{"id":30456,"date":"2016-01-22T11:07:20","date_gmt":"2016-01-22T10:07:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30456"},"modified":"2024-08-22T16:17:34","modified_gmt":"2024-08-22T14:17:34","slug":"der-nuetzliche-feind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30456","title":{"rendered":"Der n\u00fctzliche Feind"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160122_mustafa.jpg\" alt=\"Imad Mustafa\" title=\"Imad Mustafa\"><\/div><p>Strebt &bdquo;der Islam&ldquo; wirklich nach der Weltherrschaft? Und sind eigentlich alle Muslime &ndash; qua Sozialisation, wie uns die moderne Rechte gern <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/martenstein-ueber-koeln-und-political-correctness-es-geht-um-den-islam-nicht-um-fluechtlinge\/12811028.html\">glauben machen will<\/a> &ndash; gewaltbereit, Frauenunterdr&uuml;cker und potentielle Terroristen? Diese Fragen w&auml;ren ob ihrer menschenverachtenden Pauschalierungen eigentlich der Beachtung nicht wert, w&uuml;rden nicht immer mehr Menschen im Lande glauben, sie seien berechtigt und da sei &bdquo;etwas dran&ldquo;. Zur uns seit Jahren massenmedial dargebotenen Inszenierung einer &bdquo;Bedrohung&ldquo; durch Muslime, die <a href=\"https:\/\/www.opendemocracy.net\/jeremy-h-keenan\/redefining-poor-as-%E2%80%9Cterrorists%E2%80%9D\">soziale und &ouml;konomische Probleme<\/a> als religi&ouml;se <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/39\/39413\/1.html\">fehldiagnostiziert<\/a> und viel gr&ouml;&szlig;ere <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29666\">Probleme<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28017\">Bedrohungen<\/a>, die es dringend zu besprechen g&ouml;lte, dabei unsichtbar macht, sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit dem Politologen <strong>Imad Mustafa<\/strong>, dessen letzte <a href=\"http:\/\/www.mediashop.at\/typolight\/index.php\/buecher\/items\/imad-mustafa---der-politische-islam\">Studie<\/a> zum Kontext viel <a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/arabischer-fruehling-mehr-als-muslimbrueder.1270.de.html?dram:article_id=272740\">Beachtung<\/a> fand.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Mustafa, in den Medien h&ouml;ren und lesen wir fast t&auml;glich vom Islam. Und zwar als einer Art &ldquo;Terror-Religion&rdquo;. Sie besch&auml;ftigen sich seit Langem mit diesem Thema. Was haben sie f&uuml;r Sie denn gemein: Terrorismus und &ldquo;der Islam&rdquo;? Handelt es sich hier um zwei Seiten einer Medaille, wie man uns das medial gern glauben machen mag?<\/strong><\/p><p>Es ist inzwischen recht und billig geworden, Terror und Islam quasi gleichzusetzen &ndash; zumindest kommt es mir oftmals so vor. Das sieht man besonders drastisch an der unterschiedlichen Benennung von Gewaltverbrechen: Als Anfang Dezember 2015 im kalifornischen San Bernadino ein Ehepaar 16 Menschen erschoss, sprachen die Medien zun&auml;chst von einem sogenannten &bdquo;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mass_shooting\">Mass-Shooting<\/a>&ldquo;, das in den USA sehr h&auml;ufig vorkommt. Nachdem Ermittler den Hintergrund der T&auml;ter ausgeleuchtet hatten, sprach Pr&auml;sident Obama einige Tage sp&auml;ter pl&ouml;tzlich von einer &bdquo;<a href=\"http:\/\/edition.cnn.com\/2015\/12\/06\/politics\/obama-oval-office-address-isis-terror\/\">Terrorattacke<\/a>&ldquo;, die durch Menschen ver&uuml;bt worden sei, die &bdquo;den dunklen Pfad der Radikalisierung hinabgegangen&ldquo; w&auml;ren. Anlass dieser Neubewertung war die Erkenntnis, dass die T&auml;terin w&auml;hrend des Amoklaufs Abu Bakr al-Baghdadi, dem Chef des sogenannten &bdquo;Islamischen Staates&ldquo;, angeblich online die Treue geschworen haben soll. Was uns hier begegnet ist keine Ausnahme: Gewalt, die von Muslimen ausgeht, wird sehr h&auml;ufig als terroristisch qualifiziert, w&auml;hrend bei der Gewalt von Wei&szlig;en gegen Minderheiten diese Qualifizierung sehr h&auml;ufig fehlt. <\/p><p>Noch deutlicher wird dieses Muster, wenn man sich einen umgekehrten Fall vor Augen h&auml;lt: Wenn ein wei&szlig;er Europ&auml;er oder Amerikaner aus rassistischen Motiven mordet, dann wird kaum jemals der Terrorbegriff bem&uuml;ht. Die Gewalt, die von solchen T&auml;tern ausgeht, wird stattdessen fast immer pathologisiert, als &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/justiz\/erschossene-11-jaehrige-an-silvester-schuetze-feuerte-aus-wut-in-personengruppe-a-1071826.html\">Einzelfall<\/a>&ldquo; abgetan oder gar nicht erst als solche erkannt. Krassestes Beispiel f&uuml;r einen solchen Fall ist die Gewalt, die vom sogenannten <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28942\">NSU<\/a> ausging. <\/p><p>Obwohl vieles sehr fr&uuml;h auf eine rassistische Mordserie hindeutete, ermittelten die Beh&ouml;rden nur im Umfeld