{"id":3202,"date":"2008-05-06T09:09:14","date_gmt":"2008-05-06T07:09:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3202"},"modified":"2015-11-24T10:29:49","modified_gmt":"2015-11-24T09:29:49","slug":"weltbank-und-internationaler-waehrungsfond-wollen-probleme-loesen-die-ohne-ihre-politik-ueberhaupt-nicht-entstanden-waeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3202","title":{"rendered":"Weltbank und Internationaler W\u00e4hrungsfond wollen Probleme l\u00f6sen, die ohne ihre Politik \u00fcberhaupt nicht entstanden w\u00e4ren"},"content":{"rendered":"<p>Meldungen und Fotos von Unruhen aus L&auml;ndern, deren B&uuml;rger sich gegen die gestiegenen Grundnahrungsmittelpreise wehren, gehen um die Welt. Die Weltbank hat ein schnelles und entschlossenes Vorgehen gefordert. Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter f&uuml;r das Recht auf Nahrung, die Welthungerhilfe und die Organisation Foodwatch verurteilten die Verwendung von Nahrungsmitteln f&uuml;r die Herstellung von Biosprit und die Agrarsubventionen in den USA und der Europ&auml;ischen Union. Die Welthungerhilfe beziffert die Zahl der Menschen, die Hunger leiden, auf &uuml;ber 850 Millionen. Nach Angaben der Weltbank sind die Preise f&uuml;r Lebensmittel in den vergangenen drei Jahren weltweit um 83 Prozent gestiegen. Als wichtigste Gr&uuml;nde wurden die verst&auml;rkte Produktion von Biokraftstoffen, D&uuml;rren und ver&auml;nderte Ern&auml;hrungsgewohnheiten in aufstrebenden L&auml;ndern wie China genannt. Eine der Hauptursachen, die vom Internationalen W&auml;hrungsfond (IWF) verordneten Strukturanpassungsprogramme (SAP), wurden jedoch verschwiegen. Von Christine Wicht<br>\n<!--more--><br>\nDominik Strauss-Kahn sagte.: &bdquo;Hunderttausende Menschen werden hungern m&uuml;ssen, Kinder an Mangelern&auml;hrung leiden, die Wirtschaft von Staaten kann zerst&ouml;rt werden. Es ist nicht nur eine humanit&auml;re und wirtschaftliche Frage, sondern auch eine, die die Demokratie betrifft&ldquo;. Diese Aussage des IWF-Direktors ist an Zynismus nicht zu &uuml;berbieten, da der IWF ma&szlig;geblich f&uuml;r die Ursachen dieser Katastrophe verantwortlich ist. <\/p><p>Als der IWF unter dem Einfluss des Keynesianismus 1944 als Reflex auf die Weltwirtschaftskrise gegr&uuml;ndet wurde, sollte er folgende Ziele verfolgen:<\/p><ul>\n<li>Verbesserung der finanziellen Kooperation zwischen den Staaten<\/li>\n<li>St&auml;rkung des internationalen Handels <\/li>\n<li>Stabilisierung der W&auml;hrungsbeziehungen und der W&auml;hrungen <\/li>\n<li>Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der W&auml;hrungspolitik <\/li>\n<li>Aufbau eines internationalen Zahlungssystems <\/li>\n<li>Finanzielle Hilfe zur &Uuml;berwindung von Zahlungsschwierigkeiten von Staaten <\/li>\n<li>Verhinderung von Unausgewogenheiten in den Zahlungsbilanzen der Mitglieder <\/li>\n<li>Ausgewogenes Wirtschaftswachstum<\/li>\n<\/ul><p>Zu Beginn der 1980er Jahre, mit dem Aufkommen des Monetarismus als vorherrschender &ouml;konomischer Schule und beeinflusst von den so genannten Chicago Boys um Milton Friedman, &auml;nderte der IWF seine wirtschaftspolitische Ausrichtung und schlug einen marktradikalen neoliberalen Wirtschaftskurs ein. Mit diesem Richtungswechsel verabschiedete sich der IWF von seinen urspr&uuml;nglichen Zielen.