{"id":3105,"date":"2008-03-31T08:41:37","date_gmt":"2008-03-31T06:41:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3105"},"modified":"2019-07-25T18:37:03","modified_gmt":"2019-07-25T16:37:03","slug":"ilo-verschaerft-sanktionen-gegen-burma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3105","title":{"rendered":"ILO versch\u00e4rft Sanktionen gegen Burma"},"content":{"rendered":"<p>Der aus 52 Vertretern von Regierungen, Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammengesetzte Verwaltungsrat der Internationalen Arbeitsorganisation hat eine weitere Versch&auml;rfung seines Vorgehens gegen die Milit&auml;rjunta in Burma beschlossen. Seit Jahrzehnten steht das Regime in Burma in der weltweiten Kritik wegen schwerster Verletzungen des Verbots der Zwangsarbeit. M&auml;nner, Frauen und Kinder werden zu schweren &ouml;ffentlichen Bau &ndash; und Stra&szlig;enarbeiten gezwungen oder vom Milit&auml;r zwangsrekrutiert f&uuml;r milit&auml;rische Operationen, aber auch die schlimmsten Formen von Sklavendiensten. Viele Menschen haben daf&uuml;r nicht nur ihre Freiheit verloren, sondern jede Menschenw&uuml;rde und oft auch ihre Gesundheit oder mussten mit ihrem Leben bezahlen. Von Ursula Engelen-Kefer (Mitglied im Verwaltungsrat der Internationalen Arbeitsorganisation)<br>\n<!--more--><br>\nAuch die mehr als diplomatischen &Auml;u&szlig;erungen eines Teils der Vertreter von asiatischen und lateinamerikanischen L&auml;ndern im Verwaltungsrat der ILO &ndash; allen voran China und Kuba &ndash; konnten die Versch&auml;rfung der Sanktionen der ILO gegen Burma nicht aufhalten. Sie hatten Burma Fortschritte bei der Bek&auml;mpfung der Zwangsarbeit attestiert und die ILO zur Unterst&uuml;tzung hierbei an Stelle weiterer Sanktionen aufgefordert. Zwar gibt es seit mehreren Jahren eine Vereinbarung der Zusammenarbeit bei der gerichtlichen Verfolgung der Zwangsarbeit zwischen der ILO und der Regierung Burmas. Sie wurde gerade f&uuml;r ein Jahr verl&auml;ngert. Einen ernsthaften Durchbruch bei der Bek&auml;mpfung der Zwangsarbeit in Burma gibt es bisher jedoch nicht.<\/p><p><strong>Zwangsarbeit in Burma geht weiter<\/strong><\/p><p>Ein Fall vom Dezember 2007 betrifft den Arbeitszwang durch das Milit&auml;r f&uuml;r Dutzende von Bewohnern in einem kleinen Dorf bei Androhung nicht bezahlbarer Strafen zur Schwerstarbeit im Stra&szlig;enbau. Sie mussten einen zweit&auml;tigen Fu&szlig;marsch zur Baustelle auf sich zu nehmen, sieben Tage die Woche arbeiten &ndash; ohne Nahrung, Transport, Gesundheitsschutz. Dies ist kein Einzelfall. Ebenfalls aus j&uuml;ngerer Zeit wird &uuml;ber viele F&auml;lle berichtet, in denen minderj&auml;hrige Jungen vom Milit&auml;r aus den Familien oder Schulen unter Androhung von h&auml;rtester Bestrafung zwangsrekrutiert werden. Bei Hinweisen von ILO-Vertretern, dass dies gegen die Internationalen Menschenrechte und grundlegende ILO &Uuml;bereinkommen verst&ouml;&szlig;t, behauptet die Regierung, die Jungen (Alter 11, 12 Jahre) h&auml;tten sich als 19-J&auml;hrige ausgegeben. Noch deutlicher kann die zynische Menschenverachtung dieses Regimes wohl kaum gemacht werden.<\/p><p>Einen vorl&auml;ufigen H&ouml;hepunkt erreichte die Auseinandersetzung zwischen der Milit&auml;rjunta und der ILO durch die Inhaftierung eines Burmesen, weil er sich mit den Vertretern der ILO in Rangun daf&uuml;r einsetzte, dass derartige F&auml;lle der Zwangsarbeit verfolgt, aufgekl&auml;rt und bestraft werden. Er ist zwar derzeit auf freien Fu&szlig; gesetzt. Allerdings besteht weiterhin die Gefahr, dass er und andere Mutige beim Einsatz f&uuml;r die Bek&auml;mpfung der Zwangsarbeit inhaftiert und drangsaliert werden.