{"id":32548,"date":"2016-03-29T09:47:01","date_gmt":"2016-03-29T07:47:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32548"},"modified":"2024-08-22T15:49:56","modified_gmt":"2024-08-22T13:49:56","slug":"sahra-wagenknecht-im-interview-mit-albrecht-mueller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32548","title":{"rendered":"Sahra Wagenknecht im Interview mit Albrecht M\u00fcller"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/sahra-wagenknecht.jpg\" alt=\"Sahra Wagenknecht\" title=\"Sahra Wagenknecht\"><\/div><p>Die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei hat ein neues Buch ver&ouml;ffentlicht. &bdquo;Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten&ldquo;, so der Titel. Das reizte mich, ihr einige Fragen zu stellen. Hier sind Fragen und Antworten. Das Buch ist lesenswert. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_743\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-32548-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160329_Sahra_Wagenknecht_Interview_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160329_Sahra_Wagenknecht_Interview_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160329_Sahra_Wagenknecht_Interview_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160329_Sahra_Wagenknecht_Interview_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=32548-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160329_Sahra_Wagenknecht_Interview_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160329_Sahra_Wagenknecht_Interview_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Albrecht M&uuml;ller, Herausgeber der NachDenkSeiten (AM):<\/strong> Sie haben vielf&auml;ltige M&ouml;glichkeiten, die &Ouml;ffentlichkeit zu erreichen, als Fraktionsvorsitzende der Linken im Deutschen Bundestag, als Gast in Talkshows, in Interviews &ndash; warum schreiben Sie trotz all dieser M&ouml;glichkeiten noch ein Buch?<\/p><p><strong>Sahra Wagenknecht (SW):<\/strong> Ich war Buchautorin, bevor ich Politikerin wurde, und ich bedaure eher, dass ich mir heute nicht viel mehr Zeit daf&uuml;r reservieren kann, mich zu wichtigen Fragen in umfassender, systematischer und kompakter Weise zu &auml;u&szlig;ern wie das nur in l&auml;ngeren Artikeln oder eben in B&uuml;chern m&ouml;glich ist. Die meisten Talkshows sind ein Schlagabtausch, bei dem man im besten Fall knappe zugespitzte Thesen vermitteln kann. F&uuml;r Interviews und Bundestagsreden gilt das gleiche. Um ein Thema gr&uuml;ndlich zu analysieren und Gegenvorschl&auml;ge detailliert zu begr&uuml;nden, ist das kein geeignetes Format.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Was ist denn die Hauptbotschaft, die Sie mit diesem Buch vermitteln wollen? Was sollen die Leserinnen und Leser von Ihnen lernen?<\/p><p><strong>SW:<\/strong> Es gibt zwei zentrale Botschaften. Die erste ist: Unsere aktuelle Wirtschaftsordnung, der Kapitalismus, erzeugt nicht allein eine immer gr&ouml;&szlig;ere soziale Ungleichheit, sondern ist auch l&auml;ngst nicht mehr so produktiv und innovativ, wie die meisten glauben. Im Gegenteil, in wichtigen Feldern wird Innovation blockiert oder &ndash; wie in der digitalen Welt &ndash; monopolisiert und so gegen die Allgemeinheit gewendet. Und die zweite Botschaft lautet: Es gibt eine vern&uuml;nftige Alternative zum Kapitalismus, die die Scheinalternativen Markt- versus Planwirtschaft oder Privat- versus Staatswirtschaft hinter sich l&auml;sst. Die Grundrisse einer solchen neuen Wirtschaftsordnung versuche ich, im Buch zu skizzieren.