<\/p><p><strong>Strukturanpassungsprogramme <\/strong><br>\nKredite wurden von nun an nur noch in Verbindung mit massiven Auflagen, den so genannten Strukturanpassungsprogrammen (SAPs), erteilt. In den letzten 20 Jahren hat der IWF in &uuml;ber 150 L&auml;ndern seine Politik der wirtschaftsliberalen SAPs durchgesetzt. Mit der Durchsetzung der Prinzipien des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs, der Wettbewerbsorientierung, vor allem aber auch der Deregulierung und Privatisierung &ouml;ffentlicher Aufgaben hat der IWF den Konzernen der reichen Mitgliedsl&auml;nder Zugang zu neuen M&auml;rkten und wirtschaftliche Macht verschafft. Diese Politik wirkte sich vielfach fatal auf die Lebensbedingungen der jeweiligen Bev&ouml;lkerung der vom IWF &ldquo;gef&ouml;rderten&rdquo; Staaten aus, insbesondere in S&uuml;damerika und Afrika. Oft ist auch ein damit einhergehender Raubbau an der Umwelt zu beobachten. Die SAPs sehen nahezu durchg&auml;ngig ein Zur&uuml;ckdr&auml;ngen des Staates und die Privatisierung &ouml;ffentlicher Unternehmen vor. Auf diese Weise werden Auftr&auml;ge f&uuml;r Unternehmen und Investitionen aus den reichen Industriel&auml;ndern erm&ouml;glicht. International operierende Unternehmen beherrschen wichtige M&auml;rkte, und die einheimischen Volkswirtschaften werden bewusst und gezielt in ein dauerhaftes &ouml;konomisches Abh&auml;ngigkeitsverh&auml;ltnis gedr&auml;ngt. Michel Choussudovsky hat die Arbeitsteilung zwischen den Schwesterorganisationen IWF und Weltbank in seinem Buch &bdquo;Global Brutal&ldquo; folgenderma&szlig;en beschrieben: In den Zust&auml;ndigkeitsbereich des IWF fallen die politischen Verhandlungen bez&uuml;glich der Wechselskurse und des Budgetdefizits. Die Weltbank k&uuml;mmert sich &uuml;ber ihre Vertretung und die Expertendelegationen in den &bdquo;gef&ouml;rderten&ldquo; L&auml;ndern darum, dass die Reformprozesse vorangehen, und ist zudem in vielen Ministerien der kreditnehmenden L&auml;nder vertreten oder nimmt auf sie Einfluss. Die durchzuf&uuml;hrenden Reformen bez&uuml;glich Industrie, Landwirtschaft, Gesundheit, Bildung etc. fallen in ihren Zust&auml;ndigkeitsbereich. <\/p><p><strong>Das Diktat des IWF<\/strong><br>\nWer sich den &ldquo;Auflagen&rdquo; des IWF nicht beugt, erh&auml;lt nicht nur vom Fond keine Kredite mehr. Da andere Geldgeber ihre Entscheidungen in aller Regel davon abh&auml;ngig machen, wie ein Land vom IWF eingesch&auml;tzt wird, wirkt eine negative Bewertung durch den IWF dar&uuml;ber hinaus, als w&uuml;rde das Land auf eine schwarze Liste gesetzt.<\/p><p>Der IWF treibt mit seiner an die SAP gebundenen Wirtschaftspolitik ganze Industriezweige in den Bankrott, was f&uuml;r manche Entwicklungsl&auml;nder gleichzeitig den Staatsbankrott oder zumindest weitere Verschuldung bedeutet. Dadurch werden die Schuldnerl&auml;nder in ein dauerhaftes Abh&auml;ngigkeitsverh&auml;ltnis gebracht. <strong>Die erzwungene, so genannte Liberalisierung der M&auml;rkte ist meist ein weiterer Schritt in die Unselbst&auml;ndigkeit der Schuldnerl&auml;nder, da die Geberl&auml;nder mit ihren &ndash; oft sogar noch hoch subventionierten &ndash; Waren den Markt &uuml;berschwemmen. <\/strong>Das hat in vielen F&auml;llen zur Folge, dass einheimische Waren, gemessen an den Billigimporten, zu teuer sind, nicht mehr abgesetzt werden k&ouml;nnen und alteingesessene Industrie- oder Handwerkszweige verk&uuml;mmern. Die Konsequenzen sind