{"id":31260,"date":"2016-02-15T09:42:53","date_gmt":"2016-02-15T08:42:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31260"},"modified":"2024-08-22T16:07:28","modified_gmt":"2024-08-22T14:07:28","slug":"fukushima-ist-ueberall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31260","title":{"rendered":"Fukushima ist \u00fcberall"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160215_rosen.jpg\" alt=\"Alex Rosen\" title=\"Alex Rosen\"><\/div><p>Vor 30 Jahren, am 26. April 1986, fand die M&auml;r von der &bdquo;sicheren Atomkraft&rdquo; mit dem Super-GAU von Tschernobyl ein abruptes Ende. Millionen von Menschen wurden direkt durch radioaktiven Niederschlag betroffen; viele starben und noch viel mehr leiden bis heute an den Folgen der Strahlung. Vor 5 Jahren, am 11. M&auml;rz 2011, zeigte sich, dass die Menschheit die Lektion von Tschernobyl nicht gelernt hatte, als es in Fukushima zu einem mehrfachen Super-GAU kam, dessen von einer Interessengemeinschaft aus atomfreundlichen Regierungen, korrupten Beh&ouml;rden und m&auml;chtiger Atomlobby weitgehend vertuschten Folgen nach wie vor gesundheitliche Gefahren f&uuml;r Millionen von Menschen weltweit &ndash; <a href=\"http:\/\/www.fukushima-disaster.de\/deutsche-information\/super-gau\/artikel\/4fa1978f658d8939cdbf22613ea75246\/eu-will-restriktionen-fuer-lebensmit.html\">auch in Deutschland<\/a> &ndash; zeitigen. Zum Kontext sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit <strong>Alex Rosen<\/strong>, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Sektion der Internationalen &Auml;rzte f&uuml;r die Verh&uuml;tung des Atomkrieges, &Auml;rzte in sozialer Verantwortung.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8825\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-31260-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160215_Interview_mit_Alex_Rosen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160215_Interview_mit_Alex_Rosen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160215_Interview_mit_Alex_Rosen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160215_Interview_mit_Alex_Rosen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=31260-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160215_Interview_mit_Alex_Rosen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160215_Interview_mit_Alex_Rosen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Rosen, Sie sind einer der Referenten auf dem internationalen IPPNW-Kongress &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.tschernobylkongress.de\/\">5 Jahre Leben mit Fukushima &ndash; 30 Jahre Leben mit Tschernobyl<\/a>&ldquo;, der vom 26. bis 28. Februar in Berlin stattfinden wird. Warum dieser Kongress?<\/strong><\/p><p>Tschernobyl und Fukushima &ndash; beide Atomkatastrophen stehen stellvertretend f&uuml;r das enorme menschliche Leid, die generations&uuml;bergreifenden gesundheitlichen Folgen und die &ouml;kologische Zerst&ouml;rung, die in den letzten 70 Jahren durch die Nukleare Kette verursacht wurden. Ein Leid, das f&uuml;r die betroffenen Menschen bis heute andauert.<\/p><p>Daran wollen wir anl&auml;sslich der runden Jahrestage erinnern und haben dazu namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Japan, der ehemaligen Sowjetunion, Deutschland, den USA und aller Welt eingeladen. Au&szlig;erdem werden engagierte Aktivisten dabei sein, die die Menschen in den verstrahlten Gebieten seit vielen Jahren ehrenamtlich unterst&uuml;tzen. <\/p><p>Nicht zuletzt wollen wir den Blick nach vorne wenden und &uuml;ber die Energiewende und den weltweiten Atomausstieg sprechen &ndash; es ist zwar noch ein weiter Weg dorthin, aber der Kongress wird versuchen, dazu beizutragen, dass wir eine Welt ohne Nukleare Bedrohung noch erleben.