{"id":3153,"date":"2008-04-16T10:17:52","date_gmt":"2008-04-16T08:17:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3153"},"modified":"2020-02-20T10:32:01","modified_gmt":"2020-02-20T09:32:01","slug":"logik-der-rentenanpassung-verarmung-der-sv-rentner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3153","title":{"rendered":"Logik der Rentenanpassung &#8211; Verarmung der SV-Rentner"},"content":{"rendered":"<p>Der Gesetzgeber hatte in der &Auml;ra Schr&ouml;der mit den Reformen 2001 und 2004 daf&uuml;r gesorgt, dass das k&uuml;nftige deutsche Rentenniveau nachhaltig um 18 % abgesenkt wird. Vorgeblich um &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; zu senken, die f&uuml;r die Unternehmensprofite st&ouml;rend wirkten, wurden so die k&uuml;nftigen Rentner angeblich &bdquo;generationengerecht&ldquo; um viele Milliarden Euro an den SV-Rentenbez&uuml;gen gemindert, ohne dass die Medien einen &bdquo;Aufschrei&ldquo; dagegen inszenierten. Auf Dauer wird sich aber ein Durchbruch zu einer Erh&ouml;hung der Regeleinnahmen der SV-Rentenkassen und\/oder zur h&ouml;heren steuerlichen Finanzierung des SV-Rentensystems nicht vermeiden lassen, denn eine zunehmende Verarmung von Rentnern mit Niedrigstrenten, die kaum dies Grundsicherung erreichen oder diese unterschreiten, w&uuml;rde sich zum politischen Desaster der parlamentarischen Demokratie gestalten.  Von Karl Mai<br>\n<!--more--><br>\nIn der &bdquo;Mitteldeutschen Zeitung&ldquo; vom 8.4.08 erkl&auml;rt Prof. Raffelh&uuml;schen den Lesern:<br>\nDa die Besch&auml;ftigten dieses Jahr &bdquo;nochmals 0,5 Prozent mehr f&uuml;r die private Altersvorsorge aufwenden&ldquo;, &bdquo;h&auml;tten die Renten in diesem Jahr nur um 0,5 Prozent steigen d&uuml;rfen und nicht um 1,1 Prozent.&ldquo;<br>\n<strong>&Uuml;bersetzt hei&szlig;t das: der Anstieg der freiwilligen privaten Rentenbeitr&auml;ge von Besch&auml;ftigten senkt  gegenw&auml;rtig den zul&auml;ssigen Rentenanstieg s&auml;mtlicher Bestandsrentner aller Altersstufen.<\/strong><\/p><p><strong>Logik der Rentenanpassung &hellip;<\/strong><\/p><p>Diese Schlussfolgerung ruft vielleicht bei manchen Lesern Zweifel hervor, so dass hier auf die Interpretation des Sachverst&auml;ndigenrats f&uuml;r Wirtschaft (SVR) zur&uuml;ckgegriffen werden soll. Gemeint ist die gesetzliche Rentenanpassung nach der derzeit g&uuml;ltigen Formel. Diese gibt der SVR im Jahresgutachten 2004\/2005 im Detail an. Dort wird zum Formelansatz erl&auml;utert:<\/p><p>&bdquo;AVA: Altersvorsorgeanteil in vH. Er betr&auml;gt 0,5 vH in den Jahren 2002 und 2003 und steigt in Schritten von 0,5 Prozentpunkten auf 4,0 vH im Jahr 2010&ldquo;. (S. 295 ff.)<\/p><p>Bei der Ermittlung der H&ouml;he der Rentenanpassung gem&auml;&szlig; dieser Formel wird dieser Term &bdquo;AVA&ldquo; von der  statistischen &bdquo;Bruttolohn- und -gehaltssumme je durchschnittlich besch&auml;ftigten Arbeitnehmer im vergangenen Kalenderjahr gem&auml;&szlig; den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen&ldquo; abgezogen.