{"id":30483,"date":"2016-01-22T11:12:22","date_gmt":"2016-01-22T10:12:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30483"},"modified":"2016-01-22T14:01:54","modified_gmt":"2016-01-22T13:01:54","slug":"niemand-hat-die-absicht-eine-mauer-zu-errichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30483","title":{"rendered":"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!"},"content":{"rendered":"<p>Politiker aller Parteien lieb&auml;ugeln mit einer &bdquo;Obergrenze&ldquo; f&uuml;r Fl&uuml;chtlinge. &Ouml;sterreich hat gestern bereits etwas umgesetzt, das je nach Sprachregelung einer solchen Obergrenze nahekommt. Dabei ist es eigentlich egal, wie man das Kind nennt: Eine wie auch immer formulierte Mengenbeschr&auml;nkung von Fl&uuml;chtlingen ist unter Einhaltung internationaler Abkommen nicht m&ouml;glich. Au&szlig;er &hellip; ja, au&szlig;er man baut eine Mauer und erteilt einen Schie&szlig;befehl. Ist es das, was wir wollen? Von <strong>Jens Berger<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nDie Sprachregelung &uuml;ber das, was die &ouml;sterreichische Politik gestern beschlossen hat, ist noch nicht ganz ausgefeilt. W&auml;hrend die Innenministerin von einer &bdquo;Obergrenze&ldquo; f&uuml;r Fl&uuml;chtlinge spricht, nennt der designierte Verteidigungsminister das Vorhaben &bdquo;Planungsgr&ouml;&szlig;e&ldquo; oder &bdquo;Richtgr&ouml;&szlig;e&ldquo;, w&auml;hrend der Bundeskanzler lieber von einem &bdquo;Richtwert&ldquo; sprechen will. Die bayerische CSU war dennoch vor Freude ganz aus dem H&auml;uschen, fordert sie doch bereits seit Wochen eine Obergrenze.<\/p><p>Wenn man sich die Argumentationsfetzen der &ouml;sterreichischen und der bayerischen Regierung anh&ouml;rt, k&ouml;nnte man glatt denken, die Einf&uuml;hrung einer Obergrenze f&uuml;r Fl&uuml;chtlinge sei ein blo&szlig;er Verwaltungsakt &ndash; ungef&auml;hr so wie der Beschluss, im Neubaugebiet eine verkehrsberuhigte Zone einzuf&uuml;hren. Dem ist aber nicht so. Nur ein sehr kleiner Teil der j&auml;hrlich eintreffenden Fl&uuml;chtlinge, bekommt von den deutschen Gerichten des Status eines Asylberechtigten <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27394\">zugewiesen<\/a>. Der &uuml;bergro&szlig;e Teil derer, die einen Aufenthaltstitel bekommen,  wird als Fl&uuml;chtling gem&auml;&szlig; der Genfer Fl&uuml;chtlingskonventionen anerkannt oder darf schlicht nicht in sein Herkunftsland abgeschoben werden, da ihm dort Gefahr f&uuml;r Leib und Leben drohen. <\/p><p>Was w&uuml;rde sich an der grunds&auml;tzlichen Lage nun also &auml;ndern, wenn die Regierung eine &bdquo;Obergrenze&ldquo; einf&uuml;hren w&uuml;rde? Daf&uuml;r m&uuml;sste man erst einmal klarstellen, wie man eine solche Obergrenze definiert. Ist dann bei X Schluss und die deutschen Gerichte nehmen keine Asylantr&auml;ge mehr an? Das geht nicht, da das Asylrecht als pers&ouml;nliches Recht im Grundgesetz festgeschrieben ist und zudem durch internationale Abkommen gesch&uuml;tzt ist &ndash; dazu geh&ouml;ren &uuml;brigens auch die EU-Vertr&auml;ge. Und wie sieht es mit den Fl&uuml;chtlingen aus? Kann man wenigstens bei ihnen eine Obergrenze festlegen? Nein. Andernfalls m&uuml;sste man aus der Genfer Fl&uuml;chtlingskonvention aussteigen, also einen Grundpfeiler des V&ouml;lkerrechts und der Vereinten Nationen einrei&szlig;en. Will die CSU das? Soll Deutschland sich aus dem Kreis der zivilisierten Staaten verabschieden? Wenn es dies ist was, S&ouml;der, Seehofer und Co. w&uuml;nschen, dann sollen sie es auch so sagen.<\/p><p>Und wie sieht es mit den Duldungen aus? Kann der Staat denn nicht wenigstens die Obergrenze indirekt durchsetzen, indem er h&auml;rter durchgreift? Nein. Abschiebeverbote werden von den deutschen Gerichten ja schlie&szlig;lich nicht aus Gutmenschentum oder politischer Korrektheit heraus verh&auml;ngt, sondern weil den betreffenden Personen Gefahr f&uuml;r Leib und Leben droht. Und die Sicherheitslage in Syrien wird durch die Verabschiedung einer Obergrenze in &Ouml;sterreich oder Deutschland um kein Jota besser oder schlechter. Wenn man also deutsches und internationales Recht einhalten will, dann braucht man eine Obergrenze erst gar nicht zu verabschieden, da eine solche Grenze schlicht nicht umsetzbar oder pr&auml;ziser durchsetzbar ist. Alles andere ist blo&szlig;e Symbolpolitik.