{"id":32323,"date":"2016-03-21T09:37:12","date_gmt":"2016-03-21T08:37:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32323"},"modified":"2016-03-21T16:22:38","modified_gmt":"2016-03-21T15:22:38","slug":"kein-10-opfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32323","title":{"rendered":"\u201eKEIN 10. OPFER!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Am 04. April 2006 wurde in der Mallinckrodtstrasse 190&nbsp;in Dortmund Mehmet Kubasik ermordet. Gleich zwei Tage sp&auml;ter, am 06. April 2006 wurde Halit Yozgat in seinem Internet &ndash; Cafe in der Holl&auml;ndischen Stra&szlig;e 82 in Kassel erschossen. Mehmet Kubasik wurde lediglich 39 Jahre alt. Halit Yozgat war im April 2006 21 Jahre jung. Beide Mordopfer wurden durch Kapitalverbrecher des neonazistischen NSU-Netzwerkes erschossen. Sowohl im Mai als auch im Juni 2006 organisierten Familienangeh&ouml;rige der ermordeten NSU-Mordopfer Kubasik und Yozgat in Dortmund und Kassel Schweigem&auml;rsche. Ismail Yozgat, Halit Yozgats Vater, forderte das Innenministerium und seine Ermittlungs- und Sicherheitsbeh&ouml;rden damals eindringlich auf, daf&uuml;r Sorge zu tragen, das keine weiteren Morde dieser Mordserie passieren, dass es &bdquo;<strong>KEIN<\/strong>&nbsp;10.&nbsp;<strong>OPFER<\/strong>!&rdquo; geben darf: &ldquo;Es sollen keine hinterh&auml;ltigen Sch&uuml;sse mehr fallen! Sorgen Sie daf&uuml;r! Von <strong>Jimmy Bulanik<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32323#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\n<em>Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss (PUA) in NRW zum benannten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) hat im Januar 2016 mit den Vernehmungen zum Mord an Mehmet Kubasik begonnen. Noch immer tragen die Obleute im Landtagsausschuss eine eminente Verantwortung. Sie sollen aufkl&auml;ren, so lautet der Untersuchungsauftrag des NRW-Landtages in D&uuml;sseldorf.<\/em><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160321_nsu1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><em>Am 24. September 2012 wurde an der&nbsp;Mallinckrodtstrasse 190&nbsp;in Dortmund das Mahnmal zum Gedenken an Mehmet Kubasik enth&uuml;llt.<\/em><br>\n<em>Foto: Jimmy Bulanik<\/em><\/p><p>Acht Jahre sp&auml;ter hat der Untersuchungsausschuss seine Arbeit zu den Ermittlungen aufgenommen, die den Morden und Anschl&auml;gen des NSU folgten. Mehr als ein Jahr sp&auml;ter hat der er begonnen, nach den Ermittlungssachverhalten zum Mord an Mehmet Kubasik zu fragen. Im Dezember 2015 waren zuletzt die Vernehmungen von Zeuginnen und Zeugen zum &ldquo;Tatkomplex Keupstrasse in K&ouml;ln &ndash; M&uuml;lheim&rdquo; vorerst beendet worden. Zu dem Nagelbombenanschlag, durch den am 09. Juni 2004 in der K&ouml;ln &ndash; M&uuml;lheimer Gesch&auml;ftsstra&szlig;e mehrere dutzend Menschen zum Teil schwer verletzt wurden, hatten die polizeilichen Ermittlungen seinerzeit keine Erkenntnisse zu der T&auml;terschaft ergeben. Erst nach der &ouml;ffentlichen Enttarnung des harten Kerns des NSU Netzwerkes am 04. November 2011 wird der deutschen Sicherheitsarchitektur bundesweit begreiflich geworden sein, dass sie zu ihrer Arbeit in allen ihren Ermittlungsschritten kapitale Fehler und Vers&auml;umnisse einzur&auml;umen haben. Von Anfang an waren es die Anwohnerschaft und die Kaufleute der Keupstra&szlig;e selbst, denen K&ouml;lner Staatsanwaltschaft (StA) und Polizei negativ voreingenommen die gr&ouml;&szlig;te Aufmerksamkeit widmeten.