Arbeitsplatzverlust und Armut. Um die Exporte aus dem eigenen Land zu f&ouml;rdern und die Importe zu verteuern und damit zu verringern, bleibt h&auml;ufig nur die Abwertung der nationalen W&auml;hrungen. Diese Abwertungen haben wiederum zur Folge, dass die Kosten f&uuml;r Grundnahrungsmittel, Arzneien oder Kraftstoff, von deren Import diese L&auml;nder abh&auml;ngig sind, so stark ansteigen, dass immer mehr B&uuml;rger immer weniger in der Lage sind, ihre Grundbed&uuml;rfnisse zu befriedigen. Des Weiteren hat der Ausbau industrieller Gro&szlig;projekte in Kombination mit den SAPs h&auml;ufig dazu gef&uuml;hrt, dass Landwirte aus ihren kleinb&auml;uerlichen Strukturen verdr&auml;ngt und ihrer Lebensgrundlage beraubt wurden. Sie sind nicht mehr in der Lage, sich selbst zu ern&auml;hren.<\/p><p><strong>Die Abh&auml;ngigkeit der Bauern von der Saatgutindustrie<\/strong><br>\nSeit Menschheit Gedenken lag z.B. die Gewinnung und der Austausch von Saatgut vor allem in den H&auml;nden der Bauern. Transnationale Konzerne, immer auf der Suche nach neuen M&auml;rkten, haben diese Tradition unterwandert und mit dem TRIPS-Abkommen einen Meilenstein auf dem Weg zur internationalen Kommerzialisierung des Saatgutes platziert. Entstehung und Inhalt des <strong>TRIPS-Abkommens<\/strong> zeigen, dass es dabei haupts&auml;chlich um den Schutz derjenigen geht, die bereits &ldquo;geistiges Eigentum&rdquo; etwa an bestimmtem Saatgut besitzen. <strong>Die einzelnen Regeln des Abkommens weisen eine deutliche Schlagseite zugunsten der Verwertungsinteressen der Konzerne in den Industriel&auml;ndern auf. Transnational agierende Konzernvertreter br&uuml;sten sich damit, dass das TRIPS wesentlich auf ihre Initiative zur&uuml;ckgeht.<\/strong> Beteiligt waren 13 US-Konzerne, darunter bekannte Unternehmen wie Bristol Myers Squibb, DuPont und Monsanto. In vielen Entwicklungsl&auml;ndern wurde so die agrarische Basis zerst&ouml;rt und es breiteten sich Hunger und Armut noch weiter aus (<a href=\"?p=1141\">mehr zu diesem Thema:<\/a>). <\/p><p>Untrennbar ist die Patentierung des Saatsgutes mit der Gentechnik verbunden, durch welche die Bauern noch st&auml;rker in Abh&auml;ngigkeit von den Agrarkonzernen getrieben werden.<\/p><p><strong>Gentechnik &ndash; die B&uuml;chse der Pandora<\/strong><br>\nDer Einfluss dieser Konzerne hat in vielen Teilen der Welt gezeigt, beispielsweise in Argentinien, Brasilien, Irak, dass die Saatgutindustrie ihren Nutzen gerade aus Krisen zieht und weite Teile der Bev&ouml;lkerung an ihre Produkte bindet. Ausf&uuml;hrlich beschreibt dies Naomi Klein in ihrem Buch &bdquo;Schockstrategie&ldquo;. Die viel gelobte Gentechnik, die mit dem Argument, das Hungerproblem in der Welt l&ouml;sen zu k&ouml;nnen, in nahezu allen Teilen der Welt propagiert wird, erweist sich zunehmend als B&uuml;chse der Pandora. <strong>Die Umweltorganisation GLOBAL 2000 zieht in einer neuen Studie eine vernichtende Bilanz, so haben sich die viel gepriesenen Vorteile der Genpflanzen nicht bewahrheitet.