{"id":31761,"date":"2016-03-03T09:32:01","date_gmt":"2016-03-03T08:32:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31761"},"modified":"2024-08-22T15:56:45","modified_gmt":"2024-08-22T13:56:45","slug":"wer-regiert-die-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31761","title":{"rendered":"Wer regiert die Welt?"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160303-paul-schreyer.jpg\" title=\"Paul Schreyer\" alt=\"Paul Schreyer\"><\/div><p>Geld regiert die Welt, wie der Volksmund wei&szlig;. Nur: Wer regiert eigentlich das Geld? Und wie? Wie kommt es, dass fast alle Parteien inzwischen f&uuml;r dieselbe vermeintlich alternativlose Politik des Sozialabbaus und der Verelendung stehen? Wer zieht wie die Strippen im Hintergrund? Und wie kann die &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=y4CIiBL-EKg\">marktkonforme Demokratie<\/a>&ldquo; &agrave; la Merkel, in der wir leben, wieder zu einer Gesellschaft werden, die den Menschen dient? Zu diesen Fragen sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit dem Autor und Publizisten <strong>Paul Schreyer<\/strong>, dessen aktuelles Buch dem Thema &bdquo;Banken, Demokratie und T&auml;uschung&ldquo; nachsp&uuml;rt.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Schreyer, gerade erschien Ihr Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/wer-regiert-das-geld-paul-schreyer.html#.VrsFieak8Xg\">Wer regiert das Geld?<\/a>&ldquo;. Warum dieses Buch zu eben dieser Zeit? Haben Sie sich auf die Suche nach einer Schattenregierung aus b&ouml;sen Finsterlingen hinter dem, was sich uns als Demokratie darbietet, gemacht?<\/strong><\/p><p>Anh&auml;nger einer gro&szlig;en Weltverschw&ouml;rung bin ich nicht. Mich hat einfach interessiert, wie das Geldsystem funktioniert, wer in diesem System Verantwortung tr&auml;gt und Macht aus&uuml;bt. Ich finde es dumm, jede kritische Besch&auml;ftigung mit diesem Thema automatisch unter &bdquo;<a href=\"https:\/\/jensewernicke.wordpress.com\/2016\/01\/09\/vorsicht-verschwoerungstheorie\/\">Verschw&ouml;rungstheorie<\/a>&ldquo; -Verdacht zu stellen.<\/p><p><strong>Es geht also um &hellip; die Macht der finanziellen Eliten?<\/strong><\/p><p>Die spannende Frage lautet, wo genau im System diese Macht eigentlich verankert ist und wie das Geldsystem konkret funktioniert.<\/p><p><strong>Sie verwenden immer wieder den Begriff &bdquo;Geldsystem&ldquo;. Was meinen Sie damit genau?<\/strong><\/p><p>Es geht um die Prinzipien und Regeln, nach denen Geld heute zuerst geschaffen und danach verteilt wird. Das Geld ist ja nicht einfach da. Jemand erzeugt es zun&auml;chst. Das f&auml;llt oft unter den Tisch. In der Regel wird in der &Ouml;ffentlichkeit nur dar&uuml;ber diskutiert, wie Banken, Konzerne oder einzelne Reiche das bereits zirkulierende Geld bei sich anh&auml;ufen &ndash; und ob das in diesem Ausma&szlig; akzeptabel sei. Man sollte aber noch eine Ebene h&ouml;her gehen: Wer sch&ouml;pft &uuml;berhaupt neues Geld? Und mit welcher Legitimation geschieht das? <\/p><p><strong>Und, wie lautet die Antwort?<\/strong><\/p><p>Fragt man Menschen auf der Stra&szlig;e, dann denken die meisten, dass das Geld von der Zentralbank oder der Regierung geschaffen wird. Dazu gibt es Umfragen in verschiedenen L&auml;ndern &ndash; in <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/vollgeld-statt-buchgeld.724.de.html?dram:article_id=233065\">Deutschland<\/a>, der <a href=\"http:\/\/www.newsletter-webversion.de\/?c=0-879g-0-syr\">Schweiz<\/a>, <a href=\"http:\/\/positivemoney.