{"id":32607,"date":"2016-03-31T08:40:09","date_gmt":"2016-03-31T06:40:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32607"},"modified":"2019-01-04T12:27:20","modified_gmt":"2019-01-04T11:27:20","slug":"die-konsistent-inkonsistente-politik-von-draghi-und-schaeuble-oder-wie-ein-rennwagen-auf-der-stelle-vollgas-faehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32607","title":{"rendered":"Die konsistent inkonsistente Politik von Draghi und Sch\u00e4uble &#8211; oder wie ein Rennwagen auf der Stelle Vollgas f\u00e4hrt"},"content":{"rendered":"<p>In den Tagen und Wochen vor Ostern sind einige bemerkenswerte wirtschaftspolitische Entscheidungen gefallen. So hat der Pr&auml;sident der Europ&auml;ischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, den Leitzins auf historische 0,0 Prozent gesenkt. Und kurz vor den Feiertagen hat Bundesfinanzminister Wolfgang Sch&auml;uble die Eckpunkte f&uuml;r den Haushalt 2017 vorgelegt und dabei bekr&auml;ftigt, dass er auch in den kommenden Jahren an der &bdquo;schwarzen Null&ldquo; festhalten will. Von <strong>Thomas Trares<\/strong> [<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32607#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1084\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-32607-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160331_Konsistent_inkonsistente_Politik.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160331_Konsistent_inkonsistente_Politik.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160331_Konsistent_inkonsistente_Politik.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160331_Konsistent_inkonsistente_Politik.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=32607-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160331_Konsistent_inkonsistente_Politik.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160331_Konsistent_inkonsistente_Politik.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Beide Entscheidungen sind in der Presse zwar intensiv diskutiert worden, doch kaum einem der Kommentatoren ist ein grundlegender Widerspruch aufgefallen. Der Leser musste also schon genauer hinschauen. So hie&szlig; es in der &bdquo;B&ouml;rsen-Zeitung&ldquo; einmal: &bdquo;Regierung h&auml;lt bis 2020 an &acute;schwarzer Null&acute; fest.&ldquo; Und einen Tag zuvor war an gleicher Stelle zu lesen: &bdquo;EZB wirbt f&uuml;r &ouml;ffentliche Investitionen &ndash; Notenbank rechnet Ausgabensteigerung f&uuml;r Deutschland durch&ldquo;. Haben Sie es bemerkt? Ja, richtig! Draghi, und Sch&auml;uble verfolgen im Grunde jeder f&uuml;r sich einen Politikansatz, der dem des anderen komplett widerspricht.<\/p><p>So hat Draghi den Leitzins auf 0,0 Prozent gesenkt, um die Inflation in Richtung zwei Prozent zu hieven. Mit dem billigen Geld sollen die B&uuml;rger endlich mehr konsumieren, die Banken mehr Kredite vergeben und die Unternehmen mehr investieren. Um solch eine Politik zu unterst&uuml;tzen, m&uuml;sste die Bundesregierung ebenfalls in die Vollen gehen und die &ouml;ffentlichen Investitionen massiv hochfahren. Die Spielr&auml;ume daf&uuml;r sind vorhanden. Geld kann sich der Staat zum Nulltarif leihen. Und an rentablen Investitionsprojekten sollte es derzeit nicht mangeln. Man denke an den Ausbau der Infrastruktur oder den sozialen Wohnungsbau. Sch&auml;uble indes tut genau das Gegenteil und will in den kommenden Jahren ohne neue Schulden auskommen. Die &bdquo;schwarze Null&ldquo; muss stehen. Unterm Strich hei&szlig;t dies: Draghi f&auml;hrt eine expansive Geldpolitik &agrave; la Keynes und Sch&auml;uble eine restriktive Fiskalpolitik &agrave; la Milton Friedman. Keynesianismus und Monetarismus nebeneinander, beides gleichzeitig. Irre.