<\/p><p><strong>Das hei&szlig;t, w&auml;hrend das Thema aus den Leitmedien l&auml;ngst verschwunden ist, ist es in der Realit&auml;t noch immer hochaktuell, die gesundheitlichen, sozialen und &ouml;kologischen Konsequenzen beider Ungl&uuml;cke noch immer vorhanden, eine Gefahr? Inwiefern denn konkret?<\/strong><\/p><p>Die <a href=\"https:\/\/www.ippnw.de\/\">IPPNW<\/a> hat f&uuml;r eine Publikation zu den gesundheitlichen Folgen der atomaren Katastrophen von Fukushima und Tschernobyl internationale Studienergebnisse ausgewertet. Dabei l&auml;sst sich feststellen, dass sowohl die Sowjetregierung und die jeweiligen Nachfolgeregierungen als auch die japanische Regierung systematisch Methoden benutzten, um Folgen f&uuml;r die Gesundheit und Umwelt m&ouml;glichst zu vertuschen. <\/p><p>So wird die Analyse der gesundheitlichen Folgen von Tschernobyl bis heute durch eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Sachverhalte erschwert: Wesentliche Daten zum Ablauf der Tschernobyl-Katastrophe und zu den gesundheitlichen Folgen sind nicht frei zug&auml;nglich und unterliegen der Geheimhaltung. In den ersten Jahren nach der Katastrophe wurden vom Ministerium f&uuml;r Gesundheitswesen der UdSSR und vom KGB zudem zahlreiche Verbote ausgesprochen, die zur Folge hatten, dass f&uuml;r die Beurteilung der Lage wesentliche Informationen nicht gewonnen, geheim gehalten oder verf&auml;lscht wurden. <\/p><p>Und auch in Japan setzt die aktuelle, mit der Atomindustrie eng verbandelte Regierung alles daran, die <a href=\"http:\/\/www.fukushima-disaster.de\/deutsche-information\/super-gau.html\">Akte Fukushima<\/a> so schnell wir m&ouml;glich zu schlie&szlig;en. So werden au&szlig;er der <a href=\"http:\/\/www.fukushima-disaster.de\/deutsche-information\/super-gau\/artikel\/c0954b1c87134eef0b3444d988c2d152\/da-nicht-sein-kann-was-nicht-sein-da.html\">Reihenuntersuchung kindlicher Schilddr&uuml;sen<\/a> in der Pr&auml;fektur Fukushima keinerlei epidemiologischen Studien durchgef&uuml;hrt &ndash; getreu dem Motto: Was nicht untersucht wird, kann auch nicht gefunden werden. Auch wurden Gesetzte zum sogenannten &ldquo;Geheimnisverrat&rdquo; erlassen, die es Journalisten und Wissenschaftlern erschweren sollen, unabh&auml;ngig zu den Ereignissen in Fukushima zu forschen und zu berichten. Dabei betreffen beide Atomkatastrophen nicht nur die lokale Bev&ouml;lkerung, sondern Millionen von Menschen weltweit &ndash; bis heute. <\/p><p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p><p>Der Super-GAU von Tschernobyl stellte die gr&ouml;&szlig;te nukleare Katastrophe des 20. Jahrhunderts dar. Sie betrifft noch immer Millionen von Menschen und zwar weltweit: Dazu geh&ouml;ren die sch&auml;tzungsweise 830.000 Aufr&auml;umarbeiter, mehr als 350.000 Evakuierte aus der 30-Kilometer-Zone und weiteren sehr stark kontaminierten Regionen, circa 8,3 Millionen Menschen aus den stark strahlenbelasteten Regionen in Russland, Wei&szlig;russland und der Ukraine sowie etwa 600 Millionen Menschen in anderen Teilen Europas, die geringeren Strahlendosen ausgesetzt wurden. <\/p><p>Rund 36 Prozent der Gesamtradioaktivit&auml;t ging damals &uuml;ber Wei&szlig;russland, Russland und der Ukraine nieder, etwa 53 Prozent &uuml;ber dem Rest Europas. 