{"id":3239,"date":"2008-05-27T09:01:15","date_gmt":"2008-05-27T07:01:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3239"},"modified":"2015-11-23T11:39:32","modified_gmt":"2015-11-23T10:39:32","slug":"die-spd-in-der-zwickmuehle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3239","title":{"rendered":"Die SPD in der \u201eZwickm\u00fchle\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Jedes Kind kennt das alte germanische Brettspiel &bdquo;M&uuml;hle&ldquo;. Dabei gibt es die komfortable Stellung einer sogenannten &bdquo;Zwickm&uuml;hle&ldquo;: Wer die Stellung einer &bdquo;Zwickm&uuml;hle&ldquo; hat, kann mit jeder Spielrunde eine neue &bdquo;M&uuml;hle&ldquo; (d. h. drei Steine in Reihe) schlie&szlig;en und dabei jeden Stein des Gegners schlagen. Diese Situation hat die SPD mit ihrer apodiktischen Absage an jegliche Zusammenarbeit mit der Partei Die Linke f&uuml;r ihre konservativen Gegenspieler zugelassen. Die Konservativen k&ouml;nnen sich wie bei diesem schlichten Brettspiel verhalten: Immer dann, wenn die SPD einen Zug macht, nutzen sie die &bdquo;Zwickm&uuml;hle&ldquo; und schlagen den Stein. So auch bei der Nominierung von Gesine Schwan als Kandidatin f&uuml;r das Amt des Bundespr&auml;sidenten. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nWas immer die SPD tut, entscheidet oder nicht tut, wird nur noch entlang einer einzigen Frage beurteilt: Begibt sie sich &bdquo;in die H&auml;nde der Linkspartei&ldquo; (Merkel)? Wird die SPD &bdquo;zu einer Marionette von Lafontaine&ldquo; (Pofalla)? Oder &bdquo;&ouml;ffnete die SPD ein Scheunentor f&uuml;r einen rot-rot-gr&uuml;nen Pakt auf Bundesebene&ldquo; (Huber)? Mit jeder Entscheidung, die die SPD abweichend von der Union oder der FDP trifft, wird von der konservativen Seite und von der Mehrheit der Medien die Frage nach der sozialdemokratischen Glaubw&uuml;rdigkeit gestellt &ndash; n&auml;mlich, ob die SPD-Absage an eine Zusammenarbeit mit der Linken oder gar an eine solche Koalition glaubw&uuml;rdig sei.<\/p><p>Wer am gestrigen Tag die Nachrichten &uuml;ber die Nominierung von Gesine Schwan als Kandidatin f&uuml;r die Wahl ins Amt des Bundespr&auml;sidenten durch die Bundesversammlung verfolgte, konnte es bis in die Kommentare hinein erfahren: Es ging nicht darum, ob die SPD mit 222 Sitzen im Bundestag &ndash; und folglich mit genau einem Sitz weniger als die CDU\/CSU &ndash; einen Bundespr&auml;sidentenkandidaten vorschlagen darf. Es ging auch nicht darum, wer in der n&auml;chsten Bundesversammlung eine Mehrheit erreichen kann &ndash; nein, es ging nahezu ausschlie&szlig;lich darum, ob Gesine Schwan mit den Stimmen der Linken gew&auml;hlt werden k&ouml;nnte und ob damit die Absage der SPD an eine Zusammenarbeit mit der der Linkspartei noch glaubw&uuml;rdig sei.<\/p><p>Also meinte kaum ein Journalist, sich mit der Frage besch&auml;ftigen zu m&uuml;ssen, wof&uuml;r Gesine Schwan steht und welche Inhalte sie vertritt. Und schon gar nicht behandelten die Kommentare die Tatsache, dass Amtsinhaber Horst K&ouml;hler von Beginn an ein &bdquo;schwarz-gelber&ldquo; Pr&auml;sident war und auch blieb. Scheinbar oder anscheinend spielen politische Inhalte keine Rolle mehr. Die einzig wichtige Frage in der Republik scheint nur noch die zu sein, wie es die SPD mit der Linken h&auml;lt.<\/p><p>Statt alles zu versuchen, um sich aus dieser &bdquo;Zwickm&uuml;hlen&ldquo;-Situation zu befreien, erkl&auml;rte SPD-Vorsitzender Kurt Beck in den ARD-Tagesthemen stereotyp: &ldquo;Ein Sozialdemokrat wird sich auch nach der Bundestagswahl 2009 nicht von dieser Gruppierung w&auml;hlen lassen.&rdquo; Dass die Kandidatin der SPD auch &bdquo;namentlich&ldquo; (Schwan) um die Stimmen der Linken werbe, sei doch vollkommen normal, meinte Beck.<br>\nPrompt startete der &bdquo;Deutschlandtrend&ldquo; der ARD eine Blitzumfrage. Danach halten 77 Prozent die Beck-Aussage, dass es keine Zusammenarbeit zwischen der SPD und der Linken nach der Bundestagswahl 2009 geben werde, f&uuml;r <a href=\"http:\/\/www.tagesthemen.de\/inland\/bundespraesidentenwahl14.html\">&bdquo;nicht glaubw&uuml;rdig&ldquo;<\/a>. <\/p><p>Wie kann man eigentlich so borniert sein und diese &bdquo;Zwickm&uuml;hlen&ldquo;-Situation nicht erkennen? Warum sagen die SPD und vor allem ihr Vorsitzender nicht, die Sozialdemokraten w&uuml;rden mit jeder Partei (mit Ausnahme der Neofaschisten) zusammenarbeiten, mit der sie ihre Ziele am besten durchsetzen k&ouml;nnten? Auf diese Weise w&uuml;rden die Sozialdemokraten auf einen Schlag das Spiel der Konservativen kaputt machen oder zumindest stark beeintr&auml;chtigen. Auf jeden Fall w&auml;re das SPD-Risiko, das Spiel, d. h. die Bundestagswahl 2009, zu verlieren, nicht gr&ouml;&szlig;er als jetzt im Zeichen der Beck-&Auml;u&szlig;erungen. Siehe die Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein vom vergangenen Sonntag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jedes Kind kennt das alte germanische Brettspiel &bdquo;M&uuml;hle&ldquo;. Dabei gibt es die komfortable Stellung einer sogenannten &bdquo;Zwickm&uuml;hle&ldquo;: Wer die Stellung einer &bdquo;Zwickm&uuml;hle&ldquo; hat, kann mit jeder Spielrunde eine neue &bdquo;M&uuml;hle&ldquo; (d. h. drei Steine in Reihe) schlie&szlig;en und dabei jeden Stein des Gegners schlagen. 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