{"id":3222,"date":"2008-05-14T09:22:02","date_gmt":"2008-05-14T07:22:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3222"},"modified":"2015-11-23T11:54:17","modified_gmt":"2015-11-23T10:54:17","slug":"was-sie-beachten-sollten-wenn-sie-als-junger-akademikerstudent-einem-finanzdienstleister-gegenuebersitzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3222","title":{"rendered":"Was Sie beachten sollten, wenn Sie (als junger Akademiker\/Student) einem Finanzdienstleister gegen\u00fcbersitzen?"},"content":{"rendered":"<p>Einer unserer Leser berichtete uns von seinen Erfahrungen mit einem Finanzdienstleister, spezialisiert auf Studenten und junge Akademiker. Weil wir dies interessant fanden, haben wir ihn gebeten, diesen Bericht etwas ausf&uuml;hrlicher aufzuschreiben. Hier ist er. <a href=\"?p=3222&amp;email=1\">Bitte geben Sie ihn an Freundinnen\/e und Bekannte weiter, damit auch diese wissen, was sie zu beachten haben.<\/a><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Wie kam ich damals zu MLP? <\/strong><br>\nDer Einsteig bei MLP erfolgt auf zwei Arten. Ich m&ouml;chte mit dem direkten Weg beginnen, der ein sehr eleganter und auf &ldquo;Freundschaft&rdquo; getrimmter ist. Dazu hatten damals 3 junge Finanzberater die R&auml;ume der Uni sytematisch &ldquo;abgeklappert&rdquo; und Studenten\/Doktoranden direkt angesprochen und kostenfreie Rhetorik-, Bewerbungs- und Berufsstarterseminare angeboten. Man konnte sich dann in eine Liste eintragen und bekam kurze Zeit sp&auml;ter eine Auswahl an Terminen zu geschickt, zu denen man sich anmelden konnte. Auf eines der Angebote kam ich gerne zur&uuml;ck und nahm schlie&szlig;lich kurz vor Abschluss meines Diploms an einem solchen Seminar teil. Offensichtlich kam die Aktion nicht bei allen Angesprochenen so gut an, denn letztendlich sa&szlig; au&szlig;er mir nur noch eine andere Teilnehmerin 2 Beratern\/Seminarleitern gegen&uuml;ber. Der Kurs war alles in allem sehr hilfreich und professionell, allerdings muss man im Hinterkopf behalten, dass MLP-Berater keine Samariter sind, die aus purer Hilfsbereitschaft Kurse abhalten. Gegen Ende des Kurses wurde dann noch Eigenwerbung betrieben, die auf das Angebot des Finanzdienstleisters aufmerksam gemacht hat. Es war interessant anzuh&ouml;ren und klang auch ganz gut, denn immerhin sind die Jungs auf Verkaufen geschult und kommen mit guten Argumenten (sichere Anlage, sichere Vorsorge) daher. Wenn man sich das erst einmal angeh&ouml;rt hat, geht der Rest ganz schnell, denn man m&ouml;chte als unerfahrener, junger Absolvent nat&uuml;rlich wissen, wie man sein sp&auml;ter sauer verdientes Akademikergehalt bestm&ouml;glich anlegen kann. Da kommen junge, dynamische, meistens Gleichaltrige, die sich mit sowas (vermeintlich) auskennen, nat&uuml;rlich sehr gelegen, zumal das &ldquo;du&rdquo; unter Gleichaltrigen eine g&auml;ngige Sache ist &ndash; ebenso wie die f&uuml;r eine Uni typische Offenheit gegen&uuml;ber neuen Bekannten. <\/p><p><strong> An diese Stelle m&ouml;chte ich auch die erste Warnung aussprechen:<\/strong><br>\n<em>Egal wie nett ein Finanzberater ist, er ist letztendlich am Verkauf seiner Produkte (mit der h&ouml;chsten Provision) interessiert. Das muss