{"id":32638,"date":"2016-04-01T08:59:50","date_gmt":"2016-04-01T06:59:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32638"},"modified":"2016-04-07T11:01:38","modified_gmt":"2016-04-07T09:01:38","slug":"gabriel-schlaegt-lafontaine-die-zusammenarbeit-von-spd-und-linkspartei-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32638","title":{"rendered":"Gabriel schl\u00e4gt Lafontaine die Zusammenarbeit von SPD und Linkspartei vor"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160401_garbiel.jpg\" alt=\"Sigmar Gabriel\" title=\"Sigmar Gabriel\"><\/div><p>Dank der guten Kontakte zu F&uuml;hrungspersonen der beiden Parteien sind die NachDenkSeiten in den Besitz eines vertraulichen, strategisch wichtigen Papiers gekommen. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel schl&auml;gt darin dem fr&uuml;heren SPD-Vorsitzenden und Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei im Saarland, Oskar Lafontaine vor, das Kriegsbeil zu begraben und im Blick auf die Bundestagswahl 2017 eine Zusammenarbeit zu erreichen. Das ist eine wahrlich notwendige, strategische Wende. Sie ist aus der Not geboren, hat aber das Potenzial f&uuml;r eine Erfolgsgeschichte. Das im folgenden in Ausz&uuml;gen dokumentierte Papier enth&auml;lt eine kurze Analyse der Ausgangslage, Vorschl&auml;ge zur Programmatik und strategische &Uuml;berlegungen zur Eroberung einer Mehrheit des fortschrittlichen Teils unserer Gesellschaft. Von <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><\/p><p><em>Der Brief war ein Aprilscherz und ist mittlerweile von uns <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32705\">aufgel&ouml;st<\/a> worden.<\/em><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_768\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-32638-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160401_Gabriel_Lafontaine_Zusammenarbeit_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160401_Gabriel_Lafontaine_Zusammenarbeit_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160401_Gabriel_Lafontaine_Zusammenarbeit_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160401_Gabriel_Lafontaine_Zusammenarbeit_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=32638-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160401_Gabriel_Lafontaine_Zusammenarbeit_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160401_Gabriel_Lafontaine_Zusammenarbeit_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Das Papier des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel (Ausz&uuml;ge):<\/strong> <\/p><p>Lieber Oskar Lafontaine,<\/p><p>wohl wissend, dass SPD und Linkspartei eher wie tief verfeindete Br&uuml;der erscheinen, wende ich mich an Dich mit dem Vorschlag zur sachlichen, zugleich emotionalen und strategischen Ann&auml;herung und Zusammenarbeit. Nat&uuml;rlich wei&szlig; ich, dass Du in der Linkspartei nicht &uuml;ber entscheidende &Auml;mter verf&uuml;gst, aber du kannst bei der vorgeschlagenen und aus meiner Sicht existenziellen Wiedervereinigung unserer politischen Kr&auml;fte eine Schl&uuml;sselrolle &uuml;bernehmen.