{"id":31679,"date":"2016-02-29T17:03:02","date_gmt":"2016-02-29T16:03:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31679"},"modified":"2016-03-04T13:42:39","modified_gmt":"2016-03-04T12:42:39","slug":"dieses-komische-system-hat-wieder-zugeschlagen-wie-das-zdf-ueber-die-vorwahlen-in-den-usa-berichtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31679","title":{"rendered":"\u201aDieses komische System hat wieder zugeschlagen.\u2018 \u2013 wie das ZDF \u00fcber die Vorwahlen in den USA \u201aberichtet\u2018"},"content":{"rendered":"<p>Deutschlands Medien scheinen ein besonderes Interesse zu haben, Stimmung zugunsten der von ihnen und vom amerikanischen Polit-Establishment favorisierten Pr&auml;sidentschaftskandidaten zu machen. Der Eindruck jedenfalls dr&auml;ngt sich auf, wenn man die aktuelle Berichterstattung &uuml;ber die Vorwahlen in den USA verfolgt. Einen besonders manipulativen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31323\">Beitrag der ARD<\/a> zugunsten Hillary Clintons hatte ich bereits vor 14 Tagen analysiert. Dass das ZDF der ARD in nichts nachsteht, veranschaulicht der Beitrag des heute journals vom vorigen Sonntag, 21.2., zu den Vorwahlen in Nevada und South Carolina eindrucksvoll, in dem nicht nur Sanders erneut schlecht wegkommt und mit Marco Rubio endlich auch ein w&auml;hlbarer Republikaner platziert werden soll f&uuml;r den Fall, dass Sanders sich wom&ouml;glich doch gegen Clinton durchsetzt. Claus Kleber offenbart seine Geringsch&auml;tzung f&uuml;r das ganze Vorwahl-Verfahren, denn es droht anders auszugehen als erw&uuml;nscht. Vor dem anstehenden Super Tuesday mit Vorwahlen in 14 Bundesstaaten m&ouml;chte dieser Beitrag f&uuml;r die zu erwartenden weiteren Manipulationen sensibilisieren. Von <strong>Daniel Grau<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>&bdquo;Dieses komische System, mit dem Amerika die Kandidaten f&uuml;r die n&auml;chste Pr&auml;sidentschaft aussucht, hat wieder zugeschlagen.&ldquo;<\/strong><\/p><p>Mit diesem despektierlichen Satz er&ouml;ffnet Claus Kleber vorigen Sonntag den Beitrag des heute journals &uuml;ber die Vorwahlen in Nevada und South Carolina, den Sie <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/beitrag\/video\/2676402\/Etappensiege-fuer-Trump-und-Clinton-#\/beitrag\/video\/2676402\/Etappensiege-fuer-Trump-und-Clinton-\">hier<\/a> noch einmal sehen k&ouml;nnen. Er bringt damit seine Geringsch&auml;tzung f&uuml;r ein System zum Ausdruck, das zwar zugegebenerma&szlig;en von echten demokratischen Abstimmungen noch ein gutes St&uuml;ck entfernt ist, im Vergleich zum deutschen Hinterzimmer-Geschacher bei der Bestimmung des Kanzlerkandidaten aber fast vorbildlich, jedenfalls nicht als &sbquo;komisch&lsquo; erscheinen muss. Als wie hinterh&auml;ltig und gef&auml;hrlich Kleber ein solches System empfindet, das viele Menschen statt nur weniger einflussreicher an der Entscheidungsfindung beteiligt, steckt auch in einer weiteren Vokabel: &sbquo;wieder zugeschlagen&lsquo;, das klingt nach Jack-the-Ripper, nach Serienm&ouml;rdern, nach Problemb&auml;r. Dabei handelt es sich um nicht mehr als ein ziviles, v&ouml;llig legitimes Verfahren politischer Parteien, sich &uuml;ber das Ausma&szlig; der Zustimmung ihrer Basen zu ihren Kandidaten klarzuwerden.<\/p><p><strong>&bdquo;Bei Obamas Partei, den Demokraten, in den Vorwahlen von Nevada, schafft es Hillary Clinton wieder nicht,  diesen &sbquo;Bernie Sanders&lsquo; abzusch&uuml;tteln. Der alte, linke Senator, der sich selbst Sozialist nennt, lag wieder nur um Haaresbreite hinter ihr.