der Opferfamilien und unterstellten diesen sogar Komplizenschaft mit den M&ouml;rdern. Die Medien verunglimpften die Toten sogar noch, indem sie von &bdquo;D&ouml;nermorden&ldquo; anstatt von Terrorismus sprachen. Und schlie&szlig;lich ist da noch der ambivalente Umgang mit kriegerischer Gewalt westlicher Verb&uuml;ndeter, der sowohl in der Politik als auch in den Medien und im pers&ouml;nlichen Umgang zu beobachten ist. Hier hat sich inzwischen ein Begriffsinstrumentarium etabliert, das sowohl die Ziele, als auch die dahinterliegenden Intentionen und verheerenden Auswirkungen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27768\">&bdquo;westlicher&ldquo; Interessenpolitik<\/a> vollkommen verschleiern: <\/p><p>Mal ist von &bdquo;humanit&auml;ren Interventionen&ldquo;, &bdquo;Luftschl&auml;gen&ldquo;, &bdquo;chirurgisch pr&auml;zisen Angriffen&ldquo; oder &bdquo;Operation&ldquo; die Rede. Alles sehr sterile Ausdr&uuml;cke. Nie jedoch spricht man in solchen Zusammenh&auml;ngen von Terrorismus &ndash; auch wenn Bomben und Raketen auf dichtbesiedelte St&auml;dte nichts anderes sind. Denn das w&uuml;rde den Mythos vom absolut b&ouml;sen und vor allem g&auml;nzlich &bdquo;anderen&ldquo; Muslim zerst&ouml;ren und ihn seiner Funktion als innen- wie au&szlig;enpolitisches Brecheisen berauben.<br>\nDer erfahrene britische Nahostkorrespondent Robert Fisk, der seit circa 40 Jahren aus Beirut berichtet, hat das einmal sehr eindr&uuml;cklich formuliert: &bdquo;Terror ist zu einer Entschuldigung und Legitimation, ja zu einer moralischen Erlaubnis geworden, staatliche Gewalt einzusetzen &ndash; &bdquo;unsere Gewalt&ldquo; &ndash; die sich heute auf abscheuliche und willk&uuml;rliche Art gegen die unschuldigen V&ouml;lker des Nahen Ostens richtet.&ldquo;<\/p><p><strong>&Uuml;ber welche Funktion sprechen wir denn da? Und, da Sie die Medien und die Politik ansprachen und kritisierten: F&auml;llt derlei Menschenfeindlichkeit in Gestalt eines antimuslimischen Rassismus denn vom Himmel &ndash; oder wird sie &bdquo;provoziert&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Es sind verschiedene Funktionen, die Feindbilder erf&uuml;llen. Zun&auml;chst muss festgehalten werden, dass es nichts Au&szlig;ergew&ouml;hnliches ist, Menschen zu kategorisieren. Es entspricht einem wichtigen sozialpsychologischen Filtermechanismus, der uns hilft, die Vielfalt unserer Wahrnehmungen zu sortieren. Dieser Prozess l&auml;uft im Hintergrund praktisch immer mit. Problematisch wird es erst, wenn die &bdquo;normale&ldquo; Kategorisierung auf ganze Gruppen &ndash; Ausl&auml;nder, Muslime, Fl&uuml;chtlinge etc. &ndash; &uuml;bertragen wird und anhand von negativen Stereotypen zu einem Feindbild gerinnt. <\/p><p>Dann haben wir es n&auml;mlich mit einem dichotomischen Weltbild zu tun, in dem &bdquo;die anderen&ldquo;, die Out-Group, die Position des B&ouml;sen einnehmen. Zugleich f&uuml;hrt die Negativbewertung anderer Gruppen zu einer positiven eigenen sozialen Identit&auml;t, einer Steigerung des Selbstwertgef&uuml;hls der In-Group.<\/p><p>Solche, anhand von Stereotypen vorgenommenen, Kategorisierungen k&ouml;nnen medial wie politisch nat&uuml;rlich aufrechterhalten bzw. auch ausgeweitet werden. Im Falle eines muslimischen Feindbildes ist zu beobachten, dass seit dem Ende der West-Ost-Konfrontation mehr und mehr das vorherrschende Feindbild &bdquo;Russland und Kommunismus&ldquo; abgel&ouml;st wurde durch das Feindbild Islam. Katalysatoren dieser Entwicklung waren der Zweite Golfkrieg 1990\/1991, der erste Anschlag auf das World Trade Center in New York 1993, die Anschl&auml;ge vom 11. September sowie die beiden Kriege in Afghanistan und Irak 2001 und 2003. Seit dieser Zeit dominierten zunehmend negative Zuschreibungen und Bilder &uuml;ber den Islam die Berichterstattung in den Medien. <\/p><p>Politisch ist ein solches Feindbild n&uuml;tzlich, um sogenannte sicherheitspolitische Ma&szlig;nahmen wie Lauschangriffe, Einschr&auml;nkung b&uuml;rgerlicher Freiheiten etc. legitimieren zu k&ouml;nnen. Mit Verweis auf den sogenannten islamistischen Terrorismus, der nicht nur &bdquo;unsere&ldquo; Sicherheit, sondern auch &bdquo;unsere&ldquo; Art zu leben sowie die Errungenschaften der Aufkl&auml;rung bedrohe, l&auml;sst sich mittlerweile sogar ein staatlicher Ausnahmezustand, wie j&uuml;ngst nach den Pariser Anschl&auml;gen in Frankreich geschehen, legitimieren. <\/p><p>Und au&szlig;enpolitisch taugt ein solches Feindbild nat&uuml;rlich dazu, um die eigene machtpolitische Agenda voranzutreiben. Ich glaube es ist nicht &uuml;bertrieben, zu sagen, dass der sogenannte &bdquo;Kampf gegen den Terrorismus&ldquo; die effektivste propagandistische Erfindung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist. Deutlich wird dies, wenn man sich die nackten Zahlen anschaut: Die meisten Opfer terroristischer Anschl&auml;ge gibt es nicht in den USA oder in Europa, sondern in Syrien, Irak, Nigeria und Afghanistan. <\/p><p>Doch solange die Angst vor den sogenannten Islamisten gesch&uuml;rt wird, kann man weiterhin die neokolonialen Kriege im Nahen Osten, eine der wichtigsten strategischen Regionen der Welt, um Ressourcen und Macht f&uuml;hren und so tun, als ginge es dabei um &bdquo;unsere&ldquo; Sicherheit. Dass es in der Folge dieser Kriege vermehrt zu Anschl&auml;gen auch hierzulande kommt, wird entweder nicht gesehen oder ausgeblendet. Ganz im Gegenteil werden solche Anschl&auml;ge umgehend f&uuml;r die weitere Eskalation westlicher Kriege genutzt.