<\/p><p><strong>Die Ausgangslage ist ern&uuml;chternd<\/strong><\/p><p>Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Baden-W&uuml;rttemberg und Sachsen Anhalt, und f&uuml;r die Linkspartei auch in Rheinland-Pfalz, haben gezeigt, dass beide Parteien mit der jetzt verfolgten Strategie keine Wahlerfolge erzielen und der Bedeutungslosigkeit entgegengehen. Das hat verschiedene Ursachen. <\/p><p>Unter anderem d&uuml;rfte eine gravierende Rolle spielen, dass die Parteien auf der linken Seite des politischen Spektrums nicht als handelnde Einheit oder wenigstens als handlungsf&auml;higes B&uuml;ndnis mit dem Ziel des Gewinns der politischen Macht gesehen werden, sondern als zerstrittene, gegeneinander positionierte politischen Kr&auml;fte. Warum sollten Menschen Parteien w&auml;hlen, die gar nicht zusammenarbeiten wollen und ihnen in dieser schwierigen gesellschaftlichen und weltpolitischen Lage keine Alternative zum herrschenden Einheitsbrei bieten. <\/p><p><strong>Die jetzige Situation hat gravierende Folgen:<\/strong><\/p><ol type=\"a\">\n<li>Wenn die Menschen keine Alternative mehr geboten bekommen, dann zweifeln sie am Sinn und an der Existenz demokratischer Verh&auml;ltnisse.<\/li>\n<li>Das Interesse f&uuml;r Politik schwindet. Die Beteiligung daran ebenfalls. Gleichzeitig werden die Menschen anf&auml;llig f&uuml;r rechtsradikale Parteien.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Es gibt gute Gr&uuml;nde, keine Zeit zu verlieren.<\/strong> Wenn SPD und Linkspartei nicht zu Wortf&uuml;hrern einer Alternative zu Frau Merkel und zum neoliberalen Zeitgeist werden, dann wird sich Schwarz-Gr&uuml;n als scheinbare Alternative anbieten. Und wenn dies nicht nur in Hessen und Baden-W&uuml;rttemberg stattfindet, sondern auch im Bund und in anderen Bundesl&auml;ndern, dann ist die Zeit und Gelegenheit f&uuml;r eine fortschrittliche Alternative verstrichen. Dann erscheint Schwarz-Gr&uuml;n als die Alternative zu Schwarz-Gelb und anderen rechtskonservativen M&ouml;glichkeiten. Diese faktische Alternativlosigkeit w&auml;re fatal. Denn:<\/p><p><strong>Die Herausforderungen sind so, dass fortschrittliche Alternativen auf nahezu allen Feldern der Politik notwendig sind:<\/strong><\/p><ol>\n<li>\n<p><strong>Herausforderung: Unsere Gesellschaft ist tief gespalten &ndash; in oben und unten, in Reich und Arm. Die Verteilung der Einkommen und der Verm&ouml;gen und damit auch der Chancen ist skandal&ouml;s.<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten Tagen ist &ouml;ffentlich geworden, dass die Lebenserwartung des &auml;rmeren Teils unseres Volkes geringer ist als die Lebenserwartung der Gut- und Bessergestellten. Das ist keine neue Erfahrung. Aber wir dachten, solche schlimmen Verh&auml;ltnisse &uuml;berwunden zu haben. In der DDR und im Westen. Noch in den f&uuml;nfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts war es in sozialdemokratisch gepr&auml;gten Familien &uuml;blich, in Anlehnung an den Titel eines Filmes von 1956 zu beklagen: &ldquo;Weil du arm bist, musst du fr&uuml;her sterben.&rdquo; Die SPD hat es dann in den sechziger und siebziger Jahren durch eine aktive Bildungs-und Sozialpolitik geschafft, wenigstens die schlimmsten Ungerechtigkeiten zu beseitigen und auch den Kindern aus Arbeiter-Familien Zugang zu einer weiterf&uuml;hrenden Bildung zu verschaffen.<br>\nWarum sollten wir an diesen guten Erfahrungen und an diesen Erfolgen nicht ankn&uuml;pfen und gemeinsam gegen Armut und Spaltung unserer Gesellschaft angehen?