<\/p><p>Wer wirklich Obergrenzen durchsetzen will, muss daf&uuml;r sorgen, dass die Fl&uuml;chtlinge deutsches Staatsgebiet physisch erst nicht erreichen. Momentan wird dies eher schlecht als recht durch Fl&uuml;chtlingsabwehr auf dem Mittelmeer und einer Kooperation mit der T&uuml;rkei umsetzt. Der Erfolg oder besser Misserfolg dieser Strategie dr&uuml;ckt sich unter anderem in den aktuellen Fl&uuml;chtlingszahlen aus. Mehr ist wohl nur durch die Errichtung eines &bdquo;antiislamischen Schutzwalls&ldquo; m&ouml;glich &ndash; einer Mauer, wie es sie in Form des &bdquo;Tortilla-Walls&ldquo; beispielsweise an der S&uuml;dgrenze der USA gibt; inklusive Grenzsicherung, zur Not mit Selbstschussanlagen und dem Schie&szlig;befehl. Nur wenn wir die Grenzen wirkungsvoll dicht machen, k&ouml;nnen wir den Zustrom und damit die Zahl der aufzunehmenden Fl&uuml;chtlinge regulieren &hellip; allen anderen L&ouml;sungen steht das Recht im Wege. <\/p><p>Der gesamten Debatte fehlt es vor allem an einem: An Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Nat&uuml;rlich w&auml;re es am Allerbesten, wenn die potentiellen Fl&uuml;chtlinge keinen Grund mehr f&uuml;r eine Flucht h&auml;tten und sich das Problem so in Luft aufl&ouml;sen w&uuml;rde. Das Gegenteil ist jedoch der Fall und man ist sicher kein Pessimist, wenn man sagt, dass sich daran zumindest mittelfristig auch nichts &auml;ndern wird. Die Menschen werden also weiter in Richtung Deutschland str&ouml;men. <\/p><p>Es ist &uuml;brigens im Kern vollkommen legitim eine Obergrenze zu formulieren &hellip; nur, dass man sie eben nicht durchsetzen kann. Mehr als eine Million Zuwanderer pro Jahr stellen den deutschen Staat nun mal auf eine schwere Belastungsprobe und nat&uuml;rlich w&auml;re es f&uuml;r die Allgemeinheit von Vorteil, wenn sich die Zahl der Zuwanderer dr&uuml;cken lie&szlig;e. Nur wie?<\/p><p>Ein Problem der Politik ist es, vor dem B&uuml;rger immer handlungsf&auml;hig dastehen zu m&uuml;ssen. Ein Politiker der sagt &bdquo;Da k&ouml;nnen wir leider auch nichts machen&ldquo; wird vom W&auml;hler abgestraft. Stattdessen wird seitens der Politik eine Handlungsf&auml;higkeit vorgespielt, die so faktisch gar nicht vorhanden ist. Ja, &Ouml;sterreich und auch Deutschland k&ouml;nnten eine Obergrenze umsetzen. Aber nur dann, wenn man die Landesgrenzen durch einen scharf bewachten Grenzzaun oder eben eine Mauer dicht macht. Wie werden dann aber die W&auml;hler, die heute &uuml;ber den &bdquo;Sexmob von K&ouml;ln&ldquo; erz&uuml;rnt  sind, reagieren, wenn sie in der Tagesschau die ersten Bilder von Minderj&auml;hrigen sehen, die von deutschen Grenzsch&uuml;tzern mit einem Schuss in den R&uuml;cken erlegt wurde? &bdquo;Ja mei, so haben wir das nun aber auch nicht gemeint&ldquo;. Doch! Wer Obergrenzen will, der muss wohl oder &uuml;bel auch die Mittel guthei&szlig;en, die n&ouml;tig sind, um solche Obergrenzen umzusetzen. Alles Andere ist unehrlich &ndash; egal ob es nun um die Politik oder die &Ouml;ffentlichkeit geht, die ihrerseits die Politik unter Druck setzen.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/ab9b9b62942d4e45adcca62f48720b51\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politiker aller Parteien lieb&auml;ugeln mit einer &bdquo;Obergrenze&ldquo; f&uuml;r Fl&uuml;chtlinge. &Ouml;sterreich hat gestern bereits etwas umgesetzt, das je nach Sprachregelung einer solchen Obergrenze nahekommt. Dabei ist es eigentlich egal, wie man das Kind nennt: Eine wie auch immer formulierte Mengenbeschr&auml;nkung von Fl&uuml;chtlingen ist unter Einhaltung internationaler Abkommen nicht m&ouml;glich. 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