{"id":3277,"date":"2008-06-12T09:08:43","date_gmt":"2008-06-12T07:08:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3277"},"modified":"2015-11-22T10:09:48","modified_gmt":"2015-11-22T09:09:48","slug":"eu-richtlinie-ueber-die-arbeitszeit-entsetzen-in-spanien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3277","title":{"rendered":"EU-Richtlinie \u00fcber die Arbeitszeit \u2013 Entsetzen in Spanien"},"content":{"rendered":"<p>Der deutsche Ressortchef Olaf Scholz (SPD) wurde in der FR, zitiert: &ldquo;Das sind wichtige Bausteine eines sozialen Europas. Sie sorgen daf&uuml;r, dass Wettbewerb nicht auf dem R&uuml;cken der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausgetragen wird.&rdquo; In Spanien wird das v&ouml;llig anders gesehen. Es waren Gro&szlig;britannien und Deutschland, diejenigen L&auml;nder, die in den letzten Jahren nach der f&uuml;r sie ung&uuml;nstigen Rechtsprechung des Europ&auml;ischen Gerichtshofes &uuml;ber Ruhezeiten und Bereitschaftsdienste eine Novellierung der Arbeitszeitregelung vorantrieben haben. Ihre Erfolgsaussichten verbesserten sich schlagartig, als  in Frankreich und in Italien die Rechte die Regierung &uuml;bernahmen. Spanien hatte bis dato mit Hilfe der Regierung Prodis und Chiracs die jetzig eingetretene Novellierung verhindern k&ouml;nnen. Die Berichterstattung in Spanien ist dementsprechend anders als in Deutschland. Bereits am 9.06.08, also vor &Uuml;bereinkunft der Arbeitsminister, berichtete die spanische Presse hier&uuml;ber und &uuml;ber die Ablehnung der spanischen Regierung des deutschen und britischen Standpunktes. Entsprechend best&uuml;rzt reagierte die &Ouml;ffentlichkeit in Spanien nach der &Uuml;bereinkunft. Widerstand im Europ&auml;ischen Parlament, &uuml;ber die IAO, aber auch &uuml;ber Streiks ist angek&uuml;ndigt. Unser Leser Ulrich Fischbach hat f&uuml;r uns zwei Beitr&auml;ge aus der spanischen Zeitung El Pais &uuml;bersetzt.<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Die Minister der EU debattieren &uuml;ber die Erh&ouml;hung der  Wochenarbeitszeitgrenze auf 65 Stunden<\/strong><\/p><p>Spanien f&uuml;hrt die Opposition gegen die Vorschrift an, die es als &bdquo;R&uuml;ckschritt&ldquo; betrachtet, obwohl Spanien es als schwierig  anerkennt, sie zu verhindern.<\/p><p>AGENCIAS &ndash; Luxemburg &ndash; 09\/06\/2008<\/p><p>Die Arbeitsminister der EU beabsichtigen heute eine Einigung &uuml;ber eine Gemeinschaftsnorm zu finden, die die Arbeitszeit regelt, mit der M&ouml;glichkeit, sie von 48 auf 65 Stunden in der Woche zu erh&ouml;hen.  Die Mitglieder der EU sind gespalten in diejenigen, die eine h&ouml;here Arbeitsflexibilit&auml;t fordern, angef&uuml;hrt von dem Vereinigten K&ouml;nigreich und Deutschland, und jenen, die f&uuml;r eine Ende der Ausnahmeregelungen eintreten, die mehr als 48 Stunden w&ouml;chentlich erlauben zu arbeiten, angef&uuml;hrt von Spanien. Der spanische Arbeitsminister Celestino Corbacho sagte, die Erweiterung des Arbeitstages sei ein &bdquo;R&uuml;ckschritt in der sozialen Agenda&ldquo;.