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Positive-Money-Dods-Monitoring-Poll-of-MPs.pdf\">Gro&szlig;britannien<\/a>. &Uuml;berall glaubt die gro&szlig;e Mehrheit der Leute, ja, glauben teilweise sogar die <a href=\"http:\/\/positivemoney.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Positive-Money-Dods-Monitoring-Poll-of-MPs.pdf\">Parlamentsabgeordneten<\/a>, dass eine &ouml;ffentliche Stelle das Geld erzeugen w&uuml;rde. Aber das ist falsch. Nur das Bargeld wird heute noch von Zentralbanken oder der Regierung erzeugt. Und Bargeld macht inzwischen weniger als 20 Prozent des umlaufenden Geldes aus. Das meiste Geld ist heute Giralgeld, also die Betr&auml;ge auf unseren Girokonten, mit denen wir bezahlen &ndash; zum Beispiel via Lastschrift oder EC-Karte. Dieses Geld aber schaffen die privaten Banken.<\/p><p><strong>Das m&uuml;ssen Sie erkl&auml;ren.<\/strong><\/p><p>Das tue ich im Detail in meinem Buch &ndash; und nebenbei gesagt: Es ist l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llig, dass dieses Wissen ganz normal an den Schulen und Universit&auml;ten gelehrt wird. Erst langsam werden einige Lehrb&uuml;cher <a href=\"http:\/\/norberthaering.de\/de\/27-german\/news\/377-geld-aus-dem-nichts\">aktualisiert<\/a>.<\/p><p>Worum es geht: Neues Geld entsteht immer dann, wenn eine Bank einen Kredit vergibt. Verleiht sie tausend Euro, dann entstehen tausend Euro neu. Entgegen der landl&auml;ufigen &Uuml;berzeugung werden keine Spareinlagen anderer Bankkunden verliehen. Das ist ein Mythos, der sich hartn&auml;ckig h&auml;lt. In Wahrheit wird kein anderes Konto verringert, wenn ein Kreditnehmer Geld von einer Bank bekommt. Diese Geldsch&ouml;pfung der privaten Banken macht einen gro&szlig;en Teil ihrer gesellschaftlichen Macht aus.<\/p><p><strong>Inwiefern?<\/strong><\/p><p>Es ist eigentlich simpel. Alle Entscheidungsgewalt und Souver&auml;nit&auml;t einer Gesellschaft l&auml;uft am Ende auf zwei schlichte Fragen hinaus: Wer darf das Geld erschaffen? Und wer entscheidet dann &uuml;ber seine Verwendung? Der Clou daran: Heute erzeugen <em>und<\/em> verteilen Goldman Sachs, Barclays, Deutsche Bank und Co. fast alles Geld. <\/p><p>Daher r&uuml;hrt die Macht dieser Banken, und zwar nicht nur gegen&uuml;ber Privatleuten und Firmen, die auf Kredite angewiesen sind, sondern auch gegen&uuml;ber Regierungen. So gut wie alle Staaten sind heute permanent bei diesen Banken verschuldet. Die absolute Souver&auml;nit&auml;t liegt immer beim Geldsch&ouml;pfer. Historisch gesehen war die Geldsch&ouml;pfung stets das Vorrecht der eigentlichen Herrscher und K&ouml;nige.<\/p><p><strong>Sie verorten in diesem Prozess also einen der Gr&uuml;nde, warum die Zust&auml;nde in diesem und in anderen L&auml;ndern immer mehr an Diktatur denn an Demokratie erinnern?<\/strong><\/p><p>In meinem Buch beschreibe ich die Entwicklung in dieser Frage. Ich schildere zum Beispiel sehr detailliert den Kampf um die Geldmacht und das Geldsystem in Amerika von 1700, also noch vor Gr&uuml;ndung der USA, bis 1900, sowie in Deutschland von 1800 bis ins 20. Jahrhundert hinein. Sowohl in den USA wie auch in Deutschland wurden nahezu unabl&auml;ssig politische K&auml;mpfe um die Macht &uuml;ber die Geldsch&ouml;pfung ausgefochten. Es ging immer darum, was staatlich bzw. &ouml;ffentlich kontrolliert sein soll und was privat. Heute ist das fast vergessen, weil wir in unserem Geschichtsbild so sehr auf die Zeit ab 1945 fixiert sind und vieles durch die Brille &bdquo;Kommunismus oder Kapitalismus&ldquo; sehen. Die K&auml;mpfe um die Macht &uuml;ber das Geld sind aber viel &auml;lter &ndash; und zugleich hochaktuell.