{"id":3172,"date":"2008-04-23T09:59:29","date_gmt":"2008-04-23T07:59:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3172"},"modified":"2015-11-24T16:47:16","modified_gmt":"2015-11-24T15:47:16","slug":"deutschland-bei-den-lohnnebenkosten-auf-rang-14-innerhalb-der-eu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3172","title":{"rendered":"Deutschland bei den \u201eLohnnebenkosten\u201c auf Rang 14 innerhalb der EU"},"content":{"rendered":"<p>Auf 100 Euro Bruttolohn und -gehalt zahlten die Arbeitgeber im Jahr 2007 in Deutschland nach einem europ&auml;ischen Vergleich des Statistischen Bundesamtes <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Presse\/pm\/2008\/04\/PD08__160__624,templateId=renderPrint.psml\">32 Euro &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo;<\/a> . Das ist ein Euro weniger als noch im Jahr zuvor. Leider weisen die amtlichen Statistiker dieses Jahr nicht die bei uns t&auml;glich kritisierten <strong>gesetzlich<\/strong> auferlegten &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; aus; sie lagen 2006 bei 20 Euro, und dabei lag Deutschland auf Platz 17 unter den 27 EU-L&auml;ndern. Die gesetzlichen Arbeitgeberbeitr&auml;ge  d&uuml;rften sich angesichts der insgesamt gesunkenen &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; jedoch gleichfalls verringert haben.<\/p><p>In Schweden, das etwa beim Wirtschaftswachstum oder bei der Arbeitslosenquote viel besser dasteht als Deutschland, zahlten die Arbeitgeber auf 100 Euro Bruttolohn mit 50 Euro die weitaus h&ouml;chsten &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo;. Dennoch werden die Bundesregierung und voran der Bundespr&auml;sident weiter die Senkung der &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; zum wichtigsten Mittel f&uuml;r die Senkung der Arbeitslosigkeit und f&uuml;r das wirtschaftliche Wachstum erkl&auml;ren. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Auch dieses Jahr behandelt das Statistische Bundesamt zuerst und haupts&auml;chlich die sog. Arbeitskosten, also den Preis, den die Arbeitgeber durchschnittlich f&uuml;r eine geleistete Arbeitsstunde bezahlten. Dieser liegt bei 29,10 Euro, und der Anstieg der Arbeitskosten in Deutschland (+ 1,0%) war erneut der geringste aller europ&auml;ischer Mitgliedstaaten. <\/p><p>Die Arbeitskosten sind der Wert, der von Arbeitgeberseite gerne angef&uuml;hrt wird, wenn es um Lohnerh&ouml;hungen geht &ndash; und da hei&szlig;t es dann immer, Deutschland sei Spitzenreiter. Doch auch bei diesem  Wert nimmt Deutschland erst Rang 7 innerhalb der EU ein. <\/p><p>Aber auch auf die Propaganda &uuml;ber die zu hohen Arbeitskosten sollte man nicht l&auml;nger hereinfallen. Entscheidender f&uuml;r die Rentabilit&auml;t der Produktion und f&uuml;r die Wettbewerbsf&auml;higkeit einer Wirtschaft sind nicht die absolute H&ouml;he der Arbeitskosten, sondern die Lohnst&uuml;ckkosten, also die Lohnkosten je erbrachter Leistung.<br>\nNach der Statistik der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der Europ&auml;ischen Kommission aus dem Herbst 2005 [PDF &ndash; 2.5 MB] ergibt sich innerhalb der EU im Vergleich der Lohnst&uuml;ckkosten folgendes Bild: Das Verh&auml;ltnis von Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer zum nominalen BIP je Besch&auml;ftigten, also die realen Lohnst&uuml;ckkosten f&uuml;r Deutschland (und nur sie sind wichtig im internationalen Vergleich), hat sich in den letzten 10 Jahren unterdurchschnittlich entwickelt. Hier die Ziffern: Wenn man die Lohnst&uuml;ckkosten von 1995 gleich 100 setzt, dann liegen sie in Deutschland 2006 bei 95,1, in der Euro-Zone bei 95,5, in der EU der urspr&uuml;nglichen 15 minus Luxemburg bei 96,8 und bei allen heutigen EU-L&auml;ndern <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/060418_tabelle_lohnkosten.pdf\">insgesamt bei 96,9 [PDF &ndash; 56 KB].