{"id":3248,"date":"2008-06-02T09:26:16","date_gmt":"2008-06-02T07:26:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3248"},"modified":"2015-11-22T11:49:30","modified_gmt":"2015-11-22T10:49:30","slug":"brief-an-kurt-beck-zu-seiner-rede-auf-dem-zukunftskonvent-der-spd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3248","title":{"rendered":"Brief an Kurt Beck zu seiner Rede auf dem Zukunftskonvent der SPD"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe mir die Rede von Kurt Beck auf dem N&uuml;rnberger Zukunftskonvent angeh&ouml;rt. Eigentlich wollte ich diese referieren und analysieren. Doch Becks Reden wiederzugeben ist ein fast unm&ouml;gliches Unterfangen. Zu dunkel ist der Worte Sinn, voller Andeutungen und gleichzeitigen Einschr&auml;nkungen, oft kann man nur erahnen, was er meint. Ich habe deshalb statt einer Analyse der Sachaussagen das Stilmittel eines pers&ouml;nlichen Briefes eines zuh&ouml;renden Sozialdemokraten gew&auml;hlt. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nLieber Kurt Beck,<\/p><p>leider konnte ich nicht Deine ganze Rede verfolgen: Der Sender Phoenix war nicht dazu im Stande, das zu bieten, was heute jeder billige Haushalts-Receiver kann, n&auml;mlich Deine Rede und die von Guido Westerwelle zeitversetzt wiederzugeben. Deshalb konnte ich nur eine knappe dreiviertel Stunde Deiner 78 Minuten anh&ouml;ren. Zum Nachlesen wurde sie von der Website der SPD leider auch nicht angeboten.<\/p><p>Es ist schon ein starkes St&uuml;ck, dass die Rede des Parteivorsitzenden einer Regierungspartei, die immer noch ein Mehrfaches an Stimmenanteilen bei den Wahlen bekommt, deren praktische Politik die Menschen unmittelbar betrifft, prompt zu Beginn der Rede des Parteivorsitzenden einer kleinen Klientelpartei abgebrochen wird, um Westerwelle dann komplett eineinhalb Stunden zu &uuml;bertragen. Vom Parteitag einer Klientelpartei, die, wenn man die Tragebeutel der Delegierten als Symptom nimmt, diesmal als die Apotheker-Partei auftrat. Ein Parteitag unter dem Motto: &bdquo;Mehr Netto f&uuml;r alle&ldquo;. Warum hat man da nicht gleich &bdquo;Freibier f&uuml;r alle&ldquo; an die Tagungswand geschrieben?<\/p><p>Leider habe ich bis zu Deiner &bdquo;Absetzung&ldquo; durch Phoenix weder etwas Neues geh&ouml;rt, geschweige denn, dass ich irgendeinen Ansatz erkennen konnte, wie Du die SPD in Zukunft wieder aus ihrer Misere herausf&uuml;hren willst. Warum engagierst Du eigentlich nicht endlich einen Redenschreiber, der Deine verschwommenen, vorgetragenen Gedanken auf den Punkt bringen k&ouml;nnte? K&ouml;nntest Du nicht versuchen, wenigstens ein wenig mehr Klartext zu reden, damit man mehr als nur erahnen kann, was Du meinst?<\/p><p>Warum verschwurbelst Du jeden Satz, den Du sagst, durch Einsch&uuml;be und Relativierungen, und warum zwingst Du Dich nicht in Haupt- und in Nebens&auml;tzen zu sprechen, damit man versteht, was Du sagen m&ouml;chtest? Warum brauchst Du einen Redaktionsstab, der Deine Rede erst auf ihre <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/menu\/1749275\/\">Kernaussagen eindampft<\/a>, bevor sie auf der SPD-Homepage Erw&auml;hnung findet? Du hast zwar diesmal etwas lebendiger gesprochen als bei Deiner einschl&auml;fernden Rede auf dem Hamburger Parteitag, aber es hilft Dir wenig, lauter und temperamentvoller zu reden, wenn Du nur wenig zu sagen hast.