{"id":31571,"date":"2016-02-25T09:34:14","date_gmt":"2016-02-25T08:34:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31571"},"modified":"2018-12-27T12:33:35","modified_gmt":"2018-12-27T11:33:35","slug":"warum-sterben-rund-um-den-nsu-so-viele-potenzielle-zeugen-in-baden-wuerttemberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31571","title":{"rendered":"Warum sterben \u2013 rund um den NSU &#8211; so viele (potenzielle) Zeugen in Baden-W\u00fcrttemberg?"},"content":{"rendered":"<p>Zu den zehn Morden, die der neonazistischen Terrorgruppe NSU zugeschrieben werden, geh&ouml;rt auch der Mordanschlag auf Polizisten in Heilbronn 2007, bei dem Michele Kiesewetter get&ouml;tet, ihr Kollege schwer verletzt wurde. Es ist der einzige Mordanschlag, bei dem es sehr viele Zeugen gab, ungew&ouml;hnlich viele Spuren und zahlreiche brauchbare Phantombilder von m&ouml;glichen T&auml;tern. Obwohl nichts eine direkte Tatbeteiligung der beiden toten NSU-Mitglieder belegt, halten die Staatsanwaltschaft und das Gericht in M&uuml;nchen daran fest. Warum?<br>\nW&auml;hrenddessen sterben junge Menschen an merkw&uuml;rdigen Todesursachen. Allesamt Personen, die etwas anderes gesagt haben bzw. sagen k&ouml;nnten, als die bis heute aufrechterhaltene &bdquo;Zwei-T&auml;ter&ldquo;- Theorie. Von <strong>Wolf Wetzel<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31571#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_967\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-31571-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160225_Warum_sterben_NSU-Zeugen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160225_Warum_sterben_NSU-Zeugen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160225_Warum_sterben_NSU-Zeugen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160225_Warum_sterben_NSU-Zeugen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=31571-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160225_Warum_sterben_NSU-Zeugen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160225_Warum_sterben_NSU-Zeugen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Dass in Baden-W&uuml;rttemberg ganz junge Menschen auf ganz merkw&uuml;rdige Weise ums Leben kommen, kann reiner Zufall sein. Dass diese Menschen alle potentielle und tats&auml;chliche Zeugen im NSU-VS-Komplex waren bzw. gewesen w&auml;ren, ist alles, nur kein Zufall. Nun gibt es ein viertes Opfer, Sascha Winter, 31 Jahre aus Kraichtal. Seine Verlobte Melisa Marijanovic starb vor knapp einen Jahr, mit 20 Jahren. Laut Obduktionsbericht soll sich das so zugetragen haben: Melisa Marijanovic hatte einen kleinen Motocross-Unfall, bei dem sie sich das Knie geprellt hatte. Sie ging zum Arzt, zwei Mal wurde eine Thrombosevorsorge gemacht. Am 28. M&auml;rz 2015 findet sie ihr Freund, Sascha Winter, mit Kr&auml;mpfen in ihrer gemeinsamen Wohnung. Jede Hilfe kam zu sp&auml;t.<\/p><p>Knapp ein Jahr sp&auml;ter ist auch ihr Freund und Verlobter tot. Nach Polizeiangaben starb er am 8. Februar 2016. <em>Woran<\/em> er starb, <em>wer<\/em> ihn gefunden hat, dazu schweigen Polizei und Staatsanwaltschaft. Ein mehr als ungew&ouml;hnliches Verschweigen. Denn Sascha Winter soll laut Staatsanwaltschaft nichts im Dunklen gelassen haben, in Form eines elektronischen &bdquo;Abschiedsbriefes&ldquo;. Was zur &Uuml;berpr&uuml;fung der Echtheit zwingend notwendig w&auml;re, macht die Staatsanwaltschaft nicht: Sie benennt weder den Inhalt, noch die Adressaten, auch nicht den Zeitpunkt der Versendungen.