{"id":3272,"date":"2008-06-10T16:26:21","date_gmt":"2008-06-10T14:26:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3272"},"modified":"2015-11-22T10:14:50","modified_gmt":"2015-11-22T09:14:50","slug":"von-der-langlebigkeit-guter-gesellschaftlicher-regeln-so-genannter-social-techniques","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3272","title":{"rendered":"Von der Langlebigkeit guter gesellschaftlicher Regeln, so genannter social techniques"},"content":{"rendered":"<p>Gestern traute ich meinen Ohren nicht: der Generalsekret&auml;r der SPD Heil und dann auch der Vorsitzende Beck forderten &ouml;ffentlich, jedes Kind m&uuml;sse dem Staat gleich viel wert sein. Daraus folgt die Forderung nach einem gleichen Kindergeld f&uuml;r alle oder nach einer gleichen steuerlichen Entlastung &ndash; unabh&auml;ngig vom Einkommen. Die Formulierung &bdquo;jedes Kind muss dem Staat gleich viel wert sein&ldquo; steht nahezu w&ouml;rtlich im Steuerreformprogramm der SPD vom November 1971. Beginnen unsere Politiker zu lernen, dass gesellschaftliche Regelungen keine Eintagsfliegen sein d&uuml;rfen und dass man damit nicht spielen darf? Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nAuf die programmatische Forderung der SPD von 1971 folgte dann 1975 die Einf&uuml;hrung des gleichen Kindergeldes f&uuml;r alle und die Abschaffung der Kindersteuerfreibetr&auml;ge. Die Basis der Programmatik und des daraufhin folgenden Beschlusses der sozialliberalen Koalition von 1975 waren Erkenntnisse der Finanzwissenschaft &uuml;ber die Verteilungswirkung von Kindersteuerfreibetr&auml;gen einerseits und des gleichen Kindergelds andererseits. Dass die SPD jetzt entgegen der Grundlinie ihrer Modernisierer auf die gerechte und auch moderne L&ouml;sung der social techniques Kindergeld zur&uuml;ckkommt, ist ein Fortschritt. Ich werde im folgenden an ein paar aktuellen Beispielen sichtbar machen, wie wichtig es w&auml;re, wenn es in unserer Gesellschaft wieder einen Konsens dar&uuml;ber g&auml;be, nach guten gesellschaftlichen Regeln des Zusammenlebens (= social technique\/Ich nenne sie im folgenden etwas unpr&auml;zise &bdquo;Sozialtechnik&ldquo;.) Ausschau zu halten, diese dann zu nutzen und zu pflegen, statt einem orientierungslosen Modernisierungwahn zu folgen.<br>\nEs gibt gute Gr&uuml;nde anzunehmen, dass es gut funktionierende social techniques gibt, die ein gutes wissenschaftliches Fundament haben. Man kann sich dann immer noch entgegen der Empfehlung der Wissenschaft entscheiden. Aber man sollte zumindest die wissenschaftlichen Erkenntnisse kennen, wenn man das tut. Einige der Sozialtechniken sind nach meiner Einsch&auml;tzung wissenschaftlich und ethisch sogar so gut fundiert, dass sie nahezu zeitlos gelten k&ouml;nnten, wenn es keine anders gelagerten Einzelinteressen g&auml;be. Auf jeden Fall ist in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten unter dem Einfluss der neoliberalen Ideologie mehr zerschlagen worden, als unseren Gesellschaften gut tut.<br>\nDie R&uuml;ckbesinnung einer Partei wie der SPD auf eine schon einmal vor &uuml;ber 30 Jahren beschlossene und eingef&uuml;hrte Sozialtechnik ist deshalb ein Signal. Das sollte zu denken geben. An den folgenden Beispielen l&auml;sst sich zeigen, dass diese eine Partei in Deutschland schon einmal einigerma&szlig;en auf der H&ouml;he der wissenschaftlichen Erkenntnisse war. Und es l&auml;sst sich weiter zeigen, welchen negativen Einfluss die von Interessen und dann von neoliberalen Gedanken gepr&auml;gten konservativen Parteien auf die bei uns eingesetzten Sozialtechniken hatten und haben:<\/p><p><strong>1. Die F&ouml;rderung von Kindern. Kindergeld vs. Kindersteuerfreibetr&auml;ge<\/strong><\/p><p>In der einschl&auml;gigen Literatur der Finanzwissenschaft waren die Analysen der Wirkung beider Instrumente klar: das Kindergeld entspricht der Forderung, die Kinder sollten dem Staat gleich viel wert sein. Die Kindersteuerfreibetr&auml;ge haben zur Folge, dass die Kinder von Gut- und Spitzenverdienern dem Staat mehr wert sind als jene von Durchschnittsverdienern. Familien ohne Einkommen gehen bei Kindersteuerfreibetr&auml;gen ohnehin leer aus.