&ldquo;<\/strong><\/p><p>Wie schon bei der ARD beobachtet, sind die Sympathien des heute journals, die Demokraten betreffend, klar verteilt. Hillary Clinton soll das Rennen machen, Bernie Sanders ist kein Gegenkandidat, sondern in der Sprache Klebers ein l&auml;stiger Verfolger, der &sbquo;abgesch&uuml;ttelt&lsquo; werden muss wie ein unliebsamer Reporter, der auf dem Weg ins Wei&szlig;e Haus immer mit offenem Mikrofon und unangenehmen Fragen nebenher l&auml;uft. Und sie hat es WIEDER nicht geschafft &ndash; Das gibt&rsquo;s doch nicht! Oh Mann, das nervt, wie wenn das Hemd aus der Maschine kommt und der Rotweinfleck auch nach der dritten W&auml;sche immer noch nicht weg ist. <\/p><p>Es ist &uuml;brigens auch nicht Bernie Sanders, sondern &sbquo;DIESER Bernie Sanders&lsquo;: Kleber suggeriert mit dem eingef&uuml;gten Demonstrativpronomen und der Sprechpause, dass &sbquo;Bernie Sanders&lsquo; gar nicht der tats&auml;chliche Name eines konkreten Menschen sei, der neben Clinton um die Nominierung k&auml;mpft, sondern ein Sammelbegriff, ein K&uuml;nstlername, die Verk&ouml;rperung aller diffusen Unbillen, die Clinton aufzuhalten drohen. Eine Rhetorik also, die sich vielleicht rechtfertigen l&auml;sst bei einem Syndrom, einer noch nicht klar definierbaren, aber bereits unter festem Namen kursierenden Erscheinung wie dem fr&uuml;hen &sbquo;Islamischen Staat&lsquo;, aber sicher nicht f&uuml;r einen etablierten US-Pr&auml;sidentschaftskandidaten.<\/p><p>Fast muss man Kleber dann allerdings ausnahmsweise zustimmen, wenn er von dem &sbquo;alten linken Senator&lsquo; spricht, &sbquo;der sich selbst Sozialist nennt&lsquo;, denn die Attribute alt und links treffen zu. Ein schneller Blick auf Hillary Clintons Lebenslauf zeigt allerdings, dass sie nur sechs Jahre j&uuml;nger ist als Sanders. Zum Zeitpunkt der Einf&uuml;hrung ins Pr&auml;sidentenamt w&auml;re auch sie bereits 69 Jahre alt, und damit &auml;lter als alle amerikanischen Pr&auml;sidenten seit Ronald Reagan 1981. &sbquo;Alt&lsquo; und &sbquo;nicht alt&lsquo; kann also nur im formalistischen Direktvergleich der Kandidaten gelten, wohl kaum in Bezug auf die Frage, ob Kandidaten in dem Alter &uuml;berhaupt noch f&uuml;r das Pr&auml;sidentenamt taugen.<\/p><p>Auch Klebers Kritik an Sanders&lsquo; Selbsteinsch&auml;tzung als &sbquo;Sozialist&lsquo; k&ouml;nnte man unter Umst&auml;nden folgen, wenn man das leicht unterschiedliche Begriffsverst&auml;ndnis von &sbquo;Sozialist&lsquo; diesseits und jenseits des Atlantiks ignoriert. Sanders w&auml;re nach europ&auml;ischem Ermessen in der Tat eher als &sbquo;klassischer Sozialdemokrat&lsquo; zu bezeichnen. <\/p><p>Jedoch liegt bei &sbquo;alt&lsquo; wie bei &sbquo;selbsternannter Sozialist&lsquo; die Nuance im Wie, nicht im Was des Gesprochenen. Kleber intoniert im Stile eines Jugendlichen, der aus seiner Sicht zu Recht die Parolen der Eltern nicht mehr h&ouml;ren will: Der &sbquo;alte, linke Senator&lsquo; klingt nach &sbquo;immer dasselbe soziale Gew&auml;sch, schon tausend mal geh&ouml;rt&lsquo;. &sbquo;Der sich selbst Sozialist nennt&lsquo; hei&szlig;t im Klartext &sbquo;der sich mit Attributen schm&uuml;ckt, denen er gar nicht gerecht wird, der uns also was vormacht&lsquo;, wie die Eltern, die vor Alkohol warnen, selbst aber die Spirituosen herausholen, sobald sie die Kinder schlafend im Bett w&auml;hnen.