{"id":31575,"date":"2016-02-25T11:20:37","date_gmt":"2016-02-25T10:20:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31575"},"modified":"2019-07-30T15:26:06","modified_gmt":"2019-07-30T13:26:06","slug":"die-gefahr-dass-privatinvestoren-zugang-zur-oeffentlicher-infrastruktur-bekommen-und-von-nutzungsgebuehren-und-steuereinnahmen-profitieren-ist-gewachsen-widerstand-ist-geboten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31575","title":{"rendered":"Die Gefahr, dass Privatinvestoren Zugang zu \u00f6ffentlicher Infrastruktur bekommen und von Nutzungsgeb\u00fchren und Steuereinnahmen profitieren, ist gewachsen. Widerstand ist geboten."},"content":{"rendered":"<p>Mit einem Beschluss der L&auml;nderverkehrsminister vom 23.2.2016 ist der Bund seinem Ziel, Privatkapital in &ouml;ffentlichen Infrastrukturen vereinfachte Anlagem&ouml;glichkeiten zu verschaffen, ein St&uuml;ck n&auml;her ger&uuml;ckt. So sieht es Carl Wa&szlig;muth von der Initiative &bdquo;Gemeingut in B&uuml;rgerInnenhand&ldquo;. Er hat f&uuml;r die NachDenkSeiten die Lage analysiert. Siehe unten. Au&szlig;erdem <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/160225-entwurf_protokoll-sonder-vmk.pdf\">dokumentieren wir das Protokoll<\/a> der Verkehrsministerkonferenz vom 23. Februar. Wir weisen zudem gerne auf eine Unterschriftenaktion hin, die der Verein &bdquo;Gemeingut&ldquo; initiiert hat. Wenn Sie die Unterst&uuml;tzung sachlich vertreten k&ouml;nnen, dann <a href=\"http:\/\/www.gemeingut.org\/bfg-verhindern\">werben Sie bitte daf&uuml;r<\/a>. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIch m&ouml;chte noch anmerken, dass hinter der Initiative auch jene stehen, die in Berlin erfolgreich gegen die Privatisierung der Wasserversorgung vorgegangen sind. Und noch ein Hinweis: der im Beitrag von Carl Wa&szlig;muth beschriebene Wahnsinn ist ein Kollateralschaden der Schwarzen Null von Herrn Sch&auml;uble. Man muss immer im Hinterkopf behalten, dass die so genannte Sparpolitik auch betrieben wird, um Privatpersonen und im besonderen privaten Finanziers neue Gesch&auml;ftsfelder zu er&ouml;ffnen, bei der Altersvorsorge wie bei der Verkehrsinfrastruktur.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160225-Wassmuth.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><strong>Privatinvestoren f&uuml;r &ouml;ffentliche Infrastrukturen<\/strong><\/p><p>Von Carl Wa&szlig;muth, 25.02.2016<\/p><p>Vor zwei Tagen hat die Verkehrsministerkonferenz der L&auml;nder einstimmig eine &bdquo;Bundesfernstra&szlig;engesellschaft&ldquo; des Bundes abgelehnt. Dass der Beschluss einstimmig erfolgte, bedeutet, dass selbst die von der Linken angef&uuml;hrte Koalition in Th&uuml;ringen den Beschluss mittr&auml;gt. Die Einigung wurde von der th&uuml;ringischen Verkehrsministerin Birgit Keller von der Linken unter der &Uuml;berschrift beworben &bdquo;Keine Privatisierung der Infrastruktur&ldquo;. Ist die Privatisierung im Bereich der Autobahnen damit tats&auml;chlich abgewendet? Nachfolgend werden der Beschluss der Verkehrsministerkonferenz, der zugeh&ouml;rige Bericht der eingesetzten Kommission sowie einige flankierende und 2015 bereits beschlossene Gesetze ausgewertet. Einige Angaben beruhen dabei auf einer neu erschienenen Studie: &bdquo;Aktuelle Entwicklungen bei der Privatisierung der Daseinsvorsorge in Deutschland mit besonderem Fokus auf Bundesfernstra&szlig;en&ldquo; (Katja Thiele\/Carl Wa&szlig;muth, Februar 2016, <a href=\"http:\/\/www.gemeingut.org\/privatisierungsstudie\">Studie<\/a> im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di). Es zeigt sich, dass der Bund sukzessive seinem Ziel n&auml;her kommt, Privatinvestoren den Weg in &ouml;ffentliche Infrastrukturen zu bereiten.