{"id":3073,"date":"2008-03-17T10:14:50","date_gmt":"2008-03-17T09:14:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3073"},"modified":"2019-10-28T16:24:04","modified_gmt":"2019-10-28T15:24:04","slug":"koehlers-wiederwahl-ist-schon-gelaufen-spd-unterstuetzt-schwarz-gelben-praesidenten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3073","title":{"rendered":"K\u00f6hlers Wiederwahl ist schon gelaufen \u2013 SPD unterst\u00fctzt schwarz-gelben Pr\u00e4sidenten"},"content":{"rendered":"<p>Westerwelle wollte mal wieder die Nase vorn haben und den gro&szlig;en Weltenlenker geben. So hat er denn Bundespr&auml;sident Horst K&ouml;hler zu einer zweiten Amtszeit ermuntert. Er wollte damit als erster dem staunenden Publikum etwas verk&uuml;nden, was hinter den Kulissen l&auml;ngst gelaufen ist. Von Hermann Zoller<br>\n<!--more--><br>\nBereits am 25. Januar 2008 berichtete die &bdquo;Neue Z&uuml;rcher Zeitung&ldquo;: &bdquo;Kurt Beck und andere f&uuml;hrende Politiker der SPD haben sich bereits indirekt f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung K&ouml;hlers ausgesprochen. Neben der Popularit&auml;t des Amtsinhabers spielt es auch eine Rolle, dass SPD und Gr&uuml;ne einen eigenen Kandidaten oder eine eigene Kandidatin aller Voraussicht nach nur gemeinsam mit der Linkspartei durchsetzen k&ouml;nnten. Beck d&uuml;rfte kein Interesse daran haben, wenige Monate vor der Bundestagswahl ein solches Signal auszusenden.&ldquo;<\/p><p>Jetzt wird in der &Ouml;ffentlichkeit mal wieder so getan, als g&auml;be es da noch Abw&auml;gungsprozesse. Die SPD will h&ouml;flich bleiben und aus Respekt vor dem hohen Amt sich erst nach K&ouml;hlers Mitteilung, ob er wieder antreten wolle oder nicht, &auml;u&szlig;ern. Zwischenzeitlich bereitet sie ihre Entscheidung mit Lobreden auf den gew&uuml;nschten Kandidaten vor: &bdquo;Horst K&ouml;hler repr&auml;sentiert unser Land gut&ldquo;, so SPD-Generalsekret&auml;r Hubertus Heil. Und: &bdquo;Dieser Bundespr&auml;sident macht seine Arbeit richtig.&ldquo; Die Frage, wer Deutschland &bdquo;richtig und w&uuml;rdig&ldquo; vertrete, habe Vorrang vor parteitaktischen Erw&auml;gungen.<\/p><p>Wen wundert&rsquo;s:  auch die CSU ist f&uuml;r eine Wiederwahl K&ouml;hlers und will &bdquo;ihn zu hundert Prozent unterst&uuml;tzen&ldquo; hat CSU-Chef Erwin Huber angek&uuml;ndigt. CDU-Generalsekret&auml;r Ronald Pofalla wird nicht m&uuml;de, K&ouml;hler zu loben. G&uuml;nther Oettinger hat sich ebenfalls schnell zu Wort gemeldet und der &bdquo;Bild&ldquo;-Zeitung erkl&auml;rt: &bdquo;Ich sch&auml;tze an Horst K&ouml;hler sein mutiges Amtsverst&auml;ndnis und w&uuml;rde mir w&uuml;nschen, dass er weitere f&uuml;nf Jahre Bundespr&auml;sident bleibt.&ldquo;<\/p><p>Somit ist das Podest bereitgestellt und geschm&uuml;ckt, auf dem K&ouml;hler dann seine Entscheidung, sich dem Ruf seiner Anh&auml;nger nicht verweigern zu wollen und wieder anzutreten, dem staunenden Publikum verk&uuml;nden kann.<\/p><p>Dass die Konservativen und die Neoliberalen ihren treuen Trompeter unterst&uuml;tzen, ist nicht &uuml;berraschend. Denn exakt spielt er nach den Noten, die sie ihm aufs Pult legen. Wichtiger ist das Verhalten der SPD. <\/p><p>Seit dem Hamburger Parteitag hat sich die SPD noch mit dem Vorwurf eines &bdquo;Linksrucks&ldquo; auseinandersetzen m&uuml;ssen &ndash; wie sich mehr und mehr zeigt: unbegr&uuml;ndeter Weise. Wer sich auf K&ouml;hler festlegt, der will auch die neoliberale Politik fortsetzen, die ein Gerhard Schr&ouml;der per &bdquo;Basta&ldquo;-Anordnung der SPD verordnet hat. Und daran darf nicht ger&uuml;ttelt werden, wie Franz M&uuml;ntefering in einem Schreiben an die Parteispitze fordert: &bdquo;Dabei darf das Regierungshandeln der SPD seit 1999 bis 2009 nicht dementiert werden.