{"id":3193,"date":"2008-04-30T09:26:49","date_gmt":"2008-04-30T07:26:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3193"},"modified":"2015-11-24T16:19:38","modified_gmt":"2015-11-24T15:19:38","slug":"ein-teil-der-jungen-und-mittleren-generation-glaubt-wirklich-die-alten-lebten-auf-kosten-der-jungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3193","title":{"rendered":"Ein Teil der jungen und mittleren Generation glaubt wirklich, die Alten lebten auf Kosten der Jungen &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>und es sei unabwendbar, dass es ihnen im Alter einmal schlechter geht. &ndash; Ich h&auml;tte nicht geglaubt, dass die Kampagne der Spahns (CDU) und Herzogs im Umfeld der au&szlig;erplanm&auml;&szlig;igen Erh&ouml;hung der Renten um 1,1% so verf&auml;ngt. Aber in Gespr&auml;chen mit Personen dieser Altersgruppe treffe ich immer wieder auf eine fast schon aggressive Haltung gegen&uuml;ber der &auml;lteren Generation und zugleich auf den festen Glauben daran, dass an ihrem Schicksal, im Alter schlechter als die jetzige Rentnergeneration dazustehen und sogar in Altersarmut zu st&uuml;rzen, kaum etwas zu &auml;ndern ist. Es sei denn, sie sorgen kr&auml;ftig privat vor. &ndash; Viele glauben auch, dass die Schwierigkeiten der Finanzierung der Altersvorsorge zu aller erst aus der demographischen Entwicklung folge. Sie erkennen nicht, dass die wirtschaftlichen Gr&uuml;nde um vieles gravierender sind. Und sie nehmen nicht wahr, dass die k&uuml;nftige Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente bewusst und absichtlich besch&auml;digt, gek&uuml;rzt worden ist. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p><em>Dazu einige Stichworte:<\/em><\/p><p><strong>Erstens:<br>\nDie Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente ist absichtlich besch&auml;digt und auf das Niveau einer Basisrente reduziert worden.<\/strong><br>\nHierzu finden sich in den NachDenkSeiten wie auch in unseren anderen Publikationen eine F&uuml;lle von Belegen und Hinweisen &ndash; z.B. auf die versicherungsfremden Leistungen, auf die rentenk&uuml;rzende Folge der Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre, auf den Riester-Faktor und so weiter. Die Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente ist bewusst beschnitten worden, um der privaten Versicherungswirtschaft und den Banken bei der j&uuml;ngeren Generation ein neues Gesch&auml;ftsfeld zu er&ouml;ffnen. Wegen dieser Analyse wurden wir des &Ouml;fteren schon der Neigung zur Verschw&ouml;rungstheorie bezichtigt. Deshalb sind wir Herrn Professor Raffelh&uuml;schen ausgesprochen dankbar, dass er diesen Trick ausf&uuml;hrlich beschrieben hat. Als Anlage finden Sie unten einen Auszug aus dem Manuskript des Fernsehfilms &bdquo;Rentenangst&ldquo; der ARD\/Saarl&auml;ndischer Rundfunk, erstmals gesendet am 9.3.2008, Wiederholung bei Phoenix am 5.5.. Die einschl&auml;gigen Stellen sind fett markiert. Professor Raffelh&uuml;schen macht sich im Kreis von Versicherungsagenten dar&uuml;ber lustig, &bdquo;kein Mensch&ldquo; habe &bdquo;mitgekriegt, dass wir aus der Rente inzwischen &lsquo;ne Basisrente schon l&auml;ngst gemacht haben.&ldquo;<\/p><p>Es ist ein Ph&auml;nomen, dass trotz dieses klaren Eingest&auml;ndnisses &ndash; man k&ouml;nnte auch sagen, dass trotz des Protzens eines der beteiligten Wissenschaftler mit dem Erfolg der absichtlich gek&uuml;rzten Rente &ndash; professionelle Beobachter der Szene, zum Beispiel Journalisten, inzwischen diesen willentlich gemachten Niedergang der Leistungsf&auml;higkeit der Gesetzliche Rente f&uuml;r zwangsl&auml;ufig halten. Also nicht als bewusste politische Tat zur Bef&ouml;rderung des Gesch&auml;fts der Rentenversicherung betrachten, sondern als eine zwangsl&auml;ufige Folge der demographischen Entwicklung zum Beispiel.