<\/p><p><strong>Aber ist denn nichts dran an dem Vorwurf, die &bdquo;Terroristen&ldquo;, &uuml;ber die es best&auml;ndig in den Medien geht, die w&uuml;rden &bdquo;wegen ihrer Religion&ldquo; hierzu? Was hat der Islam Ihrer Einsch&auml;tzung nach zu derlei &bdquo;Radikalisierungen&ldquo; beigetragen &ndash; und ist er deswegen &bdquo;das Problem schlechthin&ldquo;?<\/strong> <\/p><p>Da muss man unterscheiden: Reden wir von jungen M&auml;nnern hier im &bdquo;Westen&ldquo;, die sich dem sogenannten &lsquo;Islamischen Staat&rsquo; oder anderen Gruppen anschlie&szlig;en oder von islamischen Bewegungen in der arabisch-islamischen Welt?<br>\nIn der Ursachenanalyse von Anschl&auml;gen oder Radikalisierungen junger M&auml;nner hier in Europa herrscht ein Narrativ vor, das uns weismachen will, der Schwerpunkt der Radikalisierung liege in religi&ouml;sen Motiven begr&uuml;ndet, so als ob Religion Gewalt aus sich heraus erzeuge. Oftmals wird eine Radikalisierungsgeschichte eines Individuums minuti&ouml;s nachgezeichnet, ohne dass wirklich klar w&uuml;rde, warum dieser Mensch sich der Gewalt zugewandt haben soll, au&szlig;er dass dubiose Hassprediger diesen Menschen irgendwie &bdquo;in ihre F&auml;nge gebracht&ldquo; h&auml;tten. Als Sozialwissenschaftler muss ich eine solche Vorgehensweise als verk&uuml;rzt ablehnen. Sie ist ungef&auml;hr so geistreich, wie jene Erkl&auml;rung, die die Entstehung des Holocaust dem Charakter und Charisma &bdquo;des F&uuml;hrers&ldquo; anzudichten sucht.<br>\nNat&uuml;rlich hat die sogenannte islamistische Gewalt auch eine ideologische Dimension, den sogenannten dschihadistischen Salafismus. <\/p><p>Aber dar&uuml;ber hinaus gibt es nat&uuml;rlich politische wie soziale Ursachen f&uuml;r diese wie wahrscheinlich auch jede andere Form von Gewalt. Und wenn wir uns das genauer anschauen, dann sto&szlig;en wir auf ein Gemisch von Ausgrenzung in den hiesigen Gesellschaften, sozialer Deprivation und dem Gef&uuml;hl, &bdquo;Dem Westen&ldquo; m&uuml;sse man es heimzahlen, aufgrund seiner einseitigen Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Israel bzw. den vielen Kriegen vor allem gegen arabische L&auml;nder. <\/p><p>Man muss sich das mal nur vergegenw&auml;rtigen: Seit 1967 besetzt Israel v&ouml;lkerrechtswidrig Gaza und die Westbank. 1982 marschierte Israel in den Libanon ein und blieb 18 Jahre lang. In dieser Zeit gingen viele Massaker auf das Konto Israels. 1990 griff die NATO den Irak an, erlegte ihm Sanktionen auf, denen mehr als 500.000 Iraker zum Opfer fielen, nur um ein zweites Mal, 2003, zuzuschlagen und alle staatlichen Strukturen zu zerst&ouml;ren. Dann w&auml;ren da noch der Krieg gegen Afghanistan seit 2001, sowie die Bombardierung Libyens 2011 zu nennen. Nicht vergessen d&uuml;rfen wir in diesem Zusammenhang, dass &bdquo;der Westen&ldquo; &uuml;ber viele Jahrzehnte Diktaturen wegen strategischer Interessen an der Macht gehalten hat und noch h&auml;lt, etwa in &Auml;gypten, Jordanien, die Golfmonarchien Saudi-Arabien, Katar etc. Die Religion wirkt in diesem Kontext vor allem als ideologisches Vehikel f&uuml;r jene Menschen, die sich ihrer bedienen, um ein Ger&uuml;st zu haben, auf das sich ihre Gewaltanwendung st&uuml;tzen kann. <\/p><p>Ich w&uuml;rde daher die g&auml;ngige Argumentation umkehren und sagen: Nicht &bdquo;der Islam&ldquo; oder eine sich selbst speisende Radikalisierung sind Ursachen der kritisierten Gewalt, sondern ideologisierte und von Menschen gemachte Formen des Islams fungieren als Triebfeder und Legitimation f&uuml;r gewisse Formen der Gewaltaus&uuml;bung, die soziale und politische Ursachen haben. <\/p><p>Ein letzter Punkt scheint mir hier von besonderer Bedeutung: Die Verwendung des Begriffspaars Islamismus und Terrorismus und dessen Zuspitzung im &bdquo;islamistischen Terrorismus&ldquo; ist hochgradig unsinnig, ideologisch und antimuslimisch zugleich.