{"id":3055,"date":"2008-03-11T09:07:38","date_gmt":"2008-03-11T08:07:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3055"},"modified":"2015-11-26T16:17:37","modified_gmt":"2015-11-26T15:17:37","slug":"betrifft-den-kampf-um-hessen-zeichen-fuer-die-auszehrung-demokratischer-verhaeltnisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3055","title":{"rendered":"Betrifft den Kampf um Hessen \u2013 Zeichen f\u00fcr die Auszehrung demokratischer Verh\u00e4ltnisse"},"content":{"rendered":"<p>Man muss neidlos anerkennen: Der versammelten konservativen Rechten aus Union, Wirtschaft und Medien ist es im Falle Hessens wieder einmal gelungen, den Durchbruch einer alternativen Machtkonstellation auf der linken Seite des politischen Spektrums zu verhindern. Jetzt wird auch noch daran gestrickt, die Ursachen dieser die Demokratie bedrohenden Alternativlosigkeit und die Ursachen der Besch&auml;digung der SPD zu vernebeln. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nSchuld sei Kurt Beck mit seinen einsamen Entscheidungen. Oder: &bdquo;Andrea Ypsilanti zahlt nun den Preis f&uuml;r politische Dummheit.&ldquo; So die Frankfurter Rundschau in einem irren Leitartikel vom Samstag: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/politik\/meinung\/kommentare\/?em_cnt=1300281&amp;sid=d8352e50945990bcdd2dcfe2f0aff68e\">&bdquo;Abtreten, Ypsilanti und Beck!&ldquo;<\/a>. Nat&uuml;rlich wird weiter der so genannte Wortbruch als Ursache des Debakels festgemacht. Und die Zusammenarbeit mit den &bdquo;Kommunisten&ldquo;. Das Durcheinander. Das hin und her, so B&uuml;tikofer. Selbst einem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,540217,00.html\">Autor wie Franz Walter<\/a>, der nicht v&ouml;llig in die herrschenden Kreise eingebunden ist, f&auml;llt vor allem Vordergr&uuml;ndiges und Abwegiges ein: die SPD stehe ohne Zentrum, ohne Mitte da. Kommunikationsfehler, mangelhafte Synchronisierung der Spitze seien schuld; anders als zu Wehners Zeiten hielten sich auch f&uuml;hrende Sozialdemokraten nicht an gemeinsame Beschl&uuml;sse. Da stimmt schon der Hinweis auf Wehner, den gro&szlig;en Disziplinierer, nicht. Gerade Wehners Disziplinlosigkeit, von Moskau aus den damaligen Bundeskanzler und Parteivorsitzenden Brandt zu diffamieren (&bdquo;der Mann badet lau&ldquo;), hat die noch heute sp&uuml;rbare personelle und programmatische Erosion der SPD kr&auml;ftig bef&ouml;rdert. Das ist ein kleines aber interessantes Detail zur aus meiner Sicht abwegigen Spurensuche nach den Ursachen daf&uuml;r, dass eine linke Mehrheit unterm Volk machtpolitisch nicht wirksam wird.<\/p><p>Die eigentlichen Ursachen des Scheiterns einer Alternative in Hessen und der damit verbundenen Krise der SPD liegen viel tiefer, und sie markieren zugleich eine Bedrohung demokratischer Verh&auml;ltnisse:<\/p><ol>\n<li><strong>Die innere Willensbildung der SPD &ndash; und der Gr&uuml;nen &uuml;brigens auch &ndash; ist &uuml;ber weite Strecken fremdbestimmt. Das gilt f&uuml;r die in der Praxis wirksame Programmatik, f&uuml;r die politische Strategie und f&uuml;r wichtige Personalentscheidungen. Die Scharniere daf&uuml;r sind teils ideologischer, teils finanzieller Natur.