<\/p><p>Der Verwaltungsrat der ILO fordert die Regierung von Burma unmissverst&auml;ndlich auf, die Beschwerden gegen das Verbot der Zwangsarbeit ohne die bisherige Drangsalierung und Bestrafung der Verantwortlichen zu erm&ouml;glichen &ndash; auch und gerade, wenn dies den milit&auml;rischen Teil der betrifft. Wesentliche Voraussetzungen dabei sind, dass die Bev&ouml;lkerung im ganzen Land und vor allem in der Landessprache von h&ouml;chster Regierungsstelle &uuml;ber diese politischen &Auml;nderungen informiert wird. Diese seit &uuml;ber 10 Jahren von der ILO geforderte Selbstverst&auml;ndlichkeit ist bis heute nicht erf&uuml;llt.<br>\nDer vor wenigen Jahren zur &Uuml;berwachung dieses in Burma &uuml;ber viele Jahrzehnte mit F&uuml;&szlig;en getretenen Menschenrechts eingesetzte Vertreter der ILO ist mit der &Uuml;berwachung dieser Klageverfahren und ihrer praktischen Umsetzung beauftragt. Seine Erkl&auml;rungen machen jedoch deutlich, dass zwischen Anspruch und Realit&auml;t noch eine weite L&uuml;cke klafft. F&uuml;r die &uuml;ber 70 Beschwerden zur Zwangsarbeit und milit&auml;rischen Zwangsrekrutierung gibt es bisher ganze 4 F&auml;lle mit ernsthafter Bestrafung. Das Milit&auml;r kann sich nach wie vor weitgehend jeglicher Verantwortung entziehen. Lediglich bei konkreten minuti&ouml;s nachgewiesenen Einzelf&auml;llen der Zwangsrekrutierung Minderj&auml;hriger l&auml;sst sich eine R&uuml;ckgabe dieser Kinder an die Eltern durchsetzen. Von einer abschreckenden Bestrafung ist allerdings nach wie vor nichts zu erkennen &ndash; im Gegenteil wird dies von den Gerichten mehr als Kavaliersdelikt behandelt.<\/p><p>Besonders notwendig ist die Verst&auml;rkung des Drucks auf die Mitgliedsl&auml;nder IAO, die von der UN auf Antrag der ILO verh&auml;ngten Wirtschaftssanktionen tats&auml;chlich durchzusetzen. Umfragen der ILO und der nationalen und internationalen Gewerkschaften zeigen vielmehr gro&szlig;e und wachsende Defizite und L&uuml;cken bei der praktischen Umsetzung der Wirtschaftssanktionen.<\/p><p><strong>Gewerkschaften in Burma noch immer verboten<\/strong><\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus gibt es eine erneute versch&auml;rfte Aktion der Milit&auml;rjunta gegen jegliche Art der gewerkschaftlichen Bet&auml;tigung. Sechs Arbeitnehmer wurden verhaftet, weil sie es wagten, den 1. Mai 2007 vorzubereiten. Wie die ILO aus den Gerichtsakten entnahm, bestand das Verbrechen bereits darin, eine Rede zu entwerfen, in der bessere L&ouml;hne und Arbeitsbedingungen f&uuml;r Arbeitnehmer verlangt werden. Die sechs Arbeitnehmer wurden inzwischen vom Gericht zu lebensl&auml;nglicher Haft verurteilt. Zus&auml;tzlich sollen sie eine Geldstrafe entrichten. Ist Ihnen dies nicht m&ouml;glich, m&uuml;ssen sie eine zus&auml;tzliche Haft von 6 Monaten verb&uuml;&szlig;en. Diejenigen, die mit dem verbotenen Gewerkschaftsbund Kontakt aufgenommen hatten, erhielten weitere Haftstrafen von mehreren Jahren &ndash; ein Zynismus von Milit&auml;r, Regierung und Gericht, der kaum mehr &uuml;berboten werden kann. Durch Interventionen des Internationalen Gewerkschaftsbundes und der ILO ist inzwischen eine &Uuml;berpr&uuml;fung dieser schrecklichen Gerichtsentscheidung f&uuml;r 4. April angek&uuml;ndigt. Experten der ILO gehen davon aus, dies k&ouml;nne darauf hindeuten, dass diese exorbitanten Strafen erheblich reduziert oder aufgehoben w&uuml;rden. In seiner jetzt angenommenen Erkl&auml;rung verlangt der Verwaltungsrat die umgehende Freilassung dieser Arbeitnehmer und Gewerkschafter sowie die Legalisierung und Zulassung des Burmesischen<br>\nGewerkschaftsbundes.<\/p><p>Allerdings bleibt das Grundproblem in Burma bestehen: Gewerkschaften sind per Strafgesetz verboten. Der in der Internationalen Gewerkschaftsbewegung hoch anerkannte Gewerkschaftsdachverband von Burma muss im Exil arbeiten. In der Behandlung dieses Falles im gerade beendeten Verwaltungsrat erkl&auml;rte der offizielle Regierungsvertreter Burmas Gewerkschafter zu Terroristen und den Gewerkschaftsdachverband zu einer Terroristenvereinigung, die Bomben legten und z&uuml;ndeten, um das Land in die Luft zu sprengen. Dies ist die amtliche Rechtfertigung f&uuml;r das menschenverachtende Vorgehen der Milit&auml;rjunta gegen jede Art von gewerkschaftlicher Bet&auml;tigung. Hier gibt es enge Parallelen zu der brutalen Niederschlagung der Proteste der M&ouml;nche in Burma durch die Milit&auml;rjunta im vergangenen Jahr. Der Verwaltungsrat fordert die Regierung von Burma daher auf, umgehend alle Gesetze gegen Gewerkschaften und Gewerkschaftst&auml;tigkeit aufzuheben.