<\/p><p><strong>Sie haben meine Frage nicht beantwortet.<\/strong><\/p><p>Ganz kurz gesagt: Man kann nicht &uuml;ber Demokratie reden und dabei &uuml;ber das System der Herstellung von Geld in einer Gesellschaft schweigen &ndash; das gilt heute wie vor hundert Jahren. Wirklich souver&auml;n sind immer nur diejenigen, die den ersten Zugriff auf neues Geld haben und dieses dann verleihen.<\/p><p>Der deutsche Staat ist im Wesentlichen bei den sogenannten &bdquo;systemrelevanten&ldquo; internationalen Gro&szlig;banken verschuldet &ndash; also etwa bei der Deutschen Bank, Barclays, BNP Paribas oder Goldman Sachs, wie man auf der Seite der Deutschen Finanzagentur <a href=\"http:\/\/www.deutsche-finanzagentur.de\/fileadmin\/user_upload\/pressemeldungen\/2015\/pm_7_Bietergruppe_101215_dt.pdf\">nachlesen<\/a> kann, einer Beh&ouml;rde, die dem Bundesfinanzministerium untersteht. Eine solche Verschuldung der Allgemeinheit bei einer kleinen Gruppe von sehr reichen Menschen macht echte demokratische Entscheidungen im Kern unm&ouml;glich. Alles steht dann unter dem Vorbehalt des Willens und der W&uuml;nsche dieser Geldverleiher. Dar&uuml;ber wird aber nicht gesprochen &ndash; und die konkreten Verleiher, die hinter den Banken stehen, sind heute namentlich auch nicht &ouml;ffentlich bekannt. <\/p><p>Diese Situation besteht &uuml;brigens schon l&auml;nger, als vielen bewusst ist. Seit mehr als 150 Jahren sind der deutsche Staat bzw. damals noch Preu&szlig;en permanent bei einem Konsortium von Gro&szlig;banken verschuldet. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dazu das sogenannte &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Preu%C3%9Fen-Konsortium\">Preu&szlig;en-Konsortium<\/a>&ldquo; gegr&uuml;ndet, ein Kreis von Gro&szlig;banken, bei denen sich der Staat kontinuierlich verschuldete. Heute nennt sich das entsprechende Bankenkonsortium &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.deutsche-finanzagentur.de\/de\/institutionelle-investoren\/primaermarkt\/bietergruppe\/\">Bietergruppe Bundesemissionen<\/a>&ldquo; &ndash; das Prinzip aber ist das Gleiche geblieben. <\/p><p><strong>Wie sehen Sie denn die Situation heute? Befinden wir uns Ihrer Ansicht nach auf dem Weg in eine Postdemokratie?<\/strong><\/p><p>Der Begriff Postdemokratie unterstellt, dass es schon einmal eine Demokratie gab. Eben das aber steht in Frage, wenn man die beschriebenen Verschuldungs- und damit Machtverh&auml;ltnisse betrachtet. In diesem Sinne haben wir keine Postdemokratie, sondern eher eine Pr&auml;-Demokratie &ndash; also eine, die noch keine ist und die bislang auch erst in Ans&auml;tzen eine solche war. Die Tendenz zeigt zurzeit auf jeden Fall nicht in eine positive Richtung.<\/p><p><strong>Reden wir also &uuml;ber Klassenkampf? Und wenn ja: Wer k&auml;mpft da gegen wen? Sind es die Armen und Arbeitenden gegen &bdquo;die Million&auml;re&ldquo;? Oder sprechen wir davon, dass sich, wie etwa der Publizist Werner R&uuml;gemer <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23757\">konstatiert<\/a>, inzwischen eine &bdquo;internationale Kapitalistenklasse&ldquo; herausgebildet hat, die institutionalisiert entrechtet, umverteilt, Kriege forciert etc., kurzum also: einen immer gr&ouml;&szlig;er werdenden Teil der Menschheit ausbeutet, entrechtet, unterdr&uuml;ckt?