{"id":3042,"date":"2008-03-05T16:38:19","date_gmt":"2008-03-05T15:38:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3042"},"modified":"2015-11-26T16:54:40","modified_gmt":"2015-11-26T15:54:40","slug":"auch-in-liechtenstein-steht-kein-goldesel-fuer-das-ueppige-wohlergehen-der-profiteure-in-den-steueroasen-zahlen-die-voelker-europas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3042","title":{"rendered":"Auch in Liechtenstein steht kein Goldesel &#8211; f\u00fcr das \u00fcppige Wohlergehen der Profiteure in den Steueroasen zahlen die V\u00f6lker Europas."},"content":{"rendered":"<p>Endlich wird &uuml;ber die ganz normalen Steueroasen diskutiert. Und an dieser Diskussion beteiligen sich nicht nur attac, sondern sogar wirtschaftsnahe Bl&auml;tter wie zum Beispiel das Handelsblatt. Siehe unten mit einem Bericht &uuml;ber die Schweiz und einem &uuml;ber die Liechtenstein Connection. Wir sollten uns dar&uuml;ber im klaren sein, dass die besonderen Gewinne, die hohen Einkommen und die hohen Verm&ouml;genszuw&auml;chse (gesch&auml;tzte 5 Milliarden bei der Familie des F&uuml;rsten von Liechtenstein) nicht einem Goldesel zu verdanken sind, nicht vom Himmel fallen, auch nicht in Liechtenstein &bdquo;wertgesch&ouml;pft&ldquo; worden sind, sondern von uns allen bezahlt sind. Genauso &uuml;brigens wie die besonders hohen Geh&auml;lter und Boni der Investmentbanker in London und die Subventionen f&uuml;r die Riester-Rente. Es ist wichtig, dass wir lernen, diesen Konnex zu sehen. Dazu noch einige Erl&auml;uterungen an Hand von ein paar konkreten Beispielen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nWenn jetzt entgegen dem Wunsch der Mehrheit unseres Volkes dennoch wichtige <strong>Teile der Deutschen Bahn AG zu 49% privatisiert<\/strong> und unter dem tats&auml;chlichen Wert verkauft werden, dann kann man davon ausgehen, dass ma&szlig;gebliche Entscheidungstr&auml;ger dieser durch die Sache nicht begr&uuml;ndeten Aktion in irgendeiner Weise entlohnt werden &ndash; so, wie den Verantwortlichen f&uuml;r die Kommerzialisierung des Fernsehens auch, wenn auch 13 Jahre sp&auml;ter, mit stattlichen Beratungsvertr&auml;gen des Leo Kirch gedankt worden ist. Im konkreten Fall k&ouml;nnten wie bei der Deutschen Telekom irgendwelche Hedgefonds oder Private Equity Gesellschaften, die in Steueroasen beheimatet sind, die K&auml;ufer der Aktienpakete sein. Die Provisionen und anderen Entgelte f&uuml;r die Entscheidung zur Teilprivatisierung k&ouml;nnen dort gezahlt werden oder in andere Steueroasen &uuml;berwiesen werden. Dort dann, zum Beispiel in Luxemburg oder in der Schweiz, gehen sie in Stiftungen ein. Sp&auml;testens dann profitieren auch die &ouml;rtlichen Kr&auml;fte und k&ouml;nnen so ihre gewaltigen Verm&ouml;gen aufbauen. Bezahlt sind diese dann von uns, den ehemaligen Eigent&uuml;mern der 49%, deren Verm&ouml;gen unter Wert verscherbelt worden ist.<\/p><p>Wenn <strong>ein Hedgefond ein deutsches Unternehmen kauft<\/strong>, dieses mit den Schulden des Kaufs belastet, Arbeitnehmer entl&auml;sst und die verbliebenen schlechter bezahlt und dann Teile weiterverkauft, und wenn dieses so genannte Investment (was h&auml;ufig gar keines ist) von London aus gemanagt wird, dann fallen bei den dortigen Investmentbankern gewaltige Provisionen an, h&auml;ufig dreistellige Millionenbetr&auml;ge. Auch diese Betr&auml;ge werden oft in Steueroasen angelegt. Auch sie sind nicht vom Himmel gefallen. Gezahlt haben daf&uuml;r die betroffenen Arbeitnehmer des Unternehmens und manchmal auch andere Teilhaber, die ausgebootet oder mit schlechten Kursen abgefunden wurden.<\/p><p>Wenn <strong>ein Industrieunternehmen in Irland eine Tochtergesellschaft unterh&auml;lt<\/strong>, weil dort vergleichsweise niedrige Steuern auf Gewinne gezahlt werden, und dann im laufenden Gesch&auml;ft die in Deutschland erwirtschafteten Gewinne durch Rechnungsstellung mit niedrigen Preisen von der deutschen Mutter an die irische Tochter bei sich in Deutschland gemindert und nach Irland transferiert werden, dann wird damit auch eine Leistung, die eigentlich in Deutschland erbracht worden ist, in die Steueroase transferiert. In jede industrielle Wertsch&ouml;pfung gehen auch Leistungen der &Ouml;ffentlichkeit jenes Landes ein, in der die