<br>\nDazu hei&szlig;t es im SVR-Jahresgutachten au&szlig;erdem verbal unmissverst&auml;ndlich:<\/p><p>&bdquo;Die Bundesregierung geht davon aus, dass die versicherungspflichtigen Entgelte im Zeitraum der Jahre 2005 bis 2008 (vor allem wegen der Entgeltumwandlung) jeweils um 0,4 Prozentpunkte weniger zunehmen als die Bruttol&ouml;hne und -geh&auml;lter gem&auml;&szlig; den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Die Rentenanpassung wird deshalb durch den Korrekturfaktor im Zeitraum 2006 bis 2010 um insgesamt rund 2,2 Prozentpunkte gemindert.&ldquo; (S. 296) <\/p><p>Damit ist die eingangs angegebene Interpretation best&auml;tigt. In diesem Punkte folgte Herr Prof. Raffelh&uuml;schen kritik- bzw. widerspruchslos dem Gesetzgeber. Der Gesetzgeber hatte in der &Auml;ra Schr&ouml;der mit den Reformen 2001 und 2004 daf&uuml;r gesorgt, dass das k&uuml;nftige deutsche Rentenniveau nachhaltig um 18 % abgesenkt wird, wie inzwischen jeder  nachlesen kann (z. B. in  &bdquo;Wikipedia&ldquo; unter dem Stichwort &bdquo;Altersarmut&ldquo;). Vorgeblich um &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; zu senken, die f&uuml;r die Unternehmensprofite st&ouml;rend wirkten &ndash; obwohl deutsche Lohnkosten mit h&ouml;herer Produktivit&auml;t begr&uuml;ndet waren &ndash; wurden so die k&uuml;nftigen Rentner angeblich &bdquo;generationengerecht&ldquo; um viele Milliarden Euro an den SV-Rentenbez&uuml;gen gemindert, ohne dass die Medien einen &bdquo;Aufschrei&ldquo; dagegen inszenierten. <\/p><p><strong>Durch die Forschung &bdquo;belegt ist, dass der demografische Gesamtlastkoeffizient gegenw&auml;rtig deutlich niedriger ist als 1970 und erst 2030 das damalige Niveau wieder erreichen wird&ldquo;, h&auml;lt Prof. Ernst Kistler dem inszenierten &bdquo;demografischen Mythos&ldquo; entgegen.<\/strong> (Kistler, Ernst, Die Methusaleml&uuml;ge, Hanser 2006 S. 230) <\/p><p>Vergeblich hatten Sozialpolitiker darauf verwiesen, dass der k&uuml;nftig h&ouml;heren &bdquo;Altenlast&ldquo; der Arbeitsgenerationen zun&auml;chst noch eine verminderte &bdquo;Jungenlast&ldquo; sowie h&ouml;here Erwerbsbeteiligung und steigende nominelle Stundenl&ouml;hne gegen&uuml;berstehen, letztlich die Einnahmen der SV-Kassen durch gesetzgeberische Ma&szlig;nahmen erh&ouml;ht werden sollten &ndash; womit das derzeitige Rentenniveau noch l&auml;ngerfristig gehalten werden k&ouml;nne. Zu diesem Ergebnis kommen mehrere bekannte Studien und Untersuchungen kritischer Sozialpolitiker bzw. auch der Gewerkschaft Ver.di. (Ver.di, Mythos Demografie, Hrsg. Abteilung Wirtschaftspolitik)<\/p><p>Beispielhaft sei hier nur Folgendes zitiert: <strong>&bdquo;Prinzipiell w&auml;re auch die bis 2050 steigende Altenlast selbst bei moderaten Produktivit&auml;tszuw&auml;chsen finanzierbar, ohne dass die realen Eink&uuml;nfte von Aktiven wie von Rentnern und deren &lsquo;Lebensstandard&rsquo; geringer werden m&uuml;ssten als heute. Dies setzt jedoch voraus, dass die Gewinneinkommen nicht noch immer noch st&auml;rker und  weit &uuml;berproportional steigen, sondern dass sie auch st&auml;rker zur Finanzierung herangezogen werden,&ldquo; fasst Prof. Ernst Kistler seine Untersuchung zusammen.