{"id":3099,"date":"2008-03-28T09:48:04","date_gmt":"2008-03-28T08:48:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3099"},"modified":"2015-11-25T18:44:23","modified_gmt":"2015-11-25T17:44:23","slug":"am-geld-der-roland-berger-stiftung-kleben-der-schweiss-und-das-leid-von-millionen-menschen-und-amnesty-international-bildet-die-staffage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3099","title":{"rendered":"Am Geld der Roland Berger Stiftung kleben der Schwei\u00df und das Leid von Millionen Menschen \u2013 und amnesty international bildet die Staffage"},"content":{"rendered":"<p>Gestern wurde in M&uuml;nchen eine neue Stiftung, die Roland Berger Stiftung des Unternehmensberaters Roland Berger, vorgestellt. Pressemitteilung siehe im Anhang.<br>\nDie Stiftung verpflichtet sich dem weltweiten Schutz der Menschenw&uuml;rde. Viel zynischer geht es eigentlich nicht: Roland Bergers Firma hat mit ihren Beratungs-&bdquo;Leistungen&ldquo; viel Geld verdient, indem sie half, Arbeitspl&auml;tze wegzurationalisieren und den Abbau des Sozialstaats und der sozialen Sicherungssysteme voranzutreiben; nun soll mit diesem Geld zum Schutz der Menschenw&uuml;rde beigetragen werden. Und Amnesty International gibt dazu noch einen guten Namen her. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nRoland Berger war einer der wichtigen Berater von Gerhard Schr&ouml;der und als besonders aktiver Netzwerker an der so genannten Reformpolitik beteiligt. Der nieders&auml;chsische Ministerpr&auml;sident warf ihm &ouml;ffentlich die Bildung von Seilschaften vor. Seine Beratungsfirma arbeitete in der Hartz-Kommission mit. Er verdiente Millionen mit der Umgestaltung der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit. Pers&ouml;nlich aktiv war Berger in der R&uuml;rup-Kommission. Als &bdquo;Kostenkiller&ldquo; hat seine Beratungsfirma tausende von Arbeitspl&auml;tzen und Arbeitslosenschicksale auf dem Konto. Er war mit seinen Expertisen ein besonders aktiver Propagandist des &bdquo;schlanken Staates&ldquo;. Dies alles hat unendlich viele Menschen in Deutschland ihrer sozialen Sicherheit und damit zugleich h&auml;ufig auch ihrer menschlichen W&uuml;rde beraubt. Mit dem damit verdienten Geld wird jetzt eine Stiftung zum Schutz der Menschenw&uuml;rde und der Menschenrechte gegr&uuml;ndet. Der ist der blanke Hohn. Dass die Generalsekret&auml;rin der deutschen Sektion von Amnesty International dieser Reinwaschung neoliberaler Umtriebe durch eine solche Stiftung zum Lobpreis der Menschenw&uuml;rde auch noch den Segen erteilt, wirft ein grelles Licht auf die mangelnde Sensibilit&auml;t der Vertreter einer im Prinzip gro&szlig;artigen Organisation &ndash; Amnesty International. Der Zweck heiligt nicht alle Mittel, verehrte Frau Lochbihler. <\/p><p>Warum weise ich auf diesem Vorgang hin? Keinesfalls, um Amnesty International schlechtzumachen. Hier geht es um Sensibilisierung. Je deutlicher die schlimmen Folgen der neoliberalen Ver&auml;nderung in Deutschland und in der Welt insgesamt sichtbar werden, um so mehr versuchen die Betreiber dieses Ungl&uuml;cks mit wohlt&auml;tigen Werken davon abzulenken und sich mit unverd&auml;chtigen Organisationen und Zeitgenossen zu schm&uuml;cken. Solche Ablenkungsman&ouml;ver darf man nicht zulassen, weil dann die Macht dieser Kreise ungeb&uuml;hrlich verl&auml;ngert wird. Sie holen sich noch &ouml;ffentliches Lob ein und machen sich damit unangreifbar. Deshalb der Hinweis auf diesen Vorgang. Und hier die:<\/p><p><strong>Pressemitteilung der Roland Berger Stiftung<\/strong><br>\n27.03.2008 | 15:00 Uhr<br>\n<strong>Roland Berger Stiftung: Unternehmensberater Roland Berger gr&uuml;ndet private Stiftung &ndash; Ministerpr&auml;sident Beckstein &uuml;berreicht Stiftungsurkunde &ndash; Bundespr&auml;sident K&ouml;hler wird Preis f&uuml;r Menschenw&uuml;rde verleihen<\/strong><br>\nM&uuml;nchen (ots) &ndash; Im Rahmen der Initiative Stifterland Bayern wurde heute in der M&uuml;nchner Residenz die Roland Berger Stiftung ins Leben gerufen. Ministerpr&auml;sident