{"id":30615,"date":"2016-01-27T10:59:00","date_gmt":"2016-01-27T09:59:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30615"},"modified":"2019-04-25T15:30:51","modified_gmt":"2019-04-25T13:30:51","slug":"besprechung-des-buches-von-albrecht-von-lucke-ueber-die-schwarze-republik-und-das-versagen-der-deutschen-linken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30615","title":{"rendered":"Besprechung des Buches von Albrecht von Lucke \u00fcber \u201eDie schwarze Republik und das Versagen der deutschen Linken\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Udo Brandes hat das Buch rezensiert. Weil ich von Albrecht von Lucke und seiner Arbeit als Redakteur der &bdquo;Bl&auml;tter&ldquo; viel hielt, aber mich gelegentlich &uuml;ber neuere Einlassungen des Journalisten wunderte, war ich gespannt auf die Beschreibung und Bewertung des Rezensenten Brandes. Hier ist sie, und am Ende noch eine Nachbemerkung von mir. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Hat die Linke versagt?<\/strong><\/p><p><strong>Albrecht von Luckes neues Buch und die Zw&auml;nge der Mainstreamjournalisten<\/strong><\/p><p>Eine Rezension von Udo Brandes<\/p><p>&bdquo;Die schwarze Republik und das Versagen der deutschen Linken&ldquo;, das ist der Titel des neuesten Buches von Albrecht von Lucke. Der Autor ist Redakteur der monatlich erscheinenden &bdquo;Bl&auml;tter f&uuml;r deutsche und internationale Politik&ldquo;, die den Ruf haben, eine linke Publikation zu sein. Mich hat das Buch neugierig gemacht, weil auch mich die Frage besch&auml;ftigt, wie man f&uuml;r linke Politik Mehrheiten zustande bringen kann. Tats&auml;chlich findet man bei Albrecht von Lucke einige treffende Analysen, Einsichten und Erkenntnisse. Trotzdem hat mich das Buch entt&auml;uscht. Denn das ganze Buch wird dominiert von Luckes tiefen Ressentiments gegen die Linkspartei, Sahra Wagenknecht und insbesondere Oskar Lafontaine. An Letzterem arbeitet sich Lucke regelrecht ab. <\/p><p>Lucke ist der Ansicht, dass die deutsche Linke (darunter versteht er neben der Linkspartei die SPD und die Gr&uuml;nen) versagt hat, weil sie es nicht geschafft hat, die rechnerisch vorhandene Mehrheit auf Bundesebene zu nutzen, um linke Politik durchzusetzen.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es ist das Versagen einer Linken, die zu einer eigenen Regierungsalternative nicht willens ist. (&hellip;.) SPD, Gr&uuml;ne und Linkspartei verweigerten jede Zusammenarbeit. Im Ergebnis fehlten sowohl der politische Wille als auch die erforderlichen inhaltlichen Gemeinsamkeiten.&ldquo; (S. 8).\n<\/p><\/blockquote><p>Angela Merkels Macht beruhe auf dieser Schw&auml;che der deutschen Linken:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Kanzlerin bezieht ihre Macht nicht prim&auml;r aus eigener St&auml;rke, sondern aus der geschichtlich beispiellosen Schw&auml;che der deutschen Linken, die auf Bundesebene ohne jede strategische Option auf die Kanzlerschaft ist.&ldquo; (S. 9).\n<\/p><\/blockquote><p>Und dies angesichts der Tatsache, dass die Bev&ouml;lkerung linker Politik gegen&uuml;ber durchaus offen sei:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In weiten Teilen der Bev&ouml;lkerung herrscht heute Zustimmung zu zentralen Punkten linker Politik: angefangen beim Mindestlohn &uuml;ber den Wunsch nach st&auml;rkerer Absicherung im Alter bis hin zur Kritik am globalen Freihandel unter dem Schlagwort TTIP. Das politische Scheitern der Linken ist somit nicht darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, dass ihre Themen ausgedient h&auml;tten, im Gegenteil: Linke Antworten auf die multiple Krise der Gegenwart sind heute st&auml;rker gefragt denn je. Von einer Krise linken Denkens kann denn auch keine Rede sein, intellektuelle Kapitalismuskritik hat durchaus Konjunktur &ndash; von Naomi Klein &uuml;ber Thomas Piketty bis zu Wolfgang Streek.