<\/p>\n<p><strong>F&uuml;r die SPD hat das Konsequenzen, zum Teil harte programmatische Konsequenzen.<\/strong><\/p>\n<p>Zum Beispiel:<\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>Abkehr von der Agenda 2010. Wiedereinf&uuml;hrung einer vollwertigen Arbeitslosenversicherung. Schluss mit prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen, mit Leiharbeit und Niedriglohnsektor.<\/li>\n<li>Konzentration aller Mittel auf die gesetzliche Altersvorsorge, Wiederaufbau &nbsp;ihrer Leistungsf&auml;higkeit und Stopp f&uuml;r alle Formen staatlicher F&ouml;rderung privater Altersvorsorge.<\/li>\n<li>Umkehr auf dem Weg zur Zweiklassenmedizin.<\/li>\n<li>Die Privatisierung &ouml;ffentlicher Einrichtungen war ein Irrweg. Die Sozialdemokratie war einmal schon viel weiter, als sie formulierte: &ldquo;Wettbewerb soweit wie m&ouml;glich, staatliche Planung und T&auml;tigkeit soweit wie n&ouml;tig.&rdquo; Am sozialen Wohnungsbau kann man studieren, dass die Privatisierung viel zu weit getrieben wurde. Genauso in der Bildungspolitik. Wir, Sozialdemokratie und Linkspartei, k&ouml;nnten zusammen neue Pfl&ouml;cke einschlagen f&uuml;r eine zugleich vern&uuml;nftige wie auch gerechte Verteilung &ouml;ffentlicher und privater T&auml;tigkeiten.<\/li>\n<li>Selbstverst&auml;ndlich w&auml;re die Steuerpolitik ein wichtiges Feld gemeinsamer T&auml;tigkeit zur Minderung der Spaltung unserer Gesellschaft, zum Beispiel:\n<ul>\n<li>Der Spitzensteuersatz k&ouml;nnte doch mindestens auf das Niveau der Zeit von Helmut Kohl angehoben werden: 53 %.<\/li>\n<li>Die zum 1.1.2002 eingef&uuml;hrte Befreiung der Gewinne beim Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen von der Besteuerung m&uuml;sste gestrichen werden. Das h&auml;tte nicht nur Folgen f&uuml;r die Steuergerechtigkeit; Das w&auml;re auch ein Beitrag gegen den weiteren steuerbeg&uuml;nstigten Ausverkauf von deutschen Unternehmen, die jeweils in der Regel mit harten Belastungen f&uuml;r die Betriebe und vor allem f&uuml;r die Besch&auml;ftigten verbunden waren und sind.<\/li>\n<li>Wir m&uuml;ssten und k&ouml;nnten gemeinsam nach Wegen suchen, um Spekulationsgewinne weitgehend ab zu sch&ouml;pfen. Das w&auml;re ein wichtiger Schritt zur Entmachtung der Finanzwirtschaft.<\/li>\n<li>Wichtig w&auml;re der unbestechliche Kampf gegen Steueroasen und Steuerhinterziehung.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das waren einige wenige Beispiele f&uuml;r eine gemeinsame Politik zum Abbau der Spaltung unsere Gesellschaft. Wahrscheinlich k&ouml;nnten wir uns recht schnell auf eine Reihe anderer wichtiger &Auml;nderungen verst&auml;ndigen.<\/p><\/li>\n<li>\n<p><strong>Herausforderung: Der neue West-Ost-Konflikt, Kalter Krieg und wirkliche Kriegsgefahr.<\/strong><\/p>\n<p>Was wir 1989 erreicht hatten &ndash; das Ende des West-Ost-Konfliktes, die Zusammenarbeit zwischen West und Ost, zwischen den USA, Europa und Russland, die Verabredung, gemeinsam f&uuml;r Sicherheit in Europa zu sorgen &ndash; das ist nahezu alles verspielt worden. Der Konflikt zwischen West und Ost wird auf vielerlei Weise angeheizt. Die NATO r&uuml;ckt immer n&auml;her an die Grenzen Russlands heran. Es wird aufger&uuml;stet, mit Waffen und mit Worten. Wichtige Regeln aus der Zeit der Entspannungspolitik sind vergessen. Sich in die Lage des anderen zu versetzen, Vertrauen zu bilden, zu bedenken, was die Konfrontation f&uuml;r die innere Entwicklung des Partners beziehungsweise des Gegners bedeutet &ndash; alles vergessen. Wandel durch Ann&auml;herung &ndash; eine vergessene politische Leitlinie, vergessen, obwohl sie &auml;u&szlig;erst erfolgreich war. <\/p>\n<p>Sozialdemokraten und Linkspartei k&ouml;nnten auf ein gemeinsames gedankliches und faktisches Erbe zur&uuml;ckgreifen und eine neue Politik der Verst&auml;ndigung einleiten. Diese ist lebensnotwendig.