{"id":311,"date":"2005-01-04T09:02:44","date_gmt":"2005-01-04T08:02:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=311"},"modified":"2016-03-21T16:25:27","modified_gmt":"2016-03-21T15:25:27","slug":"ruckblick-im-spiegel-zeigt-strategie-20056","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=311","title":{"rendered":"R\u00fcckblick im SPIEGEL zeigt Strategie 2005\/6"},"content":{"rendered":"<p>Wer den letzten &bdquo;Spiegel&ldquo; des vergangenen Jahres noch greifbar hat, dem ist zu empfehlen, den so genannten Aufmacher mit dem Titel &ldquo;Das Jahr der Schildkr&ouml;te&rdquo; zu lesen. Darin wird einiges sichtbar erstens von der Strategie der Regierungsparteien f&uuml;r die Jahre 2005 und 2006 und zweitens von der Strategie und Widerspr&uuml;chlichkeit der Meinungsf&uuml;hrer des deutschen Neoliberalismus &ndash; die Mehrheit der Berliner Spiegel-Redaktion ist ein wichtiger Teil dessen.<br>\nHier einige Ausz&uuml;ge, teilweise mit kleinem Kommentar:<br>\n<!--more--><br>\nDER SPIEGEL 53\/2004 27.12.2004<br>\nR&uuml;ckblick: Wenig Bewegung auf der Reformbaustelle Deutschland <\/p><p><strong>&Uuml;berschrift und Vorspann:<\/strong><\/p><blockquote><p>Das Jahr der Schildkr&ouml;te<br>\n2004 hat Gerhard Schr&ouml;der seine Rolle gefunden, Angela Merkel ihre verloren. Der Kanzler zeigte sich standhaft, die Oppositionsf&uuml;hrerin musste Federn lassen. Doch insgesamt ist das Land nicht viel weiter gekommen. Die Reformen greifen noch nicht, die Probleme nehmen zu.&rdquo;<\/p><\/blockquote><blockquote><p>2004 war ein Jahr des Verschlei&szlig;es. Die Regierung hat sich in der Umsetzung der Reformen ersch&ouml;pft, die Opposition in der Erarbeitung eines Reformprogramms und die Bev&ouml;lkerung, zum Teil, im Widerstand gegen Reformen. Deutschland wirkt m&uuml;de, aber auch ver&auml;ndert. Es war kein vergebliches Jahr, wenn sich die Politiker dazu aufraffen k&ouml;nnten, das Erreichte als Basis f&uuml;r den n&auml;chsten Schritt zu nehmen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Kanzler Schr&ouml;der: Steherqualit&auml;ten nach Jahren best&auml;ndiger Wackelei.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Bildunterschrift unter einem schnell voranschreitenden Kanzler Schr&ouml;der. <\/p><p><strong>Bericht &uuml;ber Schr&ouml;ders Reaktion auf einen Eierwerfer in Wittenberge:<\/strong><\/p><blockquote><p>Schr&ouml;der zeigte sich unbeeindruckt von der Attacke. &lsquo; Wir werden diesen Prozess gegen jeden Protest durchsetzen, weil wir fest davon &uuml;berzeugt sind, dass es eine vern&uuml;nftige Alternative f&uuml;r unser Land und unsere Menschen nicht gibt&rsquo;, rief er den Wittenbergern zu. (&hellip;) Er wirkte nie so ernsthaft wie im Kampf um die Reformen. In Wittenberge, sagen seine Vertrauten, war der Wendepunkt.&rdquo;<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Die SPD kommt in den Umfragen noch immer nicht &uuml;ber 34 Prozent hinaus. Und Schr&ouml;der hat kaum Erfolge seiner Reformpolitik zu vermelden. Es ist noch zu fr&uuml;h f&uuml;r eine Bilanz, aber ein bisschen Bewegung nach oben h&auml;tte man sich schon gew&uuml;nscht. Stattdessen wurden die Prognosen f&uuml;r das kommende Jahr gerade nach unten korrigiert. Viel mehr als ein Prozent Wachstum ist wohl nicht drin.