{"id":32587,"date":"2016-03-30T09:26:48","date_gmt":"2016-03-30T07:26:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32587"},"modified":"2018-12-27T11:45:38","modified_gmt":"2018-12-27T10:45:38","slug":"beate-zschaepes-flucht-und-die-beseitigung-elektronischer-zeugen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32587","title":{"rendered":"Beate Zsch\u00e4pes Flucht und die Beseitigung \u201aelektronischer\u2019 Zeugen"},"content":{"rendered":"<p>Ab dem 30. M&auml;rz 2016 strahlt das ARD die Spielfilmtriologie &bdquo;Mitten in Deutschland: NSU&ldquo; aus, die als Spurensuche angek&uuml;ndigt wird. Dass es im NSU-Kontext nicht an Spuren mangelt, sondern an der Weigerung, ihnen nachzugehen, zeichnet folgender Beitrag von <strong>Wolf Wetzel<\/strong> [<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32587#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] nach.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6540\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-32587-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160330_Zschaepes_Flucht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160330_Zschaepes_Flucht_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160330_Zschaepes_Flucht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160330_Zschaepes_Flucht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=32587-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160330_Zschaepes_Flucht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160330_Zschaepes_Flucht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wie die beiden NSU-Mitglieder Uwe B&ouml;hnhardt und Uwe Mundlos am 4. November 2011 zu Tode gekommen sein sollen, wissen wir. Zumindest gibt es daf&uuml;r eine offizielle Selbstmordversion. Ziemlich r&auml;tselhaft ist hingegen, was Beate Zsch&auml;pe in dieser Zeit getan, was sie in den folgenden vier Tagen gemacht hatte, bevor sie sich im Beisein eines Rechtsanwaltes der Polizei stellte. Ganz offensichtlich muss sie vom Tod ihrer &bdquo;Kameraden&ldquo; erfahren haben. Aber wer hat sie informiert? Mit wem hatte sie telefoniert, mit wem telefonischen Kontakt w&auml;hrend der vier &bdquo;Flucht&ldquo;tage?<\/p><p>Man muss kein Kriminalist sein, um festzuhalten, dass das Handy, das Beate Zsch&auml;pe benutzt hatte, eine hervorragende &bdquo;Quelle&ldquo; w&auml;re, um diese Tage zu rekonstruieren. Eine elektronische Quelle, die ohne Verdr&auml;ngung und spontanen Erinnerungsl&uuml;cken vieles entr&auml;tseln k&ouml;nnte &ndash; wenn man die Kommunikationsdaten sicherstellt und auswertet. Angesichts der Dimension dieses Vorganges eine Selbstverst&auml;ndlichkeit, eine Routinearbeit polizeilicher Ermittlungen. Vor allem dann, wenn man &bdquo;Spekulationen&ldquo; und &bdquo;Verd&auml;chtigungen&ldquo; ausr&auml;umen will, die der M&ouml;glichkeit nachgehen, dass die NSU-Mitglieder in Zwickau unter geheimdienstlicher Beobachtung standen, was in aller letzter Konsequenz bedeuten w&uuml;rde, dass man sehr wohl eine &bdquo;hei&szlig;e Spur&ldquo; hatte, die man bis heute leugnet.<\/p><p>Dass dieser Verdacht nicht aus der Luft gegriffen ist, sondern handfesten Fakten geschuldet ist, war seit Langem bekannt. Denn in der ersten Phase der Aufregung kam einiges ans Tageslicht, was seitdem angestrengt unterbelichtet bleibt.<\/p><p>Der Berliner Kurier vom 29.5.2012 rekonstruierte die Ereignisse, kurz nach dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe B&ouml;hnhardt wie folgt: <\/p><blockquote><p>&raquo;Etwas mehr als Stunde, nachdem sie ihre Wohnung in der Fr&uuml;hlingsstra&szlig;e 26 in die Luft jagte, versuchte jemand Zsch&auml;pe anzurufen. Das Pikante: Die anrufende Nummer ist im S&auml;chsischen Staatsministerium des Inneren registriert. Wer aus der Beh&ouml;rde in Dresden wollte Zsch&auml;pe sprechen &ndash; und vor allem warum?