&ldquo; (S. 17-18).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Lucke sieht in Schr&ouml;der und Lafontaine die Hauptverantwortlichen<\/strong><\/p><p>Dieses Versagen der Linken sei im Wesentlichen auf zwei Personen zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, n&auml;mlich Gerhard Schr&ouml;der und Oskar Lafontaine.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Fisch stinkt vom Kopf. Die zentrale Rolle beim Versagen der Linken, dem Scheitern an der gebotenen Solidarit&auml;t, spielten die beiden Protagonisten und st&auml;rksten, da machtbewusstesten Figuren ihrer Generation: Gerhard Schr&ouml;der und Oskar Lafontaine.&ldquo; (S. 19)\n<\/p><\/blockquote><p>In einem eigens der SPD gewidmeten Kapitel beschreibt Lucke treffend, warum die ehemals m&auml;chtige Volkspartei auf Bundesebene zu einer 20% bis 25%-Partei abgestiegen ist:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Bis heute steckt die Partei, ideell und konzeptionell, in einer tiefen Krise. In der &Auml;ra Schr&ouml;der hat die SPD ihren roten Faden verloren. Gegr&uuml;ndet zur Erm&ouml;glichung des gesellschaftlichen Aufstiegs (anfangs noch durch Klassenkampf), wurde die SPD zur Partei des sozialen Abstiegs f&uuml;r erhebliche Teile der Gesellschaft. Seit der Einf&uuml;hrung von Hartz IV ist es der SPD nicht mehr gelungen, den zentralen Unterschied zu b&uuml;rgerlichen Parteien kenntlich zu machen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Stimmt, kann man da nur sagen. Diese Misere der SPD lastet Lucke vollkommen zu Recht Gerhard Schr&ouml;der an und kritisiert diesen massiv.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Als politischer und sozialer Aufsteiger gefiel er sich viel zu sehr an der Seite der &ouml;konomischen Aufschneider. Ihm fehlte schlicht das erforderliche &bdquo;Pathos der Distanz&ldquo; (Max Weber), um gegen&uuml;ber der Arroganz der &ouml;konomisch M&auml;chtigen noch &uuml;ber die erforderliche Souver&auml;nit&auml;t und Unabh&auml;ngigkeit zu verf&uuml;gen. Im Ergebnis wollte er lieber einer der ihren sein.&ldquo; (S. 39).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Luckes Sichtweise ist von Ressentiments gepr&auml;gt<\/strong><\/p><p>Soweit so gut. Und jetzt kommt das Schlechte. Albrecht von Lucke hat offenbar wie viele Journalisten der etablierten Medien ein Ressentiment gegen Oskar Lafontaine, Sahra Wagenknecht und die Partei &bdquo;Die Linke&ldquo;. Egal was Oskar Lafontaine oder Sahra Wagenknecht tun: Aus Sicht von Lucke ist es immer falsch: Tritt Oskar Lafontaine zur&uuml;ck, wird ihm angelastet, dass er Gerhard Schr&ouml;der und dessen neoliberaler Politik und Gefolgschaft T&uuml;r und Tor ge&ouml;ffnet hat (S. 56). Bek&auml;mpft er mit der Linkspartei Schr&ouml;ders neoliberale Politik, ist das auch falsch, weil er damit die Linke spaltet. Au&szlig;erdem wirft er Lafontaine vor, er pflege einen autorit&auml;ren Stil. (S. 74) Da k&ouml;nnen die Sozialdemokraten ja wirklich dankbar sein, dass sie mit Sigmar Gabriel so einen smarten Teamplayer zum Parteichef haben, und nicht einen polternden Basta-Politiker, der gern auch mal rassistische Ressentiments bedient und gegen Griechen aufhetzt.