<br>\nDas ist das Traurige des Jahres 2004. Es wurde so viel Aufwand betrieben f&uuml;r Reformen, auf der B&uuml;hne und auf der Probeb&uuml;hne, aber Deutschland ist allenfalls im Schildkr&ouml;tentempo weiter gekommen. Und wer hat jetzt noch Kraft f&uuml;r den n&auml;chsten Anlauf? (&hellip;)&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Die Reformen haben zwar nichts, vor allem nicht den Wirtschaftsaufschwung, gebracht. Aber es soll so weitergehen. Allein schon die Tatkraft und die Bewegung beeindrucken. <\/p><blockquote><p>Nach Merkels Erfahrungen wird Schr&ouml;der den Teufel tun, das eigene &Uuml;berleben an eine neue, radikalere Reformen zu binden. So wurde 2004 auch zu dem Jahr, an dessen Ende der Reformelan in der Politik gestoppt wurde. Das ist doppelt schade, weil 2004 auch das Jahr ist, indem sich die Deutschen darin ein&uuml;bten, Reformen zu erdulden und mitzutragen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Die meinungsf&uuml;hrenden Eliten machen eine Tugend daraus, dem Volk ihre politische Linie &ndash; die Reformen zu Lasten der Sozialstaatlichkeit &ndash; aufzuzwingen. <\/p><blockquote><p>Es begann als ein Jahr des Widerstands. &hellip; die Gewerkschaften k&uuml;ndigten gro&szlig;e Protestwellen an. Dann kam der Sommer, und in Ostdeutschland gingen Zehntausende gegen Hartz IV auf die Stra&szlig;e.<br>\nAber all dies verebbte relativ schnell. So glauben 87 Prozent der Bundesb&uuml;rger, dass weitere Reformen notwendig seien. Gerade mal drei Prozent sagen, die bisher eingeleiteten Schritte gingen schon zu weit und seien ungerecht.<br>\nAber 79 Prozent der B&uuml;rger sind bereit, bei gleichem Lohn l&auml;nger zu arbeiten, um die deutsche Wirtschaft im internationalen Wettbewerb zu st&auml;rken und um Arbeitspl&auml;tze zusichern. Es sieht so aus, als h&auml;tten sich die Anspr&uuml;che verkleinert. Man sucht ein neues Ma&szlig;&hellip;.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Es wird wie &uuml;blich insinuiert, wir h&auml;tten ein Wettbewerbsproblem und Arbeitszeitverl&auml;ngerung w&uuml;rde Arbeitspl&auml;tze sichern<\/p><p>Die Umfrage wird ohne Quellenangabe zitiert. Sie kann also willk&uuml;rlich sein. Allerdings ist vermutlich richtig, dass ein Teil der von Hartz IV Betroffenen resigniert hat. Das kann sich in Umfragen dann niederschlagen, wenn jene, die keine Angaben machen, auf den Rest der Antworten verteilt werden oder einfach weggelassen werden. Die Eliten haben in 2004 gelernt, dass man mit geschickter Propaganda die Mehrheit der Sich-weiter-beteiligenden f&uuml;r den eigenen Kurs gewinnen kann. Man mu&szlig; nur zynisch genug sein, auf die Resignierten zu verzichten. <\/p><p>Interessant in diesem Kontext ist eine Bemerkung des SPIEGEL zu M&uuml;ntefering:. <\/p><blockquote><p>Im September konnte er erstmals wieder Luft holen. Frech erkl&auml;rte M&uuml;ntefering die Wahlen in Brandenburg und Sachsen trotz herber Verluste zum Erfolg und drang damit durch.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Der &bdquo;Spiegel&ldquo; h&auml;tte dabei nur noch erw&auml;hnen m&uuml;ssen, dass diese richtig beobachtete und gelungene Manipulation nur m&ouml;glich war, weil die Hauptmedien dies unkritisch genauso interpretierten, mit dem immer wiederkehrenden Unterton, die Reformen m&uuml;ssten weitergehen. <\/p><blockquote><p>Wachstumsrate der Bundesrepublik wird 2005 im EU-Vergleich voraussichtlich Schlusslicht sein. So allm&auml;hlich sickert durch, dass ein Land mit solchen Leistungen sich nicht allzu viel g&ouml;nnen sollte. Realismus kehrt ein. Das ist eine Chance f&uuml;r reformenfreudige Politiker.