<br>\nDenn erstens frage ich mich, was der Begriff des &bdquo;Islamismus&ldquo; &uuml;berhaupt besagen will. Er kursiert &uuml;berall, nur scheint er nicht klar definiert zu sein. Sind Anh&auml;nger des &bdquo;Islamismus&ldquo; die besseren Muslime, weil sie scheinbar einer gesteigerten Form des Islams anh&auml;ngen? Gibt es also eine Art Konkurrenzislam, auf die sich diejenigen beziehen, die davor warnen? <\/p><p>Und zweitens stellt dieser Begriff eine Fremdzuschreibung dar. Im Arabischen existierte dieser Begriff nicht, bis er hier erfunden und von arabischen Medien aufgegriffen wurde, um fundamentalistische Str&ouml;mungen zu beschreiben. Kein Muslim in der islamischen Welt w&uuml;rde sich damit bezeichnen. Und schlie&szlig;lich: Diese Begrifflichkeit d&auml;monisiert in erster Linie Muslime, die uns in diesem Zusammenhang als Projektionsfl&auml;che f&uuml;r das absolut B&ouml;se gelten. Machen Sie den Test! Wer denkt beim Wort Islamismus nicht an Mord und Totschlag, an Terror? Damit verweigert man sich jeglicher Analyse und begn&uuml;gt sich damit, mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, die gleichzeitig ausgeschlossen werden aus dem Kreis der &bdquo;Zivilisation&ldquo;, &bdquo;der freien Welt&ldquo;, &bdquo;der westlichen Wertegemeinschaft&ldquo; etc. Das Problem wird also externalisiert, da &bdquo;der Muslim&ldquo; ja qua Geburt nicht zu uns geh&ouml;rt, fremd bleibt. Die perfekte Entlastung von jeglicher Schuld und Verantwortung quasi. Dabei wird gerne vergessen, dass etwa die Attent&auml;ter von Paris, London oder Madrid, aber auch die K&auml;mpfer, die von hier nach Syrien gehen, Kinder dieser Gesellschaft sind, hier geboren und sozialisiert, sie also &bdquo;unser&ldquo; Problem sind.<\/p><p><strong>F&uuml;r derlei Denken wird man Sie wohl gleich als &bdquo;Terrorversteher&ldquo; brandmarken, denke ich&hellip;<\/strong><\/p><p>Wenn das hei&szlig;t, dass sich mein Denken nicht durch Panikmache und das Sch&uuml;ren von antimuslimischen Stereotypen leiten l&auml;sst, dann lasse ich mich gerne so nennen. Es ist doch ganz einfach: In einer gesellschaftlichen Situation, die zunehmend polarisiert ist, in der neofaschistische Tendenzen am Rand zunehmen, der braune Mob sich ungestraft im Netz austoben darf, wie dies etwa sehr eindr&uuml;cklich nach den K&ouml;ln-Ereignissen der Silvesternacht geschah, die AfD und Pegida der b&uuml;rgerlichen Mitte immer mehr das Wasser abgraben und der b&uuml;rgerliche Staat zunehmend aufr&uuml;stet bzw. gar nicht mehr so b&uuml;rgerlich ist, weil er eben erk&auml;mpfte Freiheitsrechte im Namen der Sicherheit einkassiert, in solch einer Situation ist Widerspruch gegen das Mantra des &bdquo;Kriegs gegen Terror&ldquo; das Mindeste, das man als vern&uuml;nftiger Mensch leisten sollte &ndash; in welcher Form auch immer. <\/p><p><strong>Der Islam als solcher ist also nicht Ursache &hellip; f&uuml;r irgendetwas?<\/strong><\/p><p>Inwieweit die skizierten Ph&auml;nomene mit &bdquo;dem Islam&ldquo; vereinbar sind oder aus dem Koran abgeleitet werden k&ouml;nnen, ist eine gute Frage und es gibt tats&auml;chlich nicht wenige, die sagen, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Auch hier muss man versuchen, zu differenzieren und die ma&szlig;geblichen Tatsachen zu ber&uuml;cksichtigen:<\/p><p>Es gibt Passagen im Koran, die zu Gewalt aufrufen. Aber hier, wie in der Bibel auch, die solche Passagen nicht minder kennt, geht es um bestimmte historische Zusammenh&auml;nge, die es zu beachten und mitzulesen gilt. Daraus aber pauschal abzuleiten, dass der Islam gewaltt&auml;tig sei, ist der falsche Ansatz und spielt nur denjenigen in die H&auml;nde, die im Stile eines Samuel Huntington den &bdquo;Krieg der Zivilisationen&ldquo; &ndash; mit den Muslimen als Aggressoren &ndash; gekommen sehen. Kontext ist wichtig! Die islamische Gelehrtentradition hat &uuml;brigens von Anfang an eine textkritische Ausrichtung, die bei der Auslegung von Koranversen sowohl sogenannte Offenbarungsgr&uuml;nde &ndash; &bdquo;asbab an-nuzul&ldquo; &ndash;, als auch Hadithe, also &uuml;berlieferte Ausspr&uuml;che des Propheten, und andere Quellen zur Koranauslegung hinzuzieht.<\/p><p>Au&szlig;erdem gilt bei der Koranexegese immer, dass man einzelne Verse nie alleine lesen darf, sondern alle Stellen, die zur Interpretation beitragen, mitlesen und ber&uuml;cksichtigen muss. Eine Lesart also, die sich einzelne Verse zur Begr&uuml;ndung einer Ideologie herauspickt oder damit einen Herrschaftsanspruch begr&uuml;nden will, ist theologisch nicht haltbar. Im Falle des sogenannten Islamischen Staates wurde das von den h&ouml;chsten islamischen Autorit&auml;ten <a href=\"http:\/\/www.lettertobaghdadi.com\/\">festgehalten<\/a>. <\/p><p>Aber nochmals: Wir sollten es tunlichst vermeiden, soziale und politische Ph&auml;nomene nur religi&ouml;s-ideologisch zu erkl&auml;ren, zu kulturalisieren, auch wenn sich die jeweiligen Protagonisten ganz explizit auf den Islam berufen. Schaut man in die Vergangenheit, dann wird das vollends klar.