<\/strong>\n<p>Zur Begr&uuml;ndung in Stichworten:<\/p>\n<p>Es ist schon seit der Wahl Willy Brandts zum Bundeskanzler im Jahr 1969 erkennbar, dass die konservative Rechte nicht nur versucht, mithilfe ihrer Medienmacht und ihrer finanziellen Macht Einfluss auf die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler zu bekommen, sondern auch die innere Willensbildung des politischen Gegners zu beeinflussen sucht. &bdquo;Wir k&ouml;nnen nicht l&auml;nger schweigen&ldquo; war eine Anzeige von Spitzenmanagern &uuml;berschrieben, die im November 1971 erschien und u. a. die Steuerpolitik der SPD beeinflussen sollte. Diese Versuche halten bis heute an. Sie waren &uuml;ber weite Strecken erfolgreich. Am erfolgreichsten dann unter der Leitung von Gerhard Schr&ouml;der.<\/p>\n<p>Die Anpassung an die konservativen Glaubensmuster begann in der rot-gr&uuml;nen Koalition schon vor der Wahl des damaligen Bundeskanzlers Schr&ouml;der und seines Vize Fischer mit der Festlegung der beiden Personen im Oktober 1998 durch Pr&auml;sident Clinton beim Antrittsbesuch in Washington, sich beziehungsweise unser Land an milit&auml;rischen Eins&auml;tzen au&szlig;erhalb des Nato-Bereichs zu beteiligen, konkret dann im M&auml;rz 1999 an der Intervention im Kosovo-Krieg. Das waren keine von innen heraus bei SPD und Gr&uuml;nen entwickelten Willensbildungsentscheidungen. Das war von au&szlig;en &uuml;ber die F&uuml;hrung implementiert und dann mit massiver Propaganda vor und w&auml;hrend des Krieges innerparteilich wie auch beim Volk insgesamt abgesichert.<\/p>\n<p>Auch der Verzicht auf eine aktive makro&ouml;konomische Politik zur F&ouml;rderung der Besch&auml;ftigung und die damit zusammenh&auml;ngende Anpassung an die Theorie der Monetaristen wie auch die Agenda 2010 waren &uuml;ber weite Strecken von au&szlig;en bestimmt. Die Abkehr von der besch&auml;ftigungspolitischen Verantwortung folgt aus der Verinnerlichung der Spr&uuml;che der herrschenden &Ouml;konomie &uuml;ber Keynesianische Instrumente. Die Agenda 2010 war &uuml;ber weite Strecken in konservativen Kreisen wie der Bertelsmann-Stiftung vorbereitet worden. Genauso die Entscheidung f&uuml;r die F&ouml;rderung der Privatvorsorge mit Milliarden f&uuml;r die Riester-Rente und R&uuml;rup-Rente, die gleichzeitige Zerst&ouml;rung der Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente, die massive Forcierung der Privatisierung bis hin zur weiterhin bestehenden Absicht, die Bahn gegen den erkennbaren Mehrheitswillen von Volk und Sozialdemokraten zu privatisieren, die unentwegte Senkung von Unternehmenssteuern und gleichzeitig die Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer um drei Punkte entgegen dem Versprechen im Wahlkampf 2005, die F&ouml;rderung der Heuschrecken durch Steuerbefreiung und Erleichterung des Zugangs auf den deutschen Markt, und so weiter.<\/p>\n<p>Mit einer eigenen Programmatik hat dies alles nichts mehr zu tun. Die SPD hat sich in ihrer praktischen Politik an die konservativen Inhalte angepasst. Das Hamburger Programm mit einem anderen Inhalt zu beschlie&szlig;en, widerlegt die Feststellung, dass sie sich in der politischen Praxis weitgehend angepasst hat, nicht.<\/p>\n<p>Bei den Gr&uuml;nen ist dieser Prozess mit Ausnahme des engeren Kapitels Umweltpolitik mindestens so sehr fortgeschritten.