{"id":31649,"date":"2016-02-29T10:40:14","date_gmt":"2016-02-29T09:40:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31649"},"modified":"2018-03-24T11:05:23","modified_gmt":"2018-03-24T10:05:23","slug":"lesermail-zu-getrennt-marschieren-vereint-schlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31649","title":{"rendered":"Lesermail zu \u201eGetrennt marschieren, vereint schlagen&#8230;&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>NachDenkSeiten-Leser Reinhold Lang weist in seiner Leser-Mail zu unserem <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31491\">Beitrag vom 23.2.2016<\/a> auf eine Besonderheit des baden-w&uuml;rttembergischen Wahlrechts hin, die zu einem &uuml;berraschend guten Mandats-Ergebnis der CDU (oder der Gr&uuml;nen) f&uuml;hren k&ouml;nnte. Die baden-w&uuml;rttembergische SPD sieht er vor dem Zerfall. Dar&uuml;ber hinaus entwirft er ein Szenario einer wirklich schlimmen Entwicklung insgesamt. Unrealistisch ist seine Skepsis nicht. Seine Schlusspassage ist wie seine Mail insgesamt hart: &bdquo;Als &uuml;berzeugter Europ&auml;er der ersten Stunde m&ouml;chte ich, Verzeihung, kotzen, angesichts der galloppierenden renationalisierten und zugleich marktradikalisierten&nbsp;Entwicklung und miserablen politischen F&uuml;hrungsfiguren!&ldquo; <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Hier die Mail von Dipl.rer.pol., Dir. i.R. Reinhold Lang aus Baden-W&uuml;rttemberg:<\/strong><\/p><blockquote><p><strong>Betreff:<\/strong>&nbsp;Ihr NDS-Beitrag &ldquo;Getrennt marschieren, vereint schlagen&hellip;&rdquo;, vom 23.02.2016<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Albrecht M&uuml;ller,<\/p>\n<p>Ihre zutreffende Analyse, dass die jetzige SPD-F&uuml;hrung o.g. Wahlkampfprinzip nicht verstanden hat, muss noch mehr zugespitzt werden. Wer die politische Entwicklung in Deutschland, besonders&nbsp;seit der alle Gem&uuml;ter immer st&auml;rker erhitzenden Fl&uuml;chtlingsproblematik, genau betrachtet, kommt nicht um eine Feststellung herum: Da gibt es eine perfekte Arbeitsteilung zwischen der CSU (Seehofer h&auml;lt mit seiner Rhetorik und Forderungen die AfD in Bayern klein) und&nbsp; der &ldquo;sozialdemokratischen&rdquo;&nbsp;CDU-Merkel-Linie &ldquo;Das schaffen wir&rdquo; ( a la Obamas &ldquo;Yes, we can&rdquo;)&nbsp;in der Restrepublik. <strong>Die AfD spielt au&szlig;erhalb Bayerns mit einem W&auml;hlerpotential von gegenw&auml;rtig&nbsp;10-15%-Anteil die Rolle einer radikalisierten&nbsp;&ldquo;Ersatz-CSU&rdquo;!<\/strong><\/p>\n<p>Die CDU h&auml;lt damit f&uuml;r sich alle Optionen offen: eine Fortsetzung der Koalition mit einem geschrumpften und weiter einknickenden (erpressbaren) &ldquo;Juniorpartner SPD&rdquo;, eine Koalition mit den Gr&uuml;nen ( noch nie zuvor wie jetzt&nbsp;haben die gr&uuml;nen F&uuml;hrungsleute&nbsp;die CDU-Merkel-Leute so heftig&nbsp;umworben) und&nbsp;hilfsweise auch der&nbsp;FDP (bei einer 5%-H&uuml;rdennahme; deren Prinzip war seit Gr&uuml;ndung der Republik sowieso stets: 5-10%-W&auml;hleranteil bei gleichzeitig 20-35 prozentiger Machtteilhabe), mittelfristig sogar, falls die AfD sich als &ldquo;Ersatz-CSU&rdquo;&nbsp;etabliert,&nbsp; eine Machtoption mit diesen Kameraden. Bei einem Zerfall der AfD erhoffen sich die CDU-Strategen hingegen, einen Gro&szlig;teil der AfD-Stimmen wieder bei der CDU einfangen zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p><strong>Jedenfalls ist es Frau Merkel mit ihrer Politik gelungen, nicht nur in Deutschland, sondern in vielen EU-Staaten die politische Achse nachhaltig nach rechts zu verschieben.