<\/p><p>Ich will versuchen, herauszudestillieren, was Du sagen wolltest.<br>\nDu hast den Teilnehmern des &bdquo;Zukunftskonvents&ldquo; verst&auml;ndlicherweise zu Beginn Mut machen wollen, indem Du ihnen versichert hast, dass die SPD eine starke politische, eine &bdquo;gro&szlig;e Kraft&ldquo; in Deutschland sei. &ldquo;Es gibt nur eine politische Kraft in Deutschland, die Aufstieg und soziale Gerechtigkeit miteinander verbindet, und das sind wir.&rdquo;<br>\nEs tut mir leid, aber f&uuml;r mich h&ouml;rte sich das eher an wie das sprichw&ouml;rtliche &bdquo;Pfeifen im Walde&ldquo;. <\/p><p>Dann hast Du am Tagungsort N&uuml;rnberg an die Aufm&auml;rsche der Nazis auf dem Reichsparteitagsgel&auml;nde erinnert und gefordert, dass man diejenigen nicht l&auml;nger staatlich finanzieren sollte, die die Demokratie zerst&ouml;ren wollten. H&auml;tte es nicht etwas mehr sein d&uuml;rfen als der Hinweis auf die Finanzierung der Neonazi-Parteien? H&auml;tte man nicht ein klares Wort &uuml;ber das inhumane und aggressive Menschen- und Gesellschaftsbild der Rechtsradikalen erwarten d&uuml;rfen?<\/p><p>Danach bist Du auf das derzeitige Erscheinungsbild der SPD eingegangen. Statt aber Stellung zu beziehen, hast Du es beim Hinweis bewenden lassen, dass die &bdquo;Gro&szlig;kopferten nicht immer das beste Bild abgegeben&ldquo; h&auml;tten. Hast Du deswegen zu der disziplinarischen Ma&szlig;nahme gegriffen, dass etliche der Parteihierarchen Deine Rede stehend anh&ouml;ren mussten? Du hast gefordert, dass man seiner &bdquo;Verantwortung gerecht&ldquo; werden m&uuml;sse, dass Sozialdemokraten, das, was sie &bdquo;verbindet, in den Vordergrund r&uuml;cken&ldquo; sollten. Es gehe nicht &bdquo;um Macht und um Einfluss in der Sozialdemokratie, sondern f&uuml;r die Sozialdemokratie&ldquo;. Und dann hast Du nat&uuml;rlich noch an die Geschlossenheit appelliert und ausgerufen, dass, wenn Entscheidungen getroffen sind, sie auch gelten m&uuml;ssten, und &bdquo;zwar f&uuml;r alle&ldquo;.<\/p><p>Entschuldige, aber bei dieser Passage kam mir der Beschluss des Hamburger Parteitags zur Bahnprivatisierung in den Sinn und die Tatsache, dass kurz danach Tiefensee und Steinbr&uuml;ck mit dem Vorschlag eines Holding-Modells deutlich gemacht haben, dass sie die Beschl&uuml;sse des Parteitags einen &bdquo;feuchten Kehricht&ldquo; interessierten.