<\/p><p><strong>Anrufung des Internationalen Gerichtshofes<\/strong><\/p><p>Offen gehalten wird in der j&uuml;ngsten Erkl&auml;rung des Verwaltungsrates die Anrufung des Internationalen Gerichtshofes. Hierbei kann eine Stellungnahme zu allen rechtlichen Problemen und Fragen eingeholt werden. Bis heute wurden von UN Beh&ouml;rden insgesamt 24 Klagen vorgebracht. Im Allgemeinen wurden hierbei nicht verbindliche beratende Stellungnahmen des Internationalen Gerichtshofes erbeten. Dies w&auml;re auch das Verfahren, das f&uuml;r eine m&ouml;gliche Beschwerde der ILO gegen die Milit&auml;rjunta von Burma wegen Verletzung des &Uuml;bereinkommens zum Verbot der Zwangsarbeit angewendet werden sollte. Dies k&ouml;nnte dann auch eine Grundlage daf&uuml;r sein, dass die ILO diesen Fall vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bringen kann. Bisherige Versuche im Verwaltungsrat waren am Veto von S&uuml;dafrika und Russland gescheitert.<\/p><p>Notwendig ist auch eine Versch&auml;rfung des Vorgehens der ILO gegen die Verletzung der grundlegenden &Uuml;bereinkommen zur Vereinigungsfreiheit und Tarifvertragsfreiheit. Solange frei gew&auml;hlte Gewerkschaften und ihre T&auml;tigkeit zur Durchsetzung von Arbeitnehmerinteressen bis hin zum Recht auf Streik per Strafgesetz verboten sind, erf&uuml;llt Burma nicht die grundlegenden Voraussetzungen dieser &Uuml;bereinkommen, die beide seit vielen Jahren ratifiziert sind. <\/p><p><strong>Referendum &uuml;ber Verfassung unglaubw&uuml;rdig<\/strong><\/p><p>Wenig glaubw&uuml;rdig ist der Verweis der Milit&auml;rjunta auf den Entwurf der Verfassung, &uuml;ber den im Mai durch ein Referendum abgestimmt werden soll. Aber auch hier handelt es sich um einen gro&szlig;en Betrug an der Bev&ouml;lkerung. Bis jetzt gibt es keinen Entwurf dieser Verfassung in der Landessprache, &uuml;ber den &uuml;berhaupt ein Referendum herbeigef&uuml;hrt werden k&ouml;nnte. Dar&uuml;ber hinaus sind alle kritischen und oppositionellen Kr&auml;fte des Landes einschlie&szlig;lich der M&ouml;nche von der Abstimmung ausgeschlossen. F&uuml;r die &uuml;brige Bev&ouml;lkerung besteht ein Abstimmungszwang &ndash; mit der Androhung von Strafen.<\/p><p>Auch der in der ILO bisher bekannte Text der besonders wichtigen Passagen zeigt die Uneinsichtigkeit der Milit&auml;rregierung: Danach soll auch in der Verfassung das Verbot der Zwangsarbeit enthalten sein, allerdings mit der Ausnahme harter Arbeit und &ouml;ffentlicher T&auml;tigkeiten als Bestrafung f&uuml;r Vergehen. Das Recht auf freie gewerkschaftliche T&auml;tigkeit wird nur unter der Bedingung gew&auml;hrt, dass Gesetz und Ordnung, kommunaler Friede, &ouml;ffentliche Ruhe und Moral eingehalten wird. Unter den Bedingungen des Lebens und Arbeitens der Menschen in der Milit&auml;rdiktatur von Burma bedeutet dies keinesfalls Demokratie, Recht und Menschenw&uuml;rde. Es l&auml;uft auf eine menschenverachtende Scharade hinaus. <\/p><p>Deshalb sind weitere Sanktionen der ILO unausweichlich. Diese m&uuml;ssen w&auml;hrend der Internationalen Arbeitskonferenz im Juni 2008 erneut verhandelt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der aus 52 Vertretern von Regierungen, Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammengesetzte Verwaltungsrat der Internationalen Arbeitsorganisation hat eine weitere Versch&auml;rfung seines Vorgehens gegen die Milit&auml;rjunta in Burma beschlossen. Seit Jahrzehnten steht das Regime in Burma in der weltweiten Kritik wegen schwerster Verletzungen des Verbots der Zwangsarbeit. 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