<\/strong> Und genau das hat die&nbsp;nieders&auml;chsische Post-Schr&ouml;der-Troika von Gabriel, Steinmeier und Oppermann strategisch nicht verstanden.<\/p>\n<p>Am 13.M&auml;rz werden mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit die Ministerpr&auml;sidentschaften in Rheinland-Pfalz (dort fast sicher) und in Baden-W&uuml;rttemberg (hier noch abh&auml;ngig davon, ob Kretschmann eine Mehrheit im Landtag erreicht) an die CDU&nbsp;verloren gehen. &nbsp;Sie m&uuml;ssen sich das besondere Wahlrecht in Baden-W&uuml;rttemberg&nbsp;anschauen:&nbsp; zu 70 direkt mehrheitlich&nbsp;gew&auml;hlten Abgeordneten aus den Wahlkreisen kommen&nbsp;50 Mandate gem&auml;&szlig; prozentualem Stimmenanteil, mit Ausgleichsmandaten f&uuml;r &Uuml;berhangmandate hinzu. In 2011 verfehlte Mappus&nbsp;nur die Mehrheit (zusammen mit der FDP), da sensationell, im Gegensatz zur Wahl in 2006 die CDU nur 60 Direktmandate erzielte (statt bisher 69; ein Direktmandat holte damals&nbsp;die SPD im Wahlkreis&nbsp;Mannheim I);&nbsp; daf&uuml;r die Gr&uuml;nen aber in den St&auml;dten landesweit&nbsp;&nbsp;9 Direktmandate (in Freiburg, Stuttgart, Mannheim, Heidelberg, Konstanz und&nbsp;im Wahlkreis 62, Landkreis&nbsp;T&uuml;bingen&nbsp;sogar nur mit&nbsp;21 Stimmen Vorsprung vor der CDU; &nbsp;die SPD&nbsp;verteidigte &nbsp;erneut nur das eine Direktmandat in Mannheim,&nbsp;einer einstmaligen SPD-Hochburg). Ob sich dies am 13.M&auml;rz 2016 wiederholen wird, ist sehr zweifelhaft. Damit w&uuml;rde CDU-Wolf in der Lage sein, eine Koalition mit der FDP bzw. einer &ldquo;umfallenden&rdquo; Ba-W&uuml;-SPD oder sogar eine &ldquo;Schwarz-Gr&uuml;ne-Gro&szlig;e Koalition&rdquo;&nbsp; in Ba-W&uuml; (allerdings wohl ohne Kretschmann) zu bilden.<\/p>\n<p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.kreis-tuebingen.de\/Lde\/Startseite\/Kreistag\/Landtagswahl+2011.de\">www.kreis-tuebingen.de<\/a> &ndash;&nbsp;Genaue Angaben zur Ermittlung der recht komplizierten Sitzverteilung bei der LT-Wahl seit 2011 sind einsehbar <a href=\"http:\/\/www.statistik-bw.de\/Service\/Veroeff\/Statistische_Berichte\/423211001.pdf\">hier<\/a> bzw. <a href=\"http:\/\/www.wahlrecht.de\/ergebnisse\/baden-wuerttemberg.htm\">hier<\/a>)<\/p>\n<p>Wenn ich &uuml;ber das Land fahre, f&auml;llt mir auf, dass in vielen Ortschaften kein einziges SPD-Wahlplakat mehr zu sehen ist, als&nbsp;Ausdruck dessen, dass es dort wohl keine SPD-Aktiven, geschweige denn funktionierende SPD-Ortsverb&auml;nde mehr gibt. Falls die SPD in Baden-W&uuml;rttemberg, so meine Prognose, unter 15% abschneiden wird, wahrscheinlich dicht bei 12% und weniger als AfD erreicht, wird ein solches Ergebnis den Zerfall der SPD-Basis weiter vorantreiben. Dann &ldquo;Gl&uuml;ck auf&rdquo; f&uuml;r die SPD-Niedersachsen-Troika in Berlin auf ihrem opportunistischen, transatlantischen, prokapitalistischen R&uuml;ckfall-in-den-Kalten-Krieg-&nbsp;Marsch hin zum Bundes-SPD-Ziel: &ldquo;Vorw&auml;rts zum Projekt &ldquo;18%-minus&rdquo;! Diese Bundestags-SPD&nbsp;klammert sich&nbsp;verzweifelt an die eitle Hoffnung, wenigstens als &ldquo;Juniorpartner&rdquo; in Berlin weiterhin mit P&ouml;stchen an den Zapfh&auml;hnen der Macht&nbsp;versorgt zu werden, gerechtfertigt&nbsp;mit &nbsp;der kommenden Verdummungsparole: &ldquo;Wir wollen kein zweites Weimar!