<br>\nIn der Steuerreformkommission der SPD, die unter dem Vorsitz von Erhard Eppler den Beschluss vom November 1971 vorbereitete, gab es deshalb keine ernsthaften Differenzen dar&uuml;ber, den Vorschlag f&uuml;r ein gleiches Kindergeld f&uuml;r alle aufzunehmen. 1975 wurde, wie erw&auml;hnt, dieser Vorschlag in der Politik umgesetzt, dann von der schwarz-gelben Koalition von Helmut Kohl nach nur acht Jahren revidiert. Au&szlig;er der R&uuml;cksicht auf Einzelinteressen gab es keine Gr&uuml;nde f&uuml;r diesen R&uuml;ckschritt. Beachtlich ist, dass das Bundesverfassungsgericht als Vertreter ungerechter L&ouml;sungen zu betrachten ist. Aber dessen Position hat auch etwas mit den politischen Entscheidungen zu tun. Eine klare inhaltliche und politische Position der Regierenden und der Parteien, ein klares Bekenntnis zu einem gleichen Kindergeld f&uuml;r alle h&auml;tte auch Eindruck in Karlsruhe gemacht. H&auml;tte sich zum Beispiel die SPD nicht nur 1971 und 1975 sondern auch seitdem offensiv zu einer fairen und gerechten F&ouml;rderung von Kindern bekannt, dann w&auml;re auch die Meinungsbildung der Verfassungsrichter vermutlich anders gelaufen. Das Bundesverfassungsgericht ist eben auch Spiegelbild der sich artikulierenden Interessen. Leider.<br>\nDie SPD hatte im &uuml;brigen inzwischen auch faktisch ihre Linie verlassen. Sie war der Hauptmotor hinter der Einf&uuml;hrung des Elterngeldes, einer Sozialtechnik, die bewirkt, dass 1800 &euro; pro Kind und Monat erh&auml;lt, wer gut verdient und nur 300 &euro; pro Kind und Monat, wer nichts oder wenig verdient.<br>\nWenn sie jetzt zur aus meiner Sicht richtigen Erkenntnis zur&uuml;ckkehrte, dem Staat m&uuml;sse jedes Kind gleich viel wert sein, dann m&uuml;sste sie auch eine Revision des Elterngeldes anvisieren.<br>\nDie konservativen Parteien sind auch heute noch weit weg von diesen Erkenntnissen<\/p><p><strong>2. Externe Effekte und die &Ouml;kosteuer<\/strong><\/p><p>Es ist wiederum eine alte Erkenntnis der &ouml;konomischen Theorie, dass der Markt versagt, wenn es so genannte externe Effekte gibt.<br>\nPraktisches Beispiel: die Produktion der Transportleistung eines LKW verursacht Kosten nicht nur beim Produzenten der Leistung, beim Spediteur; so genannte external diseconomies belasten die Anwohner einer Ausfallstra&szlig;e oder einer Autobahn, sie belasten uns alle durch L&auml;rm und Dreck und die Klimaver&auml;nderung. Wenn solche externen Effekte einen gro&szlig;en Umfang erreichen, dann macht es Sinn, diese Kosten den Spediteuren anzulasten und sie so in ihre Kalkulationen einflie&szlig;en zu lassen.<br>\nEin anderes praktisches Beispiel ist die Verunreinigung der Abw&auml;sser. Auch da entstehen Kosten, die im konkreten Fall die Allgemeinheit belasten.<br>\nDiese &ouml;konomischen Analysen der so genannten Welfare Economics fanden auch ihren Niederschlag in der schon erw&auml;hnten SPD-Steuerkommission. Im Kommissionsergebnis gab es einen eigenen Abschnitt zur Erhebung einer Abgabe auf umweltsch&auml;dliche Produkte. Die Erkenntnisse fanden auch ihren Niederschlag in der praktischen Politik der siebziger Jahre: In der beschlossenen Abwasserabgabe zum Beispiel. Sp&auml;ter fanden sich die Ideen dann in der Programmatik der Gr&uuml;nen und letztendlich in der &Ouml;kosteuer, wie sie von Rot-Gr&uuml;n beschlossen wurde.