<\/p><p><strong>Aufrichtige Anerkenntnis?<\/strong><\/p><p>Im NSU-Untersuchungsausschuss hatten im Oktober 2015 Gesch&auml;digte des Nagelbombenattentats der K&ouml;lner Keupstra&szlig;e in ihrer Eigenschaft als Zeugen ausgesagt. In ihrer &uuml;bereinstimmenden Erinnerung waren es die K&ouml;lner Polizeibeamten, die ein Klima der Belastungstendenzen schufen, da sie in ihren Ermittlungen die Hypothese pr&auml;ferierten, dass eine Bombendetonation in der K&ouml;ln &ndash; M&uuml;lheimer Keupstra&szlig;e wahlweise lediglich ein Anschlag seitens der organisierten Kriminalit&auml;t (OK), ein Verbrechen im Spannungsfeld der politisch motivierten Kriminalit&auml;t (PMK) wie beispielsweise der kurdischen PKK,&nbsp;der t&uuml;rkischen Hezbollah, in Deutschland operierend, gewesen sein k&ouml;nne. Die Wahrnehmungen und Einsch&auml;tzungen der Opfer des rechtsterroristischen NSU-Netzwerkes, dass die am Fahrrad versteckte Nagelbombe von deutschen Rassisten detoniert wurde, galt den Ermittlungsorganen als nicht gewichtig. Sekund&auml;rrassistische Ermittlungsrichtungen schienen der K&ouml;lner Staatsanwaltschaft, Polizeibeamten aus K&ouml;ln, dem Landeskriminalamt (LKA) NRW, Bundeskriminalamt (BKA) im s&uuml;dhessischen Wiesbaden genehm und bequem zu sein. Eine gravierende Fehleinsch&auml;tzung, welche heute &ouml;ffentlich anerkannt ist. Dass die Strafverfolgungsbeh&ouml;rden und Verantwortlichen von der Leitung der kriminalpolizeilichen Ermittlungsgruppen, der besonderen Aufbauorganisation des Bundeskriminalamt (BAO) bis hin zu Fritz Behrens (SPD), Staatsminister (NRW Justizminister, NRW Innenminister) a.D. Fehler gemacht zu haben, wurde im Untersuchungsausschuss in D&uuml;sseldorf evident. Deutliche Positionierungen in Form von Zeugenaussagen daf&uuml;r, dass die Gesch&auml;digten des NSU-Netzwerkes selbst &uuml;ber viele Jahre hinweg als Tatverd&auml;chtige behandelt wurden, dass es staatlich institutioneller, struktureller (Sekund&auml;rer) Rassismus und mitnichten eine intersubjektive Innenrevision von Ermittlungshypothesen war, die von vielen bis heute akut leidenden Gesch&auml;digten der rechtsextremistischen Terrororganisation NSU als einen &ldquo;Anschlag nach dem Anschlag&rdquo; tituliert worden sind, sp&uuml;rten die Zeugen der Staatsanwaltschaft und Polizeibeamte im Untersuchungsausschuss aber nicht. Weder die damals Verantwortlichen und Ermittelnden, die im NSU-Untersuchungsausschuss bisher ausgesagt haben, noch die Obleute der NRW-Landtagsfraktionen, welche sich immer wieder &uuml;ber Stunden hinweg die monotonen Floskeln des &ldquo;Das entzieht sich meiner Kenntnis&hellip;&rdquo;, &ldquo;Wir haben in alle Richtungen ermittelt, aber&hellip; oder &ldquo;f&uuml;r eine rechtsmotivierte Tat fehlten uns hinreichende Erkenntnisse&rdquo; angeh&ouml;rt haben.