{"id":3141,"date":"2008-04-11T14:30:50","date_gmt":"2008-04-11T12:30:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3141"},"modified":"2015-11-25T15:56:04","modified_gmt":"2015-11-25T14:56:04","slug":"ein-alt-bundespraesident-als-volksverhetzer-der-sittenverfall-beschleunigt-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3141","title":{"rendered":"Ein Alt-Bundespr\u00e4sident als Volksverhetzer \u2013 der Sittenverfall beschleunigt sich"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Der hat gut hetzen, der hat ein dickes Polster&ldquo;, meinte meine Nachbarin, als sie Roman Herzogs &Auml;u&szlig;erungen in der Bild-Zeitung las. Einer unserer Leser machte mich auf &sect; 130 (Volksverhetzung) des Strafgesetzbuches aufmerksam. Text und Geist dieses Paragraphen passen auf die Warnungen Herzogs vor einer &bdquo;Rentner-Demokratie&ldquo;. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nLesen Sie selbst. So lautet &sect; 130 (1) Strafgesetzbuch:<\/p><blockquote><p>Wer in einer Weise, die geeignet ist, den &ouml;ffentlichen Frieden zu st&ouml;ren, <\/p>\n<ol>\n<li>zum Hass gegen Teile der Bev&ouml;lkerung aufstachelt oder zu Gewalt- oder Willk&uuml;rma&szlig;nahmen gegen sie auffordert oder<\/li>\n<li>die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Menschenw%C3%BCrde\">Menschenw&uuml;rde<\/a> anderer dadurch angreift, dass er Teile der Bev&ouml;lkerung beschimpft, b&ouml;swillig ver&auml;chtlich macht oder verleumdet,<\/li>\n<\/ol>\n<p>wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu f&uuml;nf Jahren bestraft.<\/p><\/blockquote><p>Ich zitiere die einschl&auml;gige Passage aus der heutigen BILD:<\/p><blockquote><p><strong>In die Generationen-Debatte um die neue Macht der Senioren hat sich jetzt auch Alt-Bundespr&auml;sident Roman Herzog (74) eingeschaltet.<\/strong><br>\nHerzog zu BILD: &bdquo;Ich f&uuml;rchte, wir sehen gerade die Vorboten einer Rentner-Demokratie: Die &Auml;lteren werden immer mehr, und alle Parteien nehmen &uuml;berproportional R&uuml;cksicht auf sie. <strong>Das k&ouml;nnte am Ende in die Richtung gehen, dass die &Auml;lteren die J&uuml;ngeren auspl&uuml;ndern.<\/strong>&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Das erf&uuml;llt m.E. den Tatbestand der Volksverhetzung, wie er in  &sect;130 (1) umschrieben ist. Herzog &bdquo;stachelt zum Hass gegen Teile der Bev&ouml;lkerung&ldquo;, gegen die &Auml;lteren auf, wenn er davor warnt, dass es dazu kommen k&ouml;nnte, &bdquo;dass die &Auml;lteren die J&uuml;ngeren <strong>auspl&uuml;ndern<\/strong>.&ldquo; Er st&ouml;rt damit den Frieden zwischen den Generationen. Herzog hat lt. Bild auch von einer &bdquo;&Uuml;bervorteilung&ldquo; der J&uuml;ngeren gesprochen und w&ouml;rtlich gesagt: <\/p><blockquote><p><strong>Wenn die &Auml;lteren die J&uuml;ngeren immer st&auml;rker zur Kasse bitten<\/strong>, w&uuml;rde die Staatsquote wachsen. Und ich gehe davon aus, dass ab einem gewissen Punkt eine hohe Staatsquote durchaus verfassungswidrig ist.