<br>\nWer an die Geschlossenheit appelliert, sollte sich auch selbst daran halten. Auf dem Hamburger Parteitag hat die SPD nahezu einstimmig ein Grundsatzprogramm beschlossen, in dem sie sich als &bdquo;linke Volkspartei&ldquo; verortete. Was hat Dich dazu getrieben, auf dem Zukunftskongress zusammen mit Deinen Stellvertretern Steinmeier und Steinbr&uuml;ck ein Papier vorzulegen, in dem Du die SPD &bdquo;wieder&ldquo; (?) in die Mitte r&uuml;cken willst. <\/p><p>Du hast den Streit, was nun eigentlich &bdquo;die Mitte&ldquo; sei, in Deiner Rede selbst mit dem alten Spott der Humanisten gegen die Kleriker des fr&uuml;hen Mittelalters und deren Streitfrage, wie viele Engel auf eine Nadelspitze passen, ironisiert. Aber dann hast Du wieder einmal herumschwadroniert, hast gesagt, die Mitte sei nicht &bdquo;ein Punkt auf einer Geraden&ldquo;, Mitte m&uuml;sse eine Wertbestimmung zum Inhalt haben, hast etwas von der Unterst&uuml;tzung der Leistungstr&auml;ger geredet und dar&uuml;ber, dass man die Menschen unterst&uuml;tzen m&uuml;sse, Leistungstr&auml;ger werden zu k&ouml;nnen. &ldquo;Wir sind nicht entweder f&uuml;r die Leistungstr&auml;ger oder f&uuml;r Unterschicht, sondern f&uuml;r beide da&rdquo;. Es gehe um das &bdquo;sowohl als auch&ldquo;. Diese Mitte vertrete die SPD. <\/p><p>Und dieses entschiedene &bdquo;sowohl als auch&ldquo; hast Du dann auch noch lang und breit mit Koalitionsspekulationen verbunden. Du willst einerseits (mit &bdquo;Stolz&ldquo;) an die rot-gr&uuml;ne Regierungszeit ankn&uuml;pfen, Du hast dann davon geredet, dass man aus dem &bdquo;Lagerdenken&ldquo; ausbrechen m&uuml;sse und gefordert, &uuml;ber &bdquo;neue Schnittmengen&ldquo; nachzudenken. Dann hast Du mit den historischen R&uuml;ckgriffen auf das Hambacher Fest (1832) und die Paulskirche (im vorletzten Jahrhundert) sowie auf die gute sozialliberale Zeit unter Willy Brandt und Helmut Schmidt das hohe Lied auf die FDP gesungen und die T&uuml;r zu den Liberalen &bdquo;ausdr&uuml;cklich&ldquo; aufgemacht. <\/p><p>Hast Du bei Deiner Eloge auf die FDP eigentlich v&ouml;llig vergessen, welche Partei 1982 einen sozialdemokratischen Kanzler durch einen Koalitionsbruch gest&uuml;rzt hatte? Hast Du vergessen, welche unselige Rolle der damalige liberale Innenminister Genscher beim Sturz von Willy Brandt spielte? Hast Du nicht ahnen k&ouml;nnen, dass zeitgleich zu Deiner Rede der FDP-Vorsitzende Westerwelle Deine SPD zum Erz&uuml;bel f&uuml;r eine liberale Politik abstempelte, wie er das, was Du &bdquo;Steuersenkungshysterie&ldquo; nennst, bis zum Exzess der &bdquo;Flattax&ldquo; trieb und sogar die Au&szlig;enpolitik Deines Stellvertreters Steinmeier attackierte? Sp&uuml;rst Du nicht, dass Dein Ranschmei&szlig;en an die FDP auf den Betrachter nur noch peinlich wirkt? Meinst Du wirklich, die Leute w&uuml;rden es f&uuml;r glaubw&uuml;rdig halten, wenn die SPD meint, ihre Vorrstellungen mit einer immer marktradikaleren FDP durchsetzen zu k&ouml;nnen, die doch mit ihren Steuersenkungsvorschl&auml;gen den Staat nur noch weiter aushungern will? <\/p><p>Du hast dann wieder einmal einen Grundfehler f&uuml;r jede eigenst&auml;ndige Parteistrategie begangen: Statt die eigenen Ziele auch in Abgrenzung zu den anderen Parteien zu betonen, hast Du endlos &uuml;ber Koalitionsbildungen palavert, bis hin zu Spekulationen &uuml;ber die Fortsetzung der Gro&szlig;en Koalition, weil Deutschland vor der &bdquo;Befindlichkeit der Parteien&ldquo; stehen m&uuml;sse.