{"id":3151,"date":"2008-04-15T16:22:48","date_gmt":"2008-04-15T14:22:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3151"},"modified":"2015-11-25T15:27:43","modified_gmt":"2015-11-25T14:27:43","slug":"nachtrag-zu-herzog-und-ein-anstoss-fuer-ihre-gespraeche-im-kleinen-kreis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3151","title":{"rendered":"Nachtrag zu Herzog und ein Ansto\u00df f\u00fcr Ihre Gespr\u00e4che im kleinen Kreis"},"content":{"rendered":"<p>In meinem <a href=\"?p=3141\">Beitrag<\/a> &bdquo;Ein Alt-Bundespr&auml;sident als Volksverhetzer &hellip;&ldquo; hatte ich nicht erw&auml;hnt, dass es mir nicht sinnvoll erscheint, im konkreten Fall Anzeige wegen Volksverhetzung zu erstatten. Die juristischen H&uuml;rden liegen sehr hoch. Auch wenn der Vergleich des Textes des &sect; 130 Strafgesetzbuch mit den Einlassungen des Alt-Bundespr&auml;sidenten nach meinem Sprachverst&auml;ndnis nahe legt, dass die Strafvorschrift verletzt ist, bleibt eine Anzeige mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolglos. Dazu wollte ich jedenfalls nicht anregen. Ich wollte allerdings dazu ansto&szlig;en, &uuml;ber die laufende Kampagne zur Anheizung eines Generationenkonfliktes mit anderen Menschen zu sprechen. Nutzen Sie dazu unseren Text und zwei interessante Zwischenrufe zum Thema. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nEs ist wichtig, dem Versuch entgegenzutreten, die Jungen und die Alten gegeneinander aufzuhetzen. Einen Generationenkonflikt k&ouml;nnen wir wahrlich nicht auch noch gebrauchen. Deshalb die Anregung, mit anderem &uuml;ber dieses Thema zu sprechen und aufkl&auml;rend zu wirken. Das Thema w&uuml;rde sich aus meiner Sicht gut eignen, um zu einem Gespr&auml;ch im kleinen Kreis von Freunden, Nachbarn und Verwandten einzuladen. Wir haben diese Idee, die auf einige unsrer Leser zur&uuml;ckgeht, in einem fr&uuml;heren Beitrag aufgegriffen &ndash; am 15.1.2007 unter dem Thema <a href=\"?p=2016\">&bdquo;Was tun zum Aufbau einer kritischen Gegen&ouml;ffentlichkeit?&ldquo;<\/a>. Dort ist unter Ziffer 2 die Anregung, Kleine Kreise zu bilden, skizziert worden.<\/p><p><strong>Und nun noch zu den beiden Zwischenrufen:<\/strong><\/p><p>Auf meinen Beitrag zu Herzog kamen eine Reihe von Mails. (Danke vielmals!) Zwei davon sind hier wiedergegeben. Sie sind von zwei jungen Leuten geschrieben und l&ouml;sen Nachdenken aus. Pr&uuml;fen Sie selbst.<\/p><p>Damit Sie es mit der Nutzung der Texte f&uuml;r ihre Gespr&auml;che einfacher haben, haben wir alle drei Texte &ndash; den urspr&uuml;nglichen von mir und die beiden Mails &ndash; in einer eigenen Datei zusammengef&uuml;gt und um die Aufmacher aus der Bild-Zeitung und SpiegelOnline mit den Einlassungen von Alt-Bundespr&auml;sident Herzog erg&auml;nzt. <a href=\"upload\/pdf\/20080415_Anstoss_Papier_Generationenkonflikt_Herzog_in_Bild.pdf\">Sie k&ouml;nnen das ausdrucken, weitergeben und zum Gespr&auml;ch einladen. Das ist nur ein Angebot, mehr nicht[PDF &ndash; 114 KB].<\/a><\/p><p>Hier die beiden Mails:<\/p><p><strong>1. Mail von Esther Hesse<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<br>\nseit Jahren lese ich begeistert die NDS, praktisch t&auml;glich. Heute (11.04.08) geht es in einem Bericht von Ihnen um die Hetzrede von Roman Herzog. Die Argumentation von Herzog ist nat&uuml;rlich v&ouml;llig absurd. Andererseits glaube ich nicht, dass die Jahrg&auml;nge, die jetzt so Pech haben (70er und 80er Jahrg&auml;nge) sich von einer derartigen Argumentation wirklich aufhetzen lassen w&uuml;rden. Dass meinesgleichen und j&uuml;nger den Rentnern ihre wohlverdiente Rente nicht g&ouml;nnt, oder glaubt, denen ginge es zu gut, wo man ja vor allem bei Rentnerinnen wei&szlig;, dass es teilweise winzige Renten sind.<\/p><p>Die Gefahr der Spaltung der Gesellschaft sehe ich aber ganz stark von der anderen Seite kommen. <\/p><p>Es sind aus meiner Erfahrung gerade die &Auml;lteren, die einem gegen&uuml;bertreten, als sei man faul und einem gegen&uuml;ber regelrecht mit einem erf&uuml;llten Arbeits- und Privatleben protzen, auf das meine Generation kaum eine Chance hat.<br>\nDass jemand so wie Sie sagt, dass Sie &ndash; auch &ndash; Gl&uuml;ck bei der ganzen Sache hatten, dass die Zeiten andere waren, man mehr Chancen hatte usw. &ndash; das habe ich von dieser Seite eigentlich noch nie geh&ouml;rt &ndash; das finde ich ganz untypisch! Es wird stattdessen komplett alles unter &ldquo;eigene Lebensleistung&rdquo; verbucht.