{"id":32753,"date":"2016-04-05T14:48:12","date_gmt":"2016-04-05T12:48:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32753"},"modified":"2016-04-05T15:51:22","modified_gmt":"2016-04-05T13:51:22","slug":"panama-papers-nicht-jahrhundertscoop-sondern-jahrhundertflopp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32753","title":{"rendered":"Panama Papers \u2013 nicht Jahrhundertscoop, sondern Jahrhundertflop"},"content":{"rendered":"<p>Heute morgen fragte ich in den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32741#h01\">Hinweisen des Tages<\/a> noch rhetorisch, was denn nun mit den Datens&auml;tzen aus Panama geschieht, die weltweit in den Medien hochgejazzt werden. Nach einigen Antworten kundiger Leser scheint sich zu best&auml;tigen, was ich bereits zuvor gemutma&szlig;t habe: Schon bald treiben unsere lieben Medien die n&auml;chste Sau durchs Dorf und die Kunden von Mossack Fonseca m&uuml;ssen sich keine Sorgen machen. <strong>Nach momentanem Kenntnisstand werden noch nicht einmal die jeweiligen Steuer- und Strafverfolgungsbeh&ouml;rden Einblick in die Daten bekommen<\/strong>. Wie der Guardian bereits meldete, respektieren die beteiligten Medien und Institutionen also die Privatsph&auml;re der Briefkastenunternehmer. <strong>Die eigentlichen Dunkelm&auml;nner sitzen demnach in den Redaktionen der beteiligten Medienkonzerne<\/strong>. So sind die Panama Papers vor allem eins &ndash; ein Fanal f&uuml;r Whistleblower, brisante Daten nicht exklusiv an Medienkonzerne zu vergeben, sondern Enth&uuml;llungsplattformen wie Wikileaks zu benutzen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWas haben Sie aus den Panama Papers gelernt? Dass afrikanische, russische, ukrainische und asiatische &bdquo;Eliten&ldquo; korrupt sind? Geschenkt, das sollte sich eigentlich auch ohne Panama Papers bereits herumgesprochen haben. Sicher, es ist immer gut, wenn Stories &uuml;ber derartige Verdunklungsmaschinerien im internationalen Finanzsystem die Runde machen und zumindest f&uuml;r wenige Tage auch politisch debattiert werden. Dass den Debatten keine politischen Schritte folgen, geh&ouml;rt dabei ebenfalls zur festen Choreographie. In der n&auml;chsten Woche geht es bereits wieder um ein anderes &bdquo;Thema des Tages&ldquo; und bereits in einem Monat wei&szlig; niemand mehr, wie Mossack Fonseca eigentlich geschrieben wird. Dies sind feste Rituale in unserer Aufmerksamkeits&ouml;konomie, an denen wir nicht r&uuml;tteln k&ouml;nnen und es w&auml;re unfair, sich nun ausgerechnet die Panama Papers herauszusuchen, um diese sinnfreien Rituale zu hinterfragen.<\/p><p>Gehen wir die Sache daher anders an: Was h&auml;tte ein funktionierender Journalismus mit diesen Daten anstellen k&ouml;nnen? Dazu sollte man sich vor allem noch einmal vor Augen halten, was eigentlich &bdquo;investigativer Journalismus&ldquo; ist. Fest steht, dass das ICIJ, also das &bdquo;Internationale Konsortium investigativer Journalisten&ldquo;, das die Auswertung der Panama Papers verantwortet hat, investigativen Journalismus offenbar mit Datenjournalismus verwechselt. Diese neue Form des Journalismus nimmt sich eine Datenbank vor und sucht anhand von Filtern und Suchbegriffen nach Infoh&auml;ppchen, die sich in Schlagzeilen packen lassen. Das ist preiswert und verspricht Quote und Klicks. Hintergr&uuml;nde, Zusammenh&auml;nge und Querverbindungen zu checken und aufzudecken ist hingegen teuer und auch Medienkonzerne m&uuml;ssen sparen.