{"id":3107,"date":"2008-03-31T10:43:35","date_gmt":"2008-03-31T08:43:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3107"},"modified":"2015-11-25T18:32:03","modified_gmt":"2015-11-25T17:32:03","slug":"der-gefuegige-transnet-gewerkschaftschef-und-andere-merkwuerdigkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3107","title":{"rendered":"Der gef\u00fcgige Transnet-Gewerkschaftschef und andere Merkw\u00fcrdigkeiten"},"content":{"rendered":"<p>Die m&auml;chtige Bahn-Gewerkschaft Transnet hat die SPD aufgefordert, die Teilprivatisierung des Staatskonzerns nicht zu blockieren, hei&szlig;t es in einer <a href=\"http:\/\/de.reuters.com\/article\/domesticNews\/idDENEI85868220080328\">Meldung von Reuters<\/a> vom vergangenen Freitag (siehe unten Anlage 1). Viele Gewerkschaftsmitglieder von Transnet verstehen diesen weiteren Umfaller ihres Gewerkschaftsvorsitzenden nicht. Noch im November 2007 hatte sich die <a href=\"?p=3061\">Gewerkschaft Transnet f&uuml;r den Plan B<\/a> ausgesprochen. Damals lehnte Transnet das jetzt zur Entscheidung stehende Holding Modell ab, <a href=\"upload\/pdf\/Beschluss_TRANSNET_GDBA%20endgueltige%20Fassung.pdf\">siehe Ziffer 3 der Erkl&auml;rung vom 13.11.2007 [PDF &ndash; 88 KB]<\/a>. Plan B bedeutete, dass alles im Bundesbesitz bleiben soll. Doch der Gewerkschaftsvorsitzende Hansen macht wohl alles mit, was Bahnchef Mehdorn will. Deshalb &uuml;bt er jetzt Druck auf die entscheidende Arbeitsgruppe der SPD aus. Diese Arbeitsgruppe tagt heute zum ersten Mal. Sie ist mehrheitlich mit Personen besetzt, die im Widerspruch zu den W&uuml;nschen des Hamburger SPD-Parteitags und einer Mehrheit von 70% der Bev&ouml;lkerung zumindest eine Teilprivatisierung der Bahn durchsetzen will.<br>\nDen Willen zur Privatisierung der Bahn kann man nur verstehen, wenn man fragt: Wer verdient daran? So unsere auch im <a href=\"?p=2962\">Kritischen Jahrbuch 2007<\/a> formulierte Erkl&auml;rung zu den Merkw&uuml;rdigkeiten in dieser Privatisierungsschlacht. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nIn der jetzigen Debatte fallen eine Reihe weiterer Merkw&uuml;rdigkeiten auf:<\/p><ol>\n<li>Die Behauptung, die Privatisierung sei notwendig, um der Bahn frisches Geld zu beschaffen, wird auch jetzt immer wieder lanciert. Und selbst in einem ansonsten informativen Artikel wie in der TAZ vom 30.3. (siehe unten Ziffer 2) ist davon die Rede, die Privatisierung sei eines der Modelle, um &bdquo;die chronisch unterfinanzierte Bahn zukunftsf&auml;hig zu machen.&ldquo; Die Bahn war schuldenfrei. Bahnchef Mehdorn hat mit einer globalen Einkaufstour wesentlich zur gegenw&auml;rtigen Schuldensituation beigetragen. Hinzu kommt, dass die Teilprivatisierung nur einen relativ kleinen Betrag von vielleicht 5 Milliarden &euro; in die Kassen der Bahn bringen w&uuml;rde. Das ist l&auml;cherlich wenig gemessen an der Summe dessen, was der Bund jedes Jahr in die Infrastruktur der Bahn steckt (<a href=\"http:\/\/www.hermannscheer.de\/de\/images\/stories\/pdf\/Scheer_Friedrich_Memorandum_Bahn_mar07.pdf\">alleine f&uuml;r den Unterhalt des Bestandsschienennetzes 2,5 Milliarden Euro pro Jahr [PDF &ndash; 2 MB]<\/a>). &ndash; Und dennoch wird die Behauptung, die Privatisierung sei n&ouml;tig zur Finanzierung der Bahn, als Begr&uuml;ndung immer bem&uuml;ht. Unter anderem von Bundesverkehrsminister Tiefensee, der seit Herbst penetrant diese Unwahrheit verbreitet.<\/li>\n<li>Dieser wartete in einem Interview mit der S&uuml;ddeutschen Zeitung mit der erg&auml;nzenden Begr&uuml;ndung auf, man brauche die Privatisierung, um auf diese Weise an neue Ideen der so genannten Investoren zu kommen. Das ist grotesk angesichts dessen, was bei der Bahn notwendig ist: Die Sanierung ihres Netzes in Deutschland zum Beispiel. Dazu bedarf es keiner neuen Ideen. Im Gegenteil, diese neuen Ideen, die vermutlich auf weitere globale T&auml;tigkeit nach dem Muster von Bahnchef Mehdorn setzen, werden dem widersprechen, was im Sinne der Zukunft der Bahn als wichtiger und &ouml;kologisch vertr&auml;glicher Verkehrstr&auml;ger in Deutschland notwendig ist.