11 Prozent verteilten sich &uuml;ber den restlichen Globus. Zu den Gesundheitsfolgen geh&ouml;ren eine Erh&ouml;hung des Krebsrisikos, Nichtkrebserkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie St&ouml;rungen des Erbguts.<\/p><p>Auch die atomare Katastrophe von Fukushima ist noch lange nicht vorbei. Tagt&auml;glich flie&szlig;en laut Angaben von TEPCO rund 300 Tonnen radioaktives Abwasser ins Meer. Die Dekontaminationsbem&uuml;hungen sind ins Stocken geraten und werden immer wieder durch Verwehung radioaktiver Partikel zunichte gemacht. Die Dekontamination von Bergz&uuml;gen, W&auml;ldern und Feldern hat sich selbst im erfolgsverw&ouml;hnten und technikgl&auml;ubigen Japan als illusorisch herausgestellt. Die Beh&ouml;rden graben radioaktive Nuklide in tiefere Bodenschichten, vers&auml;umen es aber, den Anstieg der &ouml;ffentlichen Strahlenexposition durch radioaktives C&auml;sium-137 im Grundwasser und in der Nahrungskette zu ber&uuml;cksichtigen. Die gef&auml;hrliche Bergung des radioaktiven Materials aus den havarierten Kraftwerksbl&ouml;cken wird noch mehrere Jahrzehnte dauern und viele Milliarden an Steuergeldern verschlingen. C&auml;sium-137 hat eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren. Das bedeutet, dass f&uuml;r etwa drei Jahrhunderte relevante Strahlenmengen in Feldern, Wiesen und W&auml;ldern verbleiben werden. <\/p><p>Millionen von Menschen wurden und werden seit Beginn der Katastrophe erh&ouml;hten Strahlendosen ausgesetzt &ndash; vor allem in den Regionen mit relevantem radioaktiven Niederschlag, aber auch in weniger belasteten Teilen des Landes, wo Menschen mit verstrahltem Trinkwasser und radioaktiv kontaminierter Nahrung konfrontiert werden.<\/p><p><strong>Aber uns wird doch best&auml;ndig vermittelt, beide Ereignisse seien &bdquo;erledigt&ldquo;, es best&uuml;nde keinerlei weitere Gefahr&hellip;<\/strong><\/p><p>Organisationen der Atomlobby wie die Internationale Atomenergieorganisation IAEO oder der Wissenschaftliche Ausschuss der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen Atomarer Strahlung UNSCEAR spielen die Folgen der atomaren Katastrophen bis heute herunter &ndash; und die Weltgesundheitsorganisation WHO, die eigentlich &ndash; zum Schutz der Gesundheit der Menschen &ndash; unabh&auml;ngige Gutachten zu dem Thema erstellen sollte, hat hier keine Kompetenzen und vertraut blind auf die Ansagen der Atomlobby und der IAEO. Man muss wissen, dass es der WHO laut einem Abkommen mit der IAEO vom Mai 1959 nicht erlaubt ist, unabh&auml;ngig von der IAEO &uuml;ber medizinische Folgen von Nuklearkatastrophen wie Tschernobyl und Fukushima zu forschen und zu berichten. Doch der Hauptzweck der IAEO besteht laut Satzung darin, die Nutzung der Atomenergie zu f&ouml;rdern. Ein Widerspruch, der nicht aufl&ouml;sbar ist. <\/p><p>Die Angabe der IAEO von lediglich 4.000 Toten als Folge von Tschernobyl stellt eine gravierende Untersch&auml;tzung und den unverhohlenen Versuch der Atomlobby dar, die Folgen von Tschernobyl kleinzurechnen. Betrachtet man die wichtigsten internationalen Forschungsergebnisse, so liegt die Anzahl der zu erwartenden tschernobylbedingten Krebserkrankungen zwischen einigen Zehntausend und rund 850.000. Die Zahl der erwarteten Krebstodesf&auml;lle schwankt aufgrund der ungenauen Datenlage zwischen einigen Zehntausend und 400.000.