<\/p><\/li>\n<li>\n<p><strong>Herausforderung: Die USA. Und das Ziel: Befreiung Europas aus der Vormundschaft der USA.<\/strong><\/p>\n<p>Wegen des imperialen Anspruchs ihrer meinungsf&uuml;hrenden Eliten aus dem neokonservativen und aus dem etablierten demokratischen Lager und ihrer Neigung zur milit&auml;rischen Intervention wurden sie erkennbar eher zum St&ouml;renfried als zum Retter des Weltfriedens. Mit Clinton oder Trump als Pr&auml;sident\/in w&uuml;rde die Lage noch schlimmer.<br>\nEuropa muss sich milit&auml;risch, au&szlig;enpolitisch und wirtschaftspolitisch aus der Vormundschaft der USA befreien. <\/p>\n<p>Praktisch hei&szlig;t das vieles: langfristig zum Beispiel die K&uuml;ndigung der milit&auml;rischen Basen und die Aufl&ouml;sung der NATO, wie es &uuml;brigens im SPD-Grundsatzprogramm von 1989 schon anvisiert und versprochen worden ist. Kurzfristig zum Beispiel die Verweigerung der Zustimmung zu den Freihandelsabkommen TTIP und CETA. Kurzfristig sollte auch die Streichung der Sanktionen gegen&uuml;ber Russland auf der Agenda stehen. Diese Politik, auf die sich SPD und Linkspartei leicht verst&auml;ndigen k&ouml;nnten, wenn sie ihren Grundwerten treu blieben, richtet sich nicht gegen das amerikanische Volk. Sie richtet sich ausschlie&szlig;lich gegen den Anspruch ideologisch gepr&auml;gter US-Eliten, die nicht auf Partnerschaft, sondern auf imperiale Macht setzen.<\/p><\/li>\n<li>\n<p><strong>Herausforderung: Europa retten.<\/strong><\/p>\n<p>Wir, die deutsche Bundesregierung und damit die Koalition aus CDU, SPD und CSU, haben mit ihrer Austerit&auml;tspolitik und W&auml;hrungspolitik der forcierten Export&uuml;bersch&uuml;sse Europa an den Rand des Scheiterns gebracht. Die Linkspartei war zwar auch nicht immer einheitlicher Meinung, sie hat aber von Anfang an eine vern&uuml;nftige und insgesamt Europa f&ouml;rderlichere Linie vertreten. Sie hat sich an der Dem&uuml;tigung zum Beispiel des griechischen Volkes nicht beteiligt. Jedenfalls k&ouml;nnten Sozialdemokraten wie auch die Bundesregierung auf diesem Feld der Politik viel von den Fachleuten der Linkspartei lernen, die Zusammenarbeit w&auml;re produktiv und sie w&auml;re n&ouml;tig, um die Volkswirtschaften Europas in eine gleichgerichtete Entwicklung zu bringen, in eine Richtung, die allen V&ouml;lkern die Luft zum Atmen, zur Entwicklung ihrer Wirtschaftskraft und zur Gestaltung ihrer eigenen Lebensweise l&auml;sst. <\/p>\n<p>Welche Folgen das dann f&uuml;r die Weiterentwicklung des Euro und des Euroraums h&auml;tte, w&auml;re zu besprechen. Der Spielraum f&uuml;r eine vern&uuml;nftige und erfolgreiche Politik ist schon deshalb gro&szlig;, weil sie von den Fesseln der Ideologie eines Herrn Sch&auml;uble befreit w&auml;re.<\/p>\n<p><strong>Wichtig f&uuml;r den k&uuml;nftigen Zusammenhalt Europas ist die Wirtschafts- und Lohnpolitik unseres eigenen Landes, unserer Regierung und der Tarifpartner.