<\/p><p>Man darf und muss annehmen, dass die Staatsanwaltschaft gelernt hat:  Als Florian Heilig am 16. September 2013 in seinem Auto qualvoll verbrannte, wollte diese alles gewusst haben und vor allem eines: das Ganze als privates, g&auml;nzlich unpolitisches Ereignis ad acta legen. Man behauptete einen Suizid, bevor die Obduktion beendet war und hatte ein Motiv, das au&szlig;er der Staatsanwaltschaft niemand kannte: Liebeskummer. Man wollte das verbrannte Auto sofort in die Schrottpresse geben &ndash; obwohl sich dort herausragende &bdquo;Beweismittel&ldquo; (Laptop, Handy, Camcorder, Schl&uuml;sselbund, Waffen) befanden, die zu sichern eine Selbstverst&auml;ndlichkeit sein m&uuml;sste, wenn man einen Geschehensverlauf auch nur ann&auml;hernd glaubw&uuml;rdig rekonstruieren will.<br>\nOb Florian Heilig in der Nacht zum 16. September 2013 telefonischen Kontakt zu seiner damaligen Freundin Melisa Marijanovic, welche Kontakte er bis zu seinem Tod noch hatte, wollte man nicht untersuchen.<\/p><p>So gut wie alles, was danach passierte, ist durch massive Manipulationen von Ermittlungen gekennzeichnet. Weder die Eltern, noch die Schwester wurden befragt. Nicht einmal seine Freundin, geschweige denn Melisa Marijanovic, von der sich Florian Heilig fast getrennt hatte. Auch hatte die Staatsanwaltschaft versucht, zu verschweigen, dass Florian Heilig ein brisanter Zeuge war, der bereits vor dem Auffliegen des NSU Aussagen zu dem Anschlag auf Polizisten in Heilbronn 2007 gemacht hatte &ndash; Aussagen, die in Widerspruch zu dem bis heute aufrechterhaltenen Ermittlungsergebnis stehen: Demnach waren mehr Personen in den Mordanschlag verwickelt als die &bdquo;Alleint&auml;ter&ldquo; Uwe Mundlos und Uwe B&ouml;hnhardt. Ob er seine Aussagen von Mitte 2011 h&auml;tte pr&auml;zisieren k&ouml;nnen, wei&szlig; man nicht. Er starb acht Stunden vor seiner Vernehmung.<\/p><p><strong>Der parlamentarische Untersuchungsausschuss als Waschstra&szlig;e<\/strong><\/p><p>Der Abschlussbericht des parlamentarischen Untersuchungsausschusses\/ PUA in Baden-W&uuml;rttemberg vom Januar 2016 kommt zu folgendem Ergebnis:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Was den Fall Florian H. angehe, halte es der Ausschuss f&uuml;r ausgeschlossen, dass dieser eigenes Wissen &uuml;ber das Tatgeschehen in Heilbronn gehabt habe. Es seien auch keine Belege f&uuml;r ein Fremdverschulden oder eine Fremdeinwirkung bez&uuml;glich des Feuertodes gefunden worden. Die Ermittlungsarbeit des Polizeipr&auml;sidiums Stuttgart bewerte der Ausschuss als grob mangelhaft, so Drexler.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wolfgang Drexler ist Vorsitzender des PUA und geh&ouml;rt der SPD an.  Mit den Gr&uuml;nen zusammen hatten sie lange einen PUA f&uuml;r &uuml;berfl&uuml;ssig erkl&auml;rt. Beide Parteien haben nun daf&uuml;r gesorgt, dass sie Recht behalten sollten. Wie stumpf das sch&auml;rfste Schwert des Parlaments blieb, fasst &bdquo;Die Welt&ldquo; erstaunlich offen zusammen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Herausgekommen ist (&hellip;) eine Abschlussbewertung, die &uuml;beraus gn&auml;dig und diplomatisch ausfiel, statt die Geheimdienste und die Polizei zu r&uuml;gen. Und unterm Strich empfiehlt der Ausschuss sogar, den Verfassungsschutz im Land zu st&auml;rken &ndash; genau jenen Dienst also, dessen Vers&auml;umnisse und intransparente Arbeit der Ausschuss eben erst aufgedeckt hatte.