<\/p>\n<p>Beide Parteien haben sich auch in der Begr&uuml;ndung f&uuml;r ihre so genannte Reformpolitik an die neoliberale Agitation angepasst. Sie haben &uuml;ber demographische Entwicklung und die angeblich v&ouml;llig neue Herausforderung der Globalisierung genauso schwadroniert wie die neoliberalen Originale.<\/p>\n<p>Wichtige Vertreter sowohl der SPD als auch der Gr&uuml;nen hatten auch keine Scheu, sich mit den Kampagneros der liberalen Bewegung gemein zu machen: Sie arbeiteten mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zusammen (Clement, Metzger, Gerster, Scheel zum Beispiel), sie lehnten sich an Bertelsmann und die Wirtschaft insgesamt an und machten bei so genannten Initiativen wie Konvent f&uuml;r Deutschland hemmungslos mit.<\/p>\n<p>Auch die <strong>politische Strategie<\/strong> des Umgangs mit der Linken lie&szlig; sich die SPD-F&uuml;hrung von au&szlig;en vorschreiben. Als Stratege des konservativen Lagers konnte man sehr leicht darauf kommen, eine Stigmatisierung der Linken zu betreiben, um auf diese Weise jede Option f&uuml;r eine sozialdemokratisch gef&uuml;hrte Regierung von Anfang an zu zerst&ouml;ren. Man hatte diese Strategie schon im Umgang mit den Gr&uuml;nen erprobt. Auch damals war sie wirksam. Auch damals, Ende der siebziger und in den achtziger Jahren, wurde diese Strategie mithilfe des Einflusses auf Personen im F&uuml;hrungszirkel der SPD umgesetzt.<\/p>\n<p>Dass diese Strategie im Interesse der konservativen Machterhaltung ist, ist klar, dass Sozialdemokraten sich als n&uuml;tzliche Idioten dieser Strategie einsetzen lassen, war damals bemerkenswert und ist heute wieder bemerkenswert. Das hat etwas mit den Ziffern 5 und 6 meiner Erkl&auml;rungsversuche zum jetzigen Desaster zu tun. (Siehe unten)<\/p>\n<p>Die Stigmatisierung der Linken und das daraus folgende selbst verh&auml;ngte Koalitionsverbot mit all seinen Konsequenzen kann man nur verstehen, wenn man die Ziffer 3 (siehe unten) mit in Rechnung stellt: die Hegemonie der konservativen Kr&auml;fte bei den Medien. Nur so war es m&ouml;glich, v&ouml;llig absurde und sich widersprechende Festlegungen zu treffen und wirr zu begr&uuml;nden. Eigentlich ist die Festlegung, Koalitionen mit der Linken im Osten ja, im Westen und im Bund nein auch rein logisch nicht nachvollziehbar. Gerade wenn man zum Beispiel so denkt wie die Darmst&auml;dter Abgeordnete Metzger und Koalitionen ablehnt wegen Mauerbau und Schie&szlig;befehl muss man Koalitionen mit den politischen Nachfolgern der SED gerade in Berlin oder in Mecklenburg-Vorpommern ablehnen. Oder sind die Nachfolger der SED im Osten unter- und pl&ouml;tzlich im Westen aufgetaucht? Solch absurdes Theater, solche Konstrukte kann man durchhalten, solange es den Meinungsf&uuml;hrern unserer Medien gef&auml;llt.<\/p>\n<p>Aber schon beim ersten Versuch der Flucht aus dieser Festlegung wird man dann des Wortbruchs geziehen. Dass dieser Vorwurf nur an Andrea Ypsilanti und Kurt Beck h&auml;ngen blieb, hat wiederum etwas mit der konservativen Dominanz bei den Medien zu tun. <\/p>\n<p>Dort werden am laufenden Band Wortbr&uuml;che gesch&auml;tzt: von der Ablehnung der &bdquo;Merkel-Steuer&ldquo; zur Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer um drei Punkte &ndash; ein Wortbruch, der nicht geahndet wurde, weil er den kleinen Leuten wehtut und zur die Forderung nach Senkung der Unternehmenssteuern passte.