<\/strong><\/p>\n<p>Die L&ouml;hne in Deutschland, genauer die Lohnst&uuml;ckkosten, m&uuml;ssen im Vergleich zu den meisten anderen L&auml;ndern Europas steigen. Deutschland muss eine aktive Besch&auml;ftigungspolitik betreiben. Es muss zusammen mit anderen &auml;hnlich gelagerten L&auml;ndern Europas zur Konjunktur-Lokomotive der Europ&auml;ischen Union werden. Sozialdemokratische Wirtschafts- und Finanzpolitiker &ndash; ich erinnere an Karl Schiller &ndash; haben in einer &auml;hnlich gelagerten Situation Ausgangs der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts noch gewusst, was sachgerechte Wirtschaftspolitik ist. Jetzt m&uuml;ssen und k&ouml;nnen wir von der Linkspartei auf diesem wichtigen Feld der Politik lernen. Wir sind bereit, das zu tun.<\/p><\/li>\n<li>\n<p><strong>Herausforderung: Der Werteverfall.<\/strong><\/p>\n<p>Vermutlich gibt es kein anderes Wort, das &auml;hnlich oft und inbr&uuml;nstig wie das Wort &ldquo;Werte&rdquo; oder &ldquo;Wertorientierung&rdquo; von neoliberal gepr&auml;gten Politikern und Ideologen im Munde gef&uuml;hrt wird.<\/p>\n<p>Das aber ist reine Camouflage. Damit wird verdeckt und soll wohl auch verdeckt werden, dass in einer Welt der totalen Kommerzialisierung Egoismus die entscheidende Leitlinie des Handelns ist. Schon das neoliberale Glaubensbekenntnis, &ldquo;jeder ist seines Gl&uuml;ckes Schmied&rdquo;, ist eine Verneigung vor dem Egoismus als Richtschnur des Zusammenlebens.<\/p>\n<p>Den Blick auf das eigene Interesse wird es immer geben. Das ist menschlich. Entscheidend ist, ob Egoismus und Ellenbogen das Zusammenleben der Menschen in einer Gesellschaft total pr&auml;gen sollen. Entscheidend ist, dass Raum bleibt f&uuml;r Mitmenschlichkeit, f&uuml;r Solidarit&auml;t und die F&auml;higkeit zum Mitleiden, Mitf&uuml;hlen, Compassion, wie es Willy Brandt 1972 gesagt und empfohlen hat. Das war f&uuml;nf Wochen vor einer erfolgreichen Wahl. Ich erw&auml;hne das Beispiel deshalb, weil es zeigt, dass man als linke Partei mit dem Appell an den Grundwert Solidarit&auml;t Wahlen gewinnen kann. Jeder Mensch schaut auf sein eigenes Interesse, aber die Mehrheit der Menschen ist auch ansprechbar f&uuml;r Solidarit&auml;t mit anderen Menschen.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Damit bin ich bei der wichtigen Frage, ob und wie die Parteien des fortschrittlichen Spektrums unserer Gesellschaft Wahlen gewinnen k&ouml;nnen.<\/strong><\/p><p>Dazu ein paar Einsch&auml;tzungen und Empfehlungen:<\/p><ol type=\"A\">\n<li>Wir m&uuml;ssen die Menschen auf ihre gute Seite, auf Ihre Bereitschaft zu Solidarit&auml;t und Mitf&uuml;hlen ansprechen.\n<p>Das wird nicht m&ouml;glich sein, wenn wir nichts tun, um die Spaltung unsere Gesellschaft in Arm und Reich wirksam zu mindern.<\/p><\/li>\n<li>Die herrschende Ungerechtigkeit, die unfaire Verteilung von Einkommen und Verm&ouml;gen ist inzwischen ein Thema geworden, das in weiten Kreisen besprochen und erfasst wird. Deshalb kann die Spaltung unserer Gesellschaft ein wichtiges Thema werden.