<\/p><p><strong>&ldquo;Die haben alles kaputt gemacht&rdquo;<\/strong><\/p><p>Nur wenige Tage, nachdem am 13. Januar 2016 die Beweisaufnahme zum &ldquo;Tatkomplex Dortmund&rdquo;, zum NSU &ndash; Mord an dem deutschen Staatsangeh&ouml;rigen Mehmet Kubasik, begonnen hatte, machte der &ouml;ffentliche Auftritt des NRW NSU Untersuchungsausschussvorsitzenden MdL Sven Wolf (SPD) f&uuml;r den Wahlkreis Remscheid bei einer Veranstaltung im Rahmen der Theaterproduktion &ldquo;Die L&uuml;cke&rdquo; am Schauspielhaus K&ouml;ln (M&uuml;lheim), Schanzenstrasse 6 &ndash; 20 verst&ouml;rend darauf aufmerksam, wie wenig er zugeh&ouml;rt, wie wenig er verstanden hatte: strukturellen oder staatlich institutionellen Rassismus der seinerzeit ermittelnden Beh&ouml;rden und beteiligten Instanzen vermochte dieser nicht zu erkennen. Auch wollte der SPD MdL Sven Wolf es nicht stehen lassen, wenn im NSU-Untersuchungsausschuss die Positionierung entsteht, dass staatlich institutioneller Sekund&auml;rrassismus die damaligen Ermittlungen und die Behandlung der NSU-Opfer in typischer T&auml;ter-Opfer-Umkehr ma&szlig;geblich beeinflusst habe. Sven Wolf kenne pers&ouml;nlich einzelne Polizeibeamte; diese sind keine Rassisten. Dem PUA-Vorsitzenden Sven Wolf ist sicherlich zuzustimmen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, so ein bekanntes Sprichwort. Im NSU-Untersuchungsausschuss sprach niemand vom Scheitern oder der politisch wie menschlich kritikw&uuml;rdigen Geisteshaltung Einzelner. Vielmehr ging und geht es seit &uuml;ber zw&ouml;lf Monaten darum, dass bei Justiz, Polizei und Inlandsgeheimdienst das Augenlicht des politisch rechten Auges getr&uuml;bt sein soll. Dies haben die Sachverst&auml;ndigen wie beispielsweise die bundesweit anerkannte Diplom Politologin, Buchautorin sowie unabh&auml;ngige Journalistin Andrea R&ouml;pke zu Beginn der Untersuchungsausschuss-Arbeit herauskristallisiert. Dies haben die Aussagen von Zeugen des Untersuchungsausschusses der deutschen Sicherheitsbeh&ouml;rden und Verantwortungsebenen zu erkennen gegeben. Der ehemalige NRW Justiz- und Innenminister Fritz Behrens hatte die K&ouml;ln &ndash; M&uuml;lheimer Keupstra&szlig;e seinerzeit nach dem rassistischen Terroranschlag am 09. Juni 2004 nicht besichtigt, weil der Tatort an sich bereits dazu angetan gewesen sei, dass ein falsches Signal gesetzt werden k&ouml;nnte, wenn es sich doch um ein Verbrechen aus dem Umfeld der organisierten Kriminalit&auml;t gehandelt h&auml;tte. &ldquo;Wegen dieser Unsicherheit wollte man sich vor Ort nicht verwickeln lassen&rdquo;, so die Aussage des Zeugen Fritz Behrens im Untersuchungsausschuss.