<\/strong><\/p><p>Der Begriff Klassenkampf klingt f&uuml;r viele sicher veraltet und erinnert ja auch an die ideologischen Schlachten der Vergangenheit. Allerdings verwendet heute sogar mancher Chefkapitalist das Wort wieder. Der ber&uuml;hmte Investor und Multimilliard&auml;r Warren Buffet etwa <a href=\"http:\/\/www.berkshirehathaway.com\/2003ar\/2003ar.pdf\">meinte<\/a> 2004 in einem pers&ouml;nlichen Gru&szlig; an seine Aktion&auml;re: &bdquo;If class warfare is being waged in America, my class is clearly winning.&ldquo; Also &uuml;bersetzt: &bdquo;Wenn es einen Klassenkampf in Amerika gibt, dann ist meine Klasse eindeutig dabei, ihn zu gewinnen.&ldquo;<\/p><p>Zu dieser Klasse geh&ouml;ren neben den Eigent&uuml;mern und Managern der Gro&szlig;banken auch die global t&auml;tigen Investmentfonds, die zwar selbst kein Geld sch&ouml;pfen k&ouml;nnen wie die Banken, die aber ebenso &uuml;ber Verteilungsmacht beim Investieren von fremden Verm&ouml;gen verf&uuml;gen. Um diese Geldsch&ouml;pfungs- und Geldsammelstellen gruppieren sich international arbeitende Dienstleister, wie Ratingagenturen, Wirtschaftspr&uuml;fer und Unternehmensberatungen. Gemeinsam bilden all diese Finanzkonzerne de facto eine transnationale Interessengruppe, die man ebenso gut als &bdquo;Klasse&ldquo; bezeichnen kann. <\/p><p>Und dieser in absoluten Zahlen sehr kleinen Gruppe von Menschen steht nun im Grunde die gesamte &uuml;brige Menschheit gegen&uuml;ber: Eine winzige Gruppe hat ein System perfektioniert, dass 99,99 Prozent der Leute mehr oder weniger f&uuml;r sich arbeiten l&auml;sst. Mit freier Marktwirtschaft hat das wenig zu tun &ndash; die meisten Unternehmer werden ja von diesem Finanzkl&uuml;ngel ganz &auml;hnlich manipuliert und ausgenommen wie der &bdquo;Normalb&uuml;rger&ldquo;.<\/p><p><strong>Und wie haben sich die Mechanismen und Methoden dieses Klassenkampfes im Zeitverlauf ver&auml;ndert? Was ist heute anders als vor 150 Jahren?<\/strong><\/p><p>Damals waren die Banken oft familiengef&uuml;hrt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts aber haben sich an deren Stelle anonyme Aktiengesellschaften durchgesetzt. Das ist noch eine h&ouml;here Abstraktionsebene im System. Das Personal von Aktiengesellschaften ist beliebig austauschbar. Ein Begriff wie &bdquo;Verantwortlichkeit&ldquo; droht in einem solchen anonymen, &uuml;bernationalen System unmerklich zu verschwinden. Sogar die meisten der aktiv beteiligten Banker und Berater haben irgendwann den Eindruck, selbst nur noch austauschbare R&auml;dchen zu sein, die scheinbar unver&auml;nderlichen &bdquo;Naturgesetzen&ldquo; folgen. Die Finanzelite l&auml;uft quasi auf &bdquo;Autopilot&ldquo;.