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p style=\"text-align:center\"><strong>Tote durch westliche Kriege und Einmischungen<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/interviewmitimadmustafaillustration1.jpg\" alt=\"Tote durch westliche Kriege und Einmischungen\" title=\"Tote durch westliche Kriege und Einmischungen\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/JuergenTodenhoefer\/photos\/a.10150173554135838.304529.12084075837\/10153316452935838\/?type=3&amp;theater\">J&uuml;rgen Todenh&ouml;fer via Facebook<\/a><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p style=\"text-align:center\"><strong>Tote durch Terrorismus weltweit<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/interviewmitimadmustafaillustration2.jpg\" alt=\"Tote durch Terrorismus weltweit\" title=\"Tote durch Terrorismus weltweit\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/static.visionofhumanity.org\/sites\/default\/files\/2015%20Global%20Terrorism%20Index%20Report.pdf\">Global Terrorism Index 2015<\/a>, Seite 14<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p style=\"text-align:center\"><strong>L&auml;nder mit den h&ouml;chsten Opferzahlen durch Terrorismus weltweit im Jahr 2014<br>\n(80 Prozent der weltweiten Todesf&auml;lle durch Terrorismus konzentrieren sich auf f&uuml;nf L&auml;nder)<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/interviewmitimadmustafaillustration3.jpg\" alt=\"L&auml;nder mit den h&ouml;chsten Opferzahlen durch Terrorismus weltweit im Jahr 2014\" title=\"L&auml;nder mit den h&ouml;chsten Opferzahlen durch Terrorismus weltweit im Jahr 2014\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/static.visionofhumanity.org\/sites\/default\/files\/2015%20Global%20Terrorism%20Index%20Report.pdf\">Global Terrorism Index 2015<\/a>, Seite 16<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p style=\"text-align:center\"><strong>Opfer von Terroranschl&auml;gen in Westeuropa seit 1970<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/interviewmitimadmustafaillustration4.jpg\" alt=\"Opfer von Terroranschl&auml;gen in Westeuropa seit 1970\" title=\"Opfer von Terroranschl&auml;gen in Westeuropa seit 1970\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"https:\/\/mobile.twitter.com\/dpa\/status\/667743724689096704\">dpa-infografik via Twitter<\/a><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Das meint was genau?<\/strong><\/p><p>Es f&auml;llt auf, dass das Erstarken politisierter Formen des Islams immer mit sozialen, politischen oder milit&auml;rischen Krisensituationen zusammenfiel und -f&auml;llt. Erstmals geschah das um die Jahrhundertwende des 19. zum 20 Jahrhundert. Damals eroberten europ&auml;ische M&auml;chte immer weitere Gebiete des Osmanischen Reiches. Angef&uuml;hrt von islamischen Intellektuellen wie Dschamal al-Din al-Afghani oder Muhammad Abduh entwickelte sich in Form eines Authentizit&auml;ts- und Identit&auml;tsdiskurses Widerstand gegen die koloniale Eroberung und kulturelle Durchdringung dieser L&auml;nder durch &bdquo;westliche&ldquo; Ideen und Armeen. Sie postulierten die R&uuml;ckkehr zur reinen Lehre des Islams, angepasst jedoch an die Erfordernisse der Moderne, um &bdquo;dem Westen&ldquo; etwas Eigenes entgegensetzen zu k&ouml;nnen. Was von einer kleinen intellektuellen Elite ausging, die den Islam reformieren und erneuern wollte, sollte sich wenige Jahrzehnte sp&auml;ter schnell zu einer modernen Massenbewegung mit breiter sozialer Basis entwickeln, die zum einen die Lebensverh&auml;ltnisse der verarmten Massen verbessern und zum anderen die Briten aus dem Land treiben wollte: Die Muslimbruderschaft in &Auml;gypten, &bdquo;die Mutter aller islamischen Bewegungen&ldquo;, war geboren.<\/p><p>&Auml;hnliches gilt f&uuml;r andere prominente Organisationen wie Hizbollah oder Hamas: Entstehungsgeschichte, politische Ziele und ideologische Formen sind dort zwar eng verzahnt; jedoch &uuml;berwiegt bei diesen Organisationen eindeutig das politische &uuml;ber das religi&ouml;se oder milit&auml;rische Moment. Zudem spielen konkrete historische Ereignisse wie der Niedergang des panarabischen Nationalismus als hegemonialer Ideologie nach dem Tod Nassers 1970, die israelische Besatzung Gazas und der Westbank oder auch die israelische Invasion des Libanons und der Kampf dagegen eine entscheidende Rolle in der Formierung dieser Organisationen und nicht die Religion. Deshalb ist es sinnvoller im Zusammenhang mit diesen Bewegungen vom Politischen Islam zu sprechen, weil sie in der Regel &uuml;ber eine sehr breite Massenbasis verf&uuml;gen, die es ihnen erm&ouml;glicht, am politischen Prozess ihres jeweiligen Landes zu partizipieren sowie einen gro&szlig;en Wohlfahrtsapparat zu unterhalten. Weiteres Merkmal ist die prinzipielle Zustimmung zu einem politischen Aushandlungsprozesses, die zur Voraussetzung hat, dass man den politischen Gegner als legitim anerkennt und sich in bestehende Institutionen des politischen Systems f&uuml;gt.