<\/p><p><strong>Der Beschluss der Verkehrsministerkonferenz<\/strong><\/p><p>Beschlossen wurde insbesondere die Zustimmung zum Abschlussbericht der eingesetzten Fachkommission (auch &bdquo;Bodewig-II-Kommission&ldquo;):<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Verkehrsministerkonferenz nimmt den Bericht der Kommission &ldquo;Bau und Unterhaltung des Verkehrsnetzes&rdquo; zustimmend zur Kenntnis.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Der Abschlussbericht dieser Kommission umfasst 95 Seiten, die Zustimmung bezieht sich somit auf ziemlich viel. Auf was genau, wird weiter unten noch gezeigt. Neben der zustimmenden Kenntnisnahme hat die Verkehrsministerkonferenz jedoch auch noch einzelne Punkte besonders hervorgehoben. Ein wichtiger davon lautet:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Die Verkehrsministerkonferenz empfiehlt, eine zentrale, prim&auml;r auf Nutzerfinanzierung und Haushaltsmittel gerichtete Finanzierungsstruktur zu entwickeln, die alle Bereiche der Verkehrsinfrastruktur im regelgerechten Zustand refinanzieren kann.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Einschr&auml;nkung &ldquo;prim&auml;r&rdquo; bedeutet, dass &bdquo;sekund&auml;r&ldquo; auch m&ouml;glich ist. Sekund&auml;r kann somit eine auf Privatinvestoren ausgerichtete Finanzierungsstruktur entwickelt werden. Vom Umfang her w&auml;ren bis zu 49,9 % des Volumens auch noch &bdquo;sekund&auml;r&ldquo; &ndash; so hoch waren die Anteile der Privatinvestoren an den teilprivatisierten Berliner Wasserbetrieben, einer Anstalt &ouml;ffentlichen Rechts. Auch dass die Verkehrsinfrastruktur insgesamt angesprochen wird, k&ouml;nnte beunruhigen: Offensichtlich geht es um mehr als um die zuletzt zur Debatte stehenden Fernstra&szlig;en. Der Beschluss gestattet somit die Teilprivatisierung von Bau, Sanierung, Erhalt und Betrieb nicht nur eines gro&szlig;en Teils der Fernstra&szlig;en, sondern aller &ouml;ffentlichen Verkehrsinfrastrukturen.<\/p><p><strong>Einbezug von privatem Kapital in der Bodewig-II-Kommission<\/strong><\/p><p>Die Verkehrsminister der L&auml;nder hatten die Bodewig-II-Kommission als Reaktion auf die Forderungen des Fratzscher-Berichts eingerichtet. Fragestellungen zur Einbindung von privatem Kapital wurden in der Bodewig-II-Kommission zwar nur am Rande behandelt. Die Einbindung von privatem Kapital[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] wird als Option jedoch explizit nicht ausgeschlossen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Zur Gewinnung privater Investitionen bedarf es einer Rendite. Damit erh&ouml;hen sich zwangsl&auml;ufig die Finanzierungskosten f&uuml;r die Bereitstellung der hier&uuml;ber bereitgestellten Infrastruktur. Privates Kapital kann letztendlich nur in Einzelprojekten bzw. &uuml;ber Konzessionsmodelle Eingang in die Gesamtfinanzierung finden.&ldquo; (Bodewig-Abschlussbericht 2016)\n<\/p><\/blockquote><p>Allerdings wird die Einbindung von privatem Kapital durch sprachliche Wendungen (&bdquo;letztendlich nur&ldquo; &ndash; &bdquo;nur in Einzelprojekten bzw. &uuml;ber Konzessionsmodelle&ldquo; &ndash; &bdquo;nur auf Einzelprojekt- bzw. Konzessionsbasis ein beschr&auml;nkter Beitrag&ldquo;) als begrenzt beschrieben. Eine objektive (und somit sp&auml;ter &uuml;berpr&uuml;fbare) Grenzsetzung findet allerdings nicht statt.