&nbsp;<\/p><p><strong>Die L&uuml;cke<\/strong><\/p><p>Das Schauspielst&uuml;ck &ldquo;Die L&uuml;cke&rdquo;, das die Geschichte der vorurteilsbehafteten mutmasslichen Unterstellungen, Verd&auml;chtigungen, beh&ouml;rdlichen Verdunkelungen und insbesondere des institutionellen Rassismus der Minister-, Justiz- und Polizeibeamten bei der Aufkl&auml;rung zum rechtsterroristischen Nagelbombenattentat auf der Keupsta&szlig;e in K&ouml;ln &ndash; M&uuml;lheim thematisiert, d&uuml;rfte dem SPD MdL Sven Wolf bei all seiner verniedlichenden Haltung zum strukturellen Rassismus in der Ermittlungst&auml;tigkeit der beteiligten Beh&ouml;rden nicht gefallen haben. Vor allem erschreckte die Einlassung von Sven Wolf vor der Auff&uuml;hrung, dass die Anwesenheit des Untersuchungsausschuss-Vorsitzenden Sven Wolf durchaus als kalkulierte &Ouml;ffentlichkeitsmassnahme bewertet werden darf, besonders deshalb, weil er drei Tage zuvor sehr viel verst&auml;ndnisvoller, aufmerksamer und emphatischer aufgetreten ist. Am Mittwoch, 13. Januar 2016 waren die Dortmunder Witwe und Mutter Elif Kubasik und deren Tochter Gamze Kubasik zur Zeugenaussage in den parlamentarischen Untersuchungsausschuss geladen worden. Beeindruckend berichteten Elif und Gamze Kubasik davon, dass Mehmet Kubasik am 04. April 2006 ermordet wurde. Einen Tag darauf, am 05. April 2006, wurden die Witwe Elif Kubasik und die Tochter Gamze Kubasik von der Polizei Dortmund dem Kreis der Tatverd&auml;chtigen hinzugef&uuml;gt. Sie hatten gerade einen geliebten Familienangeh&ouml;rigen durch einen Mord verloren und nun wurden sie selbst des Mordes verd&auml;chtigt.&nbsp;Mehmet Kubasik war deutscher Staatsb&uuml;rger von t&uuml;rkisch &ndash; alawitischer Abstammung.&nbsp;Organisierte Kriminalit&auml;t? PKK? &nbsp;Zu all jenen Motiven hat die Polizei Dortmund im Wohnumfeld ermittelt, habe Nachbarschaft und Freundeskreis befragt, ob sie Mehmet Kubasik anhand eines Fotos identifizieren und etwas dazu sagen k&ouml;nnten, ob er etwa in die organisierte Kriminalit&auml;t (z.B. Versto&szlig; gegen das Bet&auml;ubungsmittelgesetz oder wie die Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation wie der PKK) verwickelt sei. Das &ouml;ffentlich bekannte Stigma lastete fortan auf der Familie Kubasik. Menschen, welche bis zum Mord an Mehmet Kubasik der Familie Kubasik wohlwollend gegen&uuml;ber standen, wandten sich durch diese Ungewissheit von der Familie Kubasik ab. Abwertende Blicke, Drohungen und Beschimpfungen konfrontierten die Angeh&ouml;rigen tagt&auml;glich damit, dass die Polizei aus dem Mordopfer einen Verd&auml;chtigten gemacht hatte. Gamze Kubasik fasste im parlamentarischen Untersuchungsausschuss ihre Empfindungen von damals sowie der Gegenwart zusammen: &ldquo;Ich muss sagen, es ist ja schon schlimm, wenn man einen Vater verliert. Aber die haben uns auch noch den Stolz weggenommen. Wir haben Freunde und Bekannte. Und Menschen, die uns gemocht haben. Die meinen Vater gemocht haben. Das haben die alles kaputt gemacht. Jahrelang hat man uns verd&auml;chtigt. Die Polizei ist daf&uuml;r verantwortlich, dass man uns jahrelang das Leben weggenommen hat. Vielleicht konnte ich verarbeiten: ja mein Vater ist nicht mehr da, und das Leben geht weiter. Aber die Polizei hat das unm&ouml;glich gemacht.