<\/p><p>Die Gewaltanwendung ist das letzte und wichtigste Unterscheidungsmerkmal: Fast alle Gruppen aus diesem Spektrum mit Ausnahme der Muslimbr&uuml;der schlie&szlig;en die Anwendung von Gewalt zur Verwirklichung ihrer politischen Ziele <em>nicht<\/em> aus.<br>\nJedoch ist sie bei Gruppen des Politischen Islams stets rationalen und strategischen Restriktionen unterworfen. Andere hingegen wie der sogenannte &lsquo;Islamische Staat&rsquo;, Al-Qaida oder Boko Haram in Nigeria w&uuml;rde ich in diesem Sinne sogar als <em>antipolitische Organisationen<\/em> bezeichnen, weil bei diesen Gruppen die milit&auml;rische Logik &uuml;ber ein etwa vorhandenes politisches Ziel &uuml;berwiegt. Die Gewalt scheint entgrenzt, manchmal sogar als Zweck an sich. Zudem werden alle Gegner, die dem Glauben in der je spezifischen Interpretation nicht denselben Absolutheitsanspruch zumessen, als Abtr&uuml;nnige, Gottlose etc. verdammt. Damit verlassen diese Gruppen eindeutig den Rahmen des Politischen. Diesen &bdquo;Takfir&ldquo; &ndash; also den politischen Gegner zum Ungl&auml;ubigen erkl&auml;ren &ndash; kennen Gruppen wie Hizbollah oder Hamas nicht. <\/p><p><strong>Verstehe ich recht: Die Politisierung von Muslimen speist sich in Gesamtschau aus einer Art &hellip; antikolonialem Kampf?<\/strong><\/p><p>Ja und Nein. Wie gesagt, kann man &auml;hnliche Entwicklungspfade f&uuml;r viele Organisationen nachzeichnen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, ihr Land von Fremdherrschaft zu befreien, ja. Aber es w&auml;re verk&uuml;rzt, die Agenden dieser Organisationen auf den Kampf gegen Fremdherrschaft zu reduzieren. Weitere zentrale Elemente sind die soziale Wohlfahrt, als auch das Ziel, die politische Macht im Land zu ergreifen. Wir d&uuml;rfen nicht vergessen, dass sowohl in historischer Perspektive, als auch heute, viele arabische Regime und Regierungen von den islamischen Bewegungen bek&auml;mpft werden, weil sie in deren Augen aus vielerlei Gr&uuml;nden keine Legitimit&auml;t genie&szlig;en. <\/p><p>Zum Teil wird da religi&ouml;s argumentiert, aber sehr oft geht es um ganz profane Dinge wie Jobs, Wohlstand und Freiheit, die von diesen Gruppen f&uuml;r alle Gesellschaftsmitglieder eingefordert werden. Auch die Kooperation vieler Staaten mit &bdquo;dem Westen&ldquo; wird von den Bev&ouml;lkerungen wegen der erw&auml;hnten Kriege und Besatzungen extrem ablehnend bewertet. Diese Themen greifen islamische Bewegungen auf und sch&ouml;pfen daraus einen Gro&szlig;teil ihrer Legitimit&auml;t. <\/p><p><strong>Wie begegnen wir dem sogenannten &bdquo;islamischen Terrorismus&ldquo; denn nun am besten, was meinen Sie?<\/strong><\/p><p>Patentrezepte gibt es da nicht. Ursachen der Gewalt hier in Europa in Form von Anschl&auml;gen sind ganz anders geartet, als etwa in Syrien, Irak oder anderswo. Vielleicht w&auml;re es ein Anfang, die kolonialen Begrifflichkeiten hinter uns zu lassen und das ganze Ph&auml;nomen etwas weniger emotional anzugehen. Zwischen dem sogenannten IS und der Hamas liegen Welten, dennoch werden beide als islamistische Terroristen bezeichnet. Das zeigt, dass die Politiker nichts begriffen haben, oder aber ganz gezielt bestimmte politische Formen des Islams, wie etwa die Muslimbr&uuml;der, die ja legitim sind, weil hinter ihnen eben Millionen Menschen stehen, diffamieren und delegitimieren wollen. <\/p><p>Muslimen auf Augenh&ouml;he zu begegnen und nicht als Adressaten eines arroganten, neokolonialen Diskurses, der ihnen vorschreiben m&ouml;chte, wie sie zu sein haben, w&auml;re ein guter Anfang. <\/p><p>Ein zweiter Schritt best&uuml;nde darin, das V&ouml;lkerrecht umzusetzen &ndash; ohne Ausnahme. Das hie&szlig;e zum einen, die Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzustellen und zum anderen das V&ouml;lkerrecht nicht selektiv da anzuwenden, wo es &bdquo;uns&ldquo; gerade in den Kram passt. Damit h&auml;tten sich nicht nur viele Kriege vermeiden lassen, sondern auch der Zerfall des Iraks, Libyens, der Syrienkrieg sowie die Macht&uuml;bernahme des sogenannten IS in weiten Teilen dieser Staaten. <\/p><p>Drittens, und das ist sehr wichtig, m&uuml;sste &bdquo;der Westen&ldquo; mit der politischen und milit&auml;rischen Unterst&uuml;tzung von Regimen aufh&ouml;ren, die zu den repressivsten auf der ganzen Welt geh&ouml;ren. Als Beispiel sei nur Saudi-Arabien genannt. Wie kann es sein, dass &bdquo;der Westen&ldquo; einerseits die Einhaltung von Demokratie und Menschenrechten einfordert, aber bei diesem Land aufgrund strategischer und &ouml;konomischer Interessen wegsieht, wenn die Opposition eingesperrt, gefoltert und hingerichtet wird und wenn eine Organisation wie der sogenannte IS und die Nusra-Front in Syrien mutma&szlig;lich von Saudi-Arabien mit Waffen versorgt werden? Auch der Jemen wird seit fast einem Jahr von Saudi-Arabien und seiner Koalition williger Helfer aus der Golfregion bombardiert &ndash; mit dem Ergebnis, dass Al-Qaeda weite Teile des Landes unter seine Kontrolle bringen konnte.