<\/p><p>Und ausgerechnet dieser Bernie Sanders also, so klagt Kleber, &sbquo;lag wieder nur um HAARESBREITE hinter ihr&lsquo;. Haaresbreite, das ist die kleinstm&ouml;gliche Einheit, um die man in klassischen Formulierungen einem gro&szlig;en Ungl&uuml;ck entgeht, etwas sehr Erstrebenswertes verpasst &ndash; mit anderen Worten: der minimale Abstand, der maximal dramatisiert. Dass &sbquo;Haaresbreite&lsquo; bei dieser Vorwahl aber gar nicht das kennzeichnende Wort sein d&uuml;rfte, erkennt man sofort, wenn man sich den Wahlausgang in Zahlen vor Augen f&uuml;hrt, die Kleber und Co. uns in diesem Beitrag wohlweislich komplett vorenthalten. Clinton hat mit 52,7:47,3 Prozent der Stimmen gewonnen, also mit mehr als 5 Prozentpunkten Vorsprung. Das sind gleich mehrere Haaresbreiten, insbesondere wenn man ber&uuml;cksichtigt, dass die meisten Umfragen im Vorfeld der Wahl einen viel engeren Ausgang vorausgesagt hatten. Die Dramatisierung &agrave; la Kleber ist also eindeutig fehl am Platz in einer seri&ouml;sen Berichterstattung. Sie reflektiert, wenn man sie durchschaut, im Gegenteil die Desinformation, die hier betrieben wird.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160229.jpg\" alt=\"Sanders Clinton Kleber\" title=\"Sanders Clinton Kleber\"><\/p><p>Wie selbstverst&auml;ndlich findet sich die Pr&auml;ferenz f&uuml;r Clinton im ZDF auch in den eingeblendeten Portraits der beiden Kandidaten wieder, wenn auch nicht ganz so derbe wie in der ARD. Sanders kommt nicht so fratzenhaft daher, er darf im ZDF auch l&auml;cheln, allerdings nicht so aufgeweckt wie seine Konkurrentin. Neben dem L&auml;cheln hilft auch die Bildaufteilung, einen Unterschied zu machen: W&auml;hrend Clinton in vorteilhaft dynamischer Pose abgebildet ist, wird Sanders als breiter, fast halsloser Silberr&uuml;cken dargestellt.<\/p><p>Angesichts der Dramatik, die Kleber bis dato vermittelt, verwundert es dann schon, dass keine Analyse folgt, sondern die Vorwahl der Demokraten damit abgehandelt ist und man schnurstracks zu den Republikanern &uuml;bergeht. Immerhin sind erst 25 Sekunden, gerade 10% des am Ende 3:40 Minuten dauernden Beitrags, verstrichen. So entsteht wie schon bei der ARD ein Eindruck von &sbquo;Schauen wir besser nicht so genau hin&lsquo;.<\/p><p>Stattdessen hat man sich auf die Fahne geschrieben, das in der Vorwoche in der ARD bereits benannte Problem, dass die Republikaner keinen ernsthaft w&auml;hlbaren Kandidaten haben, zu l&ouml;sen, frei nach dem Motto &sbquo;Wenn die Demokraten Sanders wollen, dann lieber einen Republikaner&lsquo;.<\/p><p><strong>&bdquo;Bei den Republikanern haben die Vorwahlen in South Carolina den Ex-Favoriten gef&auml;llt. Jeb Bush, Sohn von George, Bruder von George W., gibt auf. Seine Familie und eine Kriegskasse von 100 Mio. Dollar haben ihm nichts gen&uuml;tzt.&ldquo;<\/strong><\/p><p>Kleber gibt unumwunden das Thema vor, und das hei&szlig;t nur am Rande &sbquo;Ergebnis der Vorwahlen der Republikaner in South Carolina&lsquo;: Jeb Bush w&auml;re der Kandidat der Wahl gewesen, wenn es denn ein Republikaner werden m&uuml;sste, und f&uuml;r den muss nun ein Nachfolger gek&uuml;rt werden, der es im Zweifelsfall mit Sanders aufnehmen k&ouml;nnte.<\/p><p>Dass der &sbquo;Ex-Favorit&lsquo; Bush vor allem &ndash; wenn nicht gar ausschlie&szlig;lich &ndash;  ein Favorit der Medien und der dahinterstehenden Interessen war, musste jedem sp&auml;testens nach den ersten Wahlen klar sein, selbst wenn man die Vorab-Umfragen dazu ignoriert hatte: In Iowa landete Bush mit 2,8% auf dem sechsten Platz, in New Hampshire wurde er mit 11,0% immerhin Vierter. Sp&auml;testens mit dem Ergebnis von South Carolina, wo er wieder nur als Vierter ins Ziel ging mit nur 7,8%, die f&uuml;nft- und sechstplazierten Kasich und Carson fast gleichauf, stand dann aber fest, dass er sich nicht w&uuml;rde durchsetzen k&ouml;nnen, und er hat nun konsequenterweise aufgegeben.