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Autosuggestion .<\/p><blockquote><p>Die Politiker sind erlahmt oder verunsichert von den ersten Reformschritten, aber das Land braucht mehr Tatkraft denn je. &hellip; Die Hoffnungen richten sich nun auf Horst K&ouml;hler, den Bundespr&auml;sidenten&hellip; K&ouml;hler hat vor Amtsantritt den Mund sehr voll genommen. Er wolle etwas &auml;ndern im Land und den Deutschen Mut zur Ver&auml;nderung einhauchen. 2004 hat er noch nichts erreicht, weil er Zeit brauchte, um sich in sein Amt einzufinden.2005 wird f&uuml;r ihn die gro&szlig;e Bew&auml;hrungsprobe.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Selbst kleine Details stimmen nicht. Horst K&ouml;hler hat schon 2004 st&auml;ndig f&uuml;r Ver&auml;nderungen geworben. <\/p><p>P.S.: Der politische Leitartikel im ersten SPIEGEL im Neuen Jahr ist erneut Ausdruck der Hilflosigkeit und Widerspr&uuml;chlichkeit der Strategie der Spiegel-&Ouml;konomen: <\/p><blockquote><p>Ohne die Inanspruchnahme gewaltiger Kredite &ndash; allein 2004 kamen &uuml;ber 43 Milliarden Euro neu ins Soll &ndash; m&uuml;sste Deutschland ein Minuswachstum ausweisen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Eine seltsame Einlassung, denn sonst wird doch immer behauptet, staatliches Defizitspending br&auml;chte gar nichts! <\/p><blockquote><p>Aber immerhin gelang es Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, einen Kostenblock von acht Milliarden Euro, so die aktuelle Hochrechnung, von den Kassen zu den Privathaushalten zu verlagern.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Eine tolle Gesundheitsreform, nicht wahr? <\/p><p><strong>Zu Hartz:<\/strong><\/p><blockquote><p>Die Mehrzahl der Deutschen f&uuml;rchtet: viel Aufwand f&uuml;r wenig Ertrag. Innerhalb der Regierung das gleiche Meinungsbild. Kaum jemand glaubt noch daran, dass die Hartz-Gesetze f&uuml;r ein Besch&auml;ftigungswunder sorgen. Wenn es f&uuml;r den Kanzler gut geht, wird es mit Hartz IV so enden wie mit Hartz I bis III: Der Effekt ist nicht messbar, aber alle haben den Eindruck, dass die Reform das Schlimmste verhindert hat.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Ein vernichtenderes Urteil &uuml;ber die Hartz-Reformen kann man eigentlich nicht f&auml;llen. Aber keiner beim &bdquo;Spiegel&ldquo; kommt auf die Idee, zu zweifeln, dass dieser &bdquo;Reform&ldquo;-Kurs&ldquo; richtig ist. Im Gegenteil, die Parole lautet: Dosis erh&ouml;hen und mit ein paar Ministerwechseln kann man das Scheitern schon &uuml;berspielen. <\/p><blockquote><p>Eine so lange Phase der Stagnation mit vergleichbar schwachen Wachstumsraten hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie gegeben. Die &Ouml;konomen haben kaum Hoffnung, dass 2005 der Wiederaufstieg gelingen k&ouml;nnte.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Hoffnungslose &Ouml;konomen mit &ouml;konomischen Konzepten, die hoffnungslos abw&auml;rts f&uuml;hren. Warum vertraut man ihren Rezepten eigentlich noch. Jeder Patient w&uuml;rde bei einer solchen Therapie den Arzt wechseln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer den letzten &bdquo;Spiegel&ldquo; des vergangenen Jahres noch greifbar hat, dem ist zu empfehlen, den so genannten Aufmacher mit dem Titel &ldquo;Das Jahr der Schildkr&ouml;te&rdquo; zu lesen. 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