<\/strong> Es wurde ein signifikanter Anstieg von Pestiziden in der Landwirtschaft beobachtet. Auch Slow-Food berichtet &uuml;ber Erfahrungen mit der so genannten &bdquo;gr&uuml;nen Gentechnik&ldquo;: So best&auml;tigen amerikanische und kanadische Bauern, die &uuml;ber eine 10j&auml;hrige Erfahrung mit genver&auml;nderten Pflanzen verf&uuml;gen, dass &ndash; entgegen urspr&uuml;nglichen Versprechen &ndash; die Ernteausbeute gesunken, der Pestizidbedarf dagegen eher gestiegen und die N&auml;hrstoffdichte der Produkte geringer geworden sei. Des Weiteren zeigten mehrere Befunde der letzten Jahre, dass bei gentechnisch ver&auml;ndertem Mais, Reis oder Erbsen gesundheitliche Risiken nach wie vor nicht ausgeschlossen werden k&ouml;nnten. Dar&uuml;ber hinaus habe die Weltern&auml;hrungsorganisation (FAO) <a href=\"http:\/\/genfood.wordpress.com\">die Legende zerst&ouml;rt<\/a>, dass mit genmanipulierten Organismen (GMO) die Weltern&auml;hrungsproblematik gel&ouml;st werden k&ouml;nne. Es wird immer augenf&auml;lliger, dass mit der Gentechnik ein unkalkulierbarer, risikobehafteter und irreversibler Eingriff in die Genstrukturen der Pflanzen stattfindet, und dies mit der Begr&uuml;ndung, die Ern&auml;hrung der Menschheit sicher stellen zu wollen. Es wird ebenfalls mehr und mehr deutlich, dass gerade die armen L&auml;nder &uuml;berhaupt keinen Nutzen von der Gentechnik haben. Offenkundig ist, dass mit der Zulassung der Gentechnik vor allem die Interessen der Saatgutindustrie bedient werden. <\/p><p><strong>Das Gesch&auml;ft mit dem Wasser<\/strong><br>\nKleinbauern sind f&uuml;r ihre Ern&auml;hrungssicherung auf intakte B&ouml;den und auf Wasser zur Bew&auml;sserung angewiesen. Die steigenden Wasserpreise in den armen L&auml;ndern k&ouml;nnen vielerorts von den Kleinbauern, die in erster Linie von dem leben, was sie anpflanzen, nicht mehr bezahlt werden. 1,2 Milliarden Menschen, das sind ein Sechstel der Weltbev&ouml;lkerung, haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mit zunehmender Industrialisierung, aber auch durch intensive Landwirtschaft, stieg der Wasserverbrauch. Rund 70 % des Wasserverbrauchs weltweit gehen auf die Landwirtschaft zur&uuml;ck. 40% der Lebensmittel werden nach Angaben der Ern&auml;hrungsorganisation der Vereinten Nationen auf k&uuml;nstlich bew&auml;sserten Feldern hergestellt. Zudem gelangen durch Intensivlandwirtschaft gro&szlig;e Mengen an D&uuml;nger und Pestiziden in die B&ouml;den und somit ins Grundwasser. Weil die Versorgung mit Wasser ein Grundbed&uuml;rfnis aller Menschen und eine treibende Kraft der wirtschaftlichen Entwicklung ist, ist es auch ein lukratives Gesch&auml;ft. Mit der Knappheit der wichtigsten Ressource der Menschen steigen die Preise und zugleich Gewinne der Konzerne, die &uuml;ber das &ldquo;blaue Gold&rdquo; verf&uuml;gen. Lebensmittelkonzerne wie Nestl&egrave; (mit den Marken Perrier, Contrex, Vittel), Danone (Evian) und Hindustan Lever (eine Tochter von Unilever auf dem indischen Markt) kontrollieren seit Jahren einen gro&szlig;en Teil des globalen Marktes f&uuml;r in Flaschen und Kanister abgef&uuml;lltes Wasser. In der dritten Welt profitieren global agierende Unternehmen davon, dass es in vielen Staaten keine funktionierende &ouml;ffentliche Wasserversorgung f&uuml;r B&uuml;rger gibt. Die Entwicklungspolitik dient vielfach als Einfallstor, um international die Privatisierung und Liberalisierung der Wasserversorgung durchzusetzen. Internationaler W&auml;hrungsfond und Weltbank fordern seit Jahren als wichtige Kreditgeber die Deregulierung und Privatisierung &ouml;ffentlicher Aufgaben. Als Vorwand dient dabei die Schuldenreduzierung mit Hilfe von SAPs. Weltbank und IWF spielen eine wichtige Rolle in der Wasserprivatisierung der armen