&laquo;<\/p><\/blockquote><p>Das s&auml;chsische Innenministerium reagierte auf diese Indiskretion sehr hektisch: Man habe nach dem Brand mit dem\/r WohnungsinhaberIn Kontakt aufnehmen wollen, um sie &uuml;ber die Ereignisse in Kenntnis zu setzen. Es h&auml;tte sich also bei den Anrufen um ganz normale Ermittlungst&auml;tigkeiten von Polizeidienststellen gehandelt, die mit dem Brand betreut gewesen waren. <\/p><p>Mit dieser &bdquo;Version&ldquo; machten sich Journalisten daran, die damals ver&ouml;ffentlichten Diensthandynummern anzurufen, um sich der Beh&ouml;rde zu vergewissern, die diese benutzt hatten. Das Ergebnis war mehr als verbl&uuml;ffend: Die Nummern hatten keinen Anschluss mehr &ndash; sie wurden &bdquo;abgeschaltet&ldquo;.<br>\nDamit war eine elektronische Spur gel&ouml;scht &ndash; was in einem solch schwerwiegenden Fall nur als Vertuschungstat gewertet werden kann. Denn durch die L&ouml;schung dieser Verbindung konnte nicht gekl&auml;rt werden, ob es sich beim Nutzer dieser Handynummer um eine Beh&ouml;rde handelt oder um einen V-Mann. Dieser wird in aller Regel mit einem Handy ausgestattet, das ebenfalls auf das jeweilige Innenministerium zugelassen ist.<\/p><p>Ebenfalls will bis heute niemand erkl&auml;ren, wie eine Person X, ausgestattet mit einem Handy des <em>S&auml;chsischen Staatsministerium des Inneren<\/em> in den Besitz der Handynummer von Beate Zsch&auml;pe kommen konnte? Beate Zsch&auml;pe benutzte einen Decknamen, die Wohnung war auf &bdquo;Mathias D.&ldquo; angemeldet. Eine Beh&ouml;rde, die nicht mehr wollte, als den Wohnungseigent&uuml;mer zu informieren, h&auml;tte niemals Beate Zsch&auml;pe anrufen k&ouml;nnen.<\/p><p>Diesen Vertuschungen ging auch der &bdquo;Terrorexperte des ZDF&ldquo; Elmar Theve&szlig;en im November 2014 nach: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Am 4. November 2011 fliegt die Terrorzelle NSU auf: Uwe B&ouml;hnhardt und Uwe Mundlos begehen Selbstmord, Beate Zsch&auml;pe steckt die Wohnung des Trios an und fl&uuml;chtet. Ihr Handy klingelt am Nachmittag sehr h&auml;ufig, &uuml;ber 30 Mal allein zwischen 16.30 und 21 Uhr. Doch wer ruft Zsch&auml;pe immer wieder an?&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Auf diese Frage eine Antwort zu bekommen, ist keine gro&szlig;e Aufgabe &ndash; f&uuml;r die ermittelnde Polizei. Diese muss sich nur an den Provider wenden, &uuml;ber den die Kommunikation abgewickelt wurde.<\/p><p>Auch das geh&ouml;rt zur Polizeiroutine und m&uuml;sste in einem solchen Fall h&ouml;chste Priorit&auml;t haben. Schlie&szlig;lich geht es um die Frage: Wer hat ihr in den vier Tagen &bdquo;Flucht&ldquo; geholfen? Wer geh&ouml;rt m&ouml;glicherweise mit zum NSU-Netzwerk? All das sollte ein Kinderspiel sein, wenn man die Handynummer von Beate Zsch&auml;pe hat &ndash; sollte man meinen. <\/p><p>Am 17. M&auml;rz 2016 wurde dazu im dritten parlamentarischen Untersuchungsausschuss\/PUA in Berlin Kriminaloberkommissar Sascha Allendorf im BKA befragt. Er war mit der Auswertung der Mobiltelefon-Daten von Zsch&auml;pe beauftragt. Was er dazu sagte, findet sich in einer Erkl&auml;rung des Bundestages:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Nachdem vermutlich Zsch&auml;pe am Nachmittag des 4. November 2011 ihre gemeinsame Wohnung mit Uwe B&ouml;hnhardt und Uwe Mundlos in Zwickau in Brand gesetzt hatte, war ihre Handynummer von der Polizei in Erfahrung gebracht worden. Zur &Uuml;berpr&uuml;fung der Telefongespr&auml;che, die sie &uuml;ber ihr Handy gef&uuml;hrt hatte, wurden in den folgenden