Dr. G&uuml;nther Beckstein &uuml;berreichte Prof. Dr. h.c. Roland Berger dabei die Stiftungsurkunde. Die Roland Berger Stiftung verpflichtet sich dem weltweiten Schutz der Menschenw&uuml;rde und der Bildungsf&ouml;rderung. Sie f&ouml;rdert zum einen Menschenw&uuml;rde und Menschenrechte durch den &ldquo;Roland Berger Preis f&uuml;r Menschenw&uuml;rde &ndash; zur F&ouml;rderung eines friedlichen Miteinanders in der Welt&rdquo;. Mit diesem Preis werden jedes Jahr Personen oder Institutionen geehrt, die sich vorbildlich und erfolgreich f&uuml;r Menschenw&uuml;rde und Menschenrechte einsetzen. Bundespr&auml;sident Prof. Dr. Horst K&ouml;hler hat die Schirmherrschaft &uuml;ber den mit einer Million Euro dotierten Preis &uuml;bernommen und sich bereit erkl&auml;rt, diesen auch zu vergeben. Die Roland Berger Stiftung will zudem begabte junge Menschen aus bildungsfernen Schichten unterst&uuml;tzen: So sollen ihnen etwa Stipendien eine hochwertige Ausbildung und dadurch ein selbstbestimmtes Leben erm&ouml;glichen. Zudem werden Bildungsprojekte aufgelegt und finanziert. Die Stiftung stattet der 70-j&auml;hrige Strategieberater mit zun&auml;chst 50 Millionen Euro aus seinem Privatverm&ouml;gen aus, das auf einen dreistelligen Millionenbetrag aufgestockt werden soll. Das Kuratorium unter dem Vorsitz Roland Bergers besteht aus Staatssekret&auml;r Dr. Gert Haller, Chef des Bundespr&auml;sidialamtes, Frau Barbara Lochbihler, Generalsekret&auml;rin der deutschen Sektion von amnesty international, dem Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Dieter Lenzen, Pr&auml;sident der Freien Universit&auml;t Berlin, sowie Frau Karin Berger.<br>\nIn seiner Rede erkl&auml;rt Roland Berger:<\/p><p>&ldquo;Die Roland Berger Stiftung hat einen zweifachen Stiftungszweck:<\/p><p>1. Menschenw&uuml;rde und Menschenrechte f&ouml;rdern und sch&uuml;tzen, mit dem Ziel einer weltweit offenen und friedlichen Gesellschaft, in der alle Menschen ihre F&auml;higkeiten frei entfalten und in W&uuml;rde leben k&ouml;nnen.<\/p><p>2. Die Bildungschancen begabter junger Menschen, vor allem aus bildungsfernen Schichten, verbessern, um ihnen so ein selbstbestimmtes Leben in W&uuml;rde zu erm&ouml;glichen.<br>\nWie kommt man als Stifter auf derartige Stiftungszwecke? Es sind pers&ouml;nliche Erlebnisse: Geboren im nationalsozialistischen Deutschland musste ich bereits als kleines Kind den menschenverachtenden Terror der Gestapo miterleben. Unser Zuhause wurde regelm&auml;&szlig;ig unangek&uuml;ndigt von Schergen dieses Unrechtsstaates durchsucht. 1944 schlie&szlig;lich wurde mein Vater von den Nazis inhaftiert. Diese Jahre waren der dunkelste Abschnitt deutscher Geschichte. Die W&uuml;rde des Menschen galt nichts. Vielen wurde sie genommen.<\/p><p>Dagegen sagt heute Artikel 1 unseres Grundgesetzes: &ldquo;Die W&uuml;rde des Menschen ist unantastbar&rdquo;. Mittlerweile ist das Bekenntnis zu Menschenw&uuml;rde und Menschenrechten ein tragender Grundsatz der internationalen Ordnung, der Charta der Vereinten Nationen, der Verfassung der UNESCO sowie ungez&auml;hlter nationaler Verfassungen.<br>\nFakt ist allerdings, dass W&uuml;rde und Rechte des Menschen auch heute noch in vielen Teilen der Welt missachtet werden. Schauen wir nur nach Somalia, in den Tschad oder den Sudan. Zwei Weltkriege und der Holocaust in der ersten H&auml;lfte des letzten Jahrhunderts verpflichten uns Deutsche meiner Meinung nach besonders, uns f&uuml;r diese Werte einzusetzen.<\/p><p>So lobt die Roland Berger Stiftung von nun an jedes Jahr den &ldquo;Roland Berger Preis f&uuml;r Menschenw&uuml;rde &ndash; zur F&ouml;rderung eines friedlichen Miteinanders in der Welt&rdquo; aus, &uuml;ber den Bundespr&auml;sident Prof. Dr. Horst K&ouml;hler die Schirmherrschaft &uuml;bernimmt. Der Bundespr&auml;sident wird den mit einer Million Euro dotierten Preis auch j&auml;hrlich im Rahmen einer festlichen Veranstaltung in Berlin &uuml;bergeben. Er soll Pers&ouml;nlichkeiten und Institutionen f&uuml;r ihre Verdienste um die Menschenw&uuml;rde ehren. Gleichzeitig sollen sie das Preisgeld verwenden, um ihre Arbeit zu finanzieren. Schlie&szlig;lich soll die Auszeichnung noch mehr Menschen und Gemeinschaften dazu inspirieren, sich f&uuml;r Menschenw&uuml;rde und Menschenrechte einzusetzen.