<\/a><\/p><p>Wir k&ouml;nnen unseren Beitrag vom letzten Jahr eigentlich nur wiederholen: <a href=\"?p=2101\">&bdquo;Lohnnebenkosten &ndash; die Wirklichkeit zerst&ouml;rt einen Mythos nach dem anderen&ldquo;<\/a>. Man muss wohl weiter davon ausgehen, dass in der Politik und in den Medien diese Fakten nicht zur Kenntnis genommen werden. Die Bundesregierung und voran der Bundespr&auml;sident werden weiter die Senkung der Lohnnebenkosten zum wichtigsten Mittel zur Senkung der Arbeitslosigkeit und f&uuml;r das wirtschaftliche Wachstum erkl&auml;ren. Und die &bdquo;Mietm&auml;uler&ldquo; in der Wissenschaft und in den Medien werden sich weiter die M&auml;r die angeblich zu hohen L&ouml;hne und die viel zu hohen &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; wie ein Mantra nachbeten. Es ist eben schon immer so gewesen, mit Mythen soll &uuml;ber die Realit&auml;t hinwegget&auml;uscht werden, mit Mythen l&auml;sst sich das kritische Bewusstsein der Menschen vernebeln und mit Mythen hat man seit Jahrhunderten die V&ouml;lker verf&uuml;hrt. Deshalb braucht die Politik und brauchen die einschl&auml;gigen Interessenverb&auml;nde auch heute den Mythos der zu hohen &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; &ndash; egal ob dieser Mythos l&auml;ngst durch die Wirklichkeit zerst&ouml;rt wurde.<\/p><p>&Uuml;brigens: Gestern kostete der Euro 1,60 US-Dollar und hat damit eine weitere Schallmauer durchbrochen. Am Tag der Einf&uuml;hrung des Euro am 1. Januar 2002 musste ein Amerikaner, wenn er seine Dollars in Euro einwechselte, f&uuml;r einen Euro weniger als einen Dollar, n&auml;mlich nur 89 US-Cent bezahlen. Dieser Wertverlust von rd. 80 Prozent gilt aber f&uuml;r die Konjunkturforscher, f&uuml;r den Wirtschaftsminister und f&uuml;r die Wirtschaftsredaktionen im Hinblick auf die internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit als ziemlich undramatisch. Wenn aber die Senkung der Rentenbeitr&auml;ge um 0,8 Prozent von 19,9 auf 19,1 Prozent um 2 Jahre hinausgeschoben wird, um die Rentenbeitr&auml;ge um etwas mehr als ein halbes Prozent gegen&uuml;ber der Rentenformel anzuheben, dann wird der Untergang des Wirtschaftsstandorts beschworen und man inszeniert daf&uuml;r einen Krieg zwischen den Generationen. <\/p><p>Man kann es manchmal wirklich nicht mehr fassen, wie wir systematisch in die Irre gef&uuml;hrt werden. <\/p><p>Ein typisches Beispiel f&uuml;r die Irref&uuml;hrung ist der Spiegel-Bericht zur Meldung des Statistischen Bundesamtes:<\/p><p><strong>Standort Deutschland verbessert sich bei Arbeitskosten<\/strong> Arbeit in Deutschland bleibt teuer &ndash; aber im L&auml;ndervergleich macht der Standort immer mehr Boden gut. Die Arbeitskosten der Firmen sind 2007 weniger stark gestiegen als in allen anderen EU-Staaten &ndash; und das trotz guter Konjunktur. &ldquo;Wir werden wettbewerbsf&auml;higer&rdquo;, lobt ein Experte.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,548906,00.html\">SpiegelOnline<\/a><\/p><p><em><strong>Anmerkung AM:<\/strong> Mit welcher Selbstverst&auml;ndlichkeit die Perspektive und die Interessenlage der Arbeitgeber bestimmend ist f&uuml;r den Gebrauch der deutschen Sprache, ist immer wieder erstaunlich. Arbeitskosten sind L&ouml;hne. SpiegelOnline freut sich, wenn die Arbeitskosten, das hei&szlig;t die L&ouml;hne sinken. Die Wertung entspricht nicht einmal der gesamtwirtschaftlichen Perspektive. Denn diese gesamtwirtschaftliche Sicht, so haben wir zuletzt sogar beim Treffen der EU-Finanzminister in Brdo in Slowenien vernommen, w&uuml;rde nahe legen, die Arbeitskosten bei uns steigen zu lassen, auch im Verh&auml;ltnis zu den anderen europ&auml;ischen Staaten. Doch die Medien kennen keine gesamtwirtschaftliche und gesamteurop&auml;ische Perspektive. Hier werden Interessen vertreten, und die Sprache wird entsprechend geformt.<br>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf 100 Euro Bruttolohn und -gehalt zahlten die Arbeitgeber im Jahr 2007 in Deutschland nach einem europ&auml;ischen Vergleich des Statistischen Bundesamtes <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Presse\/pm\/2008\/04\/PD08__160__624,templateId=renderPrint.psml\">32 Euro &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo;<\/a> . Das ist ein Euro weniger als noch im Jahr zuvor. 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