Wochen die jeweiligen Provider kontaktiert. Allendorf wies darauf hin, dass es damals keine gesetzliche Grundlage f&uuml;r eine Vorratsdatenspeicherung gab und die Verbindungsdaten von den Anbietern daher auf unterschiedliche Weise gespeichert worden waren. Von einigen Telefongesellschaften wurden der Polizei nur Nummern &uuml;bermittelt, bei denen die letzten drei Stellen durch &ldquo;x&rdquo; ersetzt waren. <em>Insgesamt handelte es sich um 42 Telefonnummern. Nach Allendorfs Aussage w&auml;re der Aufwand zu gro&szlig; gewesen, die Inhaber dieser Nummern zu ermitteln<\/em>, da man im Extremfall fast 42.000 Nummern h&auml;tte &uuml;berpr&uuml;fen m&uuml;ssen. Allein f&uuml;r die &Uuml;berpr&uuml;fung der 412 Rufnummern, die der Polizei vollst&auml;ndig vorlagen, habe man sechs Monate ben&ouml;tigt. Binninger lie&szlig; das nicht gelten, <em>zumal einige der unvollst&auml;ndigen Nummern als Beh&ouml;rdenanschl&uuml;sse erkennbar gewesen seien<\/em>. Die &uuml;brigen Nummern h&auml;tte das BKA zumindest darauf &uuml;berpr&uuml;fen lassen sollen, ob polizeibekannte Rechtsextremisten zu den Inhabern geh&ouml;rten.&ldquo; (Quelle: Deutscher Bundestag vom 18.3.2016)<\/p><\/blockquote><p>Man wei&szlig; nicht, &uuml;ber was man vor allem w&uuml;tend sein soll: &uuml;ber die Dummheit oder Dreistigkeit dieser Aussage. Und man fragt sich, warum sich die Parlamentarier eine solche Antwort gefallen lassen. Sie erf&uuml;llt den Straftatbestand der Irref&uuml;hrung und der Strafvereitelung im Amt gleicherma&szlig;en.<\/p><p>So unterschiedlich die Speicherfristen der Provider auch sind, sie h&auml;tten allesamt ausgereicht, die gespeicherten Kommunikationsdaten unversehrt zu bekommen. Und zwar in Gestalt vollst&auml;ndiger Telefonnummern. Denn nur beim privaten Einzelverbindungsnachweis werden die letzten drei Stellen durch x ersetzt. Auf die vollst&auml;ndigen Telefonnummern muss der Provider zur&uuml;ckgreifen k&ouml;nnen &ndash; im Reklamationsfall. <\/p><p>Aber auch die angeblich langwierige Suche im Heuhaufen ist eine vors&auml;tzliche T&auml;uschung. Bereits 1998 wurde in Jena in der Garage von den wenig sp&auml;ter abgetauchten NSU-Mitgliedern eine Telefonliste gefunden, mit &uuml;ber 50 Eintr&auml;gen &ndash; ohne xxx. Das <em>Who is who<\/em> der Neonaziszene, das Netzwerk von Kameraden, das es laut Anklage der Generalbundesanwaltschaft nicht gibt. F&uuml;r diesen Abgleich h&auml;tte man 10 Minuten gebraucht. Selbst auf dieser konspirativen Telefonliste befanden sich vier V-Leute, die f&uuml;r die Neonazis &bdquo;Kameraden&ldquo; waren, denen sie voll vertrauten.<\/p><p>Au&szlig;erdem w&auml;re es ein Leichtes gewesen, die vollst&auml;ndigen Nummern der Beh&ouml;rdenanschl&uuml;sse zu bekommen, um so &uuml;berpr&uuml;fbar festzustellen, welche &bdquo;Beh&ouml;rde&ldquo; diese Handynummern genutzt hatte und warum diese kurz nach Bekanntwerden &bdquo;abgeschaltet&ldquo; wurden! Dass all dies der Vorsitzende des dritten PUA, Clemens Binninger (CDU), ein ehemaliger Polizeibeamter, mit unglaublicher Sanftheit moniert, ist in jedem Fall dem Sachverhalt v&ouml;llig unangemessen.<br>\nMan darf &uuml;brigens davon ausgehen, dass das BKA selbstverst&auml;ndlich um diese M&ouml;glichkeiten wusste und diese auch nutzte. W&uuml;rden all diese Telefonnummern nur auf Neonazis verweisen, h&auml;tte man das Ergebnis stolz pr&auml;sentiert. Mehr als naheliegend ist also, dass man bei den gespeicherten Telefonnummern auf Verbindungen gesto&szlig;en war, die man eben nicht problemlos offen legen konnte.