<\/strong> (Kistler. E. a.a.O. S.225)<\/p><p>Aber Raffelh&uuml;schen, der sich als &bdquo;einer der renommierten deutschen Rentenexperten&ldquo; vorstellen l&auml;sst, verk&uuml;ndet: &bdquo;Es werden Rentengeschenke verteilt&ldquo;. <strong>Negative Rentengeschenke<\/strong> gibt es freilich durch die Rentenreformen und seit Jahren durch die Preisinflation f&uuml;r die Lebenshaltung der Rentner. Letztere ist inzwischen doppelt so hoch wie die offiziell im Durchschnitt statistisch ausgewiesene von 3 % p.a. Aber das k&uuml;mmert den renommierten Rentenexperten wenig. <\/p><p><strong>&hellip; ungleiche &bdquo;Gleichheit&ldquo; &hellip;<\/strong><\/p><p><strong>Sind sich die gegenw&auml;rtig Besch&auml;ftigten eigentlich dar&uuml;ber im klaren, dass sie f&uuml;r ihre freiwillige Rentenversicherung nicht nur das doppelte an h&ouml;heren Beitr&auml;gen f&uuml;r sich selbst aufbringen m&uuml;ssen, da sie den fr&uuml;heren Unternehmeranteil nun selbst tragen &ndash; gleichzeitig aber alle Bestandsrentner eine K&uuml;rzung ihres Rentenanstiegs gerade hierdurch aufgezwungen bekommen, weil sich der errechnete Lohnanstieg &ndash; als allgemeine SV-Rentenbasis der Anpassung &ndash; reduziert?<\/strong><br>\nGerade hierin liegt ja eine v&ouml;llige Ungleichheit der Wirkung der Riesterrente: sie benachteiligt nicht nur die &uuml;blichen SV-Rentenh&ouml;hen bei den k&uuml;nftigen Rentengenerationen, sondern bringt eine wesentliche Benachteiligung f&uuml;r die Erh&ouml;hung bereits aller jetzt gezahlten SV-Bestandsrenten.  Die jetzigen Bestandsrentner werden quasi dadurch bestraft, dass man ihnen die zugerechnete Lohnbasis f&uuml;r Erh&ouml;hungen k&uuml;rzt, obwohl sie selbst gar keine freiwilligen (privaten) Beitragserh&ouml;hungen zahlen.<\/p><p>Nachdem so der Gesetzgeber willk&uuml;rlich diese verdeckte Ungleichheit f&uuml;r die Bestandsrentner erst geschaffen hat, kommt Prof. Raffelh&uuml;schen und verk&uuml;ndet: &bdquo;Kein Versto&szlig; gegen die Gleichheit der jetzigen Rentenregelungen!&ldquo; So wird die &bdquo;Gleichbehandlung&ldquo; zur Farce.<\/p><p><strong>&hellip;was manche Politiker ignorieren&hellip;<\/strong><\/p><p>Die Preisinflation der Lebenshaltungskosten f&uuml;r Rentnerhaushalte ist offenbar f&uuml;r manche kein st&ouml;rendes soziales Problem &ndash; wohl aber die angek&uuml;ndigten Rentenerh&ouml;hungen um 1,1 Prozent f&uuml;r 2008 und 2,0 Prozent f&uuml;r 2009, die noch keineswegs einen vollen Inflationsausgleich erreichen. Diese Erh&ouml;hungen sind anscheinend unsozial, denn es wird lauthals in den Medien bef&uuml;rchtet: sie &bdquo;gef&auml;hrden die Altersversorgung k&uuml;nftiger Generationen&ldquo;. Dies wirkt wie Verh&ouml;hnung der Alten, die ihre Rentenanspr&uuml;che durch Arbeit erworben haben und denen der Staat jetzt eine inflation&auml;re Entwertung der Renten in fortgesetzter und unbegrenzter Weise zumutet.