<br>\nDass die konservativen Parteien so vehement gegen die &Ouml;kosteuer angerannt sind, zeigt nicht nur, dass sie von Umweltschutz nicht viel hielten. Es zeigt auch, dass ihre Kenntnisse von den Bedingungen einer optimalen Organisation von Marktwirtschaft nicht sonderlich ausgebildet sind. Der Markt bedarf der &ouml;kologisch motivierten Datensetzung, wenn er optimal funktionieren soll. Es ist schon eigenartig, dass genau die lautstarken Vertreter von Freiheit und Marktwirtschaft diese &ouml;konomischen Erkenntnisse f&uuml;r eine sachgerechte Rahmensitzung nicht begriffen haben.<\/p><p>Die Kenntnis der Folgen externer Effekte war &uuml;brigens auch die Basis f&uuml;r Regelungen im Baurecht. Wenn man wei&szlig; und beherzigt, dass die Baut&auml;tigkeit Einzelner externe Effekte f&uuml;r die gesamte Nachbarschaft und zum Beispiel f&uuml;r eine Kommune und Region insgesamt haben, wird man auch begreifen, warum es baurechtliche Regelungen gibt. Baurecht ist eine wichtige Sozialtechnik. Diese Erkenntnis ist in Teilen unseren Landes dem Ziel geopfert worden, Baugenehmigungen zu beschleunigen. Damit haben Politiker verschiedener Couleur sich als besonders effizient und b&uuml;rgernah profiliert. Wenn die Ergebnisse der Deregulierung in Beton gegossen sind, wachen vielleicht auch noch einige Politiker auf &ndash; &auml;hnlich wie bei der staatlichen F&ouml;rderung der Kinder.<\/p><p><strong>3. Mackenroth-Theorem und das Umlageverfahren<\/strong><\/p><p>Auf der Basis national&ouml;konomischer Erkenntnisse kommt man zu dem Schluss, dass immer die arbeitsf&auml;hige Generation f&uuml;r die Rentnergeneration und f&uuml;r die Kinder und Jugendlichen sorgen muss, unabh&auml;ngig davon welches Finanzierungssystem man f&uuml;r die Altersvorsorge w&auml;hlt. Aufgrund dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse kommt man zwangsl&auml;ufig darauf, dass das Umlageverfahren das effizienteste System der Altersvorsorge darstellt. &ndash; Diese Erkenntnisse wurden verlassen. Mit massiver Meinungsmache wurde die optimale Sozialtechnik, das Umlageverfahren, der Erosion preisgegeben.<br>\nIch wei&szlig;, dass die G&uuml;ltigkeit des Mackenroth-Theorems gelegentlich infrage gestellt wird. Diese Kritik basiert jedoch auf betriebswirtschaftlichen Analysen und auf Denkfehlern oder auf extremen Annahmen, zum Beispiel &uuml;ber die besonders hohe Rentabilit&auml;t der Anlage eines Kapitalstocks im Ausland und vorweg auch noch auf der Annahme, dass es in unserem Fall an der Sparneigung mangele. Das ist auf dem Hintergrund der Fakten &ndash; n&auml;mlich einer existierenden hohen Sparneigung &ndash; eine eher abenteuerliche Annahme.<\/p><p><strong>4. Unteilbarkeiten und die Aufteilung zwischen &ouml;ffentlich und privat<\/strong><\/p><p>In der &ouml;konomischen Theorie finden sich einschl&auml;gige Erkenntnisse dar&uuml;ber, dass Wettbewerb nicht funktionieren kann, wenn die Produktion eines Gutes oder einer Dienstleistung mit so genannten Unteilbarkeiten verbunden ist und die Durchschnittskosten mit steigender Produktion sinken. Das ist in der Regel bei Netzen zur Versorgung mit Wasser, Strom, Transportleistung und teilweise bei der Telekommunikation der Fall. Es macht keinen Sinn zwei oder drei Wasserleitungen in einer Gemeinde zu verlegen, damit Wettbewerb zwischen den Leistungsanbietern m&ouml;glich ist. Die optimale Sozialtechnik ist in diesem Fall der &ouml;ffentliche Betrieb, die Produktion einer Dienstleistung und eines Gutes in &ouml;ffentlicher Verantwortung. Im