{"id":3241,"date":"2008-05-28T09:25:40","date_gmt":"2008-05-28T07:25:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3241"},"modified":"2015-11-23T11:37:31","modified_gmt":"2015-11-23T10:37:31","slug":"spd-steuer-und-abgabenkonzept-orientierung-auf-den-sankt-nimmerleinstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3241","title":{"rendered":"SPD-Steuer- und Abgabenkonzept: Orientierung auf den Sankt Nimmerleinstag"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich sind die <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/show\/1748841\/270508_Konsolidieren_Investieren_Entlasten.pdf%20\">&bdquo;Orientierungspunkte der SPD f&uuml;r eine integriertes Steuer- und Abgabensystem eines sozialen Deutschlands&ldquo; [PDF &ndash; 248 KB]<\/a> aktuell keiner gr&uuml;ndlichen W&uuml;rdigung wert, denn sie sollen fr&uuml;hestens ab 2011 umgesetzt werden. Was Aussagen &uuml;ber Steuern und Abgaben vor einer Wahl wert sind, das haben wir bei der Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer erleben m&uuml;ssen. Was die wirtschaftliche Situation im Jahre 2011 f&uuml;r eine Finanzpolitik erforderlich macht, wei&szlig; heute noch kein Mensch. Und ob die Haushaltslage dann eine &uuml;ber Steuern finanzierte Senkung der Sozialversicherungsabgaben zul&auml;sst, steht in den Sternen. Das Papier ist eine eher aus der H&uuml;fte geschossene Reaktion der SPD auf die populistische Steuersenkungskampagne der CSU und ihres Wirtschaftsministers Glos. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nInteressant sind die &bdquo;Orientierungspunkte&ldquo; allenfalls deshalb, weil sie Aufschluss &uuml;ber das derzeitige wirtschafts- und finanzpolitische Konzept der SPD geben k&ouml;nnen. Genauer m&uuml;sste man sagen, sie verraten, dass die SPD kein Konzept hat und, wenn ja, ein falsches.<\/p><p>So ist die Einleitung des Papiers ein weiterer Versuch, die angeblich positiven Auswirkungen der Agenda-Politik zu beweihr&auml;uchern. Da wird dann einmal mehr die Legende von den zu hohen Sozialabgaben aufgetischt; deren Senkung von 42,1 % am Ende der Kohl-&Auml;ra auf mittlerweile 39% habe un&uuml;bersehbare positive Wirkungen auf dem Arbeitsmarkt. <\/p><p>Unerw&auml;hnt bleibt dabei nat&uuml;rlich, dass im EU-27-Vergleich Deutschland bei den &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; insgesamt auf Platz 14 und bei den gesetzlichen Sozialabgaben gar erst auf Platz 17 <a href=\"?p=3172\">landet<\/a>. Die angeblich zu hohen &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; waren ohnehin ein Mythos, der den Abbau der Sozialleistungen &ndash; von den Rentenk&uuml;rzungen bis zur Heranziehung der Patienten bei den Gesundheitskosten &ndash; legitimieren sollte. Dass mit der Senkung der Sozialabgaben zus&auml;tzliche Arbeitspl&auml;tze geschaffen worden seien, geh&ouml;rt allenfalls in den Katechismus neoliberaler Glaubenss&auml;tze.<\/p><p>&Uuml;ber die Auswirkungen der Senkung der Sozialabgaben f&uuml;r die Arbeitslosenversicherung, f&uuml;r die gesetzliche Rente und f&uuml;r das Gesundheitssystem (bei dem die Beitragss&auml;tze im &Uuml;brigen gestiegen sind) wird in dem Papier vorsichtshalber nicht gesprochen.