&#8232;&#8232;Und auch im Fall der atomaren Katastrophe von Fukushima haben IAEO und UNSCEAR versucht, nach nur f&uuml;nf Jahren eine abschlie&szlig;ende Aussage &uuml;ber Langzeitfolgen der Atomkatastrophe zu treffen, indem sie behaupteten, dass es zu keinen &bdquo;relevanten&ldquo; oder &bdquo;messbaren&ldquo; Strahlenfolgen in der betroffenen Bev&ouml;lkerung kommen w&uuml;rde. Da sich Krebs- und Herzkreislauferkrankungen erst nach Jahren und Jahrzehnten klinisch manifestieren, ist eine solche Aussage unwissenschaftlich und unseri&ouml;s. Das zeigt sich auch in der Tatsache, dass die Mitglieder von UNSCEAR sich in ihrem Bericht im Wesentlichen auf die Angaben der IAEO, der Betreiberfirma TEPCO und der japanischen Atombeh&ouml;rden st&uuml;tzen. Neutrale unabh&auml;ngige Institute und Forschungseinrichtungen werden ignoriert. Zur Sch&auml;tzung des Gesamtaussto&szlig;es von Radioaktivit&auml;t werden Studien der japanischen Atomenergiebeh&ouml;rde herangezogen, statt die deutlich h&ouml;heren Berechnungen unabh&auml;ngiger Institute zu ber&uuml;cksichtigen. Die Strahlendosen der Kraftwerksarbeiter wurden gr&ouml;&szlig;tenteils direkt von der umstrittenen Betreiberfirma TEPCO &uuml;bernommen. Die Vielzahl an Berichten &uuml;ber Manipulationen und Ungereimtheiten bez&uuml;glich dieser Messwerte &uuml;bersehen die Autoren wohlwollend.<\/p><p><strong>Haben Medien und Politik also vertuscht?<\/strong><\/p><p>In Japan sind Politik, Medien und Atomindustrie eng verflochten. Das sogenannte &ldquo;Nukleare Dorf&rdquo; hat gro&szlig;en politischen Einfluss bis hin in die Regierung. Die Geheimhaltung der unbequemen Wahrheiten ist durch das neue japanische Geheimhaltungsgesetz sogar noch einfacher und umfangreicher geworden. Die Vertuschung beginnt bereits mit den amtlichen Mess-Stationen. Sie rechnen die Umgebungsstrahlung systematisch herunter. Der Umweltjournalist Alexander Tetsch berichtete nach einer Recherche-Reise, dass &uuml;ber 80 Prozent der 3.141 offiziellen Messstationen zu geringe Ortsdosis-Werte anzeigen w&uuml;rden, h&auml;ufig nur die H&auml;lfte bis zu zwei Drittel des wahren Wertes. Um den Messsensor des Ger&auml;ts herum wurden Blei-Akkus zur Gew&auml;hrleistung einer unterbrechungsfreien Stromversorgung angeordnet. Blei ist jedoch eines der f&uuml;r Strahlung undurchdringlichsten Materialien.<\/p><p>Noch ein Beispiel: Um von Beginn an die Entwicklung der Schilddr&uuml;senkrebsf&auml;lle in der Bev&ouml;lkerung zu &uuml;berwachen, hat die Medizinische Universit&auml;t von Fukushima den sogenannten &ldquo;Fukushima Health Management Survey&rdquo; begonnen. Diese Studie stellt die einzige gro&szlig; angelegte wissenschaftliche Untersuchung von Langzeitfolgen der Atomkatastrophe in Fukushima dar. Die Studie wurde von dem umstrittenen japanischen Wissenschaftler Shunichi Yamashita initiiert, der unter anderem dadurch bekannt wurde, dass er den Menschen in Fukushima dazu riet, mehr zu l&auml;cheln, da dies dazu f&uuml;hren w&uuml;rde, Strahlensch&auml;den zu verhindern, und der allgemein die gesundheitlichen Folgen ionisierender Strahlung entgegen aller wissenschaftlicher Erkenntnisse verharmlost. Noch viel schwerer wiegt aber die Tatsache, dass er als Berater der zust&auml;ndigen Notfallbeh&ouml;rden ma&szlig;geblich die Verteilung von Jodtabletten verhinderte &ndash; eine Entscheidung, die sogar er selbst im Nachhinein als falsch bezeichnet. Vonseiten der Elternorganisationen in Fukushima wurde zudem vielfach kritisiert, dass die Untersuchungen an der FMU mit einer Dauer von 2 bis 3 Minuten zu kurz und oberfl&auml;chlich seien, dass die Ultraschallbilder der Kinder den Familien vorenthalten werden und dass Arztpraxen in der Pr&auml;fektur schriftlich ermahnt wurden, Kinder aus der Studie nicht nachzuuntersuchen und keine Zweitmeinungen abzugeben. Betroffene Kinder, die au&szlig;erhalb der Pr&auml;fektur leben, wurden ebenso wenig in die Studie eingeschlossen wie zahlreiche Kinder, deren Familien nach der Katastrophe die Pr&auml;fektur verlassen haben. Alles in allem m&uuml;ssen die Ergebnisse der von ihm geleiteten Studie aufgrund mangelnder Objektivit&auml;t allermindestens kritisch betrachtet werden.