{"id":3269,"date":"2008-06-09T15:02:09","date_gmt":"2008-06-09T13:02:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3269"},"modified":"2015-11-22T10:20:16","modified_gmt":"2015-11-22T09:20:16","slug":"die-strategische-bedeutung-des-bedauerns-von-anne-will-fuer-den-einfluss-der-rechtskonservativen-auf-die-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3269","title":{"rendered":"Die strategische Bedeutung des Bedauerns von Anne Will f\u00fcr den Einfluss der Rechtskonservativen auf die Medien"},"content":{"rendered":"<p>Dass Anne Will am Sonntag Abend bedauerte, die Verschuldung Berlins in der Sendung vom 1. Juni fehlerhaft dargestellt zu haben, w&auml;re nicht der Erw&auml;hnung wert, wenn hierin nicht die nahezu totale Herrschaft der Union und der Oberschicht &uuml;ber die Medien sichtbar geworden w&auml;re. Der Schachzug des CDU-Manns Friedbert Pfl&uuml;ger, diese Korrektur zu fordern und durchzusetzen, hat auch strategische Bedeutung. Die Union hat den Medienschaffenden klargemacht, dass sie auch bei kleinsten Verst&ouml;&szlig;en sofort mit dem gro&szlig;en Schlag rechnen m&uuml;ssen. &Uuml;brigens auch dann, wenn die Aussage der Redaktion tendenziell sogar stimmt: Rot-rot hat &uuml;ber die Schulden bei Regierungs&uuml;bernahme hinaus noch Lasten aus der von der Union verursachten Berliner Bankenkrise geerbt. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nIch habe die Sendung vom 1. Juni gesehen. Die Passage &uuml;ber die Verschuldung der Stadt Berlin war die einzige Unfreundlichkeit von Seiten Anne Wills und der Redaktion gegen&uuml;ber der Union. Ansonsten war die Sendung gepr&auml;gt von Freundlichkeiten gegen&uuml;ber der Union und wie &uuml;blich Unfreundlichkeiten gegen&uuml;ber der Linken: <\/p><ul>\n<li>Der CSU-Ministerpr&auml;sident Beckstein durfte unentwegt reden. <\/li>\n<li>Schon Wowereit hatte weit weniger Zeit zur Verf&uuml;gung, <\/li>\n<li>Lafontaine sowieso.<\/li>\n<li>Der Vierte in der Runde, Herr Boch von Villeroy und Boch, hatte von nichts eine Ahnung, war dennoch eingeladen und wurde von Anne Will gelobt.<\/li>\n<li>Ausf&uuml;hrlich zu Wort kam einer der G&auml;ste, eine Frau, die aus der DDR zu fliehen versuchte, und daf&uuml;r ins Gef&auml;ngnis musste. Die Assoziation dieser Verbrechen der SED mit der Linken von heute war ohne gro&szlig;e Worte hergestellt. Das wurde auch nicht durch die Pr&auml;sentation eines ehemaligen CSU-Mitglieds und heutigen Mitglieds der Linken aus Schweinfurt korrigiert. Dieser Mann wurde eher hart angefasst, weil er Funktionen im &ouml;rtlichen Haus- und Grundbesitzerverein hat.\n<\/li>\n<li>Nat&uuml;rlich wurde dem Opfer der SED der Hinweis erspart, dass auch herausragende Vertreter der Union, namentlich Franz-Josef Strau&szlig;, mit SED-Vertretern bestens zusammengearbeitet haben.\n<\/li>\n<li>Schon die Themenwahl war ein Geschenk f&uuml;r die Union. Denn die Warnung vor Rot-rot passt ins Konzept der Union. Nicht einmal diese eine Sendung war also ausgewogen und schon gar nicht einseitig zulasten der Union. Von anderen Sendungen Anne Wills kann man das schon gar nicht behaupten. Eine Woche vorher lief die Sendung unter dem Titel &bdquo;Hungern muss hier keiner &ndash; Ein Land redet sich arm.&ldquo; Ohne Fragezeichen. Eine Einseitigkeit zulasten aller, die Ungerechtigkeiten und Armut erleiden oder auch nur thematisieren wollen. Dazu hat einer unserer Leser das Notwendige geschrieben. Siehe dazu Titel und Link im Anhang.\n<\/li>\n<\/ul><p>In den meisten anderen Talkshows und dem Gros der Sendungen insgesamt geben die konservativen Kreise einschlie&szlig;lich der Union und der Arbeitgeber den Ton an. Ich erinnere nur an Plasberg und seine vorletzte Sendung zum &auml;hnlichen Thema, dem angeblichen Linksruck in der SPD, und an die neueste Sendung von Maybritt Illner.<\/p><p>Dass die Union, im konkreten Fall der Berliner Fraktionsvorsitzende der Union Pfl&uuml;ger, sofort interveniert, verfolgt zumindest zwei Ziele:<\/p><p>Erstens soll in der &Ouml;ffentlichkeit der Eindruck erweckt werden, als g&auml;be es eine linke Schlagseite in den &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien. Das ist die alte Strategie der Union. Sie nannte fr&uuml;her die &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender pauschal und den WDR im besonderen &bdquo;Rotfunk&ldquo;. Jetzt versucht sie schon beim kleinsten Anlass einen &auml;hnlichen Eindruck zu vermitteln. Das hat zur Folge, dass auch kleinste Kritik an der Union als einseitig und unberechtigt erscheint, jedenfalls eine Erkl&auml;rung findet. Das dient auch der Immunisierung der Unionsanh&auml;nger gegen kritische Anmerkungen zur Union.<\/p><p>Zweitens f&uuml;hrt die Verd&auml;chtigung der Medienschaffenden als einseitig dazu, dass diese im vorauseilenden oder nachfolgenden Gehorsam Korrekturen zu Gunsten der Konservativen machen.<\/p><p>Die wenigen Redaktionen beziehungsweise Redakteure und freischaffenden Journalisten, die noch gegen den Strich b&uuml;rsten, machen immer wieder &auml;hnliche Erfahrungen. Wenn etwas der Union und wenn etwas der Arbeitgeberseite und der Wirtschaft nicht passt, wird sofort interveniert &ndash; jedenfalls beim kleinsten Ansatzpunkt, bei kleinsten Fehlern und Unstimmigkeiten. Damit sind die wenigen verbliebenen progressiven Journalisten st&auml;ndigem Druck ausgesetzt.<\/p><p><strong>Anhang:<\/strong><br>\n<a href=\"http:\/\/ad-sinistram.blogspot.com\/2008\/06\/anne-will-hat-sich-noch-immer-nicht.html\">&bdquo;Anne will hat sich noch immer nicht entschuldigt&ldquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Anne Will am Sonntag Abend bedauerte, die Verschuldung Berlins in der Sendung vom 1. Juni fehlerhaft dargestellt zu haben, w&auml;re nicht der Erw&auml;hnung wert, wenn hierin nicht die nahezu totale Herrschaft der Union und der Oberschicht &uuml;ber die Medien sichtbar geworden w&auml;re. Der Schachzug des CDU-Manns Friedbert Pfl&uuml;ger, diese Korrektur zu fordern und durchzusetzen,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3269\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[135,41,11],"tags":[1637,1192,330,452,1536,1659],"class_list":["post-3269","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-finanzpolitik","category-medienanalyse","category-strategien-der-meinungsmache","tag-beckstein-guenther","tag-berlin","tag-lafontaine-oskar","tag-linksrutsch","tag-will-anne","tag-wowereit-klaus"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3269","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3269"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28899,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3269\/revisions\/28899"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}