uwe Seidel, Polizeioberrat im Innenministerium Baden-W&uuml;rttemberg, lobte die Zusammenarbeit mit dem privaten Partner Deutsche Telekom beim PPP-Konzept POLIZEI-ONLINE, einer seit 1998 bestehenden Integrationsplattform f&uuml;r die polizeilichen Anwendungen sowie das Bildungs- und Informationssystem des Landes Baden-W&uuml;rttemberg. &Uuml;ber ein landesweites Portal stehen den an &uuml;ber 700 Standorten verteilten &uuml;ber 30.000 Bediensteten rund um die Uhr u.a. aktuelle Informationen, Handlungsanleitungen, Rechtsvorschriften und gerichtliche Entscheidungen zur Verf&uuml;gung. Durchgef&uuml;hrt wird das Projekt im Rahmen einer Public Private Partnership (PPP) mit der Deutschen Telekom AG.<\/p><p>Die Entwicklungen in POLIZEI-ONLINE sto&szlig;en zunehmend auf internationales Interesse, weshalb die Nutzung und Weiterentwicklung des Systems auch im Rahmen internationaler polizeilicher Kooperationen erfolgen soll. Ziel ist es, ein Referenzprojekt f&uuml;r die europ&auml;ischen Polizeien zu schaffen. In diesem Zusammenhang baut die Polizei Baden-W&uuml;rttemberg gemeinsam mit dem Projektpartner Deutsche Telekom AG ein vergleichbares System f&uuml;r die mitteleurop&auml;ische Polizeiakademie (MEPA-Mitglieder sind Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, &Ouml;sterreich, Schweiz und Deutschland) auf, um die Fortbildungsma&szlig;nahmen der MEPA zu unterst&uuml;tzen und die internationale Zusammenarbeit von Polizeiexperten zu f&ouml;rdern.<\/p><p>Das Projekt ist nach Ansicht der EU-Kommission geradezu ma&szlig;geschneidert f&uuml;r die Struktur und die Ziele der MEPA, da die Bek&auml;mpfung international operierender T&auml;tergruppierungen ein &uuml;ber die Grenzen hinweg koordiniertes polizeiliches Handeln erfordere, dessen Vorbereitung, Durchf&uuml;hrung und Erfolg nur von entsprechend qualifizierten Polizeibeamten gew&auml;hrleistet werden k&ouml;nne. Ziel m&uuml;sse es daher sein, sich alle verf&uuml;gbaren Informationen rund um die Uhr erschlie&szlig;en zu k&ouml;nnen, organisations- und grenz&uuml;bergreifende Netzwerke zu bilden und das individuelle Wissen aktuell und schnell f&uuml;r alle verf&uuml;gbar zu machen (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.mepa.net\/Deutsch\/projekte\/Seiten\/default.aspx\">www.mepa.net<\/a>)<\/p><p><strong>Alle nationalen Datenbanken sollen allen Mitgliedstaaten offen stehen<\/strong><\/p><p>Bereits im deutschen EU-Ratspr&auml;sidentschaftsprogramm &bdquo;Europa gelingt&ldquo; wurde eine Verbesserung und Effizienz der europ&auml;ischen Datenbanken in den Bereichen Justiz und Inneres, eine Steigerung der Interoperabilit&auml;t und die Eingliederung eines Informationsverbundes gefordert. Der deutsche Vorsitz ma&szlig; der Verbesserung der Zusammenarbeit der nationalen Polizeien hohe Bedeutung bei und sprach sich daf&uuml;r aus, allen betroffenen Polizei- und Sicherheitsbeh&ouml;rden zur Bek&auml;mpfung des Terrorismus und schwerer, grenz&uuml;berschreitender Kriminalit&auml;t der Zugang zu den EU-Informationssystemen (SIS, VIS, EURODAC, Zollinformationssystem) zu erm&ouml;glichen. Deshalb sollten nationale Datenbanken allen Mitgliedstaaten und Europol sowie Eurojust im Rahmen des Erforderlichen zug&auml;nglich sein. Nach Ansicht der Deutschen Ratspr&auml;sidentschaft sei es unverzichtbar, dass die Polizei- und Sicherheitsbeh&ouml;rden der Mitgliedstaaten &uuml;ber umfassende und tagesaktuelle Informationen verf&uuml;gen. Zu diesem Zweck solle der Europ&auml;ische Informationsverbund ausgebaut werden. Zur Bek&auml;mpfung terroristischer Bedrohungen wird sich der Vorsitz f&uuml;r eine arbeitsteilige Form der Zusammenarbeit aller mit der Internet&uuml;berwachung befassten Sicherheitsbeh&ouml;rden der Mitgliedstaaten, unter Einbindung von Europol, einsetzen (<a href=\"http:\/\/www.eu2007.de\/includes\/Downloads\/Praesidentschaftsprogramm\/EU-P-AProgr-d-2911.pdf\">Quelle [PDF &ndash; 308 KB]<\/a>).