<\/p><p>Sie d&uuml;rfen zudem nicht vergessen, dass allein die Behauptung, die Naturkatastrophen mit Erdbeben und Tsunami seien f&uuml;r den katastrophalen Unfallverlauf bestimmend, eine Legende der Atomindustrie ist. In ihrem offiziellen Bericht vom Juni 2012 kam die unabh&auml;ngige Untersuchungskommission des japanischen Parlaments zu dem Schluss, dass wir es bei der Atomkatastrophe von Fukushima mit einem &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/parlamentsbericht-veroeffentlicht-fukushima-unglueck-von-menschenhand-gemacht-11810751.html\">Ungl&uuml;ck von Menschenhand<\/a>&rdquo; zu tun haben.<\/p><p>W&auml;hrend Japan in Bezug auf Notfallplanungen bei Erdbeben und Tsunamis zu den am besten vorbereiteten L&auml;ndern der Welt geh&ouml;rt, waren die japanischen Beh&ouml;rden vom dreifachen Super-GAU und der Ausbreitung der radioaktiven Wolke hoffnungslos &uuml;berfordert. Der damalige japanische Regierungschef Naoto Kan hat nachtr&auml;glich zu Protokoll gegeben, dass die Metropolregion Tokio-Yokohama mit &uuml;ber 50 Millionen Einwohnern &ldquo;nur um ein Haar&rdquo; der radioaktiven Kontamination entgangen sei. Ein einziger Tag mit Wind aus dem Norden in diesen Tagen h&auml;tte gro&szlig;e Teile Tokios verstrahlt und zur Evakuierung der japanischen Hauptstadt gef&uuml;hrt. <\/p><p><strong>Ich fasse zusammen: Eine Interessengemeinschaft aus atomfreundlichen Regierungen, korrupten Beh&ouml;rden und m&auml;chtiger Atomlobby steckt hinter der Vertuschung der gesundheitlichen und &ouml;kologischen Folgen von Atomkatastrophen und dem Versuch, die gesundheitlichen Folgen ionisierender Strahlung allgemein kleinzureden. Haben Sie denn Belege f&uuml;r Ihre Kritik?<\/strong><\/p><p>Ex-Regierungschef <em>Naoto Kan<\/em> selbst beschreibt in seinem Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.iudicium.de\/katalog\/86205-426.htm\">Als Premierminister w&auml;hrend der Fukushima-Krise<\/a>&ldquo; wie die Atomlobby nach seiner Bekehrung zum Atomkraftgegner mit Unterst&uuml;tzung des jetzigen Premiers <em>Shinzo Abe<\/em> im September 2011 seinen R&uuml;cktritt vorantrieb.<\/p><p>Und Fragen hinsichtlich der Unabh&auml;ngigkeit und Objektivit&auml;t der Untersuchungen zu den gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe wirft beispielsweise eine offizielle Vereinbarung zwischen der IAEO und den Pr&auml;fekturen Fukushima und Fukui auf. Die Zeitung <em>Tokio Shimbun<\/em> zitierte Ende 2013 aus der Vereinbarung: &bdquo;Wenn eine der Beteiligten bez&uuml;glich einer Information einen Geheimhaltungsstatus w&uuml;nscht, so werde die andere Seite diesen Wunsch ber&uuml;cksichtigen&ldquo;. Die Vertr&auml;ge bestehen seit Oktober 2013 f&uuml;r die Pr&auml;fektur Fukui bzw. Dezember 2012 f&uuml;r die Pr&auml;fektur Fukushima. In der Pr&auml;fektur Fukushima geht es um die Daten der Gesundheitserhebungen durch die Medizinische Fakult&auml;t Fukushima und die Verfahren der Atomm&uuml;llentsorgung in der Pr&auml;fektur. In Fukui bezieht sich die Geheimhaltungsvereinbarung auf die Ausbildung qualifizierter Atomarbeiter in den Atomkraftwerken der Region.