&ldquo; (welt.de vom 18.2.2016)\n<\/p><\/blockquote><p>Wie man trotz &bdquo;grob mangelhafter&ldquo; polizeilicher Ermittlungen zum selben Ergebnis kommen kann, erschlie&szlig;t sich mit Logik wohl kaum. Aber eine Personalie kann dabei weiterhelfen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;F&uuml;r das Kapitel im Abschlussbericht &uuml;ber &sbquo;M&ouml;gliche Fehler der Ermittlungsbeh&ouml;rden&rsquo; im Fall Kiesewetter soll die FDP zust&auml;ndig gewesen sein, die ihren Abgeordneten Ulrich Goll in den Untersuchungsausschuss entsandt hatte. Goll war jedoch zum Zeitpunkt des Mordes Justizminister &ndash; und damit politisch f&uuml;r die Staatsanwaltschaften zust&auml;ndig.&ldquo; (s.o.)\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Warum sterben f&uuml;nf (potentielle) Zeugen, wenn Florian Heilig ein Spinner war?<\/strong><\/p><p>Wer Zweifel an den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsergebnissen hat, stellt sich die Frage, warum es Menschen trifft, die allesamt im NSU-Komplex &bdquo;Heilbronn 2007&ldquo;  eine Rolle spielten, alle in erster und zweiter Linie mit dem zu tun hatten, was Florian Heilig wusste bzw. erz&auml;hlte, was ihn in den Tod getrieben hat.<br>\nGeht man vern&uuml;nftigerweise davon aus, dass die Motive f&uuml;r so fr&uuml;hes Sterben dort zu suchen sind, dann kommt man immer wieder zu dem, was Florian Heilig &ndash; im Widerspruch zu staatsanwaltschaftlichen Annahmen &ndash; gesagt hat. W&auml;re das alles blanker Unsinn, wie behauptet, m&uuml;ssten sich keine ZeugInnen f&uuml;rchten.<\/p><p>Tatsache ist, dass es keine einzige Zeugenaussage zum Mordfall Heilbronn gibt, die eine direkte T&auml;terschaft der beiden toten NSU-Mitglieder belegt. Es gibt keine einzige Spur am Tatort, die diese Behauptung st&uuml;tzen kann. Dass es hingegen andere\/weitere T&auml;ter gab, belegen zahlreiche Zeugenaussagen und zahlreiche Indizien. Die Phantombilder, die mithilfe von Zeugen erstellt wurden, &auml;hneln vielen, nur nicht den besagten NSU-Mitgliedern. Selbst die ermittelnden Polizisten sprachen von 4 &ndash; 6 T&auml;tern. Um herauszubekommen, ob die zahlreichen Zeugen sich get&auml;uscht hatten oder sich gut erinnern konnten, h&auml;tte man mit den Phantombildern fahnden k&ouml;nnen. Das unterband die Staatsanwaltschaft, was einen befragten Kriminalisten zu der Antwort brachte, dass ihm das in den vom ihm bearbeiteten 200 F&auml;llen noch nie passiert sei.<\/p><p>Wenn man alle Details dieser Ermittlungen zusammennimmt, dann kann  man sehr sicher nachzeichnen, dass nicht die eingestandenen Pannen das Problem sind, sondern das Au&szlig;erkraftsetzen g&auml;ngiger Ermittlungsmethoden. Denen zufolge ist nicht der Tatverlauf der wahrscheinlichste, der von den wenigsten Indizien abgedeckt ist, sondern der, der aufgrund zahlreicher Indizien die gr&ouml;&szlig;te Plausibilit&auml;t hat.<\/p><p>F&uuml;r das Au&szlig;erkraftsetzen g&auml;ngiger Ermittlungsmethoden gibt es durchaus ein Motiv:<br>\nWenn es in Heilbronn mehrere\/andere T&auml;ter gab, dann bricht einmal mehr die Zwei-T&auml;ter-Theorie, die Behauptung, der NSU &ndash; &bdquo;<em>ein Netzwerk von Kameraden<\/em>&ldquo;, so ihr Selbstverst&auml;ndnis &ndash; h&auml;tte aus exakt drei Mitgliedern bestanden, in sich zusammen. Damit w&auml;re auch die Gesamtkonstruktion der Anklage in M&uuml;nchen in Gefahr.