<br>\nAuch der Wortbruch der Gr&uuml;nen in Hamburg &ndash; kein Problem.<\/p>\n<p>Und auch wenn die Gr&uuml;nen in Hessen mit der CDU koalieren &ndash; ein Wortbruch ohne Probleme.<br>\nUnsere Medien h&auml;tten auch den Wortbruch hingenommen, der mit einer gro&szlig;en Koalition in Hessen auf Seiten beider gro&szlig;en Parteien zu verzeichnen gewesen w&auml;re.<\/p>\n<p>Wie sehr Gehirnw&auml;sche bei uns schon m&ouml;glich ist, erkennen Sie an diesen Operationen. Es bedarf nur starker finanzieller und publizistischer Macht, dann ist zumindest bei der ver&ouml;ffentlichten Meinung und den b&uuml;rgerlichen Meinungsf&uuml;hrern die Implementierung jedes Unsinns m&ouml;glich. Es muss nur oft genug und aus verschiedenen Ecken kommend wiederholt werden.<\/p>\n<p>Es bleiben die von au&szlig;en <strong>gesteuerten Personalentscheidungen<\/strong>: Wolfgang Clement, Hans Eichel und Peer Steinbr&uuml;ck waren Wahlverlierer und hatten auch in der Sache nicht viel auf die Beine gestellt, als sie zur &Uuml;berraschung kritischer Beobachter in Berlin promovierten. Einer innerparteilichen Willensbildung und Entscheidungsfindung war ihre weitere Karriere nicht zu verdanken. M&ouml;glich war dies, am besten sichtbar bei Wolfgang Clement, weil sie von konservativer Seite und vor allem von den damit verbundenen Medien gemocht und propagiert wurden. Bei Steinmeier ist das &auml;hnlich.<\/p>\n<p>Becks Vorschl&auml;ge f&uuml;r den inneren Zirkel der SPD-F&uuml;hrung mit einer &ndash; von Andrea Nahles abgesehen &ndash; kr&auml;ftigen Schlagseite ins konservative Lager kann man gar nicht anders erkl&auml;ren als getragen von der Sorge, dass er, wenn er weniger konservative Politiker vorgeschlagen h&auml;tte, von den Medien hart kritisiert worden w&auml;re. Das war vorauseilender Gehorsam &ndash; oder aber Kurt Beck denkt eben so wie Steinbr&uuml;ck, Steinmeier und Heil.<\/p>\n<p>F&uuml;r Angela Merkel ist der konservative Einfluss auf die Personalentscheidungen der SPD ein sehr komfortabler Zustand. Wenn Politiker wie Steinmeier oder Steinbr&uuml;ck zu potentiellen Kanzlerkandidaten gemacht werden, von denen man aufgrund ihrer Spr&ouml;de schon annehmen kann, dass sie verlieren, was will sie mehr?!<\/p><\/li>\n<li><strong>Die SPD hat sich in den letzten 30 Jahren immer mehr ihrer eigenen inhaltlichen Vorstellungen entledigt. Sie hat den Anspruch auf inhaltliche Gestaltung des Landes nach eigenen Vorstellungen infolgedessen immer mehr aufgegeben.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Die &uuml;berwiegende Mehrheit der Medien ist in den H&auml;nden der Wirtschaft und der rechts-konservativen, politischen Kreise. Die SPD hat es wie die gesamte linke Seite insgesamt mit einer hohen, immer schwieriger zu &uuml;berwindenden Medienbarriere zu tun. Kritische Medien gibt es kaum noch. Die Hegemonie der Konservativen und der Wirtschaft ist nahezu perfekt. Die Gleichschaltung ist erstaunlich weit gediehen. Gehirnw&auml;sche ist m&ouml;glich und wird praktiziert.