&rdquo; In Anbetracht der eindrucksvollen Schilderungen von Elif und Gamze Kubasik &auml;u&szlig;erten die Obleute interfraktionell ihr tiefes Entsetzen in Bezug auf die Modalit&auml;t, wie mit den Familienangeh&ouml;rigen umgegangen worden war. Seitens der Obleute bestand Einigkeit, dass derlei Amtsmissbrauch niemals wieder stattfinden darf. Dass Beamte, welche in ihrer Ermittlungsarbeit mit Gesch&auml;digten umgingen, hierf&uuml;r speziell ausgebildet sein werden. Das erlittene Leid, welches den Betroffenen wie den Opfern und Angeh&ouml;rigen durch belastend tendenzi&ouml;se Ermittlungen angetan worden ist, ist um so vieles gravierender im Vergleich zur Wut, die der K&ouml;lner SPD &ndash; Obmann Andreas Kossiski (ein Polizeibeamter in den Bundesl&auml;ndern Schleswig &ndash; Holstein und Nordrhein &ndash; Westfalen) nun, nach der Aussage der Zeugen Kubasik, &uuml;ber die Ermittlungsfehler empfinde. Der Vorsitzende Sven Wolf w&uuml;nschte den beiden Zeugen, dass die einschneidenden emotionalen Wunden heilen m&ouml;gen. Piet&auml;tvolle &Auml;usserungen, welche die Anwesenden des NSU-Untersuchungsausschusses durchaus als glaubw&uuml;rdig empfinden konnten. In dieser spezifischen Situation. MdL Sven Wolf, der drei Tage sp&auml;ter in einer ganz anderen Situation, vor einer anderen &Ouml;ffentlichkeit, vor der Auff&uuml;hrung der &ldquo;L&uuml;cke&rdquo; davon sprechen sollte, dass er den Eindruck eines staatlichen Rassismus in den zu den Morden des rechtsterroristischen Netzwerkes NSU damals ermittelnden Beh&ouml;rden nicht f&uuml;r richtig erachte, hat -das muss Sven Wolf sich wohl sagen lassen &ndash; indessen wenig Fingerspitzengef&uuml;hl daf&uuml;r, wie viel Verantwortung er und sein Kollegium im NSU-Untersuchungsausschuss inne haben. Die Obleute der Fraktionen sind es, welche mittels Fragen eruieren sollen, welche beh&ouml;rdlichen Verfehlungen begangen worden sind, im Zusammenhang mit den kapitalen Verbrechen des rechtsterroristischen Netzwerkes NSU. Die Obleute sollen zum Beispiel einen leitenden Kriminalbeamten fragen, weshalb dieser der Spur, dass es ebenso ein rechtsterroristisches Kapitalverbrechen in Form eines Mordes gewesen sein k&ouml;nnte, zu jener Zeit nicht nachgegangen ist. Der Kriminalbeamte Michael Schenk, seinerzeit Leiter der polizeilichen Ermittlungen zum Mord an dem Kaufmann Mehmet Kubasik, erschien am 21. Januar 2016 zur Zeugenvernehmung im NSU-Untersuchungsausschuss und versuchte sich, genau zu dem Sachverhalt, mehr als augenscheinlich um eine sinnige Antwort verlegen, aus der Aff&auml;re zu ziehen: Weshalb die Aussage der Dortmunder Zeugin Jelica Dzinc vom 14. Januar 2016, einer Passantin und Anwohnerin der Mallinckrodtstrasse in Dortmund, die zum Zeitpunkt unmittelbar vor dem Mord an Mehmet Kubasik damals zwei M&auml;nner am Tatort gesehen hatte, die wie &bdquo;Junkies oder Nazis&ldquo; ausgesehen haben, nicht weiter verfolgt worden sei, konnte der Zeuge Michael Schenk den Mitgliedern des Untersuchungsausschusses nicht plausibel erkl&auml;ren. Der damals zust&auml;ndige Dortmunder Staatsanwalt Dr. Heiko Artk&auml;mper, welcher am 15. Januar 2016 vor dem Untersuchungsausschuss als Zeuge aussagte, konnte sich nicht entsinnen, wo die Ermittlungen zu dem Mord an Mehmet Kubasik suboptimal verlaufen sein mochten. Die StA Dortmund h&auml;tte einen Mordfall aufzukl&auml;ren gehabt und h&auml;tte demzufolge alle Ermittlungsrichtungen verfolgt.