<\/p><p>F&uuml;r diese fortdauernde &bdquo;<em>freiwillige Erkenntnisisolation<\/em>&ldquo; gibt es mehr als prozessuale Gr&uuml;nde. Gehen wir mit allen Zeugenaussagen davon aus, dass es mehr als zwei T&auml;ter gab, dann w&uuml;rde man diese doch finden wollen, wenn sie nur einen Polizistenmord aufkl&auml;ren w&uuml;rden. Dies nicht zu tun, ist nur aus einem Grund plausibel: Man w&uuml;rde gegebenenfalls auf T&auml;ter sto&szlig;en, die &uuml;ber die darin involvierten staatlichen Beh&ouml;rden mehr preisgeben k&ouml;nnten, als allen zusammen lieb ist.<br>\nDass im Fall Heilbronn geradezu l&uuml;ckenlos belegt ist, dass es um mehr als um einen NSU in Gestalt eines &bdquo;Trios&ldquo; geht, wissen alle dort Beteiligten. Es geht um eine rassistische Vereinigung namens Ku-Klux-Klan\/KKK, von der alle Beh&ouml;rden in Baden-W&uuml;rttemberg nichts gewusst haben wollen. Dazu geh&ouml;rt einiges, denn diese rassistische Vereinigung wurde von einem V-Mann des Landesamtes f&uuml;r Verfassungsschutz\/LfV in Baden-W&uuml;rttemberg gef&uuml;hrt: <em>Achim Schmid<\/em>. Ein V-Mann, dessen Existenz man beharrlich und lange zu leugnen versuchte. Es geht um Polizisten, die Kollegen zum KKK f&uuml;hrten wie zu einem Kegelclub, um einen Zugf&uuml;hrer, der nicht nur Vorgesetzter der ermordeten Mich&egrave;le Kiesewetter war, sondern auch Mitglied in besagter Rassenkrieg-Vereinigung.<br>\nEs ist zu bef&uuml;rchten, dass die vielen nicht verfolgten Spuren, die den Mordanschlag aufkl&auml;ren k&ouml;nnten, auch den Tod so vieler Zeugen erkl&auml;ren.<\/p><p>Nach dem Kasseler NSU-Mord an Halit Yozgat 2006 haben sich vor allem migrantische Gruppen hinter einem Transparent versammelt, auf dem &ldquo;<em>Kein zehnter Mord!<\/em>&rdquo; stand. Sie blieben weitgehend unter sich. Die Linke wollten damals weder einen rassistischen Hintergrund dieser Tat erkennen, noch einen politischen Zusammenhang zu den davor ver&uuml;bten Morden. Die Polizeiversion von den &bdquo;D&ouml;nermorden&ldquo; zeigte nicht nur in den Medien ihre beabsichtigte Wirkung.<br>\n&#8232;<br>\nAnhang\/Erg&auml;nzung:<\/p><p><strong>Chronologie der t&ouml;dlichen Ereignisse<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im Angebot als Todesursachen sind (&hellip;) zwei Suizide, einer aus Liebeskummer, einer einfach nur so, au&szlig;erdem die Lungenembolie einer 20-J&auml;hrigen und der &ldquo;unerkannte Diabetes&rdquo; eines V-Mannes im mittleren Lebensalter. Der starb, so die offizielle Version, aus heiterem Himmel am Zuckerschock.<\/p>\n<p>Es z&auml;hlt zu den gr&ouml;&szlig;ten Peinlichkeiten und Niederlagen deutscher Ermittler nach dem Krieg, dass die NSU-Zelle ein Jahrzehnt lang unerkannt morden konnte. Trotz dieser Schmach sind ebendiese Ermittler nun &uuml;berraschend willig bereit, sehr schnell vom &ldquo;nat&uuml;rlichen&rdquo; oder selbst gewollten Tod potenzieller Zeugen zu sprechen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(Hannelore Crolly, Reporterin der Welt-Gruppe, 22.2.2016)<\/p><p><strong>25. Januar 2009<\/strong><br>\n<em><strong>Arthur Christ<\/strong><\/em>  wurde am 25. Januar 2009 auf einem Waldparkplatz n&ouml;rdlich von Heilbronn gefunden &ndash; verbrannt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der 18-J&auml;hrige&nbsp;hatte am&nbsp;25.