<\/p><\/blockquote><p>Auch mit dem ersten Teil dieses Satzes betreibt Herzog Volksverhetzung. Der zweite Teil zeigt nur, dass dieser Mann keine Ahnung von den wirtschaftlichen Zusammenh&auml;ngen hat und ansonsten den aktuellen Vorgang total &uuml;bertreibt. Erstens ist die Staatsquote in Deutschland verglichen mit anderen L&auml;ndern ausgesprochen gering. Zweitens erh&ouml;ht eine Rentenerh&ouml;hung von 1,1% die Staatsquote nicht, jedenfalls nicht sp&uuml;rbar. Und ob, das h&auml;ngt von vielem anderen ab. Zum Beispiel: Wenn die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverh&auml;ltnisse auf das Niveau von 1990 angehoben w&uuml;rde &ndash; damals 30 Millionen, heute nach neuesten Meldungen um die 27 Millionen -, dann w&uuml;rden mindestens 10% mehr Beitr&auml;ge flie&szlig;en. Und wir h&auml;tten &uuml;berhaupt kein Problem, auch richtige und faire Erh&ouml;hungen der Renten zu finanzieren.<\/p><p>Anders als von Herzog und von den anderen einschl&auml;gig bekannten Personen von Meinhard Miegel bis Oswald Metzger, die sich auch jetzt wieder zu Wort melden, unterstellt wird, hat das Problem der Rentenfinanzierung zualler<strong>letzt<\/strong> etwas mit dem Verh&auml;ltnis der Anzahl von &Auml;lteren zu J&uuml;ngeren zu tun. Wir haben kein demographisches Problem, wir haben ein &ouml;konomisches Problem:<br>\nWenn wir die Arbeitslosigkeit zielbewusst abbauen und nicht durch Minijobs und ungesicherte Arbeitsverh&auml;ltnisse ersetzen w&uuml;rden, wenn wir die Erwerbsquote erh&ouml;hen w&uuml;rden und daf&uuml;r sorgen w&uuml;rden, dass die Menschen motiviert und unsere Volkswirtschaft produktiv ist und produktiver wird, dann w&auml;re es nach allen ehrlichen und nicht ideologisch bestimmten Berechnungen kein Problem, auch noch in Jahrzehnten eine &auml;lter werdende Gesellschaft besser zu stellen und gleichzeitig den Arbeitenden einen wachsenden Wohlstand zu belassen.<br>\nMit einem Produktivit&auml;tswachstum von rund 1,5% &ndash; ein durchaus erreichbarer Produktivit&auml;tsfortschritt &ndash; w&auml;re das Bruttoinlandsprodukt bis zum Jahr 2050 verdoppelt. Schon nach Adam Riese kann man feststellen, dass dann eine leicht verringerte Anzahl von Menschen in jedem Fall mehr h&auml;tte, als heute.<\/p><p>Wer Konflikte sch&uuml;rt, tut das Gegenteil dessen, was wir heute brauchen: gesellschaftlichen Frieden zwischen den Generationen, Motivation der Arbeitsf&auml;higen und Mobilisierung aller Kr&auml;fte. Was die Herren Miegel, Herzog und Metzger anstellen, l&auml;uft dem entgegen.<\/p><p>Jene, die jetzt wegen einer l&auml;cherliche Rentenerh&ouml;hung von 1,1% in diesem Jahr und 1,9% im n&auml;chsten Jahr die Kampagne und Volksverhetzung gegen die Rentner anheizen, verfolgen damit ganz andere Ziele als den Schutz der J&uuml;ngeren. Sie wollen jegliche Verbesserung der Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente, und sei sie auch noch so minimal, schon im Ansatz kaputt machen. Die dahinter steckenden gro&szlig;en Interessen der Versicherungswirtschaft, der Finanzdienstleister und der Banken wollen die Zerst&ouml;rung des Vertrauens in die gesetzliche Rente ungest&ouml;rt genie&szlig;en: mit &uuml;ppigen Zuw&auml;chsen bei den Pr&auml;mien f&uuml;r Privatvorsorge und in der Folge damit bei Provisionen und Gewinnen. <\/p><p>Wie schon des &Ouml;fteren l&auml;sst sich der Alt-Bundespr&auml;sident von privaten Interessen einspannen. Schon seine Ruckrede war vor allem sein Tribut an die neoliberale Ideologie und ihren Siegeszug in Deutschland.<\/p><p><strong>Die Kampagne gegen die &Auml;lteren f&auml;llt auf fruchtbaren Boden.