{"id":324,"date":"2004-05-24T09:10:31","date_gmt":"2004-05-24T08:10:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=324"},"modified":"2016-03-31T11:52:53","modified_gmt":"2016-03-31T09:52:53","slug":"schwarzgeld-amnestie-ist-bisher-ein-flop-die-schweiz-bleibt-ein-paradies-fur-steuerhinterzieher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=324","title":{"rendered":"&#8220;Schwarzgeld-Amnestie ist bisher ein Flop&#8221; \u2013 &#8220;Die Schweiz bleibt ein Paradies f\u00fcr Steuerhinterzieher&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Zwei Schlagzeilen an ein und dem selben Tag sagen eigentlich alles &uuml;ber die Ungerechtigkeiten bei der Besteuerung von Kapital- und Lohneinkommen. Am 19. Mai berichtet der K&ouml;lner Stadt-Anzeiger, dass trotz Steuer-&ldquo;Amnestie&rdquo; und Minibesteuerung von 25% von den gesch&auml;tzten 100 Milliarden Euro, die vor der Steuer ins Ausland verschoben worden sind, seit in Kraft treten des Steueramnestie-Gesetzes noch nicht einmal eine halbe Milliarde zur&uuml;ckgeholt wurde. Gleichzeitig meldet die Frankfurter Rundschau, dass Schweizer Banken, bei denen sch&auml;tzungsweise 1.300 Milliarden ausl&auml;ndische Gelder angelegt sind, auch k&uuml;nftig bei einem Verdacht auf Steuerhinterziehung den Finanz&auml;mtern jegliche Auskunft verweigern d&uuml;rfen.<br>\n<!--more--><br>\nDas &bdquo;scheue&ldquo; Kapital flie&szlig;t in Steuerparadiese oder wird an der Steuer vorbei ins Ausland geschafft, w&auml;hrend den Lohnsteuerzahlern wird jeder verdiente Euro &uuml;ber die Gehaltsabrechnung versteuert wird. Wer sich erhofft hat, durch niedrigste Steuers&auml;tze die Kapitaleinkommensbezieher zu mehr Steuerehrlichkeit gewinnen zu k&ouml;nnen, sieht sich get&auml;uscht. Seit Inkrafttreten des &bdquo;Steueramnestiegesetzes&ldquo; Anfang des Jahres sind statt der erhofften Milliarden gerade mal 120 Millionen Euro in die Staatskasse geflossen. Steuersch&auml;tzer und Wirtschaftsforscher rechneten statt der erhofften 25 Milliarden Euro allenfalls mit zwischen 500 Millionen bis maximal 1,5 Milliarden Euro Steuereinnahmen aus dem R&uuml;ckfluss von &bdquo;schwarzem Geld&ldquo;, berichtet Peter Hahne im K&ouml;lner Stadt-Anzeiger vom 19. Mai 2004. Am selben Tag schreibt A. Neitzel in der Frankfurter Rundschau, dass es der EU zwar endlich gelungen sei, dass in der Schweiz ab 2005 eine Quellensteuer von zun&auml;chst 15 (!) Prozent auf die Zinsertr&auml;ge der dort von EU-Ausl&auml;ndern gelagerten Verm&ouml;gen eingef&uuml;hrt werden soll. Die Schweiz bleibt aber nach wie vor ein Paradies f&uuml;r Steuerhinterzieher, denn die vor dem Zugriff des Fiskus hinterzogenen Verm&ouml;gen selbst sollen auch in Zukunft vom &bdquo;Bankgeheimnis&ldquo; gesch&uuml;tzt bleiben. Als Gegengabe f&uuml;r die Einf&uuml;hrung der Quellensteuer, darf die Schweiz dem Schengener Abkommen beitreten; das Schwarzgeld kann also noch unkontrollierter &uuml;ber die Grenzen geschafft werden. Und das d&uuml;rfte auch vermehrt geschehen, denn bei 15 Prozent Quellensteuer bis 2008 und bei 20 Prozent bis 2011 m&uuml;sste man jedem, der seine Barschaft nicht in die Schweiz bringt, f&uuml;r seine Steuerehrlichkeit (man k&ouml;nnte auch sagen Dummheit) mindestens mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnen.<\/p><p>Wer mit ehrlicher Arbeit sein Geld verdient, ist und bleibt in Deutschland der Dumme. Und die Dummen sind vor allem die unselbst&auml;ndig Besch&auml;ftigten. Deutschland wird immer mehr zum Lohnsteuerstaat. Klaus Heidel hat in einem Beitrag f&uuml;r die taz vom 3.12.02 unter dem Titel &bdquo;Die hausgemachte Pleite&ldquo; die Fakten zusammengetragen, die in der &ouml;ffentlichen Debatte &uuml;ber weitere Steuersenkungen vor allem f&uuml;r Kapitaleink&uuml;nfte v&ouml;llig in den Hintergrund geraten sind: &bdquo;W&auml;hrend sich die durchschnittliche Lohnsteuerbelastung der Bruttol&ouml;hne von 1960 bis 2000 mehr als verdreifachte, sank die steuerliche Belastung der Gewinn- und Verm&ouml;genseinkommen kr&auml;ftig: Im Jahr 2000 betrug sie nur noch ein Drittel dessen, was sie 1960 &ndash; zu Zeiten des &bdquo;Wirtschaftswunders&ldquo; &ndash; eingebracht hat&hellip;Obgleich es die Gewinne waren, die &uuml;berdurchschnittlich wuchsen, trug der Faktor Kapital immer weniger zur Finanzierung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben bei. Besonders dramatisch ist der relative Bedeutungsverlust der (veranlagten) Einkommenssteuer: Sie erbrachte 1960 noch rund 31 Prozent des gesamten Steueraufkommens, 2000 aber nur noch verschwindende 2,7 Prozent. Auch die K&ouml;rperschaftssteuer und die Gewerbesteuern stellten immer kleinere Anteile des Steueraufkommens. Demgegen&uuml;ber wurde der Beitrag des Faktors Arbeit mehr als verdreifacht: Im Jahre 2000 entfielen &uuml;ber 35 Prozent des gesamten Steueraufkommens allein auf die Lohnsteuer! Auch die Anteile der indirekten Steuern stiegen: Die Umsatzsteuer um fast die H&auml;lfte und die der Mineral&ouml;lsteuer um &uuml;ber 90 Prozent. Damit tragen heute die &bdquo;Massensteuern&ldquo; drei Viertel des gesamten Steueraufkommens, also dreimal so viel wie der Faktor Kapital&hellip;Der wachsende Reichtum von Unternehmen und Personen kam nur in engen Grenzen der gesamten Gesellschaft zugute: Steuersenkungen allein schaffen weder Wachstum noch Arbeitspl&auml;tze, sondern lediglich &ouml;ffentliche Armut.&ldquo;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Schlagzeilen an ein und dem selben Tag sagen eigentlich alles &uuml;ber die Ungerechtigkeiten bei der Besteuerung von Kapital- und Lohneinkommen. Am 19. 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