&rdquo;<\/p>\n<p>Deshalb wohl auch&nbsp;weiter vorw&auml;rts zur &ldquo;marktkonformen Gesellschaft&rdquo;! Die hier zu nennenden Narrative (auch wenn Sie den Begriff nicht m&ouml;gen) lauten:<\/p>\n<p>&ldquo;<strong>erweiterte Strukturreformagenda<\/strong>&rdquo; mit wiederkehrender Deregulierung, Entstaatlichung durch weitere Privatisierung bisher noch teilstaatlicher Bereiche wie Gesundheitsdienstleistungen, Autobahnen- und Br&uuml;ckenbau (Stichwort PPP), Sozialabbau und Verschlankung des Sozialsystems, keine Verm&ouml;genssteuer und massive Privilegien bei der Erbschaftssteuer&nbsp;bei Unternehmen&nbsp;bzw. Unternehmensstiftungen, schrittweise Abschaffung des Bargeldes und damit Totalkontrolle &uuml;ber die Konten der B&uuml;rger*innen (im Falle einer erneuten massiven globalen Finanzkrise), &ldquo;marktr&auml;umende&rdquo; L&ouml;hne und Geh&auml;lter, Aush&ouml;hlung von Mitbestimmung auf allen Ebenen (&uuml;ber transnationale Zoll- und Handelsvertr&auml;ge Entmachtung des EU-Parlaments und der nationalen Parlamente bis runter&nbsp;zu den Gewerkschaften und&nbsp;Betriebsr&auml;ten) durch Schaffung eines arbeitgeberfreundlichen Arbeits- und Unternehmensrechts, durch eine au&szlig;erparlamentarische Gesetzesschreiberlobby anwaltlicher Gro&szlig;kanzleien statt einer f&auml;higen Ministerialb&uuml;rokratie, durch &ldquo;au&szlig;enpolitische Verantwortung&rdquo;&nbsp; &uuml;ber aktive Teilnahme an NATO+US-Kriegseins&auml;tzen&nbsp; auch au&szlig;erhalb des V&ouml;lkerrechts und Steigerung der Milit&auml;rausgaben auf 2% des Bruttosozialprodukts, durch massenhafte Heranz&uuml;chtung neoliberaler, angepasster Nachwuchsakademiker &ldquo;a la bolognaise&rdquo; (die mit der Schere im eigenen Kopf), freiwilliger Gleichschaltung einer&nbsp;weiter oligopol- und monopolisierten neoliberalen &ldquo;Qualit&auml;ts-Presse&rdquo; und sonstigen Medien, insbesondere auch im Internet,&nbsp;verbunden mit&nbsp;einem, das ist absehbar,&nbsp;quasi neofeudalen Kniefall sogar&nbsp;vor einem US-Pr&auml;sidenten Trump, einer weiteren Aush&ouml;hlung und Missachtung der Grundrechte unserer Verfassung (in den Schulen soll jetzt marktkonformes Wissen&nbsp;auf dem&nbsp;Weg &ldquo;in eine unternehmerische Gesellschaft&rdquo; eingepaukt werden; was Grundrechte sind, wei&szlig; kein Schwein, wozu auch?&nbsp;)&nbsp;und&nbsp; bei Bedarf neuen Berufsverboten in Form von Arbeitslosigkeit f&uuml;r&nbsp; etwaig gef&auml;hrlich werdende kritische, unangepasste Geister &nbsp;usw. usf. Als &uuml;berzeugter Europ&auml;er der ersten Stunde m&ouml;chte ich, Verzeihung, kotzen, angesichts der galloppierenden renationalisierten und zugleich marktradikalisierten&nbsp;Entwicklung und miserablen politischen F&uuml;hrungsfiguren!<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en, leider gibt es keine bessere Botschaft,<\/p>\n<p>Reinhold Lang<br>\nDipl.rer.pol., Dir. i.R.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NachDenkSeiten-Leser Reinhold Lang weist in seiner Leser-Mail zu unserem <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31491\">Beitrag vom 23.2.2016<\/a> auf eine Besonderheit des baden-w&uuml;rttembergischen Wahlrechts hin, die zu einem &uuml;berraschend guten Mandats-Ergebnis der CDU (oder der Gr&uuml;nen) f&uuml;hren k&ouml;nnte. Die baden-w&uuml;rttembergische SPD sieht er vor dem Zerfall. Dar&uuml;ber hinaus entwirft er ein Szenario einer wirklich schlimmen Entwicklung insgesamt. 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