<\/strong>\n<p>Die Auseinandersetzung um die Entscheidung von Andrea Ypsilanti, sich zur Wahl zu stellen und notfalls von den Abgeordneten der Linken w&auml;hlen zu lassen, hat schlaglichtartig gezeigt, wie einseitig die Medienlandschaft in der Bundesrepublik Deutschland inzwischen aussieht: von Pluralit&auml;t in den Hauptmedien keine Spur, daf&uuml;r um so mehr Bereitschaft zum Kampagnenjournalismus im Interesse der vorherrschenden Ideologie und ihrer politischen Arme.<\/p>\n<p>Wir haben in den NachDenkSeiten schon mehrmals in den letzten Wochen dokumentiert, wie eifrig und wie gleichgeschaltet Medien wie die Bild-Zeitung oder SpiegelOnline agiert haben. Wir konnten das am vergangenen Sonntag wieder beobachten &ndash; vom Presseclub &uuml;ber Anne Will bis in die Nachrichtensendungen immer das gleiche Thema und der gleiche Tenor. Wir m&uuml;ssen davon ausgehen, dass es unter den Chefredakteuren beziehungsweise sonstigen wichtigen Redakteuren wichtiger Medien eine Art von Telefonrundschaltung oder ein h&ouml;fisches konkludentes Handeln gibt, das die Gleichschaltung garantiert und das immer wieder erlebte Brainwashing m&ouml;glich macht.<\/p>\n<p>Es gibt keine Talkshow mehr, die nicht im Interesse der dominanten Kreise gesteuert wird. Es gibt nur noch ganz wenige Magazinsendungen, die die Meinung der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung zum Ausdruck bringen oder wenigstens thematisieren.<\/p>\n<p>Nicht nur die privaten kommerziellen Sender haben sich Wirtschaftsinteressen untergeordnet. Das gilt auch f&uuml;r die &ouml;ffentlich-rechtlichen. Wenn einmal kritische Sendungen zum Beispiel zur Privatvorsorge ausgestrahlt werden, dann wie &bdquo;Rentenangst&ldquo; am Sonntag in der Nacht um 23:30 h, w&auml;hrend die Sendungen pro Privatvorsorge reihenweise zur besten Sendezeit und in Serie gelaufen sind.<\/p>\n<p>Die Printmedien sind nahezu geschlossen im konservativen Lager angelangt. In einer entscheidenden Phase hat sich jetzt auch die Frankfurter Rundschau eindeutig und massiv engagiert. Der oben zitierte <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/politik\/meinung\/kommentare\/?em_cnt=1300281&amp;sid=d8352e50945990bcdd2dcfe2f0aff68e\">Leitartikel<\/a> ist ein Symbol daf&uuml;r, ein Symbol f&uuml;r die Anpassung, aber zugleich auch f&uuml;r die Widerspr&uuml;chlichkeit und mangelnde Qualit&auml;t der konservativen Journaille. (Lesen Sie diesen Leitartikel, wenn Sie Zweifel an meiner Aussage haben. Er ist wirklich wegweisend f&uuml;r das, was uns in der n&auml;chsten Zeit erwartet) &ndash; Der Spiegel ist schon lange weg ins Lager der Kampagnenbl&auml;tter. Andere Bl&auml;tter wie die S&uuml;ddeutsche Zeitung folgen leider. Die taz sozusagen gut zur H&auml;lfte auch.<\/p>\n<p>Von gro&szlig;er Bedeutung f&uuml;r die mediale Konstellation in Deutschland insgesamt ist die Radikalisierung und Entdemokratisierung wichtiger Medien. Wenn die Bild-Zeitung, wie in ihrer Propaganda f&uuml;r die Privatvorsorge &uuml;berdeutlich erkennbar, alle Hemmungen verliert und redaktionelle Arbeit und Werbung geplant vermischt, dann pr&auml;gt sie damit den verletzenden Umgang mit solchen Regeln wie der Trennung von Werbung und redaktioneller Arbeit.