<\/p><p>Es k&ouml;nnte gem&auml;&szlig; der vorgeschlagenen Modelle der Bodewig-II-Kommission einer entsprechenden Gesellschaft die Kreditf&auml;higkeit gestattet werden. Vor allem k&ouml;nnte ihr die M&ouml;glichkeit einger&auml;umt werden, Kapitalanlegern &Ouml;PP-Vertr&auml;ge anzubieten. Die Renditeerwartungen der Kapitalanleger werden f&uuml;r Eigenkapital mit 5 bis 15 Prozent beziffert, f&uuml;r Fremdkapital mit 2 bis 7 Prozent. Das sind zum einen erhebliche Spannen, zum anderen w&uuml;rden auch die Untergrenzen schon eine erhebliche Verteuerung der Finanzierungskosten f&uuml;r die &ouml;ffentliche Hand bedeuten. Es ist in Frage zu stellen, ob vor diesem Hintergrund die folgende Angabe zur m&ouml;glichen Renditeherkunft beruhigen kann:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Dabei kann die Rendite f&uuml;r die privaten Kapitalgeber &uuml;ber Einsparungen oder &uuml;ber Aussch&uuml;ttungen (Mauteinnahmen, Aussch&uuml;ttungen) realisiert werden.&ldquo; (ebd.)\n<\/p><\/blockquote><p>Die Positionen zur Einbindung von privatem Kapital wirken eigenartig abgekoppelt von den anderen Aussagen im Bericht. Die Notwendigkeit der Einbindung von privatem Kapital wird nicht schl&uuml;ssig begr&uuml;ndet und auch nicht die Erfordernis einer spezialisierten, zentralen Finanzierungsgesellschaft. Wer &Ouml;PP kritisch sieht, k&ouml;nnte auch dadurch beunruhigt werden, dass im Bodewig-Abschlussbericht das schnellere Bauen in den Vordergrund gestellt wird. Die schnellere Fertigstellung ist eines der Hauptargumente des Verkehrsministeriums f&uuml;r &Ouml;PP. Da ist der Weg kurz zu der Folgerung, dass k&uuml;nftig in den L&auml;ndern belohnt wird, wer &Ouml;PP einsetzt.<\/p><p><strong>Forderungen der Fratzscher-Kommission, der Bauindustrie und der Versicherungen erf&uuml;llt<\/strong><\/p><p>Die Verkehrsminister der L&auml;nder erf&uuml;llen mit der Bodewig-II-Kommission den Vorschlag der Fratzscher-Kommission, privatem Kapital (zentralisierten und strukturierten) Zugang zu &ouml;ffentlichen Infrastrukturen zu verschaffen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;[Es] m&uuml;sste ein Mechanismus gefunden werden, um die [&hellip;] Risiken mindestens teilweise auf private Investoren zu &uuml;bertragen. Daf&uuml;r k&auml;men [&hellip;] in Frage: Koinvestitionen auf Projektebene mit Infrastrukturfonds oder anderen institutionellen Investoren, die ihrerseits Kapitalsammelstellen sind und auf diese Weise Risiko geb&uuml;ndelt weitergeben.&ldquo;( Fratzscher-Kommission 2015)\n<\/p><\/blockquote><p>Das Modell deckt sich auch mit den Forderungen von Bauindustrie und Versicherungswirtschaft:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Eine solche Gesellschaft b&ouml;te [&hellip;] auf Projektebene viele M&ouml;glichkeiten, privates Kapital zu beteiligen. &lt;&lt;&Ouml;ffentlich-private Partnerschaften haben sich bew&auml;hrt. Alle bisherigen Projekte waren im Kosten- und Zeitrahmen, Mehrkosten gab es nicht&gt;&gt;, betont Knipper. Investoren k&ouml;nnten mit der &Uuml;bernahme von Projektrisiken h&ouml;here Renditen erzielen als etwa mit Bundesanleihen. Im Gegenzug werde der Staat von Risiken entlastet. &lt;<bei gilt rendite gegen die von risiken. das ist ein fairer deal>&gt;, so Knipper&ldquo; (Hauptverband der Deutschen Bauindustrie 2015)\n<\/bei><\/p><\/blockquote><p>Eine &bdquo;Kapitalsammelstelle&ldquo; oder eine vergleichbare zentrale Einrichtung kann der Bund ohne explizite Zustimmung der L&auml;nder einrichten, es sind auch keine Grundgesetz&auml;nderungen mehr erforderlich. Der Vorteil f&uuml;r die L&auml;nder dabei ist: Sie k&ouml;nnen damit werben, dass die Auftragsverwaltungen erhalten bleiben und sogar ausgebaut werden. Die langfristigen Folgen des Einbezugs von privatem Kapital bleiben ausgeblendet. <\/p><p><strong>&Auml;nderung der Anlageverordnung<\/strong><\/p><p>Das Bundeskabinett hatte bereits im Februar 2015 beschlossen, die Anlagevorschriften f&uuml;r Versicherungen aufzuweichen. Damit wollen sie den als Kapitalgeber anvisierten Versicherungskonzernen und privaten Pensionsfonds entgegenkommen &ndash; diese sollen einfacher in Infrastrukturprojekte investieren k&ouml;nnen. Insbesondere dank einer Einschr&auml;nkung des Konzernverbots k&ouml;nnen Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds dann st&auml;rker in Infrastrukturprojekte investieren, auch die Kreditvergabe an Infrastrukturprojekte soll erleichtert werden.<\/p><p><strong>Von der Steuerfinanzierung zur Nutzerfinanzierung<\/strong><\/p><p>Die Pkw-Maut wird durch zwei Gesetze gebildet, die getrennt beraten und verabschiedet wurden, die aber ganz offensichtlich zusammen geh&ouml;ren. Mit dem &raquo;Gesetz zur Einf&uuml;hrung einer Infrastrukturabgabe f&uuml;r die Benutzung von Bundesfernstra&szlig;en&laquo; wurde ein grundlegender Strukturwandel in der Finanzierung eingef&uuml;hrt. Ziel ist der &Uuml;bergang zur nutzerbasierten Infrastrukturfinanzierung im Bereich der Bundesfernstra&szlig;en. Das &raquo;Zweite Verkehrsteuer&auml;nderungsgesetz (VerkehrSt&Auml;ndG 2)&laquo;sollte die Kompensation f&uuml;r die deutschen Autofahrer bilden, denen versprochen wurde, dass sie nicht zus&auml;tzlich belastet werden. Dieses Gesetz wird von der EU gepr&uuml;ft, in der Folge wurde die geplante Einf&uuml;hrung verschoben. Es ist denkbar, dass die Kompensation seitens der EU beanstandet wird. Der Strukturwechsel zur Nutzerfinanzierung wird m&ouml;glicherweise bleiben.<\/p><p>Der &Uuml;bergang von der Steuerfinanzierung zur Nutzerfinanzierung ist wie bei der Lkw-Maut ein Einfalltor f&uuml;r &Ouml;PP-Projekte und Privatisierungsvorhaben. Die in der Begr&uuml;ndung f&uuml;r den Gesetzentwurf als Ziel angef&uuml;hrte &raquo;gr&ouml;&szlig;ere Unabh&auml;ngigkeit vom Bundeshaushalt&laquo; erm&ouml;glicht dabei eine Abkopplung dieser &Ouml;PP-Projekte von Entscheidungen des Parlaments. Mit den Mitteln aus der Infrastrukturabgabe ist m&ouml;glicherweise vorgesehen, langfristige Vertr&auml;ge mit privaten Kapitalgebern und privaten Betreibern einzugehen. <\/p><p><strong>Kommunenfonds im Nachtragshaushalt 2015<\/strong><\/p><p>Im Nachtragshaushalt 2015 wurde ein Kommunenfonds eingerichtet. Seitens Bauindustrie und Versicherungswirtschaft war das Interesse am Kommunenfonds gro&szlig; &ndash; auch wegen der M&ouml;glichkeiten f&uuml;r eine private Beteiligung. Am 6.10.2015 positionierten sich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) in einer gemeinsamen Pressemitteilung:<\/p><blockquote><p>\n&raquo;Der von der [Fratzscher-]Expertengruppe f&uuml;r die kommunale Ebene angeregte &ouml;ffentliche Infrastrukturfonds kann aus Sicht von GDV und HDB auch ein geeignetes Instrument sein, um privates Kapital zu mobilisieren. Der Fonds soll bei Investoren Geld einsammeln und in mehrere Projekte investieren. ,Damit bek&auml;men auch kleinere institutionelle Anleger die Chance, sich an der Infrastrukturfinanzierung zu beteiligen&lsquo;, sagt von F&uuml;rstenwerth. Es d&uuml;rften jedoch nur wirtschaftlich nachhaltige Projekte finanziert werden&laquo; (Hauptverband der Deutschen Bauindustrie 2015d).