Produktion stattfindet: Kosten f&uuml;r die Infrastruktur, f&uuml;r die Ausbildung der Arbeitskr&auml;fte, f&uuml;r die Sicherheit des Unternehmens und der Menschen. Wenn sich Unternehmen systematisch aus dieser Kostenbelastung ausblenden, m&uuml;ssen die entstehenden Kosten von anderen getragen werden. Im konkreten Fall werden die &ouml;ffentlichen Leistungen zum Beispiel &uuml;ber die Mehrwertsteuer oder &uuml;ber die Lohnsteuer der Arbeitnehmer insgesamt finanziert. Also: auch diese in der Steueroase Irland anfallenden Gewinne, die sich &uuml;brigens in Irland in einem stark steigenden Pro-Kopf-Einkommen nieder geschlagen haben, haben ihren Ursprung nicht in der Steueroase. Sie werden hierzulande erwirtschaftet und &uuml;ber die besondere Rechnungslegung transferiert<\/p><p>&Auml;hnlich ist <strong>die Auslagerung von Patentrechten und anderen Beratungs- und Dienstleistungen in Steueroasen<\/strong> zu bewerten. Besonders lukrative Leistungen werden in Steueroasen entlohnt. Die dort ans&auml;ssigen Einheimischen profitieren &uuml;ber einen Strau&szlig; von M&ouml;glichkeiten: Verwaltung von Konten und Stiftungen, Vermietung, Beratung, Transfer von Geld &ndash; lauter hoch entlohnte T&auml;tigkeiten. <\/p><p>Die Quellen der Wertsch&ouml;pfung liegen bei den V&ouml;lkern Europas insgesamt. Es ist allerh&ouml;chste Zeit, dass sie auf den Erhalt ihres Anteils pochen. Das hei&szlig;t konkret: Es muss langsam Schluss sein damit, dass einige kleinere staatliche Einheiten oder Teilstaaten oder auch nur Inseln im Eigentum von gr&ouml;&szlig;eren Staaten wie Blutsauger agieren. Das sehen inzwischen auch viele Einwohner der betroffenen Staaten so. In der Schweiz zum Beispiel gibt es eine erfreuliche interne Debatte der damit verbundenen Probleme. Diese Schweizer wollen nicht die Profiteure des Schadens ihrer Nachbarn sein.<\/p><p><strong>Und hier einige interessante Links:<\/strong><\/p><ul>\n<li><strong>Die Liechtenstein Connection<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/news\/default.aspx?_p=303750&amp;_t=iframe_cnct&amp;frame_height=750&amp;frame_url=http:\/\/www.handelsblatt.com\/rd\/framesets\/liechtenstein\/index.html\">Handelsblatt<\/a><\/li>\n<li><strong>Steuerflucht-Beihilfe ist eine Zeitbombe<\/strong><br>\nDie Schweiz kann sich aus dem Steuerhinterziehungsskandal nicht heraushalten, meint Finanzexperte Andreas Missbach. Denn das Geld der Liechtensteiner Stiftungen werde von Banken in Z&uuml;rich verwaltet. Auch dort w&auml;chst die Kritik am Bankgeheimnis.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/nc\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=wu&amp;dig=2008%2F02%2F29%2Fa0084&amp;src=GI&amp;cHash=1201183f63&amp;type=98\">taz<\/a><\/li>\n<li><strong>Liechtensteiner Steueraff&auml;re<\/strong><br>\nQuelle: Serie im <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/News\/default.aspx?_p=200050&amp;_t=cngr&amp;grid_id=1614141\">Handelsblatt<\/a><\/li>\n<li><strong>Schweiz diskutiert Bankgeheimnis <\/strong><br>\nVon Oliver Stock<br>\nDas Schweizer Bankgeheimnis ger&auml;t unter Druck &ndash; von au&szlig;en und aus der Schweiz selbst. Sowohl die EU-Finanzminister als auch die eigenen Banken und ihre Gesch&auml;ftspraktiken r&uuml;cken das Bankgeheimnis ins Rampenlicht. Und nun bringt ausgerechnet eine l&auml;ngst erledigt geglaubte Steueraff&auml;re den Verm&ouml;gensverwalter Julius B&auml;r in die Schlagzeilen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/News\/Recht-Steuern\/Meldungen\/_pv\/_p\/204872\/_t\/ft\/_b\/1399397\/default.aspx\/schweiz-diskutiert-bankgeheimnis.html\">Handelsblatt<\/a><\/li>\n<li><strong>Steueroasen: Bundesregierung muss jetzt konsequent vorgehen<\/strong><br>\nDiskussion bei Ecofin Schritt in richtige Richtung<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.attac.de\/aktuell\/presse\/presse_ausgabe.php?id=855\">Attac<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich wird &uuml;ber die ganz normalen Steueroasen diskutiert. Und an dieser Diskussion beteiligen sich nicht nur attac, sondern sogar wirtschaftsnahe Bl&auml;tter wie zum Beispiel das Handelsblatt. Siehe unten mit einem Bericht &uuml;ber die Schweiz und einem &uuml;ber die Liechtenstein Connection. 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