<\/p><p><strong>Aufhebung der Trennung von Polizei und Milit&auml;r<\/strong><\/p><p><strong>Aussagen von Angela Merkel wie: <em>&ldquo;Die alte Trennung zwischen innerer und &auml;u&szlig;erer Sicherheit ist von gestern&rdquo;<\/em> oder die des BKA-Pr&auml;sidenten J&ouml;rg Zierke: <em>&ldquo;Die Trennung zwischen innerer und &auml;u&szlig;erer Sicherheit ist obsolet&rdquo;<\/em> sind politische Aussagen, mit dem Ziel, die Trennung von Bundeswehr und Polizei aufzuheben. Derartige &Auml;u&szlig;erungen beg&uuml;nstigen die Verselbst&auml;ndigung milit&auml;rischer Strukturen<\/strong>. Die von den Innenministern der europ&auml;ischen Mitgliedstaaten geforderten und geplanten &Uuml;berwachungsma&szlig;nahmen gehen weit &uuml;ber die Orwellsche Phantasie eines umfassenden &Uuml;berwachungsstaates hinaus. Mit der Argumentationskr&uuml;cke &bdquo;Terrorismusbek&auml;mpfung&ldquo; wird die Erfassung, Speicherung von Fluggastdaten, Fahrzeugdaten, die Erstellung von Biometrischen P&auml;ssen und Fingerabdr&uuml;cken und die &Uuml;berwachung der Migrantenstr&ouml;me gerechtfertigt.<\/p><p><strong>Sicherheit geht vor &ndash; nach den Ursachen von Migration und Terror fragt niemand<\/strong><\/p><p>Die Ursachen des Terrorismus werden nicht einmal im Ansatz diskutiert, statt dessen wird seine Bek&auml;mpfung mit einem enormen technischen Aufwand betrieben. Dabei werden massive Eingriffen in die Privatsph&auml;re und die pers&ouml;nliche Freiheit der B&uuml;rger als angeblich problemlos in Kauf genommen. <strong>Der B&uuml;rger hat nicht mehr die Freiheit zu w&auml;hlen, ob er seine biometrischen Daten oder Fingerabdr&uuml;cke abgeben will, er muss und er hat keinen Einfluss &uuml;ber die Verwendung seiner pers&ouml;nlichen Daten<\/strong>.<br>\nDer gleichen Logik folgt die Bek&auml;mpfung von Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;men, die mit modernster Technologie und Milliardenaufwand einged&auml;mmt werden sollen. Auch da werden nicht die Ursachen thematisiert, schlie&szlig;lich sind sie ja auch kein lukratives Gesch&auml;ftsfeld. <\/p><p>Die aufgez&auml;hlten &Uuml;berwachungsma&szlig;nahmen sind allerdings h&ouml;chst fragw&uuml;rdige Methoden zur Bek&auml;mpfung des Terrorismus, weil sie Unverd&auml;chtigte, ja weite Teile der Bev&ouml;lkerung unter Generalverdacht stellen. Die Gefahr, dass unbescholtene B&uuml;rger unverschuldet in das Fadennetz der Terrorbek&auml;mpfung geraten, d&uuml;rfte weitaus h&ouml;her sein, als dass ein Terrorist gefangen wird. <\/p><p><strong>Die Vorgehensweise der Sicherheitsstrategen l&auml;sst vermuten, dass verworrene Hintergr&uuml;nde und schwer durchschaubare Vertragswerke dazu f&uuml;hren, dass B&uuml;rger vor der Komplexit&auml;t kapitulieren, politische Entscheidungstr&auml;ger mit den Folgen und Hintergr&uuml;nden &uuml;berfordert sind und somit immer weitere Sicherheitsma&szlig;nahmen ohne nennenswerten Widerstand eingef&uuml;hrt werden k&ouml;nnen<\/strong>. Die High-Tech-&Uuml;berwachung liest sich wie ein Science-Fiction-Roman, doch sie wird bald Realit&auml;t sein, insbesondere auch deshalb, weil ein wachsendes wirtschaftliches Interesse hinter dem Ausbau der grenzenlosen und l&uuml;ckenlosen &Uuml;berwachung steht.<\/p><p>(<a href=\"http:\/\/de.indymedia.org\/2007\/11\/199949.shtml\">zum Vertiefen<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Eingrenzung der Online-Durchsuchung und dem Urteil gegen den &ldquo;Gro&szlig;en Lauschangriff&rdquo; hat das Bundesverfassungsgericht Sch&auml;ubles &Uuml;berwachungsmanie Grenzen gesetzt. Doch das grundgesetzliche Gebot unbedingter Achtung einer Sph&auml;re der ausschlie&szlig;lich privaten &ndash; &ldquo;h&ouml;chstpers&ouml;nlichen&rdquo; &ndash; Entfaltung droht durch eine &ldquo;europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur&rdquo; umgangen und ausgeh&ouml;hlt zu werden.<br \/> Christine Wicht gibt einen &Uuml;berblick &uuml;ber die Vielzahl schon eingef&uuml;hrter und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3039\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[184,186,22],"tags":[1112,1679,1554,440,340,1663],"class_list":["post-3039","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ueberwachung","category-bundesverfassungsgerichtverfassungsgerichtshof","category-europaische-union","tag-buergerrechte","tag-onlinedurchsuchung","tag-orwell-2-0","tag-schaeuble-wolfgang","tag-zuwanderung","tag-zypries-brigitte"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3039","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3039"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3039\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29115,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3039\/revisions\/29115"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3039"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3039"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3039"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}