<\/p><p>Du hast damit nur den Medien Futter zu neuen Koalitionsspekulationen gegeben, denn dar&uuml;ber zerreisen sich Journalisten am liebsten den Mund. Schau Dir nur die Schlagzeilen der Zeitungen an.<\/p><p>Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Nominierung von Gesine Schwan als Kandidatin der SPD f&uuml;r das Amt des Bundespr&auml;sidenten hast Du die Scheinheiligkeit von FDP und CDU kritisiert, die diese Entscheidung geradezu als Majest&auml;tsbeleidigung behandeln. Viel mehr als einen Appell an das &bdquo;Anstandsgef&uuml;hl auch unseres Koalitionspartners&ldquo; ist Dir dazu aber nicht eingefallen. Du hast aus Willy Brandts Abschiedsrede vom 14. Juni 1987 den Satz zitiert: &bdquo;Wollten und wollen wir zulassen, dass die Rechte uns unserer Bewegungsfreiheit beraubt und uns von ihren Gnadenerweisen abh&auml;ngig macht? Ich meine: Darauf d&uuml;rfen Sozialdemokraten sich auch in Zukunft nicht einlassen.&ldquo;<\/p><p>Mit diesem Satz hast Du die Nominierung von Gesine Schwan verteidigt, selbst wenn diese auch von Delegierten der Linkspartei in der Bundesversammlung gew&auml;hlt w&uuml;rde. Da kann ich Dir nur Recht geben.<\/p><p>Bei der Frage des Umgangs mit der Linkspartei gilt die Mahnung Willy Brandts f&uuml;r Dich aber offenbar nicht, da hast Du &ndash; wie Du selbst sagtest &ndash; zum &bdquo;einhundertdritten Mal&ldquo; wiederholt, &bdquo;wie diese Machtfrage aus heutiger Sicht entschieden ist&ldquo;, n&auml;mlich dass es &bdquo;nach 2009 &hellip; keine Regierungsbildung oder Duldung mit dieser Gruppierung geben (kann), weil diese Partei mit den Grundz&uuml;gen unserer &Uuml;berzeugung v&ouml;llig auseinander ist&ldquo;. <\/p><p>Vielleicht h&auml;ttest Du Willy Brandt vollst&auml;ndig zitieren sollen. Er hat n&auml;mlich noch hinzugef&uuml;gt: &bdquo;Darf die SPD es zulassen, dass ein B&uuml;rgerblock mit seinen publizistischen Hilfstruppen dar&uuml;ber entscheidet, ob dann, wenn die parlamentarische Konstellation dies m&ouml;glich macht, die SPD teilhat an der Regierungsverantwortung oder nicht?&ldquo; <\/p><p>Genau das, wovor Willy Brandt gewarnt hat, l&auml;sst Du zu, und das auch noch auf einem &bdquo;Zukunfts&ldquo;-Kongress. Du l&auml;sst es zu, dass Frau Merkel entscheidet, ob sie mit der FDP und, wenn es n&ouml;tig ist, auch noch mit den Gr&uuml;nen nach den Wahlen weiter die Regierung stellt oder ob sie den Gnadenerweis erteilt, es nochmals mit der SPD als Juniorpartner zu versuchen. Und das, obwohl die &bdquo;parlamentarische Konstellation&ldquo; einen Sozialdemokraten oder eine Sozialdemokratin in Regierungsverantwortung bringen k&ouml;nnte.<\/p><p>Glaubst Du wirklich, Du k&ouml;nntest die von Dir &bdquo;sogenannte&ldquo; Linke bek&auml;mpfen, indem Du deren Kritik, dass die Nato sich von einer Verteidigungsarmee zu einer weltweiten Interventionstruppe gewandelt habe, gei&szlig;elst? Kritisiert das nicht die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung genauso? Glaubst Du wirklich, die Mehrheit in der Bev&ouml;lkerung sei begeistert &uuml;ber ein Europa, in dem der freie Markt die sozialen Rechte schleift? Glaubst Du, ein