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160321_nsu2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><em>Die Dortmunder Mutter und Witwe, Elif Kubasik am 24. September 2012 am Denkmal ihres ermordeten Ehemannes Mehmet Kubasik, an der Mallinckrodtstrasse 190 in Dortmund.<\/em><br>\n<em>Foto: Jimmy Bulanik<\/em><\/p><p><strong>Nie wieder! &bdquo;Sorgen Sie daf&uuml;r!&rdquo;<\/strong><\/p><p>Elif Kubasik hatte nur zwei Tage zuvor, am 13. Januar 2016, auf demselben Stuhl als Zeugin des nordrhein-westf&auml;lischen parlamentarischen Untersuchungsausschusses &ldquo;Nationalsozialistischer Untergrund&rdquo; im Landtag von D&uuml;sseldorf Platz genommen, auf dem am 21. Januar 2016 der Zeuge, Staatsanwalt Dr. Heiko Artk&auml;mper, so wenig zu einer kritischen Reflektion bez&uuml;glich der damaligen Ermittlungst&auml;tigkeiten f&auml;hig war. Frau Elif Kubasik hatte davon gesprochen, dass &ldquo;wir ja sehen, dass der Staat bisher nicht hat aufkl&auml;ren k&ouml;nnen.&rdquo; Protektionismus oder Unterst&uuml;tzung brauche sie nicht &ndash; heute: nicht mehr. Sie sei stark. Gleichwohl, so Elif Kubasik, &ldquo;Ich m&ouml;chte, dass es Aufkl&auml;rung gibt, ich m&ouml;chte nicht, dass andere Kinder ohne V&auml;ter aufwachsen.&rdquo; Erneut haben die Gesch&auml;digten des Netzwerkes NSU selbst, die mit dem Mord an ihrem geliebten Ehemann und f&uuml;rsorglichen Familienvater, der Trauer, emotional aufgew&uuml;hlt bis heute leben, uns allen in wirkungsm&auml;chtigen Worten verdeutlicht, welch starke Pers&ouml;nlichkeiten sie sind. Dieser Charaktereigenschaften von St&auml;rke, menschlicher Gr&ouml;&szlig;e zu begegnen, diese zu ertragen, sie ernst zu nehmen, ist der &ouml;ffentliche Untersuchungsauftrag, welchen die Obleute der Landtagsfraktionen im NSU-Untersuchungsausschuss zu erf&uuml;llen haben. Ungeachtet dessen, ob ihr Wirken zu &ldquo;Beh&ouml;rdenversagen&rdquo; (&ldquo;Staatsversagen&rdquo; nannte der FDP Obmann Joachim Stamp f&uuml;r den Wahlkreis Bonn &ndash; Duisdorf w&auml;hrend der &ouml;ffentlichen Sitzung des Untersuchungsausschusses im Landtag von D&uuml;sseldorf mit den Zeuginnen Kubasik den beh&ouml;rdlichen Umgang mit den NSU Kapitalverbrechen in Form von Mord und Anschl&auml;gen selbst mit Sprengmittel) oder zu &bdquo;Ermittlungspannen&rdquo; bei den Inlandsgeheimdienst-Apparaten oder dem Scheitern oder der bewussten, gezielten Verdunkelung Einzelner f&uuml;hrt &ndash; eines ist klar, das wird bei jeder &ouml;ffentlichen Untersuchungsausschusssitzung stets evidenter: die strukturelle Verwobenheit rassistischer Geisteshaltungen sowie arbeitstechnische Modalit&auml;ten, welche einer vorurteilsbehafteten Konnotation der Opfer von Rechtsextremismus und ihrem pers&ouml;nlichem Umfeld Vorschub leisteten, ist in der Arbeit der ermittelnden Institutionen unverkennbar. Staatsanwaltschaften, Polizei, Inlandsgeheimdienste: Sie alle trugen zum Sekund&auml;rrassismus in der Erscheinungsform einer T&auml;ter-Opfer-Umkehr bei, welche f&uuml;r die betroffenen gesch&auml;digten Familienangeh&ouml;rige so bitter