jedem klar sein und war es mir zu diesem Zeitpunkt auch. Trotzdem habe ich einen Gespr&auml;chstermin wahrgenommen. <\/em><\/p><p><strong>Wie lief mein Termin bei MLP ab: <\/strong><br>\nBei dem Termin bei MLP sitzt man normalerweise mit einem Berater zusammen, der die Anlagestrategie von MLP erl&auml;utert. Dabei wird zwischen kurzfristig, mittelfristig und langfristig verf&uuml;gbarem &ldquo;Verm&ouml;gen&rdquo; unterschieden. Kurzfristig w&auml;re z.B. ein Tagesgeldkonto, auf das man Geld f&uuml;r unvorhersehbare Ereignisse (z.B. defektes TV-Ger&auml;t) packt. Mittelfristig sind die Sparziele, die beispielsweise ein neues Auto finanzieren. Und die langfristigen, das sind die besagten Produkte zur privaten Altersvorsorge und auch zur Verm&ouml;gensbildung. Da ein junger Absolvent sich eher um seine Verm&ouml;gensbildung als um den Neukauf eines Autos Gedanken macht, ist die Br&uuml;cke zum Riestern und Aktiensparen mit oder ohne Berufsunf&auml;higkeitsversicherung schnell geschlagen. <\/p><p>Dazu wird eine abenteuerliche Rechnung aufgestellt, die vermutlich bei mir so abenteuerlich war, weil ich damals aus mangelnder Systemkenntnis und dem Glauben an die Unfehlbarkeit der Medien sagte, dass ich nicht glaube, jemals eine gesetzliche Altersrente ausbezahlt zu bekommen. Jedenfalls wurde mein zuk&uuml;nftiger Finanzbedarf ermittelt. Ausgehend von einem Gehalt von XY Euro pro Monat wurde der inflationsbereinigte Bedarf in 30 Jahren ermittelt. Dieser Betrag war nat&uuml;rlich exorbitant hoch. Davon wurde dann ein Betrag YZ Euro abgezogen, der die gesetzliche Rente nach heutigem Stand und OHNE Rentensteigerung in den n&auml;chsten 30 Jahren darstellte. Glaubt man auch auf Anhieb, denn man hat ja Bedenken, je eine Altersrente zu bekommen. Wie diese Rente ermittelt wurde, wei&szlig; ich nicht mehr genau, allerdings ist dies f&uuml;r das Ergebnis egal, denn es entstand (selbstverst&auml;ndlich) eine riesige finanzielle L&uuml;cke, die gestopft werden muss, um den erarbeiteten Lebensstandard auf Dauer halten zu k&ouml;nnen. Und zur Verkleinerung dieser L&uuml;cke hat MLP nat&uuml;rlich Premiumprodukte f&uuml;r den handverlesenen Kreis der Akademiker (wie jeder Berater gerne betont), die auf Grund ihrer sp&auml;teren geistigen &ndash; nicht k&ouml;rperlichen &ndash; Arbeit bessere Konditionen bekommen. <\/p><p>Ab hier beginnt dann der Verkauf der Produkte. Aufbauend auf dieser Rechnung und der gesch&auml;tzten pers&ouml;nlichen finanziellen Situation werden Empfehlungen vom neuen Freund\/der neuen Freundin abgegeben, wie man entgegensteuern kann. Interessiert habe ich der Sache gelauscht, auch wenn klar war, dass ich die ganze Sache nochmals &uuml;berdenken werde. Da MLP-Berater Makler sind, haben sie nach eigener Aussage auch Zugriff auf mehrere Versicherungen und suchen so die besten Konditionen heraus. Diesem vermeintlich sicheren Gef&uuml;hl sollte jedoch niemand vertrauen, denn im Endeffekt soll nur das verkauft werden, was auch eine hohe Provision einbringt. Es sei legitim, aber wird nicht in aller Deutlichkeit kommuniziert. Dies sei die zweite Warnung, denn bei meinen weiteren Treffen mit dem Berater habe ich gezielt nach sehr gut getesteten Versicherungen (Finanzest) gefragt, die MLP jedoch nicht im Angebot hat. Soviel also zu der vermeintlichen Sicherheit, dass das definitiv beste Angebot ausgesucht und verkauft wird. <\/p><p>Zum Abschluss des Gespr&auml;chs wurde dann eine weiteres Treffen vereinbart, zu dem Vorsorge- und &ldquo;Verm&ouml;gensbildungsvorschl&auml;ge&rdquo; vom Berater erarbeitet werden. Der Knacker kurz vor der Verabschiedung war, dass man gebeten wurde, die Adresse von Bekannten und Freunden, die an einer Analyse ihrer pers&ouml;nlichen inanziellen Situation interessiert sind, preiszugeben. Damals dachte ich mir noch nichts dabei und habe meinem &ldquo;neuen Freund&rdquo; gerne den einen oder anderen Namen genannt. Auf Grund deren Erfahrungen reagiere ich selbst heute auch sehr allergisch, wenn jemand meine Kontaktdaten ohne meine Wissen herausgibt. Wenn ich heute in einer solchen Situation mein Gesicht wahren will, nehme ich immer einen Stapel Visitenkarten mit und sage, dass ich gerne weiterempfehle und Interessenten sich melden werden. Dieses Vorgehen ist &uuml;brigens der zweite der beiden oben beschriebenen Wege, um bei MLP reinzukommen: Die pers&ouml;nliche Empfehlung. <\/p><p><strong>Das zweite Gespr&auml;ch! <\/strong><br>\nBeim zweiten Gespr&auml;ch wurde aufbauend auf dem ersten Gespr&auml;ch ein Plan zur Verm&ouml;gensbildung und Altersvorsorge betrieben. Gleichzeitig hat man ja dem Interessenten im ersten Gespr&auml;ch noch klargemacht, dass Berufsunf&auml;higkeit zum sofortigen sozialen Abstieg f&uuml;hren wird. Daher auch die Empfehlung, Aktiensparen zum Verm&ouml;gensaufbau mit einer BU zu kombinieren, so dass im Falle von Berufsunf&auml;higkeit das Sparen\/der Verm&ouml;gensaufbau weiterl&auml;uft. Klang unheimlich gut, denn so ist man rundum abgesichert. Auch der sogenannte &ldquo;Airbag&rdquo; von 10% Dynamik pro Jahr (allerdings jederzeit k&uuml;ndbar) lag &uuml;ber der Inflation und sichert somit den Lebensstandard f&uuml;r den Fall, dass irgendetwas passiert, zus&auml;tzlich. Kein Wort davon, dass auch der Beitrag pro Jahr um 10 % steigt. Danach musste ich explizit fragen.<\/p><p>Letztendlich hat mich das Aktiensparen nicht &uuml;berzeugt, da ich solche langfristigen Dinge immer erst gerne nachrechne. Daher habe ich mich vorerst nur f&uuml;r eine Haftpflicht und eine Kfz-Versicherung entschieden. <\/p><p><strong>Der Schock danach! <\/strong><br>\nAufbauend auf dem zweiten Gespr&auml;ch habe ich die Rentabilit&auml;t des Aktiensparens zu Hause nachgerechnet, da ich f&uuml;r meine Diplomarbeit eh am Programmieren war.<br>\nLange Rede, kurzer Sinn: Es lohnt sich nicht!!<br>\nMit dem Sparen des gleichen Betrages und der Anlage in sichere Produkte (z. B. Tagesgeldkonto) kommt man auf einen wesentlich h&ouml;heren angesparten Betrag. Ein &auml;hnliches Beispiel wurde vor kurzem auch in den Nachdenkseiten zum Thema R&uuml;ruprente berechnet. Also ist die Frage, wer an was wie viel verdient, auch heute noch so aktuell wie bei mir damals. <\/p><p>Wie erkl&auml;rt aber ein Berater diesen Sachverhalt? Ganz einfach: Was passiert, wenn du BU wirst? Wer spart dann f&uuml;r dich weiter? Zugegeben, gutes Argument, aber meine Rechnung, die der Berater nie nachvollzogen geschweige denn verstanden hat, hat mich mehr &uuml;berzeugt. Ich habe aus diesem Grund nie irgendeine Versicherung\/Verm&ouml;gensbildungsplan o.