wirtschaftsliberales Europa f&auml;nde bei den Deutschen Zustimmung? Die &bdquo;Rote-Socken-Kampagne&ldquo; der Union verf&auml;ngt doch bei den Menschen l&auml;ngst nicht mehr, nicht umsonst ist in den Umfragen Die Linke im Osten zur st&auml;rksten Partei geworden. Fr&uuml;her wurden Sozialdemokraten mit dieser Kampagne vom b&uuml;rgerlichen Lager gejagt, nun versuchst Du es ihnen nachzumachen &ndash; freilich ohne zu erkennen, dass die SPD die Gejagte bleibt. <\/p><p>Du h&auml;ltst der Linken weiter vor, mit ihrer Rentenpolitik steige der Versicherungsbeitrag (parit&auml;tisch finanziert) auf 28%. Lass Dir doch mal von einem der Arbeitnehmer, mit denen Du regelm&auml;&szlig;ig sprichst, ausrechnen, wie hoch die Beitr&auml;ge f&uuml;r seine Altersvorsorge mit der gesetzlichen Rente plus der von der SPD propagierten Riester-Rente sind. Er wird dir leicht vorrechnen k&ouml;nnen, dass er seinen h&auml;lftigen Anteil zu den 28 %, n&auml;mlich knapp 10 plus 4 % von seinem Bruttolohn, schon l&auml;ngst bezahlt, wenn er riestert, um eine ausk&ouml;mmliche Rente zu haben. <\/p><p>Um Dein Bild aufzugreifen: Wenn nach Deiner Meinung die Linke &bdquo;an dem Baum s&auml;gt, auf dem wir alle sitzen&ldquo;, dann s&auml;gt sich die SPD mit ihrer apodiktischen Abgrenzungspolitik den Ast ab, auf den sie sich abst&uuml;tzen k&ouml;nnte, um nicht Juniorpartner in einer Gro&szlig;en Koalition bleiben zu m&uuml;ssen oder sei es auch nur, um vielleicht die Liberalen in eine Ampelkoalition zwingen zu k&ouml;nnen. Aber die Weitsicht eines Willy Brandts geht Dir und vor allem Deinen Stellvertretern eben ab, ihr lasst euch vom &bdquo;B&uuml;rgerblock und seinen publizistischen Hilfstruppen&ldquo; wie H&uuml;hner &uuml;ber den Hof scheuchen.<\/p><p>Da k&ouml;nnt ihr einen &bdquo;Gesamtbeschluss&ldquo; nach dem anderen fassen, die Medien des B&uuml;rgerblocks werden Euch daf&uuml;r vielleicht ein wenig streicheln, aber zwei Drittel der Leute glauben Euch &ndash; wie der letzte Politbarometer gemessen hat &ndash; ohnehin nicht. Nicht weil sie eine Koalition mit der Linken wollten, sondern weil sie die strategische Situation kl&uuml;ger einsch&auml;tzen als Du. <\/p><p>Warum redest Du st&auml;ndig &uuml;ber Koalitionen, statt wie Du selbst forderst, &bdquo;klare inhaltliche Orientierungen&ldquo; zu bieten und &bdquo;eigene Furchen zu ziehen?<\/p><p>Aber wie sehen die &bdquo;Furchen&ldquo; der SPD aus: Du redest pathetisch von &bdquo;Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarit&auml;t&ldquo; und reklamierst Menschenrechte und weltweite Verantwortung gegen&uuml;ber der Globalisierung und der &bdquo;Alterszusammensetzung&ldquo;. Du strebst eine &bdquo;faire Bildungslandschaft&ldquo; an, die Aufstieg erm&ouml;glichen soll. Du m&ouml;chtest Ausbildungspl&auml;tze auch f&uuml;r schw&auml;chere Sch&uuml;ler: &bdquo;Wir wollen und d&uuml;rfen niemand verlieren auf dem Weg zu einer besseren Ausbildung&ldquo;, es d&uuml;rfe keine &bdquo;Verurteilung zur Chancenlosigkeit&ldquo; geben. Aber was willst Du tun, damit es &uuml;berhaupt Chancen gibt? Da fehlt es an konkreten Angeboten.