L&auml;nder. <strong>Kreditunterlagen des IWF zufolge hat der IWF im Jahr 2000 zw&ouml;lf L&auml;ndern die Privatisierung und eine kostendeckende Preisgestaltung der Wasserversorgung zur Auflage gemacht. Acht der L&auml;nder liegen in der Region s&uuml;dlich der Sahara, sie sind klein, arm und hoch verschuldet. <\/strong>Im Rahmen des IWF-Programms zur &bdquo;Armutsbek&auml;mpfung und Wachstumsf&ouml;rderung&ldquo; gew&auml;hrte der Fond dem Land Tansania einen Schuldenerlass; dieser war aber an die Bedingung gebunden, dass die Verm&ouml;genswerte der Wasserwerke von Daressalam privaten Betreibern &uuml;bertragen werden. Niger musste sich der Weltbank gegen&uuml;ber verpflichten, seine vier gr&ouml;&szlig;ten staatlichen Sektoren Wasser, Telekommunikation, Strom und Erd&ouml;l zu privatisieren. &Auml;hnlich war es in Ruanda oder auch im mittelamerikanischen Honduras. Nicaragua musste die Wasser- \/Abwasserpreise erh&ouml;hen und in vier Regionen des Landes Wasserkonzessionen an private Betreiber vergeben. Problematisch ist auch die Zunahme von Staud&auml;mmen, f&uuml;r deren Bau Kleinbauern ihr Land verlassen m&uuml;ssen. Des Weiteren werden viele ans&auml;ssige Menschen durch Staud&auml;mme von der Wasserversorgung abgeschnitten, so geschehen etwa durch einen von der Weltbank finanzierten Staudamm in S&uuml;dafrika (Lesotho Highlands Water Projekt mit den Gro&szlig;staud&auml;mmen Katse und Mohale). Da die Kosten f&uuml;r den Staudamm untersch&auml;tzt worden waren, erarbeitete die Weltbank ein Rahmenprogramm f&uuml;r Investitionen in die st&auml;dtische Infrastruktur, dies untersagte in einer Nebenabrede der Regierung, die Wasserversorgung armer Gemeinden zu subventionieren (Quelle: Blaues Gold, Maude Barlow S. 205\/206f). <\/p><p><strong>Es ist nicht Bio drin, auch wenn Bio drauf steht<\/strong><br>\nDie Klimaver&auml;nderungen, unter anderem verursacht durch den Einsatz der fossilen Energietr&auml;ger &Ouml;l, Kohle und Kohlendioxid und die st&auml;ndig steigenden Preise f&uuml;r Erd&ouml;l, werfen die Frage nach Alternativen Auf. In den letzten Jahren war es modisch geworden, die Energiegewinnung aus Pflanzen zu propagieren. Die Energiepflanzen werden zum gr&ouml;&szlig;ten Teil auf konventionelle Weise angebaut, gespritzt und ged&uuml;ngt. Dadurch gelangen noch mehr chemische Mittel in das Grundwasser und verseuchen das daraus gewonnene Trinkwasser. Mit dem Verweis auf eine angeblich umweltfreundliche Energiegewinnung wird auch ein verst&auml;rkter Einsatz der umstrittenen Gentechnik in der Landwirtschaft verlangt. Neben den &ouml;kologischen Sch&auml;den durch gro&szlig;fl&auml;chigen Anbau (Monokulturen) von Energiepflanzen st&ouml;&szlig;t aber noch ein weiterer Aspekt dieser Form von Energiegewinnung auf Kritik. W&auml;hrend Menschen verhungern, werden Anbaufl&auml;chen zur Produktion zur Energiegewinnung genutzt und gehen so f&uuml;r die Produktion von Nahrungsmitteln verloren. Die Vorsilbe &ldquo;Bio&rdquo; ist somit eher ein Verpackungsschwindel als eine umweltfreundliche Alternative zu den fossilen Energietr&auml;gern. <strong>Durch den gro&szlig;fl&auml;chigen Anbau von Energiepflanzen entstehen Sch&auml;den an Boden und Umwelt, die unter &ouml;kologischen Gesichtspunkten nicht vertretbar sind, weil das Prinzip der Nachhaltigkeit verletzt wird. Kleinbauern m&uuml;ssen dem industriellen Anbau von Energiepflanzen weichen.