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/amcW2dP-sMg\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center;\"><strong>Film: Master of the Universe<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Vor 150 Jahren waren die f&uuml;hrenden Bankiers in dem Konsortium, das dem Staat permanent Geld lieh, Pers&ouml;nlichkeiten wie Gerson Bleichr&ouml;der, ein enger Freund und Berater Bismarcks, sowie Adolph Hansemann, der Chef der Disconto-Gesellschaft, damals der gr&ouml;&szlig;ten Bank Preu&szlig;ens. Beide geh&ouml;rten zu der Zeit zu den Reichsten des Landes. Ihr Einfluss war im Zweifel gr&ouml;&szlig;er als der von Abgeordneten oder Ministern. Aber ihre Namen waren eben auch &ouml;ffentlich bekannt. Heute nun wissen wir nicht einmal mehr, wer die fast 30 Milliarden Euro Zinsen, die der deutsche Staat j&auml;hrlich an seine Gl&auml;ubiger zahlt, eigentlich genau bekommt. Auf meine Nachfrage konnte mir das Bundesfinanzministerium jedenfalls keine Auskunft dazu geben. Das System ist auch in dieser Hinsicht offenbar absichtlich intransparent.<\/p><p>Und auch in Bezug auf die scheinbar feste und &bdquo;gute&ldquo; internationale Ordnung mit den &ouml;ffentlichen Zentralbanken an der Spitze tr&uuml;gt der Schein. Denn die Zentralbanken sind nicht neutral. Sie handeln meist als Interessenvertreter des privaten Bankensektors. Dazu kommt der bereits beschriebene Irrglaube, dass Zentralbanken im Sinne der &Ouml;ffentlichkeit kontrolliert alles Geld sch&ouml;pfen w&uuml;rden. Wir leben in diesem Punkt gedanklich in einer Scheinwelt und m&uuml;ssen, bevor wir irgendetwas analysieren k&ouml;nnen, erst einmal begreifen, was wirklich passiert. <\/p><p>Das betrifft gerade auch die sogenannten Fachleute. Denn die erw&auml;hnte Geldsch&ouml;pfung der privaten Banken wurde &uuml;ber viele Jahrzehnte in der Wissenschaft sogar geleugnet. Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Wirtschaftswissenschaften in dem Punkt schon mal weiter. Vergessenes und verdr&auml;ngtes Wissen muss heute erst wieder m&uuml;hsam an die Oberfl&auml;che gebracht werden. Der in Gro&szlig;britannien lehrende deutsche &Ouml;konom Richard Werner hat hier in j&uuml;ngster Zeit ma&szlig;gebliche Forschungsarbeit geleistet. Er <a href=\"http:\/\/eprints.soton.ac.uk\/384540\/1\/IRFA%202015%20Werner%20Lost%20Century%20in%20Economics%20-%20Banking.pdf\">spricht<\/a> in diesem Zusammenhang von einem &bdquo;verlorenen Jahrhundert&ldquo; f&uuml;r die Wirtschaftswissenschaften. Die &Ouml;konomen haben in den letzten hundert Jahren, und insbesondere seit 1945, mehr verschleiert als erkl&auml;rt.<\/p><p><strong>Die These lautet also, dass unsere Regierungen von den Eliten erpresst werden, respektive auf diese angewiesen weil bei ihnen verschuldet sind? L&auml;uft es darauf hinaus? Also auf das gute, alte Tucholsky-Wort: <em>&ldquo;Wenn Wahlen etwas &auml;ndern w&uuml;rden, dann w&auml;ren sie verboten&rdquo;<\/em>?<\/strong><\/p><p>Durch Wahlen w&uuml;rde sich allenfalls dann etwas grunds&auml;tzlich &auml;ndern, wenn eine Partei sich entschl&ouml;sse, die Frage der Sch&ouml;pfung von Giralgeld gesetzlich neu regeln zu wollen &ndash; und wenn eine solche Partei dann durch die W&auml;hler in Regierungsverantwortung gebracht w&uuml;rde. Das wird nicht morgen und wohl auch nicht im n&auml;chsten Jahr passieren. Es gibt aber Beispiele f&uuml;r Versuche in der Vergangenheit. Ich erw&auml;hne in meinem Buch die heute so gut wie vergessenen amerikanischen sozialdemokratischen Parteien &bdquo;Greenback Party&ldquo; und &bdquo;People&acute;s Party&ldquo;, die Ende des 19. Jahrhunderts auch das Geldsystem demokratisieren wollten und die bei Pr&auml;sidentschafts- und Parlamentswahlen in den USA teilweise mehr als 10 Prozent der W&auml;hlerstimmen bekamen. Der ihnen nahestehende Pr&auml;sidentschaftskandidat der Demokraten William Jennings Bryan sagte im Wahlkampf von 1896 in einer