<\/li>\n<li>Neben Gerechtigkeit muss Effizienz und die fachliche Qualit&auml;t der Wirtschaftspolitik eine Dom&auml;ne des linken Teils unsere Gesellschaft werden. Zu Unrecht gelten die Konservativen und Neoliberalen als kompetenter. Sie haben rund um versagt. Ihre Politik hat zu einer europaweiten Unterauslastung der Ressourcen gef&uuml;hrt. Sie haben die W&auml;hrungsunion an die Wand gefahren. Sie lassen riesige Monopole und Oligopole zu. Das widerspricht ihren Sonntagsreden &uuml;ber die Marktwirtschaft. Deshalb, so meine ich, kann und muss Wirtschaftskompetenz und Effizienz das Markenzeichen der Sozialdemokratie und der Linken sein.<\/li>\n<li>Jahrzehntelang war die Parole &ldquo;Nie wieder Krieg&rdquo; in Deutschland mehrheitsf&auml;hig. Die Mehrheit mag unter dem Eindruck der verschiedenen gef&uuml;hrten Kriege und der st&auml;ndigen Kriegspropaganda etwas geschrumpft sein. Aber die Sorge um den Frieden wird ein gro&szlig;es Thema bleiben und gr&ouml;&szlig;er werden k&ouml;nnen. Auch deshalb, weil st&auml;ndig Anl&auml;sse daf&uuml;r geboten werden: leider viele Kriege, immer neue Milliarden f&uuml;r die milit&auml;rische R&uuml;stung und so weiter.<\/li>\n<li>Kein neuer West-Ost-Konflikt. Dieses Ziel ist mehrheitsf&auml;hig. Sozialdemokraten und Linke vertreten es in gleicher Weise glaubw&uuml;rdig. Auch wenn die Propaganda der kalten Krieger anschwillt, sie werden bei diesem Thema nicht gewinnen, wenn die linke Seite vereint dagegen h&auml;lt.<\/li>\n<li>In weiten und sehr verschiedenen Kreisen unseres Landes ist ein Unbehagen gegen&uuml;ber den f&uuml;hrenden Kr&auml;ften der USA zu sp&uuml;ren. Deshalb und aus sachlichen Gr&uuml;nden sollte die Befreiung aus der Vormundschaft der USA ein zentrales Thema der politischen Auseinandersetzung im Blick auf die Bundestagswahl 2017 werden.<\/li>\n<\/ol><p>Es gibt noch viele andere M&ouml;glichkeiten &hellip;<\/p><p>Es w&auml;re gut und hilfreich, wir k&ouml;nnten uns bald mal treffen. Wie sieht es denn bei Dir am 1. April aus?<\/p><p>Sch&ouml;ne Gr&uuml;&szlig;e<br>\nSigmar Gabriel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160401_garbiel.jpg\" alt=\"Sigmar Gabriel\" title=\"Sigmar Gabriel\"\/><\/div>\n<p>Dank der guten Kontakte zu F&uuml;hrungspersonen der beiden Parteien sind die NachDenkSeiten in den Besitz eines vertraulichen, strategisch wichtigen Papiers gekommen. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel schl&auml;gt darin dem fr&uuml;heren SPD-Vorsitzenden und Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei im Saarland, Oskar Lafontaine vor, das Kriegsbeil zu begraben und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32638\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,189,146,161],"tags":[401,330,246,1587,255],"class_list":["post-32638","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-parteien-und-verbaende","category-soziale-gerechtigkeit","category-wertedebatte","tag-gabriel-sigmar","tag-lafontaine-oskar","tag-linke-mehrheit","tag-schwarz-gruen","tag-wahlanalyse"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32638","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32638"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32638\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32886,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32638\/revisions\/32886"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32638"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32638"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}