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Die Frage, wie die Wirtschaftsordnung aussehen soll, in der wir leben und arbeiten sollen, wird fast nicht mehr gestellt. Nach 1945 war das auf Tagungen und in vielen Medien ein wichtiges Thema. Sie greifen das Thema wieder auf. Das ist an sich schon bemerkenswert und macht das Buch interessant. Was war der pers&ouml;nliche Kick f&uuml;r die Behandlung dieses Themas?<\/p><p><strong>SW:<\/strong> Ich habe immer wieder erlebt, dass Menschen mir in meiner Kritik an den aktuellen Zust&auml;nden zustimmen. Aber dann kam oft der Nachsatz, der Kapitalismus sei zwar schlecht und sozial ungerecht, aber jede Alternative zu ihm sei doch auf jeden Fall noch schlechter. Denn sie w&uuml;rde dazu f&uuml;hren, dass weniger produziert wird, und dann g&auml;be es zwar vielleicht weniger Reichtum und weniger Ungleichheit, aber wahrscheinlich noch mehr Armut. Deshalb auch mein Titel &ldquo;Reichtum ohne Gier&rdquo;: ich bin &uuml;berzeugt, dass eine andere Wirtschaftsordnung uns alle reicher machen kann, nicht nur materiell, aber durchaus auch im Hinblick auf unseren materiellen Wohlstand. <\/p><p><strong>AM:<\/strong> Worin unterscheidet sich die neue Wirtschaftsordnung von der alten? <\/p><p><strong>SW:<\/strong> Kurz zusammengefasst kann man sagen: sie w&uuml;rde den Wirtschaftsfeudalismus &uuml;berwinden, wie er dem Kapitalismus bis heute eigen ist: also keine leistungslosen Millioneneinkommen aus Betriebsverm&ouml;gen mehr, die auf der Arbeit anderer beruhen, und keine Vererbbarkeit der Kontrolle &uuml;ber Unternehmen. Seit Abschaffung der Monarchie ist es gesellschaftlicher Konsens, dass politische Macht nicht vererbbar sein sollte. Aber die Vererbbarkeit wirtschaftlicher Macht, die wesentlich folgenreicher ist, wird bis heute akzeptiert. Ich halte das f&uuml;r falsch.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Auch die Verfassung von Unternehmen und Betrieben ist bei Ihnen ein zentraler Gegenstand des Nachdenkens und des Schreibens. Auch dies ist eigentlich kein Thema mehr in der sonstigen &ouml;ffentlichen Debatte. Was ist die optimale Betriebs- und Eigentumsform, aus ihrer Sicht? <\/p><p><strong>SW:<\/strong> Ja, leider wird allseits hingenommen, dass Unternehmen heute Anlageobjekte sind, die in erster Linie der Geldvermehrung ihrer Anteilseigner dienen. Aber das ist doch nicht alternativlos. Ich zeige am Beispiel der &auml;ltesten deutschen Unternehmensstiftung, der Carl-Zeiss-Stiftung, dass Unternehmen gar nicht notwendigerweise externe Eigent&uuml;mer brauchen. Was sie brauchen, ist eine effektive Kontrolle des Managements durch Leute, die an einer langfristig guten Unternehmensentwicklung interessiert sind. Die heutigen Eigent&uuml;mer &ndash; Finanzinvestoren oder Erbendynastien &ndash; sind das oftmals gar nicht, sie wollen vor allem m&ouml;glichst viel Geld aus dem Unternehmen herausholen. F&uuml;r die Belegschaft dagegen ist das Unternehmen die Grundlage ihrer sozialen Existenz, deshalb ist es sinnvoll, wenn die Kontrollorgane aus gew&auml;hlten Vertretern der Belegschaft bestehen.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Ein m&ouml;gliches Modell ist aus Ihrer Sicht die sogenannte Mitarbeitergesellschaft? Wie s&auml;he das konkret aus?<\/p><p><strong>SW:<\/strong> Eine Mitarbeitergesellschaft ist kein Unternehmen, an dem die Mitarbeiter verk&auml;ufliche oder vererbbare Anteile halten und auf hohe Dividenden warten. Meine zentrale These ist vielmehr, dass der r&ouml;mische Eigentumsbegriff f&uuml;r Unternehmen nicht passt. Eine Mitarbeitergesellschaft geh&ouml;rt wie eine Stiftung sich selbst, sie hat keine externen Eigent&uuml;mer, und muss daher auch an niemanden Geld aussch&uuml;tten. Aber die Belegschaft bestimmt die Besetzung des Kontrollorgans, das &uuml;ber die Unternehmensleitung entscheidet und ihr die Ziele vorgibt. Die Ziele w&uuml;rden unter solchen Bedingungen sicher nicht lauten, Maximierung des kurzfristigen Gewinns, sondern: langfristiges Unternehmenswachstum, solide Gewinne, um Investitionen zu finanzieren, aber eben keine Erh&ouml;hung der Rendite mittels prek&auml;rer Jobs oder durch Verlagerung in Niedriglohnl&auml;nder.