{"id":31043,"date":"2016-02-10T11:16:43","date_gmt":"2016-02-10T10:16:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31043"},"modified":"2016-02-11T11:57:32","modified_gmt":"2016-02-11T10:57:32","slug":"militaerausgaben-schoener-manipulieren-mit-christoph-sydow-auf-spiegel-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31043","title":{"rendered":"Milit\u00e4rausgaben: Sch\u00f6ner manipulieren mit Christoph Sydow auf SPIEGEL Online"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/iiss-report-2016-westen-verliert-militaerische-ueberlegenheit-a-1076547.html\">Der Westen verliert seine milit&auml;rische &Uuml;berlegenheit<\/a>&ldquo; &ndash; es ist schon starker Tobak, der einem da von der Startseite des Portals SPIEGEL Online entgegenspringt. Um diese fragw&uuml;rdige These zu untermauern, zitiert SPIEGEL-Online-Autor Christoph Sydow eine einzige Quelle und die ist in diesem Kontext mehr als fragw&uuml;rdig &ndash; das laut Sydow &bdquo;renommierte&ldquo; Internationale Institut f&uuml;r Strategische Studien (IISS), das seit Jahrzehnten vor allem daf&uuml;r bekannt ist, eine &bdquo;milit&auml;rische &Uuml;berlegenheit&ldquo; des jeweiligen globalstrategischen Kontrahenten zu &bdquo;belegen&ldquo;, um h&ouml;here R&uuml;stungsausgaben zu fordern. In dieses Konzept passt auch die aktuelle Meldung. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_568\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-31043-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160210_Schoener_manipulieren_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160210_Schoener_manipulieren_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160210_Schoener_manipulieren_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160210_Schoener_manipulieren_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=31043-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160210_Schoener_manipulieren_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160210_Schoener_manipulieren_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160210_01.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160210_01-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p><strong>Was ist von den Kernthesen dieses Artikels zu halten?<\/strong><\/p><ol>\n<li><em>Die asiatischen L&auml;nder geben j&auml;hrlich fast 90 Milliarden Euro mehr f&uuml;r Verteidigung aus als die europ&auml;ischen NATO-Mitglieder.<\/em><br>\n&nbsp;<br>\nDas ist richtig, nur dass viele &bdquo;asiatischen L&auml;nder&ldquo; mit hohen R&uuml;stungsausgaben (z.B. Japan, S&uuml;dkorea) langj&auml;hrige und enge Verb&uuml;ndete der NATO sind, ein gegeneinander &bdquo;Aufrechnen&ldquo; also gar keinen Sinn macht. Hinzu kommt, dass &bdquo;Asien&ldquo; mehr als 4,4 Milliarden Einwohner hat, w&auml;hrend die europ&auml;ischen NATO-Staaten nur auf rund 570 Millionen Einwohner kommen. Warum reduziert das IISS hier eigentlich die Basis auf die europ&auml;ischen NATO-Staaten und nimmt die NATO nicht als Block? Die Antwort sollte klar sein: Die R&uuml;stungsausgaben des NATO-Partners USA stellen selbst den bev&ouml;lkerungsreichen Kontinent Asien m&uuml;helos in den Schatten:\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150413_traue_02.