Zuge der neoliberal betriebenen Deregulierung und Privatisierung wurde auch diese Erkenntnis &uuml;ber Bord geworfen. Es wurden statt dessen Hilfskonstruktionen installiert: Netzagenturen, Regulierungsbeh&ouml;rden und &Auml;hnliches mehr. Da entscheiden dann beamten&auml;hnliche Personen &uuml;ber so genannte Netzendgelte. Sie regulieren den Wettbewerb. Das Ergebnis soll dann besser sein als in &ouml;ffentlicher Regie. H&auml;ufig entstehen statt der &ouml;ffentlichen Monopole private Monopole. Die Monopolrenditen flie&szlig;en dann auf private Konten. Es ist keinesfalls ausgemacht, dass diese Privatisierung und Deregulierungsergebnisse besser sind als die alte Sozialtechnik &bdquo;&ouml;ffentliche Regie&ldquo;. In jedem Fall ist die &ouml;ffentliche Regie dann, wenn sie demokratisch gut kontrolliert ist und entb&uuml;rokratisiert ist, nicht schlechter. &ndash; Aber das ist wie sooft in diesen F&auml;llen eine Frage der Optimierung und Gestaltung und so oder so nicht ideologisch zu entscheiden.<\/p><p><strong>5. Wettbewerb bedarf des Schutzes<\/strong><\/p><p>Lange Zeit war &uuml;ber die politischen Lager und &uuml;ber die ideologischen Lager hinweg klar, dass der Wettbewerb des Schutzes bedarf, weil die Marktteilnehmer immer die Tendenz haben, Oligopol- und Monopolstellungen anzustreben. Deshalb gab es auch selbstverst&auml;ndlich Einigkeit dar&uuml;ber, den Wettbewerb durch eine Kartellgesetzgebung zu sch&uuml;tzen. Heute ist auch diese Erkenntnis ziemlich zur&uuml;ckgetreten. Monopole und Teilmonopole wie in der Pharmaindustrie und die Quasimonopole von Microsoft und Google werden hingenommen. Auch das ist ein Verlust der Einsicht in die wichtige Sozialtechnik Schutz des Wettbewerbs. <\/p><p>Die Beschreibung wichtiger Sozialtechniken, die in den letzten Jahrzehnten au&szlig;er Dienst gestellt oder auch nur besch&auml;digt worden sind, lie&szlig;e sich fortsetzen. Ich erw&auml;hne noch: <\/p><ul>\n<li>die Einsicht in die Notwendigkeit, Macht zu kontrollieren, weil Macht dazu neigt, sich zu vermehren und sich zu verfestigen;<\/li>\n<li>die Einsicht, dass man nicht alle Bereiche unseres menschlichen Zusammenlebens der totalen kommerziellen Regelung aussetzen kann: die Bildung und Erziehung nicht; die Bildung der &ouml;ffentlichen Meinung nicht, weshalb man bei uns die Sozialtechnik w&auml;hlte, die elektronischen Medien &ouml;ffentlich-rechtlich zu organisieren; auch hier ist ein beachtlicher Erosionsprozess in Gang gekommen;<\/li>\n<li>die Einsicht, dass Spekulation das Ergebnis eines Marktprozesses nachhaltig besch&auml;digen kann; das merken wir jetzt bei den Vorg&auml;ngen auf den Kapitalm&auml;rkten; neue Regeln zur besseren Kontrolle und Steuerung des Casinobetriebs w&auml;ren notwendig.<\/li>\n<\/ul><p>Die anfangs zitierte Einsicht, dass die Idee des Kindergeldes oder eine &auml;hnliche steuerliche Regelung vern&uuml;nftig sind, ist leider noch eine Eintagsfliege. Immer noch ist die Abkehr von einigerma&szlig;en optimalen Sozialtechniken die Regel. Die Agenda 2010, Hartz I bis IV und immer neue Steuerreformen sind vom Geist der Modernisierung, der Deregulierung und Privatisierung gepr&auml;gt.<br>\nEs w&auml;re gut, die Erkenntnis, dass Modernisierung in vielen F&auml;llen kein Fortschritt gewesen ist, sondern ein R&uuml;ckschritt, w&uuml;rde an Boden gewinnen.<br>\nEs w&auml;re gut, die Verantwortlichen w&uuml;rden erkennen, dass unter dem Banner der Modernisierung wichtige Regelungen und soziale Einrichtungen wie zum Beispiel die gesetzliche Rente einem Prozess der Zerst&ouml;rung ausgesetzt worden sind.