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Und was w&auml;re die &bdquo;Gemeinwohlgesellschaft&ldquo;? Und wie w&uuml;rde sich diese von der &bdquo;&Ouml;ffentlichen Gesellschaft&ldquo; unterscheiden? Ist das nicht ein bisschen verwirrend?<\/p><p><strong>SW:<\/strong> Die &Ouml;ffentliche Gesellschaft ist genau wie die Mitarbeitergesellschaft ein kommerzielles Unternehmen, bei dem allerdings wegen seiner Gr&ouml;&szlig;e die &ouml;ffentliche Hand ebenfalls Vertreter ins Kontrollorgan entsendet. Die Gemeinwohlgesellschaft dagegen arbeitet nicht gewinnorientiert und ist dort angebracht, wo M&auml;rkte schlicht nicht funktionieren oder aus ethischen Gr&uuml;nden keinen Platz haben. Ein Krankenhaus etwa muss sich nicht in erster Linie rechnen, sondern muss Kranke optimal behandeln. Wenn dagegen betriebswirtschaftliche Kriterien &uuml;ber die gew&auml;hlte Therapie entscheiden, ist das einfach pervers. Ein anderes Beispiel ist die digitale Wirtschaft, in der aufgrund des Netzwerkeffekts lauter Monopole entstehen. &Uuml;berlassen wir diese wichtigste Infrastruktur des 21. Jahrhunderts weiterhin privaten Datenkraken, werden wir alle verlieren. Hier brauchen wir gemeinn&uuml;tzige Anbieter. <\/p><p><strong>AM:<\/strong> Sie wissen, dass ich mit dem Begriff Kapitalismus nichts anfangen kann. Das gilt auch f&uuml;r den Gebrauch dieses Begriffes durch Sie. Um unseren Lesern Klarheit zu verschaffen, frage ich an dieser Stelle nach: Was macht aus Ihrer Sicht Kapitalismus aus? Ist Kapitalismus eine Wirtschaftsordnung? Und wie sieht die Wirtschaftsordnung aus, mit der &bdquo;wir uns vor dem Kapitalismus retten&ldquo;?<\/p><p><strong>SW:<\/strong> Kapitalismus wird normalerweise mit Eigenschaften verbunden, die ihm gar nicht zukommen. Er ist keine Leistungsgesellschaft, denn die h&ouml;chsten Einkommen, die in ihm bezogen werden, sind Einkommen aus blo&szlig;em Verm&ouml;genseigentum. Er ist auch keine Marktwirtschaft, denn wichtige M&auml;rkte werden heute durch gro&szlig;e Konzerne beherrscht, die sich hinter einem Wall von Patenten verschanzen und gegen die Neueinsteiger faktisch keine Chance haben. Au&szlig;erdem ist die typische Form des Wirtschaftseigentums im Kapitalismus nicht der voll haftende Eigent&uuml;merunternehmer, der vielmehr immer mehr an den Rand gedr&auml;ngt wird und es relativ schwer hat. Die typische Eigentumsform ist die Kapitalgesellschaft, die Unternehmen zu blo&szlig;en Anlageobjekten degradiert. Und das w&auml;re auch die zentrale Ver&auml;nderung: die Kapitalgesellschaft durch andere Formen wirtschaftlichen Eigentums zu ersetzen. Au&szlig;erdem habe ich ein langes Kapitel im Buch zur Neugestaltung des Finanzsektors. Denn solange dieser von Zockerbuden dominiert wird, kann es keine vern&uuml;nftige wirtschaftliche Entwicklung geben. <\/p><p><strong>AM:<\/strong> Gibt es dann keinen Wettbewerb mehr?<\/p><p><strong>SW:<\/strong> Doch, es g&auml;be sogar mehr Wettbewerb als heute, weil die Kapitalgesellschaft die wirtschaftliche Konzentration massiv bef&ouml;rdert hat. Die Vielfalt der Marken, die wir heute haben, ist doch zu weiten Teilen blo&szlig;er Schein, weil sie untereinander eigentumsrechtlich verflochten sind. Genau das sollte wieder entflochten werden. Aber es g&auml;be auch keinen Scheinwettbewerb mehr dort, wo ihn Privatisierungen heute herbeireden. Der vermeintliche &ldquo;Wettbewerb&rdquo; der Stromanbieter hat st&auml;ndige Preissteigerungen nicht verhindert, und der &ldquo;Wettbewerb&rdquo; der Krankenkassen um die ges&uuml;ndesten Versicherten ist unw&uuml;rdig. In solchen Bereichen hat der Markt nichts verloren, zumal er dort ohnehin nicht funktioniert.