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n<p><em>Dazu auch: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25713\">Wolfgang Lieb &ndash; Traue keiner Grafik&hellip;<\/a><\/em><\/p>\n<p>Und warum w&auml;hlt man Asien als Konterpart? Streng genommen z&auml;hlt hier doch ohnehin nur China zu den Staaten, die von NATO-Strategen als Konkurrenten gesehen werden. Auch hier ist die Antwort nicht eben komplex: Die R&uuml;stungsausgaben der &bdquo;Schurkenstaaten&ldquo; Russland und Iran sind nun einmal so gering, dass man damit dem Deutschen keine Angst machen kann. Da muss man schon China aus dem Hut zaubern und die Zahl mit unlauteren Mitteln zus&auml;tzlich aufbl&auml;hen.<\/p><\/li>\n<li><em>Die Zahl der in Europa stationierten Soldaten der NATO-Staaten und die Zahl der Kampfjets der Franzosen und Briten ist seit Ende des Kalten Krieges gesunken.<\/em><br>\n&nbsp;<br>\nAlles andere w&auml;re ja auch bedenklich. Die entscheidende Frage ist aber doch, ob dadurch das &bdquo;Gleichgewicht&ldquo; durcheinander gebracht wurde. Das ist aber nicht der Fall. Russlands Streitkr&auml;fte umfassen heute rund 750.000 Soldaten. Zu Hochzeiten des Kalten Kriegs hatte die Sowjetarmee mehr als 3,1 Millionen Soldaten unter Waffen. Auch die US-Armee hatte im Kalten Krieg mal mehr als drei Millionen Soldaten unter Waffen. Heute sind es noch &uuml;ber 1,5 Millionen, mithin also doppelt so viel wie Russland. Und hier geht es erst einmal nur um die Quantit&auml;t und noch nicht einmal um die Qualit&auml;t. Von einem aus der Waage gekommenen Gleichgewicht kann also nicht die Rede sein. Die NATO ist nach wie vor haushoch &uuml;berlegen und dies bei allen Waffengattungen.<\/li>\n<li><em>Der technologische Vorsprung sinkt, da auch China und Co. Zugriff auf &bdquo;neue Technologien&ldquo; haben.<\/em><br>\n&nbsp;<br>\nIn einer Zeit, in der selbst Amazon und DHL bereits die ersten P&auml;ckchen mit Drohnen ausliefern, ist es wohl wenig &uuml;berraschend, dass auch Staaten, die zu den &bdquo;Feinden&ldquo; des Westens gez&auml;hlt werden, Drohnen f&uuml;r ihre Zwecke nutzen. Solange die USA f&uuml;r ihr Milit&auml;r pro Jahr mehr als 600 Milliarden Dollar ausgeben, ist die Technologief&uuml;hrerschaft schon nicht in Gefahr. Technologisch fortschrittliche Staaten wie China oder Russland davon abhalten zu wollen, selbst &bdquo;neue Technologien&ldquo; wehrtechnisch einzusetzen, ist eine Wunschvorstellung, &uuml;ber die man nicht ernsthaft debattieren muss.<\/li>\n<li><em>Die NATO schafft es nicht mehr, ihre &bdquo;&ouml;stlichen Mitglieder&ldquo; zu sch&uuml;tzen.<\/em><br>\n&nbsp;<br>\nSPIEGEL Online zitiert den IISS-Bericht mit der Aussage, dass die Funktion der NATO davon abh&auml;ngig sei, die Landesverteidigung ihrer &ouml;stlichen Mitglieder schnell zu verst&auml;rken. Dies sei heute aber nicht m&ouml;glich, da Russland den Zugang zum baltischen Raum verhindere. Die ganze Analyse ist nat&uuml;rlich unsinnig. Russland kontrolliert weder den Luft- noch den Seeweg ins Baltikum. Wenn die NATO es f&uuml;r notwendig h&auml;lt, kann sie also Millionen GIs samt schwerem Ger&auml;t in Estland, Lettland und Litauen stationieren. Zumindest in Friedenszeiten. In Kriegszeiten wird dies wohl nicht gelingen. Aber in Kriegszeiten h&auml;tte dies auch in der Vergangenheit nicht gelingen k&ouml;nnen. \n<p>Es ist ohnehin Unsinn, sich in diesem Kontext &uuml;ber die Verteilung konventioneller Streitkr&auml;fte zu unterhalten. Die osteurop&auml;ischen Staaten stehen unter dem Schutz der gesamten NATO und damit auch dem nuklearen