<\/p><p>Sahra Wagenknecht werden ellenlang ihre Aussagen &uuml;ber die untergegangene DDR und die Sowjetunion vorgehalten, die sie als 23-J&auml;hrige gemacht hat (S. 68 ff.). Ich erinnere mich, dass sie in einem Interview mal erz&auml;hlte, dass diese Aussagen einer gewissen Trotzhaltung gegen&uuml;ber Opportunisten geschuldet gewesen seien, die &ndash; im Unterschied zu ihr selbst &ndash; keinerlei Probleme mit dem DDR-Regime bekommen h&auml;tten, und nach der Wende sich auch wieder nahtlos in das neue kapitalistische System einf&uuml;gten. Ich kann ihre Haltung gut verstehen. M&ouml;glicherweise h&auml;tte ich an ihrer Stelle genauso reagiert. Albrecht von Lucke scheinen solche Gedanken aber fern zu liegen. Und der Witz dabei: Er kritisiert Sahra Wagenknecht auch dann, wenn sie ihre Haltung &auml;ndert.  Dass sie sich in ihrem Buch &bdquo;Freiheit statt Kapitalismus&ldquo; positiv auf die Erhardtsche &bdquo;Wohlstand f&uuml;r alle&ldquo;-Politik bezieht, ist aus Sicht von Albrecht von Lucke lediglich &bdquo;Camouflage&ldquo; (S. 84).<\/p><p>Und nat&uuml;rlich darf auch nicht der Querfrontvorwurf fehlen. Er zitiert Andr&eacute; Brie, der die Linke schon 2007 davor gewarnt habe, eine &bdquo;reine Protestpartei&ldquo; zu werden. Schon 2004, so Brie, habe man erlebt, dass Anti-Hartz-Demonstrationen innerhalb von Minuten von links nach rechts gekippt seien. Lucke kommentiert dies in Klammern wie folgt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die gleiche &sbquo;Querfront&rsquo; aus Linken und Rechten sollte sich zehn Jahre sp&auml;ter, bei den diversen pro-russischen &sbquo;Mahnwachen f&uuml;r den Frieden&rsquo; wieder einstellen.&ldquo;(S. 74).\n<\/p><\/blockquote><p>Auch an anderer Stelle im Buch taucht dieser Vorwurf wieder auf. (S. 208)<\/p><p>Im Folgenden mal ein paar Beispiele, wie Lucke die Linkspartei, Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine und ihre Positionen beschreibt: <\/p><ul>\n<li>Vereinfachung (S. 148)<\/li>\n<li>orthodoxe Weltanschauung (S. 149)<\/li>\n<li>orthodoxe Linke (S. 152, 153)<\/li>\n<li>radikale Linke (S. 152)<\/li>\n<li>schlicht (S. 153)<\/li>\n<li>antiwestlich (S. 156)<\/li>\n<li>antiamerikanisch (S. 156)<\/li>\n<li>Kampfanordnung der 80er Jahre (S. 151)<\/li>\n<li>Feindbild<\/li>\n<li>angebliche Friedenspartei (S. 166)<\/li>\n<li>platter Antiamerikanismus (S. 174)<\/li>\n<li>Lafontaine benutzt Brandt (S. 174)<\/li>\n<\/ul><p><strong>Das Sein der Journalisten und ihr Bewusstsein<\/strong><\/p><p>Warum pflegt selbst ein sich als &bdquo;links&ldquo; verstehender Journalist wie Albrecht von Lucke gegen&uuml;ber der Linkspartei und ihren prominenten Repr&auml;sentanten Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht so viele Ressentiments? Karl Marx&acute;s ber&uuml;hmter Satz &bdquo;<em>Das Sein bestimmt das Bewusstsein<\/em>&ldquo; (Im Vorwort seiner Schrift &bdquo;Zur Kritik der politischen &Ouml;konomie&ldquo;) k&ouml;nnte eine Erkl&auml;rung sein. Der franz&ouml;sische Soziologe Pierre Bourdieu hat irgendwo mal geschrieben (ich kann die exakte Quelle nicht mehr finden und zitiere aus dem Ged&auml;chtnis), dass dieser Satz eigentlich hei&szlig;en m&uuml;sse &bdquo;<em>Das Sein bestimmt das Unbewusste<\/em>&ldquo;. Er meinte damit das &bdquo;<em>Klassen-Unbewusste<\/em>&ldquo;. Darunter ist Folgendes zu verstehen: Die Hierarchie der Gesellschaft und die Position die man darin einnimmt, dieses Sein pr&auml;gt auch den K&ouml;rper und f&uuml;hrt zu einem klassenspezifischen Habitus. Bourdieu nannte den Habitus eines Menschen auch eine strukturierte Struktur (= ein von der Gesellschaft gepr&auml;gter und strukturierter K&ouml;rper) und eine strukturierende Struktur ( = Ein Muster, nach dem die Welt wahrgenommen, gedacht, strukturiert wird). Was hei&szlig;t das bezogen