&nbsp;Januar&nbsp;2009,&nbsp;kurz&nbsp;nach&nbsp;1&nbsp;Uhr,&nbsp;einen&nbsp;Freund&nbsp;abgesetzt&nbsp;und wollte&nbsp;ein&nbsp;Feuerwehrfest&nbsp;in&nbsp;Eberstadt&nbsp;besuchen.&nbsp;Gegen&nbsp;zwei&nbsp;Uhr entdeckten&nbsp;Autofahrer&nbsp;den&nbsp;brennenden&nbsp;Wagen&nbsp;auf&nbsp;einem&nbsp;Waldparkplatz.<\/p>\n<p>C.&nbsp;verbrannte.&nbsp;Im&nbsp;Wrack&nbsp;fanden&nbsp;Ermittler&nbsp;Spuren&nbsp;eines Benzin-Diesel-Gemisches.&nbsp;Ungekl&auml;rt&nbsp;ist,&nbsp;ob&nbsp;es&nbsp;Suizid&nbsp;oder&nbsp;Mord&nbsp;war. Arthur&nbsp;C.&nbsp;hatte&nbsp;wie&nbsp;Florian&nbsp;H.&nbsp;keinen&nbsp;Abschiedsbrief&nbsp;hinterlassen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(S&uuml;dwest&nbsp;Presse\/Haller&nbsp;Tagblatt&nbsp;12.2.2015)<\/p><p>Was als r&auml;tselhaftes pers&ouml;nliches Drama geschildert wurde, hat einen politischen Hintergrund:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Name Arthur Christ taucht in den Ermittlungsakten der Sonderkommission Parkplatz zum Heilbronner Polizistenmord auf. Er soll eine &Auml;hnlichkeit mit einem der Phantombilder haben. Und er befindet sich u.a. auf einer Liste von etwa 20 Personen in den Ermittlungsakten. Was es mit diesen Personen auf sich hat, ist unklar.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(Thomas Moser, N&auml;chster Todesfall im NSU-Komplex, telepolis vom 15.2.2016)<\/p><p><strong>16. September 2013<\/strong><br>\nDer ehemalige Neonazi und Zeuge <em><strong>Florian Heilig<\/strong><\/em> starb am 16. September 2013 &ndash; auf dem Weg, seine im Jahr 2011 gemachten Aussagen zum NSU, zur NeoSchutzStaffel\/NSS und zum Mordanschlag in Heilbronn 2007 zu wiederholen bzw. pr&auml;zisieren. Angeblich soll er sich am Morgen des 16. September in seinem Auto selbst verbrannt haben. Zwischen der Bereitschaft, diese Aussagen zu machen und dem Liebeskummer, der seinen Selbstmord erkl&auml;ren soll, lagen genau acht Stunden. Exakt acht Stunden brauchte auch die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Stuttgart, um sich auf die Todesursache festzulegen: Suizid. Noch w&auml;hrend der Obduktion, ohne die Ermittlungen abzuwarten. Das behauptete Motiv stellte sich als frei erfunden heraus, die Selbstmordabsichten bestritten sowohl seine FreundInnen, als auch seine Schwester und seine Eltern.<\/p><p><strong>7. April 2014<\/strong><\/p><p><em><strong>Thomas Richter<\/strong><\/em>, besser bekannt unter seinem Decknamen <em><strong>&rsaquo;Corelli&lsaquo;<\/strong><\/em> sollte im April 2014 als Zeuge im NSU-Prozess in M&uuml;nchen geh&ouml;rt werden. Dazu kam es nicht. Laut Polizeiangaben wurde er am 7. April tot in seiner Wohnung nahe Bielefeld gefunden. <em>&rsaquo;Corelli&lsaquo;<\/em> starb an einer &auml;u&szlig;erst seltenen Krankheit &ndash; wenn man dem Obduktionsbericht noch Glauben schenken will: <em>&raquo;an einer nicht erkannten Zuckererkrankung&laquo;<\/em>. &#8232;Auf jeden Fall starb er rechtzeitig, denn er h&auml;tte mit seinem Wissen die komplette Anklageschrift f&uuml;r den Prozess in M&uuml;nchen zerlegen k&ouml;nnen:&#8232; Thomas Richter war einflussreicher Neonaziaktivist aus Sachsen-Anhalt. Unter dem Decknamen <em>&rsaquo;Corelli&lsaquo;<\/em> lieferte er &ndash; nach offiziellen Angaben &ndash; von 1997 bis 2007 dem Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz Informationen, unter anderem aus einem deutschen Ableger des rassistischen Ku-Klux-Klans. &raquo;Thomas R. engagierte sich (&hellip;) bei dem