<\/p><p>Gar nicht erw&auml;hnt wird auch, dass diejenigen, die die Rentenk&uuml;rzungen durch eine private Riester-Vorsorge kompensieren m&uuml;ssen (sofern sie das k&ouml;nnen) 4 % ihres Bruttoeinkommens nunmehr ohne Arbeitgeberbeteiligung zus&auml;tzliche zu den 19,9% Rentenbeitr&auml;ge bezahlen m&uuml;ssen. <\/p><p>Auch die Senkung der des Eingangssteuersatz bei der Einkommensteuer von 25,9 % auf 15 % und des Spitzensteuersatzes von 53 % auf 42 % mit einem Entlastungsvolumen 58,5 Milliarden Euro wird bejubelt. Die Entlastung sei zum Gro&szlig;teil den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zugute gekommen.<\/p><p>Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt allerdings die OECD: Durchschnitts- und Geringverdiener h&auml;tten in Deutschland von den Steuer- und Abgabensenkungen kaum oder gar nicht profitiert, Alleinerziehende mit geringen L&ouml;hnen zahlten sogar mehr als fr&uuml;her, meldete die S&uuml;ddeutsche Zeitung (vom 12. M&auml;rz 2008 S. 17). <strong>Deutschland ist sogar der einzig ausgewiesene OECD-Staat, bei dem von 2000 bis 2006 die Steuer- und Abgabenbelastung der unteren bis mittleren Einkommensbezieher &ndash; die zwischen 33 bis 67 % des Durchschnittseinkommens beziehen &ndash; angestiegen ist. Diejenigen, die zwischen 150 bis 200 % des Durchschnittseinkommens beziehen, wurden danach am st&auml;rksten entlastet.<\/strong><\/p><p>Der Satz <em>&bdquo;jeder muss seiner Leistungsf&auml;higkeit entsprechend zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen!&ldquo;<\/em> ist also durch die zur&uuml;ckliegende Agenda-Steuer- und Abgabenpolitik str&auml;flich missachtet worden.<\/p><p><em>&bdquo;Deutschland hat heute 1,5 Millionen weniger Arbeitslose als vor drei Jahren sowie so viele Besch&auml;ftigte wie nie zuvor. Dies haben wir erreicht durch einen intelligenten Mix aus notwendigen Konsolidierungsma&szlig;nahmen, gezielten Konjunkturimpulsen, Zukunftsinvestitionen und der notwendigen Reformen der sozialen Sicherungssysteme&ldquo;<\/em>, hei&szlig;t es stolz in dem Steuer- und Abgabenkonzept der SPD.<\/p><p>Ehrlicher w&auml;re es, zu sagen, Deutschland hat dank der Weltkonjunktur und dank des Nachholbedarfs an privaten Ausr&uuml;stungsinvestitionen ein leichtes Wachstum und das hat die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt etwas belebt. <\/p><p>Ja, in der Arbeitslosenstatistik tauchen 1,5 Millionen Arbeitslose weniger auf, aber tats&auml;chlich w&uuml;rden weitere gut 1,5 Millionen M&auml;nner und Frauen eine regul&auml;re Besch&auml;ftigung ergreifen, wenn sie denn eine f&auml;nden. Sie finden aber keine, und trotzdem tauchen sie in der Arbeitslosenstatistik nicht auf. 625.000 Menschen, die zur &ldquo;stillen Reserve&rdquo; gerechnet werden, tauchen in der Statistik nicht auf, weil sie sich, frustriert &uuml;ber ihre schlechten Vermittlungschancen, erst gar nicht bei den Arbeitsagenturen melden.<\/p><p>Z&auml;hlt man alles zusammen, so sagt Joachim M&ouml;ller, Direktor des Instituts f&uuml;r Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), &ldquo;kommt man in Deutschland auf gut f&uuml;nf Millionen Menschen, die gerne arbeiten w&uuml;rden&rdquo;. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/artikel\/230\/176695\/\">Das sind gut 1,5 Millionen mehr als in der amtlichen Statistik<\/a>.