<\/p><p>Exakt dieser Annahme ist auch der anfangs erw&auml;hnte &bdquo;ZDF-Terrorexperte&ldquo; Elmar Theve&szlig;en gefolgt, als er dazu blitzgescheit ausf&uuml;hrte: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Die deutschen Sicherheitsbeh&ouml;rden pr&uuml;fen es sp&auml;ter nicht ernsthaft nach, weil in den Anrufprotokollen die letzten drei Ziffern durch x ersetzt sind. Aber sie haben die Ziffern davor auch nicht mit den Mobilnummern der Personen aus dem Umfeld des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) abgeglichen, unter ihnen eine gro&szlig;e Zahl von V-Leuten der Beh&ouml;rden. <em>Haben mehrere von ihnen an jenem 4. November 2011 verzweifelt versucht, Beate Zsch&auml;pe zu erreichen, weil sie mindestens Mitwisser waren, wenn nicht sogar mehr?<\/em>&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Dass diese Kommunikationsdaten mehr verraten, als den Ermittlungsbeh&ouml;rden lieb ist, belegt ein weiteres Faktum.<br>\nAm 4. November 2011, kurz nachdem die Wohnung in Zwickau in Brand gesetzt wurde, erhielt Beate Zsch&auml;pe nicht nur von einer nicht mehr auffindbaren &rsaquo;Polizeidienststelle&lsaquo; einen Anruf. Sie hatte auch telefonischen Kontakt mit Andr&eacute; Eminger. Um 15.29 Uhr sprachen sie eine Minute und 27 Sekunden miteinander, dann tippte Andr&eacute; Eminger eine SMS, eine Textnachricht an seine Frau Susan &hellip;<\/p><p>Andr&eacute; Eminger z&auml;hlt zu den f&uuml;hrenden Neonazikadern, eine Schl&uuml;sselfigur in der s&auml;chsischen Neonazi-Szene. Er ist Mitbegr&uuml;nder der &rsaquo;Wei&szlig;en Bruderschaft Erzgebirge&lsaquo;. Seine Ehefrau Susan Eminger stand ihrem Mann an neonazistischer Tatkraft in nichts nach.<br>\nAndr&eacute; Eminger war der Polizei und den Verfassungsschutzbeh&ouml;rden seit Langem bekannt. Aus einem Schreiben des s&auml;chsischen Verfassungsschutzes geht hervor, dass die Beh&ouml;rde im M&auml;rz 2003 ein <em>&rsaquo;Informationsgespr&auml;ch&lsaquo;<\/em> mit Andr&eacute; Eminger gef&uuml;hrt habe, was nur m&uuml;hsam umschreibt, dass er als V-Mann angeworben werden sollte. Angeblich habe er abgelehnt, da er keinen Kontakt mehr zur neonazistischen Szene habe. Das wussten die Anwerber besser: Noch im November 2006 gingen Verfassungsschutz&auml;mter davon aus, dass er laut Spiegel-online vom 10.12.2012 eine &raquo;herausgehobene Position&laquo; innehabe. <\/p><p>Unstrittig ist, dass das Ehepaar Eminger den Untergrund des NSU mit ausgestattet hatte. U.a. besorgte Andr&eacute; Eminger im Mai 2009 f&uuml;r Uwe B&ouml;hnhardt und Beate Zsch&auml;pe Bahncards, welche auf seinen und den Namen seiner Frau ausgestellt waren.<\/p><p>Jenseits der Frage, ob die fehlgeschlagene Anwerbung des Neonazis Andr&eacute; Eminger eine Legende ist, kann man festhalten, dass ihre &Uuml;berwachung direkt zu den Mitgliedern des NSU gef&uuml;hrt hatte\/h&auml;tte. Wie eng, wie vertrauensvoll der Kontakt zwischen den NSU-Mitgliedern und Andr&eacute; Eminger war, beweist auch das Telefonat, das Beate Zsch&auml;pe kurz nach dem Tod von Mundlos und B&ouml;hnhardt gef&uuml;hrt hatte. <\/p><p>Auf welche Weise also die Verfolgungsbeh&ouml;rden &uuml;ber Andr&eacute; Eminger an den NSU angeschlossen waren, k&ouml;nnte zweifelsfrei die Auswertung des Handys ergeben, das bei seiner Festnahme am 24. November 2011 beschlagnahmt wurde. Das Handy wurde zur Auswertung ans BKA geschickt. Obwohl der interne Speicher gel&ouml;scht war, konnte das BKA die gel&ouml;schten Datens&auml;tze wiederherstellen. Das ist in der Regel kein Hexenwerk, denn die L&ouml;schung bezieht sich nur auf den Link (Pfad), nicht auf die gespeicherten Datens&auml;tze. Doch nun passierte das, was schon in vielen F&auml;llen zuvor der Fall war: Die &bdquo;Rekonstruktion&ldquo; weist auff&auml;llige L&uuml;cken auf, die man technisch am aller wenigsten erkl&auml;ren kann: <\/p><blockquote><p>&raquo;So tauchen etwa Telefonverbindungen erst ab dem Datum 8. November 2011 wieder auf; bei den SMS reicht die L&uuml;cke vom 6. November bis zum 14. November 2011.