&ldquo; Im Klartext: Die Politik, die mit dem Etikett Agenda 2010 beschriftet ist, soll fortgesetzt werden. Das ist der Wunsch eines gro&szlig;en Teils der SPD-Spitze. Diese will sich auch gar nicht die Freiheit nehmen, mit der Linken auch nur im Geringsten gemeinsam Politik zu machen. Seeheimer Kreis, Netzwerker und weitere wollen die SPD auf Schr&ouml;derkurs halten. Ihnen ist es auch egal, wenn die SPD auf 20 Prozent sinkt &ndash; Hauptsache der neoliberale Kurs wird gehalten.<\/p><p>Dazu passt der Vorsto&szlig; von Peter Struck jetzt Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbr&uuml;ck als Kanzlerkandidaten ins Rennen zu schicken und nebenbei auch noch Klaus Wowereit eins auszuwischen. So wird Kurt Beck als Parteivorsitzender und denkbarer Kanzlerkandidat, auch wenn er als &bdquo;nat&uuml;rlicher Kanzlerkandidat&ldquo; bezeichnet wird, mit Absicht demontiert. Nebenbei werden so die Gremien der SPD bevormundet und die innerparteiliche Demokratie ausgehebelt.<\/p><p>Das Bild wird abgerundet durch den Beschluss, auf Bundesebene nicht mit der Linken irgendwie zusammenzuarbeiten. Das ist ein &bdquo;kontraproduktiver Sackgassenbeschluss&ldquo;, wie Rudolf Dre&szlig;ler in der &bdquo;Rheinischen Post&ldquo; (15.03.08) treffend feststellt. In der selben Zeitung fordert Europaminister Markus S&ouml;der (CSU) die Unionsparteien auf, sich mehr um die Mittelschicht zu k&uuml;mmern. Normale Arbeitnehmer, Facharbeiter, Angestellte, kleine Selbst&auml;ndige und Freiberufler h&auml;tten &bdquo;Sorge um den sozialen Abstieg&ldquo;. Ihnen m&uuml;sse die Unions-Politik wieder eine sichere Perspektive geben, so der ehemalige CSU-Generalsekret&auml;r.<\/p><p>Stellt sich die Frage: Was wird aus der SPD? Wird der Kurs Schr&ouml;der\/Steinmeier fortgesetzt, dann wird aus der Arbeiter- und Volkspartei eine Splitterpartei, die froh sein kann, wenn sie zwischen FDP, Gr&uuml;nen und Linken noch wahrgenommen wird. Wenn sie Gl&uuml;ck hat, darf sie n&auml;chstes Mal noch einmal an den Tisch einer Gro&szlig;en Koalition (was von einigen SPD-Spitzenleuten ja bereits 2005 so &bdquo;angedacht&ldquo; war) &ndash; wenn man sie &uuml;berhaupt noch braucht.<\/p><p><em>p.s. Wolfgang Lieb<\/em><\/p><p><strong>In Bild am Sonntag wird der CSU-Chef Huber zitiert: <\/strong><br>\nZugleich forderte Huber SPD-Chef Kurt Beck auf, jetzt zu versprechen, dass die SPD im n&auml;chsten Jahr keinen Bundespr&auml;sidenten mithilfe der Linkspartei w&auml;hlen wird.<br>\nDas belegt erneut das &bdquo;Einmauern&ldquo; (Kurt Beck) der SPD durch die Konservativen: Die SPD k&ouml;nnte, wenn sie darauf eingeht gar keinen Kandidaten oder keine Kandidatin f&uuml;r die Wahl zum Bundespr&auml;sidenten aufstellen, denn die &bdquo;Gefahr&ldquo;, dass er oder sie mit den Stimmen der Linkspartei die Mehrheit erhielte, lie&szlig;e sich gar nicht ausschlie&szlig;en.<br>\nDer SPD bliebe also nur, Horst K&ouml;hler wiederzuw&auml;hlen. Kein Wunder, das Peter Struck laut BamS eine Kampfkandidatur gegen K&ouml;hler schon ausschloss. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Westerwelle wollte mal wieder die Nase vorn haben und den gro&szlig;en Weltenlenker geben. So hat er denn Bundespr&auml;sident Horst K&ouml;hler zu einer zweiten Amtszeit ermuntert. Er wollte damit als erster dem staunenden Publikum etwas verk&uuml;nden, was hinter den Kulissen l&auml;ngst gelaufen ist. 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