<\/p><p>Die Minister debattieren &uuml;ber einen Vorschlag der Ratspr&auml;sidentschaft Sloweniens, der sich mehr zum Standpunkt des Vereinigten K&ouml;nigreichs und Deutschlands positioniert,  da er schon als definitiv eine seinerseits von London eingef&uuml;hrte Klausel , das so genannte opt-out, best&auml;tigt, die Ausnahmen der H&ouml;chstarbeitszeit von 48 Stunden erlaubt, immer wenn der Arbeiter und der Unternehmer sich hierauf einigen. Au&szlig;erdem erh&ouml;ht der slowenische Vorschlag die H&ouml;chstarbeitszeit von 48 auf 65 Stunden w&ouml;chentlich. Jedoch beinhaltet der Vorschlag eine Serie von Schutzrechten derart, dass die Arbeiter das opt-out freiwillig akzeptieren und nicht durch die Furcht des Arbeitsplatzverlustes dazu gezwungen werden. <\/p><p><strong>Opposition Spaniens <\/strong><\/p><p>Die Delegation Spaniens mit Unterst&uuml;tzung Frankreichs, Italiens, Griechenlands und Zyperns hatte bis jetzt erreicht, die Novellierung der Arbeitszeitregelung zu blockieren, da sie kein Datum festlegte, das das opt-out zeitlich befristete, was nach Ansicht dieser L&auml;nder mit einem sozialen Europa unvereinbar sei. Jedoch geriet Spanien in eine Minderheit, nachdem es die Unterst&uuml;tzung der neuen Regierungen Italiens und Frankreichs, Sloweniens und Portugals verlor. Es sind bereits drei Jahre, die  die Verhandlungen &uuml;ber die Arbeitszeit andauern. <\/p><p>Die Mehrheit der Mitgliedsstaaten geben dem Vorschlag der slowenischen Ratspr&auml;sidentschaft R&uuml;ckendeckung  und wollen die Vorschrift billigen, um die Probleme zu l&ouml;sen, die ihnen das medizinische Pflegepersonal bereiten. Der Europ&auml;ische Gerichtshof hatte anl&auml;sslich diverser Angelegenheiten entschieden, das nicht aktive Zeiten des Pflegepersonals als Arbeitszeit angesehen werde m&uuml;ssen, und genau deswegen wird diese Vorschrift reformiert, um die erh&ouml;hten Kosten zu vermeiden, die die Anwendung dieser Urteile in Bereichen wie der der Gesundheit hervorruft. <\/p><p>Dennoch wird Madrid, so die Ank&uuml;ndigung des spanischen Arbeitsministers  bei seiner Ankunft in Luxemburg, seine &bdquo;Gegen&ldquo;-Position  &bdquo;schwierig&ldquo; &auml;ndern. Corbacho vertraut darauf, dass der Text bei seiner zweiten Lesung, der er im Europ&auml;ischen Parlament unterworfen wird, ver&auml;ndert werden k&ouml;nnte. &bdquo;Ich glaube, dass es kontroverse Auseinandersetzungen geben wird. Heute wird es von denjenigen eine Erkl&auml;rung geben, die diesen Vorschlag guthei&szlig;en, dass er ein gro&szlig;er sozialer Fortschritt  des sozialen Europas sei und ich glaube, dass heute Europa einen R&uuml;ckschritt in der sozialen Agenda macht&ldquo; bedauerte er, obwohl er es als Tatsache ansieht, dass die Direktive gebilligt wird., weswegen er seine Kr&auml;fte darauf konzentriert, dass die Norm im Europaparlament modifiziert werde.<\/p><p>Die EU hat Eile, die Reform zu billigen, angesichts der Aktualit&auml;t vieler Mitgliedsstaaten, die die Vorschriften der Regelung nicht erf&uuml;llen, insbesondere im Gesundheitssektor.<\/p><p>Originaltext: <a href=\"http:\/\/www.elpais.com\/articulo\/economia\/ministros\/UE\/debaten\/elevar\/65\/tope\/horas\/trabajo\/semanal\/elpepueco\/20080609elpepueco_6\/Tes\">www.elpais.com<\/a><\/p><p><strong>Die Regierung bezeichnet den Arbeitstag von 65 Stunden als &bdquo;Angriff&ldquo;<\/strong><\/p><p>Regierung, Gewerkschaften und Parteien bezeichnen den Arbeitstag von 65 Stunden als &bdquo;Angriff&ldquo;. Die PP (Volkspartei, d. &Uuml;bers.) ist anderer Meinung und beschuldigt die Exekutive des &bdquo;Verwirrens&ldquo;.<\/p><p>10\/06\/2008<\/p><p>Regierung, Gewerkschaften, politische  und autonome Parteien betrachten das von den Arbeitsminister der Europ&auml;ischen Union (EU) erzielte &Uuml;bereinkommen, den Arbeitstag auf bis zu 65 Stunden w&ouml;chentlich zu erh&ouml;hen,  als einen &bdquo;Angriff&ldquo; auf die Rechte der Arbeiter.