<\/p><p>Auch der Stiftungszweck Bildungsf&ouml;rderung gr&uuml;ndet auf pers&ouml;nlichen Erfahrungen. Letztlich konnte ich nur deswegen im Leben etwas erreichen, weil ich Zugang zu erstklassiger Bildung hatte. Sie erm&ouml;glichte es mir, meine F&auml;higkeiten zu entwickeln und dadurch, so hoffe ich jedenfalls, pers&ouml;nlich und beruflich zum Fortschritt der Gesellschaft beizutragen. Daher habe ich mich entschieden, mit meiner Stiftung Bildung zu f&ouml;rdern, vor allem die Ausbildung junger Menschen aus bildungsfernen Schichten.<br>\n&ldquo;Bildungschancen sind Lebenschancen&rdquo;, so hat es Bundespr&auml;sident Prof. Dr. Horst K&ouml;hler in seiner Berliner Rede 2006 formuliert. Tats&auml;chlich besteht hier auch in Deutschland noch immer gro&szlig;er Handlungsbedarf und hier wird die Roland Berger Stiftung ansetzen:<\/p><p>In Deutschland studieren heute nur 36 Prozent der Abiturienten eines Jahrgangs, drei Jahre zuvor waren es noch 39 Prozent. Und schaut man sich die soziale Herkunft der Studierenden an, so wird klar, dass der famili&auml;re Hintergrund offenbar die Chancen der jungen Menschen bestimmt: So studieren heute 83 Prozent aller Akademikerkinder, aber nur 23 Prozent des Nachwuchses aus Familien ohne akademische Tradition. Noch schlechter steht es um Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Auch diese ,sind Deutschland&rsquo;. Deshalb geht es uns alle an, dass jedes f&uuml;nfte Zuwandererkind die Schule ohne Abschluss verl&auml;sst, vier von zehn Jugendlichen mit Migrationshintergrund keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen k&ouml;nnen, und dass die Chance, eine qualifizierte Ausbildung zu bekommen, f&uuml;r diese Jugendlichen nur halb so hoch ist wie f&uuml;r ihre deutschen Kameraden.<\/p><p>Dies verst&ouml;&szlig;t nicht nur gegen die Chancengerechtigkeit, sondern bedeutet auch, dass wir intellektuelles Potenzial vergeuden, und zwar in erheblichem Umfang. Und eben dieses Potenzial m&uuml;ssten wir dringend aussch&ouml;pfen, wenn unsere Gesellschaft ihre Zukunft bew&auml;ltigen und ihren B&uuml;rgern ein lebenswertes Dasein garantieren soll.<br>\nDie Roland Berger Stiftung will der ungleichen Verteilung von Bildungschancen in Deutschland entgegenwirken. Zum einen durch die Vergabe von Roland Berger Stipendien an begabte junge Menschen aus bildungsfernen Schichten. Zum anderen, indem sie Bildungsprojekte in allen Bereichen f&ouml;rdert &ndash; von der Vorschule bis hin zur Universit&auml;t.<br>\nDie Roland Berger Stiftung wird zun&auml;chst mit 50 Millionen Euro ausgestattet. Daraus stehen j&auml;hrlich etwa 4 Millionen Euro f&uuml;r Roland Berger Preis und Bildungsf&ouml;rderung zur Verf&uuml;gung. Ich plane dar&uuml;ber hinaus, das Stiftungskapital mittelfristig auf bis zu 150 Millionen Euro aufzustocken.&rdquo;<br>\nN&auml;here Informationen sowie Bildmaterial finden Sie ab 15.00 Uhr auf der Stiftungswebseite:www.rolandbergerstiftung.org<br>\nAm 27. M&auml;rz ab 16.00 Uhr steht Ihnen dort auch ein Foto der Urkunden&uuml;bergabe zur Verf&uuml;gung.<\/p><p>Falls Sie R&uuml;ckfragen haben, wenden Sie sich bitte an:<br>\nThorsten Gohlke, Roland Berger Stiftung,<br>\nPostfach 402140, 80721 M&uuml;nchen<br>\nT (0 89) 92 30 84 83 | F (089) 54 85 88 05<br>\n<a href=\"mailto:tg@rolandbergerstiftung.org\">tg@rolandbergerstiftung.org<\/a><br>\n<a href=\"http:\/\/www.rolandbergerstiftung.org\">www.rolandbergerstiftung.org<\/a> (online ab 27. M&auml;rz, 15.00 Uhr)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern wurde in M&uuml;nchen eine neue Stiftung, die Roland Berger Stiftung des Unternehmensberaters Roland Berger, vorgestellt. Pressemitteilung siehe im Anhang.<br \/> Die Stiftung verpflichtet sich dem weltweiten Schutz der Menschenw&uuml;rde. 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