&laquo; (L&uuml;cken in den Handydaten, FR vom 28.1.2013)<\/p><\/blockquote><p>Die L&uuml;cke ist gut gew&auml;hlt: Es handelt sich um den gesamten Zeitraum, in dem Beate Zsch&auml;pe auf der &bdquo;Flucht&ldquo; war.<\/p><p>Um ganz sicher zu gehen, dass nichts gefunden wird, was nicht gefunden werden soll, wies das BKA die zust&auml;ndige Bundespolizeidienststelle an, die Sicherungskopie zu l&ouml;schen. Kein Versehen, sondern eine Anweisung, gegen Dienstvorschriften zu versto&szlig;en: &raquo;Diese Anweisung habe der &uuml;blichen Vorgehensweisen widersprochen, wie der Bundespolizei-Direktor Heinz-Dieter Meier in seiner Vernehmung (&hellip;) sagte (&hellip;): <em>&rsaquo;Wenn Handys ausgewertet werden, sieht das Standardverfahren vor, dass die Daten archiviert werden&lsaquo;<\/em>, sagte Meier laut Aussageprotokoll vom 23. Februar 2012.&laquo; (s.o.). F&uuml;r den Vorsatz der Verschleierung statt Aufkl&auml;rung hat der Bundespolizei-Direktor eine professionelle Erkl&auml;rung: <em>&raquo;Er deutete an, dass das BKA mit seinem Vorgehen m&ouml;glicherweise einen Informanten decken wollte, auf den E&rsquo;s Handydaten hinweisen k&ouml;nnten.&laquo;<\/em> (s.o.)<\/p><p>Was mit diesen vors&auml;tzlich geschaffenen L&uuml;cken bezweckt werden soll, wei&szlig; der Bundespolizei-Direktor Meier auch: <em>&raquo;Wenn das stimmen w&uuml;rde und das BKA jemand im Umfeld des Trio h&auml;tte, dann h&auml;tten wir ein Problem.&laquo;<\/em> (s.o.) &ndash; Ein sehr gro&szlig;es. Denn damit w&auml;re ein weiteres Mal bewiesen, dass die Verfolgungsbeh&ouml;rden am K&uuml;chentisch des NSU sa&szlig;en &ndash; bis zum letzten Tag.<br>\nDass die Kommunikationsdaten von Beate Zsch&auml;pe&rsquo;s Handy nicht ausgewertet, dass die Verbindungsdaten von Andr&eacute; Eminger im entscheidenden Zeitraum gel&ouml;scht wurden, berechtigt zu der Annahme, dass alles stimmt &ndash; nur nicht die offizielle Version.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Wolf Wetzel<\/strong>: Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund &ndash; wo h&ouml;rt der Staat auf? Unrast Verlag 2015, 3. Auflage<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ab dem 30. M&auml;rz 2016 strahlt das ARD die Spielfilmtriologie &bdquo;Mitten in Deutschland: NSU&ldquo; aus, die als Spurensuche angek&uuml;ndigt wird. Dass es im NSU-Kontext nicht an Spuren mangelt, sondern an der Weigerung, ihnen nachzugehen, zeichnet folgender Beitrag von <strong>Wolf Wetzel<\/strong> [<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32587#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] nach.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,125,166],"tags":[1750,901,955,1266,421,1664,1314,658],"class_list":["post-32587","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-rechte-gefahr","category-terrorismus","tag-binninger-clemens","tag-geheimdienste","tag-neonazismus","tag-nsu","tag-polizei","tag-thevessen-elmar","tag-tiefer-staat","tag-vorratsdatenspeicherung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32587","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32587"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32587\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48034,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32587\/revisions\/48034"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32587"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32587"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32587"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}