\n<\/p><\/blockquote><p>Die &Ouml;PP Deutschland AG weist daraufhin, das &Ouml;PP im Rahmen des neuen Fonds m&ouml;glich sind:<\/p><blockquote><p>\n&raquo;Gleichzeitig sind die Wachstumserwartungen f&uuml;r die zweite Jahresh&auml;lfte 2015 und dar&uuml;ber hinaus hoch, da der Bund zahlreiche Initiativen verabschiedet hat, um die Investition in den Ausbau und den Erhalt der Infrastruktur zu erh&ouml;hen. Um die Investitionen auf kommunaler Ebene zu st&auml;rken und die Belastungen finanzschwacher Kommunen zu verringern, hat der Bundestag im M&auml;rz 2015 ein umfangreiches F&ouml;rdergesetz beschlossen. Kernpunkte sind ein neuer Kommunalinvestitionsf&ouml;rderungsfonds, der mit 3,5 Milliarden Euro ausgestattet wird und die kommunale Investitionst&auml;tigkeit in den Jahren 2015 bis 2018 ansto&szlig;en soll. Diese Mittel k&ouml;nnen ausdr&uuml;cklich auch f&uuml;r &Ouml;PP-Vorhaben im Rahmen einer Vorabfinanzierungs-&Ouml;PP, hier bis zum Jahr 2019, genutzt werden&laquo; (&Ouml;PP Deutschland AG 2015).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Mehr Verf&uuml;gungsgewalt und Geld f&uuml;r die Verkehrsinfrastrukturfianzierungsgesellschaft (VIFG)<\/strong><\/p><p>Das neue VIFG-Gesetz sieht vor, dass ab 2016 die Gelder f&uuml;r die Mittelverantwortung f&uuml;r wesentliche Anteile an der ehemaligen Mineral&ouml;lsteuer, jetzt Energiesteuer, an die Verkehrsinfrastrukturfinanzierungsgesellschaft (VIFG) gehen. Demnach verteilt die Gesellschaft dann alle im Bundeshaushalt veranschlagten Mittel f&uuml;r Neubau, Ausbau, Erhaltung, Betrieb und Unterhaltung der in der Baulast des Bundes stehenden Bundesfernstra&szlig;en. Dazu kann das Bundesministerium f&uuml;r Verkehr der VIFG die Befugnis &uuml;bertragen, Anordnungen zur Annahme oder Leistung von Zahlungen zu erteilen, die von den Bundeskassen ausgef&uuml;hrt werden, und<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;zur Erf&uuml;llung der Aufgaben au&szlig;erdem die Wahrnehmung des Zahlungsverkehrs als der f&uuml;r Zahlungen zust&auml;ndigen Stelle &uuml;bertragen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Vor dem Hintergrund der generell &Ouml;PP bef&uuml;rwortenden Position der Bundesregierung ist anzunehmen, dass mit der VIFG-Gesetzes&auml;nderung eine institutionelle St&auml;rkung von &Ouml;PP erfolgt ist.<\/p><p><strong>Lockerung des Vergaberechts f&uuml;r sogenannte &ouml;ffentlich-&ouml;ffentliche Partnerschaften (&Ouml;&Ouml;P)<\/strong><\/p><p>Neben der Kooperation zwischen der &ouml;ffentlichen Hand und privat wirtschaftenden Unternehmen gibt es auch Kooperationsformen der interkommunalen Zusammenarbeit. Diese auch &ouml;ffentlich-&ouml;ffentliche Partnerschaften (&Ouml;&Ouml;P) genannten Kooperationsformen unterscheiden sich jedoch unter Umst&auml;nden nicht wesentlich von klassischen &Ouml;PPs, verschleiern aber durch die Namensgebung ihren Privatisierungszusammenhang.<\/p><p>Dass vergaberechtliche Regeln f&uuml;r Investoren als Investitionshemmnis angesehen werden k&ouml;nnen, haben die Debatten um die Handelsabkommen TTIP, CETA und TISA gezeigt. Insofern scheint es schl&uuml;ssig, dass die Regierung, wenn sie bestimmte Investitionen f&ouml;rdern will, bestimmte vergaberechtliche Restriktionen lockert.