<\/p>\n<p>Wenn die Bild-Zeitung und andere Bl&auml;tter hemmungslos pers&ouml;nlich diffamieren und verh&ouml;hnen, wie das zum Beispiel beim Umgang mit dem Namen von Andrea Ypsilanti bei Bild gleich mehrmals geschah, dann werden die Ma&szlig;st&auml;be bei anderen gleichfalls verschoben.<\/p>\n<p>Wenn die ARD beim Wahlabend in Hamburg dem Wunsch der CDU entsprechend schon bei der Abbildung der Wahlergebnisse die Wunschkonstellation zusammenr&uuml;ckt, also vom gewohnten Spektrum abweicht und Gr&uuml;n und Schwarz nebeneineinander platziert, dann verlieren die anderen Medienmacher sowieso ihrer Hemmung. Die Medien sind mit unsichtbaren kommunizierenden R&ouml;hren verbunden. Die eine Regelverletzung signalisiert dem andern die freie Fahrt f&uuml;r den n&auml;chsten Tabubruch.<\/p>\n<p>Zusammenfassend: Entscheidend und zugleich bedrohlich ist,<\/p>\n<ul>\n<li>dass der kritische Verstand schwindet, mit der Folge, dass die mediale Begleitung und der mediale Druck auf eine gute Qualit&auml;t der &ouml;ffentlichen Meinungsbildung und damit auf eine gute Qualit&auml;t der politischen Entscheidungen immer schw&auml;cher wird und<\/li>\n<li>dass die Interessen der gro&szlig;en Mehrheit unseres Volkes &ndash; der Arbeitnehmer, des Mittelstands, der Rentner und der Arbeitslosen &ndash; nicht mehr vorkommen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>SPD und Gr&uuml;ne problematisieren diese Entwicklung nicht einmal. Sie sind nicht f&auml;hig oder nicht willens, diese Gef&auml;hrdung demokratischer Willensbildung wie auch ihrer eigenen M&ouml;glichkeiten offen anzusprechen. Damit bleibt diese Machtballung unreflektiert und unkritisiert, und deshalb kann sie sich immer mehr verankern. <\/strong>\n<p>Sozialdemokraten und Gr&uuml;ne analysieren den Niedergang der Pluralit&auml;t der Medien wie auch die Zugriffe au&szlig;enstehender Ideologien auf die eigene Willensbildung nicht. Das ist zwar verst&auml;ndlich, weil jeder und jede, die das tun, sofort der medialen Verfolgung ausgesetzt sind. Man f&auml;hrt als Politiker besser, wenn man sich der herrschenden Meinungsmacht anpasst.<br>\nDie Richtigkeit dieser Beobachtung finden Sie heute jeden Tag neu best&auml;tigt: Steinbr&uuml;ck, Steinmeier, Naumann, von Dohnanyi, Dagmar Metzger aus Darmstadt und Johannes Kahrs, der Sprecher der Seeheimer, kommen immer wieder vor und werden freundlich zitiert und interviewt. Und niemand fragt den Herrn Kahrs nach seinen Verbindungen zur R&uuml;stungsindustrie.<\/p>\n<p>Auch diese unterschiedliche Behandlung von genehmen und nicht genehmen Politikern durch die Medien ist prinzipiell nichts Neues. Neu ist die geballte Einseitigkeit.<\/p>\n<p>Bei den Gr&uuml;nen kommt durch die Chance zu Schwarz-Gr&uuml;n noch hinzu, dass die f&uuml;hrenden Personen dort die Dominanz der Wirtschaftsinteressen in den Medien gar nicht mehr so schlecht finden. Dieser Umstand wird ihnen n&auml;mlich k&uuml;nftig auch zugute kommen. Sie werden profitieren vom Kampf dieser Medien gegen SPD und Linke. Schon jetzt zeichnet sich ab, wie freundlich die Vertreter des Anpassungskurses der Gr&uuml;nen von den Medien behandeln werden. Von ihrem Wortbruch spricht niemand. Schwarz-Gr&uuml;n wird als staatstragend und innovativ gew&uuml;rdigt. Der Verrat an der sozialen und sozialkritischen Tradition der Gr&uuml;nen wird ihnen von diesen Medien selbstverst&auml;ndlich nicht vorgehalten.