<\/strong><\/p><p>Die J&uuml;ngeren f&uuml;hlen sich benachteiligt. Ich kann das verstehen. Ihre Berufschancen sind eindeutig schlechter als zum Beispiel die Berufschancen meiner Generation. Als wir in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts unsere Ausbildung abgeschlossen hatten, mussten wir nicht lange suchen, um einen einigerma&szlig;en guten Job zu bekommen. Wir waren nicht gezwungen, Hunderte von Bewerbungsschreiben abzusetzen. Wir wuchsen in einer politisch einigerma&szlig;en lebendigen Zeit auf. Damals bewegte sich etwas und nicht nach r&uuml;ckw&auml;rts wie mit den heutigen Reformen. Insofern ging es uns wirklich besser.<br>\nAber dieser Unterschied hat nun gar nichts mit der Demographie und auch nichts mit der Zahl der Rentner im Vergleich zur Zahl der j&uuml;ngeren Menschen zu tun. Die wirtschaftliche Lage war besser. Menschen die Arbeit suchten oder einen Arbeitsplatz hatten, hatten meist mehrere Alternativen. Wir konnten w&auml;hlen. Schon deshalb war unser Lebensgef&uuml;hl besser und optimistischer.<br>\nIch kann deshalb junge Leute heute gut verstehen, wenn sie unzufrieden sind. Aber ich kann nicht verstehen, dass sie ihre negativem Gef&uuml;hle und Aggressionen gegen die &auml;ltere Generation wenden. Es w&auml;re gut, sie w&uuml;rden erkennen, dass jene, die diese Volksverhetzung betreiben, ihnen, den J&uuml;ngeren nur eine Ersatzbefriedigung verschaffen und ihre Aggression mit Bedacht und aus pekuni&auml;rem Interesse in die Richtung der &Auml;lteren lenken. Unsere F&uuml;hrungseliten lenken ab von ihrem Versagen, den j&uuml;ngeren vern&uuml;nftige, gute Berufsperspektiven und Alternativen auf dem Arbeitsmarkt zu verschaffen, und lenken die Aggression gegen die &Auml;lteren. Ein feines Spiel. Ein &uuml;bles Spiel.<\/p><p>Die j&uuml;ngere Generation wird missbraucht. Sie wird im &uuml;brigen gegen eine &auml;ltere Generation in Stellung gebracht, die in ihrer Jugend sehr viel f&uuml;r die heutige Jugend und die heute Arbeitenden getan hat. Ich meine jetzt nicht meine Generation sondern die noch ein bisschen &auml;lteren. Sie haben unser Land aus den Tr&uuml;mmern befreit, sie haben eine passable Infrastruktur aufgebaut, sie haben den j&uuml;ngeren eine Bildung und Ausbildung bezahlt, auf die sie in ihrer Jugend nicht bauen konnten.<\/p><p>Wenn man dies so und damit aus meiner Sicht richtiger betrachtet, dann muss man zu einem scharfen Urteil &uuml;ber die Betreiber der jetzigen Kampagne gegen die &Auml;lteren kommen: diese Herrschaften betreiben ein gewissenloses, &uuml;bles Gesch&auml;ft. Im Falle des Alt-Bundespr&auml;sident Herzog ist die Hetze gegen die leichte Rentenerh&ouml;hung, die noch nicht einmal die Preissteigerung wettmacht, besonders &uuml;bel. Denn er sitzt dick im Fett einer sicherlich &uuml;ppigen Pension. Da ich selbst Nutznie&szlig;er einer noch guten Altersversorgung bin, kann ich diese Attit&uuml;de und Aggression des Herrn Herzog gegen&uuml;ber Menschen mit teilweise sehr kleinen Renten nicht verstehen. Irgendwas fehlt da. Irgend etwas tickt da falsch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Der hat gut hetzen, der hat ein dickes Polster&ldquo;, meinte meine Nachbarin, als sie Roman Herzogs &Auml;u&szlig;erungen in der Bild-Zeitung las. Einer unserer Leser machte mich auf &sect; 130 (Volksverhetzung) des Strafgesetzbuches aufmerksam. Text und Geist dieses Paragraphen passen auf die Warnungen Herzogs vor einer &bdquo;Rentner-Demokratie&ldquo;. 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