<\/p><p>Das ist ein erstaunliches Ph&auml;nomen. Es best&auml;tigt wieder einmal die Beobachtung, dass in unserem Lande zwei verschiedene &Ouml;ffentlichkeiten unber&uuml;hrt nebeneinander existieren k&ouml;nnen: Die eine &Ouml;ffentlichkeit, die des mainstream, deren Botschaft lautet, zuk&uuml;nftige Rentner w&uuml;rden in jedem Fall weniger haben als die heutigen Rentner. Und dann die andere &Ouml;ffentlichkeit, die kritische &Ouml;ffentlichkeit, die die einzelnen politischen Taten zur Minderung der Leistungsf&auml;higkeit wahrgenommen hat und ihre Version durch &Auml;u&szlig;erungen wie die von Raffelh&uuml;schen best&auml;tigt sieht.<\/p><p><strong>Zweitens:<br>\nDass es den J&uuml;ngeren heute schlechter geht als der &auml;lteren Generation liegt nicht am demographischen Wandel, also etwa daran, dass es zu viele Alte gibt und diese auch noch zu lange leben. Unser Hauptproblem ist das &ouml;konomische Problem.<\/strong><br>\nAls meine Generation vor 40 Jahren ins Berufsleben eintrat, da konnten wir uns bei einigerma&szlig;en vern&uuml;nftiger Ausbildung die Jobs aussuchen. Unsere Berufs- und Einkommensperspektive war &ndash; ob als Handwerker oder als Akademiker\/in oder als Facharbeiter\/in &ndash; in der Regel gut. Wir konnten sogar w&auml;hlen. Heute m&uuml;ssen die jungen Leute x Bewerbungen schreiben. Oft ohne Erfolg. Entsprechend schlecht ist das Druckpotenzial f&uuml;r gute L&ouml;hne und Einkommen. So gesehen ist die j&uuml;ngere Generation wirklich benachteiligt. Aber mit Demographie hat das nichts zu tun.<\/p><p>Auch die finanziellen Schwierigkeiten der sozialen Sicherungssysteme folgen nicht aus der demographischen Entwicklung sondern aus der mangelnden Besch&auml;ftigungs- und Lohnentwicklung. Hohe Arbeitslosigkeit, ein Verlust von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsvertr&auml;gen von 30 Millionen im Jahr 1990 auf ungef&auml;hr 27 Millionen heute, Minijobs und andere prek&auml;re Arbeitsverh&auml;ltnisse, seit 15 Jahren stagnierende Reall&ouml;hne, Festhalten der Beitragss&auml;tze &ndash; das sind Faktoren, die die sozialen Sicherungssysteme finanziell unsicher erscheinen lassen und auch unsicher machen.<br>\nUnd was die Relation von Jung zu Alt betrifft: die Alterung war im letzten Jahrhundert um einiges gravierender. Die Lebenserwartung stieg um 30 Jahre. In den n&auml;chsten 50 Jahren werden es zwischen sechs und acht Jahren sein.<\/p><p><strong>Drittens:<br>\nDie heute wie selbstverst&auml;ndlich und immer wieder vorgetragene Behauptung, der heute jungen und der arbeitenden Generation werde es als Rentner zwangsl&auml;ufig schlechter gehen als den heutigen Rentnern, ist nicht richtig. Wir haben Optionen, Stellschrauben, mit denen man daf&uuml;r sorgen k&ouml;nnte, wenn man wollte, dass es in 20, 30 oder 40 Jahren auch den heute Arbeitenden dann als Rentnern gut geht. Warum nicht? Warum dieser Pessimismus?<\/strong><\/p><p>Rational kann ich das nicht erkl&auml;ren. Und verstehen auch nicht. Ich will einige Optionen nennen:<\/p><p>Option A: Arbeitslosigkeit reduzieren, Menschen in Arbeit bringen.<\/p><p>Option B: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverh&auml;ltnissen wieder mindestens auf das Niveau von 1990 heben.<\/p><p>Option C: Die Erwerbsquote erh&ouml;hen, bei Frauen zum Beispiel auf das Niveau von Schweden.<\/p><p>Option D: Die Arbeitsproduktivit&auml;t f&ouml;rdern &ndash; durch gute Ausbildung, durch eine gute und verl&auml;ssliche Infrastruktur, durch F&ouml;rderung der so genannten F&uuml;hlungsvorteile der Unternehmen.