<\/p><p>Zudem wurde bekannt, dass UNSCEAR vom japanischen Au&szlig;enministerium 71.000.000 Yen &ndash; das sind circa 483.000,- Euro &ndash; erhalten hat, um die Bev&ouml;lkerung in Fukushima industrie- und regierungsfreundlich zu informieren und &bdquo;&uuml;berfl&uuml;ssige Sorgen bez&uuml;glich Strahlenfolgen zu beseitigen&ldquo;. <\/p><p><strong>Und was erwarten Sie nun von dem Kongress? Was ist Ihr Ziel?`<\/strong><\/p><p>Wir wollen den Blick der &Ouml;ffentlichkeit anl&auml;sslich der runden Jahrestage darauf lenken, was es f&uuml;r die betroffenen Menschen bedeutet, seit 30 Jahren mit den Folgen von Tschernobyl und seit 5 Jahren mit den Folgen von Fukushima zu leben. <\/p><p>Wir werden unsere Forderungen nach einem sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie erneuern, aber auch einen Blick nach vorne wagen. Denn aus der katastrophalen atomaren Vergangenheit zu lernen, bedeutet, eine Welt ohne atomare Risiken zu denken und umzusetzen. <\/p><p><strong>Noch ein letztes Wort?<\/strong><\/p><p>Ja. Inzwischen ist wissenschaftlich anerkannt, dass jede auch noch so kleine Menge an radioaktiver Strahlung Krebs ausl&ouml;sen kann. Es gibt keine Schwellendosis, unterhalb derer Strahlung ungef&auml;hrlich w&auml;re. Chronische Exposition mit Radioaktivit&auml;t kann zu Leuk&auml;mien, Lymphomen und zu soliden Tumoren f&uuml;hren, sowie zu Herzkreislauferkrankungen, Grauem Star und Autoimmunerkrankungen.<\/p><p>In der Debatte &uuml;ber die Gesundheitsfolgen der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima geht es um mehr als nur das Prinzip der unabh&auml;ngigen Forschung, die sich dem Einfluss m&auml;chtiger Lobbygruppen nicht beugt. Es geht auch und vor allem um das Menschenrecht auf Gesundheit und eine gesunde Umwelt. Deswegen setzen wir &Auml;rzte den Berichten der Atomlobby auf dem internationalen Kongress in Berlin unsere eigene kritische Erwiderung entgegen.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Alex Rosen<\/strong> (Dr. med.) ist Kinder- und Jugendarzt und seit 2013 Vorstandsmitglied und Stellvertretender Vorsitzender der deutschen IPPNW Sektion. Er hat sich als Europ&auml;ischer Studierendensprecher der IPPNW engagiert und war von 2004 bis 2008 Mitglied im internationalen Board of Directors  &ndash; 2 Jahre als Internationaler Studierendensprecher und zwei Jahre als stellvertretender Vorsitzender. Die gesundheitlichen Folgen von Tschernobyl und Fukushima sind sein aktueller Arbeitsschwerpunkt.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterschauen:<\/strong><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/HYNKy2xm9DI\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>ZDFzoom: T&auml;uschen, tricksen, drohen: Die Fukushima-L&uuml;ge<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Vimeo\" data-provider-slug=\"vimeo\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Vimeo &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Vimeo zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"\" width=\"500\" height=\"281\" frameborder=\"0\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/97710790?title=0&amp;byline=0\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"vimeo\">Inhalte von Vimeo nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>Alexander Neureuter: Fukushima 360<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/6ZBlptKF3zw\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div> <\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>Angelika Clau&szlig;en, europ&auml;ische IPPNW-Pr&auml;sidentin: The Risk of Low Dose