<br>\nBei manchen wie etwa bei der F&ouml;rderung von Kindern lie&szlig;e sich die Fehlentscheidung leicht korrigieren. Bei anderen wie etwa bei der gesetzlichen Rente und dem Umlageverfahren ist das schwieriger. Noch schwieriger ist die Revision von Privatisierungsentscheidungen.<\/p><p>Sozialtechniken sind, wenn sie einigerma&szlig;en durchdacht sind, auf Dauer angelegt. Nicht auf die Ewigkeit aber auch nicht auf kurze Fristen. Das wird heute h&auml;ufig &uuml;bersehen. Die Politik neigt dazu, Sozialtechniken im Trial-and-error-Verfahren zu installieren und zu revidieren. Typisch daf&uuml;r waren die Regelungen, die unter dem Namen Hartz I bis III eingef&uuml;hrt wurden: Ich-AG, PSA, Jobfloater und so weiter. Ein munteres Hin und Her. So darf man Sozialtechniken nicht verstehen.<br>\nIn der SPD gab es &uuml;brigens mit Berufung auf Willy Brandt eine Debatte dieses Themas mit absurden Akzenten. Die Modernisierer in der SPD beriefen sich bei ihrem Versuch, die Agenda-Politik Gerhard Schr&ouml;ders zu begr&uuml;nden, auf Willy Brandt und zitierten immer wieder und fast schon gebetsm&uuml;hlenartig eine in einer verlesenen Rede Willy Brandts vom 15.9.1992 enthaltene Passage. Ihr Wortlaut:<br>\n&bdquo;Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum &ndash; besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, da&szlig; jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer H&ouml;he zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.&ldquo;<\/p><p>Jede Zeit will eigene Antworten, das ist sicher richtig. Aber ich kannte Willy Brandt gut genug, um einsch&auml;tzen zu k&ouml;nnen, dass er bei dieser Formulierung sicherlich nicht empfehlen wollte, Sozialtechniken wie das Kindergeld oder den Betrieb unserer Wasserwerke und unserer Eisenbahn oder die Verteilung von Strom immer wieder neu zu regeln, zu deregulieren und zu privatisieren auf Teufel komm raus. Mit Sicherheit wollte er auch kein Alibi daf&uuml;r liefern, die sozialstaatlichen Regelungen der Bundesrepublik Deutschland, die Arbeitslosenversicherung und die Rentenversicherung zum Beispiel der Zerst&ouml;rung preiszugeben.<\/p><p>Wenn die Modernisierer die sp&auml;te Einsicht, dass das Kindergeld eine ziemlich optimale Sozialtechnik ist, zum Anlass n&auml;hmen, ihren Modernisierungswahn zu &uuml;berdenken und auf jeden Fall damit aufzuh&ouml;ren, den armen Willy Brandt daf&uuml;r in Anspruch zu nehmen, dann w&auml;re das wirklich ein Fortschritt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern traute ich meinen Ohren nicht: der Generalsekret&auml;r der SPD Heil und dann auch der Vorsitzende Beck forderten &ouml;ffentlich, jedes Kind m&uuml;sse dem Staat gleich viel wert sein. Daraus folgt die Forderung nach einem gleichen Kindergeld f&uuml;r alle oder nach einer gleichen steuerlichen Entlastung &ndash; unabh&auml;ngig vom Einkommen. Die Formulierung &bdquo;jedes Kind muss dem Staat<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3272\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[167,30],"tags":[318,444],"class_list":["post-3272","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-familienpolitik","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-elterngeld","tag-kindergeld"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3272","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3272"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3272\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28897,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3272\/revisions\/28897"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3272"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3272"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3272"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}