<\/p><p>Nur wenn den Staaten des Nahen Ostens die M&ouml;glichkeit einer autonomen Entwicklung einger&auml;umt wird, frei von externer milit&auml;rischer oder politischer Einmischung, kann man die Quellen des Terrors trockenlegen. Das ist zugegebenerma&szlig;en eine sehr idealistische Vorstellung, aber am Beispiel Tunesiens kann man sehr gut sehen, dass &ndash; verk&uuml;rzt dargestellt &ndash; die mangelnde geostrategische Bedeutung dieses Landes es nach dem Sturz Ben Alis 2011 vor einem Abrutschen in einen B&uuml;rger- oder Stellvertreterkrieg bewahrt hat. <\/p><p><strong>Und wie soll all das gehen, wenn die Menschen doch Angst vor &bdquo;diesen Terroristen&ldquo; haben und ihnen diese Angst von den Medien tagein-, tagaus weiter bef&ouml;rdert wird? Wie kommen wir zu Kooperation &hellip; jenseits von Vorurteilen, Rassismus und Angst?<\/strong><\/p><p>Angst ist der falsche Ansatz in der Politik. Nur leider verf&auml;ngt sie immer wieder. Das ist ja unser Grundproblem. Was in Jahrzehnten und im Falle des Islams in Jahrhunderten an &bdquo;schlechter Presse&ldquo; generiert wurde, l&auml;sst sich nicht innerhalb von Wochen oder Monaten reparieren. Geduld und Besonnenheit sind n&ouml;tig. Die Mehrheitsgesellschaft hier in Deutschland muss sich endlich daran gew&ouml;hnen, dass Muslime zum Stra&szlig;enbild, zur Politik, zum gesellschaftlichen Leben einfach dazugeh&ouml;ren. Sie wollen nicht nur Objekte, sondern Subjekte ihres eigenen Schicksals sein, also mitreden und mitmachen als gleichberechtigte B&uuml;rger dieses Staates. Sie sind nicht fremd oder anders. Und vor allem sind sie nicht alle gleich terroristisch! <\/p><p>Ich glaube, dass es wichtig ist, dass sich Menschen begegnen. Sehr oft ist es doch so, dass Deutsche den Islam und Muslime nur aus den Medien und da aus gewaltbehafteten Zusammenh&auml;ngen kennen. Das muss sich &auml;ndern. Zugleich muss auf der politischen Ebene etwas passieren. Seitdem im Sommer vermehrt syrische und andere Fl&uuml;chtlinge hier nach Deutschland kommen und nach den Vorkommnissen der Silvesternacht in K&ouml;ln, wird die Stimmung in Teilen der Bev&ouml;lkerung und der Medien regelrecht hysterisch gegen&uuml;ber Muslimen. Auf der rein subjektiven Ebene habe ich eine derartige Hetze noch nie erlebt &ndash; nicht einmal nach dem 11. September war es so schlimm. Faschisten organisieren sich in K&ouml;ln und Leipzig und suchen ganz offen die Konfrontation mit der Polizei, eine Titelstory jagt die n&auml;chste, in der der Islam urs&auml;chlich f&uuml;r Gewalt und Unterentwicklung verantwortlich gemacht wird. Doch anstatt die Gem&uuml;ter zu beruhigen, gie&szlig;en CSU, AfD, Teile der CDU und leider auch der SPD weiter &Ouml;l ins Feuer, indem sie nach sch&auml;rferen Asylgesetzen etc. rufen. Selbst die Linkspartei scheint in dieser Frage <a href=\"http:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/verwirkte-gastrechte-oder-der-bezug-auf-das-nationale\/\">gespalten<\/a>. Was viele verkennen: Menschenrechte haben keine Obergrenze. <\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Imad Mustafa<\/strong>, geboren 1980 in Esslingen am Neckar, studierte an den Universit&auml;ten Heidelberg, Damaskus und Frankfurt am Main und ist Politik- und Islamwissenschaftler. Er arbeitet als freischaffender Publizist unter anderem f&uuml;r <a href=\"http:\/\/www.inamo.de\/\">inamo<\/a>, das Informationsprojekt Naher und Mittlerer Osten e.V. 2013 erschien von ihm bei Promedia &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.mediashop.at\/typolight\/index.php\/buecher\/items\/imad-mustafa---der-politische-islam\">Der Politische Islam &ndash; Zwischen Muslimbr&uuml;dern, Hamas und Hizbollah<\/a>&ldquo;. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterschauen:<\/strong><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/oEi5zyhgq2E\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center\"><strong>ARD: Silvesternacht: Fakten statt Nebelkerzen<\/strong><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/fMr5xcYKZbY\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center\"><strong>KenFM am Telefon: Friederike Beck zu den Finanzierungsnetzwerken des IS<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Artikel: Imad Mustafa: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/islam-distanziert-euch-nicht.1005.de.html?dram:article_id=303137\">Distanziert Euch nicht!