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Sie schildern eingehend und eindringlich den Skandal der jetzigen Situation &ndash; die Konzentration der Verm&ouml;gen und der Verf&uuml;gungsgewalt in wenigen H&auml;nden, den Abstieg der Mittelschicht, grassierende Armut. Sind das wirklich die Folgen der geltenden Wirtschaftsordnung, also des Kapitalismus? Ich halte dagegen: Das sind Folgen einer Politik, die uns mit dem Einzug des Neoliberalismus aufgeschw&auml;tzt und oktroyiert worden ist. Es wurde keine aktive Besch&auml;ftigungspolitik mit dem Ziel Vollbesch&auml;ftigung verfolgt, der Staat wurde gepl&uuml;ndert und verarmt, der Sozialstaat besch&auml;digt, Mitbestimmung in den Betrieben immer kleiner geschrieben. Sind das zwangsl&auml;ufige Folgen des &bdquo;Kapitalismus&ldquo;? Oder die Ergebnisse einer bewusst so gemachten Politik? War der Aufbau eines Niedriglohnsektors zwangsl&auml;ufige Folge der kapitalistischen Wirtschaftsordnung? Ist der Wahnsinn, sich an Export&uuml;bersch&uuml;ssen zu erg&ouml;tzen und damit eine W&auml;hrungsunion kaputtzumachen, kapitalismusbedingt, also sozusagen zwangsl&auml;ufig?<\/p><p><strong>SW:<\/strong> Der Kapitalismus wurde nach dem zweiten Weltkrieg in allen Industriel&auml;ndern sozial geb&auml;ndigt. Die sp&auml;tere neoliberale Wende wiederum bedeutete, dass er sich dieser Fesseln zunehmend wieder entledigt hat. Insofern ist es schon so: das, was wir heute erleben, ist eben wieder ein weitgehend &ldquo;unverf&auml;lschter&rdquo; Kapitalismus. Eine Wirtschaftsordnung, in der die erzielbare Rendite dar&uuml;ber entscheidet, wo investiert wird und wo Arbeitspl&auml;tze entstehen, muss nach ihrer eigenen Logik die Ungleichheit vergr&ouml;&szlig;ern, da die Gewinneinkommen immer nur einer Minderheit zugute kommen. Da jeder reinvestierte Gewinn automatisch den Eigent&uuml;mern geh&ouml;rt, w&auml;chst auch deren wirtschaftliche Macht quasi im Selbstlauf. Nat&uuml;rlich kann man darauf hinarbeiten, dem Kapitalismus auch in Zukunft wieder soziale Fesseln anzulegen und anstelle seiner &Uuml;berwindung seine B&auml;ndigung anstreben. Man sollte allerdings bedenken, welcher schlimmen Katastrophen es bedurfte, ehe es Mitte des 20. Jahrhunderts m&ouml;glich war, dem Kapitalismus ein wohlfahrtsstaatliches Modell abzuringen. Ich wei&szlig; nicht, ob wir das noch einmal erleben wollen: Weltwirtschaftskrise, Nazi-Diktatur und zwei Weltkriege. Und selbst wenn es nach dramatischen Ersch&uuml;tterungen noch einmal gel&auml;nge: wie dauerhaft w&auml;re der regulierte Kapitalismus dann? W&uuml;rden die wirtschaftlichen Eliten nicht bei n&auml;chster Gelegenheit wieder versuchen, die l&auml;stigen Sozialbindungen, die die Arbeitskraft verteuern und die Rendite verringern, erneut abzusch&uuml;tteln und die Politik in dieser Richtung unter Druck setzen oder auch schlicht korrumpieren? Denn der Widerspruch zwischen privater wirtschaftlicher Macht in den H&auml;nden Weniger und der Demokratie, die ja eigentlich die Interessen der Mehrheit durchsetzen soll, bliebe bestehen. Die bessere L&ouml;sung w&auml;re daher, sich von der kapitalistischen Ordnung selbst zu befreien, und die Imperative der Aufkl&auml;rung endlich auch im Wirtschaftsleben ernst zu nehmen.