<\/p><p>Ja, die Zahl der Besch&auml;ftigten hat sich wieder erh&ouml;ht, aber zur ganzen Wahrheit geh&ouml;rt, dass der Anteil der sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigten an allen Besch&auml;ftigten von 75,0 % in 1995 auf nur noch 68,2 % im Februar 2008 zur&uuml;ckgefallen ist. Dar&uuml;ber hinaus &uuml;bten 2,15 Millionen sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigte zus&auml;tzlich einen geringf&uuml;gig entlohnten Nebenjob aus. 2,7 Millionen Arbeitslosengeldempf&auml;nger gelten nicht als arbeitslos, weil sie einen so niedrigen Lohn f&uuml;r ihre Arbeit beziehen, dass sie &bdquo;aufstocken&ldquo; m&uuml;ssen, um &uuml;berleben zu k&ouml;nnen. Die Zahl der ausschlie&szlig;lich geringf&uuml;gig entlohnt Besch&auml;ftigten hat nach ersten Hochrechnungen der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit im Februar 4,89 Millionen betragen. &Uuml;ber ein Drittel der Zunahme an der Erwerbst&auml;tigkeit entf&auml;llt auf unsichere und in der Regel schlecht <a href=\"?p=3196\">bezahlte Zeitvertr&auml;ge.<\/a><\/p><p>Es ist zwar verst&auml;ndlich, dass eine Regierungspartei alles versucht, um ihre zur&uuml;ckliegende Politik sch&ouml;n zu reden, aber mehr Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit w&uuml;rde mehr zur Glaubw&uuml;rdigkeit beitragen als die st&auml;ndigen Glaubw&uuml;rdigkeitsdebatten, ob man nun mit der Linkspartei zusammenarbeiten darf oder nicht. <\/p><p>Neben der eher &auml;rgerlichen Selbstbeweihr&auml;ucherei gibt es in dem Papier nat&uuml;rlich auch richtige Aussagen, so wenn es gegen das Steuersenkungskonzept der CSU geht: <\/p><p><em>&bdquo;Mehr Netto ohne mehr Brutto geht nur zulasten eines handlungsf&auml;higen Staates. Nur Reiche k&ouml;nnen sich einen armen Staat leisten.&ldquo;<br>\n<\/em>Mehr Netto ohne mehr Brutto geht aber auch zu Lasten der Arbeitnehmer, wie die folgende Grafik zeigt:<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/082805_ver%C3%A4nderung_des_jahresnettoeinkommens\" alt=\"Ver&auml;nderung des Jahresnettoeinkommens\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/finanzen\/artikel\/877\/163421\/print.html%20\">sueddeutsche<\/a><\/p><p>Richtig ist auch, dass &ndash; dank der Unternehmensteuersenkungspolitik der Regierungen Schr&ouml;der und Merkel &ndash; Deutschland <em>&bdquo;mit 22 % eine der niedrigsten Steuerquoten unter den Industrienationen hat. Eine noch geringere Steuerquote ist kein Wert an sich.&ldquo;<\/em><\/p><p>Und richtig ist auch der Vorhalt gegen das CSU-Steuerentlastungskonzept, dass dadurch etwa eine Familie mit zwei Kindern unter Ber&uuml;cksichtigung des Kindergelds bis zu einem Brutto-einkommen von 37.610,- Euro &uuml;berhaupt nicht entlastet w&uuml;rde, weil sie im Ergebnis keine Einkommensteuer bezahlt. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch Rentnerinnen und Rentner, die heute wegen ihres geringen Einkommens schon keine Steuern zahlen, w&uuml;rden durch weitere Steuersenkungen nicht entlastet.<\/p><p><strong>Was aber sowohl die CSU als auch die SPD bei ihren Steuerkonzepten gerne unter der Decke lassen, das ist die Tatsache, dass die Umsatz- und Verbrauchssteuern sowie die Mineral&ouml;l- bzw. die Energiesteuer inzwischen ca. 43 % des gesamten Steueraufkommens ausmachen, also erheblich mehr als die Lohnsteuer. &Uuml;ber eine R&uuml;cknahme der 3-%igen Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer, die vor allem Haushalte getroffen hat, die den gr&ouml;&szlig;ten Teil ihres Einkommens verkonsumieren m&uuml;ssen, wird leider nicht nachgedacht.