ber&uuml;hmten <a href=\"http:\/\/historymatters.gmu.edu\/d\/5354\/\">Rede<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir glauben, dass das Recht, M&uuml;nzen zu pr&auml;gen und Geld zu erzeugen, bei der Regierung liegt. Es ist Teil der Souver&auml;nit&auml;t und sollte ebenso wenig an Privatleute delegiert werden, wie die Macht &uuml;ber das Strafrecht oder die Steuergesetze. (&hellip;) Unsere Gegner sagen, dass die Ausgabe von Papiergeld den Banken zusteht, und sich die Regierung aus Bankgesch&auml;ften heraushalten sollte. Ich bin anderer Meinung, und sage, so wie Jefferson es tat, dass die Erzeugung von Geld der Regierung zusteht, und die Banken sich aus Regierungsgesch&auml;ften heraushalten sollten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Bryan verlor damals nur knapp mit landesweit 47 Prozent der Stimmen das Rennen um die Pr&auml;sidentschaft.<\/p><p><strong>In Kapitel 3 Ihres Buches beschreiben Sie, dass Banken einen gro&szlig;en Teil ihrer K&auml;ufe geschenkt bek&auml;men. Wie darf man sich das genau vorstellen?<\/strong><\/p><p>Das ist vergleichsweise wenig bekannt. Banken sch&ouml;pfen Geld nicht nur bei der Kreditvergabe, sondern auch immer dann, wenn sie etwas kaufen. Die Schlussfolgerungen, die sich daraus ergeben, sind sehr weitreichend und dieser Punkt sollte daher dringend &ouml;ffentlich diskutiert werden. Bis jetzt wird dazu von den meisten Experten geschwiegen. Geldsch&ouml;pfung bei Kreditvergabe, dar&uuml;ber redet man schon hier und da &ndash; aber Geldsch&ouml;pfung bei K&auml;ufen, die Banken t&auml;tigen, das ist noch eher Tabu in der Debatte oder eben schlicht unbekannt.<\/p><p>Im Buch erkl&auml;re ich, wie das vom Prinzip her funktioniert und welche Rolle dabei bestimmte internationale Bilanzregeln sowie die gro&szlig;en Wirtschaftspr&uuml;fungskonzerne wie etwa KPMG, welche die Jahresabschl&uuml;sse von Deutscher Bank und Co. ja absegnen, spielen. Schon in den Bilanzregeln werden Bargeld und Giralgeld teilweise begrifflich vermischt. Das dient letztlich auch der Verschleierung von Bankenprofiten, die aus K&auml;ufen mit selbst gesch&ouml;pftem Geld entstehen. Dieser Komplex ist eigentlich ein Riesenthema, das sich aber noch vollkommen unter dem Radar der &Ouml;ffentlichkeit bewegt.<\/p><p><strong>Und wenn wir nun, jene Klasse also, die den Klassenkrieg gerade verliert, etwas gegen die aktuellen Entwicklungen tun wollen, dann &hellip; ja, dann h&uuml;lfe was genau? Dass wir zuerst einmal die Wirtschaftswissenschaften von all ihren unsere Geister vernebelnden Mythen befreien? Und dann&hellip;?<\/strong><\/p><p>Ein wichtiger Punkt ist auf jeden Fall, wie bereits erw&auml;hnt, die &Uuml;bertragung der Geldsch&ouml;pfung in &ouml;ffentliche Hand. Es gibt ein paar Dinge in der Gesellschaft, wo breiter Konsens dar&uuml;ber besteht, dass sie nicht privat sein sollten. Dazu geh&ouml;ren zum Beispiel die Justiz oder die Polizei. Die Schaffung von Geld geh&ouml;rt ebenfalls nicht in private Hand. Private Banken sind das eine, aber sie sollen kein Geld drucken und auch kein Giralgeld erzeugen d&uuml;rfen. <\/p><p>In der Schweiz wurden &uuml;brigens genau f&uuml;r diese Forderung im vergangenen Jahr erfolgreich <a href=\"http:\/\/www.handelszeitung.ch\/politik\/vollgeld-initianten-deponieren-unterschriften-930612\">100.000 Unterschriften gesammelt<\/a>. Deshalb gibt es dort demn&auml;chst eine Volksabstimmung zu genau