<\/p><\/li>\n<li><strong>Ein beachtlicher und m&auml;chtiger Teil der SPD-F&uuml;hrung hat den Willen zur Macht aufgegeben. Die wollen gar nicht federf&uuml;hrend regieren. Ihnen kommt es vor allem auf die Durchsetzung neoliberaler Ziele an. Und vermutlich aufs Mitregieren<\/strong>.\n<p>Wenn die Gegner der Zusammenarbeit oder zumindest der Duldung durch die Linke ein bisschen denken und rechnen w&uuml;rden, dann kapierten sie, dass sich die SPD ohne eine solche &Ouml;ffnung auf Dauer v&ouml;llig aus der Macht katapultiert. Siehe dazu auch <a href=\"?p=3003\">&bdquo;SPD im politischen Schachmatt&ldquo;<\/a><\/p>\n<p>Vermutlich wissen sie das, denn so dumm kann man nicht sein. Daraus muss geschlossen werden, dass dieser Teil der SPD gar kein Interesse am Erringen der Kanzlerschaft hat. Dass dies so ist, ergibt schon eine Analyse des Begehrens von M&uuml;ntefering und Schr&ouml;der auf Neuwahlen im Jahr 2005. Der Neuwahlbeschluss vom 23. Mai 2005 war ein Beleg f&uuml;r den Verzicht auf die Kanzlerschaft. Es gab damals keine Chance, als rot-gr&uuml;ne Koalition nach der Wahl besser dazustehen als vorher. Daraus kann man nur den Schluss ziehen: M&uuml;ntefering und Schr&ouml;der wollten die Kanzlerschaft gar nicht mehr. Sie wollten mit dem Beschluss zu Neuwahlen und dem damit verbundenen Wahlkampf das Scheitern ihrer Reformpolitik &uuml;berlagern und diese in einer neuen Koalition, der gro&szlig;en Koalition, retten. Alles andere, einschlie&szlig;lich der R&uuml;peleien Gerhard Schr&ouml;ders gegen&uuml;ber Angela Merkel am Wahlabend 2005, waren Nebelkerzen. (Diese Einsch&auml;tzung habe ich im einzelnen schon im Kapitel II Konkursverschleppung von &bdquo;Machtwahn&ldquo; begr&uuml;ndet.) <\/p>\n<p>Dass dies auch jetzt so ist, wird am Verhalten einschl&auml;giger Personen wie Steinmeier erneut sichtbar.<\/p>\n<p>Und hier noch drei weitere Wegweiser bei der Spurensuche nach den Gr&uuml;nden der jetzigen Krise der SPD:<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Rechten in der SPD haben allenfalls dann Lust auf das Regieren, wenn sie innerhalb der SPD die Macht haben. Das gilt insbesondere f&uuml;r die Seeheimer, vermutlich aber auch f&uuml;r die Netzwerker.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Die SPD rekrutiert ihr Personal nicht mehr auch &uuml;ber die inhaltliche Motivation, sondern im Wesentlichen &uuml;ber das Angebot, jedenfalls die Erwartung, von Karrierem&ouml;glichkeiten.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Sie ist nicht mehr attraktiv f&uuml;r gut ausgebildete, sachlich engagierte, also an der Bew&auml;ltigung von realen Problemen interessierte junge Leute. Karriere, vor allem lukrative Karriere, kann man wegen der N&auml;he der konservativen Parteien zur Wirtschaft eher dort machen.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man muss neidlos anerkennen: Der versammelten konservativen Rechten aus Union, Wirtschaft und Medien ist es im Falle Hessens wieder einmal gelungen, den Durchbruch einer alternativen Machtkonstellation auf der linken Seite des politischen Spektrums zu verhindern. 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