<\/p><p>Man k&ouml;nnte das Dilemma aber auch so beschreiben: Draghi und Sch&auml;uble sitzen zusammen in einem Rennwagen. W&auml;hrend Draghi auf dem Fahrersitz mit durchgedr&uuml;cktem Fu&szlig; Vollgas gibt, h&auml;lt Sch&auml;uble auf dem Beifahrersitz die Handbremse fest in der Hand. Ergebnis ist ein Fahrzeug, das mit heulendem Motor und quietschenden Reifen viel Staub aufwirbelt, aber dennoch auf der Stelle f&auml;hrt. &Auml;hnlich sieht dies auch in der Eurozone aus. Zu beobachten sind Minizinsen, Miniwachstum, Miniinflation und Massenarbeitslosigkeit in der Peripherie. Eine konsistente Wirtschaftspolitik sieht anders aus.<\/p><p>F&uuml;r die hiesigen Kommentatoren ist Draghi klarerweise der Bruchpilot in dem Fahrzeug. So war nach der Zinsentscheidung von einem &bdquo;Tabubruch&ldquo;, &bdquo;EZB-Boykott&ldquo;, &bdquo;weltfremder Logik&ldquo; oder dem &bdquo;offensichtlichen Ende der Geldpolitik&ldquo; die Rede. Einmal hie&szlig; es aber auch &bdquo;Draghi macht den Markt kaputt&ldquo;. Sicher; die niedrigen Zinsen sind nicht sch&ouml;n. Wer sein Geld verzinst haben will, muss ins Risiko gehen. Das ist vor allem f&uuml;r den Kleinsparer ein Problem. Zudem steigt die Gefahr, dass sich infolge der niedrigen Zinsen wieder eine Aktien- oder Immobilienblase aufbl&auml;ht.<\/p><p>Die Kritik an Draghi ist dennoch wohlfeil. Denn auch eine Notenbank kann nicht bei ihrer Zinsentscheidung einfach das wirtschaftliche Umfeld ignorieren. Und derzeit wollen und sollen (nach den Vorstellungen der Bundesregierung) ja alle sparen, w&auml;hrend kaum einer noch investiert. Selbst der deutsche Staat ist nicht mehr bereit, neue Gelder am Kapitalmarkt nachzufragen. Die &bdquo;schwarze Null&ldquo; muss stehen. Das Ergebnis ist ein enormer Spar&uuml;berhang. Wo also sollen die h&ouml;heren Zinsen herkommen?<\/p><p>Dabei entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass es gerade die Deutschen sind, die Draghi am lautesten f&uuml;r seine Niedrigzinspolitik kritisieren, selbst aber den gr&ouml;&szlig;ten Beitrag zu dieser Niedrigzinspolitik leisten. Letzteres behauptet zumindest das fr&uuml;here EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi in einem <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/my\/politik\/konjunktur\/nachrichten\/gastbeitrag-warum-die-ezb-keine-schuld-an-den-niedrigzinsen-hat-\/13353800.html?ticket=ST-3307043-rRSVqxoN0WqtOFOIgjFa-ap2\">Gastbeitrag<\/a> f&uuml;r das &bdquo;Handelsblatt&ldquo;. Dort schrieb der italienische &Ouml;konom vergangene Woche: Deutschland weist &bdquo;den h&ouml;chsten &Uuml;berschuss von Spareinlagen im Vergleich zu Investitionen auf (mehr als 250 Milliarden Euro) und tr&auml;gt damit am meisten zu den globalen Ersparnissen bei und somit zu den niedrigen Zinss&auml;tzen&ldquo;.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Thomas Trares<\/strong> ist Diplom-Volkswirt. Studiert hat er an der Johannes Gutenberg-Universit&auml;t Mainz. Danach war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur vwd. Seit &uuml;ber zehn Jahren arbeitet er als freier Wirtschaftsjournalist in Berlin.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/9154676e453045c7b8019e4704855a4a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Tagen und Wochen vor Ostern sind einige bemerkenswerte wirtschaftspolitische Entscheidungen gefallen. So hat der Pr&auml;sident der Europ&auml;ischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, den Leitzins auf historische 0,0 Prozent gesenkt. 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