<\/strong><\/p><p><strong>Konsolidieren &ndash; Investieren &ndash; Entlasten<\/strong>, so lautet die &Uuml;berschrift der Orientierungspunkte der SPD, und genau in dieser Reihenfolge wollen die Sozialdemokraten auch vorgehen. Diese Rangfolge belegt einmal mehr, dass in der SPD gesamtwirtschaftliches Denken verloren gegangen ist.<\/p><p>Seit Eichels Sparpolitik h&auml;tten die Sozialdemokraten eigentlich die Erfahrung machen k&ouml;nnen, dass Sparenwollen und Sparenk&ouml;nnen zwei paar Stiefel sind. Eichel hat ja Jahr f&uuml;r Jahr gespart und musste Jahr f&uuml;r Jahr mehr Nettokredite aufnehmen. Erst mit dem Anspringen der Konjunktur konnte der Staat wieder mehr einnehmen und wurde das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts &uuml;berhaupt erst realistisch, und das trotz des Steuersenkungswahns bei den Unternehmenssteuern, bei der Streichung der Spekulationssteuer und trotz des Absturzes der Verm&ouml;genssteuer.<\/p><p>In einer Phase, in der sich das Wachstum deutlich <a href=\"?p=3159\">abschw&auml;cht<\/a>, in der der Bedarf an Arbeitskr&auml;ften <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/News\/Politik\/Deutschland\/_pv\/_p\/200050\/_t\/ft\/_b\/1434254\/default.aspx\/bedarf-an-arbeitskraeften-geht-zurueck.html\">zur&uuml;ckgeht<\/a>, in der die Industrie ein Auftragsminus <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/News\/Konjunktur-%d6konomie\/Konjunktur\/_pv\/_p\/200053\/_t\/ft\/_b\/1427075\/default.aspx\/deutsche-industrie-verzeichnet-auftragsminus.html\">verzeichnet<\/a>, in der der Hauptwachstumsfaktor Export durch die internationale Finanzkrise schw&auml;chelt, wo die privaten Konsumausgaben immer noch erst mit einem Plus von 0,3% gegen&uuml;ber dem Vorquartal zu <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Presse\/pm\/2008\/05\/PD08__191__811,templateId=renderPrint.psml\">Buche schlagen<\/a> und wo dar&uuml;ber hinaus die Sparquote der Menschen in Erwartung eines konjunkturellen R&uuml;ckgangs auf die Rekordh&ouml;he von <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/News\/Politik\/Deutschland\/_pv\/_p\/200050\/_t\/ft\/_b\/1434808\/default.aspx\/deutsche-sparen-fuer-schlechtere-zeiten.html\">14,8 Prozent ansteigt<\/a> , w&auml;re es allerh&ouml;chste Zeit dass der Staat gegensteuert.<\/p><p>Aber nein, auch f&uuml;r die SPD haben &bdquo;Haushaltskonsolidierung und ein Etat ohne Neuverschuldung Vorrang&ldquo;. Und dann folgt wieder der t&ouml;richte Vergleich der gesamten Volkswirtschaft mit der Sicht eines Familienvaters oder eines einzelnen Unternehmers: <em>&bdquo;Nur ein Staat, der wieder Spielr&auml;ume erwirtschaftet, kann zugunsten der Menschen neue Chancen schaffen&ldquo;<\/em>.<\/p><p>Hatte denn der &bdquo;Sparkommissar&ldquo; Eichel mit seiner Konsolidierungspolitik Erfolg? Konnte er eine &bdquo;Konsolidierungsdividende&ldquo; erwirtschaften? Steinbr&uuml;ck kann sich seiner Konsolidierungserfolge doch nur deshalb r&uuml;hmen, weil die Konjunktur angesprungen ist und die Steuereinnahmen wieder gestiegen sind.