<\/p><p>Schade aber auch! &ndash; Bei einem dritten Bush h&auml;tte man gewusst, woran man ist.<\/p><p>Der ist jetzt aber &sbquo;gef&auml;llt&lsquo;. Im Hintergrundbild klappt das Portrait Bushs passend zu Klebers Formulierung um wie ein gef&auml;llter Baum. Keine Angst aber, Bush ist nicht gef&auml;llt; er lebt und ist bei bester Gesundheit. Die Metapher vom gef&auml;llten Baum allerdings gibt Aufschluss &uuml;ber die Bewertung Bushs des ZDF: Da stand einer, aufrecht und gerade, mit besten Voraussetzungen (Familie, 100 Mio. Dollar), und dann kommt einer und f&auml;llt ihn &ndash; Bush ist also in der Vorstellung der Nachrichtenmacher nicht von alleine umgefallen, auch wenn sie konstatieren m&uuml;ssen, dass ihn niemand zu der Aufgabe gezwungen hat. Ohne es explizit auszusprechen wird nahegelegt, dass da jemand &sbquo;an ihm ges&auml;gt&lsquo; hat. Wer das sei, erfahren wir dann postwendend.<\/p><p><strong>&bdquo;Nun bleibt dort ein Dreierrennen: Donald Trump als dominierende Figur, rechts von ihm ein religi&ouml;s aufgeheizter Fundamentalist namens Ted Cruz und drittens eine Zwergentruppe von &sbquo;Normalos&lsquo;. Von denen muss sich endlich einer als Alternative herausstellen, sonst bleibt Trump der Trumpf. Marco Rubio vielleicht &ndash; ein Name, den man sich jetzt merken sollte. Ein Lagebericht von Ines Trams.&ldquo;<\/strong><\/p><p>Zwei Kandidaten sind schuld, die man, um im Bild zu bleiben, am liebsten als &sbquo;Axt im Walde&lsquo; charakterisieren w&uuml;rde, wenn es nicht so plump w&auml;re: Trump und Cruz, eine &sbquo;dominierende Figur&lsquo; und ein &sbquo;religi&ouml;s aufgeheizter Fundamentalist&lsquo;, die mit ihren Kampagnen die Leute offenbar besser erreichen als Bush. Und diese beiden brachialen Holzf&auml;ller sind eindeutig unerw&uuml;nscht, egal was die Wahlergebnisse sagen: Es &sbquo;muss sich endlich einer als Alternative herausstellen&lsquo;. <\/p><p>Auserw&auml;hlt zum Bush-Nachfolger als &sbquo;Favorit&lsquo; ist Marco Rubio. Der wird, gleich in mehrerer Hinsicht den Fakten widersprechend, in Position gebracht, und dazu redet das ZDF eigens eine Boygroup namens &sbquo;Zwergentruppe von Normalos&lsquo; herbei.<\/p><p>Zu der ist folgendes zu sagen: Rubio in eine &sbquo;Zwergentruppe&lsquo; einzuordnen, kann rein statistisch betrachtet nur mit sehr viel Wohlwollen als grob fahrl&auml;ssig und nicht als vors&auml;tzlich bezeichnet werden. Immerhin hat er in den bisherigen Vorwahlen mit einer Ausnahme immer klar &uuml;ber 20% der Stimmen f&uuml;r sich verbuchen k&ouml;nnen und dabei sogar zweimal vor Cruz gelegen, w&auml;hrend tats&auml;chlich nur einer der beiden anderen &sbquo;Zwerge&lsquo; die 10%-Marke geknackt hat, und auch das nur bei einer der bisherigen Abstimmungen.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus ist Rubio beileibe kein &sbquo;Normalo&lsquo;, wie das ZDF zu meinen vorgibt, sondern ebenfalls <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30660\">ein Radikaler<\/a>, der programmatisch der Tea-Party-Bewegung nahesteht. Sofern man davon sprechen will, dass in dem Wahlkampf &uuml;berhaupt noch ein &sbquo;Normalo&lsquo; (wenigstens im Sinne von &sbquo;am wenigsten Radikale&lsquo;) vertreten ist, dann ist es der abgeschlagene Kasich. Kasichs Namen bekommen wir aber