<\/p><p>Prof. Reinhold Schnabel hatte bereits 2003 darauf hingewiesen: &bdquo;Im Jahr 2040 wird das Bruttorentenniveau nur noch 35,6 Prozentpunkte im Vergleich zum heutigen Niveau von 48 Prozentpunkte betragen; dies bedeutet einen R&uuml;ckgang um 26 Prozent.&ldquo; (Reinhold Schnabel, Die neue Rentenreform &ndash; Nettorenten sinken, DIA 2003)<\/p><p><strong>Dabei ist vorauszusehen, dass bei fortgesetzter Inflation auch jene k&uuml;nftigen Rentner verarmen, die ihre privaten Zusatzrenten dereinst beziehen &ndash; denn diese reichen bekanntlich ebenfalls nicht zur Erhaltung des derzeitigen realen Rentenniveaus unter den Bedingungen der fortgesetzten Preisinflation.<\/strong> Au&szlig;erdem besteht das hohe Risiko verspekulierter Finanzmarktrenditen f&uuml;r die privaten Rentenkapitalversicherungen. Die Verarmten unterscheiden sich sp&auml;ter blo&szlig; noch graduell.<\/p><p><strong>&hellip; und der internationale Vergleich zeigt&hellip;<\/strong><\/p><p>Bereits die Vermutung, die deutschen Rentner seien gegenw&auml;rtig im internationalen Vergleich &uuml;berdurchschnittlich bessergestellt, l&auml;uft den Fakten zuwider:<br>\nNach den letzten verf&uuml;gbaren Daten f&uuml;r 2004 liegt Deutschland keineswegs auf dem Spitzenplatz der nationalen Aufwendungen f&uuml;r das Alter bezogen auf das Bruttoinlandprodukt. Hier rangieren &Ouml;sterreich (13,3 %) und  Italien (12,9 %) noch vor Deutschland (12,0) und Schweden (12,0 %). Der EU-15-Durchschnitt belief sich auf 10,9 % des BIP. (IWK, Deutschland in Zahlen 2007, S. 149)<\/p><p>Noch aussagef&auml;higer sind die letzten Angaben f&uuml;r die Struktur der Sozialleistungen in der EU nach dem Stand f&uuml;r 2003. Danach liegt Deutschland bei der Position Leistungen f&uuml;r &bdquo;Alter und Hinterbliebene&ldquo; mit einem Anteil von 42,9 % von allen Sozialschutzleistungen noch unter dem EU-15-Durchschnitt von 45,5 %. Der Spitzenplatz geb&uuml;hrt hier Italien (61,8 %) vor &Ouml;sterreich (48,3 %).<\/p><p>Bezogen auf die &bdquo;Sozialschutzleistungen je Kopf&ldquo; der Wohnbev&ouml;lkerung in Kaufkraftstandard (KKS) f&uuml;r 2003 entfielen auf die Position Leistungen f&uuml;r &bdquo;Alter und Hinterbliebene&ldquo; in Deutschland 3.0340 KKS, in Italien 3.722 KKS und &Ouml;sterreich 3.719 KKS. (BMAS, Sozialkompass Europa 2007, S. 14)  Letzteres zeigt die absolute H&ouml;he der Altersrentenlast in vergleichbaren  Kaufkrafteinheiten, wobei Deutschland schon deutlich abgeschlagen ist. <\/p><p><strong>&hellip; die relative Verarmung der SV-Rentner verhindern&hellip;<\/strong><\/p><p>Das weitere Absenkung des deutschen Rentenniveaus im Vergleich zur EU-15 w&uuml;rde den Armutsanteil unter den Rentnern weiter deutlich erh&ouml;hen, der gegenw&auml;rtig bereits bei 11,8 % liegt. (Tab. 1.3 im Tabellenanhang des Zweiten Armuts- Reichtumsberichts der Bundesregierung 2004\/2005)<\/p><p>Einer Studie zufolge, die das Deutsche Institut f&uuml;r Altersvorsorge (DIA) 2005 vorlegte, droht nahezu jedem dritten B&uuml;rger Verarmung im Alter. Dies wird sich absehbar stark in den Neuen Bundesl&auml;ndern auspr&auml;gen, solange hier die Standardrentenh&ouml;he noch deutlich niedriger sowie die Verm&ouml;gen je Rentner weit unter dem westdeutschen Niveau bleiben.