<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Imad Mustafa: &bdquo;<a href=\"http:\/\/dasmigrantenstadl.blogspot.de\/2015\/01\/von-der-kunst-des-politisch-korrekten_19.html\">Von der Kunst des politisch korrekten Rassismus<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>le Boh&eacute;mien-Interview: &bdquo;<a href=\"https:\/\/le-bohemien.net\/2015\/03\/31\/islamischer-staat-es-geht-um-armut-nicht-um-religion\/\">Islamischer Staat: &sbquo;Es geht um Armut, nicht um Religion&lsquo;<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.opendemocracy.net\/jeremy-h-keenan\/redefining-poor-as-%E2%80%9Cterrorists%E2%80%9D\">Redefining the poor as &lsquo;terrorists&rsquo;<\/a>&rdquo;<\/li>\n<li>Artikel: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.thedailybeast.com\/articles\/2015\/01\/14\/are-all-terrorists-muslims-it-s-not-even-close.html\">Are All Terrorists Muslims? It&rsquo;s Not Even Close<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26658\">Feindbild Islam<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25067\">Inszenierter Terrorismus<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28827\">Die Terror-Manipulation<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29570\">Die Terror-Indoktrination<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24460\">PEGIDA ist das Symptom eines gr&ouml;&szlig;eren Problems<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.hintergrund.de\/201501093374\/politik\/inland\/die-grosse-aggressionsverschiebung.html\">Die gro&szlig;e Aggressionsverschiebung: &Uuml;ber Pegida, diffuse &Auml;ngste und die Reaktion der Politik<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Sabine Schiffer: <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/apuz\/29060\/der-islam-in-deutschen-medien?p=all\">Der Islam in deutschen Medien<\/a><\/li>\n<li>Artikel: Sabine Schiffer und Constantin Wagner: <a href=\"https:\/\/heimatkunde.boell.de\/2010\/04\/01\/antisemitismus-und-islamophobie-neue-feindbilder-alte-muster\">Antisemitismus und Islamophobie &ndash; Neue Feindbilder, alte Muster<\/a><\/li>\n<li>Artikel: Wilhelm Heitmeyer: &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/islamfeindlichkeit-menschen-islamischen-glaubens-werden.694.de.html?dram:article_id=302039\">Menschen islamischen Glaubens werden homogenisiert<\/a>&rdquo;<\/li>\n<li>Artikel: Wilhelm Heitmeyer: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2010-12\/studie-deutsche-zustaende\">Mehr Islamfeindlichkeit bei Reichen<\/a><\/li>\n<li>Artikel: Noam Chomsky: <a href=\"http:\/\/www.informationclearinghouse.info\/article27419.htm\">It&rsquo;s Not Radical Islam That Worries The US &ndash; It&rsquo;s Independence<\/a><\/li>\n<li>Artikel: Noam Chomsky: <a href=\"https:\/\/chomsky.info\/200704__\/\">On Religion and Politics<\/a><\/li>\n<li>Artikel: Noam Chomsky: <a href=\"http:\/\/www.jihadwatch.org\/2010\/07\/noam-chomsky-us-more-fundamentalist-than-saudi-arabia-or-the-taliban\">U.S. more &ldquo;fundamentalist&rdquo; than Saudi Arabia or the Taliban<\/a><\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/wwww.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\"><strong>eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/strong><\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/19c282819d814a549541588bb2efaff9\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160122_mustafa.jpg\" alt=\"Imad Mustafa\" title=\"Imad Mustafa\"\/><\/div>\n<p>Strebt &bdquo;der Islam&ldquo; wirklich nach der Weltherrschaft? Und sind eigentlich alle Muslime &ndash; qua Sozialisation, wie uns die moderne Rechte gern <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/martenstein-ueber-koeln-und-political-correctness-es-geht-um-den-islam-nicht-um-fluechtlinge\/12811028.html\">glauben machen will<\/a> &ndash; gewaltbereit, Frauenunterdr&uuml;cker und potentielle Terroristen? Diese Fragen w&auml;ren ob ihrer menschenverachtenden Pauschalierungen eigentlich der Beachtung nicht wert, w&uuml;rden<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30456\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,207,209,11,166],"tags":[1035,1276,1202,1557,1792,1564,1054,1703],"class_list":["post-30456","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-anti-islamismus","category-interviews","category-strategien-der-meinungsmache","category-terrorismus","tag-al-kaida","tag-attentat","tag-isis","tag-israel","tag-kolonialismus","tag-krieg-gegen-den-terror","tag-saudi-arabien","tag-voelkerrecht"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30456","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=30456"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30456\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120050,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30456\/revisions\/120050"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=30456"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=30456"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=30456"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}