rechten Fanzine <em>&rsaquo;Der Wei&szlig;e Wolf&lsaquo;<\/em> in dessen Ausgabe Nummer 18 im Jahr 2002 ein interessantes Vorwort erschienen ist. Fett gedruckt, ohne n&auml;here Erl&auml;uterung, hei&szlig;t es da:<\/p><blockquote><p>\n&rsaquo;Vielen Dank an den NSU, es hat Fr&uuml;chte getragen. Der Kampf geht weiter &hellip;&lsaquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>(Spiegel-online vom 18.9.2012)<\/p><p>Dass ein V-Mann als Verbindungsglied zwischen der neonazistischen Kameradschaft THS, dem KKK-Ableger in Baden-W&uuml;rttemberg und dem NSU im Untergrund agierte, h&auml;tte die bis heute aufrechterhalte Legende zerst&ouml;ren k&ouml;nnen, staatliche Beh&ouml;rden h&auml;tten dreizehn Jahre nichts gewusst.<\/p><p><strong>28. M&auml;rz 2015<\/strong><\/p><p>Am 28. M&auml;rz 2015 wurde <em><strong>Melisa Marijanovic<\/strong><\/em>, &raquo;eine 20-j&auml;hrige Zeugin im Prozess um den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) tot in ihrer Wohnung aufgefunden.&laquo; Laut Polizeiangaben wurde sie von ihrem Verlobten, Sascha Winter, mit Krampfanf&auml;llen in der Wohnung gefunden. Die herbeigerufenen &Auml;rzte konnten ihr Leben nicht retten. Einem Obduktionsbericht zufolge sei sie an einer Lungenembolie gestorben.<\/p><p>Zwei Wochen zuvor, am 13. M&auml;rz 2015, wurde sie als Zeugin im PUA in Baden-W&uuml;rttemberg geh&ouml;rt. Sie war kurze Zeit mit Florian Heilig liiert. Fest steht, dass sie der Selbstmordthese widersprochen und dass sie sich bedroht gef&uuml;hlt hatte.<\/p><p>Was sie in der nicht-&ouml;ffentlichen Sitzung des PUA (nicht) gesagt hat, ist unklar, denn es existiert kein (ver&ouml;ffentlichtes) Wortprotokoll von ihren Aussagen. Im Abschlussbericht des PUA steht, dass Melisa Marijanovic &uuml;ber Florian Heilig weder etwas vom NSU erfahren habe, noch wer nach dessen Angaben in dem Mordanschlag auf Polizisten in Heilbronn 2007 verwickelt war.<\/p><p><strong>8. Februar 2016<\/strong><\/p><p><em><strong>Sascha Winter<\/strong><\/em>, Verlobter der verstorbenen Zeugin Melisa Marijanovic wird laut Polizeiangaben mittags tot in seiner Wohnung gefunden. Nach Auskunft von Beh&ouml;rdensprecher Tobias Wagner habe man &ldquo;<em>bislang keine Anhaltspunkte f&uuml;r Fremdverschulden<\/em>&rdquo; gefunden. Man gehe von einem Suizid aus. Man habe einen &bdquo;Abschiedsbrief&ldquo; von ihm gefunden, den er elektronisch verfasst und verschickt haben soll. Bis heute weigert sich die Staatsanwaltschaft Auskunft dar&uuml;ber zu geben, <em>wer<\/em> Sascha Winter gefunden hat, <em>woran<\/em> er gestorben ist, <em>wer<\/em> den &bdquo;Abschiedsbrief&ldquo; bekommen haben, was in diesem elektronisch verfassten Abschiedsbrief stehen soll.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Wolf Wetzel: <em>Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund &ndash; wo h&ouml;rt der Staat auf?<\/em>  3. Auflage, Unrast Verlag 2015<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu den zehn Morden, die der neonazistischen Terrorgruppe NSU zugeschrieben werden, geh&ouml;rt auch der Mordanschlag auf Polizisten in Heilbronn 2007, bei dem Michele Kiesewetter get&ouml;tet, ihr Kollege schwer verletzt wurde. Es ist der einzige Mordanschlag, bei dem es sehr viele Zeugen gab, ungew&ouml;hnlich viele Spuren und zahlreiche brauchbare Phantombilder von m&ouml;glichen T&auml;tern. 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