<\/strong> Obwohl der Anbau von Energiepflanzen f&uuml;r den Energiebedarf der reichen L&auml;nder zumindest mitverantwortlich ist f&uuml;r die Armut und den Hunger in einigen armen L&auml;ndern, h&auml;lt die EU an dem Ziel fest, mehr Kraftstoff aus Nutzpflanzen zu gewinnen. <\/p><p><strong>Ein St&uuml;ck Urwald um die Bed&uuml;rfnisse der reichen L&auml;nder zu befriedigen<\/strong><br>\nGravierend sind die Auswirkungen des Anbaus von Energiepflanzen beispielsweise auch in Brasilien. Zur Ethanolgewinnung wird in Brasilien in gro&szlig;em Stil Zuckerrohr angebaut. Das &ouml;kologische Gleichgewicht in Brasilien wird dadurch nachhaltig gest&ouml;rt, dass f&uuml;r den Zuckerrohranbau weite Teile des Urwaldes abgeholzt werden. <strong>Der Regenwald als wichtiger Faktor des Klimaschutzes wird so im Namen einer vermeintlich &ouml;kologischen Energiepolitik zerst&ouml;rt.<\/strong> Auch in Indonesien werden Urw&auml;lder abgeholzt, dort f&uuml;r den Anbau von Palm&ouml;lpflanzen. Die Frucht der &Ouml;lpalme ist sehr effektiv, keine andere Wirtschaftspflanze produziert in dem Ma&szlig;e Pflanzen&ouml;l, da Fruchtfleisch und Samen genutzt werden k&ouml;nnen. &Uuml;ber 80% der Weltproduktion an Pflanzen&ouml;l stammen aus Malaysia und Indonesien, j&auml;hrlich verschwinden daf&uuml;r allein in Indonesien rund 2 Millionen Hektar Urwaldfl&auml;che, das entspricht etwa der H&auml;lfte der Fl&auml;che der Niederlande. Auf Borneo existieren kaum noch Regenw&auml;lder, ein Gro&szlig;teil wurde in Plantagen umgewandelt. Zur F&uuml;tterung von Rindern, Schweinen und H&uuml;hnern in China und Europa, zur Gewinnung von Biokraftstoff und als Grundstoff f&uuml;r Lacke, Farben und Waschmittel wird Soja im gro&szlig;en Stil in S&uuml;damerika angebaut. Laut WWF-Studie hat sich der Soja-Anbau in Argentinien, Bolivien, Brasilien und Paraguay in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Schaffung von Sojafeldern hat zu Landenteignungen in gro&szlig;em Umfang gef&uuml;hrt und zahllose Kleinbauern ihrer Lebensgrundlage beraubt.<\/p><p>Alternative marktgest&uuml;tztes Landreformmodell<br>\nDie Weltbank bietet seit Mitte der 1990er Jahre Landlosen die M&ouml;glichkeit, mit Hilfe von Subventionen und Krediten Gro&szlig;grundbesitzern Land abzukaufen und das Land zu bestellen. Die Crux an der Sache ist, dass ein Bauer nur dann das Land sein eigen nennen darf, wenn er in einer gewissen Frist den Kredit zuz&uuml;glich Zinsen zur&uuml;ckzahlen kann. Erfahrungen aus Brasilien, Kolumbien, S&uuml;dafrika haben gezeigt, dass viele Bauern dadurch in eine Verschuldungsfalle geraten, die sie in noch gr&ouml;&szlig;ere Armut st&uuml;rzt. (Mehr zum Thema: <a href=\"http:\/\/www.attac.de\/agrarnetz\/dokumente\/paasch_landreformen.pdf\">ATTAC [PDF &ndash; 166 KB]<\/a>) <\/p><p><strong>Die Auswirkungen des sogenannten Freihandels<\/strong><br>\nSeit geraumer Zeit laufen Verhandlungen zwischen der Europ&auml;ischen Union und den Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten (AKP-Staaten) zu den &ldquo;Economic Partnership Agreements&rdquo; (EPAs) (<a href=\"?p=2669\">siehe dazu<\/a>). Die wirtschaftliche Zusammenarbeit wird mit wohlklingenden Begr&uuml;ndungen wie etwa der &ldquo;Beseitigung der Armut&rdquo;, der &bdquo;F&ouml;rderung nachhaltiger Entwicklung&ldquo;, der &bdquo;F&ouml;rderung der Menschenrechte&ldquo; und der &bdquo;F&ouml;rderung