Schutzschirm der USA, Gro&szlig;britanniens und Frankreichs und es gibt &uuml;berhaupt keinen Grund anzunehmen, dass Russland einen Atomkrieg gegen die NATO anzetteln will; ja, es gibt noch nicht einmal einen Grund, anzunehmen, dass Russland die Sicherheitsinteressen der osteurop&auml;ischen NATO-Staaten in welcher Form auch immer bedroht. Es geht hier nicht um eine &bdquo;Bedrohung&ldquo;, sondern &ndash; so wie SPIEGEL Online es formuliert &ndash; um &bdquo;das Gef&uuml;hl einer Bedrohung&ldquo;. <\/p>\n<p>Rational betrachtet geht es also darum, dieses &bdquo;Gef&uuml;hl&ldquo; aus der Welt zu schaffen, so dass auch die Osteurop&auml;er sich sicher und zufrieden f&uuml;hlen. Daf&uuml;r gibt es nat&uuml;rlich verschiedene Mittel und Wege. Eine gnadenlose Aufr&uuml;stung in den europ&auml;ischen NATO-Staaten ist jedoch der denkbar schlechteste Weg, um eine &bdquo;gef&uuml;hlte Bedrohung&ldquo; aus dem Weg zu schaffen. Wie w&auml;re es stattdessen mit einer ernst gemeinten Ann&auml;herungspolitik? Das ist naiv? Illusorisch? Schlie&szlig;lich sei der Russe ja bekannterma&szlig;en b&ouml;se und stellt eine Gefahr f&uuml;r den Weltfrieden dar? Wenn man sich die j&uuml;ngere europ&auml;ische Geschichte einmal anschaut, gibt es genau einen einzigen Staat, der Europa in Schutt und Asche gelegt hat: Deutschland! <\/p>\n<p>Heute haben aber weder die Franzosen, noch die Polen, die Niederl&auml;nder oder die D&auml;nen ernsthaft Angst davor, dass morgen deutsche Panzer ihre Grenzen &uuml;berrollen. Franzosen, Polen, Niederl&auml;nder und D&auml;nen m&uuml;ssen daher zum Gl&uuml;ck auch keine Panzerabwehrbataillone unterhalten und an ihren Grenzen zu Deutschland stationieren. So funktioniert Europa, so funktioniert die europ&auml;ische Friedensordnung. <\/p>\n<p>Ob Osteuropa wirklich einen Grund hat, den Russen zu misstrauen und sich vor Russland zu sch&uuml;tzen, ist eine schwere Frage, die sich wohl kaum sachlich, sondern eher auf der Emotionsebene beantworten l&auml;sst. Wie haben es beispielsweise die Franzosen und die Deutschen in den 1950ern gelernt, sich nicht mehr als Erbfeinde zu betrachten und miteinander anstatt gegeneinander zu handeln? Was Franzosen und Deutsche gelernt haben, k&ouml;nnen Esten, Letten, Litauer und Russen auch lernen; gar kein Frage. Man muss die V&ouml;lker nur lernen lassen. Und momentan passiert das genaue Gegenteil: Durch die Spannungspolitik werden die vorhandenen Gr&auml;ben nicht &uuml;berwunden, sondern es werden neue Gr&auml;ben gezogen. Die st&auml;ndigen Forderungen nach Aufr&uuml;stung und dem angeblichen Verlust unserer milit&auml;rischen &Uuml;berlegenheit tun ihr &uuml;briges dazu bei. Schade vor allem, dass SPIEGEL-Online-Redakteur Sydow es noch nicht einmal schafft, die reaktion&auml;ren Argumente des IISS einzuordnen. Solche Artikel haben vor allem ein Ziel: Jegliche Ann&auml;herung an Russland zu unterbinden und die &Ouml;ffentlichkeit auf h&ouml;here R&uuml;stungsausgaben einzuschw&ouml;ren. Manipulation. Und dies noch nicht einmal subtil.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/iiss-report-2016-westen-verliert-militaerische-ueberlegenheit-a-1076547.html\">Der Westen verliert seine milit&auml;rische &Uuml;berlegenheit<\/a>&ldquo; &ndash; es ist schon starker Tobak, der einem da von der Startseite des Portals SPIEGEL Online entgegenspringt. 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