&auml;. bei MLP abgeschlossen. Die Produkte, die mir dort angeboten wurden, waren komischerweise die, von denen Finanztest auf Grund der fehlenden Transparenz heute immer noch abr&auml;t. Zurecht wie ich meine. Es gab danach noch das ein oder andere Gespr&auml;ch, da ich noch die ein oder andere Sachversicherung brauchte. Auch hier wurde ich immer wieder nach meiner Altersvorsorge gefragt. Nervig, den guten Mann immer abblitzen zu lassen, aber in der Zwischenzeit hat er es verstanden und meldet sich nicht mehr. <\/p><p><strong>Mit dem Alter kommt die Weisheit! <\/strong><br>\nNachdem ich mich einige Zeit sp&auml;ter als Doktorand wiederum mit der Altersvorsorge und Verm&ouml;gensbildung befasst habe, wurden meine Zweifel an den Finanzdienstleistern immer gr&ouml;&szlig;er. Auf Empfehlung habe ich dann noch den ein oder anderen Termin bei anderen, nat&uuml;rlich kompetenteren &ldquo;Finanzgenies&rdquo; wahrgenommen. Das Ergebnis war immer das gleiche: <\/p><p>Alles, was irgendwie gesetzlich ist, ist nicht sicher, meinen sie. Aber wir k&ouml;nnen helfen!<br>\nDaher gebe ich jetzt einige Tipps, die v&ouml;llig unverbindlich sind, aber daf&uuml;r umso hilfreicher:<\/p><ul>\n<li>Am Aktiensparen (meistens = Fondssparen) verdient der Berater, da ein Ausgabeaufschlag f&auml;llig wird. Dies sind um die 5% pro Kauf! Alles in allem 5%, die sp&auml;ter dem &ldquo;achten Weltwunder&rdquo; (Zinseszins) zur Vermehrung des Geldes fehlen. Wer unbedingt Fondssparen machen m&ouml;chte, der sollte alles Online kaufen, damit kein Ausgabeaufschlag f&auml;llig wird. <\/li>\n<li>Die Einmalanlage in Aktienfonds l&auml;sst sich der Berater auch mit bis zu 5 % versilbern. Im Klartext hei&szlig;t das, dass von 10.000 anzulegenden Euro nur 9.500 Euro in den Fond gehen. Das hei&szlig;t, dass das erste Ertragsjahr bestenfalls dem Ausgleich des Ausgabeaufschlages dient, also die &ldquo;Beratung&rdquo; bezahlt&hellip;<br>\n&hellip; sofern der Kapitalmarkt gut l&auml;uft wohlgemerkt. <\/li>\n<li>Ahnung hat der Berater auch keine oder wenig. Er zeigt zwar immer Diagramme, wie sich ein Fonds im Laufe der letzten Jahre entwickelt hat, dies hat aber nichts mit der zuk&uuml;nftigen Entwicklung zu tun. Die kennt er nicht, die kennt niemand. Ist aber egal, denn er will ja verdienen. <\/li>\n<li>Nicht einsch&uuml;chtern lassen von Parolen wie &ldquo;die gesetzliche Rente ist nicht sicher&rdquo; oder &ldquo;wer im Alter arm sein will, soll sich auf den Staat verlassen&rdquo; oder &ldquo;Ich kenne jemanden, der ist berufsunf&auml;hig und hat nicht privat vorgesorgt und entsprechend finanzielle Probleme. Mit so jemandem kann ich dann kein Mitleid haben.&rdquo;\n<\/li>\n<li>Zum Abschluss: Erst denken, dann rechnen, dann Alternativen suchen! <\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer unserer Leser berichtete uns von seinen Erfahrungen mit einem Finanzdienstleister, spezialisiert auf Studenten und junge Akademiker. Weil wir dies interessant fanden, haben wir ihn gebeten, diesen Bericht etwas ausf&uuml;hrlicher aufzuschreiben. 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