interessanterweise in Klebers Erl&auml;uterungen gar nicht zu h&ouml;ren oder zu lesen. Genauso wie den Namen Carsons, des zweiten Normalo-Zwergs nach ZDF-Definition &ndash; vermutlich, weil der auch weniger Interessierten als erzkonservativ, also keineswegs  als &sbquo;Normalo&lsquo; bekannt ist. <\/p><p>Rubio mit diesen beiden in eine imagin&auml;re &sbquo;Zwergentruppe von Normalos&lsquo; zu stecken, gr&uuml;ndet wohl nicht zuletzt auf der Hoffnung, dass diese behaupteten &sbquo;Qualit&auml;ten&lsquo; auf ihn abf&auml;rben m&ouml;gen.<\/p><p>So macht man, befl&uuml;gelt von der eigenen Phantasie, aus dem tats&auml;chlichen F&uuml;nfkampf dann auch gleich ein Dreierrennen, dessen erw&uuml;nschter Ausgang nur notd&uuml;rftig kaschiert wird in der Formulierung &sbquo;Marco Rubio vielleicht &ndash; ein Name, den man sich jetzt merken sollte&lsquo;.<\/p><p>Dass man hier nicht eine vage Vermutung einer Entwicklung hat, die man dem Leser ans Herz legen m&ouml;chte, genauer im Auge zu behalten, sondern einen neuen Favoriten, den man ins rechte Licht r&uuml;cken will, das soll auch der als &sbquo;Lagebericht&lsquo; der Korrespondentin Ines Trams deklarierte Werbefilm f&uuml;r Rubio unterstreichen. Das gelingt allerdings nicht zu 100%.<\/p><p>Zwar schafft es die ZDF-Korrespondentin, exakt wie ihr ARD-Kollege den ungeliebten Trump mit Diffamierungen und einem unvorteilhaften O-Ton blo&szlig;zustellen, und sie wirbt auch bei den Zuschauern um Mitleid f&uuml;r den favorisierten Jeb Bush, dessen &sbquo;bitterer&lsquo; R&uuml;ckzug &auml;hnlich wie Clintons Niederlage in New Hampshire als allgemeine Verdrossenheit mit Vertretern des Establishments beklagt wird: <strong>&bdquo;Keine Chance in einem Amerika, das sich derzeit gegen Washington wendet&ldquo;<\/strong>.<\/p><p>Doch Jeb Bushs &sbquo;Ziehsohn&lsquo; Marco Rubio aufs Schild zu heben, das klappt nicht so recht. Rubio kann die gebotenen Gelegenheiten &ndash; gleich zwei O-T&ouml;ne gesteht sie ihm zu &ndash; nicht nutzen, um zu &uuml;berzeugen. Er punktet durch seine besonnene Sprechweise, sagt inhaltlich nichts und r&auml;soniert lediglich &uuml;ber die Notwendigkeit zu Geschlossenheit und schnellstm&ouml;glicher Einigung auf einen Kandidaten. Das kennen wir in Deutschland als Methode Merkel. Die Korrespondentin versucht ihm zur Seite zu springen und zu erl&auml;utern, warum der gemeinsame Nenner der Republikaner unbedingt Rubio hei&szlig;en muss. Dabei legt sie aber unfreiwillig offen, dass Rubio weder der von Kleber behauptete Zwerg ist noch der &sbquo;Normalo&lsquo;, sondern stimmenm&auml;&szlig;ig bereits die Nummer zwei der Republikaner und programmatisch reaktion&auml;r ist mit &auml;hnlichen Positionen wie Trump, nur dass er sie &sbquo;konziliant im Ton&lsquo; vortragen k&ouml;nne. Sicherheitshalber untermalt sie ihre Aussagen zur Ablenkung mit wiederholten Auftritten von Rubios heiler Familie, die direkt aus dem Medienpool von Rubios Kampagne kommen k&ouml;nnten: mal winken Frau und Kinder bei Wahlkampfauftritten fr&ouml;hlich, dann wird PR-wirksam and&auml;chtig gebetet. Die Korrespondentin fasst dann schlie&szlig;lich zusammen:<\/p><p><strong>&bdquo;Moderate Republikaner und radikale Tea-Party-Anh&auml;nger unterst&uuml;tzen ihn. Und so k&ouml;nnte sich das Partei-Establishment hinter ihn stellen &ndash; wenn auch mit Bauchschmerzen.