<\/p><p><strong>Der Bund bekommt, was er von Anfang an wollte<\/strong><\/p><p>Das von der Fratzscher-Kommission vorgeschlagene Projekt Bundesfernstra&szlig;engesellschaft wurde zeitlich bereits deutlich vor der Vorstellung des Fratzscher-Berichts durch Regierungshandeln vorbereitet und wird weiterhin in flankierenden Gesetzen begleitet. Mit der Bundesfernstra&szlig;engesellschaft wird seitens der Bundesregierung weit mehr als eine Verwaltungsreform angestrebt. Das Vorhaben ist vielmehr eingebettet in eine Reihe von Gesetzen und Gesetzentw&uuml;rfen, die das eigentliche Ziel st&uuml;tzen sollen, privatem Kapital den Zugang zu &ouml;ffentlichen Infrastrukturen und den daran gekoppelten Steuer- und Geb&uuml;hrengeldern zu verschaffen. Das belegen auch die 2015 im Zusammenhang mit einer geplanten Infrastrukturprivatisierung beschlossene Gesetze. Mit dem Beschluss der Verkehrsminister vom 23.2.2016 ist der Bund seinem Ziel, Privatkapital in &ouml;ffentlichen Infrastrukturen vereinfachte Anlagem&ouml;glichkeiten zu verschaffen, ein St&uuml;ck n&auml;her ger&uuml;ckt.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Der Begriff Einbezug von privatem Kapital (in &ouml;ffentliche Infrastrukturen \/ in die &ouml;ffentliche Daseinsvorsorge) wird h&auml;ufig f&uuml;r den Vorgang verwendet, wenn private Kapitalanleger jenseits von Staatsanleihen Kredite f&uuml;r &ouml;ffentliche Infrastrukturen bereitstellen. Es spricht jedoch einiges daf&uuml;r, dass (auch) der umgekehrte Zusammenhang zutreffend ist: Durch &ouml;ffentlich-private Partnerschaften werden zum Beispiel fraglos &ouml;ffentliche Infrastrukturen in die Interessen privaten Kapitals einbezogen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem Beschluss der L&auml;nderverkehrsminister vom 23.2.2016 ist der Bund seinem Ziel, Privatkapital in &ouml;ffentlichen Infrastrukturen vereinfachte Anlagem&ouml;glichkeiten zu verschaffen, ein St&uuml;ck n&auml;her ger&uuml;ckt. So sieht es Carl Wa&szlig;muth von der Initiative &bdquo;Gemeingut in B&uuml;rgerInnenhand&ldquo;. Er hat f&uuml;r die NachDenkSeiten die Lage analysiert. Siehe unten. Au&szlig;erdem <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/160225-entwurf_protokoll-sonder-vmk.pdf\">dokumentieren wir das Protokoll<\/a> der Verkehrsministerkonferenz vom 23.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31575\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,135,144,73],"tags":[423,1845,1435,1302,1494,1576,440,613,221],"class_list":["post-31575","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-finanzpolitik","category-private-public-partnership","category-verkehrspolitik","tag-austeritaetspolitik","tag-bauwirtschaft","tag-buergerinitiative","tag-daseinsvorsorge","tag-infrastruktur","tag-maut","tag-schaeuble-wolfgang","tag-strassenbau","tag-versicherungswirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31575","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=31575"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31575\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53841,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31575\/revisions\/53841"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=31575"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=31575"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=31575"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}