<\/p><p>Die Arbeitsminister der 27 Staaten der EU erreichten nach ca. 12 Stunden Verhandlungen, den Vorschlag durchzusetzen, der jetzt vom Europ&auml;ischen Parlament (EP) gebilligt werden muss, um in Kraft zu treten. <\/p><p>Die spanische Regierung lehnt die europ&auml;ische Direktive ab,   best&auml;tigte der Au&szlig;enminister Miguel Angel Moratinos, der ank&uuml;ndigte, dass Spanien im Europ&auml;ischen Parlament darauf hinarbeiten werde, sie zu &uuml;berpr&uuml;fen. <\/p><p>Der Minister f&uuml;r Arbeit und Immigration Celestino Corbacho sagte gestern vor Beendigung der Versammlung mit seinen Kollegen der EU, dass Europa einen &bdquo;R&uuml;ckschritt&ldquo; in seiner sozialen Agenda mit dieser Ma&szlig;nahme, die Europa &bdquo;mehr dem 19. Jahrhundert als dem 20. Jahrhundert n&auml;her bringe&ldquo;, erleiden werde.<\/p><p>Die Gewerkschaft CCOO betrachtete ihrerseits die Direktive als &bdquo;unertr&auml;glich&ldquo; und k&uuml;ndigte an, den Inhalt ihrer Intervention vor der 97. Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) am n&auml;chsten 12. Juni zu &uuml;berarbeiten, um die Direktive zu annullieren, w&auml;hrend der Generalsekret&auml;r der Gewerkschaft UGT C&aacute;ndido M&eacute;ndez warnte, dass &bdquo;wir in eine sehr ernste Situation der Konfrontation geraten k&ouml;nnen&ldquo;.<\/p><p><strong>Die PP ist anderer Meinung<\/strong><\/p><p>Auch alle politischen Parteien mit Ausnahme der PP betrachten die Direktive als einen sozialen Einschnitt.<br>\nDer Sprecher f&uuml;r Besch&auml;ftigung der Volkspartei Jos&eacute; Ignacio Ech&aacute;niz beschuldigte die Regierung, die &ouml;ffentliche Meinung zu &bdquo;verwirren&ldquo; , da die Direktive &bdquo;nicht zwingend sei&ldquo; und sich auf ein punktuelles Problem beschr&auml;nke bez&uuml;glich der Berechnung der Arbeitsstunden des medizinischen Pflegepersonals. <\/p><p>Originaltext:<br>\n<a href=\"http:\/\/www.elpais.com\/articulo\/economia\/Gobierno\/califica\/jornada\/65\/horas\/agresion\/elpepueco\/20080610elpepueco_12\/Tes\">www.elpais.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der deutsche Ressortchef Olaf Scholz (SPD) wurde in der FR, zitiert: &ldquo;Das sind wichtige Bausteine eines sozialen Europas. Sie sorgen daf&uuml;r, dass Wettbewerb nicht auf dem R&uuml;cken der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausgetragen wird.&rdquo; In Spanien wird das v&ouml;llig anders gesehen. Es waren Gro&szlig;britannien und Deutschland, diejenigen L&auml;nder, die in den letzten Jahren nach der f&uuml;r<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3277\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,22,20],"tags":[469,831,564],"class_list":["post-3277","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-europaische-union","category-landerberichte","tag-grossbritannien","tag-scholz-olaf","tag-spanien"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3277","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3277"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3277\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28893,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3277\/revisions\/28893"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3277"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3277"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3277"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}