&ldquo;<\/strong><\/p><p>Keine Angst, m&ouml;chte man ihr zurufen, die Bauchschmerzen sind nur gespielt. Aber das wei&szlig; sie selbst, es ist nur die rhetorische Volte, um wieder Claus Kleber und dessen Agenda &ndash; K&uuml;r des republikanischen Ersatz-Kandidaten des Partei-Establishments &ndash; aufzunehmen. In diesem Sinne muss auch ihr Schlusssatz verstanden werden:<\/p><p><strong>&bdquo;Rubio und Trump: Beide greifen die Wut der Menschen im Land auf. Doch wem die republikanischen W&auml;hler eher zutrauen, gegen die Demokraten das Wei&szlig;e Haus zu erobern, das ist auch nach South Carolina v&ouml;llig offen&ldquo;.<\/strong><\/p><p>Die Korrespondentin stellt ganz nonchalant die Situation dar, als ob sie de facto schon so sei, wie man sie sich im ZDF offenbar w&uuml;nscht: Zweikampf Rubio gegen Trump. Die anderen drei Mitstreiter sind, jedenfalls in der &sbquo;Berichterstattung&lsquo; des ZDF, bereits ausgeschieden. Und wie der Zweikampf Rubio gegen Trump ausgehen wird, das steht dank der behutsam vorgetragenen Argumentation auch schon fest, so dass man es leicht und locker dem Zuschauer &uuml;berlassen kann, die &sbquo;v&ouml;llig offene&lsquo; Frage zu beantworten, wem der beiden wohl eher der Sieg gegen die Demokraten zuzutrauen ist.<\/p><p><strong>Schlussbemerkung:<\/strong><\/p><p>Sollte zu Anfang noch r&auml;tselhaft gewesen sein, was Kleber wohl meint, wenn er von dem &sbquo;komischen System&lsquo; redet, dann ist sp&auml;testens jetzt klar, was ihn so st&ouml;rt: Das amerikanische Vorwahlsystem ist ein Verfahren, das ihm als Medien- bzw. Meinungsmacher unn&ouml;tig viel Arbeit macht, um die gew&uuml;nschten Kandidaten in die gew&uuml;nschten Positionen zu heben. Die Redaktionen laufen auf Hochtouren, und dennoch lauert stets die Gefahr, dass die W&auml;hler im Land den medial vorgegebenen Wunschergebnissen nicht entsprechen wie jetzt im Fall Jeb Bushs. Letzteres meint Kleber mit der Formulierung es habe &sbquo;wieder zugeschlagen&lsquo;.<\/p><p>Seien wir also gespannt, wie es den Meinungsmachern am Super Tuesday gelingt, im Kampf gegen das &sbquo;komische System&lsquo; die Oberhand zu behalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschlands Medien scheinen ein besonderes Interesse zu haben, Stimmung zugunsten der von ihnen und vom amerikanischen Polit-Establishment favorisierten Pr&auml;sidentschaftskandidaten zu machen. Der Eindruck jedenfalls dr&auml;ngt sich auf, wenn man die aktuelle Berichterstattung &uuml;ber die Vorwahlen in den USA verfolgt. Einen besonders manipulativen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31323\">Beitrag der ARD<\/a> zugunsten Hillary Clintons hatte ich bereits vor 14 Tagen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31679\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,183,190],"tags":[1090,1859,1227,1109,1544,1466,1236,1850,1802,1800,1540],"class_list":["post-31679","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","category-wahlen","tag-clinton-hillary","tag-cruz-ted","tag-demokraten","tag-heute","tag-kampagnenjournalismus","tag-kleber-claus","tag-republikaner","tag-rubio-marco","tag-sanders-bernie","tag-trump-donald","tag-zdf"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31679","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=31679"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31679\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31682,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31679\/revisions\/31682"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=31679"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=31679"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=31679"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}