der Demokratie&rdquo; propagiert. Die AKP-Staaten sollen ihre M&auml;rkte st&auml;rker f&uuml;r die Wirtschaft der EU &ouml;ffnen und im Gegenzug mit Hilfe von &bdquo;Zollpr&auml;ferenzen&ldquo; Zugang zu europ&auml;ischen M&auml;rkten erhalten. Afrikanische Kleinbauern und lokale Produzenten bef&uuml;rchten dabei jedoch den Zusammenbruch lokaler Produktionszweige, ein Sinken der Ern&auml;hrungssouver&auml;nit&auml;t und eine zunehmende Abh&auml;ngigkeit von Europa. <strong>Aufgrund der ausgepr&auml;gten Subventionspolitik sind viele und wichtige aus der Europ&auml;ischen Union exportierte Produkte weitaus g&uuml;nstiger als beispielsweise nicht subventioniertes Fleisch aus den AKP-Staaten.<\/strong> Die Lieferung hoch subventionierter gefrorener Gefl&uuml;gelteile aus der EU hatte schon verheerende Folgen f&uuml;r den Gefl&uuml;gelmarkt von Ghana und Kamerun und bedrohte die Existenz der afrikanischen Gefl&uuml;gelproduzenten. Der Kilopreis f&uuml;r importiertes Huhn lag um bis zu 50 Prozent unter dem Preis des einheimischen Gefl&uuml;gelfleisches. Der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) hat eine Brosch&uuml;re unter dem Titel &bdquo;Keine chicken schicken&ldquo; &ndash; &bdquo;Wie H&uuml;hnerfleisch aus Europa Kleinbauern in Westafrika ruiniert und eine starke B&uuml;rgerbewegung in Kamerun sich erfolgreich wehrt&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.eed.de\/fix\/files\/doc\/eed_chicken_06_deu.pdf\">herausgegeben [PDF &ndash; 2,9 MB]<\/a><\/p><p>Subventionierte EU-Agrarprodukte dominieren vielfach die M&auml;rkte von Entwicklungsl&auml;ndern und zerst&ouml;ren zugleich die &ouml;konomische Basis und Existenzgrundlage der dortigen Kleinbauern. So werden beispielsweise subventionierte Milch, Zwiebeln, Tomaten, Mais, Reis und Tomatenmark importiert. Die Senegalesen protestieren gegen die Auswirkungen des Fischereiabkommens, das die EU mit 16 AKP-Staaten abgeschlossen hat. Eine Studie des UN-Umweltprogramms kommt zu dem Schluss, dass die Einnahmen, die Senegal aus dem EU-Abkommen erh&auml;lt, die entstandenen Einkommensverluste und Sch&auml;den an den Fischressourcen keineswegs decken k&ouml;nnen. <\/p><p><strong>Das Milleniumsziel der Vereinten Nationen<\/strong><br>\nDie Vereinten Nationen haben sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Hungernden bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Aufgrund der gerade in diesen Tagen sich abzeichnenden Entwicklungen auf dem Nahrungsmittelmarkt scheint dieses Ziel jedoch in weite Ferne ger&uuml;ckt zu sein. Der aktuelle Bericht der FAO (Weltern&auml;hrungsorganisation) rechnet zwar mit einer neuen Rekordernte, diese wird jedoch den Bewohnern Afrikas aufgrund der steigenden Preise nichts nutzen. Das b&auml;uerliche Netzwerk Via Campesina warnt vor einem ern&auml;hrungspolitischen Richtungswechsel. Nach Auffassung dieses Netzwerks sind Landlose und Landarbeiter von den gestiegenen Weltmarktpreisen f&uuml;r Nahrung besonders betroffen. Hinzu k&auml;men die gestiegenen Preise f&uuml;r Futter- und D&uuml;ngemittel, die die Bauern unter Druck setzen.<strong>Vor allem die Liberalisierung des Agrarhandels wird als Grund f&uuml;r zunehmende Armut und Hunger angef&uuml;hrt.<\/strong> Einen Ausweg aus dem Dilemma sieht die Organisation nur in einem Weg zur&uuml;ck zu nachhaltiger Familienwirtschaft. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.brot-fuer-die-welt.de\/ernaehrung\/downloads\/Newsletter_Februar_2008.pdf\">Brot f&uuml;r die Welt [PDF &ndash; 156 KB]<\/a>)<\/p><p>L&ouml;sen l&auml;sst sich diese Not nicht durch eine Hilfszahlung der Bundesregierung und anderer L&auml;nder mit Summen, die nicht ins Gewicht fallen im Vergleich zu den Profiten, die in den letzten 20 Jahren mit Hilfe der SAPs erwirtschaftet wurden. <\/p><p>Der Hunger in der Welt kann nicht mit dem kurzfristigen Horizont der Wallstreet und den Investitions- und Profitinteressen der global agierenden Konzerne und Investoren, sondern nur mit langfristigen und nachhaltigen Strategien und Planungen &uuml;berwunden werden. Dazu geh&ouml;rten etwa die R&uuml;ckkehr zur Selbst&auml;ndigkeit der Bauern in kleinb&auml;uerlichen Strukturen mit genossenschaftlichen Organisationen, die nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, flankiert von einer fairen Landreform. <strong>Dazu geh&ouml;rte auch die Unabh&auml;ngigkeit von der weltweit agierenden Saatgutindustrie und deren Patentrechten. Diese Unabh&auml;ngigkeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen f&uuml;r eine souver&auml;ne Nachrungsmittelproduktion.<\/strong> Die Grundlage f&uuml;r eine Besserung ist, dass eine Welthandelsordnung geschaffen wird, die nicht l&auml;nger den &auml;rmsten L&auml;ndern der Welt schadet und nicht weiter den Sonderinteressen der Konzerne und Finaninstitute der Industriel&auml;nder Vorschub leistet.<\/p><p>Statt der bisherigen &ldquo;Einheitsl&ouml;sungen&rdquo; (Joseph Stiglitz) von IWF und Weltbank m&uuml;ssten Entwicklungsstrategien eingef&uuml;hrt werden, die den Unterschiedlichkeiten und den Komplexit&auml;ten der zu entwickelnden L&auml;nder angemessen sind. Dazu m&uuml;ssten vor allem die von Weltbank und IWF propagierte neoliberale Wirtschaftspolitik, also deren &ldquo;Marktfundamentalismus&rdquo;, aufgegeben werden, dessen Scheitern sich in der derzeitigen Nahrungsmittelkrise einmal mehr erweist.<\/p><p>Solange jedoch die Weltbank und der IWF vor allem von den USA und Europa beherrscht werden, k&ouml;nnen die Entwicklungsl&auml;nder ihre Stimme kaum zur Geltung bringen. Deshalb m&uuml;sste vor allem die Rolle der Vereinten Nationen, etwa des Wirtschafts- und Sozialrats der UN, bei der Ausarbeitung von Entwicklungsstrategien gest&auml;rkt werden.<br>\nBestandteile solcher Strategien sind etwa faire Handelsvertr&auml;ge, die die Entwicklung in den &auml;rmeren L&auml;ndern wirklich f&ouml;rdern. Die Industriel&auml;nder d&uuml;rften nicht l&auml;nger mit ihren subventionierten Agrarprodukten die lokale Agrarproduktion verdr&auml;ngen, und sie m&uuml;ssten angemessene Preise f&uuml;r nat&uuml;rliche Ressourcen bezahlen.Statt durch Waffenlieferungen korrupte Diktatoren zu stabilisieren, sollte in die Infrastrukturen f&uuml;r die Grundversorgung der armen L&auml;nder investiert werden. Statt Billionen in nicht gewinnbare Kriege wie im Irak oder in Afghanistan zu verschwenden, k&ouml;nnte mit einem Bruchteil des Geldes der Krieg gegen die Armut gewonnen werden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meldungen und Fotos von Unruhen aus L&auml;ndern, deren B&uuml;rger sich gegen die gestiegenen Grundnahrungsmittelpreise wehren, gehen um die Welt. Die Weltbank hat ein schnelles und entschlossenes Vorgehen gefordert. 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