<\/p><p>In der derzeitigen labilen Konjunkturlage m&uuml;sste eine Politik Vorrang haben, die alles daran setzt den Aufschwung zu stabilisieren, damit die Steuern sprudeln, damit mehr Arbeitspl&auml;tze erhalten und geschaffen werden und die L&ouml;hne steigen, damit die sozialen Sicherungssysteme finanziert werden k&ouml;nnen. So k&ouml;nnten eine &bdquo;Dividende&ldquo; auch f&uuml;r den Staatshaushalt erwirtschaftet und Investitionen f&uuml;r die Zukunft etwa in Bildung get&auml;tigt werden, damit auch unsere Kinder &bdquo;mehr Netto&ldquo; h&auml;tten. <\/p><p>In dem Papier hei&szlig;t es zwar richtigerweise, &bdquo;langfristiges Wachstum wiederum erleichtert den R&uuml;ckgang der Schulden in Relation zum BIP (R&uuml;ckf&uuml;hrung der Schuldenstandsquote). Damit verringert sich die Last des Schuldenbergs&ldquo;, nur wie man dieses Wachstum heute mit einem Vorrang f&uuml;r die Konsolidierungspolitik bis 2011 stabilisieren will, darauf gibt es keine Antwort. <\/p><p>Das Versprechen, &bdquo;Zukunftsinvestitionen&ldquo; zu f&ouml;rdern, k&ouml;nnte sich bei einer konjunkturellen Abschw&auml;chung oder gar bei einer Rezession, wie in der Vergangenheit, wo die staatliche Investitionsquote wie im Jahr 2005 auf den niedrigsten Stand absackte, rasch als leeres Versprechen herausstellen.<\/p><p><strong>Entlastung durch niedrigere Sozialabgaben?<\/strong><br>\n<em>&bdquo;Wir wollen die Sozialabgabenbelastung insbesondere bei mittleren und niedrigen Einkommen senken, wodurch auch arbeitsintensive Unternehmen entlastet werden. Dies hat Priorit&auml;t vor weiteren Steuersenkungen.&ldquo;<\/em><\/p><p>An dieser Forderung ist so viel richtig, dass ein Gro&szlig;teil der mittleren und vor allem der niedrigen Einkommen durch weitere Lohnsteuersenkungen nicht oder nur wenig entlastet w&uuml;rden, weil sei keine oder nur geringe Steuern abf&uuml;hren m&uuml;ssen. Wie die oben angef&uuml;hrte OECD-Statistik zeigt, ist Deutschland in der Tat das einzige Industrieland, wo die Abgabenbelastung der mittleren und unteren Einkommen in den letzten Jahren gestiegen ist. <\/p><p>So verlockend sich das anh&ouml;rt, Sozialversicherungsabgaben durch eine Steuerfinanzierung abzusenken, so gef&auml;hrlich ist das &ndash; wie die Erfahrung zeigt &ndash; gerade in Deutschland. Steuerabh&auml;ngige Sozialversicherungen bedeutete bei uns &ndash; anders als etwa in Schweden &ndash; stets soziale Absicherung nach Kassenlage.<\/p><p>Wurden nicht die Hartz-Reformen damit begr&uuml;ndet, dass die Arbeitslosigkeit nicht mehr finanzierbar sei? Wurden nicht behauptet, die K&uuml;rzungen bei der gesetzlichen Rente und der Verweis auf die private Vorsorge zur Erhaltung einer ausk&ouml;mmlichen Rente seien zwingend, weil die staatlichen Zusch&uuml;sse zur Rente den Haushalt sprengten?<\/p><p>Gibt es nicht seit Jahrzehnten eine Kampagne gegen den &bdquo;&uuml;berdehnten&ldquo; und viel zu teuren Sozialstaat? Waren nicht gerade die Sozialtransfers aus dem Staatshaushalt zentrales Angriffsziel der Sparpolitik? Es war ja nicht einmal m&ouml;glich, die versicherungsfremden Leistungen der Rentenversicherung aus Steuergeldern zu finanzieren, also die Leistungen, die aus der gesetzlichen Rente laut Sozialgesetzbuch finanziert werden m&uuml;ssen, ohne dass eine Beitragszahlung der Leistungsempf&auml;nger zugrundeliegt, wie etwa die Leistungen f&uuml;r Kindererziehungszeiten oder Ersatzzeiten etwa f&uuml;r den Wehrdienst oder die vereinigungsbedingten Leistungen oder die Leistungen f&uuml;r Aussiedler etc. Wie sollte es dann gelingen, eigentliche Beitragsleistungen durch Steuergelder zu ersetzen?