<\/p><p>Wie es den heute Arbeitenden sp&auml;ter einmal als Rentner gehen wird, das h&auml;ngt zentral von der wirtschaftlichen Entwicklung und davon ab, ob es gelingt, mehr Menschen in Besch&auml;ftigung zu bringen, und davon, ob sie produktiv arbeiten k&ouml;nnen.<\/p><p>Die Wirtschaftskammer &Ouml;sterreichs (WKO) hat einen interessanten Vergleich der Arbeitslosenquoten innerhalb der EU-Staaten gemacht. Man hat die durchschnittliche Arbeitslosenquote von 2000 bis 2008 f&uuml;r alle 27 EU-Staaten ausgerechnet und <a href=\"upload\/pdf\/20080430_WKO_europa.pdf\">verglichen [PDF &ndash; 32 KB]<\/a>. Deutschland leidet mit 8,8% im Durchschnitt dieser neun Jahre unter einer mehr als doppelt so hohen Arbeitslosenquote als &Ouml;sterreich, D&auml;nemark, Luxemburg und die Niederlande. Wenn zum Beispiel unser Nachbarland im Norden, D&auml;nemark, und &Ouml;sterreich, unser Nachbarland im S&uuml;den, in einer so langen Frist eine durchschnittliche Quote von 4,3% erreichen, und unser Nachbar im Westen, die Niederlande sogar 3,4% im Durchschnitt, dann kann das bei uns weder an der Globalisierung noch an sonstigen unabwendbaren Umst&auml;nden liegen. Auch die genannten L&auml;nder sind Teil dieser Welt. Auch die deutsche Einheit kann nach 10 Jahren nicht mehr als alleinige Ausrede benutzt werden. Hierzulande wird einfach eine schlechtere Wirtschaftspolitik gemacht. Das ist doch nicht zwangsl&auml;ufig so. Das kann man doch &auml;ndern!<\/p><p>Wenn wir in den vergangenen neun Jahren auch nur halbwegs so gut wie &Ouml;sterreich, D&auml;nemark und die Niederlande abgeschnitten h&auml;tten, dann h&auml;tten unsere sozialen Sicherungssysteme keine Finanzierungsprobleme.<\/p><p>Ich habe an anderer Stelle, in meinem Buch &bdquo;Machtwahn&ldquo; schon vorgerechnet, dass wir schon im Jahre 2005 700 Milliarden mehr Bruttoinlandsprodukt zur Verf&uuml;gung gehabt h&auml;tten, wenn Bundesbank und Bundesregierung 1993 nicht unverantwortlicher Weise den notwendigen Einheitsboom abgebrochen h&auml;tten. Heute w&auml;ren das noch mehr Milliarden und fast schon 1\/3 des gesamten Bruttoinlandsproduktes.<\/p><p>Dieser Blick in die Vergangenheit zeigt, was wir k&uuml;nftig richtig machen m&uuml;ssten. Wenn wir nicht endlich expansiv in der Wirtschaftspolitik werden, wenn nicht endlich die Masseneinkommen wieder real wachsen und daf&uuml;r auch der Kapitalstock unserer Volkswirtschaft erweitert wird, ich meine den realen Kapitalstock durch Investitionen und nicht den fiktiven durch Sparen, dann steht uns in 20, 30 oder 40 Jahren ein Bruttoinlandsprodukt zur Verf&uuml;gung, das geteilt durch ein bisschen weniger Bewohner dieses Landes jeder Gruppe &ndash; den Kindern und Jugendlichen, den arbeitenden Erwachsenen und den Rentnern &ndash; mehr zur Verf&uuml;gung stellen kann. 1,5% j&auml;hrlicher Produktivit&auml;tsfortschritt f&uuml;hrt zu einer Verdoppelung des Bruttoinlandsproduktes in knapp 50 Jahren. Das ist erreichbar, wenn wir wollen und wenn wir die richtige Politik machen.<\/p><p><strong>Viertens:<br>\nNeuaufbau der Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente und Einbeziehung weiterer Gruppen.<\/strong><br>\nAuf der Basis dieser wirtschaftlichen Belebung ist dann eine Neubesinnung auf die Rationalit&auml;t und Qualit&auml;t des Umlageverfahrens h&ouml;chst nahe liegend. Dieses Verfahren arbeitet preiswert. Es verschleudert keine Ressourcen f&uuml;r Versicherungskonzerne und Vertriebsorganisationen. Es w&auml;re politisch ausgesprochen sinnvoll, daraufhin zu arbeiten, die Leistungsf&auml;higkeit dieses Systems und damit die fr&uuml;here Rentenformel wiederherzustellen.