in st&auml;ndiger Erinnerung ist, zus&auml;tzlich zu dem schmerzlichen Verlust. Das zu konstatieren, insbesondere -aufrichtig- zu w&uuml;rdigen und daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, ist der &ouml;ffentlich Auftrag der Mitglieder des Landtages in Nordrhein &ndash; Westfalen. Ismail Yogats bedeutsame Worte zum Trauermarsch f&uuml;r seinen verblichenen Sohn Halit Yozgat sind auch an dieser Stelle aktuell und dringend: Es soll sich etwas ver&auml;ndern. Solche Ermittlungen d&uuml;rfen nie wieder so oder so &auml;hnlich stattfinden. Dazu muss der institutionelle Rassismus in Ermittlungs- und Strafverfolgungsbeh&ouml;rden wahrgenommen und intersubjektiv konstatiert werden. Wir nehmen Sie, die Mitglieder des NRW parlamentarischen Untersuchungsausschuss NSU, die Sie allesamt gemeinsam am Ende ihrer Untersuchungsausschuss &ndash; T&auml;tigkeit einen &ouml;ffentlichen Bericht und eindeutig verbindliche Handlungsauftr&auml;ge zu verfassen haben, hier bei ihren anteilnehmenden Worten in die &ouml;ffentlich &uuml;berpr&uuml;fbare Pflicht. H&ouml;ren Sie den betroffenen Opfern des rechtsterroristischen Netzwerkes &ldquo;Nationalsozialistischer Untergrund&rdquo; aufmerksam zu und ziehen Sie alle notwendigen Schl&uuml;sse: &bdquo;Sorgen Sie daf&uuml;r !&rdquo; &nbsp;<\/p><p>Sizi&nbsp;izleyece&#287;im !<br>\n&Theta;&alpha;&nbsp;&mu;&pi;&omicron;&rho;&epsilon;&#943;&tau;&epsilon; &nu;&alpha; &pi;&alpha;&rho;&alpha;&kappa;&omicron;&lambda;&omicron;&upsilon;&theta;&#942;&sigma;&epsilon;&tau;&epsilon; !<br>\nVamos a&nbsp;ver c&oacute;mo te !<br>\nWij zullen u&nbsp;kijken !<br>\nNous vous&nbsp;regarder !<br>\nWe will watch you !<br>\nWir beobachten euch !<br>\n&#1052;&#1099; &#1073;&#1091;&#1076;&#1077;&#1084;&nbsp;&#1089;&#1084;&#1086;&#1090;&#1088;&#1077;&#1090;&#1100;, &#1082;&#1072;&#1082; &#1090;&#1099; !<br>\nMe&nbsp;katsella sinua&nbsp;!<br>\nVi&nbsp;vil&nbsp;se p&aring;&nbsp;deg !<br>\nVi&nbsp;vil&nbsp;se&nbsp;dig&nbsp;!<br>\nVi&nbsp;kommer att titta p&aring;&nbsp;dig&nbsp;!<br>\n&#31169;&#12383;&#12385;&#12399;&#12354;&#12394;&#12383;&#12434;&#35211;&#12390;&#12414;&#12377;&#65281;&#50864;&#47532;&#45716; &#45817;&#49888;&#51012;&nbsp;&#48380;&nbsp;&#44163;&#51060;&#45796; !<br>\n&#31169;&#12383;&#12385;&#12399;&#12354;&#12394;&#12383;&#12434;&#35211;&#12390;&#12414;&#12377;&#65281;! &#1587;&#1606;&#1585;&#1575;&#1602;&#1576;&nbsp;&#1604;&#1603;<br>\n&#1605;&#1575;&nbsp;&#1588;&#1605;&#1575; &#1585;&#1575; &#1578;&#1605;&#1575;&#1588;&#1575;&nbsp;&#1582;&#1608;&#1575;&#1607;&#1583; &#1705;&#1585;&#1583;!<br>\n! &#1488;&#1504;&#1495;&#1504;&#1493;&nbsp;&#1504;&#1510;&#1508;&#1492;&nbsp;&#1488;&#1514;&#1499;&#1501;<\/p><p><em>Das gesamte Urheberrecht zu den Fotos, dem Artikel obliegt Jimmy Bulanik.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Der investigative Journalist <strong>Jimmy Bulanik<\/strong>, ist Experte f&uuml;r Rechtsextremismus und verfolgt den NRW PUA NSU seit seiner ersten &ouml;ffentlichen Sitzung von Anfang bis zum Ende.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 04. 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