<\/p><p>Aus welchen Gr&uuml;nden auch immer so argumentiert wird, man wird oft den Eindruck nicht los, dass manche &Auml;lteren die J&uuml;ngeren auf eine ganz andere Weise ausnutzen, als das in den neoliberalen Medien dargestellt wird.<br>\nN&auml;mlich nicht etwa materiell &ndash; das &uuml;berhaupt nicht &ndash; sondern um sich als &ldquo;bessere B&uuml;rger&rdquo; aufzuf&uuml;hren &ndash; mit dem anst&auml;ndigeren, sich an b&uuml;rgerlichen Werten orientierenden Leben, im Gegensatz zu den scheinbar &ldquo;verlotterten&rdquo;  und oberfl&auml;chlicheren j&uuml;ngeren Generationen. <\/p><p>Das finde ich gef&auml;hrlich, weil dies m. E. eine teilweise Hinwendung zu faschistischen Deutungen der sozialen Probleme darstellt. Und je mehr (die zahlenm&auml;&szlig;ig anwachsenden) &Auml;lteren so denken, desto eher wiederholt sich die Geschichte, nur dass die &ldquo;neuen Juden&rdquo; halt jetzt unter den j&uuml;ngeren Verlierer-Jahrg&auml;ngen sind.<br>\nViele Gr&uuml;&szlig;e an das NDS-Team und machen Sie weiter diese tolle Internetzeitung!<br>\nEsther Hesse<\/p><p><strong>Anlage 4: Mail von J. O.-A. vom 12.4.2008 an die NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p><p>seit ungef&auml;hr einem Jahr lese ich die Nachdenkseiten mit wachsendem Interesse und nachlassender Fassung. In den meisten F&auml;llen gebe ich ihnen Recht, so auch Herrn M&uuml;ller im Artikel &ldquo;Ein Alt-Bundespr&auml;sident als Volksverhetzer &ndash; der Sittenverfall beschleunigt sich&rdquo;.<\/p><p>Eines jedoch sehe ich nicht. Mit 28 z&auml;hle ich mich noch zur j&uuml;ngeren Generation, durch den sp&auml;ten Studienbeginn bin ich viel mit noch einmal j&uuml;ngeren  Menschen zusammen. Ich habe noch nie geh&ouml;rt, dass irgendjemand sich dar&uuml;ber Gedanken macht, von &ldquo;den &Auml;lteren&rdquo; ausgepl&uuml;ndert zu werden. Das liegt vielleicht auch daran, das man es sich nur schwer vorstellen kann, das einem die eigene Gro&szlig;mutter etwas wegnehmen will (eher im Gegenteil).<\/p><p>Als ich die ersten &Uuml;berschriften dieser Kampagne las, musste ich fasst schmunzeln. Ich stellte mir vor, wie Millionen Leser jung wie alt vor der BILD stehen und verst&auml;ndnislos den Kopf sch&uuml;tteln. Ich kann mir anders als Herr M&uuml;ller nicht vorstellen, dass diese Kampagne auf fruchtbaren Boden f&auml;llt, eher habe ich die Hoffnung, das der Schuss nach hinten losgeht.<\/p><p>Es ist einfach zu weit hergeholt, dass jemand, der sein Leben lang gearbeitet hat, nicht seine Rente bekommen sollte. Und schwer ertr&auml;glich f&auml;nde ich es, sollte die Mehrheit meiner Generation anderer Ansicht sein. Ich w&uuml;rde aus Protest schneller altern!<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nJ. O.-A.<\/p><p><strong>Heute kommt noch folgende einschl&auml;gige Meldung auf den Tisch:<\/strong><\/p><p><strong>Immer mehr Rentner m&uuml;ssen arbeiten<\/strong><br>\nDie Finanzlage &auml;lterer Menschen wird immer schlechter. Die Zahl der Senioren, die arbeiten gehen m&uuml;ssen, weil sie von ihrer Rente nicht leben k&ouml;nnen, ist dramatisch angestiegen. Zudem ist das reale Einkommen der Rentner laut einer Banken-Studie in den letzten vier Jahren stark gesunken.<br>\n&hellip;<br>\nDer Pr&auml;sident des Sozialverbandes Deutschland (SoVD), Adolf Bauer, sagte der Zeitung: &ldquo;Es ist zu bef&uuml;rchten, dass die Kaufkraftverluste der Rentnerinnen und Rentner bis 2010 auf mehr als zehn Prozent ansteigen.&rdquo; Der tats&auml;chliche Kaufkraftverlust f&uuml;r viele Rentner sei sogar noch h&ouml;her, als dies die Inflationsrate nahelege. H&ouml;here Gesundheitsausgaben w&uuml;rden nicht abgebildet. Dar&uuml;ber hinaus sei die Teuerung bei Lebensmitteln, die einen relativ hohen Anteil an den Ausgaben eines Rentnerhaushalts ausmachten, h&ouml;her als die durchschnittliche Inflation. Die an den L&ouml;hnen orientierte Rentenanpassung solle daher um einen Inflationsschutz erweitert werden.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,547368,00.html\">Spiegel<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem <a href=\"?p=3141\">Beitrag<\/a> &bdquo;Ein Alt-Bundespr&auml;sident als Volksverhetzer &hellip;&ldquo; hatte ich nicht erw&auml;hnt, dass es mir nicht sinnvoll erscheint, im konkreten Fall Anzeige wegen Volksverhetzung zu erstatten. Die juristischen H&uuml;rden liegen sehr hoch. 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