<\/p><p>Immerhin lie&szlig;e auf l&auml;ngerfristige Sicht mit einem produktivit&auml;tsbedingten Lohnanstieg in Deutschland zu rechnen, der in den n&auml;chsten zwanzig Jahren den nominellen Brutto-Stundenlohn deutlich erh&ouml;hen und dann auch zu h&ouml;heren Netto-Stundenl&ouml;hnen f&uuml;hren k&ouml;nnte, (Sitte, Ralf, Fakten und Fazilit&auml;ten in Arbeit und Sozialpolitik 11-12 \/2000 S. 42\/43) selbst wenn die SV-Rentenbeitr&auml;ge sich nicht absenken lassen w&uuml;rden. Die Finanzlage der Staatlichen Rentenversicherung w&uuml;rde nur dann schlechter,  wenn bilanziert die Summe der h&ouml;heren Rentenzahlungen die Summe der h&ouml;heren neuen Beitragszahlungen dauernd &uuml;bersteigt. In diesem Falle w&auml;re eine Ausgliederung von &bdquo;versicherungsfremden Leistungen&ldquo; aus dem SV-Haushalt und deren verst&auml;rkte Finanzierung durch Steuern ein Mittel der gesetzgeberischen Wahl, das bestehende nominelle Rentenniveau zu sichern. L&auml;ngst liegt die deutsche Steuerquote am Bruttoinlandprodukt in der EU-15 mit 22 % vom BIP (2006) weit am untersten Ende der Skala und auf dem Niveau der USA (21,4 5). Weitere M&ouml;glichkeiten bieten die Erweiterung der SV-Pflicht auf alle Einkommen (nach Schweizer Modell) und die h&ouml;here Begrenzung der SV-Beitragspflicht.<\/p><p><strong>&hellip; wie man regierungsoffiziell bekundet&hellip;<\/strong><\/p><p>Die Bundesregierung hat soeben best&auml;tigt, wie hoch die wirklichen Risiken f&uuml;r die SV-Rentenkassen sind: &bdquo;&hellip;mit einem Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung in H&ouml;he von 26 Prozent k&ouml;nnte das heutige Sicherungsniveau vor Steuern bis zum Jahr 2030 gehalten werden, w&auml;re aber mit dem Einsatz deutlich h&ouml;herer Bundesmittel als heute verbunden. Bei Bundesmitteln auf dem Niveau von heute w&auml;re ein Beitragssatz von rund 28 Prozent erforderlich.&ldquo; (Nach hib-Meldung des Bundestages vom 4.4.2008) Die Beitragss&auml;tze werden je zur H&auml;lfte von Arbeitnehmern und Arbeitgeben getragen, so dass der SV-Beitrag f&uuml;r Besch&auml;ftigte sich auf 13 % bzw. 14 Prozent des Bruttolohnes nach Sch&auml;tzung der Bundesregierung belaufen w&uuml;rde. (Das w&auml;re etwa der Prozentsatz, den ein Riester-Sparer heute schon leistet, n&auml;mlich 19,9 % f&uuml;r die gesetzliche Rente plus 4 % f&uuml;r einen Riester-Vertrag.)<\/p><p>Dieser erwartete Anstieg der SV-Rentenbeitr&auml;ge bis 2030 bleibt voraussichtlich deutlich hinter dem k&uuml;nftigen nominellen Bruttolohnabstieg je Arbeitsstunde zur&uuml;ck, falls er &uuml;berhaupt so hoch ausf&auml;llt.