<\/p><p>Die 11,5 Millionen Dokumente der Panama Papers betreffen 214.488 Briefkastenfirmen, hinter denen rund 14.000 Personen stehen. Wie es momentan aussieht, wird keine einzige dieser 14.000 Personen sich jemals vor Gericht f&uuml;r ihre Taten rechtfertigen m&uuml;ssen. Und das hat nat&uuml;rlich auch seine Gr&uuml;nde. In vielen F&auml;llen ist die Dienstleistung von Mossack Fonseca nun einmal &uuml;berhaupt nicht illegal. Nehmen wir einmal einen der prominentesten Klienten als Beispiel. Salman Al Saud ist absolutistischer K&ouml;nig von Saudi Arabien. Als solcher ist er getreu dem sch&ouml;nen Sprichwort &bdquo;Der Staat bin ich&ldquo; der Staat und steht ohnehin &uuml;ber den Gesetzen Saudi Arabiens, die f&uuml;r Herrn Al Saud nicht gelten. Steuern hinterziehen kann er &uuml;brigens per Definition nicht, da er ja der Staat ist. Welchen Informationswert hat es also, wenn S&uuml;ddeutsche und Co. melden, dass Salman Al Saud eine Briefkastenfirma auf den Jungferninseln kontrolliert? Aber auch in anderen F&auml;llen ist der eigentliche Informationswert eher die Information selbst. Und das liegt vor allem am Umstand, dass wir es hier momentan lediglich mit Zeitungsberichten zu tun haben, deren Wahrheitsgehalt sicher ohne weiteres von keinem Gericht der Welt als Beweis gesehen wird. So lange die Daten der Panama Papers nicht in die H&auml;nde nationaler und internationaler Ermittler gelangen, werden die &bdquo;Enth&uuml;llungen&ldquo; daher auch keine praktischen Folgen haben. <\/p><div style=\"text-align:center\"><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160405_03.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160405_03-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p style=\"text-align: center;\"><em>Geographische Verteilung der Mossfon-Kunden, die namentlich von den Medien gennat werden<\/em><\/p><p>Unter dem Strich sieht es also so aus, als ob die beteiligten Medienkonzerne den unverhofften Datenschatz nur verwendet haben, um ein wenig Quote und Auflage zu machen. Entscheidende Fragen bleiben dabei immer noch offen: Warum befindet sich denn nun kein namhafter US-Amerikaner unter den &bdquo;Beschuldigten&ldquo;? Warum haben die S&uuml;ddeutsche Zeitung und der Guardian die Ver&ouml;ffentlichung vor allem genutzt, um auf <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32707\">unlautere Art und Weise<\/a> gegen Wladimir Putin Propaganda zu machen? Warum werden die Rohdaten nicht ver&ouml;ffentlicht?<\/p><p>Man kann wirklich nur jedem Whistleblower raten, einen gro&szlig;en Bogen um die Enth&uuml;llungskonsortien der Medienkonzerne zu machen, die vom ICIJ verwaltet werden. Schon bei den Offshore-Leaks, den Luxemburg-Leaks und den Swissleaks haben ICIJ und Co. sich nicht mit Ruhm bekleckert und die &bdquo;b&ouml;sen Buben&ldquo; blieben ungeschoren. Wer was erreichen will, sollte seine Dokumente daher lieber bei Wikileaks ver&ouml;ffentlichen. Nur so ist eine wirklich transparente und demokratische Auswertung der Dokumente m&ouml;glich.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/bcf0c64b824f4757bb26e90f0c6c94b4\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute morgen fragte ich in den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32741#h01\">Hinweisen des Tages<\/a> noch rhetorisch, was denn nun mit den Datens&auml;tzen aus Panama geschieht, die weltweit in den Medien hochgejazzt werden. 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