<\/p><p>Die Antwort &bdquo;wir drehen nicht alles wieder zur&uuml;ck&ldquo; reicht da wohl kaum aus. An die Furchen, die von einem Deiner Vorg&auml;nger, Gerhard Schr&ouml;der, gezogen wurden, denken die meisten Menschen nur mit Schrecken, und L&ouml;sungen, die &bdquo;die &Uuml;berg&auml;nge (gemeint ist wohl die Rente mit 67) ertr&auml;glich&ldquo; machen, k&ouml;nnen den Schrecken kaum mindern. Die Versprechen, dass eine &bdquo;Grundmenge&ldquo; Energie zur Daseinsvorsorge geh&ouml;re und dass die Kanzlerin die Nahrungsmittel- und Energiespekulationen auf die Tagesordnung setzen m&uuml;sse, bleiben auch recht vage Botschaften. Wie ich erg&auml;nzend gelesen habe, hast Du dar&uuml;ber hinaus noch einmal bekr&auml;ftigt, dass die SPD 2011 &bdquo;eine schwarze Null&ldquo; im Haushalt schreiben wolle, Du hast das j&uuml;ngste Steuer- und Abgabekonzept repetiert, den Mindestlohn und mehr Investitionen in Bildung, Forschung und Familie gefordert.<\/p><p>Aber wie und vor allem mit wem will die SPD das jemals umsetzen? Du hast selbstironisch gesagt, &bdquo;allein&ldquo;, das werde &ldquo;im Bund noch etwas dauern&rdquo;; mit den Gr&uuml;nen, das sei bei den derzeitigen Umfragewerten &auml;u&szlig;erst unwahrscheinlich. Wie willst Du das aber mit der CDU\/CSU oder gar mit der FDP in politisches Handeln umsetzen?<br>\nMerkst Du eigentlich nicht, dass Deine Stellvertreter Steinmeier und Steinbr&uuml;ck allenfalls eine Wiederholung der Gro&szlig;en Koalition oder ein B&uuml;ndnis mit der FDP anstreben, damit sie sicher sein k&ouml;nnen, dass es keine Abstriche von der (von ihnen der SPD &uuml;bergest&uuml;lpten) Agenda-Politik geben wird und Beschl&uuml;sse der Partei, die aus diesem Irrweg herausf&uuml;hren k&ouml;nnten, nie verwirklicht werden k&ouml;nnen?<\/p><p>Diese L&uuml;cke zwischen Deinen sich sozialdemokratisch anh&ouml;renden Redepassagen und dem Fehlen jeder Verwirklichungschance macht die eigentliche Glaubw&uuml;rdigkeitsl&uuml;cke f&uuml;r Dich und die SPD aus. Und zwar weil Du Dich und die SPD durch das Einmauern gegen die Linkspartei der Bewegungsfreiheit beraubt hast &ndash; und Dich damit von Gnadenerweisen der Rechten abh&auml;ngig gemacht hast. <\/p><p>Vielleicht solltest Du die <a href=\"http:\/\/www.bwbs.de\/UserFiles\/File\/PDF\/WillyBrandtAbschiedsrede.pdf\">Abschiedsrede von Willy Brandt [PDF &ndash; 148 KB]<\/a> doch noch einmal gr&uuml;ndlicher lesen. Es hat 16 Jahre Regierung Kohl gedauert, bis die SPD die Warnung von Willy Brandt verstanden hat. Wenn Du und die SPD so weiter machen, wird es wieder so lange dauern, dass ihr Euch von den Gnadenerweisen befreit habt. Mit dem Unterschied, dass die SPD zu einer kleinen Partei heruntergekommen sein wird, die keine Machtoptionen mehr hat.<\/p><p>Mit solidarischen Gr&uuml;&szlig;en<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mir die Rede von Kurt Beck auf dem N&uuml;rnberger Zukunftskonvent angeh&ouml;rt. Eigentlich wollte ich diese referieren und analysieren. 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