<\/li>\n<li>Interessant und merkw&uuml;rdig ist die offensichtlich hergestellte Verkn&uuml;pfung mit der Unterst&uuml;tzung Kurt Becks durch seine Stellvertreter Steinmeier und Steinbr&uuml;ck in der Auseinandersetzung um den angeblichen Linksschwenk des SPD-Vorsitzenden. Siehe dazu auch den Bericht der TAZ. Mir war diese Verkn&uuml;pfung schon vor einiger Zeit aufgefallen. Man hat Beck vermutlich zu dieser Privatisierungsaktion verpflichtet gegen die Zusicherung, seinen j&auml;mmerlich betriebenen Linksschwenk-Versuch nicht zur totalen Hinrichtung zu nutzen. Trotz der angeblichen Unterst&uuml;tzung im Gegenzug zu seinem Versprechen, sich f&uuml;r die Privatisierung der Bahn einzusetzen, betreibt man dieses Gesch&auml;ft der Hinrichtung &uuml;brigens mithilfe der Truppen um die Seeheimer und mithilfe entsprechender Propaganda in der &Ouml;ffentlichkeit dennoch weiter. &ndash; Dass Kurt Beck dies nicht sieht, kann ich mir nicht vorstellen. Es ist wohl eher so, dass er sich gerne in diesen Zwang f&uuml;gt, weil er vermutlich in &auml;hnlicher Weise wie Steinbr&uuml;ck, Steinmeier, Tiefensee, die Bundeskanzlerin und Kauder der Finanzindustrie verpflichtet ist.<\/li>\n<li>Interessant und merkw&uuml;rdig ist &ndash; und dies muss deshalb ausdr&uuml;cklich notiert werden: Sowohl der Bahnchef als auch der Aufsichtsrat seines Unternehmens engagieren sich daf&uuml;r, den Eigent&uuml;mer zu entrechten, jedenfalls zu wechseln. Man muss sich das einmal &uuml;bertragen auf andere Unternehmen vorstellen: Wenn der Porsche-Chef Wiedeking darauf dr&auml;ngte, dass die Familie Porsche ihre Mehrheit am Konzern abgibt, dann w&uuml;rden sich nicht nur die Betroffenen wundern, sondern auch die &Ouml;ffentlichkeit. Mehdorn l&auml;sst man mit diesen Spielchen gew&auml;hren. Genauso den Aufsichtsrat. Aber, um bei der Parallelit&auml;t zu bleiben, die Familie Porsche w&uuml;rden auch nie zulassen, dass der Aufsichtsrat Ihres Unternehmens mehrheitlich von Familienfremden, und sogar von ihren Gegnern, beherrscht wird. Beim Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG ist das so. Dort sitzen mehrheitlich nicht Vertreter der &ouml;ffentlichen Hand. Vorsitzender ist Werner M&uuml;ller, der Chef der Ruhrkohle AG. Man sollte diese Merkw&uuml;rdigkeit beachten. Die von uns in Verantwortung gew&auml;hlten Politiker verscherbeln die Macht &uuml;ber unser Eigentum schon, bevor es tats&auml;chlich verscherbelt ist. &ndash; Bei der Telekom haben wir den Zustand erreicht, dass ein Minderheitsaktion&auml;r mit rund 4,5% der Aktien bestimmen kann, wer das Unternehmen leitet: Die Heuschrecke Blackstone und ihr Chef Schwarzmann bestimmen ganz wesentlich, was mit diesem Unternehmen geschieht, obwohl der Bund immer noch Gro&szlig;aktion&auml;r ist und vielen kleinen Aktion&auml;re in der Summe viel mehr geh&ouml;rt als der Heuschrecke.<\/li>\n<li>Warum ist die Privatisierung oder Teilprivatisierung eines Unternehmens wie der Deutschen Bahn AG f&uuml;r die Finanzwirtschaft und f&uuml;r solche Minderheitsaktion&auml;re wie bei der Deutschen Telekom so attraktiv?<br>\nZum einen verdienen einflussreiche Personen und Gruppen am Privatisierungsvorgang selbst: mit Gutachten, Provisionen, Beratungsleistungen, Propaganda und PR. Beim B&ouml;rsengang der Bahn wird es dabei um dreistellige Millionenbetr&auml;ge gehen, die unter die Beteiligten verteilt werden.