<\/p><p>Dann m&uuml;sste das System Ver&auml;nderungen der Erwerbsbiografien angepasst werden. Das ist nicht ganz einfach, wenn man, was ich f&uuml;r vern&uuml;nftig halte, am &Auml;quivalenzprinzip prinzipiell festh&auml;lt. Aber wie bisher sind solidarische Korrekturen m&ouml;glich. F&uuml;r jene junge Generation, die heute in Riester- und R&uuml;rup-Renten gepresst und gelockt werden, w&auml;re die Wiederbelebung des Umlageverfahrens in seiner vollen Leistungsf&auml;higkeit eine wirkliche Erleichterung. Sie m&uuml;ssten keinesfalls mehr an Beitr&auml;gen bezahlen, wie sie dies heute f&uuml;r die Riesterrente zum Beispiel mit einem Zuschlag von 4% ihres Einkommens schon tun.<\/p><p>Es w&auml;re wichtig, das System wieder flexibel zu handhaben und nicht mit der ideologischen Blockade &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; arbeitsunf&auml;hig zu machen. Das hei&szlig;t, es k&ouml;nnte durchaus sein, dass vor&uuml;bergehend die Beitr&auml;ge auch ein bisschen weiter steigen. Es k&ouml;nnte auch sein, dass das Renteneintrittsalter effektiv an die 65 Jahre-Grenze herankommt. Alleine dadurch w&uuml;rde das Problem nahezu v&ouml;llig entsch&auml;rft &ndash; von allen anderen zuvor genannten Optionen abgesehen.<\/p><p>Wenn man im Gespr&auml;ch mit Meinungsf&uuml;hrern die Wiederbelebung der gesetzlichen Rente ins Spiel bringt, dann wird man mit gro&szlig;en Augen angeschaut, so als h&auml;tte man einen unsittlichen Antrag gemacht. Auch hier wird wieder ein eigenartiges Ph&auml;nomen sichtbar. Offensichtlich ist die Meinungsmache mit den Botschaften &bdquo;alles ist neu&ldquo; und &bdquo;Bew&auml;hrtes ist von gestern&ldquo; so erfolgreich gewesen, dass auch sehr sympathische Diskussionspartner aus der j&uuml;ngeren und mittleren Generation abschalten, wenn bew&auml;hrte Regeln wieder ins Spiel gebracht werden. Das gilt f&uuml;r das Umlage erfahren genauso wie f&uuml;r eine expansive Wirtschaftspolitik. Wir leben in einer Zeit, in der h&ouml;chst erfolgreich die Meinung verbreitet worden ist, Politik bestehe aus st&auml;ndiger Ver&auml;nderung. Ganz egal wohin.<\/p><p><strong>Fazit: Es gibt eine Reihe von Flexibilit&auml;ten in dem System. Es gibt keinen Grund, pessimistisch davon auszugehen, den heute arbeitenden Jungen und Menschen mittleren Alters m&uuml;sste es sp&auml;ter schlechter gehen als den heutigen Rentnern. Dass dies so einhellig geglaubt und immer wieder wiederholt wird, ist ein wirklich erstaunliches Ph&auml;nomen. Man muss annehmen, dass es so etwas wie einen kollektiven Wahn gibt. Oder dass die Publicrelations Organisationen der Finanzwirtschaft so elegant und so unmerklich arbeiten, dass auch ernst zu nehmende Beobachter\/innen des Zeitgeschehens sich die pessimistische Sorge um die Zukunft ihrer Rente zu Eigen machen. Ein Beispiel davon fand sich gerade in der taz:<br>\n<\/strong><\/p><p><strong>&bdquo;Mindestrente, schwer zu sichern<\/strong><br>\nDen jetzigen Rentnern geht es noch einigerma&szlig;en gut. Bei der n&auml;chsten Generation sieht das anders aus &ndash; laut einer neuen Studie sinkt das Einkommen von Rentnern stetig.<br>\nJe l&auml;nger die Rentendebatte dauert, desto gr&ouml;&szlig;er wird die Verwirrung. Wie arm sind denn die &Auml;lteren nun eigentlich? Es erschwert die Debatte, dass die Datenlage so uneinheitlich ist. Die Gegenwart der deutschen Rentner ist bestens erforscht &ndash; ihre k&uuml;nftige Lage l&auml;sst sich nur aus Hochrechnungen erahnen.&ldquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/zukunft\/wirtschaft\/artikel\/1\/mindestrente-schwer-zu-sichern\/?src=TE&amp;cHash=58ad4c0886\">taz<\/a><\/p><p><strong>Anhang:<br>\nTextauszug Film &bdquo;Rentenangst&ldquo; des Saarl&auml;ndischen Rundfunks:<\/strong><\/p><blockquote><p>\nAlbrecht M&uuml;ller jedenfalls ist &uuml;berzeugt, dass Privatvorsorge vor allem den Versicherungskonzernen nutzt: &bdquo;Wenn es der Privatvorsorge, den Versicherungskonzernen gelingt, nur 10 Prozent der Beitr&auml;ge, die heute in die gesetzliche Rente gehen, her&uuml;berzuholen und auf ihre M&uuml;hlen zu lenken, dann ist das ein Umsatzzuwachs von 15-16 Milliarden Euro jedes Jahr. An Pr&auml;mienzuwachs. Und wenn sie einen solchen Zuwachs haben, dann haben sie riesige Gewinne und Provisionen und das k&ouml;nnen sie dann zum Teil nehmen und k&ouml;nnen es Wissenschaftler geben, wie dem Herrn Miegel, oder einer ganzen Reihe, der Herr R&uuml;rup, der Herr Sinn, der Herr Raffelh&uuml;schen, B&ouml;rsch-Zupan, die sind alle in Diensten der Finanzdienstleister und der Versicherungswirtschaft, das sind keine unabh&auml;ngigen Wissenschaftler und das muss man erst mal verstehen, mich wundert, dass die deutschen Medien das nicht wahrnehmen.<\/p><\/blockquote><p>Getarnte Lobbyisten als die heimlichen V&auml;ter der Rentenreform? Wir wollen mit einem der genannten Wissenschaftler &uuml;ber diese Vorw&uuml;rfe sprechen.<br>\nProfessor Bernd Raffelh&uuml;schen hat besonders lautstark den Umbau des Systems zu mehr Privatvorsorge propagiert. Er war Regierungsberater in der R&uuml;rup-Kommission. Gleichzeitig sitzt er im Aufsichtsrat des gr&ouml;&szlig;ten deutschen Versicherers ERGO und ber&auml;t den Verband der Versicherungswirtschaft.<br>\nWir treffen Raffelh&uuml;schen bei einem Kongress f&uuml;r Versicherungsmakler in Neuss. Unsere Frage an den Finanzwissenschaftler der Universit&auml;t Freiburg: &bdquo;Wie unabh&auml;ngig sind denn ihre Forschungen zu dem Thema?&ldquo; Seine Antwort:<\/p><blockquote><p>Wie unabh&auml;ngig sind denn ihre Forschungen zu dem Thema?&ldquo; Seine Antwort: &bdquo;Also ich bin nicht nur im Aufsichtsrat eines Versicherungsunternehmens, ich bin auch Aufsichtsrat in einer Genossenschaft, wie auch in einem kirchlichen Verbund. Also ich bin in drei Mandatspositionen. Und die Sponsoren meines Instituts sind die Europ&auml;ische Zentralbank und L&auml;nder wie Norwegen, Liechtenstein, Schweiz oder andere, also das ist immer breit. Ja, ja. Klar\n<\/p><\/blockquote><p>Nicht zu vergessen allerdings die Sponsoren des Vereins zur F&ouml;rderung des Forschungszentrums Generationenvertr&auml;ge e.V., dessen Direktor Raffelh&uuml;schen ist und das sind: die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, eine Lobby der Metallarbeitgeber, Gerling, der Verband der privaten Krankenversicherungen, die S&uuml;ddeutsche Krankenversicherung und die M&uuml;nchner R&uuml;ck. Wir fragen also nach: Diese Unternehmen haben ja ein direktes Interesse daran, dass dieser Kuchen w&auml;chst. Wie definieren sie da ihre Position? Die Antwort des viel besch&auml;ftigten Professors Raffelh&uuml;schen:<\/p><blockquote><p>Meine Rolle? Ganz einfach: Ich habe zu rechnen, eine Generationenbilanz aufzustellen. Jeder, der will, kann diese Sache nachrechen, k&auml;uflich bin ich jedenfalls nicht.<\/p><\/blockquote><p>Sicher: Die Alterung der Gesellschaft kann man wissenschaftlich berechnen. Nicht aber die Behauptung, warum wir deshalb unbedingt mehr Privatvorsorge brauchen. Aber Vertreter brauchen auch keine Beweise, sondern Provisionen. Raffelh&uuml;schen liefert den Vertretern mit seinem Vortrag Argumente und Pointen.<br>\nZitat aus dem Vortrag von Prof. Bernd Raffelh&uuml;schen: &bdquo;Die Rente ist sicher, ja, sag ich Ihnen ganz unver-BL&Uuml;M-t&ldquo;.<br>\nBl&uuml;ms Rentenversprechen ist hier auf dem Vertreterkongress eine willkommene Lachnummer.