<\/p><p>(Zwischenbemerkung: Achten Sie doch nur einmal auf die Rezeption der Anhebung der Spitzensteuers&auml;tze bis hin zur ach so &bdquo;linken&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/debatte\/kommentar\/artikel\/1\/spaet-zaghaft-selbstvergessen\/?src=AR&amp;cHash=adf91043fb\">taz<\/a>).<\/p><p>Die staatlichen Zusch&uuml;sse zur Senkung der Sozialversicherungsabgaben w&uuml;rden zum j&auml;hrlichen Streit- und Streichungsobjekt bei k&uuml;nftigen Haushaltsverhandlungen.<br>\nDie Leistungen der sozialen Sicherungssysteme, also die Renten oder das Arbeitslosengeld w&auml;ren nicht mehr &bdquo;erworbene&ldquo; Anspr&uuml;che, die wenigstens in gewissen Umfang einen eigentums&auml;hnlichen Schutz gen&ouml;ssen, sondern sie w&uuml;rden abh&auml;ngig von der Haushaltslage. Und das f&uuml;r alle Versicherten, denn wenn die Kassen nicht mehr ausreichend bezuschusst w&uuml;rden, w&auml;ren K&uuml;rzungen der Leistungen f&uuml;r alle unumg&auml;nglich. (Siehe die Rente.)<\/p><p>Sozialleistungen nach Kassenlage eben.<br>\nDas wird in dem SPD-Papier auch unverhohlen ausgesprochen, wenn es da hei&szlig;t:<em> &bdquo;Sobald die Haushaltslage es zul&auml;sst, werden wir die durch das Wirtschaftswachstum entstehenden zus&auml;tzlichen Steuereinnahmen einsetzen, um neben mehr Zukunftsinvestitionen die Sozialversicherungsabgaben zu senken.&ldquo;<\/em><br>\nDie offene Frage ist nur: Wann l&auml;sst die Haushaltslage es zu?<\/p><p>Daran mag man erkennen, dass die Orientierungspunkte der SPD f&uuml;r ein integriertes Steuer- und Abgabensystem sich wohl kaum auf das Jahr 2011 hin orientieren, sondern eher auf einen Sankt Nimmerleinstag.<\/p><p>In der Gegenwart und in absehbarer Zukunft f&uuml;hrt eben kein Weg daran vorbei, dass die Dynamik der durchschnittlichen Bruttol&ouml;hne auf die Summe der Sozialabgaben einwirkt, dass die sozialen Sicherungssysteme von der Entwicklung der Besch&auml;ftigung und des Erwerbsbeteiligungsgrades abh&auml;ngen, dass es vor allem wichtig w&auml;re die Lohnstruktur von Billigl&ouml;hnen und (unfreiwilliger) Teilzeitarbeit) wieder wegzuf&uuml;hren.<\/p><p>Das w&auml;ren die Ansatzpunkte f&uuml;r &bdquo;mehr netto&ldquo; und f&uuml;r eine bessere Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme. Und wenn dann noch die B&uuml;rgerversicherung hinzuk&auml;me, umso besser.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich sind die <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/show\/1748841\/270508_Konsolidieren_Investieren_Entlasten.pdf%20\">&bdquo;Orientierungspunkte der SPD f&uuml;r eine integriertes Steuer- und Abgabensystem eines sozialen Deutschlands&ldquo; [PDF &ndash; 248 KB]<\/a> aktuell keiner gr&uuml;ndlichen W&uuml;rdigung wert, denn sie sollen fr&uuml;hestens ab 2011 umgesetzt werden. Was Aussagen &uuml;ber Steuern und Abgaben vor einer Wahl wert sind, das haben wir bei der Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer erleben m&uuml;ssen. 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