auf den hier er&ouml;rterten Zusammenhang? Ein Journalist, der wie Albrecht von der Lucke f&uuml;r etablierte Medien arbeitet, kann es sich offenbar nicht leisten, im Ruf zu stehen, der Linkspartei unbefangen gegen&uuml;ber zu stehen. Es scheint in den Mainstreammedien so eine Art unausgesprochenen Distanzierungszwang in Bezug auf die Linkspartei zu geben. Ein Klima, das es nicht erlaubt, Sympathisant der Linkspartei zu sein. Und das als soziales Feld einen entsprechenden Habitus erzeugt. Anders kann ich mir das tiefe Ressentiment Luckes gegen&uuml;ber der Linkspartei sowie Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine nicht erkl&auml;ren. <\/p><p>Die realen Zw&auml;nge und Notwendigkeiten, denen die Journalisten in der Medienbranche unterliegen, kr&auml;nken nat&uuml;rlich das Selbstbild der medialen Klasse, die sich &bdquo;herrschaftskritisch&ldquo; und &bdquo;unabh&auml;ngig&ldquo; w&auml;hnt und sich Illusionen &uuml;ber ihre soziale Position macht. Die L&ouml;sung: Man macht aus der Not eine Tugend. Ganz nach Kant: &bdquo;<em>Ich will, was ich muss!<\/em>&ldquo; Aber: Die Kr&auml;nkung bleibt &ndash; und wird gerne mit einer Entwertung von Politikern abgearbeitet, die sich den Luxus einer wirklich eigenen Meinung g&ouml;nnen. Ich vermute, Albrecht von Lucke w&uuml;rde diese Deutung seiner ressentimentgeladenen Kritik an Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht emp&ouml;rt von sich weisen und auf der Rationalit&auml;t seiner Argumente beharren. Ich glaube aber, dass ich richtig liege.<\/p><p>In seinen weiteren Ausf&uuml;hrungen f&uuml;hrt Lucke kurz zusammengefasst aus, dass ein Erfolg der Linken m&ouml;glich sei, wenn die SPD ihre inhaltliche Orientierungslosigkeit beseitige und bereit sei, wieder einen Linkskurs einzuschlagen, und die Linkspartei pragmatischer und kompromissf&auml;higer werde und die Bereitschaft entwickle, Regierungsverantwortung zu &uuml;bernehmen. <\/p><p>In Bezug auf die Gr&uuml;nen h&auml;lt Lucke es f&uuml;r m&ouml;glich, dass diese 2017 eine Koalition mit der CDU eingehen. Was Lucke durchaus positiv sieht, weil die Gr&uuml;nen &ouml;kologische Bewegung in Merkels Politik bringen und die n&auml;chste Gro&szlig;e Koalition verhindern w&uuml;rden. Und dies sei wichtig, denn:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Eine solche (gemeint ist die Gro&szlig;e Koalition; U.B.) w&auml;re f&uuml;r die Demokratie verheerend. Das sollte in erster Linie der Grund daf&uuml;r sein, diesmal notfalls f&uuml;r eine schwarz-gr&uuml;ne Koalition zu pl&auml;dieren. (&hellip;) Und schlie&szlig;lich h&auml;tte Schwarz-Gr&uuml;n noch einen entscheidenden Nebeneffekt: SPD und Linkspartei w&uuml;rden sich endlich von gleich zu gleich begegnen, n&auml;mlich in der gemeinsamen Opposition. Dann aber k&ouml;nnte und m&uuml;sste die entscheidende Frage gekl&auml;rt werden, n&auml;mlich: Was ist heute &ndash; angesichts einer hochkomplexen globalen Situation &ndash; tats&auml;chlich unter linker Politik zu verstehen? Und wie k&ouml;nnte eine linke Zusammenarbeit in der Zukunft aussehen? (S. 108)\n<\/p><\/blockquote><p>Lucke behandelt in seinem Buch noch weitere Aspekte seines Themas, die ich nicht mehr explizit angesprochen habe, z. B. was linke Politik f&uuml;r die Internationale Politik bedeutet, welche Bedeutung die Westbindung und die NATO haben, dass linke Politik der europ&auml;ischen Dimension bedarf und die EU sich weiterentwickeln m&uuml;sse zu einem Staatsgebilde mit einer vom Parlament gew&auml;hlten Regierung oder wer Willy Brandts legitimer Erbe ist. <\/p><p>Mein zusammenfassendes Urteil: Ein Buch, das