<\/p><p>Zitat aus dem Vortrag von <strong>Prof. Bernd Raffelh&uuml;schen: <\/strong><\/p><blockquote><p><strong>Die Rente ist sicher! Nur hat kein Mensch mitgekriegt, dass wir aus der Rente inzwischen &lsquo;ne Basisrente schon l&auml;ngst gemacht haben. Das ist alles schon passiert. Es ist alles schon passiert<\/strong><\/p><\/blockquote><p>Mission erf&uuml;llt. Raffelh&uuml;schen ist mit sich zufrieden.<\/p><p><strong>Zitat aus dem Vortrag von Prof. Bernd Raffelh&uuml;schen:<\/strong><\/p><blockquote><p><strong>Wir sind runtergegangen durch den Nachhaltigkeitsfaktor und durch die modifizierte Bruttolohnanpassung. Diese beiden Dinge sind schon l&auml;ngst gelaufen. Ja. Waren im Grunde  genommen nichts anderes als die gr&ouml;&szlig;te Rentenk&uuml;rzung, die es in Deutschland jemals gegeben hat. Beides Vorschl&auml;ge der R&uuml;rup-Kommission<\/strong><\/p><\/blockquote><p>Soweit die Version f&uuml;r Vertreter, nun die Version von Professor Bernd Raffelh&uuml;schen f&uuml;r uns: &ldquo;Wir machen gar keine Rentenk&uuml;rzung. Wir haben auch noch nie &lsquo;ne Rentenk&uuml;rzung beschlossen. Was tats&auml;chlich passiert ist, dass die Rentensteigerungen in der Zukunft gebremst werden und zwar gebremst werden durch mehrere demografische Faktoren. &Auml;h, das f&uuml;hrt dann dazu, dass die Rente des Jahres, sagen wir mal 2035 in etwa bei einer Gr&ouml;&szlig;enordnung liegt, die so bei 40 Prozent des Bruttolohnes sein wird, d.h., wir haben immer noch eine Rente, die h&ouml;her ist als die Rente von heute.&ldquo;<br>\nIm Vortrag spricht Raffelh&uuml;schen Klartext. Die Mission Rentenk&uuml;rzung ist erledigt. Das Feld f&uuml;r die Vertreter bereitet. Raffelh&uuml;schen hat seinen Job getan. <\/p><p><strong>Zitat Vortrag Professor Raffelh&uuml;schen:<\/strong><\/p><blockquote><p><strong>Aber im Wesentlichen hat die Rentenversicherung kein Nachhaltigkeitsproblem mehr. Ja. Aus dem Nachhaltigkeitsproblem der Rentenversicherung ist quasi ein Altersvorsorgeproblem der Bev&ouml;lkerung geworden. So! Das m&uuml;ssen wir denen erz&auml;hlen jetzt. Also ich lieber nicht. Ich hab genug Drohbriefe gekriegt. Kein Bock mehr, irgendwie. Aber Sie m&uuml;ssen das. Das ist Ihr Job<\/strong><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>und es sei unabwendbar, dass es ihnen im Alter einmal schlechter geht. &ndash; Ich h&auml;tte nicht geglaubt, dass die Kampagne der Spahns (CDU) und Herzogs im Umfeld der au&szlig;erplanm&auml;&szlig;igen Erh&ouml;hung der Renten um 1,1% so verf&auml;ngt. Aber in Gespr&auml;chen mit Personen dieser Altersgruppe treffe ich immer wieder auf eine fast schon aggressive Haltung gegen&uuml;ber der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3193\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[155,158,123,39,40],"tags":[635,319,273,363,301,221],"class_list":["post-3193","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-demografische-entwicklung","category-generationenkonflikt","category-kampagnentarnworteneusprech","category-rente","category-riester-ruerup-taeuschung-privatrente","tag-altersarmut","tag-lohnentwicklung","tag-privatvorsorge","tag-raffelhueschen-bernd","tag-rentenalter","tag-versicherungswirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3193","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3193"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3193\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28974,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3193\/revisions\/28974"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3193"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3193"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3193"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}