<\/p><p>Nachdem in der Vergangenheit die Einnahmen und Reserven der SV-Rentenkassen immer wieder politisch beschnitten oder belastet wurden, ist lange Zeit von den Medien die Sorge verbreitet worden, k&uuml;nftig k&ouml;nnten die SV-Rentenkassen rasch zahlungsunf&auml;hig werden. (Ende 2007 belaufen sich die R&uuml;cklagen auf 11,7 Mrd. Euro, des entspricht 73 % der monatlichen Rentenzahlungen, Handelsblatt v. 14.1.08)  Jedoch ist eine zu teuer werdende Rentenerh&ouml;hung schon deswegen fraglich, weil noch niemand exakt voraussagen kann, wie sich die tats&auml;chlichen Einnahmen und &Uuml;bersch&uuml;sse der staatlichen Rentenversicherung k&uuml;nftig mittel- und l&auml;ngerfristig entwickeln.  Darauf haben mehrere Faktoren einen recht unterschiedlichen Einfluss:<\/p><ol>\n<li>die Entwicklung der SV-pflichtigen Besch&auml;ftigtenzahl und des Grades der  Erwerbsbeteiligung; <\/li>\n<li>die Dynamik der durchschnittlichen Brutto-Stundenl&ouml;hne ; <\/li>\n<li>die Dynamik der Lohnsteuern; <\/li>\n<li>die Verschiebung der Lohnkostenstruktur durch Billiglohnjobs und Teilzeitarbeit. <\/li>\n<\/ol><p>Alle diese Faktoren bewirken die Unm&ouml;glichkeit, jetzt zuverl&auml;ssig die k&uuml;nftigen Einnahmen der SV-Rentenkassen zu prognostizieren.<\/p><p>Gegenw&auml;rtig verk&uuml;ndet die Bundesregierung offiziell auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion im Bundestag:<br>\nEs &bdquo;wurde der Anfrage zufolge dargelegt, dass ein Durchschnittsverdiener f&uuml;r ein Rentenniveau in H&ouml;he von 40 Prozent des durchschnittlichen Nettoentgeltes rund 35 Beitragsjahre ben&ouml;tige.&ldquo; (Nach   der hib-Meldung des Bundestages vom 4.4.2008) <\/p><p>Die relative nationale Armutsgrenze f&uuml;r SV-Rentner liegt bei 60 % des durchschnittlichen Nettoverdienstes (nach OECD-Standard). Damit ist klar ausgesagt: Selbst nach 35 Arbeitsjahren sichert das nominelle Renteneinkommen im Durchschnitt nicht das Abgleiten in die relative Armut, da hierf&uuml;r mit  minus 20 % noch ein Drittel an nominellen Einkommen zur &Uuml;berschreitung der Armutsgrenze fehlen. F&uuml;r den immer weit unterhalb der relativen Armutsgrenze liegenden &bdquo;Grundsicherungsbedarf&ldquo; ist jedoch nach Aussage der Bundesregierung eine SV-beitragspflichtige Lebensarbeitszeit von 27 Jahren das absolute Minimum. Klartext: Nach 27 Arbeitsjahren kann k&uuml;nftig die Rentenh&ouml;he nur die nominelle Grundsicherung (nach gegenw&auml;rtigem Ma&szlig;stab) als Schutz vor der Bed&uuml;rftigkeit erreichen.<br>\nVon der Entwertung der nominellen Renten durch die Inflation der Lebenshaltungskosten nimmt hierbei die Bundesregierung konkret keine Notiz.<\/p><p><strong>&hellip; Ost-SPD schl&auml;gt Armutsalarm f&uuml;r Ostrentner&hellip;<\/strong><\/p><p>Die drohende Verarmung von Rentnern vor allem im Osten Deutschlands hat jetzt auch die Ost-SPD aufgeschreckt. In einer aktuellen Studie wird belegt, welche Fakten besonders auf die erreichbaren Ost-Rentenanwartschaften durchschlagen: hohe Langzeitarbeitslosigkeit und  verbreitete Minil&ouml;hne.<br>\nAb 2007 wird bei Bezug von ALG II pro Jahr ein Rentenanspruch von 2,19 Euro erworben. Zwar bestehe ein Anspruch auf die Grundsicherung von derzeit 627 Euro pro Monat, jedoch wird hiervon der Zahlbetrag privater Vorsorge-Versicherungen generell abgezogen. Damit besteht weder Chance noch Anreiz zur privaten Rentenzusatzversicherung f&uuml;r einen breiten Personenkreis mit prek&auml;rer Besch&auml;ftigung und Minil&ouml;hnen sowie f&uuml;r s&auml;mtliche Personen  mit  Langzeitarbeitslosigkeit. Hier greift also die vorgeplante Absenkung des SV-Rentenniveaus erbarmungslos durch und f&uuml;hrt regional zur unabwendbaren Verarmung und Verelendung.