ich als sehr ambivalent empfinde. Es enth&auml;lt viele zutreffende Beschreibungen der Lage; es beschreibt vern&uuml;nftige Ziele; es ist aber auch sehr ressentimentgeladen und &uuml;berzeugt mich nicht wirklich als Wegbeschreibung zu einem neuen linken Zeitgeist. Und ich empfinde Luckes Buch ganz und gar nicht als &bdquo;mutiges&ldquo; Buch, wie es ein Rezensent vom Deutschlandfunk beschrieb. Es ist gerade mal so weit links, wie man es im heutigen medialen Mainstream noch sein darf. <\/p><p>Albrecht von Lucke, Die schwarze Republik und das Versagen der deutschen Linken, Droemer Verlag 2015, 232 Seiten, 18,00 Euro<\/p><p><strong>Nachbemerkung Albrecht M&uuml;llers:<\/strong><\/p><p>Autor von Lucke ist einer jener vielen sozialdemokratisch gef&auml;rbter Linker, die offensichtlich nicht damit fertig werden, dass andere sich nicht angepasst haben. Nur so kann ich seine Aggression gegen Lafontaine und Wagenknecht einigerma&szlig;en einordnen. Er selbst hat sich kr&auml;ftig angepasst, verfolgt zur Entlastung die nicht Angepassten und ist sich dabei nicht einmal zu schade, die g&auml;ngigen Kampagnen zu unterst&uuml;tzen. Was nicht ins eigene Denkschema passt, ist &bdquo;Populismus&ldquo; oder Querfront. <\/p><p>Darauf stie&szlig; ich nach einer kleinen Recherche und der Lekt&uuml;re einer Kolumne des Autors bei MDR Figaro am 14.7.2015 unter der &Uuml;berschrift &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.mdr.de\/mdr-figaro\/journal\/kolumne-populismus100.html\">Populismus auf dem Vormarsch<\/a>&ldquo;.<\/p><p>Albrecht von Lucke wendet sich gegen die Kritik an den Eliten Europas und an der Troika wegen ihrer Griechenland Politik und verbindet dabei die AfD und Frankreichs rechte Marine le Pen mit linken Bewegungen wie der Linkspartei in Deutschland und Podemos in Spanien und Syriza in Griechenland. <\/p><p>W&ouml;rtlich hei&szlig;t es bei ihm: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Faktisch sind AfD und Linkspartei heute in manchen Inhalten kaum zu unterscheiden. Wie die Linke fordert die AfD ein Ende von TTIP, mehr Verst&auml;ndnis f&uuml;r Putins Russland und, das vor allem: ein Ende der Euro-Diktatur aus Br&uuml;ssel.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Merke: Wenn du TTIP f&uuml;r schlecht h&auml;ltst und vom Westen mehr Verst&auml;ndnis f&uuml;r Putins Russland erwartest, dann geh&ouml;rst du in den rechten Topf.<\/p><p>Was man von einem solchen Autor halten muss, bezeugt er selbst in einer grandiosen Fehleinsch&auml;tzung der Wahlchancen der AfD in der erw&auml;hnten Kolumne bei MRD-Figaro:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Allerdings spricht wenig daf&uuml;r, dass sich ein derart gespaltener Rechtspopulismus bundesweit wird durchsetzen k&ouml;nnen. Schon bei den kommenden Landtagswahlen in Baden-W&uuml;rttemberg und Rheinland-Pfalz d&uuml;rfte die Rest-AfD die erforderlichen f&uuml;nf Prozent verpassen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Nach solchen Einlassungen spricht einiges daf&uuml;r, dass man sich die Lekt&uuml;re des Buches von Albrecht von Lucke ersparen kann.<\/p><p>Und wie geht es mit den &bdquo;Bl&auml;ttern&ldquo; weiter? Bleiben sie ein aufkl&auml;rendes Medium?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Udo Brandes hat das Buch rezensiert. Weil ich von Albrecht von Lucke und seiner Arbeit als Redakteur der &bdquo;Bl&auml;tter&ldquo; viel hielt, aber mich gelegentlich &uuml;ber neuere Einlassungen des Journalisten wunderte, war ich gespannt auf die Beschreibung und Bewertung des Rezensenten Brandes. 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