Radiation<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Artikel: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.ausgestrahlt.de\/informieren\/atomunfall\/\">Atomunfall &ndash; sicher ist nur das Risiko<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Fact Sheet: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.ausgestrahlt.de\/informieren\/atomunfall\/fukushima\/\">Die Atomkatastrophe von Fukushima<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Studie: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.tschernobylkongress.de\/fileadmin\/user_upload\/pdfs\/Tschernobyl_Studie_2011_web.pdf\">Gesundheitliche Folgen von Tschernobyl<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Fact Sheet: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.fukushima-disaster.de\/deutsche-information\/super-gau.html\">Gesundheitliche Auswirkungen der Atomkatastrophe von Fukushima<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Brosch&uuml;re: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.ausgestrahlt.de\/media\/filer_public\/d5\/88\/d588d928-1e66-4519-869e-243d5bad0703\/broschuere-tschernobyl-fukushima.pdf\">Tschernobyl und Fukushima. Fragen und Antworten zu den beiden bisher gr&ouml;&szlig;ten Katastrophen<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Brosch&uuml;re: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.ippnw.de\/commonFiles\/pdfs\/Atomenergie\/Kalkulierter_Strahlentod_Report_foodwatch-IPPNW_2011-09-20.pdf\">Kalkulierter Strahlentod. Die Grenzwerte f&uuml;r radioaktiv verstrahlte Lebensmittel in der EU und in Japan<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Rainer Roth und Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.klartext-info.de\/broschueren\/Der_Kernschmelze_keine_Chance20111027_A5.pdf\">Alle AKW sofort stilllegen! Der Kernschmelze keine Chance!<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\"><strong>eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/strong><\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/355e0c66427e4fab8dc432edacc2d35d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160215_rosen.jpg\" alt=\"Alex Rosen\" title=\"Alex Rosen\"\/><\/div>\n<p>Vor 30 Jahren, am 26. April 1986, fand die M&auml;r von der &bdquo;sicheren Atomkraft&rdquo; mit dem Super-GAU von Tschernobyl ein abruptes Ende. Millionen von Menschen wurden direkt durch radioaktiven Niederschlag betroffen; viele starben und noch viel mehr leiden bis heute an den Folgen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31260\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[163,107,212,209,127,11],"tags":[700,1262,1062,1829,1828,439],"class_list":["post-31260","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-atompolitik","category-audio-podcast","category-gedenktagejahrestage","category-interviews","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-strategien-der-meinungsmache","tag-atomausstieg","tag-atomkatastrophe","tag-fukushima","tag-ippnw","tag-tschernobyl","tag-who"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31260","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=31260"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31260\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120043,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31260\/revisions\/120043"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=31260"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=31260"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=31260"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}