dieser Frage. <\/p><p>Und auch in <a href=\"http:\/\/internationalmoneyreform.org\/\">vielen anderen L&auml;ndern<\/a> sind &auml;hnliche Initiativen entstanden. Etwa <a href=\"http:\/\/www.positivemoney.org\">in Gro&szlig;britannien<\/a>, aber auch <a href=\"http:\/\/www.monetative.de\">in Deutschland<\/a>. Sie alle haben im Moment vor allem damit zu tun, zun&auml;chst einmal aufzukl&auml;ren &uuml;ber die Wirklichkeit des Geldsystems. Es ist im Grunde ein riesiges internationales Bildungsprogramm zu leisten.<\/p><p><strong>Noch ein letztes Wort?<\/strong><\/p><p>Der Kampf um das Geldsystem w&auml;hrt schon Jahrhunderte. Gebraucht wird also ein langer Atem. Dennoch sollte man sich nicht entmutigen lassen. Souver&auml;nit&auml;t muss immer wieder neu erk&auml;mpft werden. <\/p><p>Wenn in <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_20.html\">Artikel 20<\/a> unseres Grundgesetzes steht, dass &bdquo;alle Staatsgewalt vom Volke&ldquo; ausgehe, so wird damit offenkundig eher ein Ziel als die Realit&auml;t beschrieben. Es ist aber ein Ziel, f&uuml;r das es zu k&auml;mpfen lohnt.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>Paul Schreyer<\/strong> ist freier Journalist, unter anderem f&uuml;r das Magazin Telepolis. Zu seinem 2013 erschienenen Buch &bdquo;Faktencheck 9\/11&ldquo; meinte Dr. Dieter Deiseroth, Richter am Bundesverwaltungsgericht: &bdquo;Geh&ouml;rt zum Besten, was man an kritischen Analysen zu diesem Thema auf dem deutschen Buchmarkt finden kann&ldquo;. Sein letztes Buch &bdquo;Wir sind die Guten &ndash; Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren&ldquo; (mit Mathias Br&ouml;ckers) wurde ein Spiegel-Bestseller.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Blog zum Buch: &bdquo;<a href=\"https:\/\/geldschoepfer.wordpress.com\/lesetipps-und-links\/\">Geldsch&ouml;pfer.info &ndash; Lesetipps und Links<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/8c59ec7a74894a8dbc9c57c48a9c9c2f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160303-paul-schreyer.jpg\" title=\"Paul Schreyer\" alt=\"Paul Schreyer\"\/><\/div>\n<p>Geld regiert die Welt, wie der Volksmund wei&szlig;. Nur: Wer regiert eigentlich das Geld? Und wie? Wie kommt es, dass fast alle Parteien inzwischen f&uuml;r dieselbe vermeintlich alternativlose Politik des Sozialabbaus und der Verelendung stehen? Wer zieht wie die Strippen im Hintergrund? Und wie<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31761\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,126,134,209],"tags":[374,293,1854,1855,1705,325,471],"class_list":["post-31761","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-erosion-der-demokratie","category-finanzen-und-waehrung","category-interviews","tag-eliten","tag-finanzwirtschaft","tag-geldschoepfung","tag-privatbanken","tag-schreyer-paul","tag-staatsschulden","tag-systemrelevanz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31761","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=31761"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31761\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120033,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31761\/revisions\/120033"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=31761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=31761"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=31761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}