{"id":31477,"date":"2016-02-22T11:54:48","date_gmt":"2016-02-22T10:54:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31477"},"modified":"2019-01-30T11:24:41","modified_gmt":"2019-01-30T10:24:41","slug":"das-monstroese-als-ernstfall-der-humanitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31477","title":{"rendered":"Das Monstr\u00f6se als Ernstfall der Humanit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Nach den neuen Pogromen in den s&auml;chsischen Gemeinden Clausnitz und Bautzen sagte der Ministerpr&auml;sident Stanislaw Tillich: &bdquo;Das sind keine Menschen, die so etwas tun. Das sind Verbrecher.&ldquo; Ein Kommentar von G&ouml;tz Eisenberg[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31477#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8965\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-31477-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160222_Ernstfall_der_Humanitaet_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160222_Ernstfall_der_Humanitaet_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160222_Ernstfall_der_Humanitaet_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160222_Ernstfall_der_Humanitaet_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=31477-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160222_Ernstfall_der_Humanitaet_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160222_Ernstfall_der_Humanitaet_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Dieser Tillichsche Satz stellt einen Konsens in Frage, der sich in den sp&auml;ten 1960er Jahren ausgebildet hat und der seither grundlegend ist f&uuml;r den demokratischen Rechtsstaat. Dieser Grundsatz lautet: Was immer jemand getan haben mag &ndash; er oder sie ist und bleibt einer\/eine von uns. Straft&auml;ter behalten ihre Menschenrechte und W&uuml;rde auch dann, wenn sie selbst gegen Menschenrechte und W&uuml;rde anderer grob versto&szlig;en haben. Das Monstr&ouml;se gilt nicht l&auml;nger als das aus der Gesellschaft Auszumerzende, sondern als der &bdquo;Ernstfall der Humanit&auml;t&ldquo; (Gerhard Rehn), an dem diese sich zu bew&auml;hren hat. Mit einem gewissen Erschrecken erkannte man im Straft&auml;ter einen Menschen: Seine Verbrechen und unsere Tugenden sind austauschbar. Er ist unsere Wahrheit, so wie wir die seine sind!<\/p><p>Von Goethe stammt die Bemerkung:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn ich von den Verbrechen lese, so habe ich die Empfindung, dass ich f&auml;hig w&auml;re, ein jegliches davon selbst zu begehen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Oder anders formuliert: Die Grenze verl&auml;uft nicht zwischen den &bdquo;guten&ldquo; und den &bdquo;b&ouml;sen&ldquo; Menschen,  sondern mitten durch jeden von uns. Wir alle sind in verschiedenen Mischungs- und Verd&uuml;nnungsverh&auml;ltnissen &bdquo;gut&ldquo; und &bdquo;b&ouml;se&ldquo; zugleich, und es h&auml;ngt von den Umst&auml;nden ab, welche Seite der Ambivalenz schlie&szlig;lich lebensbestimmend wird. Nur auf der Basis dieser Einsicht ist ein menschlicher Umgang mit Straft&auml;tern m&ouml;glich ist.  Was immer ein Straft&auml;ter getan haben mag, er ist und bleibt Meinesgleichen und Unsereiner &ndash; nicht mehr und nicht weniger als ein Mensch. Wer Straft&auml;ter vermonstert und au&szlig;erhalb des Menschlichen positioniert, bereitet ihre Ausgrenzung vor und tr&auml;gt den Keim zu eigenen Verbrechen schon in sich. &bdquo;Wer mit dem Verbrechen kurzen Prozess machen will, macht bald gar keinen mehr&ldquo;, schrieb Friedrich Hacker.<\/p><p>Die j&uuml;ngste Bemerkung von Stanislaw Tillich soll in ihrer Scheinradikalit&auml;t dar&uuml;ber hinwegt&auml;uschen, dass er selbst durch zahlreiche Aussagen zu Ausbreitung der Pogromstimmung gegen alles Fremde in Sachsen beigetragen hat. &bdquo;Der Islam geh&ouml;rt nicht zu Sachsen&ldquo;, lie&szlig; er sich Anfang 2015 vernehmen, als Pegida von Montag zu Montag st&auml;rker wurde. Wer solche S&auml;tze in die Mikrophone von Fernsehanstalten spricht, darf sich nicht wundern, wenn im Schutz der Dunkelheit Fl&uuml;chtlingsunterk&uuml;nfte angez&uuml;ndet und Ausl&auml;nder angegriffen werden. Es gilt immer noch, was Bodo Morsh&auml;user Anfang der 1990er Jahre anl&auml;sslich der damaligen Pogrome geschrieben hat:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn der Schlips vor Scheinwerfern &sbquo;Ausl&auml;nderbegrenzung&lsquo; fordert, l&ouml;st der Stiefel sie in der Dunkelheit ein. Dass aus W&ouml;rtern Taten geworden sind, will der Schlips danach nicht mit sich selbst in Zusammenhang gebracht wissen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Dr. G&ouml;tz Eisenberg ist Sozialwissenschaftler und Publizist. Er arbeitet als Gef&auml;ngnispsychologe in der JVA Butzbach. Im Verlag Brandes &amp; Apsel ist Anfang des Jahres sein neues Buch &bdquo;Zwischen Amok und Alzheimer &ndash; Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus&ldquo; erschienen. Siehe dazu die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25005\">Rezension von Joke Frerichs auf den NachDenkSeiten<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den neuen Pogromen in den s&auml;chsischen Gemeinden Clausnitz und Bautzen sagte der Ministerpr&auml;sident Stanislaw Tillich: &bdquo;Das sind keine Menschen, die so etwas tun. 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