<\/p><p><strong>&hellip; absolute Priorit&auml;t in der Politik &hellip;<\/strong><\/p><p>Die Chancen f&uuml;r ein finanzierbares Sozialrentensystem auf der Einnahmeseite der SV-Rentenkassen politisch zu diskutieren und durchzusetzen wird von der allgegenw&auml;rtigen Lobby der privaten Versicherungstr&auml;ger bisher wirksam blockiert. Man muss wissen: Auch Prof. Raffelh&uuml;schen ist exponierter Lobbyist der Privaten Rentenversicherer und verdient sich ein gutes Zubrot auf diese Weise.<\/p><p>Auf Dauer wird sich aber ein Durchbruch zu einer Erh&ouml;hung der Regeleinnahmen der SV-Rentenkassen und\/oder zur h&ouml;heren steuerlichen Finanzierung des SV-Rentensystems nicht vermeiden lassen, denn eine zunehmende Verarmung von Rentnern mit Niedrigstrenten, die kaum dies Grundsicherung erreichen oder diese unterschreiten, w&uuml;rde sich zum politischen Desaster der parlamentarischen Demokratie gestalten.  <\/p><p>Wer jede h&ouml;here Mehrbelastung des Staates scheut, der sollte bedenken, dass es Ausgaben gibt, die im Interesse der Bev&ouml;lkerung unabwendbar sind. Die Verhinderung einer allgemeinen Verarmung der deutschen Rentner im internationalen Vergleich geh&ouml;rt zweifellos dazu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gesetzgeber hatte in der &Auml;ra Schr&ouml;der mit den Reformen 2001 und 2004 daf&uuml;r gesorgt, dass das k&uuml;nftige deutsche Rentenniveau nachhaltig um 18 % abgesenkt wird. Vorgeblich um &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; zu senken, die f&uuml;r die Unternehmensprofite st&ouml;rend wirkten, wurden so die k&uuml;nftigen Rentner angeblich &bdquo;generationengerecht&ldquo; um viele Milliarden Euro an den SV-Rentenbez&uuml;gen gemindert, ohne dass die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3153\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[25,158,39],"tags":[635,319,288,487,363,455],"class_list":["post-3153","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lohnnebenkosten","category-generationenkonflikt","category-rente","tag-altersarmut","tag-lohnentwicklung","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-produktivitaet","tag-raffelhueschen-bernd","tag-wirtschaftsweise"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3153","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3153"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3153\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58669,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3153\/revisions\/58669"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3153"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3153"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3153"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}