<br>\nZum anderen verdienen die so genannten Investoren vermutlich an der Gesch&auml;ftspolitik der dann von ihnen mitbeherrschten Deutschen Bahn AG. Ein solches Unternehmen vergibt sehr viele Auftr&auml;ge, ein solches Unternehmen kauft und verkauft Tochterfirmen, ein solches Unternehmen besetzt viele attraktive Stellen f&uuml;r Vorstandsmitglieder, Aufsichtsr&auml;te und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer. Wer bei all diesen Vorg&auml;ngen die Finger im Spiel hat, kann bei vielen Gelegenheiten absahnen. Diese Zusammenh&auml;nge werden h&auml;ufig nicht beachtet. &Uuml;brigens auch nicht bei der Telekom. (Interessierte Journalisten sollten sich einmal darum k&uuml;mmern, in welchem Ma&szlig;e der von Blackstones Gnaden zum Chef der Telekom gewordene Obermann Personal austauscht.)<br>\nAuch in der Arbeitsgruppe der SPD werden einige sitzen, deren Spezies an solchen Gesch&auml;ften partizipieren. Anders ist der Drang auf eine Teilprivatisierung weder in diesem Kreis noch in anderen Kreisen zu verstehen. Hier sind Pl&uuml;nderer unterwegs. Nur wenn man dies verstanden hat, begreift man wirklich das ab heute wieder intensiv betriebene Vorhaben Teilprivatisierung der Deutschen Bahn.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Anlagen:<\/strong><\/p><p><strong>1. Transnet: SPD soll Bahn-Teilverkauf nicht blockieren<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/de.reuters.com\/article\/domesticNews\/idDENEI85868220080328\">Reuters (vom 28.3.2008)<\/a><\/p><p><strong>2. Unaufl&ouml;sbarer Widerspruch<\/strong><br>\nDie Umwandlung der Staatsbahn in einen privatwirtschaftlichen Dienstleister wird die SPD in n&auml;chster Zeit in Anspruch nehmen. Ab heute diskutiert die Arbeitsgruppe Bahnreform der Partei mit Parteichef Kurt Beck und Stellvertretern. Denn es geht um die Bahn &ndash; und um den Kurs der SPD.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/nc\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=sw&amp;dig=2008%2F03%2F31%2Fa0111&amp;src=GI&amp;cHash=99fa1155ab&amp;type=98\">TAZ<\/a><\/p><p><strong>3. Bahnverkauf: Mehdorn dr&auml;ngelt weiter<\/strong><br>\nAufsichtsrat der Bahn fordert schnelle Entscheidung zur Privatisierung. Am Montag tagt erstmals die entscheidende SPD-Arbeitsgruppe zum umstrittenen Bahnverkauf. 70 Prozent der Deutschen wollen eine Bahn in komplett &ouml;ffentlichem Besitz<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/nc\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=wu&amp;dig=2008%2F03%2F29%2Fa0080&amp;src=GI&amp;cHash=22b13422fc&amp;type=98\">TAZ<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die m&auml;chtige Bahn-Gewerkschaft Transnet hat die SPD aufgefordert, die Teilprivatisierung des Staatskonzerns nicht zu blockieren, hei&szlig;t es in einer <a href=\"http:\/\/de.reuters.com\/article\/domesticNews\/idDENEI85868220080328\">Meldung von Reuters<\/a> vom vergangenen Freitag (siehe unten Anlage 1). Viele Gewerkschaftsmitglieder von Transnet verstehen diesen weiteren Umfaller ihres Gewerkschaftsvorsitzenden nicht. Noch im November 2007 hatte sich die <a href=\"?p=3061\">Gewerkschaft Transnet f&uuml;r den Plan B<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3107\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[109,28,191,73],"tags":[1011,268,1234,452,596,1643],"class_list":["post-3107","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gewerkschaften","category-privatisierung","category-spd","category-verkehrspolitik","tag-beck-kurt","tag-deutsche-bahn","tag-hansen-norbert","tag-linksrutsch","tag-mehdorn-hartmut","tag-tiefensee-wolfgang"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3107","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3107"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3107\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29052,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3107\/revisions\/29052"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3107"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3107"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3107"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}