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> In einem Gespr&auml;ch, das die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung mit Ihnen f&uuml;hrte, merken sie an, der Markt sei oft &bdquo;eine blo&szlig;e Chiffre f&uuml;r Wirtschaftsmacht&ldquo;. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Was w&uuml;rden Sie gegen die Machtballung tun, was w&uuml;rden Sie gegen Monopole tun, wie wir sie zum Beispiel bei der Marktmacht von Microsoft, Facebook und Amazon tendenziell vorfinden? Welche Rolle spielt in Ihrem Denken der Schutz des Wettbewerbs und die Kontrolle von Kartellen, Oligopolen und Monopolen?<\/p><p><strong>SW:<\/strong> Wir brauchen eine Entflechtung der gro&szlig;en Konzerngiganten, die l&auml;ngst Zulieferern wie Kunden die Konditionen diktieren. Im digitalen Bereich gen&uuml;gt aber Entflechtung nicht. Hier haben wir es mit dem zu tun, was die Wirtschaftswissenschaft &ldquo;nat&uuml;rliche Monopole&rdquo; nennt. Durch den Netzwerkeffekt werden diese Bereiche immer wieder Monopole produzieren. Deshalb ist die einzige Chance, sich nicht von privaten Monopolisten abh&auml;ngig zu machen, diese Bereiche f&uuml;r gemeinn&uuml;tzige Anbieter zu reservieren. Nur ein nicht profitoriertiertes soziales Netzwerk und nur eine nicht auf Gewinn ausgerichtete Suchmaschine kann auf das Sammeln, Speichern und Verwerten unserer Daten verzichten.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Wie l&auml;uft das Buch? Was sagen und schreiben die Leserinnen und Leser? <\/p><p><strong>SW:<\/strong> Daf&uuml;r, dass das Buch erst seit 10. M&auml;rz auf dem Markt ist, bekomme ich bereits erstaunlich viele R&uuml;ckmeldungen. Was mich besonders freut, ist, dass viele mir sagen, dass es auch f&uuml;r &ouml;konomisch nicht versierte Leser gut und leicht verst&auml;ndlich geschrieben sei und dass es ihnen tats&auml;chlich die Augen &uuml;ber bestimmte Zusammenh&auml;nge ge&ouml;ffnet h&auml;tte. Genau das war ja auch der Zweck. Auch &uuml;ber das Interesse am Buch kann ich mich nicht beklagen. Soweit ich vom Verlag geh&ouml;rt habe, wird es ab Montag auf der Spiegel-Bestsellerliste sein.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Angaben zum Buch:<\/strong><\/p><p>Sahra Wagenknecht: &bdquo;Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten&ldquo;. Campus Verlag. Frankfurt 2016. 292 Seiten. Gebunden. 19 95 &euro;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/sahra-wagenknecht.jpg\" alt=\"Sahra Wagenknecht\" title=\"Sahra Wagenknecht\"\/><\/div>\n<p>Die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei hat ein neues Buch ver&ouml;ffentlicht. &bdquo;Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten&ldquo;, so der Titel. Das reizte mich, ihr einige Fragen zu stellen. Hier sind Fragen und Antworten. Das Buch ist lesenswert. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32548\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,209,132,30],"tags":[595,909,291,632],"class_list":["post-32548","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-interviews","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-betriebliche-mitbestimmung","tag-kapitalismus","tag-verteilungsgerechtigkeit","tag-wagenknecht-sahra"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32548","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32548"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32548\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120026,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32548\/revisions\/120026"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32548"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32548"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32548"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}